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Reisetagebuch
Samstag, 8.Juli.
Das Abenteuer kann beginnen, nach herzlichen Verabschiedungen geht’s
auf in Richtung Bayern. Marcus musste
noch geweckt werden, er hatte sich noch mal hingelegt, um uns dann
ausgeruht nach Bavaria zu fahren.
Auch eine Verabschiedung im Hardliner war Pflicht. Gegen 2 Uhr (nachts)
fahren wir los.
Sonntag, 9. Juli.
Ankunft gegen 11 Uhr bei Markus´ Oma in Bayern. Herzlicher Empfang,
schönes Essen, usw. Weiterer Besuch bei Alois und Conny und Christoph.
Wir registrieren, dass die Kühlbox im Arsch ist. Reparatur scheitert.
Irgendwann geht die Reise weiter nach Thal zu Irmi und Moni, unseren Hamburger
Bekanntschaften. Dort gibt es gleich eine Hofführung und die Freundinnen
der beiden stoßen auch zu uns. Wir fahren auf einen Berg, heißt
es. Also neun Personen rein in den Bus und los geht’s. Lustige Fahrt. Ralf
treibt den Bus die Berge hoch, der Rest (außer Marcus) leert in kürzester
Zeit drei Flaschen Wein. Ich bin schon ziemlich angetrunken, es geht
steil bergauf, immer weiter. Dann der Mitterberg. Marcus und ich nehmen
ihn frontal. Oben angekommen sind wir halbtot, haben aber eine himmlische
Aussicht. Bergab . Zwischenstation an einer Almhütte, Bier, Bier,
Bier. Im Vollrausch weiter bergab. Ich verliere die Koordination und renne
in den totalen Sumpf. Jetzt bin ich der Held. Fahrt geht zurück auf
den Hof. Die Eltern sind noch skeptisch gegenüber uns. Moni will mich
außerdem „zwingen“ noch länger da zu bleiben. Wir kommen uns
dadurch etwas näher, obwohl ich gar nicht die Absicht hatte. Haagers
bereiten uns ein reichliches Abendbrot, Ralf richtet den Tomatensalat an.
Nach diesem Abendbrot widmet sich alles den Frauen. Markus hat nun die
Chance seine telefonische Beziehung auszubauen. Ob er sie nutzt, weiß
man allerdings nicht. Ich versuche mich Maria zu nähern, merke allerdings
nicht, dass auch Marcus auf sie steht. Mit einer, laut Ralf, billigen Strategie
gelingt es mir auch, was Marcus mißfällt. Er fängt dann
an von seinen inneren Problemen zu erzählen. Für mich,
der ihn ja schon länger kennt, eine teilweise schockierende Erfahrung.
Marcus und Ralf gehen dann ins Bett, ich bin noch mit Maria zusammen. Wir
setzen uns noch ein bißchen in ihr Auto. Plötzlich sehen wir,
wie sich Markus und Irmi in den Bus verkrümeln. Es ist inzwischen
5 Uhr und ich verabschiede mich von Maria. Von Markus und Irmi noch
keine Spur. Ich gehe schlafen.
Montag, 10. Juli.
Irmi muss zum Friseur deshalb Aufstehen um 5.45 Uhr. Ich bin am Ende.
Markus versucht uns einzureden, er habe vier Stunden geschlafen. Wir beschließen
nach dem Frühstück auf irgendeine Wiese zu fahren und erstmal
zu schlafen. Aber Marcus schaffte es doch noch in einem Ritt bis an den
Brenner und drüber. Ich habe die Ehre die Gesellschaft über die
Grenze zu chauffieren. Wir sind in Italien. Ohne besondere Vorkommnisse
erreichen wir den Gardasee. Suchen am Südufer nach einem Zeltplatz,
finden deren auch viele. Die Preise sind allerdings der Horror. Mit dem
dritten Platz finden wir einen relativ günstigen. Zelt aufbauen, essen,
baden, nach Mädels gucken. Irgendwann geht’s ins Bett. Endlich ausschlafen.
Dienstag, 11. Juli.
In den frühen Morgenstunden flüchtet Marcus dann in
den Bus. Grund: Ich würde mich zu breit machen. Nach dem Aufstehen,
im Gegensatz zum Abend regnet es nicht, wird sich erst einmal frisch gemacht.
Ich rasiere mich zum ersten Mal mit einem Handrasierer und blute
nur an ganz wenigen Stellen. Danach wird Kaffe gemacht. Doch anscheinend
ein bißchen zu stark, denn selbst Starkkaffeetrinker Marcus ist er
etwas zu heftig. Aber fünf Minuten später gibt es Verdünnung
von oben. Platzregen - ab in den Bus und ins Zelt. Nur wenig später
scheint wieder die Sonne und wir brechen auf nach Verona. Die Markusse
wollen zu McDonald´s, ich probe den Aufstand. Mal sehn was wird.
Übrigens, seit kurzer Zeit haben die drei Guys ihren bayerischen Pseudodialekt
abgelegt. Wir fahren Gott sei Dank nicht zu McDonald´s. Dafür
nach Verona. Dom, Balkon von Julia, wir besichtigen alles. Am Balkon sind
auch ein paar hübsche Bayerinnen. Die drei Guys wollen mir und einem
der Mädchen den Eintritt zum Balkon sponsoren, wenn sie mich oben
küsst. Leider habe ich keinen Erfolg und so bleibt der Balkon unbetreten.
Gehen auch fett einkaufen fürs heutige Abendbrot und morgige Frühstück.
Können das Zeug fast nicht wegschleppen. M.+M. wollen uns ärgern
(lassen uns nicht in Bus), darauf gibt Ralf dem Bus eine Gingerdusche.
Der ganze Bus klebt von diesem Zeug. Auf dem Weg zurück nehmen
wir noch einen jungen Burschen ein Stück weit mit. Er kommt aus Kanada.
Zurück auf dem Zeltplatz kochen wir dann die eingekauften Nudeln und
werfen die Hälfte weg, war einfach zuviel. Ein besonderer Gag sind
die Freisinger Mädchen von nebenan. Wollten 21 Uhr zu uns kommen,
durften von ihren Lehrern aus aber nicht. Wollen also wir zu ihnen kommen
(O-Ton Ralf: Ich dachte wir geh´n jetzt da hoch und nehmen die Mädchen
durch). Ich geh schon mal vor. Versuche durch das Fenster ein zu steigen.
Erster Versuch mißlingt, ich habe einen Teil des Fensters in der
Hand. Zweiter Versuch: ich reiße die Gasflasche um. Schaffe
es irgendwann. Drinnen sind eine Handvoll hübscher Mädchen, die
sich aber untereinander nicht verstehen. Der Rest meiner Gruppe darf leider
nicht mit rein. Die Sache wird dann ziemlich heikel, denn ein paar Mädchen
haben mich und die Mädchen an die Lehrer verpfiffen. Weiber sind so
blöd. Schnell zum Fenster wieder raus geklettert. Treffe auf M.+M.,
wir gehen ein Stück spazieren, werden blöderweise von den Lehrern
angehalten und zur Rede gestellt. Mit Polizei wird uns gedroht. Ich versuche
krampfhaft alles abzustreiten, aber es hat keinen Zweck. Fühle mich
irgendwie blöde. Andererseits müssen die Mädchen auch selber
wissen was sie tun. Hoffe es gibt keinen weiteren Ärger. Werde dann
schlafen gehen, denke ich zumindest.
Mittwoch, 12 Juli.
Mit den Mädchen gab´s keinen Ärger mehr. Haben auf
einem unserer T-Shirts unterschrieben, sollen unbedingt bei ihnen in Freising
vorbeischauen, wenn wir zurück sind. Brechen irgendwann in Richtung
Florenz auf. Auf den abgelegensten Straßen fahren wir durch die herrliche
Landschaft der Toscana. Ein bißchen Verfahren ist auch mit drin,
was zu kleinen Verstimmungen führt. Einigen uns an einer Talsperre
kurz vor Florenz unser Nachtlager aufzuschlagen. Die Talsperre ist ein
Traum. Erinnert an Kanada. Wir haben Glück diesen wunderbaren Platz
gefunden zu haben. In Verona haben wir eine Art Maisbrot gekauft, sind
uns aber noch über die Zubereitung unschlüssig. Wir fragen dazu
einen jungen Herren, der uns das erklärt. Er meint ebenfalls, dass
wir die völlig falsche Spaghetti-Sorte gekauft haben. Da Regen
in der Nacht nicht ganz ausgeschlossen werden kann, sollte man eigentlich
noch das Zelt aufbauen. Das ist allerdings gar nicht nötig. Auf dem
Platz steht eine Art Bühne und unser Ernährungsberater erlaubt
uns da zu schlafen. Nach einem kraftvollen Abendbrot entbrennt noch eine
etwas haarige Diskussion um die Frage, wer was und wieviel ißt. Bezahlt
die Gemeinschaftskasse nun alles oder nur das Notwendige, soll sich jeder
selber versorgen, oder wie ? Marcus wird bei dieser Diskussion etwas lauter
als sonst. Ralf und ich geben nach einer kurzen Überschlagung der
Kosten unsere Bedenken auf. Schließlich haben wir noch eine Menge
Spass als wir Markus in seinem Schlafsack gefangen setzen. Die Nacht verbringen
wir also auf dieser Bühne. Leider habe ich vergessen meinen Schlafsack
mit einer Decke zu verstärken und friere ganz ordentlich.
