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ROM
17. Juli  -  20. Juli
Fahren über die Via Aurelia nach Rom ein. Wollen gleich nach Rocca Priora. Roms Verkehr ist schrecklich, doch Markus am Steuer zeigt Können und Beherrschung. Durch öfteres Verfahren sehen wir fast alle Sehenswürdigkeiten. Nach ein paar Verfehlungen gelingt es uns nach Rocca Priora zu kommen. Wir haben es gefunden, das niedliche Bergdorf. Erstes Fotoshooting vor dem Ortsschild. Danach geht es auf den höchsten Punkt von Rocca, dem Rathausplatz von dem man einen einmaligen Blick auf die Umgebung hat. Leider ist bis auf eine Person kein Schwein auf dem Amt. Der gute Mann versucht den Bürgermeister zu erreichen, klappt aber nicht. Wieder auf dem Rathausplatz rufen wir Valeria Lorenzo an. Nach einigen sprachlich schwierigen Momenten mit Valerias Vater bitten wir einen Italiener, den genauen Weg zu Valeria zu erfragen. 

Letzten Endes werden wir von Valerias Dad abgeholt, er führt uns zu seinem Casa. Dort angekommen werden wir versorgt wie im Paradies. Drei verschiedene Sorten Pizza, Bier, Saft, Wein, Wasser, Eis, Pfirsiche. Unterhalten wird sich in Englisch. Valeria, ihre Schwester Frederica und Ying, der Freund von einer der beiden spielen die Dolmetscher. Valeria kann sich dummerweise nicht mehr an mich erinnern. Später stoßen noch ein paar Freunde der Familie zu uns. Mit der ganzen Clique geht es abends nach Frascati. Dort erwartet uns die nächste Überraschung. Unsere Drinks, die wir in einer Open-Air-Bar zu uns nehmen werden von den Lorenzos bezahlt. Und das bei ungefähr zehn Mark pro Drink. Super. Total gegeistert, besonders auch von Michele ( einem der Freunde) fallen wir ins Bett, bzw. unsere Schlafsäcke im Keller des Hauses. 
 

Dienstag, 18. Juli

Ralf hat heute Geburtstag. 20 Jahre wird er. Zum Frühstück gibt es lecker Cornetti. Wenig später müssen wir uns leider verabschieden. Ralf rammt zum Abschied noch eine Mauer, dann geht es los. Ich will nach Colle di Fiori, zu Shara Mancini, aber Ralf drängt gleich nach Rom zu fahren. Wir fahren zu Shara, die aber leider nicht da ist. Schnell noch eine Info-Broschüre von Sohland mit Widmung dagelassen und schon sind wir auf dem Weg nach Rom, nach Meinung der Roccaer, der besten Stadt Italiens. Wir werden sehen was uns Ralfs Geburtstag bringt. Stunden später wissen wir es. Eine Irrfahrt durch Rom. "Dov´è campeggio", diese Frage hängt uns allen bald zum Hals raus. Ralf durfte fahren, super angepaßt an die italienische Aggressivität im Fahrstil, hat er uns mit Hilfe von M.+M. sicher in die Irre geführt. Ein Großteil der Campingplätze von Ralfs Karte war verschwunden. So mussten wir unsere Pläne immer wieder über den Haufen werfen. Nachdem wir den Süden und Westen nach einem campeggio durchsucht hatten, wurden wir nach unzähligen "Dov´è campeggio" im Norden fündig. Die italienischen senioras, senioritas und seniores gaben immer so gut wie sie konnten Auskunft. Nur eine nicht, die Ralfs "Dov´è campeggio" ignorierte und einfach weiter ging, worauf Ralf ausrastete und ihr ein freundlich- aggressives "Du blöde Votze" hinterher schickte. Jetzt sind wir auf einem camppegio namens Tiber, was ich wiederum sehr passend finde, da sich jener nur  20-30 Meter neben uns befindet. Bei der Anmeldung erntete Marcus erstaunte Blicke als er aus Sparsamkeitsgründen nur eine maccina und vier persona anmeldete. Wir werden jetzt eine fette Melone schlachten, die wir auf unserer Odyssee durch Rom für 7000 Lire erstanden haben. Nicht dass die Nacht in Rocca schlecht war, aber die Sterne beim Einschlafen, die Gute-Nacht-Zigarette im Schlafsack sind schöner. 
 

Mittwoch, 19. Juli

Fahren mit dem campeigenen Bus nach Prima Porta und von da aus mit der Bahn nach Rom. Erstmal in den Vatikan, denn ich hatte vor drei Jahren keine langen Hosen an, was mir den Eintritt in den Petersdom verwehrte. Schön ist es hier, oben auf der Kuppel unten im Dom. Ralf findet in den stativfeindlichen Aufpassern allerdings keine Freunde. Als ich meinen Rucksack, den ich vorher zur Aufbewahrung abgeben musste, wieder in Empfang nehme, fällt mir doch glatt mein Messer raus. Peinlich, peinlich. Nach dem Vatikan trenne ich mich von den anderen. Sightseeing ist nicht ganz so nach meinem Geschmack, schließlich habe ich alles schon vor drei Jahren gesehen. Und so schlendere ich durch meine Lieblingsstadt, bis ich, nachdem ich auch eine Apotheke mit ihren Angestellten fotografiert habe, einen Platz finde, der frei von Touristen ist. Nur Italiener. So finde ich Zeit und Ruhe um meine zehn römischen Postkarten zu schreiben.  Nebenbei habe ich noch einigen Spass mit zwei kleinen Bambini. Später wander ich weiter und treffe am Circus Maximus (Marcus: ".. ne Hundeseechwiese") zufällig auf meine Kameraden. Trennung nach kurzem Smalltalk. Ab in Richtung Zentrum, will mich mit den drei Guys auf der spanischen Treppe treffen. Komme aber ewig nicht an, ein Stau vor dem Interconti weckt mein Interesse. 

