Bayern Gardasee  Florenz Pisa Rom Neapel Capri Amalfi L´Aquila Assisi Perugia Ancona San Marino Padua Venedig Bayern
COVER >>
KARTE >>
TANKLISTE >>
ADRESSEN >>
LIED >>
FOTOS >>
TEXT >>
ZITATE >>
NEAPEL
21. Juli  -  23. Juli
Freitag, 21. Juli 

Weiter auf dem Weg nach Neapel.  Einige Kilometer vor Formia bei Gaeta nehmen wir einen Tramper auf der uns auf einen Unfall aufmerksam macht. Ein verunglückter Benzintransport sperrt die ganze  Straße. Er beschreibt uns noch eine Umleitung und ist schon wieder weg. Wir machen Pause und genießen das Mittelmeer. Nur wenige Stunden später erreichen wir dann die Mafia-Stadt. Der Der Verkehr ist sehr haarig, aber Marcus schaukelt uns mit dem Bus durch, ist total Herr der Lage. Es gibt wahnsinnig viele, wahnsinnig hübsche Mädchen zu bestaunen, in der Beziehung ist Neapel ein richtiges Paradies. Später stehen wir nur noch im Stau. Nichts geht mehr. Vielleicht für uns gar nicht so schlecht, ist nicht so gefährlich. Nachts halten wir auf der Suche nach einem Zeltplatz irgendwo an der Straße und treffen dort einen Ercolaner (Ort bei Neapel), der Englisch und sogar ein wenig Deutsch spricht und schon auf der ganzen Welt als Tischler gearbeitet hat. Wäre ´ne Idee für Markus. 

Der ist übrigens schon wieder am Telefonieren, was sonst. Irmi, denke ich und versuche wieder einmal zu verstehen.  Jedenfalls sind wir am Abend auf einem campeggio in Pompei gelandet. Übrigens sprechen die Leute hier Pompei, wie Bombay aus. Endlich eine Dusche. Der Rest der Gruppe ist am Diskutieren. Hunde sind heute das Thema. Kampfhunde. Die Diskussion wird immer lauter, weswegen die Tür des Busses geschlossen werden muss. Keiner weicht nur einen Deut zurück. Wir diskutieren sehr viel in letzter Zeit. Immer die gleichen Themen: Sozialismus Kontra Kapitalismus, Opel gegen VW, Hunde weg oder nicht, usw. Bäh. Bloß gut das wir nicht nur Schirgiswalde sind, wo jeder dem´s reicht nach Hause fahren kann. Jeder prahlt mit seinem nicht vorhandenen Fachwissen. Argumente werden zunehmend durch Lautstärke ersetzt. Typisch Männergesellschaft. Gute Nacht. 
 

Samstag, 22. Juli

Heute ist Pompei angesagt. Ist ganz interessant. Im Puff findet Markus plötzlich die Adressen der Freising-Mädels in seiner Hosentasche. Will sie mir aber nicht geben. Hat Angst wir würden zu denen, anstatt zu seiner Irmi fahren. Nachdem wir Pompei ausreichend besichtigt haben, reizt es uns nach Neapel zu gehen. Und so steigen wir in die Bahn und sind wenig später in Napoli. Uns fällt ein, dass morgen ja Sonntag ist und wir unsere Lebensmittel aufstocken müssen. Also erstmal supermercato gesucht. Wir finden auch einen und sind über die niedrigen Preise erstaunt. Da Neapel außer seinem Flair nicht viel zu bieten hat und fast alle Touristen Panik vor der Stadt haben sind die Preise gut. Da, wie gesagt, nur wenige Touristen hier rum rennen, fallen wir auf wie ein Altstoffcontainer. "Tedeschi" höre ich es von der Seite raunen, was soviel wie "Deutsche" bedeutet. Man hat uns also erkannt. Vorsichtig aber planlos laufen wir durch die  Stadt, sogar durch die hinterletzten Straßen. Bekommen Haschisch angeboten usw. Zufällig sehen wir eine Kirche. Aha, Denkmal. Also besichtigen. Die von außen recht nüchtern wirkende Kirche erweist sich von innen als wahre Perle. Da gerade Gottesdienst ist, nehmen wir die Gelegenheit wahr und besuchen unsere erste italienische Messe. Nachher plagt uns ein wenig der Hunger. In Hafennähe finden wir eine Super-Pizzeria. Zwei Maxi-Pizzen werden bestellt. M.+M. bestehen darauf diese im Hafen zu sich zu nehmen. 

Also latschen wir in Richtung Hafen, Ralf und ich folgen nur widerwillig, als wir schließlich durch die großen  Tore gehen und unser Ziel erreicht haben, ist die Pizza nicht gerade wärmer geworden. Aber der Hunger ist gestillt. Wir relaxen noch eine Weile am Dock und wollen uns dann auf den Rückweg machen. Aber blöderweise sind die großen Tore verschlossen, das gesamte Hafengelände ist abgeriegelt. so sitzen wir erstmal im Hafen von Neapel fest. Suchen entlang des mit scharfen Spitzen gespickten Zaunes, der den Hafen umgibt, nach einem Ausgang. Hoffnungslos. Finden viel später endlich ein Stück  Zaun ohne gefährliche Spitzen. Fix drübergeklettert (mit allen Rucksäcken und Proviant aus Supermarkt) finden wir uns in einer Baustelle wieder hinter deren Absperrmauer das nächtliche Leben pulsiert. Also wieder klettern. Dabei ist es dann passiert. Ralf kommt blöd auf und ein Zeh steht plötzlich rechtwinklig gegenüber den anderen Zehen. Renkt ihn sich aber selber wieder ein, leidet aber trotzdem starke Schmerzen, kann kaum auftreten. Wir beschließen sofort ins Camp zurück zu fahren. Und so muss sich Ralf bis zum Bahnhof schleppen, den wir durch Nachfragen auch irgendwann finden. Leere Gänge lassen Schlimmstes ahnen. Es ist gegen 23 Uhr und der letzte Zug ist vor 15 Minuten abgefahren, der nächste geht gegen 5 Uhr. Bus? Fehlanzeige. Also bleibt nur noch Taxi. 

