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Dikigoros lange gezögert, seinen Lesern einen Film wie diesen vorzustellen: Es ist der einzige auf dieser "Reise durch die Vergangenheit", dessen deutsch synchronisierte Fassung ("So reisen und so lieben wir") in deutschen Kinos nie gelaufen ist. (Sie wurde wohl für die Schweiz produziert; der Produzent David Wolper hatte bis dahin nur durch einige anti-deutsche, anti-japanische und pro-sowjetische Kriegsfilme von sich reden gemacht, u.a. "Die Brücke von Remagen" und "Aufstieg und Fall des Dritten Reiches".) Die Schauspieler kannte kaum jemand (schon gar nicht außerhalb der USA); und über die mehr oder weniger lächerlichen Auswüchse des "Bildungs-Tourismus", die der Film auf die Schippe nimmt, sind wir - vor allem wir Deutschen - im guten alten Europa ja derart erhaben (so stand es jedenfalls anno 2004 sinngemäß im LOCUS FOCUS
zu lesen),
daß wir aus diesem Film überhaupt nichts lernen können - oder etwa doch?

Wenn europäische Touristen in 18 Tagen durch die USA reisen, dann lernen sie dabei sicher viel mehr über Land und Leute als umgekehrt. Darf Dikigoros aus einem gängigen Prospekt zitieren: "Flug von Frankfurt nach New York City, weiter nach Washington, Miami Beach, Disney Word, New Orleans, Dallas, Los Angeles, San Francisco, Las Vegas, Salt Lake City, Yellowstone Park, Chicago, New York City und wieder zurück nach Frankfurt." Moment, fehlt da nicht so einiges? Ach was, zu mehr reicht die Zeit eben nicht; und wer so eine Reise gemacht hat - möglichst noch in einer schönen großen Gruppe kulturbeflissener Landsleute unter deutschsprachiger "Führung" - hat die Welt gesehen, wie man so schön sagt. Daß er sie verstanden - oder gar Verständnis für sie erworben - hat, behauptet ja niemand, und wie sagt der Italiener so schön: "Chi s'è visto s'è visto." Allerdings haben es die Amerikaner auch viel leichter als die Europäer, denn während es in den USA 50 Bundesstaaten gibt, gibt es - bzw. gab es 1968/69, als der Film gedreht wurde - in Europa nur rund halb so viele, und wiederum die Hälfte davon lagen jenseits des "Eisernen Vorhangs", hinter den Amerikaner ohnehin nicht reisten. (Und die Türkei und Israel zählten damals auch noch nicht dazu :-) Auch Skandinavien bleibt im Film außen vor - irgendwann unterhält sich ein Paar darüber, daß sie nächstes Mal dorthin reisen wollen. Auf der iberischen Halbinsel regieren dagegen zwei böse Diktatoren -
Franco und
Salazar
-, deshalb werden Spanien und Portugal nicht einmal erwähnt. Bleiben neun Länder, nämlich die sechs alten EWG-Staaten, Großbritannien (das erst 1972/73 dazu stoßen sollte), Österreich und die Schweiz; dabei wird Italien der meiste Raum gewidmet; und das hat letztlich den Ausschlag dafür gegeben, daß Dikigoros diesen Film seinen Lesern vorstellen will, denn er hegt den Verdacht, daß auch Billy Wilder ihn gesehen hat, bevor er sein Meisterwerk
"Avanti, Avanti"
drehte, und daß er einige Anregungen dabei gewonnen hat. (Nein, Dikigoros schreibt nicht "Anleihen gemacht hat", so weit würde er nicht gehen - obwohl auch das verzeihlich wäre. Aber Ihr dürft den Thesen über die Wahl jenes Filmtitels aus dem letzten Link noch eine weitere hinzu fügen, nämlich: Wilder fand das erfrischende "Avanti!", das der britische Reiseführer seinen US-amerikanischen Schäfchen von Zeit zu Zeit entgegen schmettert, so anregend, daß er es gleich übernommen hat :-)
Nun hat Dikigoros zwar nie einen Hehl daraus gemacht, daß er persönlich von Reisen wie der hier persiflierten nicht viel hält; aber er schreibt das nicht als ein Vorurteil, sondern als ein Nachurteil, denn wie fleißige Leser seiner "Reisen durch die Vergangenheit" wissen, hat er auch selber mal so angefangen, die USA zu bereisen - im Greyhound von Stadt zu Stadt, und dort mit Greyline von Stadtrundfahrt zu Stadtrundfahrt, weshalb er durchaus nachvollziehen kann, wie leicht man Gefahr läuft, sich an diese "bequeme" Art des Reisens zu gewöhnen. Und, Hand aufs Herz, liebe Leser, für viele Zeitgenossen ist das vielleicht wirklich die beste Art des Reisens oder zumindest die am wenigsten schlechte, denn wer hat schon Zeit, ein halbes Dutzend Fremdsprachen zu lernen (da haben es die Europäer, die in die USA reisen, leichter: die brauchen nur Amerikanisch, Spanisch und Ebonics zu lernen - und die beiden letzteren ohnehin nur, wenn sie vorhaben, auch die Ghettos und Slums der Großstädte zu besuchen) und sich dann so viel Urlaub nehmen, daß er sich alles genau und in Muße zu Gemüte führen kann? (In den USA gibt es in der Regel nicht 6 Wochen bezahlten Urlaub, wie in der BRD, sondern allenfalls 2, der Rest ist - wenn er überhaupt gewährt wird - unbezahlt!) Und ist es nicht praktisch, wenn ein kompetenter Leitwolf, pardon Reiseführer seine Schäfchen auf Sehenswürdigkeiten hinweist, die sie sonst womöglich im Vorbeilaufen übersehen - wenn sie denn überhaupt hinfänden?
Genug der Vorrede, kommen wir zur Filmhandlung - und die beginnt notwendigerweise in den USA. Auch da gibt es Ausländer, sogar fast ausschließlich; denn wie wir schon aus dem Kultfilm
Sein letztes Kommando
wissen: "Die einzig echten Amerikaner leben hinter den Bergen und tragen Federschmuck im Haar!" Und die anderen erinnerten sich anno 1969 wenigstens noch dunkel ihrer europäischer Wurzeln, z.B. die Italiener... Halt, Dikigoros will noch einmal von vorne anfangen, anders, weil Shaw das auch tut, und damit zum Ausdruck bringt, daß er - ähnlich wie sein Kollege Billy Wilder - zwar Jude ist, aber einer, der seine Religion nicht ganz ernst nimmt; sonst hätte er sich zu dem folgenden Sakrileg gleich zu Beginn seines Opus schwerlich hinreißen lassen. Kennt Ihr das "Hohelied Salomos", liebe Leser? Wahrscheinlich nicht - wer liest heutzutage schon noch die Bibel, und gleich gar das Alte Testament? Eine der schönsten Passagen daraus ist die, als der Geliebte die Stimme erhebt und spricht: "Mache Dich auf, meine Liebe, meine Schöne, und komm. Denn siehe, der Winter ist vorbei, die Regenzeit ist vorüber, vergangen. Die Blumen zeigen sich im Lande [der Film spielt uns dazu passende Bilder ein], die Zeit des Singens ist gekommen, und die Stimme einer Turteltaube läßt sich hören in unserem Lande..." Shaw - der den Text eh schon gekürzt hat - ersetzt den letzten Halbsatz durch: "und die Stimme eines Touristen..." - und dann sagt der Italo-Amerikaner zur Verkäuferin im Reisebüro so etwas Profanes wie: "Ich habe Verwandte in Italien, bei denen ich essen kann; bekomme ich die Kosten für nicht in Anspruch genommene Mahlzeiten erstattet?" - "Nein, keine Erstattungen," antwortet die und verweist auf den äußerst günstigen Pauschalpreis von 448,50 $ (incl. Flug in einem Düsenjet der TWA). Das war in der Tat echt billig - auch wenn der US$ vor Aufkündigung des
Abkommens von Bretton Woods durch
Nixon
1971 noch beträchtlich mehr wert war als heute.) Ein anderer Reisender - Jack - kennt Europa noch aus dem Zweiten Weltkrieg und will Erinnerungen an seine Heldentaten und "die schönste Zeit meines Lebens" auffrischen. Eine Reisende will ihrem heiratswütigen Freund entfleuchen. Wieder ein anderer will eigentlich gar nicht nach Europa reisen - der tut es nur, weil die Frau solange gequengelt hat, bis er einwilligte, und so mäkelt er denn während der ganzen Reise nur herum. Andere Reisende sehen im alten Europa so etwas ähnliches wie das, was man heute die "Dritte Welt" nennt - erinnert Ihr Euch noch an die Diskussion zwischen MacNamara und seiner Frau in
"One, Two, Three [Eins, zwei, drei]"?
Warum meint letztere, daß die Familie dringend aus Berlin in die USA zurück kehren müsse? Weil die Zähne der Tochter reguliert werden müssen - europäischen Ärzte sind dazu bekanntlich unfähig - und der Sohn endlich mal ein Erdnußbutter-Sandwich kennen lernen muß, weil es das in Europa angeblich nicht gibt. Und dabei lebt sie schon seit einiger Zeit in Berlin und müßte es eigentlich besser wissen... Wollt Ihr es da US-Amerikanern, die erstmals auf Europareise gehen, verdenken, wenn sie sich vorher mit Impfstoffen vollpumpen lassen, nach dem Motto: Immer noch besser "The Vaccinated Americans" als
"The Ugly American!"
