Fahren über die Via Aurelia nach Rom ein. Wollen gleich
nach Rocca Priora. Roms Verkehr ist schrecklich, doch Markus am Steuer
zeigt Können und Beherrschung. Durch öfteres Verfahren sehen
wir fast alle Sehenswürdigkeiten. Nach ein paar Verfehlungen gelingt
es uns nach Rocca Priora zu kommen. Wir haben es gefunden, das niedliche
Bergdorf. Erstes Fotoshooting vor dem Ortsschild. Danach geht es auf den
höchsten Punkt von Rocca, dem Rathausplatz von dem man einen einmaligen
Blick auf die Umgebung hat. Leider ist bis auf eine Person kein Schwein
auf dem Amt. Der gute Mann versucht den Bürgermeister zu erreichen,
klappt aber nicht. Wieder auf dem Rathausplatz rufen wir Valeria Lorenzo
an. Nach einigen sprachlich schwierigen Momenten mit Valerias Vater bitten
wir einen Italiener, den genauen Weg zu Valeria zu erfragen.
Letzten Endes werden wir von Valerias Dad abgeholt, er führt uns
zu seinem Casa. Dort angekommen werden wir versorgt wie im Paradies. Drei
verschiedene Sorten Pizza, Bier, Saft, Wein, Wasser, Eis, Pfirsiche. Unterhalten
wird sich in Englisch. Valeria, ihre Schwester Frederica und Ying, der
Freund von einer der beiden spielen die Dolmetscher. Valeria kann sich
dummerweise nicht mehr an mich erinnern. Später stoßen noch
ein paar Freunde der Familie zu uns. Mit der ganzen Clique geht es abends
nach Frascati. Dort erwartet uns die nächste Überraschung. Unsere
Drinks, die wir in einer Open-Air-Bar zu uns nehmen werden von den Lorenzos
bezahlt. Und das bei ungefähr zehn Mark pro Drink. Super. Total gegeistert,
besonders auch von Michele ( einem der Freunde) fallen wir ins Bett, bzw.
unsere Schlafsäcke im Keller des Hauses.
Dienstag, 18. Juli
Ralf hat heute Geburtstag. 20 Jahre wird er. Zum Frühstück
gibt es lecker Cornetti. Wenig später müssen wir uns leider verabschieden.
Ralf rammt zum Abschied noch eine Mauer, dann geht es los. Ich will nach
Colle di Fiori, zu Shara Mancini, aber Ralf drängt gleich nach Rom
zu fahren. Wir fahren zu Shara, die aber leider nicht da ist. Schnell noch
eine Info-Broschüre von Sohland mit Widmung dagelassen und schon sind
wir auf dem Weg nach Rom, nach Meinung der Roccaer, der besten Stadt Italiens.
Wir werden sehen was uns Ralfs Geburtstag bringt. Stunden später wissen
wir es. Eine Irrfahrt durch Rom. "Dov´è campeggio", diese
Frage hängt uns allen bald zum Hals raus. Ralf durfte fahren, super
angepaßt an die italienische Aggressivität im Fahrstil, hat
er uns mit Hilfe von M.+M. sicher in die Irre geführt. Ein Großteil
der Campingplätze von Ralfs Karte war verschwunden. So mussten wir
unsere Pläne immer wieder über den Haufen werfen. Nachdem wir
den Süden und Westen nach einem campeggio durchsucht hatten, wurden
wir nach unzähligen "Dov´è campeggio" im Norden fündig.
Die italienischen senioras, senioritas und seniores gaben immer so gut
wie sie konnten Auskunft. Nur eine nicht, die Ralfs "Dov´è
campeggio" ignorierte und einfach weiter ging, worauf Ralf ausrastete und
ihr ein freundlich- aggressives "Du blöde Votze" hinterher schickte.
Jetzt sind wir auf einem camppegio namens Tiber, was ich wiederum sehr
passend finde, da sich jener nur 20-30 Meter neben uns befindet.
Bei der Anmeldung erntete Marcus erstaunte Blicke als er aus Sparsamkeitsgründen
nur eine maccina und vier persona anmeldete. Wir werden jetzt eine fette
Melone schlachten, die wir auf unserer Odyssee durch Rom für 7000
Lire erstanden haben. Nicht dass die Nacht in Rocca schlecht war, aber
die Sterne beim Einschlafen, die Gute-Nacht-Zigarette im Schlafsack sind
schöner.
Mittwoch, 19. Juli
Fahren mit dem campeigenen Bus nach Prima Porta und von da aus mit der
Bahn nach Rom. Erstmal in den Vatikan, denn ich hatte vor drei Jahren keine
langen Hosen an, was mir den Eintritt in den Petersdom verwehrte. Schön
ist es hier, oben auf der Kuppel unten im Dom. Ralf findet in den stativfeindlichen
Aufpassern allerdings keine Freunde. Als ich meinen Rucksack, den ich vorher
zur Aufbewahrung abgeben musste, wieder in Empfang nehme, fällt mir
doch glatt mein Messer raus. Peinlich, peinlich. Nach dem Vatikan trenne
ich mich von den anderen. Sightseeing ist nicht ganz so nach meinem Geschmack,
schließlich habe ich alles schon vor drei Jahren gesehen. Und so
schlendere ich durch meine Lieblingsstadt, bis ich, nachdem ich auch eine
Apotheke mit ihren Angestellten fotografiert habe, einen Platz finde, der
frei von Touristen ist. Nur Italiener. So finde ich Zeit und Ruhe um meine
zehn römischen Postkarten zu schreiben. Nebenbei habe ich noch
einigen Spass mit zwei kleinen Bambini. Später wander ich weiter und
treffe am Circus Maximus (Marcus: ".. ne Hundeseechwiese") zufällig
auf meine Kameraden. Trennung nach kurzem Smalltalk. Ab in Richtung Zentrum,
will mich mit den drei Guys auf der spanischen Treppe treffen. Komme aber
ewig nicht an, ein Stau vor dem Interconti weckt mein Interesse.