Donnerstag, 13 Juli.
Bin als erster wach, wegen der Kälte. Warte sehnsüchtig bis
die Sonnenstrahlen auch unser Gebiet erreichen. Mit dem Fernglas hole ich
mir die mediteranen Gebäude vom anderen Ufer näher, genauso den
vom Schein der Sonne betonten Wald. Und ich friere immer noch barbarisch.
Nachdem Markus dann auch munter ist, werfen wir den Kocher an und wärmen
uns mit Kaffee auf. Auch der Rest der Truppe kriecht dann langsam aus den
Federn. Ein weiterer Genuss ist das Bad in dem klaren Wasser. Später
Treibe ich mit Markus auch noch Morgensport. Fahren dann Florenz an. Aufenthalt
nur einen Tag. Sehen dabei viele schwarze Händler deren Versteckspiel
mit der Polizei äußerst amüsant anzusehen ist. Versuche
mit ein paar Italienerinnen ins Gespräch zu kommen, treffe aber auf
eine Brasilianerin und eine Peruanerin. Wandern durch die Gegend, bekommen
Hunger, bis auf Marcus. Gehen noch mal zu McDonald´s, bäh. Als
wir das Auto anlassen wollen, funktioniert irgend etwas an unserer Batterieparallelschaltung
nicht. Egal. Es geht weiter Richtung Pisa. Kurz vor Pisa steuern wir eine
Freifläche als Nachtlager an. Probleme gibt es, als Marcus wegen
anhaltender Streitereien androht heimzufahren. Ich hoffe alle sind an einer
Lösung des Problems interessiert und alles wird gut. Können uns
aber nach einer ernsthaften Diskussion irgendwie einigen, reden weiter
über Weiber, trinken Wein, holen unsere Schlafsäcke raus und
pennen eine wundervolle Nacht unter freiem Sternenhimmel.
Freitag, 14 Juli.
Heute geht es direkt rein nach Pisa. Schiefer Turm und alles
andere Sehenswerte wird sich angeguckt. Wir beschließen noch einen
weiteren Tag in Pisa dran zu hängen, da kein richtiges Fotowetter
ist. Übernachtet wird nach längerer Platzsuche auf einer Art
Damm mitten in einem Feld. Zum Abendbrot gibt es dann auch jenes Maiszeug,
das nicht übel schmeckt. Am Abend ziehen zwar Wolken auf, was uns
aber nicht daran hindert draußen zu schlafen. Ralf und Markus ziehen
sich unter den Bus zurück, während Marcus und ich unter freiem
Himmel schlafen. Den Schauer in der Nacht, bekomme ich gar nicht mit, da
Marcus mir einfach mit die Zeltplane über den Kopf legt.
Samstag, 15.Juli.
Am Morgen wird erstmal aufgeräumt und Ordnung in den Bus gebracht.
Markus hat schon Ausbesserungen am Wagen vorgenommen. Die Holzplatte im
Koffer biegt sich unter der Last ziemlich durch. Eine in Pisa geklaute
Euro-Pallette liefert das Material für die Reparatur. Unsere Säge
leistet dabei gute Dienste. Während unserer Arbeit kommt der Bauer,
auf dessen Feld wir wahrscheinlich übernachtet haben, zu uns. Enrico
kann zwar kein Englisch, eine kleine Unterhaltung gelingt aber durch unsere
minimalen Italienischkenntnisse. Auch ein T-Shirt-Autogramm gibt er bereitwillig.
Netter Mensch. Ist gleich Mittag, werden bald frühstücken. Beim
Versuch den Brenner in Gang zu bringen, steckt Ralf um ein Haar das ganze
Feld in Brand. Die Flammen werden von Markus mit einem Tuch erstickt, nachdem
wir Ralf
von einem Löschversuch mit Wasser abgeraten haben. Nachdem
Frühstück fahren wir wieder nach Pisa, diesmal laufen wir mal
in ein Wohnviertel. Endlich kriege ich mein Wohnviertel. Fernab des Tourismus
finden wir endlich das "normale Italien". Kinder spielen auf der Straße,
eine jugendliche Clique trifft sich im Park, eine Mama kommt mit ihrer
Tochter vom Einkauf. Auf dem Rückweg zum Bus trennt sich Marcus von
uns, er will ein bißchen allein gehen. So ziehen wir restlichen Drei
erstmal was essen. Ralf hat sich schon im supermercato etwas gekauft
und sitzt nun wie der letzte Penner auf der Straße und ißt
aus seinen Tüten. Zurück auf dem Parkplatz treffen wir noch einen
belgischen Camper mit seinen zwei Söhnen. Haben eine nette Unterhaltung
und bekommen vier flämische Bier geschenkt. Lassen Pisa hinter uns
und steuern das Mittelmeer an. Irgendwann nach Einbruch der Dunkelheit
können wir dann auf das unendlich scheinende Wasser schauen, stehen
vor dem Mittelmeer. Die Situation erzwingt es, dass drei Viertel unserer
Gruppe ihre menschlichen Bedürfnisse dem Meer übergeben. Marcus
blüht am Meer richtig auf, alter Fischkopp. Führen noch ein längeres
physikalisches Gespräch über die Ursache einer roten Wolke. Weiter
geht’s nach Livorno. In der Hafenstadt wird sich schnell ein Hamburger
reingeschoben. Wir sehen uns auch noch ein wenig die Stadt an, soweit das
mitten in der Nacht noch möglich ist. Die drei Guys amüsieren
sich prächtig. Zumindestens Markus und Ralf. Sie diskutieren mit Marcus
über die Vorfahrtsregeln im Schiffsverkehr. “Marcus, ich habe da mal
´ne Frage”, lässt alle vor Lachen brüllen. Marcus erklärt
selbst die blödesten Fragen immer noch ernsthaft. Einige, das Zwerchfell
erschütternde Momente später geht es weiter. Die Suche nach einem
Schlafplatz gestaltet sich äußerst schwierig und lang. Erst
gegen 3 Uhr finden wir auf einem Parkplatz bei Vada ein ansprechenden Platz.
Gegessen wird nichts mehr, wir genießen aber noch die geschenkten
Bier.
Sonntag, 16 Juli.
Der Parkplatz füllt sich. Nach dem Frühstück und einer
Unterrichtsstunde in italienischem Parkverhalten fahren wir baden. Herrlich
warmes Wetter, totale Sonne, Sonnenbrand teilweise. Fahrt geht weiter nach
Piombino. Voll die Industriestadt. Aber die Pizza war super. Billig, aber
total lecker. Gestärkt fahren wir weiter Richtung Rom. Entdecken auf
der Karte die Halbinsel Monte Argentario, befinden diese auch für
ansehenswert. Planen vor der Insel zu übernachten und sie dann morgen
angucken zu fahren. Aber wir fahren doch noch auf die Insel. Mein Herz
springt vor Freude. So etwas habe ich noch nicht gesehen. Wunderschön.
Wir beschließen auf der Insel zu schlafen. Treffen in einem Teil
von Monte Argentario, der sich Porto Eccolo oder ähnlich nennt, drei
Seniorinas und kommen mit ihnen ins Gespräch. Die älteste von
ihnen ist eine ehemalige Englischlehrerin, deswegen läuft unsere Konversation
auch in Englisch. Das Mädchen Maria Sole wohnt in Perugia in der Nähe
von Assisi. Vielleicht schauen wir mal vorbei. Steffa, so heißt die
ältere Dame gibt uns noch ihre Telefonnummer, für den Fall wir
bräuchten noch irgend etwas. Nach einer langen Unterhaltung gehen
wir schließlich auf dem höchsten Punkt der Insel schlafen. Vor
dem Burghotel haben wir eine grandiose Aussicht auf das Meer.
