Virtuelle Gewalt, reale Überwachung

von DUSHAN WEGNER (21. März 2026)

Anmerkungen & ergänzende Links: Nikolas Dikigoros

»Unsere Demokratie« will die nächste totalitäre Maßnahme durchziehen. Man sucht den Aufhänger und fährt Kampagne. Dass der Aufhänger gar nicht zur geplanten Freiheitsbeschränkung passt – egal. Moralpanik treibt die Schafe in immer engere Gatter.

Kennt ihr das Kopiergerät-Experiment? Ich beschrieb es 2015 im Buch Talking Points. Und kennt ihr den Effekt »Ex emotio quodlibet«? Auch den beschrieb ich dort. Es ist das Talking-Points-Kapitel »Reductio ad emotum«, doch eine Zusammenfassung findet sich im Essay »Merkel und ihr merk-würdiger Trick«.

Die Deutschen erleben gerade den Versuch des Propagandastaates, mithilfe beider Tricks die Totalüberwachung der Bürger voranzutreiben.

Ich bekam es aus dem Augenwinkel mit, und es schien mir symptomatisch. Ich habe mich also schlau gemacht. »Sich schlau machen« ist hier allerdings nur eine Redewendung. Ich hatte das Gefühl, beim ersten Teil der Informationsbeschaffung rapide dümmer zu werden.

Deepfakes, Demo, Propagandasprache

Irgendjemand namens Collien Fernandes wirft, so lese ich, ihrem Ex-Mann Christian Ulmen vor, jahrelang »Fake-Profile« mit »Deepfake-Pornos« und pornografischen Inhalten unter ihrem Namen erstellt und verbreitet zu haben. Im Raum stehen wohl unter anderem die Vorwürfe Identitätsdiebstahl und Bedrohung; sie erstattete Ende 2025 Anzeige in Spanien. Vorermittlungen laufen, Ulmen schweigt bzw. bestreitet via Anwalt. Anders als für Andersdenkende in »Unserer Demokratie« gilt bei uns hier, liebe Leser, die »Unschuldsvermutung«!

Tech-Info: Solche »Deepfake-Pornos« sind wohl mit Künstlicher Intelligenz angefertigte Bilder oder Filme, die aussehen, als hätte die Person sich für die Kamera entblößt, doch sie wurden vom Computer gezeichnet. Also quasi wie wenn jemand eine Person nackt malt, nur dass es halt wirklich echt aussieht.

Ich weiß nicht, womit diese Collien Fernandes vor diesem »Skandal« prominent wurde, und ich werde das auch gern den Rest meines Lebens nicht wissen. Ich sehe allerdings, dass dieser Fall von der Politik genutzt wird, um eine Kampagne für strengere Online-Gesetze zu fahren (tagesschau.de, 20.3.2026).

Wie für Propagandastaaten üblich, erfindet man neue Kunstwörter. Die neue Propagandasprache ist moralisch übermäßig aufgeladen, bedeutet aber bei näherer Betrachtung erstaunlich wenig.

Wir lesen beim Staatsfunk über »Digitale Gewalt«. Bei der 20:00-Uhr-Propaganda war es das erste Thema (siehe tagesschau.de, 20.3.2026). Das erste Thema! Ja, so sieht eine orchestrierte Kampagne aus. (Das zweite war Geld für Ukraine, klar.)

Die BILD-Zeitung ähnlich: Nicht der Iran-Krieg, nicht der anstehende Teil-Kollaps der westlichen Wirtschaft sind das Hauptthema. Während ich dies schreibe, sind erstes und zweites Hauptthema dieser Fake-Skandal.

Die Politiker des Propagandstaates plappern plötzlich alle den schrägen Slogan »Die Scham muss die Seite wechseln« – siehe Suche bei X. Was soll das bedeuten? Will ich es überhaupt wissen? Linksgute, die eben noch Jugendlichen im Namen von »Trans« die Scham umoperieren wollten, wollen nun die Scham die Seite wechseln lassen? Beim Versuch, diesen Wahnsinn zu verstehen, kommt mir Nietzsche in den Sinn: "Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein."

Echte Opfer, kalte Blicke

Frau Fernandes selbst benutzt die bemerkenswerte Formulierung, sie sei Opfer einer »virtuellen Vergewaltigung« (bild.de, 19.3.2026).

