ÜBER den DÄCHERN von NIZZA
von NORDAMERIKA nach SÜDFRANKREICH
(von schönen Frauen, schnellen Autos und teurem Schmuck)
Alfred Hitchcock & John M. Hayes: TO CATCH A THIEF
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[deutsches Filmplakat] [englisches Filmplakat] [französisches Filmplakat]

Ein Kapitel aus Dikigoros' Webseite
"AVEZ-VOUS BOURBON . . . ?"
Reisefilme des 20. Jahrhunderts

Ist es denn wirklich notwendig, daß auch Dikigoros noch eine Besprechung dieses Films ins Internet setzt? Es gibt doch schon so viele Seiten über diesen Kultstreifen, unter anderem die in vierjähriger (!) Fleißarbeit entstandene ausführliche Inhaltsangabe von Tim Dirks. Wohl wahr, liebe Leser, aber leider ist sie auch nicht mehr als eben das - eine etwas zu lang geratene Inhaltsangabe, garniert mit vielen schönen Bildern und Zitaten. Warum ist es nur so schwierig, diese vordergründige Romanze als hintergründigen Reisefilm (im Sinne von Dikigoros' Definition) zu würdigen? Nun, zunächst einmal steht dieser Film - Hitchcock's bester - bei seinen zahlreichen Fans nicht sonderlich hoch im Kurs. Sie finden ihn wohl nicht gruselig genug und ziehen deshalb - wenn es denn schon ein "Reisefilm" sein muß - "North By Northwest [Der unsichtbare Dritte]" vor, ebenfalls mit dem gebürtigen Cornwaliser Archibald Leach (das spricht sich übrigens nicht "Lietsch" o.ä., sondern in etwa wie der polnische Vorname "Lech", also mit hartem, keltischem "ch") alias "Cary Grant" in der Hauptrolle und einem ebenso dramatischen wie romantischen Happy-end. Aber erstens ist das kein echter Reisefilm nach Dikigoros' Definition, denn er spielt ausschließlich in den USA, und zweitens ist er trotz seines aufgesetzten Tempos ein ziemlicher Langweiler - man sollte meinen, daß er nicht vier Jahre nach, sondern vier Jahre vor "To Catch a Thief" gedreht wurde und daß Hitchcock da noch übte. So war es aber nicht. Richtig ist, daß "North By Northwest" tatsächlich von Hitchcock war - und der konnte es halt nicht besser -, während er zu "To Catch a Thief" eigentlich nicht viel mehr als seinen Namen und sein Geld beigetragen hat. Die Story stammt von David Dodge, einem ausgewiesenen Kenner der Côte d'Azur (den Dikigoros auch in seine Seite über die großen Reiseschriftsteller des 20. Jahrhunderts aufgenommen hätte, wenn er ihn nicht im Verdacht hätte, einige "Anleihen" bei Colin Ross und anderen gemacht zu haben, die sich als besiegte - oder tote - Deutsche nicht mehr dagegen wehren konnten), und das Drehbuch hat John M. Hayes geschrieben - der auch den größten Teil der Regiearbeit gemacht hat.

Hier regt sich schon der erste Widerspruch der Hitchcock-Fans, deshalb will Dikigoros sich ihm gleich stellen: Es geht nicht ums Gruseln, sondern um die Spannung? Hayes hat nur die Dialoge geschrieben? Hat Hitchcock das nicht selber so gesagt? Ja, liebe Leser, das hat Hitchcock gesagt und wohl auch gedacht. Aber wie das so ist mit vielen Romanschreibern, Komponisten, Theaterautoren und Filmemachern - oft wissen sie selber gar nicht, was eigentlich ihren Erfolg beim Publikum ausmacht bzw. haben völlig falsche Vorstellungen davon. Hitchcock hat sich lang und breit darüber ausgelassen, wie er die (An-)Spannung ["suspension"], genauer gesagt die ängstliche Erwartung beim Zuschauer zu erhöhen sucht, indem er ihm von Anfang an zeigt, wer der Bösewicht ist und ihn dann mit dem (noch unwissenden) Opfer zittern läßt... Aber mit Verlaub, Mr. Hitchcock, das ist doch Humbug! [Dikigoros fragt sich manchmal, ob der Mensch je im Kino war - um seine eigenen Stücke anzuschauen jedenfalls nicht, das hat er selber freimütig bekannt.] Warum geht man (und vor allem frau) denn ein zweites Mal (oder noch öfter) in ein- und dasselbe Kino- oder Theaterstück? (Ein echter Kinoerfolg in Sinne von Kassenschlager läßt sich nicht mit Einmal-Besuchern realisieren.) Warum liest man ein Buch zum zweiten Mal? Warum hört man sich "Der Mörder ist immer der Gärtner" von Reinhard Mey oder "Der Nippel von Mike Krüger öfter als einmal an? Etwa wegen der Spannung? Die ist doch nach dem ersten Mal weg, denn die "Story" kennt man ja schon (es sei denn, sie wäre so langweilig, daß man sie schon wieder vergessen hätte - aber das ist wohl kein Motiv für "Wiederholungstäter")! Nein, man führt sich das ganze noch ein- oder mehrere Male zu Gemüte wegen gut gemachter Dialoge, Anspielungen, Pointen, die man vielleicht beim ersten Mal übersehen, überhört oder schlicht vergessen haben könnte. (Dikigoros hat z.B. die Sitcom "Blackadder" so oft gesehen, daß er inzwischen alle Episoden auswendig kennt; trotzdem kann er über manche Wortspiele - die z.T. sogar als Redewendungen in die englische Sprache eingegangen sind - immer noch lachen :-) Da hat jemand "nur" die Dialoge geschrieben? Dann hat er über die Qualität und den Erfolg des Films entschieden - so viele mehr oder minder gute "Stories" wurden im Original Flops und erst durch einen neuen Dialog zu großen Erfolgen. [Damit meint Dikigoros nicht nur Filme wie "Avanti" oder "Eins, Zwei, Drei", sondern auch Fernseh-Serien. Hat einer der geneigten deutschen Leser schon mal "Die Zwei" im englischen Original gesehen? Schwerlich, denn er wäre jedesmal vor dem Ende eingeschlafen - in England und den USA flopte die Serie denn auch jämmerlich, und die beiden Hauptdarsteller fanden sie ausweislich ihrer Memoiren selber zum Einschlafen.]

Wie dem auch sei, all die geistreichen Hitchcock-Interpreten haben "To Catch a Thief" nie besonders beachtet, sondern ihn eher stiefmütterlich den Anhängern der leichten Unterhalts- und Liebesromanzen überlassen, denen nun mal nicht viel liegt an allzu hintergründigen Untersuchungen. (Eine auffallende Parallele zu den vielen Wilder-Fans, die das gerade erwähnte "Avanti" - einen seiner besten Filme - links liegen lassen.) Recht haben Sie - jedenfalls mit diesem Film, in dem sich fast alles ganz vordergründig abspielt. Dem steht nicht entgegen, daß wir entgegen Hitchcock's sonstiger Praxis lange im Unklaren gelassen werden, wer die neue "cat" ist - die "copycat". (Dikigoros weiß nicht, ob das englische Wort für "Trittbrettfahrer" eine Wortschöpfung aus diesem Film ist oder ob es umgekehrt den Spitznamen für die Hauptfigur geliefert hat - er hat es jedenfalls in diesem Film erstmals gehört. 40 Jahre später wurde es erstmals als Filmtitel verwendet - wovon die Kinogänger in Deutschland allerdings nicht viel mitbekommen haben dürften, denn für die "übersetzte" man das ins Germenglische mit "Copykill" :-) Daß es jedenfalls nicht mehr John Robie ist, dürfte auch dem dümmsten Zuschauer von Anfang an klar sein. (Dagegen fand es Dikigoros nicht auf Anhieb offensichtlich, daß es Danielle ist, was einige Oberschlaumeier daran festmachen wollen, daß sie das gleiche rot-weiß-gestreifte Hemd trägt wie Robie, ihn also "kopiert".) Dennoch beginnt zum Beispiel Tim Dirks genau mit einem solchen Versuch: Schon hinter der Überschrift wittert er ein altes englisches Sprichwort: "Set a thief to catch a thief [Willst du einen Dieb fangen, setze einen Dieb auf ihn an]". Mag sein, daß die Limeys ein solches Sprichwort haben oder hatten (Dikigoros kennt es nicht); aber daß Hitchcock das nicht meinte, zeigt er ganz deutlich, indem er eben diesen Gedanken durch einen anderen Satz ausdrückt, den er John in den Mund legt: "Fighting fire with fire [Feuer mit Feuer bekämpfen]". Nein, die Überschrift meint genau das, was sie vordergründig sagt: Mrs. Stevens hat ihre Tochter Francis ("Francie") mit nach Frankreich genommen, um dort einen Mann für sie einzufangen. Wie sie ganz nüchtern und knochentrocken sagt, will sie nicht einen dieser Zuckerbubis (in der deutschen Fassung wird das aus unerfindlichen Gründen mit "Himbeerbubis" übersetzt) zum Schwiegersohn, wie Francis sie auf dem Internat kennen gelernt hat. ("Hätte ich dich bloß nicht auf diese Höhere-Töchter-Schule geschickt, ich fürchte, da haben sie dich völlig verdorben", sagt sie - wobei sich das Wortspiel zwischen "finishing school" und "to finish" im Sinne von "fertig machen, verderben", im Deutschen nicht wiedergeben läßt.) Nein, ein richtiger Mann soll es sein, der einer Frau das Herz stehlen kann, d.h. der es ihr nicht abkaufen muß. Geld haben die beiden nämlich selber genug - geerbt vom seligen Mr. Stevens, der nichts mehr davon hatte, weil er starb, bevor die großen Ölquellen auf seiner Kuhweide entdeckt wurden.