(Nein, das sagt nicht die Impfwütige, sondern eine andere Mitreisende - bei Minute 07:24 -; Dikigoros nimmt das nur schon mal vorweg, um zu erwähnen, daß Shaw offenbar weder das Buch gelesen hat, dessen Titel diesem Schlagwort zugrunde liegt, noch dessen Verfilmung, denn das paßt an dieser Stelle überhaupt nicht; aber damit befindet er sich in guter Gesellschaft, mit den meisten Amerikanern, die es ebenfalls an unpassender Stelle verwenden :-)
Eine andere Mitreisende kauft im Supermarkt einen Vorrat an Klopapier, der für mehrere Monate ausreichen würde. Was tut Ihr denn, bevor Ihr z.B. in den Orient oder auch nur bis Osteuropa reist? Eben, genau das gleiche! (Und das ist ja auch gut so.) Außerdem nehmt Ihr wahrscheinlich einen Fotoapparat mit oder eine Filmkamera, um die "Eingeborenen" aufzunehmen - und so halt auch die Amerikaner im Film. Ein Reisender namens Bert hat nur hübsche Frauen und Mädchen im Sinn: "In Europa kommt jeder zum Zug", behauptet er gegenüber seinen daheim bleibenden Buddies, die da eher skeptisch sind, vor der Abreise. Und wenn er sie schon nicht in die Kiste bekommt, dann wenigstens in den Kasten, so wie ja auch die modernen Safari-Jäger ihre Beute nicht mehr abknallen ("bang" - ein Wort, das im britischen Englisch eine etwas andere Bedeutung hat als im amerikanischen, wie wir bei Minute 17:35 erfahren), sondern nur noch auf Zelluloid bannen... (Und auch das ist ja gut so.)
Um den US-Touristen - den "Unschuldigen im Ausland", wie
Mark Twain
sie einst nannte - den Kulturschock etwas zu erleichtern, läßt "World Wind Tours" die Reise in Großbritannien beginnen, genauer gesagt in London; dort stößt ein (typisch britischer?) Reiseleiter namens Charlie Cartwright - nicht verwandt und nicht verschwägert mit den Helden der Fernsehserie Bonanza, die damals gerade "en vogue" war - zur Truppe. Ja, zur Truppe, so kommt er sich bei denen jedenfalls vor, wie er seiner Freundin erzählt, und sie genießen bei ihm nicht die geringsten Sympathien. Sein Fazit nach 224 Touren in sechs Jahren (so behauptet er wenigstens; aber wer mal nachrechnet, stellt fest, daß er da schwindelt; denn in sechs Jahren kann er, selbst wenn er pausenlos tätig war, allenfalls halb so viele Touren gemacht haben): "Die Amis sind doch alle gleich," meint er, "wenn man einen gesehen hat, hat man sie alle gesehen." Und sein Lieblingssatz - den wir ebenfalls bereits aus "Eins, zwei drei" kennen - lautet: "Yankee go home!" Als er dann allerdings Samantha sieht (gespielt von der rassigen [Halb-]Jüdin Suzanne Pleshette, den meisten Kinogängern vor allem bekannt aus Hitchcocks
"The Birds [Die Vögel]")
ändert er seine Meinung prompt und beginnt, ihr den Hof zu machen, denn er weiß ja von der ersten Anwesenheitsprüfung anhand der Passagierliste, daß sie noch "zu haben" ist. Wieso? Das muß Dikigoros Lesern des 21. Jahrhunderts erklären: Damals wäre noch niemand auf die Schnapsidee gekommen, alle weiblichen Wesen mit einem Wort zu bezeichnen, das "Ms" geschrieben und "Mz" gesprochen wird (das "z" wie ein weiches, stimmhaftes "s"). Und da auf der Liste nur "Sam Perkins" steht, hat er natürlich gleich gefragt: "Miss oder Mrs.?" Heute würde ihm das wahrscheinlich eine Beschwerde beim Reiseveranstalter und/oder womöglich auch noch ein Strafanzeige wegen "sexueller Belästigung" eintragen; denn es scheint noch niemandem aufgefallen zu sein, daß verheiratete Frauen nach wie vor mit "Mrs." angesprochen werden wollen; nur die dümmsten der dummen Gänschen glauben, sie könnten durch die Anrede "Mizz" statt "Miss" (mit scharfem, stimmlosen "s") verschleiern, daß sie noch keinen Mann abbekommen haben. (Solche Meinungsumfragen werden nicht durchgeführt und solche Statistiken nicht erhoben :-) In Europa kam es damals gerade in Mode, daß Frauen nach der Heirat einen Doppelnamen annahmen, um zu demonstrieren, daß sie nicht mehr zu haben waren.
Zurück zum Kulturschock: In Europa erlebte die Mini-Mode 1968/69 gerade ihren Höhepunkt - so etwas hätte damals noch keine anständige Amerikanerin getragen. Nun, die Vorstellungen von "Anstand" hatten sich in den USA offenbar seit "One, two, three" noch nicht wesentlich geändert - war ja auch erst knapp acht Jahre her -, und die Methoden, um ihn zu bewahren bzw. wieder herzustellen, ähnelten sich ebenso wie die Erfolge, die sie zeitigten - nämlich null: Shelly, ein Teenager aus Charlotte im prüden North Carolina, wird von ihren Eltern im Bett mit ihrem Freund erwischt; und zur Strafe muß sie mit nach Europa - so wie Mr. Hazeltine seine Tochter Scarlett nach Berlin schickt, damit sie dort ihren pickeligen kleinen Fußballspieler vergißt - natürlich lacht sie sich dort gleich einen neuen Verehrer an, genau wie Shelly... Doch dazu später mehr.
Aber es gibt ja noch mehr, was "die" US-Amerikaner von "den" Briten unterscheidet als die Moralvorstellungen. "Hier sieht alles so fremdländisch aus," meint eine Reisende, während sie aus dem Busfenster schaut. Was führt Shaw uns da vor? Woolworth, Kentucky Fried Chicken, Safeway, Playboy... Was erwarten Amerikaner eigentlich noch, um sich zuhause ("home sweet home away from home sweet home") zu fühlen? Vielleicht "The Star Spangled Banner"? Damit kann Charlie freilich nicht dienen; er läßt zur Einstimmung etwas typisch Britisches vom Tonband des Reisebusses dudeln. Nein, nicht "God Shave the King" - schlimmer: "Britannia Rule the Waves..." Über die Frage, inwieweit das damals noch zutraf, schreibt Dikigoros
an anderer Stelle;
er will sich hier nicht wiederholen. Aber ein Amerikaner, der das kennt und hört, wird innerlich schon die Augenbrauen hoch ziehen: Hatten die USA den Zweiten Weltkrieg nicht auch und vor allem geführt, um sich zu Erben des britischen Empire und der britischen Seeherrschaft zu machen? Und hatten sie damit nicht vollen Erfolg gehabt? Dikigoros will auch diese Frage dahin stehen lassen und Euch statt dessen den vollständigen Text des Titelsongs vorstellen, aus dem der Film seinen Namen bezieht - geschrieben von dem einstmals berühmten schottischen Country-Pop-Sänger Donovan Leitch (der heute fast vergessen ist; nicht er brachte diesen Song in die Charts, sondern eine gewisse Bojoura, - in die niederländischen, drei Wochen lang, also sogar etwas mehr als 18 Tage :-)

If it's Tuesday this must be Belgium
If it's Wednesday this must be Rome
If its Thursday this must be Montreal
I feel I never wanna go home
If this is London why ain't it raining?
The sun is shining on St. Paul's dome
If this is real then I must be dreaming
Can't wait to tell the folks back home
Was fällt Euch an dem Text auf, liebe Leser? Nun - er paßt gar nicht zum Film: Von Belgien aus reisen unsere Helden keineswegs gleich am nächsten Tag nach Rom; nach Montreal reisen sie überhaupt nicht - denn das liegt in Kanada -; und St. Paul's besuchen sie auch nicht. Aber was soll's, bei US-Amerikanern (und für die wurde der Film ja in erster Linie gedreht) darf man in Sachen Geografie eh nicht allzu viel voraussetzen, und bei Briten offenbar auch nicht. Und das französisch-sprachige Kino-Publikum glaubt man ebenfalls verarschen zu können, wenn man sich das Filmplakat anschaut: Von den zehn Ländern, deren Flaggen darauf abgebildet sind, wird genau die Hälfte nicht einmal erwähnt, geschweige denn bereist! (Dikigoros zählt sie nicht eigens auf; er traut seinen Leser zu, daß sie die mit Hilfe der beigefügten Europa-Karte selber heraus finden :-) Die polnischen Kinogänger werden dagegen nur in zwei Punkten belogen: 1. wird ihnen das Opus als englischer Film präsentiert, und 2. steht "Paris" auf dem Programm Bus. Und den persischen wird vorgespiegelt, daß dies eine Art Soft-Porno sei, mit Bettszenen und Mädchen, die im Bikini herum laufen.