Es hört sich an wie eine offene Verhöhnung der täglichen tatsächlichen Vergewaltigungen. Etwa als Anfang dieses Jahres mutmaßlich eine Gruppe »junger Männer« in einem Neuköllner Jugendklub eine Minderjährige vergewaltigte. Sogar der für eher »linke« »Wahrheit« bekannte Spiegel schreibt: »Weder die Einrichtung noch das Jugendamt stellten Strafanzeige – angeblich, um die mutmaßlichen Täter zu schützen.« (spiegel.de, 16.3.2026)

Dem Jugendklub und dem zuständigen Jugendamt wird vorgeworfen, den Täterschutz vor den Opferschutz zu stellen. Man habe den Fall »vertuschen« wollen, um die muslimischen Jugendlichen zu schützen. Man wolle nicht »Ressentiments« bedienen.

Es erinnert an das wiederholte Phänomen, dass Städte die Sicherheit durch öffentliche Kameras erhöhen wollen. Nach der Auswertung der Bilder aber will man die Kameras früher oder später wieder ausschalten, weil die auf den Aufnahmen festgehaltene Realität »rassistisch« ist. So jüngst in der Islamischen Republik Großbritannien; siehe theguardian.com, 26. In San Francisco hält die U-Bahn schon seit 2017 die Bilder der Überwachungskameras zurück, da diese »Stereotype« bestätigen; cbsnews.com, 9.7.2017.

Ein neuer Gipfel der Opferverhöhnung soll am morgigen Sonntag stattfinden, wenn die Propaganda in Berlin zur Demo in der Deepfake-Causa aufruft (bild.de, 21.3.2026). Es passt allerdings, dass diese Moralpanik an einem Sonntag zelebriert wird. Ich gehe mit meiner Familie zur Kirche. Diese Leute treffen sich zu ihrer eigenen Huldigung höherer Mächte: zur Demo für genau das, was die Bürokraten des Propagandastaates gerade durchsetzen wollen. (Ich bin bereit, Wetten anzunehmen zu der Frage, wer die NGOs hinter diesen »Demos« finanziert.)

Kopiergerät, WEF, Digitale ID

Die ganze Fernandes-Ulmen-Causa wirkt maximal künstlich. Und genauso wie Deepfake-Pornos ist sie unanständig und böse. Anders als Deepfakes ist diese Kampagne aber eben nicht glaubwürdig.

Auf Initiative der Immergleichen wollen plötzlich Staaten rund um den Globus die Identitätskontrolle im Internet einführen. Stichwort und Konzept dazu liefert offenbar seit einiger Zeit das berüchtigte WEF (siehe weforum.org, 1.6.2023 und viele weitere Beiträge).

Laut Recherchen unabhängiger Internet-Nutzer hat Meta (also: Facebook/Zuckerberg) in den USA – wenn die Ergebnisse so stimmen – ca. 2 Milliarden Dollar in die Lobby-Arbeit für die digitale Identifizierung in den Sozialen Medien investiert (yahoo.com, 16.3.2026). Die größten Investoren von Facebook sind meines Wissens wohl BlackRock und Vanguard. Laut Internet-Berichten hat Facebook auch Verbindungen zur NSA (theguardian.com, 7.6.2013), zum FBI und zur CIA durch »ehemalige« Agenten (A href=u"https://www.dailymail.co.uk/news/article-11562433/Facebook-riddled-ex-CIA-agents-ex-FBI-agents-work-Twitter.html" target="_blank">dailymail.co.uk, 22.12.2022), und zur israelischen »Unit 8200« – laut projectcensored.org, 13.2.2023 mit Hunderten von Agenten.

Genau die Staaten, die Covid nutzten, um den Übergang von freiheitlichen Demokratien zu WEF-nahen »moralischen« Staaten einzuleiten (oft begleitet vom Applaus der immergleichen NGO-Financiers), wollen jetzt synchron die »Digitale ID« einführen.

Womit wir fast schon beim Kopiergerät-Experiment wären!

Der X-Nutzer @sparbuchfeinde hat eine bemerkenswerte Chronologie aufgestellt:

  • Dezember 2025: Collien Fernandes zeigt Christian Ulmen in Palma an
  • 19. März 2026: Der Spiegel veröffentlicht die Story
  • 20. März 2026: Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) kündigt an, dass der Gesetzesentwurf zu digitaler Gewalt „fast fertig“ ist
  • Normalerweise dauern Gesetzesentwürfe Monate bis Jahre. Jetzt geht das bei einer Strafsache in Spanien innerhalb von 24 Stunden. Bemerkenswert. – @sparbuchfeinde, 21.3.2026

Es ist fürwahr »bemerkenswert«!

Fernandes hat im Dezember 2025 eine Anzeige erstattet – in Spanien, Mallorca. In Deutschland wurde sie mit ihren Vorwürfen wohl von der Polizei abgewiesen, wenn ich das richtig verstehe. Deshalb nennt sie Deutschland ein »Täterland«. Ich würde ja zustimmen, wenn sie mit Täterland die realen Gruppenvergewaltigungen meinen würde, oder Cum-Ex oder Maskendeals oder den Besitz von Rüstungsaktien durch Politiker, die über Kriegsvorbereitung entscheiden. »Täterland« meint hier aber, äh, was eigentlich?