Exkurs. Auch Grace Kelly, die Hauptdarstellerin, hatte selber Geld genug geerbt; sie fing sich während der Dreharbeiten das Herz des notorischen Hurenbocks Schürzenjägers Frauenhelden Rainier von Monaco ein und machte aus ihm einen dem Vernehmen nach vorbildlichen Ehemann und Familienvater. (Gewisse Biograf[inn]en wollen es neuerdings besser wissen: Sie habe sich wie im goldenen Käfig gefühlt, Monaco und ihren tyrannischen Mann verlassen wollen, der ihr verbot, weiter Filme zu drehen, und in die USA zurück kehren, um ihr ausschweifendes Liebesleben wieder aufzunehmen. Aber daß die Ehefrau eines regierenden Fürsten nicht weiter Filme drehen kann, in denen sie andere Männer küßt, ist doch klar - selbst heute noch, und damals erst recht -, und was darüber hinaus ging, zeigt nur, daß Grace Kelly nicht nur eine schöne Frau und eine gute Schauspielerin, sondern auch eine begehrte - und dabei sehr diskrete - Liebhaberin war. Um ihre Filmkarriere war es im übrigen nicht schade; sie trat auf dem Höhepunkt ihres Ruhms ab, der nicht mehr zu toppen war; was hätten wohl andere Schauspielerinnen - und auch Schauspieler, von Errol Flynn bis Marlon Brando - gegeben, wenn sie dem Publikum nicht als alte, verlebte Wracks in Erinnerung geblieben wären, denen niemand mehr nachtrauerte, sondern als begehrte Stars? Nicht als Marlene Dietrich, sondern als "blauer Engel"? Nicht als Elizabeth Taylor, sondern als Cleopatra?) Ob sie es gestohlen oder gekauft hat, ist schwer zu sagen. Immerhin soll ihre Familie - ebenfalls dem Vernehmen nach, Dikigoros konnte es nicht nachprüfen - die damals noch ziemlich maroden Finanzen des Duodez-Fürstentums saniert haben (was nicht einmal der berühmt-berüchtigte Reeder und Finanz-Jongleur Aristotélis Onassis geschafft hatte, der nach dem Zweiten Weltkrieg wenigstens das Spiel-Casino von Monte Carlo wieder auf die Beine gebracht hatte :-), weit über die offiziell gezahlte Mitgift von zwei (nach heutiger Kaufkraft ca. 40) Millionen US-$ hinaus. (Auf die Idee, eine Steuer-Oase einzurichten, um auf Kosten der Nachbarländer die eigenen Einnahmen zu erhöhen, sollte man erst später kommen.) Verweilen wir noch ein wenig bei der glorreichen Vergangenheit: Nizza und Monaco gehören zu den ältesten Städten Westeuropas, wenn man mal vom weiter westlich gelegenen Marseille absieht, von dem niemand so genau weiß, wann (um 600 v.C.?) und von wem (den Ligurern? den Phoenikiern? den Griechen?) es eigentlich gegründet wurde. Im 4. vorchristlichen Jahrhundert - Rom war gerade von den Kelten unter Brennus nieder gebrannt worden (von daher stammt das böse Wort "vae victis [wehe den Besiegten]") - beherrschten die Athener mit ihrer Flotte das Mittelmeer. Soeben hatten sie Byzantion erobert; und so gründeten sie denn zur Ehre von Nikae, ihrer Siegesgöttin, an der ligurischen Küste einen Hafen und nannten ihn Nikaia - das heutige Nizza. Sie wären aber keine Griechen gewesen, wenn sie nicht auch ihrem Nationalhelden Herakles ein kleines Heiligtum etwas außerhalb der Stadt errichtet hätten, genauer gesagt dem Herakles Monoikos. Wenn wir heute von den "Säulen des Herakles" (oder, auf Lateinisch, Herkules) lesen, glauben wir immer, damit müsse die Meerenge von Gibraltar gemeint sein - außer Eberhard Zangger, der neuerdings behauptet, daß damit auch die Dardanellen gemeint sein könnten. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich wie so oft in der Mitte, nämlich - im heutigen Monaco.

[Selbst das Wappen ist eine Bild gewordene Fälschung: Es soll suggerieren, daß der 
Name 'Monaco' etwas mit Mönchen zu tun habe.]

Im Mittelalter, als sich das Herzogtum Savoyen zwischen die Provence und die Republik Genua schob, nutzte ein Seeräuber, der sich nach einem ligurischen Fischerdorf "Grimaldi" nannte, die Gelegenheit, sich den im Dreiländereck gelegenen Piratenfelsen, an dessen Fuße später das Spiel-Casino errichtet werden sollte, unter den Nagel zu reißen. Im Laufe der Zeit wurden seine Nachkommen immer dreister, behaupteten, von welfischen Exilanten aus Genua abzustammen und nannten sich schließlich "Fürsten". In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts starben die Grimaldi aus; an die Stelle der Seeräuber traten Landräuber, zuerst ein gewisser Goyon-Matignon, der urplötzlich seine urgenuesische Urgroßmutter entdeckte und den Namen Grimaldi mitsamt dem Thron von Monaco usurpierte, zuletzt ein gewisser Napoleone Buonaparte, der sich - seine Heimatinsel Korsika war in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts von Genua an Frankreich gefallen - bald "Napoléon Bonaparte" nannte. Der schlug das "Fürstentum" Monaco kurzerhand - allerdings auch nur kurzfristig, bis zum Wiener Kongreß - Frankreich zu. Als Italien in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts "wiedervereinigt" wurde, annektierte Frankreich - wo inzwischen ein Neffe jenes Napoleone regierte - Savoyen und Nizza; Monaco gewährte es großzügig seine "Unabhängigkeit" unter französischem "Schutz", die freilich nur bis zum Aussterben der Familie Goyon-Matignon-Grimaldi im Mannesstamm währen sollte. Dieser Fall trat 1949 ein, als Fürst Louis II das Zeitliche segnete, nach 27 Regierungsjahren, in denen er vor allem mit Hilfe des Casinos viele zahlungskräftige Touristen angezogen hatte, und der sein Ländle auch gut durch den Zweiten Weltkrieg gebracht hatte (er war ein großer Bewunderer Hitlers und stellte den Deutschen sein Bankensystem für internationale Geschäfte zur Verfügung). Doch als der Glücksritter Pierre de Polignac entdeckte, daß seine Frau Charlotte - angeblich - die uneheliche Tochter jenes letzten Goyon-Matignon-Grimaldi war, ließ Frankreich ihrem gemeinsamen Sohn Rainier die Herrschaft und Monaco die Unabhängigkeit. Das dürfte freilich das letzte Mal gewesen sein; mit den unehelichen Blagen, die sich seine beiden Töchter von irgendwelchen Gärtnern, Leibwächtern, Chauffeuren oder Zirkus-Artisten haben machen lassen, wird Frankreich nach dem Tode seines kinderlosen Sohnes nicht viel Federlesens machen und die Steueroase trocken legen. Und damit sind wir auch schon wieder in der Gegenwart. Exkurs Ende.

[Gute Reise - Bon voyage!] [Reiseführer Riviera]
So unerschiedlich sind die Vorstellungen vom Urlaub an der Riviera:
links die französische - rechts die amerikanische

Wie beginnt nun ein geschickter Regisseur so einen "Reisefilm" fürs große Publikum? Etwa mit tief schürfenden Ausführungen, daß man sich und sein Land (und seine Landsleute) oft viel besser kennen lernt, wenn man ins Ausland reist? Nein, das würde ihm sowieso niemand glauben (obwohl es stimmt). Also lieber ganz vordergründig: mit einem großen, Schaufenster voll bunter Werbeplakate für den Traum-Urlaub in Frankreich: "Wenn Sie das Leben lieben, werden Sie Frankreich lieben." Natürlich meint Hitchcock das ironisch, denn gleich anschließend zeigt er anhand einiger spitzer Schreie, was einem so alles widerfahren kann, wenn man seinen - und frau ihren - Urlaub in einem solch "liebenswerten" Land verbringt: prompt werden einem seine Juwelen gestohlen! Warum schreibt Dikigoros hier nicht "einer [frau] ihre"? Eigentlich soll man ja mit solchen Dingen nicht gleich ins Haus fallen, aber wenn Dikigoros das jetzt nicht tut, bekommt er nachher vielleicht Schwierigkeiten, dem geneigten Leser zu erklären, weshalb Hitchcock eben doch nicht ganz ohne Hintergründigkeit auskommt. Wenn es denn tatsächlich so hintergründig ist: Es geht halt nicht bloß um die Klunker der holden Weiblichkeit. Jeder jüdische Zuschauer wird das sofort verstehen, denn in seiner Sprache ist das Wort für "Juwelen" dasselbe wie das für "männliche Geschlechtsteile" [Schmuck], und Hayes war Jude. Mrs. Stevens sagt ja auch ganz deutlich, daß sie jederzeit bereit wäre, ihre Juwelen gegen einen Mann einzutauschen, der sich sexuell für sie interessierte, also ihren Schmuck für seinen Schmuck. Überhaupt ist sie immer ziemlich deutlich, so auch wenn sie ihre Geringschätzung für Champagner (so nennt der Amerikaner jede Art von Perlwein - nur die Deutschen dürfen ihren Sekt seit dem Versailler Diktat von 1919 nicht mehr so nennen, weil sie doch die Alleinschuld am Ersten Weltkrieg trugen; sollten die Amerikaner jemals einen Krieg gegen die Franzosen verlieren, dann werden die ihnen sicher verbieten, ihren Mais-Whiskey nach dem französischen Königshaus der Bourbonen zu benennen :-) - jenes "typisch französische" Gesöff - zum Ausdruck bringt und statt dessen lieber ehrlichen Mais-Whiskey trinkt, wie der geneigte Leser ja bereits in der Einleitung zu "Avez-vous Bourbon?" erfahren hat. Aber damit sind wir unversehens mitten in die Handlung geraten; fangen wir besser noch einmal von vorne an:

An der Côte d'Azur häufen sich die Juwelen-Diebstähle. Den Bestohlenen ist das meist ziemlich schnuppe, denn sie sind in der Regel gut versichert, und Bargeld lacht, während man die Klunker wahrscheinlich nicht annähernd so gut versilbern könnte, wäre man gezwungen, sie zu verkaufen (zumal wenn sie - wie die von Mrs. und Miss Stevens - falsch sind :-)! Die (britische) Versicherung - Lloyds, wer sonst? - sieht das naturgemäß ganz anders; sie schickt einen ihrer Detektive, Mr. Hughson, an den Ort des Geschehens, um den Täter zu ermitteln. In den Augen der ebenso einfältigen wie voreiligen französischen Polizei steht der längst fest: John Robie, genannt "The Cat [die Katze/der Kater]", ein Amerikaner, der in bescheidenem, aber gediegenem Wohlstand vor sich hin lebt, ohne daß irgend jemandem bekannt wäre, welchen Beruf er ausübt. (Er gibt vor, Blumen im eigenen Garten zu züchten; aber jeder weiß, daß er davon nicht leben könnte.) Seine Vergangenheit ist dagegen nur zu gut bekannt, und damit geraten wir gleich zu Beginn in historische Kalamitäten und Peinlichkeiten, die es heute wohl unmöglich machen würden, diesen Film so noch einmal zu drehen. (In Deutschland und England wird er denn auch nur noch selten gezeigt; in Frankreich hat ihn Dikigoros dagegen noch vor kurzem gesehen - allerdings zensiert, pardon gekürzt, nein gestrafft um die Passagen, die er jetzt gleich vorstellen wird. Wenn Ihr ihn Euch also besorgen wollt, liebe Leser, achtet darauf, daß ihr die vollständige, so genannte "rekonstruierte" Original-Version bekommt!) 1955, als der Film gedreht wurde, waren erst elf Jahre vergangen seit der "Libération [Befreiung]" Frankreichs von den bösen Nazi-Deutschen. (Die hatten freilich gerade die Côte d'Azur nie richtig besetzt, sondern deren Verwaltung dem Vichy-Régime überlassen; erst 1942 schickten sie ein paar urlaubsreife Veteranen hin, mehr als Genesende denn als Besatzer, aber das sei nur am Rande bemerkt.)

John Robie, so erfahren wir (wenn wir nicht gerade die deutsche Fassung sehen, aus der diese Passage - aus Robies Gespräch mit Bertani - heraus geschnitten ist, auch aus der "restaurierten Originalfassung", die übrigens deutlich schlechter ist als die gekürzte Fassung, da sie einige überflüssige Längen enthält), ist ein ehemaliger Juwelendieb, der bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs im französischen Knast saß, weil er sich hatte erwischen lassen. Dann kamen die Deutschen und zerbombten das Gefängnis - es müssen wohl vielmehr die Amerikaner gewesen sein, denn die Deutschen haben Frankreich nach dem Waffenstillstand von 1940 nicht mehr bombardiert, die USA dagegen reichlich. (Abgeschossene amerikanische Piloten wurden von aufgebrachten Franzosen gelyncht, was heute auf beiden Seiten gerne vergessen wird; Dikigoros hat alte französische Wochenschau-Aufnahmen von jenen Ereignissen.) Wie dem auch sei, Robie kam frei, schloß sich der "Résistance [Widerstand]" an (dem englischen Wort für das, was die Franzosen selber "Maquis" nannten, nach einem äußerst widerstandsfähigen Unkraut-Gestrüpp, das vor allem auf Korsika wächst, der Insel des Widerstandes gegen Frankreich) und stand so 1944/45 auf der Seite der Sieger, wurde also nicht weiter behelligt, sondern konnte die Früchte seiner Verbrechen in aller Ruhe genießen. Was, liebe Leser, Ihr meint, das sei doch nicht glaubhaft? Ihr irrt, wenngleich dieses Wissen noch nicht allzu weit verbreitet zu sein scheint. Gewiß, man weiß inzwischen, daß Mussolini der Mafia in Italien das Wasser abgegraben hatte - der Hauptgrund, weshalb er und der Faschismus in den USA von Regierungs- und anderen Verbrecherkreisen dermaßen verunglimpft wurden -, und daß die Amerikaner, als sie 1943 in Sizilien landeten, dies nur so problemlos tun konnten, weil sie als ihre Speerspitze emigrierte Mafiosi zurück brachten, wobei sie zwei Fliegen mit einer Klappe schlugen: Zum einen wurden sie selber das Pack endlich los, und zum anderen bekamen sie Italien für die nächsten Jahrzehnte prächtig in den Griff, da die Mafia auch die italienische Regierung alsbald in die Hand bekam, ja zeitweise mit ihr identisch war, wie wir heute wissen. Feine Sache, das. Aber das war noch gar nichts im Vergleich zu Frankreich, und da muß Dikigoros etwas weiter ausholen:

Es ist das finsterste Kapitel der an schändlichen Ereignissen wahrlich nicht armen französischen Geschichte, das quantitativ und qualitativ alle anderen Verbrechen in den Schatten stellt, von der Bartholomäus-Nacht bis zu DeGaulles Verrat an den Algerien-Franzosen. Es ist das Kapitel der kommunistischen "Épuration [Säuberung]" ab 1944 (wann sie endete, darüber streiten die Gelehrten). 1939, nach dem Hitler-Stalin-Pakt, schwenkte die (bärenstarke) Kommunistische Partei Frankreichs schlagartig auf die Seite Hitlers über; und auch wenn es alte deutsche Nazis und Militaristen nicht gerne hören werden: Das war ein ganz wesentlicher Grund für den schnellen Zusammenbruch Frankreichs 1940. Der so genannte "Westfeldzug" hatte zwar zur Besetzung Belgiens und eines kleinen Streifens von Nordfrankreich sowie zur Flucht des britischen Expeditions-Korps aus Dünkirchen geführt (wobei Hitler sich die einmalige Chance entgehen ließ, den Krieg kurz und schmerzlos zu beenden, bevor er sich zum Weltkrieg ausweitete, aus sentimentaler Rücksichtnahme auf seine heiß geliebten Engländer - aber das ist eine andere Geschichte); doch so weit waren die Deutschen im Ersten Weltkrieg schon einmal gekommen; danach war Sense. Nun aber wirkten die französischen Kommunisten als "5. Kolonne", sabotierten alles, was sich nur irgendwie sabotieren ließ, und zwar so erfolgreich, daß Frankreich nach nur sechs Wochen kapitulieren mußte. Als dann der Hitler-Stalin-Pakt in die Brüche gegangen war, also seit 1941, spielten sie sich als "Widerständler gegen Hitler" auf - ausgerechnet sie, seine wertvollsten Verbündeten! 1944 wurde Frankreich von den Amerikanern befreit, pardon von den Deutschen, durch die Amerikaner, so ist es richtig. (Lediglich der Hampelmann De Gaulle verbreitete das Märchen, es habe sich selber befrei - damit wollte er sagen, er selber habe es befreit, weil er hinter den Amerikanern her gelaufen kam, übrigens entgegen deren ausdrücklichem Willen.) Nun war guter Rat teuer für die Kommunisten: Es gab einfach zu viele, die sich noch genau erinnerten, was sie auf dem Kerbholz hatten, aber diese Rechnung gedachten sie nicht zu bezahlen. Also ernannten sie flugs alle Mitwisser ihrer Verbrechen zu "Collaborateurs", d.h. Leuten, die mit den "Nazi-Deutschen" zusammen gearbeitet hatten, und ließen sie von aufgehetzten Volksmassen lynchen. Die offiziellen Zahlen der Opfer dieser Lynch-Justiz werden heute zwischen 10.000 und 50.000 angegeben; tatsächlich dürften sie sich um rund eine Million bewegt haben - die Differenz schob man einfach, pardon millionenfach den Deutschen in die Schuhe.

[Marianne in Chains] Märchenstunde auf
Französisch anno 1994:
Das arme, geknechtete Frankreich - symboli-
siert durch die in eine
Tricolore gehüllte "Marianne in Ketten" -
wurde durch DeGaulle
und seine Anhänger
"befreit" - Paris erst
nach heftigen Straßen-
schlachten unter Einsatz
von schweren Panzern.

(Tatsächlich wurde Paris
von den Deutschen zur
offenen Stadt erklärt und
kampflos geräumt, um zu
verhindern, daß die Alli-
ierten seine Kulturdenk-
mäler ebenso rücksichts-
los zerstörten wie die der
deutschen Kulturstädte.)
[liberation de la France 1944]
[liberation de Paris 1944]

Exkurs. Hinzu kam eine weitere halbe Million elsässischer Männer, die man zwang, sich in Indochina als "deutsche" Fremden-Legionäre verheizen zu lassen. (Das hat sich Dikigoros nicht einfach so ausgedacht - schaut in die Herkunftslisten der Fremdenlegion! Weniger als zehn Prozent sollten zurück kehren.) Dabei waren doch alle Elsässer - jedenfalls wenn man Dikigoros' altem Geschichtsbuch glauben darf - spätestens seit der Französischen Revolution von 1789 sooo überzeugte Franzosen, daß es ein ganz großes Verbrechen war, sie 1870 wieder heim ins Deutsche Reich zu holen (von dem Frankreich sie im 17. Jahrhundert gewaltsam los gerissen hatte) und eine ganz große Wohltat, sie 1919 in Versailles wieder Frankreich zuzuschlagen - selbstverständlich ohne vorherige Volksabstimmung, die war doch vollkommen überflüssig! Dennoch wurden am 1. September 1939 - also noch zwei Tage bevor Frankreich dem Deutschen Reich den Krieg erklärte! -, allein aus Straßburg 400.000 Elsässer in die Auvergne und ins französische Baskenland deportiert (heute schreibt man natürlich beschönigend "evakuiert" - als ob man sie vor den Deutschen in Sicherheit bringten wollte) und in Konzentrationslager gesperrt. [Dikigoros hat bewußt darauf verzichtet, die hier verlinkte Webseite zu redigieren - obwohl sie einseitig aus kommunistischer Sicht geschrieben ist und die elsässischen Opfer mit keinem Wort erwähnt -, weil er meint, daß die Tatsache, daß es in der 3. Republik Frankreichs Konzentrationslager gab, sich so am wenigsten bestreiten läßt.] Die Deutschen holten sie 1940 nach dem Waffenstillstand ins Elsaß zurück, und damit waren sie schon zu "Collabos" geworden. Für dieses "Verbrechen", d.h. unter diesem Vorwand wurden sie 1944 "bestraft" - tatsächlich wollte man die Erinnerung an das Verbrechen der Deportation von 1939 tilgen, und zwar gleich richtig, d.h. mittels eines weiteren Verbrechens: der fysischen Vernichtung der Betroffenen. Im Nachhinein stellte eine dumm-dreiste französische Propaganda es so dar, als sei die vorübergehende Rückkehr der Betroffenen anno 1940 eine "Deportation" durch die Deutschen gewesen - und da es keine Überlebenden mehr gab, die das hätten richtig stellen können, wurde es brav geglaubt.

