Freitag, 14 Juli
Heute geht es direkt rein nach Pisa. Schiefer Turm und alles andere
Sehenswerte wird sich angeguckt. Wir beschließen noch einen weiteren
Tag in Pisa dran zu hängen, da kein richtiges Fotowetter ist. Übernachtet
wird nach längerer Platzsuche auf einer Art Damm mitten in einem Feld.
Zum Abendbrot gibt es dann auch jenes Maiszeug, das nicht übel schmeckt.
Am Abend ziehen zwar Wolken auf, was uns aber nicht daran hindert draußen
zu schlafen. Ralf und Markus ziehen sich unter den Bus zurück, während
Marcus und ich unter freiem Himmel schlafen. Den Schauer in der Nacht,
bekomme ich gar nicht mit, da Marcus mir einfach mit die Zeltplane über
den Kopf legt.
Samstag, 15.Juli
Am Morgen wird erstmal aufgeräumt und Ordnung in den Bus gebracht.
Markus hat schon Ausbesserungen am Wagen vorgenommen. Die Holzplatte im
Koffer biegt sich unter der Last ziemlich durch. Eine in Pisa geklaute
Euro-Pallette liefert das Material für die Reparatur. Unsere Säge
leistet dabei gute Dienste. Während unserer Arbeit kommt der Bauer,
auf dessen Feld wir wahrscheinlich übernachtet haben, zu uns. Enrico
kann zwar kein Englisch, eine kleine Unterhaltung gelingt aber durch unsere
minimalen Italienischkenntnisse. Auch ein T-Shirt-Autogramm gibt er bereitwillig.
Netter Mensch. Ist gleich Mittag, werden bald frühstücken. Beim
Versuch den Brenner in Gang zu bringen, steckt Ralf um ein Haar das ganze
Feld in Brand. Die Flammen werden von Markus mit einem Tuch erstickt, nachdem
wir Ralf
von einem Löschversuch mit Wasser abgeraten haben. Nachdem Frühstück
fahren wir wieder nach Pisa, diesmal laufen wir mal in ein Wohnviertel.
Endlich kriege ich mein Wohnviertel. Fernab des Tourismus finden wir endlich
das "normale Italien". Kinder spielen auf der Straße, eine jugendliche
Clique trifft sich im Park, eine Mama kommt mit ihrer Tochter vom Einkauf.
Auf dem Rückweg zum Bus trennt sich Marcus von uns, er will ein bißchen
allein gehen. So ziehen wir restlichen Drei erstmal was essen. Ralf hat
sich schon im supermercato etwas gekauft und sitzt nun wie der letzte
Penner auf der Straße und ißt aus seinen Tüten. Zurück
auf dem Parkplatz treffen wir noch einen belgischen Camper mit seinen zwei
Söhnen. Haben eine nette Unterhaltung und bekommen vier flämische
Bier geschenkt. Lassen Pisa hinter uns und steuern das Mittelmeer an. Irgendwann
nach Einbruch der Dunkelheit können wir dann auf das unendlich scheinende
Wasser schauen, stehen vor dem Mittelmeer. Die Situation erzwingt es, dass
drei Viertel unserer Gruppe ihre menschlichen Bedürfnisse dem Meer
übergeben. Marcus blüht am Meer richtig auf, alter Fischkopp.
Führen noch ein längeres physikalisches Gespräch über
die Ursache einer roten Wolke. Weiter geht’s nach Livorno. In der Hafenstadt
wird sich schnell ein Hamburger reingeschoben. Wir sehen uns auch noch
ein wenig die Stadt an, soweit das mitten in der Nacht noch möglich
ist. Die drei Guys amüsieren sich prächtig. Zumindestens Markus
und Ralf. Sie diskutieren mit Marcus über die Vorfahrtsregeln im Schiffsverkehr.
“Marcus, ich habe da mal ´ne Frage”, lässt alle vor Lachen brüllen.
Marcus erklärt selbst die blödesten Fragen immer noch ernsthaft.