Jawohl, damals hätte so etwas im Iran noch gezeigt werden dürfen - unter dem Shah herrschte eine gewisse Freizügigkeit, von der man sich in der heutigen "Islamischen Republik", unter der finsteren Diktatur der Ayatullahs, kaum noch eine Vorstellung macht.

Aber wenn man mal genau hinschaut, wollen andere Filmplakate diesen falschen Eindruck ja auch erwecken - das war ein Argument, um die Leute ins Kino zu locken! (Die - durchweg staatlichen - Fernsehprogramme unterlagen damals noch strengen Zensurvorschriften, da war schon ein nackter Busen tabu! Wohlgemerkt: Auch in diesem Film gibt es den nicht zu sehen - Bert, der Schürzenjäger fängt sich schon ein paar Watschen ein, wenn er nur versucht, ein Dekolleté aus der Nähe zu fotografiren :-) Schaut doch mal auf das Original-Kinoplakat, das Dikigoros Euch ganz oben rechts abgebildet hat. Was steht da dick und fett? "ADULT ENTERTAINMENT", d.h. der Film war nur für Erwachsene ab 21 Jahren freigegeben. Erst als die diesbezüglichen Bestimmungen ein paar Jahre später gelockert wurden (genauer gesagt ein Paar Jahre später - bereits 1971 durfte sich Julia Mills in "Avanti, Avanti" für eine Nacktbadeszene
oben ohne
zeigen) und der Film noch einmal in die Kinos kam, verzichtete man auf diesen Zusatz.
(Nach heutigen Maßstäben war der ja schon immer irreführend. Oder sollten etwa die Miniröcke...? Nein, die wohl nicht; aber damals wurden nicht nur unmoralische Bilder zensiert, sondern auch unmoralische Handlungen, auch wenn sie nicht explizit gezeigt, sondern bloß angedeutet wurden. Und im Film kommen ja tatsächlich ein paar Bettszenen vor, wenngleich man die Akteure nur vor- und hinterher sieht und entweder voll bekleidet oder züchtig in eine Bettdecke verhüllt.)

Zurück nach Good old England. Woher soll die Zeit für einen Besuch der St. Paul's Cathedral auch kommen, wenn man für "2000 Jahre britische Geschichte" gerade mal einen Nachmittag Zeit hat? Den bekommt man auch so herum, mit dem Tower of London, den Horse Guards, der
Carnaby Street,
dem Victoria & Albert Museum... Und dann noch die halbe Nacht. "Wie bitte?" fragt Charlie, als drei weibliche Mitreisende darauf pochen mit den Worten: "Steht doch hier im Prospekt!" Ach liebe, Leser, was steht nicht alles in solchen Broschüren! Papier ist geduldig... Wenn Ihr fleißig mitzählt, werdet Ihr feststellen, daß von den im Prospekt versprochenen neun Ländern nur acht besucht werden - wobei die Duodez-Fürstentümer Luxemburg und Liechtenstein nur zwecks Einnahme des Mittagessens kurz gestreift werden, und letzteres nur erwähnt, nicht aber gezeigt wird.
"Das hat noch nie jemand verlangt," sagt Charlie, "nach der anstrengenden Anreise." Ja, hat Mr. Shaw denn noch nie vom "time lag" gehört? Wer aus den USA nach Europa fliegt, ist doch in der ersten Nacht viel zu munter, um schlafen zu gehen! Also "London bei Nacht": Picadilly Circus, Soho und ein "typisch englischer" Pub stehen auf dem Programm - hätte man das nicht alles auch tagsüber machen können? - Gewiß, aber dafür reicht die Zeit wohl nicht aus, auch dann nicht, wenn man jeden Morgen um 6 Uhr telefonisch geweckt wird. Worüber sich der o.g. Nörgler wieder gewaltig aufregt - aber was denn? Dikigoros steht jeden Morgen um 6 Uhr auf; und auf Reisen oft noch früher - man will schließlich möglichst viel sehen für sein Geld!
Manches gibt es sogar geschenkt - z.B. die Probehäppchen auf dem Käsemarkt von Alkmaar. Doch selbst da hat wieder jemand etwas zu meckern - aber der ist wenigstens ehrlich. Den anderen schmeckt der holländische Käse nämlich ebenso wenig, und das ist eines der großen Rätsel der amerikanischen Psyche, die auch Dikigoros nie zu lösen vermocht hat. Der Mensch ist, was er ißt; und die Eßgewohnheiten der US-Amerikaner haben von allen Völkern, aus denen sie sich zusammen setzen, nur das Schlechteste übernommen - vor allen von den Briten -, und es dann noch weiter verschlechtert. Da fällt einem zuerst das labberige weiße Toastbrot auf, das sie - im Gegensatz zu den Engländern - nicht einmal toasten, sondern roh herunter würgen; und wenn man die Scheiben - die sie stets doppelt legen und von Ecke zu Ecke durchschneiden, so daß der Eindruck eines gleichschenkligen Dreiecks entsteht - auseinander klappt, dann befindet sich darin meist ganz besonders mieser Käse, eine Art Cheddar, mit viel Chemie, Farbstoff und Salz, wie es das bei uns nur in Form von "Schmelzkäse" gibt. Und wenn man ihnen ordentlichen Käse vorsetzt - z.B. holländischen Edammer und Gouda (bitte schreibt und sprecht die doch nicht immerzu falsch aus, liebe deutsche Muttersprachler, bloß weil die Amis und die Limeys das auch tun - es heißt nicht "Edamer" mit nur einem "m" und Betonung auf der 1. Silbe; und das "G" in "Gouda" spricht sich wie ein deutsches "Ch"!) - dann finden sie den ganz grauenhaft...
Vom Besichtigungsprogramm in Amsterdamm -
Rijksmuseum, Diamanten-Schleiferei,
Heineken-Brauerei
- erfahren wir nur mündlich; sehen tun wir statt dessen, wie Irma - die Klopapierkäuferin - schusseliger Weise in den falschen Bus einsteigt - einen japanischen von "Banzai Tours", der in die falsche Richtung - nach Hamburg - fährt, und wie ihr Ehemann Harve, als er das erfährt, verzweifelt versucht, ihr hinterher zu telefonieren. Nun, für's erste muß er ohne sie auskommen...
Ob der Firmenname ein boshafter Seitenhieb auf "die" Japaner sein soll, die ihr Unternehmen ausgerechnet nach einem Gruß benennen, der im Westen meist für eine Art "Siegheil" gehalten wird? (Tatsächlich bedeutet es wörtlich "viele Jahre" - in der Lesung "Manzai" auch "10.000 Jahre" - wenngleich man das aus den verkrüppelten Kanji, welche die japanische Rechtschreibreform anno 1946 von den einst sprechenden Piktogrammen übrig gelassen hat, nicht mehr ohne weiteres erkennt - und ist ähnlich gemeint wie das polnische "sto lat", nämlich "möge Er [ursprünglich auf den Tenno gemünzt] gaaanz lange leben!") Wer das glaubt, achte darauf, wie Irma kurz vor Ende des Films ganz nebenbei zu ihrem Ehemann sagt: "Den nächsten Urlaub machen wir in Japan - da habe ich jetzt viele Freunde!" Tja, der japanische Auslandstourismus war gerade erst ins Rollen gekommen - Folge des Wirtschaftswunders und des starken Yen -; und er bestand fast nur aus Gruppenreisen, worüber sich Europäer und Amerikaner gleichermaßen zu mokieren pflegten. (Warum eigentlich? Habt Ihr schon mal in Japan Touristen gesehen, die auf eigene Faust, d.h. ohne eine Reisegruppe, unterwegs waren? Dikigoros auch nicht! Welcher Nihonjin kann schon Fremdsprachen? Und welcher Gaijin Japanisch?!) Heute ist er so gut wie vollständig zum erliegen gekommen. (Früher hätte Dikigoros ein "leider" oder "schade" eingefügt; aber inzwischen ist seine Liebe zu Japan ebenso erkaltet wie die zu den USA; er schreibt darüber
an anderer Stelle mehr - im Schlußkommentar.)
Eine Sorte Reisende hatte Dikigoros oben noch vergessen zu erwähnen: den Souvenirsammler. Harry reist mit einem leeren Koffer los, der sich allmählich mit Dingen füllt, die er im Hotel und sonstwo klaut. (Ja, natürlich klaut. Als ihn eine Händlerin (bei Minute 80:52) fragt, ob er nicht ein Andenken kaufen wolle, fragt er nur gedehnt zurück: "Kaufen?" :-) Zunächst sind es nur Kleinigkeiten, wie Handtücher, Aschenbecher und Bilder; aber dann schneidet er auch einen besonders schönen, alten Telefon-Apparat ab und schließlich einen Rettungsring vom Rheindampfer (auf dem o.g. Filmposter das Motiv halblinks unten). Fünf Minuten vor Toreschluß, pardon, vor Filmende, wir der prall gefüllte Koffer herunter fallen, und alles wird kaputt gehen - Harry wird nur den Rettungsring "retten"...
