Ausgangspunkt für die Venedigerkundung soll der Campeggio
in Fusina sein. Alle Klarheiten beseitigt, als wir auf unsere Anmeldung,
ohne Zelt, erstaunte Blicke ernten. Ich telefoniere übrigens
auch mit Zuhause. Am Abend schlachtet die Gruppe dann die zweite Melone.
Später gesellen wir uns zu zwei Engländerinnen, die ihr Zelt
direkt neben uns aufgeschlagen haben und unterhalten uns über Gott
und die Welt, spielen ein wenig Gitarre. Ich glaube ich werde Ina Frenzel
noch eine Karte schreiben, dass die Mädchen von unserem Englisch total
begeistert sind.
Montag, 31 Juli
Nach einem exzessiven Frühstück wollen wir endlich in die
Lagunenstadt. Wir entscheiden uns für den Bus, da eine Fahrt mit der
Fähre gleich mit 15.000 Lire zu Buche schlagen würde, der Bus
aber nur ein Fünftel kostet. Gemächlich brechen wir auf und müssen
zusehen, wie uns der Bus vor der Nase wegfährt. So warten wir noch
eine Stunde bei den englischen Ladies. Mit dem nächsten Bus haben
wir dann mehr Glück und sind wenig später in der Lagunenstadt.
Schnell gucken wir uns die Rialtobrücke und den Markusplatz an und
latschen dann einfach so durch Venedig. Ein Foto vom Canal Grande entpuppt
sich als langwierige Angelegenheit. Da ich später keine Motorboote
mit auf dem Bild haben möchte, warte ich eine halbe Stunde geduldig
bis für einen Augenblick nur Gondeln zu sehen sind. Venedig ist übrigens
nicht das Dreckloch, als das es so oft bezeichnet wird. Das können
auch die Erst-Venedig-Besucher bestätigen. Unter Marcus´ Führung
finden wir sogar noch ins jüdische Ghetto, wo wir auch ein paar Juden
zu Gesicht bekommen.
Natürlich waren wir auch in einem venezianischen Supermercato (
auch Alimentari genannt) und haben viele schöne Sachen zum Durch-Die-Gegend-Tragen
gekauft. So müssen wir nach der anstrengenden Stadttour wenigstens
nicht darben und essen leckere Spirelli. Wie eigentlich jede Mahlzeit,
so endet auch diese in einer Diskussion. Heute reden und argumentieren
wir aber ausnahmsweise über ein ernsteres Thema und zwar Kirche und
Glauben. Eines der beiden englischen Mädels lauscht aufmerksam der
immer lebhafter und lauter werdenden Diskussion. Man könnte meinen,
sie versteht über was wir uns unterhalten. Tut sie auch, die Worte
Jesus, Bibel und Kirche hat sie verstanden. Ich verlasse unsere Talkrunde
und setzte mich zu ihr. Und auch wir fangen an von unserem Glauben zu erzählen
und sind beide froh sagen zu können: “ I believe.” Später gesellen
sich auch noch Marcus und Ralf dazu und es wird sich noch bis gegen vier
Uhr unterhalten.
Dienstag, 1. August
Die zwei Engländerinnen brechen ihre Zelte ab, sie Wollen weiter
nach Florenz. Mit dem Zug und dem schweren Rucksack auf dem Rücken.
Alle Achtung. Aber wir bekommen noch ihre Unterschriften auf die T-Shirts
und es werden ein paar Fotos geschossen, bevor sie uns endgültig verlassen.
Wir widmen uns nun wieder unseren eigenen Dingen, für Markus und mich
heißt das vor allem sich ausgehfertig zu machen. Wie von Anfang an
geplant spazieren wir im schwarzen Anzug durch Venedig. Barfuss, versteht
sich. Die zwei anderen, besonders Marcus scheinen unsere Aufmachung zu
tolerieren, finden es aber irgendwie suspekt. In Venedig leisten wir uns
dann alle ein Tagesticket für den Bus, d.h. für den ständigen
Schiffverkehr der Stadt. Mit 18.000 Lire ist es sogar noch relativ billig.
Zum Vergleich: eine Eintrittskarte für das Kolosseum kostet schon
10.000 Lire. Wir besuchen unter anderem den Friedhof und die Gondelwerft
in der laut Reiseführer gerademal fünf Gondeln pro Jahr hergestellt
werden.
Marcus hat wieder die Führung übernommen. Mit dem Stadtplan
vor der Nase kann nichts schiefgehen. Denkt man. Eine gewisse Stufe scheint
jedoch nicht verzeichnet gewesen zu sein, Marcus rennt dagegen und erntet
dafür das Gelächter der restlichen Truppe. Markus und ich erregen
immer wieder Erstaunen durch unsere Kleidung. Der Kiefer sackt dann
aber beim Anblick unserer nackten Füße gänzlich nach unten.
Irgendwann trennen Markus und ich sich von den anderen und lassen sich
in einem der vielen Straßenrestaurants nieder. Beide bestellen wir
ein Hähnchen und ein Glas Wein. Zusammen mit extremen Venezia-Feeling
macht das bitte 50.000 Lire. Das Hähnchen ist zwar nur ein Viertel
von einem ganzen und dazu nicht einmal richtig warm; Beilagen gibt es auch
keine. Aber es ist uns die Sache durchaus wert. Wir schlendern gemütlich
zum Bus, an dem schon die beiden anderen auf uns warten. Wieder auf dem
Campingplatz angekommen, finden wir unsere Schlafstelle relativ zugeparkt
vor. Dort, wo vorher das kleine Zelt der Mädels gestand, thronen jetzt
zwei Wohnmobile. Macht aber nix, da wir morgen sowieso abreisen werden.
Von den zwei Töpfen mit Nudeln geht heute Abend nur einer weg. Den
Rest können wir leider nur noch fortwerfen. Die drei Guys führen
schon wieder eine ihre legendären Diskussionen. Zum Ausklang des Abends
könnte man sich mal betrinken. Wir werden sehen.
Mittwoch, 2.August
Müssen heute Abschied nehmen, Abschied von Venedig, der Wärme,
den romantischen Nächten unter freiem Himmel und dem kleinen Hund,
der sich an den vergangenen Abenden öfters bei uns sehen ließ.
Die letze Nacht hat er sich an meinen Schlafsack kuschelnd mit uns verbracht.
Abschied nehmen natürlich auch vom Mittelmeer. Nach einem gemütlichen
Frühstück fahren wir los in Richtung Bolcano. Es dauert nicht
lange und schon sind die Alpen zu sehen. Mir wird klar, dass die Reise
durch mein Italien jetzt eigentlich zu Ende ist, obwohl wir noch nicht
zurück in Sohland sind.