[Franzose vor Lothringerkreuz an Hakenkreuz gefesselt]
Französische Medaille auf die "Deportation" der Elsässer und Lothringer durch die Deutschen

Habt auch Ihr, liebe Leser, in Euren Schulbüchern stehen, daß der böse Stalin 1941 beim Angriff der Wehrmacht auf die Sowjet-Union die Reste der Wolga-Deutschen und Krim-Tataren nach Sibirien deportieren ließ? (Die meisten hatte schon Tsar Nikolai II 1914, nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs, deportieren lassen, nur wenige waren nach 1918 zurück gekehrt, und noch weniger hatten die Hungersnöte und die "Großen Säuberungen" der 1920er und 1930er Jahre überlebt.) Gewiß, das war nicht nett, aber Dikigoros kann es irgendwie verstehen. Für die Sache mit den Elsässern hat er dagegen nicht das geringste Verständnis, weder für ihre Deportation 1939 noch erst recht nicht für ihre Ausrottung ab 1944. Dieser von den Franzosen begangene Völkermord, pardon, man sagt ja jetzt zu so etwas "ethnische Säuberung" (beachtet bitte den Besen auf dem Plakat unten: die Elsässer waren Schmutz und Ungeziefer, und die Franzosen wollten - und wollen - doch immer schön sauber bleiben; selbst den Regenbogen im Hintergrund haben sie von allen un-französischen Farben "gesäubert" :-), ist bis heute eines der großen Tabus der europäischen Geschichte und wird es wohl - da es nicht opportun ist, darüber zu reden oder gar zu schreiben - noch einige Zeit bleiben. Mindestens so lange, bis die Europäische Union am großen Krach zwischen Frankreich und Deutschland um den Euro zerbricht, also jedenfalls noch fünf bis acht Jahre. Diese Prognose stammt übrigens nicht von Dikigoros - der sie gleichwohl teilt -, sondern von Jacquet Peyrat, dem Bürgermeister von Nizza, einem der wenigen Heimkehrer aus Indochina und Mitbegründer des "Front National", der seinen kriminellen Vorgänger, den Mafioso, pardon "Widerstandskämpfer" Médecin, in den Knast gebracht hat. Exkurs Ende.

[Die französische Endlösung der Elässer-Frage: weg mit ihnen!]
Französisches Hetzplakat nach der
"Befreiung" Elsaß-Lothringens 1944

Wohlgemerkt, liebe Leser, natürlich gab es französische Kollaborateure, die mit der deutschen Besatzungsmacht zusammen arbeiteten - die gibt es in bzw. nach jedem Krieg. (Was waren denn die Deutschen nach 1945? Wer nicht mit den alliierten Besatzern "kollaborierte" - pardon, da hieß es ja nicht "collaboration", sondern "cooperation" - wurde als "Werwolf" an die Wand gestellt.) Und die Deutschen waren 1940-1944 in Frankreich auch nicht sehr wählerisch bei der Anstellung ihrer offiziellen und inoffiziellen Mitarbeiter [nichts anderes heißt "collaborateur"]; es waren gewiß viele schräge Vögel und miese Typen darunter - diesen Stiefel müssen sie sich schon anziehen lassen. (Sie hatten aber auch nicht die Auswahl wie etwa die Stasi in der DDR, die es sich leisten konnte, nur die besten zu nehmen.) Hoch gegriffen waren es an die 50.000. Nehmen wir dazu - ebenfalls hoch gegriffen - noch an die 50.000 französische Nutten und Hobby-Nutten, die sich mit deutschen Besatzungs-Soldaten einließen, das macht insgesamt vielleicht 100.000 "Collabos", denen indes die zehnfache Zahl an Opfern der Nazi- und Hexen-Verfolgungen ab 1944 gegenüber steht. (Wobei einige echte "Collabos", wie z.B. der nachmalige Präsident Frankreichs, François Mitterrand, sich der Verfolgung sogar entziehen konnten, indem sie rechtzeitig die Seiten wechselten.) Wie will man die erklären? Alle mit Kriegseinwirkungen? Tatsächlich dürften die französischen Kriegsverluste bei ca. 50.000 gelegen haben (das schließt diejenigen ein, die von den Engländern aus Dünkirchen mit genommen und anschließend in Nordafrika oder sonstwo verheizt wurden; ferner diejenigen Matrosen, die umkamen, als britische Bomber 1940 die französische Flotte in Mers El-kebir bei Oran überfielen, eine Aktion, die durchaus mit dem Angriff japanischer Bomber 1941 auf die amerikanische Flotte in Pearl Harbor vergleichbar wäre, wenn die französische Regierung unter dem greisen Marschall Pétain sie nicht so gut wie tatenlos hingenommen hätte.) Die übrigen 950.000 Opfer gehen auf das Konto der kommunistischen Banditen, die nach der "Libération" die Spuren ihrer eigenen Verbrechen zu vertuschen suchten, indem sie französische Nicht-Kommunisten von ihrem Leben "befreiten" wie die Amerikaner die Deutschen von ihren Uhren und die Japaner von ihren Goldzähnen. (Später gab es für diese Lynch-Morde ein großzügiges Amnestie-Gesetz; die Opfer und ihre Angehörigen wurden nie rehabilitiert, geschweige denn entschädigt - wo bleiben die Sammelklagen, liebe Shoaïsten?) Einer dieser Banditen war - jedenfalls in "To Catch a Thief" - John Robie, "The Cat".

Exkurs. Ein anderer war Robies vierschrötige Haushälterin, von der er irgendwann lobend erwähnt, daß sie mal einen deutschen General mit bloßen Händen erwürgt habe - in der deutschen Fassung wird daraus ein entlaufener Zirkuslöwe. Seht Ihr, liebe Leser, Mitte der 1950er Jahre war der Originalsatz den Machern gegenüber dem deutschen Publikum noch peinlich. Wie sich die Zeiten geändert haben! Heute wäre es umgekehrt: Im Original würde es ein Löwe sein - zumal es ja kein Kunststück mehr wäre, einen von den schlappen Schlipssoldaten und Parteibuchhaltern, die heuer mit Sternen auf den Schulterklappen in Bw-Schreibstuben herumsitzen, zu erwürgen -, aber die deutschen Gutmenschen, ganz in politisch-korrektem Tierschutz und Vergangenheits-Bewältigung befangen, würden daraus einen "Nazi-General" machen. Und da wir gerade dabei sind: Zwei Szenen im Film werden gar nicht übersetzt, sondern nur auf Französisch gesprochen - wohlgemerkt nicht in langsamem, gut verständlichem Schul-Französisch, sondern so schnell und so umgangssprachlich, daß es Otto Normalverbraucher, so er nicht selber Franzose ist, schwerlich versteht, was zeigt, daß die Franzosen offenbar weniger Respekt vor der Obrigkeit haben als andere, katzbuckelnde Völker, die immer gleich Angst vor eine Beleidigungsklage haben, sei es von Parlamentariern, sei es von anderen Beamten: Als Foussard eines Nachts bei dem Versuch, Robie umzubringen selber tödlich verunglückt, trifft sich die ganze Meute zur Beerdigung. Während der Priester salbungsvolle Worte für den Verstorbenen findet (auf Lateinisch - aber das war damals noch ganz normal in der katholischen Kirche) rät Bertani Robie mit Nachdruck, in die USA zurück zu gehen, weil ihm sonst auch etwas zustoßen könne. Als Robie ihm widerspricht, bricht es aus der ganz in schwarze Trauer gekleideten Danielle hervor: "Wir sind hier auf dem Friedhof, nicht in der Quasselbude (damit meint sie ausdrücklich das Parlament, die "Chambre des députés")! Niemand hat Sie (plötzlich siezt sie Robie) eingeladen; Sie sind ein gemeiner Mörder, und Ihr (damit meint sie Bertani & Co.) seid eine Bande von Feiglingen!" Die andere Szene ist auf dem Kostümfest, als Bertani den Kommissar fragt, ob er sich nicht auch ein Gläschen Champagner genehmigen wolle: "Oder trinken Sie nie im Dienst?" - "Ich trinke nie außer Dienst!" gibt der Kommissar zurück. Das geht denn doch zu weit: Verunglimpfung der französischen Polizei im allgemeinen und des gehobenen Kriminaldienstes im besondern als Säufer - das muß ja nun nicht gleich jeder Zuschauer verstehen! (Die deutschen Bearbeiter haben es offenbar auch nicht verstanden, jedenfalls nicht die Szene auf dem Friedhof; denn sie übersetzen das "you" in den paar eingestreuten englischen Sätzen hartnäckig weiter mit "Du" :-) Exkurs Ende.