![[Das geschieht ihm recht]](thatserveshimright.jpg)
Aber Dikigoros hat vorgegriffen. Es ist Dienstag, also ist Belgien im Schnelldurchgang angesagt: 5 Minuten Atomium (Dikigoros' Lesern bereits von seiner Webseite über die
Weltausstellung 1958
bekannt) - damals durfte man noch direkt darunter stehen -, 5 Minuten Manneken Pis und eine Stunde Besuch eines Ladens, wo man Klamotten mit den berühmten belgischen Spitzen kaufen kann - mit 20% Rabatt auf den offiziellen Preis, wenn man erwähnt, daß man auf Empfehlung des guten Charlie von "World Wind Tours" kommt. Würdet Ihr das glauben, liebe Leser[innen]? Dann würdet Ihr wahrscheinlich auch glauben, daß Zitronenfalter Zitronen falten, wie Frau Dikigoros in solchen Fällen zu sagen pflegt. Nun, mit dummen Amerikanerinnen kann das ja machen... Aber dazu später mehr; heute reicht es nur noch für einen kurzen Besuch auf der "Grande Place", die Dikigoros - im Gegensatz zur Reisegruppe im Film - sehr beeindruckend fand. (Aber das ist eine andere Geschichte.)
Am nächsten Morgen geht es weiter nach Bastogne. (Das sagt Euch nichts, liebe deutsche Leser? Muß es auch nicht; wenn Ihr Euch ganz kurz informieren wollt, spart Euch das langatmige Geschwafel bei
Wikipedia,
lest einfach
hier nach, unter 1944.) Auf einer Tour für US-amerikanische Touristen darf dieser Stop natürlich nicht fehlen, vor allem nicht bei denen, die Erinnerungen auffrischen wollen. Merkwürdig ist nur, wie unterschiedlich solche Erinnerungen nach einem Vierteljahrhundert ausfallen können, zumal wenn man auf unterschiedlichen Seiten stand. Wir erleben mit, wie amerikanische und deutsche "Helden" ihren Frauen die "Battle of the Bulge" nacherzählen - beinahe mit den gleichen Worten, aber genau umgekehrt. Und für alle, die nicht "dabei" waren, gibt es wenigstens ein schönes großes Denkmal zu bewundern - zum Glück ohne Statuen von "alten weißen Männern", sonst hätte man es wahrscheinlich längst abgerissen...

Pardon, da hat sich Dikigoros doch glatt im Jahrhundert, nein sogar im Jahrtausend geirrt. Zurück ins Jahr 1969, als das noch ein völlig abwegiger Gedanke gewesen wäre. Dort denkt man erstmal ans Mittagessen im Großherzogtum Luxemburg - von dem niemand so recht weiß, wie man es schreibt, weshalb es zu "Lunchenburg" verballhornt wird - durchaus passend, denn wir bekommen davon nicht mehr zu sehen als das Restaurant, in dem das Lunch eingenommen wird. Aber das kann ja mitunter interessanter sein als etwa der Besuch des Europäischen Gerichtshofs (wo damals, vor der Erweiterung der "EWG" erst zur "EG" und dann zur "EU" noch nicht so viel Recht gebeugt wurde wie heute) und/oder der Kasematten. So auch im Film: Auf der Speisekarte stehen Hamburger, Frankfurter und Cheeseburger - was den meisten Mitreisenden auch voll und ganz genügt. Nur der Army-Veteran will etwas anderes: S.O.S. - Abkürzung für "shit on a shingle". (Wer nicht wissen sollte, was das ist, schaue nicht ins Wörterbuch - das könnte zu Mißverständnissen führen -, sondern lese es
hier
nach.) "Was ist denn die Spezialität des Hauses?" fragt Samantha den Ober. "Hamburgers" antwortet der. "Nein, ich meine lokale Spezialitäten, wie sie die Einheimischen essen." - "Einheimische essen hier nicht," sagt der Ober mit einer höflichen Verbeugung, "dieses Lokal ist nur für unsere ausländischen Touristen-Freunde."

Ja, solche Restaurants gibt es überall auf der Welt, und manche Touristen sollen darob sogar froh sein. Dikigoros meidet sie wie die Pest. Er schaut, wohin die besser betuchten Einheimischen essen gehen, folgt ihnen und bestellt dann das, was ihm auf den Nachbartischen gefällt. Aber auf so einer begleiteten Tour geht das natürlich nicht, denn da hält der Bus immer nur dort, wo es keine essensmäßigen Alternativen gibt - dafür bekommen der Busfahrer, der Reiseleiter oder beide ihre "Provision".
Das ist übrigens einer der wichtigsten Gründe, die gegen solche Gruppenreisen sprechen, denn Speis und Trank zählen doch bei jedem Auslandsaufenthalt zu den interessantesten - guten und/oder schlechten - Erfahrungen. Der Mensch ist, was er ißt, und man sollte ein Land nicht in erster Linie nach seinen Bauwerken und Museumsexponaten beurteilen. Das gilt heute noch viel mehr als damals: Die letzteren kann man inzwischen Dank Internet und KI auch von zuhause aus anschauen - aber essen und trinken kann man zum Glück noch nicht "virtuell"! (Sex haben auch nicht - obwohl es da ja neuerdings durchaus auch
andere Meinungen gibt :-)
À propos Provision: Auf der folgenden "Rheindampferfahrt" (wieder so eine Mogelpackung aus dem Reiseprospekt: "Steamer" ist angesagt, aber tatsächlich wird das Schiffchen 1969 nicht mehr mit Kohle befeuert :-) von Koblenz nach Wiesbaden - vorbei an der "Loreley" - kommen Charlie und Samantha wieder ins Gespräch. Letztere trägt die Spitzenbluse, die sie in Brüssel erstanden hat. Er spricht sie gönnerhaft auf den Rabatt an, den sie doch sicher Dank seiner Empfehlung erhalten habe. "Oh ja, 20%" sagt sie. "Nicht schlecht, was?" - "Wunderbar. Bis ich die gleiche Bluse in einem Geschäft eine Ecke weiter für 30% weniger sah." - "Ach, die sah sicher nur so ähnlich aus." - "Nein, die war identisch. Dafür habe ich einen Blick; ich bin zufällig die stellvertretende Einkaufsleiterin für Damenbekleidung eines der größten Kaufhäuser in Minneapolis." - "Das hätte ich Ihnen gar nicht zugetraut." - "Und ich hätte Ihnen nicht zugetraut, daß Sie ein cheap hustler sind." (Wie soll Dikigoros das übersetzen? Jetzt dürft Ihr mal ins Wörterbuch schauen: Nehmt die Bedeutung, die unter "am[erican] sl[ang]" steht, dann liegt Ihr richtig :-) "Sie haben doch die Differenz eingesteckt!" Statt sich ertappt und zerknirscht zu geben, geht Charlie ganz dreist zum Gegenangriff über. Dikigoros schildert diese Szene so ausführlich (während er die nächste Klage des ewigen Nörglers, daß es an Bord nur Rheinwein gibt, aber keinen aus Kalifornien importierten, die nächsten Watschen, die sich der Frauenfotograf einfängt, und den nächsten Coup des Meisterdiebs links liegen läßt - ist ja alles schon dagewesen), weil sie ihn in seinem Verdacht bestärkt, daß Billy Wilder diesen Film gesehen und Anleihen daraus für "Avanti, Avanti" gemacht hat. Dort hält Pamela Piggot dem guten Wendel Armbruster nämlich eine ganz ähnliche Gardinenpredigt, wie arrogant es von den Amerikanern sei zu glauben, daß sie mit ihren Dollars alles kaufen können, ohne Rücksicht auf... na z.B. die armen Brit[inn]en, die ja auch leben wollen. Charlie schließt mit den Worten, daß 10% doch eine ganz legale Provision seien. "Alles Gute" sagt Samanta nur und läßt ihn stehen. Jetzt muß die Romanze wohl beendet sein, noch bevor sie richtig begonnen hat - oder? Abwarten...
Nächster Reisetag. Wir machen einen Sprung in die Schweiz. Dort geht es - wie in den Niederlanden - um Käse. (Um was sollte es amerikanischen Touristen sonst gehen? "Yankee" ist doch bloß ein Verballhornung von "Jan Kees [Johann Käse]" dem sagenhaften Gründer von Neu-Amsterdam alias "New York" :-) Charlie traut sich schon wieder an Samanthas Tisch, füttert sie mit Fondue und füllt sie mit Wein ab, bis sie völlig beduselt ist, in der Hoffnung, sie so endlich auf sein Zimmer "abschleppen" zu können - aber da kommt ihm eine Mitreisende zuvor.