Einige, das Zwerchfell erschütternde Momente später geht es weiter.
Die Suche nach einem Schlafplatz gestaltet sich äußerst schwierig
und lang. Erst gegen 3 Uhr finden wir auf einem Parkplatz bei Vada ein
ansprechenden Platz. Gegessen wird nichts mehr, wir genießen aber
noch die geschenkten Bier.
Sonntag, 16 Juli
Der Parkplatz füllt sich. Nach dem Frühstück und einer
Unterrichtsstunde in italienischem Parkverhalten fahren wir baden. Herrlich
warmes Wetter, totale Sonne, Sonnenbrand teilweise. Fahrt geht weiter nach
Piombino. Voll die Industriestadt. Aber die Pizza war super. Billig, aber
total lecker. Gestärkt fahren wir weiter Richtung Rom. Entdecken auf
der Karte die Halbinsel Monte Argentario, befinden diese auch für
ansehenswert. Planen vor der Insel zu übernachten und sie dann morgen
angucken zu fahren. Aber wir fahren doch noch auf die Insel. Mein Herz
springt vor Freude. So etwas habe ich noch nicht gesehen. Wunderschön.
Wir beschließen auf der Insel zu schlafen. Treffen in einem Teil
von Monte Argentario, der sich Porto Eccolo oder ähnlich nennt, drei
Seniorinas und kommen mit ihnen ins Gespräch. Die älteste von
ihnen ist eine ehemalige Englischlehrerin, deswegen läuft unsere Konversation
auch in Englisch. Das Mädchen Maria Sole wohnt in Perugia in der Nähe
von Assisi. Vielleicht schauen wir mal vorbei. Steffa, so heißt die
ältere Dame gibt uns noch ihre Telefonnummer, für den Fall wir
bräuchten noch irgend etwas. Nach einer langen Unterhaltung gehen
wir schließlich auf dem höchsten Punkt der Insel schlafen. Vor
dem Burghotel haben wir eine grandiose Aussicht auf das Meer.
Montag, 17 Juli
Aufgestanden. Grasse Sonne, geniale Sicht auf´s Meer, suchen supermercato
und wollen frühstücken. Verlassen die wunderschöne Insel
Monte Argentario. Kurzer Anruf noch an Steffa, dass wir doch nichts brauchen.
Stunden später haben wir einen supermercato gefunden. Frühstück
gibt’s auf einem Parkplatz piccolo an einer vielbefahrenen Straße.
War original exklusiv. Allerdings gibt’s ein Problem: War seit 1,5 Tagen
nicht mehr scheißen und auch hier gibt es kein Klo. Also wieder einmal
das heere Gefühl des In-Die-Natur-Scheißens. Ist zwar nicht
so gemütlich wie eine 15-Minuten -Sitzung auf einer richtigen Toilette,
aber man kommt klar und hat danach ein absolut befreites Gefühl. Außerdem
haben es die Urmenschen auch nicht anders gemacht. Ralf entledigt sich,
circa 30 Meter von unserem Frühstückstisch im Straßengraben.
Lustig als dann ein Wagen so ziemlich vor seinem selbstgewählten Örtchen
hält. Das morgendliche Frühstück ist immer etwas Wunderschönes:
Kaffee, Thunfisch auf Toast, Milch und viele Diskussionen. Heute grüßen
uns ständig irgendwelche LKW-Fahrer, die an unserem Frühstück
vorbeirauschen. Weiter geht es an der Küste gen Rom. Civitavecchia:
Genau, wie ich es mir in meinen schönsten Träumen ausgemalt habe.
Rechts das Meer, links wunderschöne Landschaft und wir mitten drin.
Blaues Wasser. Ich könnte schreien vor Glück. Es ist einfach
zu schön, um wahr zu sein. Danke Gott für diese Augenblicke.
Alles Glück dieser Erde liegt momentan in der Schönheit und Unendlichkeit
dieses Anblickes.