Ein anderer X-Nutzer erklärt dann auch:

Die kausale Kette ist anders herum:
  1. Die Politik möchte den DSA mit aller Macht und sehr schnell umsetzen
  2. Man hat dazu schon seit längerem Gesetze erarbeitet
  3. Man hat nach einem passenden Fall gesucht, um der Bevölkerung das Ganze schmackhaft zu verkaufen
  4. Kampagne
@Markus016027858, 21.3.2026

»DSA« steht für »Digital Services Act«, die EU-Initiative zur Kontrolle der öffentlichen Meinung in der EU-Besatzungszone.

Man hat »nach einem passenden Fall« gesucht? Das mag stimmen. Doch man fand einen »nur so halb« passenden Fall.

Bestehende Gesetze, ignoriertes Recht

Alle Vorwürfe, die in dieser Causa relevant sein könnten, werden bereits von bestehenden Gesetzen abgedeckt; siehe dazu lawblog.de, 20.3.2026 von Udo Vetter.

Und das ist der Punkt, an dem ich euch das Kopiergerät-Experiment erklären sollte.

Ein Psychologe veranstaltete einmal (ich berichte hier aus dem Gedächtnis) ein Experiment an einem Kopiergerät in der Bibliothek. Wenn gerade jemand kopierte und ein weiterer Mensch wartend anstand, ließ er einen seiner Leute den Wartenden fragen, ob dieser ihn vorlassen könnte. Man versuchte verschiedene Formulierungen der Frage. Und man stellte fest: Wenn der Fragende eine Begründung für Vorgelassenwerden angab, war die Erfolgsquote weit höher – und zwar unabhängig davon, welche Begründung angegeben wurde!

Die Fernandes-Ulmen-Causa dient nicht als kohärente Begründung für digitale Identifizierung oder andere Überwachungsmaßnahmen. Doch der Mehrheit der heute weltweit belächelten deutschen Wähler wird sie als Begründung genügen. »Die werden schon wissen, was sie machen« – siehe Kopiergerät.

Reductio ad emotum, heute

Die »Reductio ad emotum« aber war tatsächlich »Merkels Trick«. Merkel gelang es wieder und wieder, Deutschland nachhaltigen Schaden zuzufügen und eine relevante Menge der Wähler auf ihre Seite zu bekommen, indem sie ein Thema rhetorisch auf das Reden über Gefühle reduzierte. Ob offene Grenzen oder Atomausstieg, in einer infantilen, ja: feminisierten Gesellschaft lassen sich alle Sachargumente beiseiteschieben, indem man das Gefühl zum Angelpunkt seiner Argumente macht.

Bemerkenswert und geradezu gruselig ist es aber, wie einfach sich im Propagandastaat die Gefühle aus- und anknipsen lassen. Im vorliegenden Fall sind die geschürten Gefühle fachsprachlich übrigens eine »moralische Panik«; siehe dazu den Essay "Kampf gegen Rechts ist »Moralische Panik«".

Die selben Leute, die bei realer Vergewaltigung von Mädchen kalt wegschauen und das Töten ungeborener Kinder für ein "Menschenrecht" halten, sind plötzlich super empört und erschüttert, wenn eine (mir bis eben unbekannte) Prominente sich »virtuell vergewaltigt« fühlt.

Es ist und bleibt wahr: Als ich die Nachrichten zu dieser Angelegenheit recherchierte, mich also schlau machte, hatte ich zunächst das Gefühl, dümmer zu werden.
Also versuchte ich, etwas Ordnung in meine eigene Verwirrung zu bringen. Ich musste nur viermal aufstehen, um therapeutisch meinen Kopf gegen die Wand zu schlagen.

Jeden Menschen

»O sprich mir nicht von jener bunten Menge«, so seufzt Goethe, »bei deren Anblick uns der Geist entflieht.«

»Ich liebe doch alle«, so plädierte Mielke, »alle Menschen.«

Nun, in dieser Angelegenheit will ich mich Goethe anschließen. Man will seit jeher an der Menge verzweifeln, die sich von den dümmsten Argumenten in immer enger gezogene Gatter treiben lässt.
Und Mielke schließe ich mich in dieser Liebeserklärung an, indem ich alle durch jeden einzelnen ersetze. Und liebe durch will lieben.
O sprich mir nicht von jener bunten Menge, sonst will ich wieder meinen Kopf gegen die Wand schlagen. Mein Geist scheitert an diesen Leuten, wenn sie sich zur willigen Herde machen.

Für heute ist es mir genug Arbeit, jeden Einzelnen zu lieben.


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