Unterdessen ist Shelly aus Charlotte dem jungen US-Amerikaner, den sie unterwegs aufgegabelt hat, in die Jugendherberge gefolgt, um einen Gesangsabend mit "echten" Schweizern ("real people") zu erleben. Und wer tritt auf? Der Schotte Donovan mit einem todlangweiligen englischen Song, zu dem er sich selber auf der Klampfe begleitet (auf dem o.g. Filmposter das Bild ganz links unten). Hatte Dikigoros oben geschrieben, daß man ein Land und seine Leute nicht nach Bauwerken und Museumsexponaten beurteilen soll? Wonach dann? Vielleicht nach seiner Musik? Hatte er eben vergessen, die Schweizer Kuhglocken zu erwähnen, die das Fondue begleiteten? Dann holt er das jetzt nach, nicht ohne zu erwähnen, daß man auch nicht darauf abstellen sollte, was an originärer Musik aus einem Land kommt. Die Japaner z.B. haben nie selber schöne Musik geschaffen; aber sie haben durchaus einen Sinn dafür - vor allem für klassische Musik aus Deutschland (incl. Deutsch-Österreich) und Italien, die man bei ihnen oft und gerne hören kann; sie haben sie sich gewissermaßen zu eigen gemacht und bewahrt, während sie in ihren Ursprungsländern mehr und mehr in Vergessenheit gerät. Dagegen war und ist Musik englischen (incl. schottischen) Ursprungs immer von minderer Qualität; und daß sich "echte" Schweizer so etwas antun, spricht nicht gerade für sie. À propos: Wonach könnte man Länder und Menschen denn noch beurteilen? Japaner würden vielleicht sagen: an ihrem Verhältnis zu Blumen und Blüten. Japanische Gärten und die Kunst des Blumensteckens ("Ikebana") sind ja weltberühmt - oder waren es jedenfalls mal. Aber Vorsicht! Hinter solchen Aussagen verbergen sich oft ganze andere Intentionen. Dikigoros erinnert einen Satz des großen Reiseschriftstellers
Richard Katz:
"Ein Volk erkennt man an seinen Gärten." (Übern Gartenhag, 1961)
Das klingt nett. Doch wenn man dann weiter liest, wird es ganz häßlich - und unsachlich/unzutreffend:
"welch ein Unterschied zwischen den Gärten Deutschlands, wo alles verboten ist, was nicht erlaubt ist (und wie wenig ist dort erlaubt) und denen Englands, wo alles erlaubt ist, was nicht verboten ist (und wie wenig ist dort verboten)."
Das kommt davon, wenn man über Dinge schreibt, von denen man keine Ahnung hat - Katz war nie in England und Jahrzehnte lang nicht mehr in Deutschland, als er das schrieb. Da lobt sich Dikigoros doch Nietzsche, der in Sachen Verbote über die Unterschiede zwischen Deutschland und Italien (Dikigoros darf das doch schon mal vorweg nehmen - die Reise führt nämlich gleich weiter dorthin) - er kannte sich aus, denn er hatte in beiden Ländern gelebt - schreibt:
"In Deutschland hängen an elektrischen Zäunen Schilder mit der Aufschrift 'Das Anfassen dieses Drahtes ist strengstens verboten, da in dem Falle Lebensgefahr bestünde!' In Italien steht einfach nur: 'Chi tocca muore [Wer anfaßt stirbt]!' - da bedarf es keines Verbots."
Zurück zum Film und in die Schweiz. Als Shelly und ihr Freund nach dem Liederabend endlich miteinander ins Bett steigen wollen, taucht plötzlich Fred, der gestrenge Vater auf und vermasselt seiner mißratenen Tochter das Schäferstündchen... Wie die Nörgler - inzwischen ist es nicht mehr nur einer - meinen, wieder ein völlig mißlungener Abend. (Und diesmal muß ihnen sogar Dikigoros Recht geben :-)
Am nächsten Tag - ein Besuch in Liechtenstein wird wie gesagt nur mündlich erwähnt - haben unsere amerikanischen Reisefreunde wahrscheinlich zum ersten Mal auf dieser Tour uneingeschränkt Spaß (außer Samantha, die einen fürchterlichen Kater hat :-), als der Bus mit einer Reifenpanne liegen bleibt und sie sich bis zu deren Behebung auf einer Wiese am Straßenrand bei einem kurzerhand improvisierten Baseballspiel mal so richtig austoben können. Ihr meint, dafür hätten sie doch auch zu Hause bleiben können? Dikigoros widerspricht nicht - aber er ist voreingenommen, denn er hat nie selber Baseball gespielt (obwohl er wahrscheinlich einen ziemlich guten Pitcher abgegeben hätte - und einen miserablen Batter). Aber das ist nicht der Punkt. Vielmehr muß Dikigoros jetzt noch einmal auf die Frage zurück kommen, wonach man Menschen und Völker beurteilen sollte, wenn schon nicht nach ihrem Essen, ihrer eigenen Musik und ihren Gärten. Er hat es ja bereits
an anderer Stelle
angedeutet: an seinen bevorzugten Sportarten! Und er hat dort auch ein wenig über Baseball geschrieben - aber nur am Rande, denn es war ja nicht das eigentliche Thema jener Seite. Das will er hier und jetzt nachholen, denn er glaubt, nach vielen Jahrzehnten endlich eine Antwort auf die Frage gefunden zu haben, warum so ein verrücktes Spiel zum Nationalsport der US-Amerikaner geworden ist. Die Regeln sind so kompliziert, daß sie niemand richtig versteht - das macht aber gar nichts, ist vielmehr so gewollt, denn es hält sich eh niemand dran - sonst wäre das Spiel entweder ganz schnell zuende... oder nie. Die Entscheidung über den Spielausgang hängt also einzig und allein von der Willkür der Schiedsrichter ab - und jetzt sind wir am ("springenden") Punkt: Es entspricht offenbar dem Nationalcharakter der Amis, sich an keine Regeln zu halten - auch dann nicht, wenn sie die selber aufgestellt haben -, sonden diese willkürlich zu brechen (sie "auszulegen", wie man das vornehm nennt) und sich dabei auch noch selber zum Schiedsrichter aufzuschwingen. Gewiß, Regelverstöße, Schiedsrichterwillkür und Fehlentscheidungen gibt es auch in anderen Sportarten - aber in keiner anderen sind sie derart immanent, ja geradezu notwendig, wie beim Baseball. Es gibt nicht mal eine feste Spieldauer und auch keine reguläre Halbzeitpause, wie etwa beim Fußballspiel. Zum Trost: Im Film ist jetzt Halbzeit (na ja, mit etwas Nachspielzeit, nach 52 von 98 Minuten :-) und daß der Rest der Reise in "sunny Italy" spielt. (Douce France gibt es also nur im Reiseprospekt und auf dem o.g. Filmplakat - aber Dikigoros stellt Euch ja im Rahmen dieses Kapitels seiner "Reisen durch die Vergangenheit"
einen anderen Film
vor, der in Frankreich spielt, d.h. Ihr versäumt nichts. Oder schaut Euch einfach das Film-Musical
"An American in Paris [Ein Amerikaner in Paris]" an!)
Mit welcher Stadt fängt man in Italien an? Wenn man aus der Schweiz kommt, wie unsere Reisenden, natürlich Mailand - sollte man meinen. Aber Shaw vertraut mal wieder auf die geografischen Unkenntnisse seiner Zuschauer und tut so, als ob der Bus aus Österreich käme, und dann landet man... in Venedig - wo sonst? Dikigoros war dreimal dort - zweimal alleine und einmal mit seiner Frau, die ebenfalls dreimal dort war: einmal mit ihren Eltern, einmal mit einer Freundin (die ihr ganz schnell die "Freundschaft" aufkündigte, als sie erfuhr, daß sie sich einen Mann angelacht hatte :-) und einmal mit letzterem. Und es war wirklich mal eine Reise wert - sogar mehrere -, bevor es im neuen Jahrtausend zur Touristenfalle verkam. (Gewiß, ganz billig war es nie; aber es verlangte z.B. noch niemand Eintrittsgebühr von Reisenden, die weniger als eine Woche Übernachtung im Nepphotel zu Mondpreisen gebucht hatten.) Nein, nicht wegen der Gondeln, auf denen sich unsere Touristen pflichtschuldig über den Canale Grande schippern lassen.
"Laisse les gondoles à Venise"
lautete damals der Titel eines Nr.-1-Hits in Frankreich. Dikigoros und seine Frau haben nie eine betreten - nicht weil sie Nichtschwimmer gewesen wären, sondern weil sie beide keine Lust hatten, in die Drecksbrühe zu fallen (deren Zustand das einzige zu sein scheint, was sich in all den Jahr[hundert]en nicht geändert hat) wie im Film Giovanni - der Reisende, der einen "refund" für nicht in Anspruch genommene Mahlzeiten haben wollte, den seine lieben Verwandten nun gar nicht mehr fortlassen wollen, so daß er sich nur durch einen Sprung aus dem Fenster in besagten Kanal retten kann (das Bild ganz rechts unten auf dem o.g. Filmposter).