Montag, 17 Juli.
Aufgestanden. Grasse Sonne, geniale Sicht auf´s Meer, suchen
supermercato und wollen frühstücken. Verlassen die wunderschöne
Insel Monte Argentario. Kurzer Anruf noch an Steffa, dass wir doch nichts
brauchen. Stunden später haben wir einen supermercato gefunden. Frühstück
gibt’s auf einem Parkplatz piccolo an einer vielbefahrenen Straße.
War original exklusiv. Allerdings gibt’s ein Problem: War seit 1,5 Tagen
nicht mehr scheißen und auch hier gibt es kein Klo. Also wieder einmal
das heere Gefühl des In-Die-Natur-Scheißens. Ist zwar nicht
so gemütlich wie eine 15-Minuten -Sitzung auf einer richtigen Toilette,
aber man kommt klar und hat danach ein absolut befreites Gefühl. Außerdem
haben es die Urmenschen auch nicht anders gemacht. Ralf entledigt sich,
circa 30 Meter von unserem Frühstückstisch im Straßengraben.
Lustig als dann ein Wagen so ziemlich vor seinem selbstgewählten Örtchen
hält. Das morgendliche Frühstück ist immer etwas Wunderschönes:
Kaffee, Thunfisch auf Toast, Milch und viele Diskussionen. Heute grüßen
uns ständig irgendwelche LKW-Fahrer, die an unserem Frühstück
vorbeirauschen. Weiter geht es an der Küste gen Rom. Civitavecchia:
Genau, wie ich es mir in meinen schönsten Träumen ausgemalt habe.
Rechts das Meer, links wunderschöne Landschaft und wir mitten drin.
Blaues Wasser. Ich könnte schreien vor Glück. Es ist einfach
zu schön, um wahr zu sein. Danke Gott für diese Augenblicke.
Alles Glück dieser Erde liegt momentan in der Schönheit und Unendlichkeit
dieses Anblickes. Fahren über die Via Aurelia nach Rom ein. Wollen
gleich nach Rocca Priora. Roms Verkehr ist schrecklich, doch Markus am
Steuer zeigt Können und Beherrschung. Durch öfteres Verfahren
sehen wir fast alle Sehenswürdigkeiten. Nach ein paar Verfehlungen
gelingt es uns nach Rocca Priora zu kommen. Wir haben es gefunden, das
niedliche Bergdorf. Erstes Fotoshooting vor dem Ortsschild. Danach geht
es auf den höchsten Punkt von Rocca, dem Rathausplatz von dem man
einen einmaligen Blick auf die Umgebung hat. Leider ist bis auf eine Person
kein Schwein auf dem Amt. Der gute Mann versucht den Bürgermeister
zu erreichen, klappt aber nicht. Wieder auf dem Rathausplatz rufen wir
Valeria Lorenzo an. Nach einigen sprachlich schwierigen Momenten mit Valerias
Vater bitten wir einen Italiener, den genauen Weg zu Valeria zu erfragen.
Letzten Endes werden wir von Valerias Dad abgeholt, er führt uns zu
seinem Casa. Dort angekommen werden wir versorgt wie im Paradies. Drei
verschiedene Sorten Pizza, Bier, Saft, Wein, Wasser, Eis, Pfirsiche. Unterhalten
wird sich in Englisch. Valeria, ihre Schwester Frederica und Ying, der
Freund von einer der beiden spielen die Dolmetscher. Valeria kann sich
dummerweise nicht mehr an mich erinnern. Später stoßen noch
ein paar Freunde der Familie zu uns. Mit der ganzen Clique geht es abends
nach Frascati. Dort erwartet uns die nächste Überraschung. Unsere
Drinks, die wir in einer Open-Air-Bar zu uns nehmen werden von den Lorenzos
bezahlt. Und das bei ungefähr zehn Mark pro Drink. Super. Total gegeistert,
besonders auch von Michele ( einem der Freunde) fallen wir ins Bett, bzw.
unsere Schlafsäcke im Keller des Hauses.
Dienstag, 18. Juli.
Ralf hat heute Geburtstag. 20 Jahre wird er. Zum Frühstück
gibt es lecker Cornetti. Wenig später müssen wir uns leider verabschieden.
Ralf rammt zum Abschied noch eine Mauer, dann geht es los. Ich will nach
Colle di Fiori, zu Shara Mancini, aber Ralf drängt gleich nach Rom
zu fahren. Wir fahren zu Shara, die aber leider nicht da ist. Schnell noch
eine Info-Broschüre von Sohland mit Widmung dagelassen und schon sind
wir auf dem Weg nach Rom, nach Meinung der Roccaer, der besten Stadt Italiens.
Wir werden sehen was uns Ralfs Geburtstag bringt. Stunden später wissen
wir es. Eine Irrfahrt durch Rom. "Dov´è campeggio", diese
Frage hängt uns allen bald zum Hals raus. Ralf durfte fahren, super
angepaßt an die italienische Aggressivität im Fahrstil, hat
er uns mit Hilfe von M.+M. sicher in die Irre geführt. Ein Großteil
der Campingplätze von Ralfs Karte war verschwunden. So mussten wir
unsere Pläne immer wieder über den Haufen werfen. Nachdem wir
den Süden und Westen nach einem campeggio durchsucht hatten, wurden
wir nach unzähligen "Dov´è campeggio" im Norden fündig.
Die italienischen senioras, senioritas und seniores gaben immer so gut
wie sie konnten Auskunft. Nur eine nicht, die Ralfs "Dov´è
campeggio" ignorierte und einfach weiter ging, worauf Ralf ausrastete und
ihr ein freundlich-aggressives "Du blöde Votze" hinterher schickte.
Jetzt sind wir auf einem camppegio namens Tiber, was ich wiederum sehr
passend finde, da sich jener nur 20-30 Meter neben uns befindet.
Bei der Anmeldung erntete Marcus erstaunte Blicke als er aus Sparsamkeitsgründen
nur eine maccina und vier persona
anmeldete. Wir werden jetzt eine fette Melone schlachten, die
wir auf unserer Odyssee durch Rom für 7000 Lire erstanden haben. Nicht
dass die Nacht in Rocca schlecht war, aber die Sterne beim Einschlafen,
die Gute-Nacht-Zigarette im Schlafsack sind schöner.
Mittwoch, 19. Juli.
Fahren mit dem campeigenen Bus nach Prima Porta und von da aus mit
der Bahn nach Rom. Erstmal in den Vatikan, denn ich hatte vor drei Jahren
keine langen Hosen an, was mir den Eintritt in den Petersdom verwehrte.
Schön ist es hier, oben auf der Kuppel unten im Dom. Ralf findet in
den stativfeindlichen Aufpassern allerdings keine Freunde. Als ich meinen
Rucksack, den ich vorher zur Aufbewahrung abgeben musste, wieder in Empfang
nehme, fällt mir doch glatt mein Messer raus. Peinlich, peinlich.
Nach dem Vatikan trenne ich mich von den anderen. Sightseeing ist nicht
ganz so nach meinem Geschmack, schließlich habe ich alles schon vor
drei Jahren gesehen. Und so schlendere ich durch meine Lieblingsstadt,
bis ich, nachdem ich auch eine Apotheke mit ihren Angestellten fotografiert
habe, einen Platz finde, der frei von Touristen ist. Nur Italiener. So
finde ich Zeit und Ruhe um meine zehn römischen Postkarten zu schreiben.
Nebenbei habe ich noch einigen Spass mit zwei kleinen Bambini. Später
wander ich weiter und treffe am Circus Maximus (Marcus: ".. ne Hundeseechwiese")
zufällig auf meine Kameraden. Trennung nach kurzem Smalltalk. Ab in
Richtung Zentrum, will mich mit den drei Guys auf der spanischen Treppe
treffen. Komme aber ewig nicht an, ein Stau vor dem Interconti weckt mein
Interesse. Der Mensch ist ein Herdentier und so zücke auch ich meine
Kamera und warte auf irgendwen oder irgendwas. Models sollen kommen, sagt
man sich. Ich warte und warte, mir wird langweilig und so will ich weiter
gen Spanische Treppe zu den drei Guys. Doch leider ist die ganze blöde
Treppe gesperrt. Modenschau. Die spinnen die Römer. Und um die ganze
Treppe ein irrer Menschenauflauf, wie er im Buche steht. Wie soll ich die
Jungs hier bloß finden. Ich gucke noch ein biserl und beschließe
zur Bahn zugehen. Doch wie durch ein Wunder treffe ich in der Wahnsinnsmenge
meine drei Guys. Wir schauen uns das ganze Treiben noch ein wenig an und
besuchen dann das Ekel aller gastronomischen Einrichtungen; McDonald´s.