[Wappen USA]

Und damit kommen wir wieder zu den Teilen des Films, die einem auch in der deutschen Fassung nicht vorenthalten werden. Als die Polizei bei Robie aufkreuzt, um ihn zu einem Verhör abzuholen, zieht der es vor, erst mit dem Bus nach Nizza zu entfleuchen (wo der Zuschauer seine zwielichtigen Kumpane von der Résistance kennen lernt, vor allem deren Anführer Bertani, der inzwischen ein Hotelrestaurant leitet, und den hinkenden Foussard) und dann - mit Hilfe von Foussards Tochter Danielle und einem Motorboot - nach Cannes, wo er Detektiv Hughson trifft. Nach einer Verfolgungsjagd über den Blumenmarkt erwischt ihn die Polizei dann doch und setzt ihn für 10 Tage auf freien Fuß - wieso und warum erfährt der Zuschauer nicht, denn das berichtet Robie erst Hughson, als er wieder mit ihm zuhause ist, ihm sinnigerweise von besagter Haushälterin eine "Quiche Lorraine [Zwiebelkuchen elsässer Art]" servieren läßt, ihn mit reichlich Alkohol abfüllt und ihm dann unter der Zusage, die echte "Katze" zu überführen, eine Liste der Versicherungsnehmer[innen] mit den wertvollsten Juwelen vor Ort abschwatzt. Ganz oben steht eine Mrs. Stevens aus den USA, die mit ihrer Tochter angereist ist, um diese endlich an den Mann zu bringen (aber das hatten wir ja schon). Im Nobel-Hotel Carlton, genauer gesagt in dessen Spielcasino, sieht sie Robie - der es natürlich darauf angelegt hat, von ihr gesehen zu werden -, merkt ihn gleich als potentiellen Schwiegersohn vor und schickt ihre Tochter (die sich von ihm mit einem überraschenden Gute-Nacht-Kuß verabschiedet) am nächsten Tag mit ihm an den Strand. Beim Schwimmen treffen dann Robie, Francis und Danielle aufeinander, und es kommt zum giftigen Wortwechsel zwischen den beiden Frauen. Bevor Francis dazu kam, hatte Danielle Robie gerade die nette Frage gestellt: "Warum wollen Sie ein altes Auto kaufen, wenn Sie ein neues billiger haben können? Es läuft besser und hält länger!" Und Robie hatte geantwortet: "Du bist nur ein Mädchen, Francis ist eine Frau." Das ist eine interessante Frage und eine interessante Antwort (die freilich aus dem Munde eines Mannes Anfang 50 - die man dem grauhaarigen Cary Grant nur allzu deutlich ansieht, auch wenn Robie vielleicht ein paar Jährchen jünger sein soll - etwas unglaubhaft klingt, denn aus dessen Sicht dürfte es keinen gar so großen Unterschied machen, ob eine Frau "erst" 19 oder "schon" Mitte 20 ist, zumal wenn auch die Rolle der 19-jährigen mit einer Mittzwanzigerin besetzt ist :-). Über beide kann Dikigoros nicht kommentarlos hinweg gehen, obwohl - oder gerade weil - sie heute sicher anders lauten würden als damals. Auf jeden Fall wurde die Frage damals (und wird sie wohl auch noch heute) in den USA anders beantwortet als in Frankreich, und deshalb trägt sie wesentlich zum Thema von "Avez-vous Bourbon" bei, nämlich den unterschiedlichen Lebensformen in Ländern, die man bereist. Darf Dikigoros das Pferd vom Schwanz aufzäumen und auf ein Paradoxon hinweisen, das wahrscheinlich Hitchcock selber nicht bemerkt hat? Robies Antwort ist schlicht falsch! Vielmehr ist es ja so, daß die jüngere Danielle die Frau ist und Francis - wiewohl älter - die Jungfrau, also das Mädchen. Oder, auf die Autosprache übertragen: Danielle mag zwar eine jüngere Baureihe sein, aber schon ein Gebrauchtwagen, Francis dagegen zwar ein älteres Modell, aber ein Neuwagen. Sigmund Freud hätte aus dieser nach ihm benannten Fehlleistung wahrscheinlich weit reichende Rückschlüsse auf den Regisseur gezogen; Tatsache ist, daß man diese Frage offenbar schon damals (1955) in einem angelsächsischen Film nicht mehr ehrlich beantworten durfte - der Kult um die Jungfräulichkeit galt seit dem Zweiten Weltkrieg zunehmend als antiquiert -, sondern so tun mußte, als suchte man[n], wenn es ans Heiraten ging, im Gegenteil eine reife, erfahrene Frau.

Exkurs. Damit ist natürlich "sexuell erfahren" gemeint; denn wenn es nur um allgemeine Lebenserfahrung ginge, wäre die Sache ja einfach: Dann könnte man Männlein und Weiblein gleichermaßen nur empfehlen, so früh wie irgend möglich zu heiraten; denn Erfahrungen macht man am besten gemeinsam - von den Erinnerungen kann man ein Leben lang zehren, es ist der beste Binde-Kitt, den es für eine Beziehung überhaupt gibt. Aber das alleine ist es halt nicht, und so kommen wir um die Frage nicht herum: Wann ist eine Frau - oder ein Mann - "sexuell erfahren", liebe Leser[innen]? Wenn er oder sie mit möglichst vielen Partner[inne]n kurzzeitige Beziehungen hatte? Kaum. Am Anfang läuft jede neue Beziehung gut - das macht der so genannte "Coolidge-Effekt" [wer des Englischen mächtig ist, kann auch einmal diesen Link zum Thema anklicken, der noch besser ist] -; aber wenn die erste Fase der Verliebtheit vorbei ist, beginnt sich die Spreu vom Weizen zu trennen. (Das ist wie beim Schach: Wer bloß die Eröffnungstheorie lernt, aber keine Lust auf das ungleich interessantere Mittelspiel, geschweige denn auf das schwierige Endspiel hat, wird nie ein guter Spieler werden :-) Wer dann jedes Mal Schluß macht und immer wieder von vorne beginnt mit einer neuen Beziehung, aus Lustlosigkeit, an der alten (und damit an sich selber!) zu arbeiten, mag zwar Abwechslung erleben - die zwar das Leben süß macht, aber auf Dauer ziemlich langweilig wird, weil sich ja doch alles wiederholt -, aber schwerlich Erfahrung gewinnen und darf sich nicht wundern, wenn auch die dann endlich doch eingegangene Ehe mangels Bindungs-Erfahrung binnen kurzem in die Brüche geht. Bei aller modernen "Aufklärungsarbeit" im Biologie-Unterricht und der immer weiteren Verbreitung des Faches "Verhaltens-Forschung" scheint dieser Aspekt der zwischen-menschlichen Beziehungen noch immer arg vernachlässigt zu werden. Denkt mal drüber nach! Exkurs Ende.

[die französische Traumfrau] [die amerikanische Traumfrau]
... und so unterschiedlich sind die Vorstellungen von der idealen Frau:
links die französische - rechts die amerikanische

Und wie war es wirklich? Die Frage ist schwieriger als man denken sollte. Dikigoros hat die klugen Bücher jener Zeit gewälzt, die Kinsey-Reports von 1948 (über die Sexualität der Amerikaner) und 1953 (über die Sexualität der Amerikanerinnen) und "La vie sexuelle de la jeune fille" von Georges Valensin (über die Sexualität der Französinnen; die erweiterte Neuauflage, die sich auch mit den französischen Männern beschäftigt, ist erst Ende der 1960er Jahre erschienen); aber er hat die Antwort nicht gefunden. Das - angebliche - Tabu, über die fysiologischen Abläufe beim Sex zu sprechen, haben sie gebrochen; aber über die Wahl des Ehepartners und die dafür ausschlaggebenden (oder auch nicht) sexuellen Motive schweigen sie sich geradezu hartnäckig aus. (Was einmal mehr beweist, daß die wirklichen Tabus oft ganz andere sind als diejenigen, die als solche genannt und diskutiert werden - sonst wären es ja auch keine echten Tabus :-) Es bleibt Dikigoros also nichts weiter übrig, als diese Frage aus der allgemeinen Sicht eines Mannes zu beantworten, der er ja nun mal ist, in der Annahme, daß sich die Kriterien für die Wahl eines Ehepartners letztlich doch weniger als manche glauben nach vorüber gehenden Moden richten, sondern über die Generationen hinweg ziemlich konstant bleiben. Nein, Dikigoros will hier nicht großartig diskutieren, wie wichtig oder nicht Sex in der Ehe ist, sondern sich auf die eine Frage beschränken, die im Film gestellt wird: Macht es - aus der Sicht des Mannes - Sinn, wenn er den Neuwagen einem Gebrauchtwagen, unabhängig von der Baureihe, vorzieht? Und macht es einen Unterschied, ob man[n] Amerikaner oder Franzose ist?

Exkurs. Will Euch Dikigoros hier etwa auf Abwege führen, liebe Leser[innen]? Nein, will er nicht, aber Hitchcock will, und Dikigoros gedenkt nicht, ihm auszuweichen, zumal er auch persönlich überzeugt ist, daß die Parallele zwischen dem Kauf eines Autos und der Heirat einer Frau in Anbetracht der durchschnittlichen Ehedauer heute durchaus nicht abwegig ist. Wer öfters mal ein neues Auto kauft weiß, daß es "eingefahren" werden muß: Je nachdem, wie man den Motor auf den ersten paar hundert Kilometern behandelt, wird der Wagen später schneller oder langsamer reagieren. Habt Ihr Euch mal Gedanken gemacht, worin die Unterschiede zwischen Euren Sexual-Partner[inne]n im Bett bestehen? Das solltet Ihr selbst dann wissen, wenn Ihr immer nur die ersten hundert Kilometer fahrt. Falsch, den Einsatz bestimmter Körperteile in bestimmten Stellungen könnt ihr unterschiedslos jedem und jeder beibringen, selbst einem Gorilla oder einer Schimpansin. (Ausnahmen bestätigen die Regel; diese hoffnungslosen Fälle erkennt man daran, daß sie beim Schwimmen den Kopf krampfhaft hoch halten, damit bloß ihr Haar nicht naß wird; und wenn sie ins Wasser springen - natürlich nur senkrecht mit den Füßen vorweg - sich die Nase zu halten, weil sie Angst haben, sonst müßten sie etwas schlucken. Der Amerikaner sagt: "they don't give head", sie bekommen den Kopf nicht 'runter :-) Richtig: im Tempo! Ob jemand im Bett langsam oder schnell (re-)agiert ist eine Frage der ersten sexuellen Erlebnisse; pardon, ob er oder sie auf langsam oder schnell steht; natürlich kann man - und erst recht frau - sich auf alles irgendwie einstellen; die Frage ist nur, ob es ihm oder ihr dann noch Spaß macht. Dikigoros zum Beispiel kann nichts so sehr nerven wie eine lahme Ente im Bett - er würde auch keinen Citroën 2C fahren wollen. (Für jüngere Leser: Das war zu Dikigoros' Studentenzeit das Kult-Auto der weniger gut betuchten Jugend, vor allem in Frankreich [dort nannte man es "Canard" - auf Deutsch "Ente"]; aber auch in Italien hat es dem Fiat Cinquecento erhebliche Marktanteile abgenommen - und in Deutschland BMWs "Isetta" völlig vom Markt verdrängt. Für Ossis: so eine Art Trabi der Wessis.) Aber bitte, die Geschmäcker sind verschieden; manche Männer wollen im Bett keinen Streß - auch für die gibt es reichlich Auswahl; sie sollten halt bloß richtig wählen. (Übrigens zählte Grace Kelly nicht zu den Trockenhaar-Schwimmerinnen; sie entstammte einer Familie von großen Wassersportlern - ihr Vater war mehrfacher Olympia-Sieger, ihr Bruder immerhin Bronzemedalist, aber das ist eine andere Geschichte.) Exkurs Ende.