Und nun kommen wir endlich zur "ewigen Stadt" Rom. Am Vormittag besichtigen unsere Reisenden all die berühmten Bauwerke. (Sie müssen aber schon mindestens einen Tag länger dort sein, denn der Nörgler erwähnt, daß die Pizza in den USA erheblich besser schmeckt als in Rom - womit er übrigens Recht hat, aber bis nach Neapel kommen sie ja nicht :-) Danach wird das Gruppenfoto gemacht, das Dikigoros an den Anfang dieser Seite gestellt hat, obwohl es ja eigentlich besser an den Schluß gepaßt hätte - aber es ziert halt auch das Kinoplakat, so daß er zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen konnte. (Er hat ja auch die 2. Zeile der Überschrift der letzten Szene [bei Minute 95:30] entnommen - wenn schon, denn schon! :-)
Der Rest des letzten Reisetages steht zur freien Verfügung der Reisenden. Tja - wie verbringt man einen "freien" Nachmittag in Rom? Die Möglichkeiten sind so vielfältig wie die Touristen - den typischen Amerikaner gibt es nämlich gar nicht. Die typische Amerikanerin übrigens auch nicht. Samantha z.B. mietet sich ein Auto und baut damit prompt einen Verkehrsunfall. (Das Bild halblinks oben auf dem o.g. Filmposter). Der geschädigte Herr würde sich vielleicht von ihr becircen lassen; aber seine vierschrötige Beifahrerin ist gewillt, ein Exempel zu statuieren: Sie stößt Samantha kurzerhand in einen der berühmten italienischen Brunen und ruft die Polizei, die sie ins Gefängnis steckt, aus dem sie Charlie später abholt und ihr als kleine Entschädigung eine spätabendliche Einzelführung durch die "Villa d'Este" bietet. Nein, mit "Villa" ist kein Gebäude gemeint, sondern - wie in Rom üblich - der Garten drum herum, und damit sind wir wieder beim Thema. (Damals stand er noch nicht auf der berüchtigten "Weltkulturerbe"-Liste der UNESCO und war noch nicht dauernd von Reisegruppen überlaufen.) Er ist berühmt für seine Brunnen - im Film sehen wir allerdings nur die Allee der cento fontane - vielleicht weil die, im Gegensatz zu einigen anderen, zu klein sind, um hinein zu fallen (oder gestoßen zu werden :-)? Ob es wirklich 100 sind? Dikigoros hat nicht nachgezählt - muß er auch nicht, denn der Film thematisiert das nicht.

Shelleys Vater Fred fährt mit dem Taxi - unfallfrei - ins Handwerkerviertel, um ein paar handgefertigte Schuhe zu erstehen, möglichst zum Schnäppchenpreis - so ziemlich die dümmste (und längste) Szene im Film, auf die Dikigoros nicht weiter eingehen will.
Jack sucht Gina, seine alte Freundin aus "den besten Jahren" (also während des Krieges, s.o.) auf - die sich sehr über den Besuch freut, von wegen Erinnerungen austauschen. Doch mitten in diesen schönen Austausch platzt Babygeplärr. "Dein Kind?" fragt er. "Nein, das meiner Tochter." Dann wäscht sie noch zwei kleine Jungen in der Badewanne. "Auch deine Enkel?" fragt er. "Nein, das sind meine Söhne." Jack lügt Gina vor, daß auch er glücklich verheiratet sei (dabei hatte er kurz zuvor noch einem Mitreisenden erzählt, daß er nie geheiratet habe, weil er seine geliebte Gina nicht vergessen konnte) und verabschiedet sich mit einem freundlichen "Ciao".
Harve sucht ein Cabaret auf, in dem die Gogo-girls noch einen Mann zum mittanzen suchen (auf dem o.g. Filmposter das Bild halbrechts unten). Ärgerlich nur, daß gerade als er begonnen hat, mit ihnen das Tanzbein zu schwingen, seine Ehefrau Irma - die den Japanern endlich entkommen ist - wieder auftaucht und ihm eine Szene macht.
Und dann war da noch die "freie" Nacht, die Samantha und Charlie miteinander verbringen, nein verbracht haben, denn wir sehen sie erst am Morgen danach. Er hat sie also nach zwei Wochen des vergeblichen Werbens endlich "herum gekriegt". Warum das so lange gedauert hat? Pardon, aber diese Frage hätte man anno 1969 nicht gestellt. Erinnert noch jemand den alten - heute natürlich als "politisch unkorrekt" längst "gecancelten" - Witz vom Unterschied zwischen Soldaten, Diplomaten und Mädchen?
- Wenn ein Soldat "ja" sagt, dann heißt das "ja". Wenn ein Soldat "nein" sagt, dann heißt das "nein". Wenn ein Soldat "vielleicht" sagt, dann ist er kein guter Soldat.
- Wenn ein Diplomat "ja" sagt, dann heißt das "vielleicht". Wenn ein Diplomat "vielleicht" sagt, dann heißt das "nein". Wenn ein Diplomat "nein" sagt, dann ist er kein guter Diplomat.
- Wenn ein Mädchen "nein" sagt, dann heißt das "vielleicht". Wenn ein Mädchen "vielleicht" sagt, dann heißt das "ja". Wenn ein Mädchen "ja" sagt, dann ist es kein gutes Mädchen.
Ein gutes Mädchen mußte sich also erstmal eine Zeit lang bitten lassen - das gehörte einfach zu den Spielregeln. Und ein guter Junge wie Charlie brauchte den Satz "Take 'no' for an answer", den ihm Samantha am ersten Abend mittelfreundlich an den Kopf geworfen hatte, nicht weiter ernst zu nehmen - quod erat demonstrandum! (Nur böse Zungen würden vielleicht sagen, daß die gut betuchte - in beiderlei Sinne des Wortes - Managerin eines großen Unternehmens sich nicht ohne weiteres mit einem popeligen kleinen Reisebegleiter ins Bett gelegt hätte, wenn ihr dieser nicht das Ambiente einer luxuriösen Villa mit Panoramablick ("a phantastic view") auf Rom geboten hätte, die ihm ein Bekannter für ein paar Tage seiner Abwesenheit zur Verfügung gestellt hat :-)
Einigen Lesern und Zuschauern mag dieser Film - und sein Humor - eher britisch als amerikanisch vorgekommen sein. Warum wurde er dann trotzdem in den USA "Kult" - so sehr, daß er noch 30 Jahre später als Musterbeispiel für
die geänderten Reisegewohnheiten der Amerikaner
diente und fast 40 Jahre später noch einmal auf DVD herausgebracht wurde? Wäre Dikigoros cynisch, dann würde er antworten: "Vielleicht weil er uns das verlogene Happy-end erspart, mit dem solche Filme sonst meist enden, und von dem seine Frau zu sagen pflegt: "Jetzt fängt es doch erst an, richtig spannend zu werden!" Denn Samantha läßt Charlie letzten Endes abblitzen, als der ihr einen Heiratsantrag macht. Sie spielt ihm zwar eine tränenreiche Abschiedsszene vor, aber in Wahrheit nimmt sie ihn überhaupt nicht ernst. (Sie nennt ihn dauernd "Charlie Brown", nach der bekannten Comic-Figur :-) Als er behauptet, sie sei die erste Frau, der er in seinem Leben einen Heiratsantrag gemacht habe, und sie solle doch mal ihren kühlen Verstand ausschalten und statt dessen auf ihre Gefühle hören - schließlich sei sie doch schon mit ihm... rutscht ihr der einzige ehrliche Satz unter all den falschen Tränen heraus (Dikigoros hat die 2. Zeile der Überschrift nicht umsonst so ähnlich formuliert): "Ach Charlie, das bin ich nicht. Das waren nur die Rheinburgen, die Gondeln und all der andere verdammte romantische Kram, die mich so durcheinander gebracht hatten." (Für "verdammt" sagt sie "bloody" - ein Modewort seit dem Song
"Snoopy vs. the Red Baron",
der 1966/67 ein Riesenhit war, in dem ersterer - der Hund von Charlie Brown im Comic -
Manfred v. Richthofen,
den "bloody red baron of Germany" abschießt.)
Dann gibt sie ihm ein Abschiedsküßchen und eilt zum Flugzeug.
Zurück zur Ausgangsfrage. Warum...? Vielleicht weil es den US-Amerikanern gefiel, daß Samantha am Ende doch lieber ihren biederen amerikanischen Verlobten aus Minneapolis heiraten will als den britischen Schürzenjäger. Oder weil es sie einfach nur freute, daß Charlie, der "die Yankees" zu Beginn des Films noch so gehaßt hatte, inzwischen "geläutert" ist und seine 226. Touristengruppe nicht mehr mit false friendliness begrüßt, sondern mit echter Freundlichkeit.