Einziger Lichtblick: ein Mädchen steigt auf die I-Can´t-Dance-Nummer
von Markus und mir ein, noch ein paar Mal umgedreht und schon kommt uns
Elisa hinterher. Fotos und Unterschriften auf unsere Shirts, Austausch
von Telefonnummern. Habe fertig. Die Bahn bringt uns zurück nach Prima
Porta. Bus nach campeggio? Ist weg. "Fine" grinst uns der befragte Busfahrer
an und bedeutet uns per Handzeichen, dass wir laufen dürften. Unterstützt
wird seine Gestik durch sein schadenfrohes Lächeln. Also ist Laufen
angesagt. Glücklicherweise nimmt uns ein freundliches italienisches
Pärchen bis zum Camp mit. Dort waschen wir noch dreckige Wäsche
und spielen Gitarre. Uns Nachbar macht uns mit der Frage "Is it possible
to sleep" deutlich, dass er Musik zu später Stund nicht mag. "Klar"
sagen wir und sind ruhig.
Donnerstag, 20 Juli.
Guten Morgen. Ein Lied zum Munterwerden ? Aber nicht mit unserem Nachbarn.
Der steht zum wiederholten Male grimmig vor seinem Zelt (8.45 Uhr) und
fordert Ruhe. Wir lachen uns eins, dummer Arsch. Selber mitten in der Nacht
auf dem Platz einfliegen und dann den ganzen Tag Ruhe haben wollen.
Hat aber eine niedliche Tochter. Wir verlassen campeggio Tiber und parken
in Prima Porta. Wieder mit der Bahn nach Rom. Besuchen die großartigen
Katakomben. Es folgt ein Spaziergang auf der Via Appia Antica, der berühmten
Straße, die Rom mit dem Meer verbindet. Markus und Ralf diskutieren
mit Marcus darüber, ob die originalen Pflastersteine nun noch von
damals liegen oder restauriert wurden. Mir kommt bei der Länge und
Schärfe der Diskussion der kalte Kaffee hoch. Wie kann man nur in
einem solchen Moment über solche Bagatellen streiten. Aber egal. Eine
Art Steinbude gibt uns noch die Möglichkeit für ein geniales
Fotoshooting. Zurück ins Zentrum geht es mit irgend einem Bus der
grad die Strecke langfuhr. Bezahlen kann man im Bus nicht, also bleibt
das. Weiter mit der U-Bahn in Richtung Spanische Treppe. Ich kann fast
überhaupt nicht mehr laufen. Die blöden Latschen haben inzwischen
meine Füße zerrieben. Dazu kommt noch eine Schicht römischen
Drecks. Deshalb gehe ich noch mal zum Brunnen oberhalb der Treppe und kann
dort endlich meine Gehwerkzeuge kühlen. Später auf der Treppe:
Zwei, süße kleine Kinder, Nachkommen einer Liason zwischen Römer
und Deutscher. Ich bin fasziniert. Bekommen Hunger. Ab zu McDonald´s,
dem einzig erschwingbaren "Restaurant" in Rom. Und wieder zurück auf
die Treppe. Ralf, der da geblieben war, hat inzwischen Bekanntschaft mit
zwei Italienern geschlossen. Diese wenden sich aber von uns ab, um zwei
nette Damen aus San Francisco zu becircen, bzw. anzulabern. San Francisco
? Ich denke da sofort an mein T-Shirt. Und so setze ich mich schnell mit
meinem und Markus´ Shirt zu den amerikanischen Mädchen. Wahrscheinlich
ist mein Englisch ein bißchen besser als das der Italiener, jedenfalls
kann ich die Aufmerksamkeit der zwei Girls auf mich ziehen. Die italienischen
Gigolos räumen das Feld. Finde ich gut. Schöne Italiener gegen
deutschen T-Shirt-Unterschriften-Sammler. Und letzterer gewinnt. Wenig
später sitzen wir wieder im Bus. Die Fahrt geht in Richtung Neapel.
Gepennt wird irgendwo am Strand, wo uns kleine Stacheln quälen. Hier
leistet uns Markus´ Stoff gute Dienste.
Freitag, 21. Juli.
Weiter auf dem Weg nach Neapel. Einige Kilometer vor Formia bei
Gaeta nehmen wir einen Tramper auf der uns auf einen Unfall aufmerksam
macht. Ein verunglückter Benzintransport sperrt die ganze Straße.
Er beschreibt uns noch eine Umleitung und ist schon wieder weg. Wir machen
Pause und genießen das Mittelmeer. Nur wenige Stunden später
erreichen wir dann die Mafia-Stadt. Der Der Verkehr ist sehr haarig, aber
Marcus schaukelt uns mit dem Bus durch, ist total Herr der Lage. Es gibt
wahnsinnig viele, wahnsinnig hübsche Mädchen zu bestaunen, in
der Beziehung ist Neapel ein richtiges Paradies. Später stehen wir
nur noch im Stau. Nichts geht mehr. Vielleicht für uns gar nicht so
schlecht, ist nicht so gefährlich. Nachts halten wir auf der Suche
nach einem Zeltplatz irgendwo an der Straße und treffen dort einen
Ercolaner (Ort bei Neapel), der Englisch und sogar ein wenig Deutsch spricht
und schon auf der ganzen Welt als Tischler gearbeitet hat. Wäre ´ne
Idee für Markus. Der ist übrigens schon wieder am Telefonieren,
was sonst. Irmi, denke ich und versuche wieder einmal zu verstehen.
Jedenfalls sind wir am Abend auf einem campeggio in Pompei gelandet. Übrigens
sprechen die Leute hier Pompei, wie Bombay aus. Endlich eine Dusche. Der
Rest der Gruppe ist am Diskutieren. Hunde sind heute das Thema. Kampfhunde.
Die Diskussion wird immer lauter, weswegen die Tür des Busses geschlossen
werden muss. Keiner weicht nur einen Deut zurück. Wir diskutieren
sehr viel in letzter Zeit. Immer die gleichen Themen: Sozialismus Kontra
Kapitalismus, Opel gegen VW, Hunde weg oder nicht, usw. Bäh. Bloß
gut das wir nicht nur Schirgiswalde sind, wo jeder dem´s reicht nach
Hause fahren kann. Jeder prahlt mit seinem nicht vorhandenen Fachwissen.
Argumente werden zunehmend durch Lautstärke ersetzt. Typisch Männergesellschaft.
Gute Nacht.
Samstag, 22. Juli.
Heute ist Pompei angesagt. Ist ganz interessant. Im Puff findet Markus
plötzlich die Adressen der Freising-Mädels in seiner Hosentasche.
Will sie mir aber nicht geben. Hat Angst wir würden zu denen, anstatt
zu seiner Irmi fahren. Nachdem wir Pompei ausreichend besichtigt haben,
reizt es uns nach Neapel zu gehen. Und so steigen wir in die Bahn und sind
wenig später in Napoli. Uns fällt ein, dass morgen ja Sonntag
ist und wir unsere Lebensmittel aufstocken müssen. Also erstmal supermercato
gesucht. Wir finden auch einen und sind über die niedrigen Preise
erstaunt. Da Neapel außer seinem Flair nicht viel zu bieten hat und
fast alle Touristen Panik vor der Stadt haben sind die Preise gut. Da,
wie gesagt, nur wenige Touristen hier rum rennen, fallen wir auf wie ein
Altstoffcontainer. "Tedeschi" höre ich es von der Seite raunen, was
soviel wie "Deutsche" bedeutet. Man hat uns also erkannt. Vorsichtig aber
planlos laufen wir durch die Stadt, sogar durch die hinterletzten
Straßen. Bekommen Haschisch angeboten usw. Zufällig sehen wir
eine Kirche. Aha, Denkmal. Also besichtigen. Die von außen recht
nüchtern wirkende Kirche erweist sich von innen als wahre Perle. Da
gerade Gottesdienst ist, nehmen wir die Gelegenheit wahr und besuchen unsere
erste italienische Messe. Nachher plagt uns ein wenig der Hunger. In Hafennähe
finden wir eine Super-Pizzeria. Zwei Maxi-Pizzen werden bestellt. M.+M.
bestehen darauf diese im Hafen zu sich zu nehmen. Also latschen wir in
Richtung Hafen, Ralf und ich folgen nur widerwillig, als wir schließlich
durch die großen Tore gehen und unser Ziel erreicht haben,
ist die Pizza nicht gerade wärmer geworden. Aber der Hunger ist gestillt.