Der Mensch ist ein Herdentier und so zücke auch ich meine Kamera
und warte auf irgendwen oder irgendwas. Models sollen kommen, sagt man
sich. Ich warte und warte, mir wird langweilig und so will ich weiter gen
Spanische Treppe zu den drei Guys. Doch leider ist die ganze blöde
Treppe gesperrt. Modenschau. Die spinnen die Römer. Und um die ganze
Treppe ein irrer Menschenauflauf, wie er im Buche steht. Wie soll ich die
Jungs hier bloß finden. Ich gucke noch ein biserl und beschließe
zur Bahn zugehen. Doch wie durch ein Wunder treffe ich in der Wahnsinnsmenge
meine drei Guys. Wir schauen uns das ganze Treiben noch ein wenig an und
besuchen dann das Ekel aller gastronomischen Einrichtungen; McDonald´s.
Einziger Lichtblick: ein Mädchen steigt auf die I-Can´t-Dance-Nummer
von Markus und mir ein, noch ein paar Mal umgedreht und schon kommt uns
Elisa hinterher. Fotos und Unterschriften auf unsere Shirts, Austausch
von Telefonnummern. Habe fertig. Die Bahn bringt uns zurück nach Prima
Porta. Bus nach campeggio? Ist weg. "Fine" grinst uns der befragte Busfahrer
an und bedeutet uns per Handzeichen, dass wir laufen dürften. Unterstützt
wird seine Gestik durch sein schadenfrohes Lächeln. Also ist Laufen
angesagt. Glücklicherweise nimmt uns ein freundliches italienisches
Pärchen bis zum Camp mit. Dort waschen wir noch dreckige Wäsche
und spielen Gitarre. Uns Nachbar macht uns mit der Frage "Is it possible
to sleep" deutlich, dass er Musik zu später Stund nicht mag. "Klar"
sagen wir und sind ruhig.
Donnerstag, 20 Juli
Guten Morgen. Ein Lied zum Munterwerden ? Aber nicht mit unserem Nachbarn.
Der steht zum wiederholten Male grimmig vor seinem Zelt (8.45 Uhr) und
fordert Ruhe. Wir lachen uns eins, dummer Arsch. Selber mitten in der Nacht
auf dem Platz einfliegen und dann den ganzen Tag Ruhe haben wollen.
Hat aber eine niedliche Tochter. Wir verlassen campeggio Tiber und parken
in Prima Porta. Wieder mit der Bahn nach Rom. Besuchen die großartigen
Katakomben. Es folgt ein Spaziergang auf der Via Appia Antica, der berühmten
Straße, die Rom mit dem Meer verbindet. Markus und Ralf diskutieren
mit Marcus darüber, ob die originalen Pflastersteine nun noch von
damals liegen oder restauriert wurden. Mir kommt bei der Länge und
Schärfe der Diskussion der kalte Kaffee hoch. Wie kann man nur in
einem solchen Moment über solche Bagatellen streiten. Aber egal. Eine
Art Steinbude gibt uns noch die Möglichkeit für ein geniales
Fotoshooting.
Zurück ins Zentrum geht es mit irgend einem Bus der grad die Strecke
langfuhr. Bezahlen kann man im Bus nicht, also bleibt das. Weiter mit der
U-Bahn in Richtung Spanische Treppe. Ich kann fast überhaupt nicht
mehr laufen. Die blöden Latschen haben inzwischen meine Füße
zerrieben. Dazu kommt noch eine Schicht römischen Drecks. Deshalb
gehe ich noch mal zum Brunnen oberhalb der Treppe und kann dort endlich
meine Gehwerkzeuge kühlen. Später auf der Treppe: Zwei, süße
kleine Kinder, Nachkommen einer Liason zwischen Römer und Deutscher.
Ich bin fasziniert. Bekommen Hunger. Ab zu McDonald´s, dem einzig
erschwingbaren "Restaurant" in Rom. Und wieder zurück auf die Treppe.
Ralf, der da geblieben war, hat inzwischen Bekanntschaft mit zwei Italienern
geschlossen. Diese wenden sich aber von uns ab, um zwei nette Damen aus
San Francisco zu becircen, bzw. anzulabern. San Francisco ? Ich denke da
sofort an mein T-Shirt. Und so setze ich mich schnell mit meinem und Markus´
Shirt zu den amerikanischen Mädchen. Wahrscheinlich ist mein Englisch
ein bißchen besser als das der Italiener, jedenfalls kann ich die
Aufmerksamkeit der zwei Girls auf mich ziehen. Die italienischen Gigolos
räumen das Feld. Finde ich gut. Schöne Italiener gegen deutschen
T-Shirt-Unterschriften-Sammler. Und letzterer gewinnt. Wenig später
sitzen wir wieder im Bus. Die Fahrt geht in Richtung Neapel. Gepennt wird
irgendwo am Strand, wo uns kleine Stacheln quälen. Hier leistet uns
Markus´ Stoff gute Dienste.