Aber das sind nur Dikigoros' persönliche Mutmaßungen - damals gab es ja noch keine Meinungsforscher, die mit dem Mikrofon in der Hand vor dem Kino standen und die Besucher fragten, wie oft und warum sie sich einen Film anschauten -; und er ist seinen Lesern noch eine Antwort auf die Frage schuldig, warum er diesen Streifen in seine Reisefilm-Sammlung aufgenommen hat und nicht etwa
"The Out-of-towners"
(auch in deutschen Kinos gelaufen unter dem Titel "Nie wieder New York") aus dem Jahre 1970, nach dem Motto: "Von Twin Oaks/Ohio nach New York/N.Y." War der nicht kommerziell noch erfolgreicher als "If this is Tuesday..."? Wurden "die" Amis da nicht noch mehr auf die Schippe genommen? War Jack Lemmon nicht viel lächerlicher komischer als Ian McShane? Und gab es nicht auch dort kein Happy-end? Alles wahr, aber... Erstens sucht er seine Filme nicht allein nach deren kommerziellem Erfolg aus - solche "Top-Filme" sind schon von anderen hinreichend besprochen worden. Zweitens hat er ja schon einen Film mit Jack Lemmon dabei, nämlich "Avanti, Avanti", wo er mindestens ebenso komisch ist. (Und er findet, daß in der weiblichen Hauptrolle die lustige Julia Mills die Naïve erheblich besser rüber bringt als die langweilige Sandy Dennis.) Drittens hat der Film kein schlüssiges Motiv: Touristen mögen aus vielerlei Gründen irgendwo hin fahren - auch nach New York -; aber kein halbwegs gescheiter Manager käme auf die Idee, beruflich nach New York City zu wechseln, weil er ein doppelt so hohes Gehalt bekäme, da die Lebenshaltungskosten dort doch mindestens dreimal so hoch sind wie in Twin Oaks. Viertens akkumuliert der Film Einzelfälle, die durchaus einen (!) realen Hintergrund haben mögen, in unzulässiger Weise, denn die gab es auch anderswo als in New York City, das in den 1970er Jahren - jedenfalls nach Dikigoros' eigener Erfahrung - noch nicht zu dem verkommen war, was ein US-Präsident des 21. Jahrhunderts als "shithole" zu bezeichnen pflegte. (London, Paris und Brüssel ja auch noch nicht :-) Gewiß, seit den 1980er Jahren - unter dem jüdischen Bürgermeister Ede Koch und dessen Nachfolger, dem Halbneger David Dingsda - fing das allmählich an; aber danach konnte ein tüchtiger Bürgermeister wie Rudy Giuliani die Zeit noch ein paar Jahre zurück drehen (was man ihm freilich schlecht danken sollte - aber das ist nicht mehr unser Thema). Die Verbrechensstatistik der Morgan Quitno Press, die alljährlich den "Safest City Award" vergibt, wies New York City für das Jahr 2000 als die drittsicherste Millionenstadt der USA aus (hinter San Antonio und San Diego, sage und schreibe 76 Plätze vor dem einst so braven Charlotte - obwohl dessen Einwohnerzahl nicht mal ein Zehntel betrug). Erst anno 2026 - also ein Vierteljahrhundert nach 9/11 - sollte die Stadt, die damals noch mehr oder weniger scherzhaft "Jew York City" genannt wurde (manchmal auch von Dikigoros :-), einen muslimischen Bürgermeister bekommen, wie einige Jahre zuvor schon London, der sich freilich, im Gegensatz zu letzterem, noch nicht - oder jedenfalls nicht offen -
zum Terrorismus bekannt hat.
(Aber warum sollte die heimliche Hauptstadt eines Staates, der wenige Jahre zuvor bereits einen in Kenya geborenen Halbneger muslimischen Glaubens zum
Präsidenten
gehabt hatte, nicht einen in Uganda geborenen Inder muslimischen Glaubens zum Bürgermeister haben? Im selben Jahr 2026 sollte übrigens das
einstige
brdische Musterländle Baden-Württemberg - in Sichtweite der "Loreley" gelegen - einen aus der Türkei stammenden Tscherkessen muslimischen Glaubens zum Ministerpräsidenten bekommen; und es würde Dikigoros nicht wundern, wenn 500 Jahre nach der ersten türkischen Belagerung Wiens anno 1529 und/oder 1.300 Jahre nach dem Sieg der Franken bei Tours und Poitiers über die arabischen Invasoren auch dort... aber das gehört ebenfalls nicht mehr - oder noch nicht - zu unserem Thema.)
Und last but not least hat der Haupt-Handlungsstrang durchaus ein Happy-end - die Flugzeugentführung kurz vor Schluß durch irgendwelche Kubaner paßt eigentlich überhaupt nicht in den Film.
À propos kurz vor Schluß: "If it's Tuesday..." hat ganz am Ende noch einen kleinen Gag parat, der perfekt zum Haupt-Handlungsstrang paßt: Nachdem Harry, der Souvenirjäger, fast alle seine Beutestücke verloren hat (s.o.), hält er sich schadlos, indem er das Bild klaut, auf dem gerade der Abspann gelaufen ist - mitsamt dem Rahmen.
  
PS: Inzwischen hat Dikigoros auch
die deutsche Fassung
in der Tube gefunden... und war enttäuscht: Fast alles, was er sprachlich angemerkt hat, ist bei der Übersetzung versaubeutelt worden verloren gegangen: kein "Ugly American" - dabei war erst vor ein paar Jahren auch eine deutsche Filmfassung auf den Markt gekommen mit dem Titel "Der häßliche Amerikaner", den man hier ohne weiteres zur häßlichen Amerikanerin hätte umwandeln können -, kein "shit on a shingle", ja nicht einmal "Hamburger", sondern bloß "Hackfleischbouletten".
(Dikigoros ist freilich nicht ganz sicher, ob die damals in Luxemburg schon nach seiner Geburtsstadt genannt wurden. Sicher ist nur, daß die EWG-Bonzen damals noch nicht versuchten, ihren Untertanen Rindfleisch madig zu machen -
im wahrsten Sinne des Wortes
- oder es gar zu verbieten, zum Schutz der Umwelt und des Klimas, die ja durch
furzende Kühe
angeblich massiv gefährdet werden. Er ist auch nicht sicher, ob es das Wort "Umweltschutz" überhaupt schon gab, nur, daß man damals beim Wort "Klimawandel" ganz andere Sorgen hatte als heute. Er hat noch immer ein altes Buch im Regal stehen mit dem Titel: "Die nächste Eiszeit kommt bestimmt!" :-)
* * * * *
Anno 1987 wurde ein Film gedreht, der als "Remake" beworben wurde und das auch durch den Titel zum Ausdruck brachte:
"If it's Thursday, this must STILL be Belgium".

Nun wäre es ja in der Tat sehr reizvoll gewesen, mal zu sehen bzw. zu zeigen, wie sich die Reiseziele binnen knapp zwei Jahrzehnten verändert haben - oder nicht -; dann hätte sich Dikigoros vielleicht einige Anmerkungen zum Original sparen können. Aber ach, die Enttäuschung war groß (sicher nicht nur bei ihm), denn das war eigentlich gar kein Reisefilm, sondern eine finstere Story aus zwei mehr oder weniger abwegigen Handlungssträngen mit einem gar nicht überzeugenden doppelten Happy-end. Aber fangen wir mit der einzigen Parallele an: Die Busfahrt beginnt in London, und wieder sehen wir die "Horse Guards" - nur daß diesmal niemand mäkelt, daß die wahrscheinlich aus der US-amerikanischen Entwicklungshilfe finanziert werde. Allerdings reiten die nur herum, statt irgend etwas zu bewachen - wozu sie ja eigentlich da sind, wenn man ihrem Namen glauben darf -, schon gar nicht den Buckingham Palace. Dessen Zugang ist zwar verschlossen, aber zum Glück hat der Busfahrer (und Reiseleiter in einer Person) einen Schlüssel zum Parktor und auch gleich eine Audienz bei der Queen gebucht... Unterdessen bekommt der als Buswache zurück gebliebene Schwiegersohn in spe Ärger mit der Londoner Polizei, da sein Gefährt im Halteverbot steht. (So viel zu "In England ist alles erlaubt [...], und wie wenig ist dort verboten!" :-) Dikigoros bricht diese blödsinnige Episode hier ab und schreibt erst mal etwas zum Hintergrund.
- Handlungsstrang: Zwei hoffnungsvolle Verlobte wollen demnächst heiraten. Der Brautvater - ein Reiseveranstalter - will aber den Schwiegersohn in spe zuvor auf die Bewährungsprobe stellen: Er soll die nächste Fahrt begleiten und einen
Vorwand Grund finden, den unliebsamen Busfahrer fristlos und ohne Abfindung zu kündigen. (Eine ordentliche Kündigung würde zu teuer, da er schon so lange dabei ist.)
- Handlungsstrang: Die geschiedene Frau des Busfahrers ist vor vielen Jahren spurlos verschwunden, was der zwar nicht besonders bedauert, aber sie hat auch das gemeinsame Töchterchen mitgehen lassen, und das bedauert er sehr. Doch dann bekommt er einen heißen Tip, und zwar in Paris.
Halt, genug der Einführung, denn jetzt müssen wir auf die erste größere Abweichung kommen: Anders als im Original führt die Reise im "Remake" auch nach Frankreich, und unser Busfahrer sucht auch ein "typisch französisches" Straßencafé auf, wo sich endlich eine - allerdings wenig erfreuliche - Spur seines lange vermißten Töchterchens findet. Dabei wird nicht ganz klar, ob letzteres nun durchgebrannt oder entführt worden ist. (Der Informant verlangt eine happige Belohnung, die man auch als Lösegeld interpretieren könnte.) Fest steht nur, daß sie gerade mit einem Circus durch Belgien tourt und dort einem Messerwerfer als lebende Zielscheibe dient. Beschlossen und verkündet: Die Busreise - die sich ohnehin nicht an den Reiseprospekt hält - macht nur einen kurzen Abstecher nach Italien und führt dann gleich nach Belgien, um das - inzwischen erwachsene - Töchterchen zu "retten". Von Belgien sehen wir dabei zwar nichts weiter - dieser Teil des Films könnte so ziemlich überall spielen -, aber die "Befreiung" gelingt.