Wie stellt Francis in "To Catch a Thief" ihr Tempo unter Beweis? Indem sie Robie zu einer - in angelsächsischen Filmen obligatorischen - halsbrecherischen Autofahrt in die Berge oberhalb von Monte Carlo mit nimmt. [Auf dieser berühmt-berüchtigten Autorennstrecke sollte Grace Kelly 1982 tödlich verunglücken. Nein, sie war keine schlechte Fahrerin, ihre Tochter Stéphanie hatte am Steuer gesessen - was im Nachhinein vertuscht wurde.] Sie hängt die Robie verfolgenden Polizisten glücklich ab und fragt ihn beim anschließenden Picknick mit Huhn anzüglich, ob er eher auf Brust oder auf Schenkel stehe... Spätestens da mußte auch dem letzten amerikanischen Zuschauer (für den ein gemeinsames Essen in der Öffentlichkeit damals schon fast einer Verlobung gleich kam) klar sein, daß es Francis längst nicht mehr darum geht, irgend einen Dieb zu fangen, bevor der den Schmuck ihrer Mutter klaut, sondern den Dieb John Robie, bevor Danielle ihr dessen Schmuck vor der Nase weg schnappt. Sie macht ihm (zum Schein?) das Angebot, mit ihm zusammen Diamanten zu stehlen, am besten gleich am selben Abend, in der Villa einer Bekannten. "Keine Zeit," entgegnet Robie, "ich muß mir das Feuerwerk ansehen." - "Das sieht man am besten von meiner Suite aus. Heute abend um acht, und seien Sie pünktlich." - "Ich habe keine Uhr, die pünktlich geht." - "Dann klauen Sie eine." [Das erinnert Dikigoros an die Szene in "Schtonk", als der Schatzmeister zum Verlagschef sagt: "Um diese Zeit haben die Banken schon alle geschlossen", und der antwortet: "Dann sperren Sie eine auf" - vielleicht hat Dietl das bei "To Catch a Thief" abgekupfert?] Er kommt - ob pünktlich oder nicht, erfährt der Zuschauer nicht, es kommt auch nicht darauf an -, und hier spielt sich nun die berühmte Szene ab, nach der die französische Fassung des Films benannt ist ("La main au collet [Die Hand am Hals]") - die aber merkwürdigerweise nur auf dem italienischen Filmplakat thematisiert wird: Francis streckt Robie ihren mit einem Diamanten-Collier geschmückten Hals entgegen und sagt: "Fassen Sie an und sagen Sie mir, daß Sie das kalt läßt." - "Sie wissen doch ebenso gut wie ich, daß das eine Imitation ist", versetzt Robie trocken." - "Aber ich bin echt" entgegnet sie, verführerisch lächelnd.

[italienisches Filmplakat]

Auf Französisch heißt "sie streckt ihm den Hals entgegen": "Elle lui tend le collet", deshalb versteht jeder Franzose sofort die Anspielung. [Ihr nicht, liebe deutsche Leser, wenn Ihr nur ins Wörterbuch schaut und deshalb die Redewendung "tendre des collets" nicht kennt, die "Schlingen auslegen" bedeutet. "Collet" hat nichts mit "Collier" zu tun, d.h. in der Bedeutung "Hals" natürlich schon; aber der - zufällige - Namensvetter mit der Bedeutung "Schlinge" kommt von "coller", (mit Leim) kleben, da man Vögel und andere Kleintiere früher mit Leimruten fing; später übertrug man diese Bezeichnung auch auf die dazu verwendeten Schlingen.] Da "collet" in dieser Redewendung nämlich im Plural steht, weiß der Franzose sofort, daß damit zweierlei gemeint sein muß: Erstens hält Francis Robie den Hals hin, und zweitens stellt sie ihm eine Falle, um ihn zu fangen. Da sie ihn aber an dieser Stelle schwerlich überführen kann, ein Juwelendieb zu sein, kommt nur die andere Alternative in Betracht - und spätestens da mußte es auch das französische Publikum kapiert haben, mit oder ohne anschließendem Feuerwerk. [Der englische Leser des Romans weiß es ohnehin von Anfang an, denn der Untertitel lautet: "A notorious jewel thief baits a mantrap" - aber so eine Vorwegnahme macht natürlich die "suspension" kaputt, deshalb läßt sich Hitchcock in der Verfilmung etwas mehr Zeit.] So ermöglichen sprachliche Besonderheiten (wofür sind wir in der Abteilung "Reisefilme"?!) Wortspiele, die über die Wirkung des Originals weit hinaus gehen. (Deshalb ist auch der Titel der 1954 erschienenen deutschen Original-Übersetzung von Elisabeth Schnack - "Le Chat sucht Le Chat" viel besser als "Über den Dächern von Nizza", denn er drückt die gleiche Doppeldeutigkeit aus: Danielle sucht einen adäquaten Partner, und Robie sucht seine[n] Doppelgänger[in], um ihn/sie zu überführen.)

Aber beginnen jetzt etwa die amerikanischen Zuschauer[innen] wieder zu zweifeln? Am Verstand von Francis? Schließlich war gerade erst zwei Jahre zuvor eine äußerst erfolgreiche Filmkomödie auf den Markt gekommen mit dem bekannten Titel-Song: "Diamonds are a girl's best friend [Diamanten sind die besten Freunde eines Mädchens]" - und die war ganz eindeutig auf echte Diamanten ausgerichtet, ohne jegliche zweideutige Anspielung oder Parallele. Dikigoros ist bloß ein Mann, deshalb kann er da vielleicht nicht mitreden, aber er versteht nicht, was manche Frauen an Diamanten so fasziniert. Der materielle Wert? Da ist ein dickes Bankkonto doch sicherer, denn Juwelen steigen und fallen recht willkürlich im Preis - letzteres meist dann, wenn man sie gerade dringend zu Geld machen will. Die Schönheit? Pardon, aber was ist an einem Diamanten schön? Es ist doch so ziemlich der häßlichste aller Edelsteine, da er farblos ist - jede Glasperle ist gleich "schön", zumal es gar nicht auf den Diamanten, sondern viel mehr auf den Schliff ankommt, ohne den der Stein absolut nichtssagend aussieht. Und selbst wenn man, pardon frau Diamanten schön findet - sagt das etwas über ihren Wert aus? Es müssen ja nicht gleich Imitate aus Glas sein - die gehen zu Bruch, wenn man sie fallen läßt, während Diamanten sehr hart sind -; aber es gibt synthetische Zirkone, die fast ebenso hart sind, nur einen Bruchteil kosten und selbst für den Fachmann mit bloßem Auge nicht von echten zu unterscheiden sind. (Und welche Frau würde schon zulassen, daß sich jemand mit der Lupe an ihrem Decolleté zu schaffen macht?) Also hält er es mit Mrs. Stevens, die ganz eindeutig sagt, daß sie all ihre Juwelen gerne eintauschen würde gegen einen richtigen Mann, und daß sie auch ihrer Tochter gerne einen Ehemann "kaufen" würde. (Sie hat freilich gut reden, denn sie hat auch das besagte dicke Bankkonto dazu :-) Gibt es da eigentlich einen Unterschied zwischen Amerikanerinnen und Französinnen? Nein, sowohl in West- und Mitteleuropa als auch in Nordamerika ist es traditionell so, daß die Eltern der Braut den Schwiegersohn kaufen, pardon, daß sie ihrer Tochter eine Aussteuer - oder eine Ausbildung, was finanziell aufs gleiche hinaus läuft - mit in die Ehe geben. (Wenn dagegen in Indien das gleiche geschieht, pflegen sich Europäer und Nordamerikaner darüber furchtbar aufzuregen und moralisch zu entrüsten - aber das ist eine andere Geschichte, ebenso die Frage, warum es in anderen Kulturen umgekehrt ist, also der Brautkauf vorherrscht.) Dennoch gibt es einen Unterschied, aber keinen landes-, sondern einen geschlechts-spezifischen: Der beste Freund der holden Weiblichkeit mögen die Diamanten sein; aber der beste Freund des Mannes ist sein Fortbewegungsmittel: in manchen Gesellschaften war das damals noch sein Kamel oder sein Pferd, im "zivilisierten" (sprich motorisierten) Westen war es - und ist es heute fast überall auf der Welt - sein Auto.

