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VENEDIG
30. Juli  -  2. August
Ausgangspunkt für die Venedigerkundung soll der Campeggio in Fusina sein. Alle Klarheiten beseitigt, als wir auf unsere Anmeldung, ohne Zelt, erstaunte  Blicke ernten. Ich telefoniere übrigens auch mit Zuhause. Am Abend schlachtet die Gruppe dann die zweite Melone. Später gesellen wir uns zu zwei Engländerinnen, die ihr Zelt direkt neben uns aufgeschlagen haben und unterhalten uns über Gott und die Welt, spielen ein wenig Gitarre. Ich glaube ich werde Ina Frenzel noch eine Karte schreiben, dass die Mädchen von unserem Englisch total begeistert sind. 
 

Montag, 31 Juli

Nach einem exzessiven Frühstück wollen wir endlich in die Lagunenstadt. Wir entscheiden uns für den Bus, da eine Fahrt mit der Fähre gleich mit 15.000 Lire zu Buche schlagen würde, der Bus aber nur ein Fünftel kostet. Gemächlich brechen wir auf und müssen zusehen, wie uns der Bus vor der Nase wegfährt. So warten wir noch eine Stunde bei den englischen Ladies. Mit dem nächsten Bus haben wir dann mehr Glück und sind wenig später in der Lagunenstadt. Schnell gucken wir uns die Rialtobrücke und den Markusplatz an und latschen dann einfach so durch Venedig. Ein Foto vom Canal Grande entpuppt sich als langwierige Angelegenheit. Da ich später keine Motorboote mit auf dem Bild haben möchte, warte ich eine halbe Stunde geduldig bis für einen Augenblick nur Gondeln zu sehen sind. Venedig ist übrigens nicht das Dreckloch, als das es so oft bezeichnet wird. Das können auch die Erst-Venedig-Besucher bestätigen. Unter Marcus´ Führung finden wir sogar noch ins jüdische Ghetto, wo wir auch ein paar Juden zu Gesicht bekommen. 

Natürlich waren wir auch in einem venezianischen Supermercato ( auch Alimentari genannt) und haben viele schöne Sachen zum Durch-Die-Gegend-Tragen gekauft. So müssen wir nach der anstrengenden Stadttour wenigstens nicht darben und essen leckere Spirelli. Wie eigentlich jede Mahlzeit, so endet auch diese in einer Diskussion. Heute reden und argumentieren wir aber ausnahmsweise über ein ernsteres Thema und zwar Kirche und Glauben. Eines der beiden englischen Mädels lauscht aufmerksam der immer lebhafter und lauter werdenden Diskussion. Man könnte meinen, sie versteht über was wir uns unterhalten. Tut sie auch, die Worte Jesus, Bibel und Kirche hat sie verstanden. Ich verlasse unsere Talkrunde und setzte mich zu ihr. Und auch wir fangen an von unserem Glauben zu erzählen und sind beide froh sagen zu können: “ I believe.” Später gesellen sich auch noch Marcus und Ralf dazu und es wird sich noch bis gegen vier Uhr unterhalten.
 

Dienstag, 1. August 

Die zwei Engländerinnen brechen ihre Zelte ab, sie Wollen weiter nach Florenz. Mit dem Zug und dem schweren Rucksack auf dem Rücken. Alle Achtung. Aber wir bekommen noch ihre Unterschriften auf die T-Shirts und es werden ein paar Fotos geschossen, bevor sie uns endgültig verlassen. Wir widmen uns nun wieder unseren eigenen Dingen, für Markus und mich heißt das vor allem sich ausgehfertig zu machen. Wie von Anfang an geplant spazieren wir im schwarzen Anzug durch Venedig. Barfuss, versteht sich. Die zwei anderen, besonders Marcus scheinen unsere Aufmachung zu tolerieren, finden es aber irgendwie suspekt. In Venedig leisten wir uns dann alle ein Tagesticket für den Bus, d.h. für den ständigen Schiffverkehr der Stadt. Mit 18.000 Lire ist es sogar noch relativ billig. Zum Vergleich: eine Eintrittskarte für das Kolosseum kostet schon 10.000 Lire. Wir besuchen unter anderem den Friedhof und die Gondelwerft in der laut Reiseführer gerademal fünf Gondeln pro Jahr hergestellt werden. 

Marcus hat wieder die Führung übernommen. Mit dem Stadtplan vor der Nase kann nichts schiefgehen. Denkt man. Eine gewisse Stufe scheint jedoch nicht verzeichnet gewesen zu sein, Marcus rennt dagegen und erntet dafür das Gelächter der restlichen Truppe. Markus und ich erregen immer wieder Erstaunen durch unsere Kleidung.  Der Kiefer sackt dann aber beim Anblick unserer nackten Füße gänzlich nach unten. Irgendwann trennen Markus und ich sich von den anderen und lassen sich in einem der vielen Straßenrestaurants nieder. Beide bestellen wir ein Hähnchen und ein Glas Wein. Zusammen mit extremen Venezia-Feeling macht das bitte 50.000 Lire. Das Hähnchen ist zwar nur ein Viertel von einem ganzen und dazu nicht einmal richtig warm; Beilagen gibt es auch keine. Aber es ist uns die Sache durchaus wert. Wir schlendern gemütlich zum Bus, an dem schon die beiden anderen auf uns warten. Wieder auf dem Campingplatz angekommen, finden wir unsere Schlafstelle relativ zugeparkt vor. Dort, wo vorher das kleine Zelt der Mädels gestand, thronen jetzt zwei Wohnmobile. Macht aber nix, da wir morgen sowieso abreisen werden. Von den zwei Töpfen mit Nudeln geht heute Abend nur einer weg. Den Rest können wir leider nur noch fortwerfen. Die drei Guys führen schon wieder eine ihre legendären Diskussionen. Zum Ausklang des Abends könnte man sich mal betrinken. Wir werden sehen.
 

Mittwoch, 2.August 

Müssen heute Abschied nehmen, Abschied von Venedig, der Wärme, den romantischen Nächten unter freiem Himmel und dem kleinen Hund, der sich an den vergangenen Abenden öfters bei uns sehen ließ. Die letze Nacht hat er sich an meinen Schlafsack kuschelnd mit uns verbracht. Abschied nehmen natürlich auch vom Mittelmeer. Nach einem gemütlichen Frühstück fahren wir los in Richtung Bolcano. Es dauert nicht lange und schon sind die Alpen zu sehen. Mir wird klar, dass die Reise durch mein Italien jetzt eigentlich zu Ende ist, obwohl wir noch nicht zurück in Sohland sind. 

 
Die Reisegesellschaft vor der alten Gondelwerft in Venedig. Dort werden pro Jahr bis zu fünf Gondeln gebaut.
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