Dikigoros will die Sache abkürzen, denn es lohnt nicht, das "Remake" weiter zu verfolgen: Am Ende löst der Schwiegersohn in spe seine Verlobung und heiratet statt dessen das Töchterchen des Busfahrers. Und damit das auch kein finanzieller Reinfall wird, entpuppt sich - Deus ex machina - der vermeintlich größte Trottel unter den Mitreisenden als ein Konkurrent des Reiseunternehmers, der sich bloß verstellt hatte und eigentlich nur mitgekommen ist, um den tüchtigen Busfahrer abzuwerben. Und dessen Schwiegersohn übernimmt er gleich mit in die Firma. Ende gut, alles gut? Ja, für alle außer für die Kinobesucher, die sich doch irgendwie gelackmeiert fühlen dürften.
Vermißt Ihr auch etwas, liebe Leser? Nun, vermissen ist vielleicht nicht ganz das richtige Wort - aber es fehlt etwas, nämlich der Hauptunterschied zwischen jenen knapp zwei Jahrzehnten, den man zwar nicht unbedingt zum Hauptthema machen muß (bei einem heutigen Remake müßte man es), jedoch auch nicht tot schweigen sollte: 1969 waren London, Paris und Brüssel noch fast rein weiß. Ein (!) China-Restaurant in Soho war der einzige "exotische" Farbtupfer, den Dikigoros erinnert. (Er hatte schon damals die Angewohnheit, seine Reiseziele abseits der ausgelatschten Touristenpfade zu erkunden; ein ganzes Chinesenviertel, wie es das heute gibt, wäre ihm bestimmt nicht entgangen.)
![[Chinatown London]](ctlondon1.jpg) ![[Chinatown]](ctlondon2.jpg)
Und das ist eine positive Erinnerung: Das Essen war zwar nichts Besonderes, aber billig - und London war damals ein teures Pflaster. (Es gab noch keine Supermärkte, aus denen man sich preiswert hätte versorgen können.) Wenn nicht gerade Fußball-Weltmeisterschaft war, waren die einzigen "ausländischen" Spieler, die man im socker stadium sah, solche aus Schottland, Irland und Wales. Und in Paris gab es noch keine Filialen US-amerikanischer Fast-food-Ketten. ("Bistro" bedeutete zwar auch "Schnell-Imbiß", aber da gab es französische Croissants - über deren mutmaßliche Herkunft Dikigoros
an anderer Stelle
schreibt - u.a. Backwaren mit Kaffee, keine "french fries" mit Ketchup und/oder Mayo für ausländische Touristen mit schlechtem Geschmack. Fritten gab es nur in Belgien, wo sie - angeblich - erfunden wurden - und in Westdeutschland; dort - und nur dort - nannte man sie auf Möchtegern-Französisch "Pommes". Und unter "Chips", wie die Dinger heute bei den Limeys heißen, verstand man außerhalb Frankreichs Jetons fürs Spielcasino - außer in Mitteldeutschland; die Ossis "DDR-Bürger" nannten ihre Währung verächtlich "Alu-Chips" :-)

1987 war alles anders geworden. Nein, es war noch nicht so schlimm wie heute, da die "white flight" dazu geführt hat, daß weiße Christen in jenen drei Städten nur noch eine [ver]schwindende Minderheit sind. London hatte noch keinen muslimischen Bürgermeister aus Pākistān, noch keinen Prime Minister aus Süd-Indien und noch nicht mehr Moscheen als Kirchen. In Paris gab es noch kein "Klein-Senegal", und die Straßen waren noch nicht jeden Freitag mit betenden Muslimen verstopft. Und in Brüssel konnte man sich noch ohne weiteres in die Außenbezirke wagen, selbst nach Molenbeek - wo die Fritten noch nicht aus dem Automaten kamen.

Aber die Anfänge waren gemacht. Das unschöne beschönigende schöne Wort "Multiculturalism[e]" war schon erfunden, und die Massen-Immigration aus der "Dritten Welt" hatte eingesetzt; in allen drei Städten waren die ersten Afrikaner- und Asiaten-Viertel entstanden, in die sich bald kaum mehr ein Weißer hinein traute.

(Dikigoros schon noch, z.B. in das Pariser Viertel
Les Olympiades
das nach den verheerenden Kriegen in der vormaligen französischen Kolonie Indochina und dem Massenmord der Thais an den "boat people" entstanden war und noch bis Ende des 20. Jahrhunderts die größte asiatische Gemeinde Europas stellte. Er stieg dort sogar ab, denn Hotels und Restaurants waren sauber und preiswert, weder Absteigen noch Touristen-Nepp-Lokale, sondern die solide Mitte "in between". Aber er hat dort nie deutsche oder andere ausländische Touristen gesehen. Nur die Männer von der Müllabfuhr waren noch durchweg Italiener - die "Place d'Italie" war ganz in der Nähe. Kurzum, das wäre zumindest ein dankbares Rand-Thema gewesen!
Ihr wollt das bitte nicht verallgemeinern, liebe Leser: Die Siedlung Les Olympiades ist eine - einzige - positive Ausnahme in Paris geblieben. Wenn sie heuer als Musterbeispiel für "gelungene Integration von Migranten" hervor gekehrt wird - selbst bei Stadtrundfahrten für begleitete Reisegruppen steht sie inzwischen auf dem Programm; sie ist also kein Geheimtip mehr - dann ist das bewußte Irreführung, denn alle anderen Ausländerviertel dortselbst haben sich im 21. Jahrhundert zu Hochburgen der Kriminalität entwickelt, in die sich selbst Dikigoros nicht mehr hinein traut.)
Und was bietet uns der Film? Nichts von alledem! Ja, der Informant/Erpresser in Paris sieht ein bißchen wie ein Kanak aus (aber nur ein bißchen), und der Messerwerfer könnte vielleicht Zigeuner sein (aber nur vielleicht). Doch selbst wenn das so gemeint wäre, würde das einen falschen Eindruck erwecken, denn weder Zigeuner noch Kanaken waren und/oder sind in Paris ein echtes Problem: Erstere gehen lieber nach Germanistan, denn dort gibt es am meisten "Wiedergutmachungs"-Knete abzugreifen - man bräuchte sich also nicht mal mehr die Mühe des Stehlens zu machen (obwohl dieses nette Hobby natürlich ein schönes Zubrot bringen kann :-). Und die Kanaken bleiben wohlweislich in Neu-Kaledonien, wo es nicht so kalt und regnerisch ist wie in Europa, und wo sie von der französischen Regierung ebenso gut alimentiert werden. Nein, wir sehen im ganzen Film keinen einzigen Afrikaner und keinen einzigen Asiaten, nicht mal den fast (aber nur fast) schon obligatorischen "Alibi-Neger".
Noch etwas hat sich verändert in knapp zwei Jahrzehnten in Europa (freilich ausgehend von den USA): der idiotische "politisch korrekte" Gleichmachungsfimmel in Bezug auf Männlein und Weiblein. Nein, es war noch nicht so weit gekommen wie heute, da diesbezüglich überhaupt kein Unterschied mehr gemacht werden darf, da die Zahl der Geschlechter im höchstrichterlichen
Gender-Wahn
von zwei auf drei erhöht und dieselben für beliebig oft einmal im Jahr
amtlich austauschbar
erklärt worden sind, nach Lust und Laune...
Aber welch merkwürdige Blüten dieser Schwachsinn bereits trieb konnte man gerade in Belgien an prominenter Stelle sehen, die unsere Reisenden schon im ersten Film kurz besucht hatten: am Brunnen mit dem nackten Manneken Pis. Just anno 1987 hatte die Brüsseler Stadtverwaltung ein paar hundert Meter weiter aus Gründen der "Gleichberechtigung" auch eine nackte
Jeanneke Pis
aufgestellt, besser gesagt aufgehockt - gut vergittert (was man auf den meisten Fotos für Touristen-Prospekte nicht sieht :-), damit nicht irgendwelche Tugendbolzen ihr Klamotten anziehen konnten wie ihrem Vorbild, sei es als falscher Sarotti-Mohr (aber auch das wäre heuer ja "politisch unkorrekt"!), sei es als Matrose mit (geklautem?) Rettungsring.

Ach, hätte das gut gepaßt! Was sollte dagegen so ein blöder Besuch im Zoo Circus, da es doch keinen Anknüpfungspunkt für einen Vergleich mit dem Film von 1969 gibt?! (Zwar hatte sich auch beim Circus vieles geändert in zwei Jahrzehnten - zum schlechteren, weshalb es kaum noch zahlende Besucher gab, so daß die meisten irgendwann eingegangen waren -; aber das ist eine andere Geschichte.) Es gibt halt nur ganz wenige "Remakes" unter den Reisefilmen, zumal unter US-amerikanischen, die gleichwertig oder sogar besser sind als die Originale, z.B.
dieser.
Aber das ist nur eine Ausnahme, welche die Regel bestätigt.
Nein, Dikigoros will nicht behaupten, daß das "Remake" nur floppte, weil diese beiden Themen verschenkt wurden; wer einen besseren Grund weiß kann ihm ja mal
mailen.
Anhang: Touristen-Gebet
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