* * * * *

Und damit sind wir wieder bei Hitchcocks Parallele. Amerikaner und Franzosen haben ganz und gar unterschiedliche Auffassungen vom Sinn und Zweck eines Autos. (Und deutsche Männer wieder eine andere - bei ihnen steht das Auto in der Wertschätzung so weit oberhalb der Ehefrau, daß man diese Parallele kaum noch ziehen kann :-) Der Amerikaner will damit in erster Linie Mr. Jones von nebenan ärgern, denn auch wenn das Auto noch so viel Geld gekostet hat und theoretisch noch so schnell fährt - schneller als 55 mph [Meilen pro Stunde; 1 US-Meile = 1,6 km] darf man selbst auf der achtspurigen Autobahn nicht fahren (d.h. damals war das noch so in den USA, inzwischen gibt es einige wenige Ausnahmen); jede Meile mehr zieht, wenn man[n] ertappt wird, ein Bußgeldverfahren nach sich. (Und alles außer der Missionarsstellung zog - noch weit bis in die ach-so-toleranten 1970er Jahre - ein Strafverfahren wegen sexueller Perversion nach sich; auch mit einer sexuell noch so begabten Frau konnte man also allenfalls den Nachbarn ärgern - und auch das nur durch ihr Äußeres - z.B. indem man sie mit teurem Schmuck behängte.) Für die Franzosen dagegen ist das Auto in erster Linie ein Gebrauchs-Gegenstand: Es muß sich im Verkehr bewähren, wie es aussieht ist eher zweitrangig, es darf auch ruhig ein paar Kratzer und Beulen haben, dann lockt es wenigstens keine Diebe an. Noch in den 1960er Jahren trällerte der populäre Schlagersänger Claude François ein Liedchen mit dem Refrain: "Si tu veux être heureux pour le reste de ta vie, n'épouse jamais une trop jolie fille... [Wenn du glücklich sein willst ein Leben lang, heirate niemals ein zu hübsches Mädchen...]" Folgen Ausführungen darüber, daß sie lieber gut kochen können soll - was dem Fast-food gewohnten amerikanischen Manne völlig egal ist. (Dikigoros übrigens auch, aber nicht weil er ein Anhänger des Fast-food wäre, sondern weil er selber frühzeitig kochen gelernt hat - und inzwischen hat er es sogar seiner Frau beigebracht... na ja, so einigermaßen. Und bevor Ihr, liebe Leser, noch weiter versucht, mittels Anfragen per E-Mail in seine Privat-Sfäre einzudringen, schreibt er lieber gleich hier, daß er persönlich ein Anhänger der Methode Valensin ist, mit der er sehr gut gefahren ist, und daß er sich im Rückblick nur eines vorwerfen könnte auf seine alten Tage, nämlich daß er sein Gefährt, pardon seine Gefährtin, vielleicht doch ein wenig zu schnell eingefahren hat. In der ursprünglichen Fassung dieser Seite schloß er die Klammer hier etwas flapsig mit "aber das läßt sich jetzt nicht mehr ändern". Wohl wahr, aber je älter er wird, desto mehr vergeht ihm das Lachen ob dieser Unabänderlichkeit. Seine Frau hat sich - nicht zuletzt ob seiner guten Pflege - prächtig gehalten, keinen Rost angesetzt, keine sichtbaren Lackschäden, und könnte glatt für 10-15 Baujahre jünger durchgehen. Schon jetzt nutzt sie so manches angebliche Kaffeekränzchen mit ihren Freundinnen zu Spritztouren mit Männern, die jünger und schneller sind als Dikigoros; und es wird kommen der Tag, da sie ihm mit einem von ihnen durchbrennt - und wer hilft ihm dann bei seinen Filmseiten?)

Was folgt daraus für den Autokauf? Nun, der Amerikaner wird ein neues Auto zum Anschauen und Repräsentieren kaufen - wozu die älteren Modellreihen ja tatsächlich oft viel besser geeignet sind als die modernen Sparserien - und sehr darauf achten, daß es nicht in die falschen Hände gerät; der Franzose dagegen wird ein gut eingefahrenes, aber neues Modell mit allen Schikanen bevorzugen, tolerieren, wenn es kleine Macken hat, und es auch nicht so eng sehen, wenn der Nachbar es sich mal ausleiht... Moment mal, stimmt das eigentlich, und läßt es sich so einfach auf unser Thema übertragen? Fragen wir den Film. Seine Antwort - wenn der Amerikaner Robie die Antwort ist - lautet: Ja! Aber ist das nicht ein ziemlich plumper Plot? Geduld, liebe Leser, der Clou kommt noch. Halten wir zunächst einmal fest, daß Robie seine Wahl zwar Danielle schon mitgeteilt hat, nicht aber Francis (die bei seiner Antwort auf die oben diskutierte Frage gerade erst angeschwommen kam und noch außer Hörweite war) - die glaubt also weiter, daß sie erst noch ihre Schlingen nach ihm auslegen muß, bevor sie ihn fangen kann. Halten wir weiter fest, daß Robie schon lange in Frankreich lebt und auch weiterhin dort zu leben gedenkt, d.h. er wird auf keinen Fall in die Staaten zurück kehren. Muß das nicht auch sein Wahlverhalten beeinflussen? Die meisten Hitchcock-Fans spekulieren denn auch, ob er nicht schon vor der Heirat mit Francis geschlafen und ihr wenn schon nicht die Juwelen, so doch die "Unschuld" geraubt hat - symbolisiert durch das Feuerwerk -; aber diese Frage findet Dikigoros ziemlich müßig, denn keine Antwort kann bewiesen oder widerlegt werden. Francis' Mutter scheint es jedenfalls nicht zu glauben, denn sie fragt ihre Tochter, als die ihr empört erzählt, daß der vermeintliche Holzhändler aus Oregon in Wirklichkeit ein Dieb sei, nur: "Na und? Was hat er dir denn schon gestohlen?" Und als die Presse vorübergehend den - inzwischen tödlich verunfallten - Foussard fälschlich für den Juwelendieb hält, sagt sie ihr: "Überleg dir schon mal deine Entschuldigung, am besten gleich in zwei Sprachen." Mit der zweiten ist natürlich Französisch gemeint, und zwar in dem Sinne, in dem Billy Wilder sechs Jahre später in "Eins, zwei drei" MacNamaras knackige Sekretärin Ingeborg sagen läßt: "Schließlich bin ich Bi-Linguistin", worauf ihr Chef seufzend antwortet: "Wem sagen Sie das..." Dikigoros ist allerdings nicht sicher, ob damals mit "Französisch" nicht nur ein Zungenkuß gemeint war... Überspringen wir die etwas langatmige Jagd "über den Dächern von Nizza" nach der echten Katze (als die sich schließlich Danielle entpuppt - die pikanterweise für die ehemaligen Widerstandskämpfer "arbeitet", die Hitchcock damit als eine Bande Mafiosi entlarvt :-) und kommen gleich auf das Happy-end: Francis ist Robie in seine Villa nachgefahren, hat sich noch einmal entschuldigt, daß sie ihn zu Unrecht verdächtigt hat, ein Juwelendieb zu sein und sagt ihm Good-bye. "Good-bye", antwortet er und gibt ihr einen Abschieds-[?]Kuß. Francis grinst, und plötzlich erklingen Kirchenglocken - unmißverständliches Zeichen einer Hochzeit (damals heiratete man, jedenfalls im katholischen Frankreich, noch kirchlich - obwohl die vorherige Zivilehe schon seit dem 19. Jahrhundert obligatorisch war, wie in Deutschland - aber anders als in den USA): "Hier lebst du also. Ach, das wird Mutter sicher sehr gefallen." Plumpe Hitchcock-Fans, die krampfhaft nach dem Sinn dieser Szene suchen, behaupten, dadurch bekomme der Film einen "tragikomischen" Schluß. - Wieso denn? Was ist denn daran tragisch oder gar komisch? Mrs. Stevens ist genau die Schwiegermutter, die sich jeder vernünftige Mann nur wünschen kann!

Stellen wir die Frage kurz zurück und kommen erst noch einmal zum Autokauf. Dikigoros hat die Parallele oben bewußt nicht weiter gezogen, weil sie hier abbricht und sich sogar ins Gegenteil verkehrt: Der Amerikaner müßte eigentlich, wenn er logisch vorginge, einen Wartungsvertrag mit der Herstellerfirma abschließen, damit sein schönes neues Auto auch immer gut in Schuß bleibt, während der Franzose mit seiner gut eingefahrenen Kiste wohl alleine zurecht kommen dürfte. Aber das Gegenteil ist der Fall: Der Franzose nimmt die Schwiegermutter mit in seinen Haushalt auf, der Amerikaner zieht so schnell er kann so weit wie möglich weg und hofft, daß sie nicht allzu oft auf Besuch kommt. Genauer gesagt ist es nicht der Mann, der diese Entscheidung trifft, sondern die Frau: Die Französin läßt ihre Kinder gerne von der Oma (mit) erziehen und schätzt ihre Hilfe beim Kochen, Waschen und Putzen (wir erinnern uns: sie ist die neueste Baureihe, die Oma ist also noch relativ jung und kann das gut übernehmen); die Amerikanerin dagegen ist froh, wenn sie der ständigen Bevormundung durch ihre Mutter endlich ein Ende machen kann und will sich unter keinen Umständen in ihren eigenen Haushalt hinein reden lassen (vor allem nicht in die Bevormundung ihrer eigenen Töchter). Und gerade bei dem gespannten Verhältnis, das Francis zu ihrer Mutter hat - die beiden senden ganz offensichtlich auf völlig verschiedenen Wellenlängen -, sollte man meinen, daß es hier genauso ist. Deshalb scheint der Schluß auf den ersten Blick fast ebenso verblüffend - um nicht zu sagen widersprüchlich - wie bei Wagners "Meistersingern", die nach einer ganzen Oper des Lächerlichmachens in letzter Minute aus heiterem Himmel rehabilitiert werden. Aber bei Wagner gibt es dafür überhaupt keinen Anlaß, geschweige denn einen Grund. Bei "To Catch a Thief" dagegen scheint der Zauber Frankreichs zu wirken: Francis legt plötzlich französische Verhaltensweisen an den Tag. Als sie mit Robie das Feuerwerk betrachtet, bleibt den Zuschauern noch unklar, ob sie mit ihm schläft (und sich damit so verhält, wie es eine brave Amerikanerin - die sie ja sein soll - damals nicht getan hätte; die Mehrheit der Französinnen dagegen heiratete zwar - wenn man Valensin glauben darf - den ersten Mann, mit dem sie schlief, aber vernünftigerweise machte sie vorher wenigstens eine Probefahrt). Aber nun ist es endlich klar: Francis ist im Laufe des Films zur Frazösin mutiert (so wie Grace Kelly während der Dreharbeiten zur Monegassin mutiert ist :-) - und auf dem Tisch steht kein Bourbon, woraus wir schließen dürfen, daß auch Francis' Mutter sich wird ändern müssen!