Der Mensch ist ein Herdentier und so zücke auch ich meine Kamera und warte auf irgendwen oder irgendwas. Models sollen kommen, sagt man sich. Ich warte und warte, mir wird langweilig und so will ich weiter gen Spanische Treppe zu den drei Guys. Doch leider ist die ganze blöde Treppe gesperrt. Modenschau. Die spinnen die Römer. Und um die ganze Treppe ein irrer Menschenauflauf, wie er im Buche steht. Wie soll ich die Jungs hier bloß finden. Ich gucke noch ein biserl und beschließe zur Bahn zugehen. Doch wie durch ein Wunder treffe ich in der Wahnsinnsmenge meine drei Guys. Wir schauen uns das ganze Treiben noch ein wenig an und besuchen dann das Ekel aller gastronomischen Einrichtungen; McDonald´s. Einziger Lichtblick: ein Mädchen steigt auf die I-Can´t-Dance-Nummer von Markus und mir ein, noch ein paar Mal umgedreht und schon kommt uns Elisa hinterher. Fotos und Unterschriften auf unsere Shirts, Austausch von Telefonnummern. Habe fertig. Die Bahn bringt uns zurück nach Prima Porta. Bus nach campeggio? Ist weg. "Fine" grinst uns der befragte Busfahrer an und bedeutet uns per Handzeichen, dass wir laufen dürften. Unterstützt wird seine Gestik durch sein schadenfrohes Lächeln. Also ist Laufen angesagt. Glücklicherweise nimmt uns ein freundliches italienisches Pärchen bis zum Camp mit. Dort waschen wir noch dreckige Wäsche und spielen Gitarre. Uns Nachbar macht uns mit der Frage "Is it possible to sleep" deutlich, dass er Musik zu später Stund nicht mag. "Klar" sagen wir und sind ruhig. 
 

Donnerstag, 20 Juli

Guten Morgen. Ein Lied zum Munterwerden ? Aber nicht mit unserem Nachbarn. Der steht zum wiederholten Male grimmig vor seinem Zelt (8.45 Uhr) und fordert Ruhe. Wir lachen uns eins, dummer Arsch. Selber mitten in der Nacht auf dem Platz einfliegen und dann  den ganzen Tag Ruhe haben wollen. Hat aber eine niedliche Tochter. Wir verlassen campeggio Tiber und parken in Prima Porta. Wieder mit der Bahn nach Rom. Besuchen die großartigen Katakomben. Es folgt ein Spaziergang auf der Via Appia Antica, der berühmten Straße, die Rom mit dem Meer verbindet. Markus und Ralf diskutieren mit Marcus darüber, ob die originalen Pflastersteine nun noch von damals liegen oder restauriert wurden. Mir kommt bei der Länge und Schärfe der Diskussion der kalte Kaffee hoch. Wie kann man nur in einem solchen Moment über solche Bagatellen streiten. Aber egal. Eine Art Steinbude gibt uns noch die Möglichkeit für ein geniales Fotoshooting.

Zurück ins Zentrum geht es mit irgend einem Bus der grad die Strecke langfuhr. Bezahlen kann man im Bus nicht, also bleibt das. Weiter mit der U-Bahn in Richtung Spanische Treppe. Ich kann fast überhaupt nicht mehr laufen. Die blöden Latschen haben inzwischen meine Füße zerrieben. Dazu kommt noch eine Schicht römischen Drecks. Deshalb gehe ich noch mal zum Brunnen oberhalb der Treppe und kann dort endlich meine Gehwerkzeuge kühlen. Später auf der Treppe: Zwei, süße kleine Kinder, Nachkommen einer Liason zwischen Römer und Deutscher. Ich bin fasziniert. Bekommen Hunger. Ab zu McDonald´s, dem einzig erschwingbaren "Restaurant" in Rom. Und wieder zurück auf die Treppe. Ralf, der da geblieben war, hat inzwischen Bekanntschaft mit zwei Italienern geschlossen. Diese wenden sich aber von uns ab, um zwei nette Damen aus San Francisco zu becircen, bzw. anzulabern. San Francisco ? Ich denke da sofort an mein T-Shirt. Und so setze ich mich schnell mit meinem und Markus´ Shirt zu den amerikanischen Mädchen. Wahrscheinlich ist mein Englisch ein bißchen besser als das der Italiener, jedenfalls kann ich die Aufmerksamkeit der zwei Girls auf mich ziehen. Die italienischen Gigolos räumen das Feld. Finde ich gut. Schöne Italiener gegen deutschen T-Shirt-Unterschriften-Sammler. Und letzterer gewinnt. Wenig später sitzen wir wieder im Bus. Die Fahrt geht in Richtung Neapel. Gepennt wird irgendwo am Strand, wo uns kleine Stacheln quälen. Hier leistet uns Markus´ Stoff gute Dienste. 

Nach einer stundenlangen Irrfahrt durch Rom fand sich mit dem „Campeggio Tiber“ endlich ein Platz zu schlafen und Ausgangspunkt für die Erkundung Roms.
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