Wir finden auch ein Taxi mit einem sympathischen älteren Mann, der uns nach Pompei fährt. Taxameter an und auf geht’s. Vor dem Campingplatz angekommen, zeigt das Taxameter ungefähr 33.000 Lire an. Human, denke ich und die anderen sicher auch. Der Witzbold will aber ernsthaft 100.000 Lire haben. Wegen Rückfahrt nach Neapel, Maut, Sonntagszuschlag. Dazu kommt wahrscheinlich der Deutschen-Aufschlag. Wir wollen natürlich keine 100 Mäuse berappen, ich  biete ihm 45.000 Lire. Ergebnis: Er geht runter auf 90.000. Ralf und ich werden langsam wirklich ärgerlich. M.+M. sind den Campingchef holen. Unterdessen bedeuten wir dem Herrn das immer noch zählende Taxameter auszuschalten, was er verweigert. Wir beschimpfen ihn als Bandito, täuschen einen Anruf  bei der Polizei vor. M.+M. kommen mit dem Chef des campeggio. Der schlichtet halbherzig und wir löhnen 80.000 Lire für eine 30 Kilometer-Fahrt an diesen Mafiosi. Aber wenigstens sind wir im Lager. Sofort wird die Arzneikiste rausgeholt und  alles hervorgekramt, was Ralfs Verletzung gut tun könnte. Leider entsteht auch eine Diskussion über das Verhalten bei einer eventuell nötigen vorzeitigen Rückkehr Ralfs nach Deutschland. Nach einem Machtwort des Verletzten beruhigen sich die erhitzten Gemüter. Wenig später fallen wir alle in die Säcke. Heute morgen hat sich übrigens das Gesicht des campeggio geändert. Dutzende von jungen hübschen Französinnen laufen an uns vorbei. Auch einen Camper mit Pirnaer Kennzeichen haben wir entdecken können. Er ist aber leider schon wieder abgereist. 
 

Sonntag, 23. Juli

Heute ist die Vesuvbesteigung angesagt. Befürchtungen, Ralf müsste im Camp bleiben, erweisen sich als unbegründet. Klar geht alles etwas langsamer als sonst, aber damit kann man leben. Mit dem Bus fahren wir bis auf den Parkplatz der circa 360 unterhalb des Kraters liegt. Die Tour auf den Vulkan ist wegen den grassen Kurven anspruchsvoll, macht aber Spass. Oben angekommen nehmen wir die restlichen Meter in Angriff. Die einen schneller, Ralf etwas langsamer. An die zehn Meter vor dem Krater plötzlich eine Mautstelle. 9.000 Lire für den weiteren Aufstieg. Mit Touristen kann man´s ja machen. Nachdem wir die Aussicht lange genug genossen haben, geht es wieder bergab. Dabei treffen wir drei Mädchen wieder, die uns gestern schon in Pompei aufgefallen. Wir grüßen uns und überlassen den Damen unsere Wanderstöcke. Kommt gut an. Unser Interesse ist geweckt und wir beschließen auf dem Parkplatz zu warten. Schnell sind Stühle und Gitarre ausgepackt. So vertreiben wir uns ein wenig die Zeit. 

Während wir warten gesellen sich zwei Deutsche zu uns. Einer kommt aus Köln, der jüngere aus Thüringen. Der eine mit dem Fahrrad allein bis nach Rom, hat dort den anderen getroffen und jetzt ziehen sie zusammen durch Italien. Respekt. Wieder sind wir um eine Bekanntschaft und insgesamt acht Unterschriften reicher. Die zwei ziehen weiter und wenig später sind auch unsere drei Mädchen wieder zurück. Wir winken sie zu uns heran. Die drei Polinnen, wie sich herausstellt, lassen sich gern auf ein Gespräch ein. Dabei fällt uns ihr perfektes Englisch auf. Man klärt uns auf: es handelt sich um Englischlehrerinnen. Hätte gern bei ihnen Unterricht gehabt. Wir fragen sie ob  wir sie ein Stück mitnehmen sollen. Dabei stellt sich heraus, das die vier Interrailerinnen auf dem campeggio Pompei sind, jenem Camp, auf dem auch wir unsere Zelte aufgeschlagen, bzw. Saccos ausgelegt hatten. Damen werden abgeliefert und wir sehen zu, dass wir uns nicht zu lange auf dem Platz aufhalten, schließlich hat man sich bei unserer Rechnung um die Hälfte des Geldes gebracht.

Trotz Ralfs Fußverletzung vom vorhergehenden Tag haben wir alle vier den Vesuv bezwungen. Nach dem Abstieg machten  wir noch die Bekanntschaft von drei polnischen Englischlehrerinnen.
Hosted by www.Geocities.ws

1