Freitag, 21. Juli
Weiter auf dem Weg nach Neapel. Einige Kilometer vor Formia bei
Gaeta nehmen wir einen Tramper auf der uns auf einen Unfall aufmerksam
macht. Ein verunglückter Benzintransport sperrt die ganze Straße.
Er beschreibt uns noch eine Umleitung und ist schon wieder weg. Wir machen
Pause und genießen das Mittelmeer. Nur wenige Stunden später
erreichen wir dann die Mafia-Stadt. Der Der Verkehr ist sehr haarig, aber
Marcus schaukelt uns mit dem Bus durch, ist total Herr der Lage. Es gibt
wahnsinnig viele, wahnsinnig hübsche Mädchen zu bestaunen, in
der Beziehung ist Neapel ein richtiges Paradies. Später stehen wir
nur noch im Stau. Nichts geht mehr. Vielleicht für uns gar nicht so
schlecht, ist nicht so gefährlich. Nachts halten wir auf der Suche
nach einem Zeltplatz irgendwo an der Straße und treffen dort einen
Ercolaner (Ort bei Neapel), der Englisch und sogar ein wenig Deutsch spricht
und schon auf der ganzen Welt als Tischler gearbeitet hat. Wäre ´ne
Idee für Markus.
Der ist übrigens schon wieder am Telefonieren, was sonst. Irmi,
denke ich und versuche wieder einmal zu verstehen. Jedenfalls sind
wir am Abend auf einem campeggio in Pompei gelandet. Übrigens sprechen
die Leute hier Pompei, wie Bombay aus. Endlich eine Dusche. Der Rest der
Gruppe ist am Diskutieren. Hunde sind heute das Thema. Kampfhunde. Die
Diskussion wird immer lauter, weswegen die Tür des Busses geschlossen
werden muss. Keiner weicht nur einen Deut zurück. Wir diskutieren
sehr viel in letzter Zeit. Immer die gleichen Themen: Sozialismus Kontra
Kapitalismus, Opel gegen VW, Hunde weg oder nicht, usw. Bäh. Bloß
gut das wir nicht nur Schirgiswalde sind, wo jeder dem´s reicht nach
Hause fahren kann. Jeder prahlt mit seinem nicht vorhandenen Fachwissen.
Argumente werden zunehmend durch Lautstärke ersetzt. Typisch Männergesellschaft.
Gute Nacht.
Samstag, 22. Juli
Heute ist Pompei angesagt. Ist ganz interessant. Im Puff findet Markus
plötzlich die Adressen der Freising-Mädels in seiner Hosentasche.
Will sie mir aber nicht geben. Hat Angst wir würden zu denen, anstatt
zu seiner Irmi fahren. Nachdem wir Pompei ausreichend besichtigt haben,
reizt es uns nach Neapel zu gehen. Und so steigen wir in die Bahn und sind
wenig später in Napoli. Uns fällt ein, dass morgen ja Sonntag
ist und wir unsere Lebensmittel aufstocken müssen. Also erstmal supermercato
gesucht. Wir finden auch einen und sind über die niedrigen Preise
erstaunt. Da Neapel außer seinem Flair nicht viel zu bieten hat und
fast alle Touristen Panik vor der Stadt haben sind die Preise gut. Da,
wie gesagt, nur wenige Touristen hier rum rennen, fallen wir auf wie ein
Altstoffcontainer. "Tedeschi" höre ich es von der Seite raunen, was
soviel wie "Deutsche" bedeutet. Man hat uns also erkannt. Vorsichtig aber
planlos laufen wir durch die Stadt, sogar durch die hinterletzten
Straßen. Bekommen Haschisch angeboten usw. Zufällig sehen wir
eine Kirche. Aha, Denkmal. Also besichtigen. Die von außen recht
nüchtern wirkende Kirche erweist sich von innen als wahre Perle. Da
gerade Gottesdienst ist, nehmen wir die Gelegenheit wahr und besuchen unsere
erste italienische Messe. Nachher plagt uns ein wenig der Hunger. In Hafennähe
finden wir eine Super-Pizzeria. Zwei Maxi-Pizzen werden bestellt. M.+M.
bestehen darauf diese im Hafen zu sich zu nehmen.
Also latschen wir in Richtung Hafen, Ralf und ich folgen nur widerwillig,
als wir schließlich durch die großen Tore gehen und unser
Ziel erreicht haben, ist die Pizza nicht gerade wärmer geworden. Aber
der Hunger ist gestillt. Wir relaxen noch eine Weile am Dock und wollen
uns dann auf den Rückweg machen. Aber blöderweise sind die großen
Tore verschlossen, das gesamte Hafengelände ist abgeriegelt. so sitzen
wir erstmal im Hafen von Neapel fest. Suchen entlang des mit scharfen Spitzen
gespickten Zaunes, der den Hafen umgibt, nach einem Ausgang. Hoffnungslos.
Finden viel später endlich ein Stück Zaun ohne gefährliche
Spitzen. Fix drübergeklettert (mit allen Rucksäcken und Proviant
aus Supermarkt) finden wir uns in einer Baustelle wieder hinter deren Absperrmauer
das nächtliche Leben pulsiert. Also wieder klettern. Dabei ist es
dann passiert. Ralf kommt blöd auf und ein Zeh steht plötzlich
rechtwinklig gegenüber den anderen Zehen. Renkt ihn sich aber selber
wieder ein, leidet aber trotzdem starke Schmerzen, kann kaum auftreten.