Wir relaxen noch eine Weile am Dock und wollen uns dann auf den Rückweg
machen. Aber blöderweise sind die großen Tore verschlossen,
das gesamte Hafengelände ist abgeriegelt. so sitzen wir erstmal im
Hafen von Neapel fest. Suchen entlang des mit scharfen Spitzen gespickten
Zaunes, der den Hafen umgibt, nach einem Ausgang. Hoffnungslos. Finden
viel später endlich ein Stück Zaun ohne gefährliche
Spitzen. Fix drübergeklettert (mit allen Rucksäcken und Proviant
aus Supermarkt) finden wir uns in einer Baustelle wieder hinter deren Absperrmauer
das nächtliche Leben pulsiert. Also wieder klettern. Dabei ist es
dann passiert. Ralf kommt blöd auf und ein Zeh steht plötzlich
rechtwinklig gegenüber den anderen Zehen. Renkt ihn sich aber selber
wieder ein, leidet aber trotzdem starke Schmerzen, kann kaum auftreten.
Wir beschließen sofort ins Camp zurück zu fahren. Und so muss
sich Ralf bis zum Bahnhof schleppen, den wir durch Nachfragen auch irgendwann
finden. Leere Gänge lassen Schlimmstes ahnen. Es ist gegen 23 Uhr
und der letzte Zug ist vor 15 Minuten abgefahren, der nächste geht
gegen 5 Uhr. Bus? Fehlanzeige. Also bleibt nur noch Taxi. Wir finden auch
ein Taxi mit einem sympathischen älteren Mann, der uns nach Pompei
fährt. Taxameter an und auf geht’s. Vor dem Campingplatz angekommen,
zeigt das Taxameter ungefähr 33.000 Lire an. Human, denke ich und
die anderen sicher auch. Der Witzbold will aber ernsthaft 100.000 Lire
haben. Wegen Rückfahrt nach Neapel, Maut, Sonntagszuschlag. Dazu kommt
wahrscheinlich der Deutschen-Aufschlag. Wir wollen natürlich keine
100 Mäuse berappen, ich biete ihm 45.000 Lire. Ergebnis: Er
geht runter auf 90.000. Ralf und ich werden langsam wirklich ärgerlich.
M.+M. sind den Campingchef holen. Unterdessen bedeuten wir dem Herrn das
immer noch zählende Taxameter auszuschalten, was er verweigert. Wir
beschimpfen ihn als Bandito, täuschen einen Anruf bei der Polizei
vor. M.+M. kommen mit dem Chef des campeggio. Der schlichtet halbherzig
und wir löhnen 80.000 Lire für eine 30 Kilometer-Fahrt an diesen
Mafiosi. Aber wenigstens sind wir im Lager. Sofort wird die Arzneikiste
rausgeholt und alles hervorgekramt, was Ralfs Verletzung gut tun
könnte. Leider entsteht auch eine Diskussion über das Verhalten
bei einer eventuell nötigen vorzeitigen Rückkehr Ralfs nach Deutschland.
Nach einem Machtwort des Verletzten beruhigen sich die erhitzten Gemüter.
Wenig später fallen wir alle in die Säcke. Heute morgen hat sich
übrigens das Gesicht des campeggio geändert. Dutzende von jungen
hübschen Französinnen laufen an uns vorbei. Auch einen Camper
mit Pirnaer Kennzeichen haben wir entdecken können. Er ist aber leider
schon wieder abgereist.
Sonntag, 23. Juli.
Heute ist die Vesuvbesteigung angesagt. Befürchtungen, Ralf müsste
im Camp bleiben, erweisen sich als unbegründet. Klar geht alles etwas
langsamer als sonst, aber damit kann man leben. Mit dem Bus fahren wir
bis auf den Parkplatz der circa 360 unterhalb des Kraters liegt. Die Tour
auf den Vulkan ist wegen den grassen Kurven anspruchsvoll, macht aber Spass.
Oben angekommen nehmen wir die restlichen Meter in Angriff. Die einen schneller,
Ralf etwas langsamer. An die zehn Meter vor dem Krater plötzlich eine
Mautstelle. 9.000 Lire für den weiteren Aufstieg. Mit Touristen kann
man´s ja machen. Nachdem wir die Aussicht lange genug genossen haben,
geht es wieder bergab. Dabei treffen wir drei Mädchen wieder, die
uns gestern schon in Pompei aufgefallen. Wir grüßen uns und
überlassen den Damen unsere Wanderstöcke. Kommt gut an. Unser
Interesse ist geweckt und wir beschließen auf dem Parkplatz zu warten.
Schnell sind Stühle und Gitarre ausgepackt. So vertreiben wir uns
ein wenig die Zeit. Während wir warten gesellen sich zwei Deutsche
zu uns. Einer kommt aus Köln, der jüngere aus Thüringen.
Der eine mit dem Fahrrad allein bis nach Rom, hat dort den anderen
getroffen und jetzt ziehen sie zusammen durch Italien. Respekt.
Wieder sind wir um eine Bekanntschaft und insgesamt acht Unterschriften
reicher. Die zwei ziehen weiter und wenig später sind auch unsere
drei Mädchen wieder zurück. Wir winken sie zu uns heran. Die
drei Polinnen, wie sich herausstellt, lassen sich gern auf ein Gespräch
ein. Dabei fällt uns ihr perfektes Englisch auf. Man klärt uns
auf: es handelt sich um Englischlehrerinnen. Hätte gern bei ihnen
Unterricht gehabt. Wir fragen sie ob wir sie ein Stück mitnehmen
sollen. Dabei stellt sich heraus, das die vier Interrailerinnen auf dem
campeggio Pompei sind, jenem Camp, auf dem auch wir unsere Zelte aufgeschlagen,
bzw. Saccos ausgelegt hatten. Damen werden abgeliefert und wir sehen zu,
dass wir uns nicht zu lange auf dem Platz aufhalten, schließlich
hat man sich bei unserer Rechnung um die Hälfte des Geldes gebracht.
Und weiter führt uns unser Roadtrip nach Sorrent. Wir fahren erstmal
durch bis nach Massa Lubrense, dem letzten per Auto erreichbaren Punkt
der Halbinsel Sorrent. Man hat Blick auf Capri, leider herrscht ein ziemlicher
Nebel. Ralf ist deswegen ein wenig enttäuscht. Ein Einheimischer
offeriert uns eine Überfahrt nach Capri mit Führung für
35.000 Lire. Wir erzählen, dass wir im Hafen von M.L. schlafen, er
will uns wecken kommen. Aber wir beschließen doch noch nach Sorrent
zurück zu fahren, dort einen Schlafplatz zu bekommen und morgen auf
eigene Faust Capri zu entdecken und auch eine Nacht dort verbringen. Auf
der Fahrt nach Sorrent "stolpern" wir über Piano di Sorrento und es
ist mir eine große Freude, noch einmal auf den Platz zurückzukehren,
auf dem ich schon vor drei Jahren war: Das Bungalowdorf Costa Alta. Dort
erhalten wir auch Straßenkarten und Fährpläne umsonst.
Fahren in Hafen von Sorrent wollen dort schlafen. Ist aber auf Biegen und
Brechen nicht zu machen. So fliegen wir einen Campingplatz an und bekommen
dort einen sehr mickrigen, wahrscheinlich den letzten Platz. Tut uns aber
nichts. Eine Nacht wollen wir hier schlafen und die zweite dann nur den
Bus hier lassen, um auf Capri zu pennen. Zeltplätze sind diesbezüglich
billige und sichere Parkplätze. Dachten wir. Wie wir so sitzen, Marcus
und Ralf sich wegen des Essens schon wieder Spitzen geben, bekommen wir
Besuch von zwei Napolitanern. Die beiden erinnern stark an Beavis &
Butthead. Nicht zu übersehen, sie fragen uns aus nach Geld, Kameras,
Autoradio, usw., ihre Augen wandern ziemlich eindeutig durch unseren Bus.
Wir checken das und versuchen ein armseliges, asoziales Verhalten an den
Tag zu legen, um die beiden von dem, für uns in der Situation negativen
Vorurteil, des reichen Deutschen wegzubekommen. Wir bieten ihnen kalte
Spaghetti an, benutzen nicht die Toilette, sondern pissen an einen Baum
neben dem Klo, betonen unsere ostdeutscher Herkunft. Meine Mutter wird
arbeitslos, Vater zum Müllfahrer degradiert und wir sind zu Hause
fünf Kinder. Marcus will ihr Lager sehen, doch die zwei finden immer
neue Ausreden, um uns davon abzuhalten. Man einigt sich, morgen früh
einen Zettel auf unserem Platz zu deponieren. Dann sind wir sie endlich
los. Uns ist klar, dass der Bus hier nicht mehr sicher ist. Wir beschließen
die Nacht sehr nahe am Bus zu verbringen und morgen früh zeitig
abzureisen.