[Wappen Frankreichs 1955]

Und die Moral abseits des Autokaufs? Über die kann man, wie so oft, trefflich streiten. Robie hat die Wahl (und es ist selten, daß man[n] tatsächlich die Wahl hat und sich das nicht bloß einbildet, im richtigen Leben ebenso wie im Film): Entweder er heiratet eine erwachsene Frau (mitsamt reicher Schwiegermutter), also eine gute Partie, und kehrt mit ihr ins ehrbare Leben zurück, nachdem er die wahre Täterin ans Messer geliefert und damit seinen "guten Ruf" wieder hergestellt hat. Oder er nimmt ein junges Mädchen, das er selber zu dem gemacht hat, was sie ist - und sei es nur durch sein Vorbild -, nämlich eine sportliche Juwelen-Diebin, die ihm geistesverwandt ist und mit ihm gemeinsam durchs Leben gehen (und notfalls klettern) könnte - das dann freilich nicht ganz so ehrenwert wäre; aber bisher war es das ja auch nicht. Hitchcock, pardon Robie, wählt die erstere Möglichkeit und erliegt damit der Illusion, daß ein erwachsener Mensch, zumal ein erwachsener Mann (einer Frau mit "Vergangenheit" wird das weniger oft zugebilligt) sich noch mitten im Leben wandeln, "läutern" kann, vorzugsweise durch die Liebe einer ehrbaren [Jung-]Frau. (Daß Francis zumindest am Anfang des Films noch unberührt - also nach herkömmlichem Sprachgebrauch "unschuldig" - ist, darüber herrscht allgemeiner Konsens.) Das ist ein uraltes Märchen-Motiv fast aller Völker (in Asien und Afrika glaubt man[n] sogar, daß ihn Jungfrauen von AIDS heilen könnten!), aber eben nur das. Im echten Leben klappt das nie, das lehrt die straf- und eherechtliche Erfahrung - aber Hitchcock war halt kein praktizierender Jurist. Und so endet "To Catch a Thief", wie die meisten "Liebes-Filme", genau dort, wo es nach den Worten von Frau Dikigoros erst richtig interessant wird: mit dem Entschluß der Hauptgestalten, einander zu heiraten. Das macht ihn, wie die meisten "Liebes-Filme", völlig wertlos für das praktische Liebes-Leben, und deshalb hat ihn Dikigoros hier eben unter einem anderen Aspekt gewürdigt.

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Nachtrag. 1999 drehte John Amiel unter dem Titel "Entrapment" [Titel der deutschen Fassung: "Verlockende Falle"] ein entferntes "Remake", das irgendwo zwischen England, den USA und Malaysia spielt, mit Sean Connery und Catherine Zeta-Jones in den Hauptrollen. (Bei den übrigen Rollen hat man wohl das Geld, das diese beiden gekostet haben, wieder einsparen wollen - sie sind lausig besetzt.) Ein wohlwollender Kritiker schrieb dazu: "Thrill und Erotik in Hitchcock-Manier." Na ja, Dikigoros fand es eher etwas verworren und gänzlich humorlos (solche Themen sollte man nicht mit Bierernst verfilmen, schon gar nicht bei einem derart an den Haaren herbei gezogenen "Happy-end"), und er würde mal vermuten, daß sich der Altmeister im Grabe umdrehen würde, wenn er von diesem Vergleich erführe...

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Noch ein Nachtrag. Bekam Dikigoros doch kürzlich eine Mail von einer empörten Leserin: Weshalb er das Thema "Autokauf" und die menschliche Parallele dazu so penetrant einseitig aus der Sicht des Mannes darstelle, obwohl Hitchcocks Film das doch gar nicht her gebe - im Gegenteil: Offenbar sei es doch Francis, die hier auf "Einkaufstour" sei, nicht John Robie! Stimmt, liebe Frau W., mea maxima culpa; stellen wir uns hier also auch die Frage: Worauf sollte frau beim Kauf achten? Viele Männer haben da ja ganz dumme Vorurteile: Frauen kauften immer bloß nach Äußerlichkeiten wie etwa der Form und Farbe, während Männer ihre Fahrgestelle stets auf "innere Werte" prüften - z.B. die Pferdestärken und die Höchstgeschwindigkeit (die Dikigoros oben ja auch für so wichtig erklärt hat :-). [Auf Sparsamkeit im Verbrauch muß Francis nicht achten - sie hat ja genügend Geld, außerdem war Benzin damals noch spottbillig; deshalb erlaubt sich Dikigoros, diesen sonst sicher auch sehr wichtigen Punkt hier mal außer acht zu lassen.] Aber wo wollt Ihr, liebe Herren der Schöpfung, diese "inneren Werte" denn ausfahren, wenn Ihr nicht gerade in Monte Carlo oder am Nürburgring zuhause seid? Im Stadtverkehr? Oder auf den ständig verstopften Autobahnen? (Die 160 km/h, die Ihr dort in der Praxis maximal fahren könnt, schafft doch heutzutage jeder Kleinwagen!) Dagegen macht es in puncto Sicherheit durchaus Sinn, einen Wagen in den "Signalfarben" knallrot, orange oder zitronengelb zu kaufen, wie es Frauen gerne tun, während Männer dunkelblau oder anthrazit bevorzugen, was man nicht nur schlechter sieht, sondern zudem noch den Nachteil hat, daß es sich im Sommer schneller aufheizt - also unterschätzt die "Äußerlichkeiten" nicht und verlacht nicht die Frauen, die auf sie achten! Aber ob man das auch auf den Menschen übertragen kann? Als Hitchcock "To Catch a Thief" drehte, war diese Frage schwieriger zu beantworten, denn da gab es noch keine "Schönheits"-Operationen, d.h. alle "Äußerlichkeiten" waren echt, konnten somit auf die Kinder vererbt werden. (Und darauf kommt es bei der Wahl des Ehepartners doch an - oder?) Eine Generation später klaffte ein großer Unterschied zwischen den Geschlechtern, denn der scheinbar so tolle Busen konnte aus Silikon und das Fett aus den scheinbar schlanken Schenkeln abgesaugt sein, während der tolle Bizeps und der Waschbrettbauch noch "echt" waren. Aber ach, heute kann man[n] sich auch die relativ einfach aus der Muckibude holen - mit Hilfe von Anabolika u.a. "unterstützender Mittel" geht das ruck-zuck. Die Antwort lautet also ganz einfach: Nein, bei der Partnerwahl darf auch frau sich auf solche Äußerlichkeiten nicht (mehr) verlassen, denn dahinter könnten sich ohne weiteres ein verfettetes Herz, eine Raucherlunge, eine Säuferleber und - sehr wahrscheinlich sogar - von jenen Mittelchen ruinierte Nieren verbergen, dazu eine Milz, die schon nach ein paar Runden scharfen Laufens Seitenstiche produziert. Aber wie soll frau - wenn sie nicht gerade Internistin ist und ihre Patienten persönlich auf "Herz und Nieren" prüfen kann -, feststellen, wie es um diese "inneren Werte" bestellt ist? Nun, vielleicht sollte sie ganz einfach wieder auf die praktischen Kriterien zurück greifen, die schon Francis bei Hitchcock beachtet, denn ein Mann, der in John Robies Alter noch ein paar Kilometer durchs Mittelmeer schwimmt und nachts auf Hausdächern herum klettert, muß wohl ziemlich gesund und fit sein. Und damit ist zugleich die Frage nach Alter und Modellreihe beantwortet, der Dikigoros oben aus der Sicht des Mannes so verhältnismäßig viel Raum gewidmet hat: Geht einfach nach der Modellreihe, wenn die gut gebaut ist, ist es relativ egal, wie alt das jeweilige Exemplar ist - gute Qualität rostet nicht so schnell wie der jungemoderne Schrott. (Und ein Mann kommt ja auch nicht in die Wechseljahre :-) Ach so - wo der Unterschied liegt zwischen Amerikanerinnen und Französinnen? Auch da haben sich die Zeiten geändert: Früher suchte sich die Amerikanerin, wie Francis bei Hitchcock, auch wenn sie im Ausland weilte und bereit war, sich den fremden Lebensverhältnissen im großen und ganzen anzupassen, zum Heiraten doch in der Regel einen eigenen Landsmann - schon um ihrer Staatsbürgerschaft nicht verlustig zu gehen, was damals mit der Ehelichung eines Ausländers noch verbunden war. (Grace Kelly war eine der wenigen Ausnahmen, die jene Regel bestätigten.) Wenn dagegen die Französin ins Ausland ging, heiratete sie dort meist keinen Landsmann, sondern einen Einheimischen, also ihr fremden - wofür sie heute nicht mehr ins Ausland zu gehen bräuchte, denn es kommen ja mehr als genug Fremde nach Frankreich. Dennoch ist die Eheschließungsrate zwischen Französinnen und Immigranten immer noch relativ gering - jedenfalls deutlich niedriger als die zwischen Franzosen und Immigrantinnen. (Nur die Scheidungsrate liegt bei beiden gleich hoch, nämlich fast 100% über dem Durchschnitt nicht-gemischter Ehen; aber das nur am Rande; in diesem Absatz soll es ja nur um die Unterschiede im männlichen und weiblichen "Kaufverhalten" gehen :-) Die Amerikanerinnen von heute haben dagegen alle Hemmungen über Bord geworfen, die ihre Großmütter zur Zeit von Hitchcock noch hatten - und die ihnen das Gesetz ja auch noch auferlegte, denn ein Ausländer bekam durch die Heirat mit einer US-Amerikanerin nicht automatisch eine Aufenthaltsberechtigung, geschweige denn die Staatsbürgerschaft; und in den meisten Bundesstaaten war nicht nur die Heirat zwischen "echten" Amerikanerinnen und Negern, Asiaten, Indianern o.a. verboten, sondern schon intime Beziehungen mit ihnen waren strafbar! Heute dagegen kann aus der Beziehung zwischen einer US-Amerikanerin und einem Kenyaner sogar ein US-Präsident hervorgehen (so er denn nur erfolgreich vertuscht, daß er in Kenya geboren und als Muslim erzogen ist :-).


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