Wir beschließen sofort ins Camp zurück zu fahren. Und so muss
sich Ralf bis zum Bahnhof schleppen, den wir durch Nachfragen auch irgendwann
finden. Leere Gänge lassen Schlimmstes ahnen. Es ist gegen 23 Uhr
und der letzte Zug ist vor 15 Minuten abgefahren, der nächste geht
gegen 5 Uhr. Bus? Fehlanzeige. Also bleibt nur noch Taxi.
Wir finden auch ein Taxi mit einem sympathischen älteren Mann,
der uns nach Pompei fährt. Taxameter an und auf geht’s. Vor dem Campingplatz
angekommen, zeigt das Taxameter ungefähr 33.000 Lire an. Human, denke
ich und die anderen sicher auch. Der Witzbold will aber ernsthaft 100.000
Lire haben. Wegen Rückfahrt nach Neapel, Maut, Sonntagszuschlag. Dazu
kommt wahrscheinlich der Deutschen-Aufschlag. Wir wollen natürlich
keine 100 Mäuse berappen, ich biete ihm 45.000 Lire. Ergebnis:
Er geht runter auf 90.000. Ralf und ich werden langsam wirklich ärgerlich.
M.+M. sind den Campingchef holen. Unterdessen bedeuten wir dem Herrn das
immer noch zählende Taxameter auszuschalten, was er verweigert. Wir
beschimpfen ihn als Bandito, täuschen einen Anruf bei der Polizei
vor. M.+M. kommen mit dem Chef des campeggio. Der schlichtet halbherzig
und wir löhnen 80.000 Lire für eine 30 Kilometer-Fahrt an diesen
Mafiosi. Aber wenigstens sind wir im Lager. Sofort wird die Arzneikiste
rausgeholt und alles hervorgekramt, was Ralfs Verletzung gut tun
könnte. Leider entsteht auch eine Diskussion über das Verhalten
bei einer eventuell nötigen vorzeitigen Rückkehr Ralfs nach Deutschland.
Nach einem Machtwort des Verletzten beruhigen sich die erhitzten Gemüter.
Wenig später fallen wir alle in die Säcke. Heute morgen hat sich
übrigens das Gesicht des campeggio geändert. Dutzende von jungen
hübschen Französinnen laufen an uns vorbei. Auch einen Camper
mit Pirnaer Kennzeichen haben wir entdecken können. Er ist aber leider
schon wieder abgereist.
Sonntag, 23. Juli
Heute ist die Vesuvbesteigung angesagt. Befürchtungen, Ralf müsste
im Camp bleiben, erweisen sich als unbegründet. Klar geht alles etwas
langsamer als sonst, aber damit kann man leben. Mit dem Bus fahren wir
bis auf den Parkplatz der circa 360 unterhalb des Kraters liegt. Die Tour
auf den Vulkan ist wegen den grassen Kurven anspruchsvoll, macht aber Spass.
Oben angekommen nehmen wir die restlichen Meter in Angriff. Die einen schneller,
Ralf etwas langsamer. An die zehn Meter vor dem Krater plötzlich eine
Mautstelle. 9.000 Lire für den weiteren Aufstieg. Mit Touristen kann
man´s ja machen. Nachdem wir die Aussicht lange genug genossen haben,
geht es wieder bergab. Dabei treffen wir drei Mädchen wieder, die
uns gestern schon in Pompei aufgefallen. Wir grüßen uns und
überlassen den Damen unsere Wanderstöcke. Kommt gut an. Unser
Interesse ist geweckt und wir beschließen auf dem Parkplatz zu warten.
Schnell sind Stühle und Gitarre ausgepackt. So vertreiben wir uns
ein wenig die Zeit.
Während wir warten gesellen sich zwei Deutsche zu uns. Einer kommt
aus Köln, der jüngere aus Thüringen. Der eine mit dem Fahrrad
allein bis nach Rom, hat dort den anderen getroffen und jetzt ziehen sie
zusammen durch Italien. Respekt. Wieder sind wir um eine Bekanntschaft
und insgesamt acht Unterschriften reicher. Die zwei ziehen weiter und wenig
später sind auch unsere drei Mädchen wieder zurück. Wir
winken sie zu uns heran. Die drei Polinnen, wie sich herausstellt, lassen
sich gern auf ein Gespräch ein. Dabei fällt uns ihr perfektes
Englisch auf. Man klärt uns auf: es handelt sich um Englischlehrerinnen.
Hätte gern bei ihnen Unterricht gehabt. Wir fragen sie ob wir
sie ein Stück mitnehmen sollen. Dabei stellt sich heraus, das die
vier Interrailerinnen auf dem campeggio Pompei sind, jenem Camp, auf dem
auch wir unsere Zelte aufgeschlagen, bzw. Saccos ausgelegt hatten. Damen
werden abgeliefert und wir sehen zu, dass wir uns nicht zu lange auf dem
Platz aufhalten, schließlich hat man sich bei unserer Rechnung um
die Hälfte des Geldes gebracht.