Montag, 24.Juli.
Der erwartete “Überfall” in der Nacht ist ausgeblieben. Es wird
überlegt, wie man die Übernachtung auf Capri mit dem Alleinlassen
des Busses vereinbaren kann. M.+M. legen nicht den Wert auf eine Capri-Nacht.
Sie wollen die Nacht auf den Bus aufpassen. Ihnen macht das nix aus, sagen
sie. Für mich ein Riesenvorteil, da ich unbedingt auf Capri schlafen
möchte. Auf meiner ersten Italienreise erzählte uns der Busfahrer,
dass es verboten sei ohne Übernachtungsmöglichkeiten auf Capri
zu sein, wenn die letzte Fähre schon abgelegt hat. Man würde
verhaftet werden. Schaun wir mal. Also benötigen wir noch einen sicheren
Parkplatz. Unsere Idee: Costa Alta. Wir düsen zum Bungalowdorf und
fragen höflich, ob es möglich wäre, den Bus tagsüber
stehen zu lassen. Etwas widerwillig lässt man uns für 10.000
Lire hinter der Rezeption parken. Recht billig. Bis 19 Uhr muss der Bus
aber wieder verschwunden sein. Die Furcht vor irgendwelchen Napolitanern
hat sich gelegt und wir greifen den Wendepunkt unserer Reise an: Capri.
Mit dem “Nave”, also dem Schiff, ist man zwar ein Weilchen länger
unterwegs, es kostet aber auch ein paar Tausender weniger, als der “Jet”.
Auf der Insel trennen wir uns, das heißt, mehr oder weniger
aus Versehen, verlieren Ralf und ich die anderen zwei. Wir wissen auch
nicht mehr genau, ob wir uns 10 Uhr nächsten Morgen im Sorrenter Hafen
ausgemacht hatten. Handy habe ich auch vergessen. Egal. Wir wandern also
über die Via Krupp, eine romantische Straße, angelegt
vom deutschen Großindustriellen Krupp, sagen wir mal er hat sie finanziert,
jedenfalls geht es über diesen Weg an den kleinen Hafen - “Marina
Piccolo”. Dort angekommen, überkommt uns ein Drang nach einem Bad.
Leider haben wir Badehosen und Handtücher vergessen, was uns aber
nicht von unserem Vorhaben abhält. Und so baden wir halt in unseren
Unterhosen. Getrocknet wird sich in der Sonne, die sich leider kurz darauf
auf der anderen Capri-Seite versteckt. Capri-Sonne halt. So müssen
wir mit nassen Unterhosen leben. Bald darauf brechen Ralf und ich auf gen
Jupitervilla. Erst noch in einen Supermercato und Früchte, Wein und
andere Abendbrotzutaten gekauft, später setzen wir uns noch einmal
auf den Umberto-Platz. Die letzte Fähre hat schon vor einer Weile
abgelegt und so weilen jetzt keine Rucksacktouristen mehr auf der Insel,
abgesehen von uns beiden natürlich. Das Bild was sich uns bietet,
ist von Nobeltouristen, bestimmt. Die Insel gehört wieder den
Reichen und Schönen. Sogar der Dom hat geöffnet, der blöde
2-Stunden-Touri hat keine Chance diesen von innen zu sehen. Wir machen
uns nun endlich auf den Weg zur Villa Jupiter, unserem Schlafplatz. Leider
verlieren wir in den kleinen verwinkelten Gassen die Orientierung. Eine
nette Frau empfiehlt eher den Aussichtspunkt “Punto Canone”. Sie erklärt
uns, dass es noch eine Stunde Fußmarsch bis zu jener Villa wäre
und es nun schon 20 Uhr ist, zu spät also. Sie ahnt ja nicht, dass
wir dort unser Nachtlager aufschlagen wollten. Also keine Villa, dafür
“Punto Canone”. Wir richten uns da also gemütlich ein, essen zu Abendbrot
und leeren noch eine Flasche Wein. Hin und wieder besuchen uns kurz ein
paar Leute, die sich aber nicht lange in unserem “Schlafzimmer” aufhalten.
Die Schlafsäcke werden einfach auf dem Betonfußboden ausgebreitet
und Gute Nacht. Im Halbschlaf registriere ich noch ein paar Menschen, die
sich amüsiert über uns unterhalten.
Dienstag, 25. Juli.
Stehen irgendwann auf und wandern zum Umberto. Von da aus sparen wir
uns einen längeren Fußmarsch und gelangen mit der Seilbahn in
den “Marina Grande”. Wir beschließen uns noch einmal die weltberühmte
blaue Grotte anzusehen. Im Hafen steigen wir für 9.000 Lire in ein
Motorboot und mit diesem werden wir zur Blauen Grotte gebracht, dem Ort,
wo die Abzockerei ihr Zuhause hat. Uns war schon zu Ohren gekommen, dass
die Grotte so 15.000 Lire kosten würde. 9.000 Lire hatten wir
ja schon gelöhnt. Vor dem Eingang der Grotte herrscht ein reges Treiben.
Bei recht hohem Wellengang “durfte” man in ein kleines Ruderboot
umsteigen. Diese kleinen Boote sind für circa zwei Mann plus Gondoliere
ausgelegt, werden aber mit bis zu fünf Personen gefüllt. In diesen
Booten wird man gleich erstmal 15.500 weitere Lire los. 8.000 Lire Eintritt,
sowie 7.500 Lire für den Gondolieren. Rotzfrech empfiehlt er uns ein
Trinkgeld zu geben. Wir lehnen dankend ab. Der Eingang zur Grotte an sich
ist ziemlich klein. So klein, dass unser Gondoliere nicht hindurch rudern
kann, sondern sich an einer Kette in die Grotte zieht. Ralf macht bei diesem
Manöver Bekanntschaft mit des Ruderers Ellenbogen, ich mit der Kette.
Aber wir sind drin. Die Grotte ist nicht sehr groß. Von blauem Wasser
keine Spur, abgesehen von einer winzigen Fläche im Eingangsbereich.
Und wir sind nicht allein. Etwa 20 andere Boote sind auch mit dabei. Brav
reiht sich Boot an Boot im Kreise ein. Einige fahren sogar mehrere Runden,
mit singendem Rudermeister. Dafür eben das Trinkgeld. Wir haben ja,
wie erwähnt kein solches gezahlt und sind mit unserem muffligen und
stummen Ruderer schon nach einer fixen Runde wieder draußen. Schweinerei.
Wieder im Hafen kommt Ralf und mir das große Erwachen. Es ist gegen
11 Uhr , das letzte Schiff ist gerade so weg, das nächste erst
gegen 15.30 Uhr zu erwarten. Und M.+M. warten bestimmt schon in Sorrent
auf uns. Gott sei Dank lassen sich unsere Schiffstickets in Jetkarten umtauschen
und wir so steuern wir Sorrent an. Dort warten schon M.+M. seit ungefähr
9.30 Uhr. Die beiden haben an einer der Ausbuchtungen der bergab nach Sorrent
führenden Straße, an denen die Reisebusse zum Fotoshooting halten,
übernachtet. Deshalb waren die zwei am Morgen auch Objekt der
touristischen Neugierde gewesen. Wir sagen “Ciao” zu Sorrento und reisen
entlang der Amalfiküste. Die Landschaft, besonders die der Küste
ist göttlich, wie aus dem Bilderbuch. Man weiß nicht so recht,
was man denn nun fotografieren sollte. Ein paar Kilometer vor Amalfi nehmen
wir dann noch ein junges polnisches Pärchen auf und bringen es in
diese Stadt, die da wie ein Bienenstock an der Küste hängt. Unterschriften
inklusive. Noch eine kurze Strecke gefahren und wir legen uns erstmal an
den Strand, schließlich muss man schon mal am Strand von Amalfi gelegen
haben. Dort werden wir übrigens von zwei bekifften Mädchen angelacht.
Aber wir haben keine Zeit, ihr Freunde schauen auch schon etwas irritiert,
und so fahren wir weiter. Ich, einer der Rückbankbesatzung, verärgere
noch Ralf, der momentan als Beifahrer-Kartenleser fungiert, als wir nach
meinem Vorschlag durch Benevento fahren und nicht wie er es will drumherum.
Klar, es ist schon ziemlich belastend, wenn der Kartenleser “rechts” befiehlt
und von hinten die Alternativen “geradeaus” und “links” kommen. Aber nach
einer Weile geht es schon wieder. Am Rande eines Feldes haben wir inzwischen
einen Schlafplatz gefunden. Wir futtern noch die von Marcus spendierte
Melone (1.Hälfte) und gehen dann auch bald schlafen. Was mich total
nervt sind übrigens die Fehlzündungen.
Mittwoch, 26. Juli.
Der Tag geht gut los. In aller Herrgottsfrühe hupt uns ein
Bauer wach, dem wir mit unserem Bus den Weg versperrt haben. In Unterhosen
aus dem Schlafsack in den Bus gesprungen und diesen beiseite gefahren.
Wie alle italienischen Bauern bisher, juckt ihn die Wahl unseres Schlafplatzes
herzlich wenig. Nur die Frauen gucken wegen meiner “Anzugsordnung” ein
wenig verwundert. Nach einem opulenten Mahl, oder um mit Ralfs Worten zu
sprechen, einem “exklusiven” Frühstück, geht es weiter
in Richtung L´Aquila. Lassen Avellino hinter uns und durchfahren
die Abruzzen. Es ist hier wärmer als an allen übrigen Orten unserer
bisherigen Reise. Ich halte die Hand aus dem Fenster, aber da ist kein
kühlender Fahrtwind, sondern eher ein heißer Fön. Irgendwann
legen wir einen Stop ein. Mitten in der Pampa, kein Haus ist hier zu sehen.
Keine Motorengeräusche, außer der hin und wieder vorbeikommenden
Fahrzeuge. Wir genießen in einem Waldstück eine Melone. Das
Gelände ist reich an Steinen. Ein Gruppe von kleinen Felsen bietet
sich für ein Fotoshooting geradezu an. Doch es soll nicht irgendein
Shooting sein, nein, es wird das gewagteste Shooting der Reise. Wir
positionieren unsere Kameras
auf die andere Seite der Straße und stellen uns im Adamskostüm
vor besagte Steingruppe. Die wichtigsten Stellen verdecken wir durch einen
Stein. Glücklicherweise kommt kein Auto vorbei, als ich vollkommen
nackt zwischen den Stativen und der Gruppe hin und her renne. Und wieder
einmal geht es weiter, wird der Bus bestiegen. Wir fahren immer noch durch
die Berge der Abruzzen, die nahezu unbewaldet sind. Während der Fahrt
bemerke ich, dass ich Marcus´ Isomattengummi am Rastplatz vergessen
habe, der mir als Stirnband gute Dienste geleistet hat. Marcus vermisst
seine Armbanduhr. Hat sie wahrscheinlich auch dort liegen gelassen. Nach
ein paar Kilometern entdecken wir an einem der Berge das Örtchen Naville
und uns stockt der Atem. Schon aus der Ferne kann man dessen Ruinen erkennen.
Es wird darauf auch gleich eine Besichtigung beschlossen. Als wir die Stufen
zum Gipfel jener Stadt erklimmen, kommen wir aus dem Staunen nicht mehr
hinaus. Der Ort ist wie ausgestorben, es herrscht Totenstille. Die halb
verfallenen Gebäude, niemand vermag zu sagen, wie alt sie sind. Und
sie stehen da, als wär es das Normalste der Welt. Wunderbare alte
Gassen lassen so ein bißchen mittelalterliches Leben erahnen. Es
ist als wäre hier die Zeit stehen geblieben. Nur von fern hört
man die Motorengeräusche der Straße. Ganz selten sieht man mal
eine Menschenseele. Hierher verirrt sich bestimmt kaum ein Tourist. Total
fasziniert steigen wir wieder hinab und kehren in die hiesige Dorfkneipe
ein. Dort findet sich Marcus´ Uhr wieder. Markus und Ralf haben
sie noch vor Abfahrt von unserem Rastplatz entdeckt und mitgenommen. Nur
weiß Marcus davon noch nichts, die Uhr wird in seiner Waschtasche
versteckt. Wir freuen uns schon auf seinen verwunderten Blick,
wenn er sie bei der Morgentoilette entdecken wird und sich die Frage stellt,
wie die da wohl hingekommen sein mag. Später verlassen wir diesen
geheimnisvollen Ort und erreichen nach etlichen Kilometern unser nächstes
Ziel: L´Aquila. Getreu unserer Devise. “Learning by Verfahring” fahren
wir einfach rein und schauen was da so los ist in L´Aquila. Als wir
durch eine extrem enge Gasse fahren geht es plötzlich nicht mehr weiter.
Ein Transporter vor uns möchte gern zurückstoßen, da die
Straße durch eine Baustelle nicht durchfahrbar ist. Dummerweise haben
es die italienischen Bauarbeiter versäumt ein Sackgassenschild aufzustellen.
Uns so rammeln alle hinein und nach etlichen, knappen Wendemanövern
auch wieder heraus. Doch wir besitzen kein so wendiges, kleines Automobil,
wie der Rest, sondern einen voluminösen T2. Ralf versucht also zu
wenden und wie die anderen Autofahrer rückwärts die Gasse raus
zu fahren. Aber ein Wagen ist so genial geparkt, dass dieser Plan aufgegeben
werden muss. Frustriert überlässt Ralf Markus das Steuer. Dieser
versucht nun eine noch viel kleinere Nebengasse im Rückwärtsgang
zu bewältigen. Eine derart knappe Millimeterarbeit habe ich auch noch
nicht erlebt. Links parken Autos, rechts stehen die Häuser, in der
Mitte wird der Bus rangiert. Es passt kein Blatt Papier mehr dazwischen.
An einer Stelle ist es so eng, dass unser Reifen an dem Spritzlappen eines
der parkenden Autos schleift. Selbst den zuschauenden Italienern, den Einparkteufeln
schlechthin, ist die ganze Aktion nicht ganz geheuer. Schließlich
trennen uns nur noch wenige Meter von der rettenden Breite des hinter uns
liegenden Platzes. Um ein Haar hätte noch unser rechter Außenspiegel
dran glauben müssen, als die Wand näher kam als geplant. Doch
alle Mühen waren vergeblich, eine kleine Kurve macht die Gasse für
uns doch noch unpassierbar. Jetzt heißt wieder vorwärts. Mit
der gleichen Maßarbeit kämpft man sich wieder zurück. Einige
Liter Schweiß und einige Meter Nerven später haben wir
es dann geschafft uns frei zu bekommen. Schnell wird das Auto geparkt,
brav warten die drei Guys ab bis Tobias seine sieben Sachen beisammen hat
und schon ziehen wir durch L´Aquila. Als fast erste Amtshandlung
besuchen wir wieder einmal einen Supermercato. Damit wir auch wirklich
ein paar Kilo zu schleppen haben, wenn wir durch die Stadt laufen. Ein
erhebendes Gefühl mit sechs 1,5 Literflaschen Wasser auf dem Rücken
durch die Stadt zu latschen. Aus diesem schwerwiegenden Grund setzen wir
uns auch nur auf den Marktplatz und beobachten die Menschen. Haben kleinen
Blickkontakt mit ein paar Mädchen, amüsieren uns köstlich
als einer Passantin ihre Eiswaffel zu Boden geht und kehren L´Aqulia
dann schon wieder den Rücken. In Richtung Rieti geht es nun, es ist
aber schon wieder an der Zeit sich einen Schlafplatz zu suchen. Zum Abendbrot
gibt es diesmal Suppe, dazu wird Wein genossen. Marcus ist immer
noch nicht in Besitz seiner Uhr.
Donnerstag, 27. Juli.
Wir reiten von unserem Schlafplatz aus nach Assisi. In berühmten
Stadt gibt es herrliche Fotomotive. Besucht wird auch die weltbekannte
Basilika des heiligen Franziskus. Eine verschlossene Tür neben dem
Eingang erweckt meine Neugier. Schon sind Marcus und ich in der Krypta,
die eigentlich wegen Bauarbeiten geschlossen ist. Wir beschauen uns die
dort gelagerten Grabplatten oder was das darstellen soll. Von uns unbemerkt
ist uns eine ganze Horde von Touristen nachgeschlichen, so dass die Bauarbeiter
böse werden und uns rausschmeißen. Nach dem Genuss einer Mittagspizza
wenden wir uns nun Richtung Perugia. Dort hoffen wir auf Maria Sole zu
treffen, jenes Mädchen von der Insel Monte Argentario. Alles, besonders
aber Ralf, hofft sehr auf eine Duschgelegenheit. Nach ein paar Tagen ohne
diese fühlen wir uns ein wenig unhygienisch, wir wollen nicht sagen,
dass sich schon ein gewisser herber Duft einstellt. Nach stundenlangem
Hin und Her durch die gepflegte Stadt, nach dutzenden Anlaberaktionen
finden wir die Adresse. Ralf hat schon wieder negative Erfahrung sammeln
müssen. Eine Seniorita, deren Auskunft er begehrte, flüchtete
mit schnellen Schritten. Aber wir haben richtig Pech. Maria ist gerade
in Tunesien, wie uns der Nachbar erzählt. Die Stimmung sinkt auf den
Nullpunkt, zumindestens bei unseren Duschfanatikern. Ralf will jetzt unbedingt
an den westlich von Perugia gelegenen See fahren. Wir zwingen uns aber
dann doch gleich an die Ostküste zu donnern. So wird Perugia verlassen
und nach einem Gewaltsmarsch erreichen wir noch am selben Tag Ancona, beziehungsweise
Sirilo, südlich davon. Markus ruft noch mal kurz zu Hause an, sein
Vater hat heute seinen 50sten Geburtstag. Stinkend und verschwitzt rennen
wir noch durch das Adriadorf in dem gerade eine Art Volksfest stattfindet.
Bis auf Ralf, der mit Anne telefonieren will, versuchen wir drei uns noch
eine Pizza zu besorgen. In einer Pizzeria verlangen wir drei Pizzen zum
mitnehmen. Zum Mitnehmen ist nämlich billiger, man zahlt keine Coperti.
Jedoch ist man in dieser Pizzeria so eine Bestellung nicht gewohnt, hat
demzufolge auch keine derartigen Verpackungsmaterialien. So erhalten wir
unsere Mahlzeit dann in einem Platikbeutel. Gesättigt, abgesehen von
Ralf, aber immer noch dreckig, geht’s dann in die Saccos. Schlafplatz ist
diesmal ein durch den Bus abgetrenntes Dreieck im Einfahrtsbereich einer
Kreuzung. Untergrund: Asphalt. Die Emotionen gehen wieder zurück,
zuvor war es zu kleinen Meckereien gekommen. Kein Wunder, schließlich
waren wir ja so lang wie noch nie auf Achse, Marcus saß fast zehn
Stunden am Steuer.
Freitag, 28. Juli.
Nach einer etwas härteren Nacht, wache zumindest ich mit einem
knurrenden Magen auf. Ein altes Muttchen erklärt uns, dass wir
ziemlich mutig seien an dieser Stelle zu nächtigen. Ohne Frühstück,
Ralf hat jetzt seit 24 Stunden nichts gegessen, soll es nun an die Adria
gehen, um endlich Dreck und Gestank loszuwerden, der an uns schon seit
Amalfi haftet. Dort haben wir das letzte Mal Wasser an uns gelassen. Den
ersten Strand lassen wir wegen des überfüllten Parkplatzes links
liegen. Schade, da er leicht zugänglich war. Beim zweiten Versuch
haben wir scheinbar mehr Glück. Ein Parkplatz ist nämlich sehr
schnell gefunden. Wir stehen auf einer Klippe, der Strand naturgemäß
am unteren Ende. Wir wandern los. Ausgehungert. Mir fällt ein, dass
ich noch etwas vergessen habe, laufe zurück zum Bus. Dann den Anderen
hinterher. Der Weg zum Strand ist die Hölle. Eine relativ glatte Oberfläche
mit feinen Staub verpflichtet nahezu zum Ausgleiten. Nach einigen Beinahe-Unfällen
gelingt mir das dann auch. Ich liege im Dreck, die Schulter schmerzt ein
wenig. Doch weiter geht’s, immer weiter. Immer neue Kurven verlangen meine
volle Konzentration. Irgendwann und irgendwie komme ich dann doch unten
an. Mit M.+M., die unten auf mich gewartet haben, stürzen wir uns
in die salzigen, aber dennoch kühlenden und vor allem reinigenden
Fluten. Ralf ist uns irgendwie abhanden gekommen. Ich schwimme also, immer
noch ausgehungert, den ganzen Strand ab und finde ihn schließlich
keinen Steinwurf von den Toiletten und Duschen entfernt. Na klar, wo sonst.
Man hätte gleich da suchen müssen. Aber auch ich möchte
nach zwei Tagen ohne WC, diesem hier einen Besuch abstatten. Die Toiletten
sind das Paradies, nirgendwo in Italien gibt es schönere. Wir haben
schon verschiedene Modelle erlebt. Mit Brille und ohne Brille, aus Metall
oder Keramik. Aber noch nie hatten wir Brille und Deckel zusammen.
Und dazu ausreichend Papier, der Raum nett gefließt. Und das ganz
unvermutet an einem Strand. Als ich jedoch mein Geschäft hinter mir
habe und erleichtert die Spülung betätige, passiert das wovor
sich jeder Mensch am meisten fürchtet. Der Abfluss ist verstopft.
Dem zu folge steigt das Becken bis oben hin an. Selbst Rettungsversuche
mit der Klobürste bewegen nichts. Was das Becken für einen Anblick
bietet, werd ich dem Leser lieber ersparen, wie gesagt ich war vor zwei
Tagen das letzte Mal auf einem WC. Ich verlasse ruhig die Toilette und
lege mich wieder zu Ralf. Das Problem scheint sich behoben zu haben, da
viele Menschen nach mir die Toilette nutzen und das ziemlich lange. Keiner
rennt vom Ekel ergriffen wieder heraus. Nachdem ich den Rest der
Gruppe zu uns geholt habe, geht es, immer noch ausgehungert und in sengender
Hitze, den Folterberg wieder hinauf. Total verschwitzt komme ich oben an.
Und wofür habe ich jetzt gebadet ? Wir fahren los. Ein paar hundert
Meter weiter weist uns dann ein freundlicher Autofahrer auf unsere offene
Heckklappe hin. Zum Glück haben wir gut gepackt und so lag nur
ein T-Shirt auf der Straße. Nachdem wir uns in einem Supermercato
mit allem zum Überleben nötigem eingedeckt haben, zelebrieren
wir auf einem Parkplatz, neben einer Bahnstrecke, ein tolles 2 1/2
- Stunden-Frühstück. Obwohl man die Mahlzeit schon nicht mehr
als Frühstück bezeichnen kann, da es sich von 16 Uhr bis 18.30
Uhr streckt. Nach diesem exklusiven Mahl und einer intensiven Unterhaltung
über die Beziehung der einzelnen Gruppenmitglieder zu Frauen (Weiberheld
ab 20 Frauen), legen wir ab in Richtung Rimini. Über eine sogenannte
Panoramastraße von Pesaro nach Cattolica geht es durch eine sehr
schöne Landschaft. Links erstreckt sich eine wundervolle Hügellandschaft,
rechts hat man Blick auf´s Meer. In dem Badeort angekommen, bricht
über diese Touristenanlage ein Unwetter herein. Es regnet, stürmt
und blitzt was das Zeug hält. Wir freuen uns schadenfroh über
die Touris, die in ihren kleinen Pedalmobilen unterwegs sind. Rimini ist
völlig überlaufen, wir sind aber eher ruhigere Orte gewöhnt.
Nirgends haben wir bisher auch soviel Deutsche auf einem Haufen gesehen.
Etwas außerhalb suchen wir einen Platz zum Schlafen und werden an
einem riesigen Strohhaufen fündig. Der Regen hat sich inzwischen eines
besseren besonnen und lässt uns in Ruhe. Aber, hält das auch
die ganze Nacht ? Wir sind uns nicht ganz sicher, nach einigen Diskussionen
wird dann schließlich wenigstens das Überzelt aufgebaut. Minimaler
Schutz gegen den Regen ist also gewährleistet. Wegen der hohen Regenwahrscheinlichkeit
muss das geplante Spaghettifestmahl leider verschoben werden. Wir ziehen
uns in den Bus zurück und laben an uns an Haferflocken. Gott sei Dank
fehlt es nicht an Milch, Zucker, usw. Merkwürdig, immer wieder sehen
und hören wir Autos auf der anderen Seite des Heuhaufens. Zuerst denkt
man ja an einen Bauern der uns vertreiben möchte. Aber alle Autos
fahren nach einer gewissen Zeit wieder ab. Nach einigen harten, teilweise
sehr persönlichen Diskussionen geht es dann ins Bett, bzw. in die
Saccos. Es scheint manchmal, als wären wir alle stinkige Hyänen,
die bei einer Schwäche des anderen, sofort übereinander herzufallen,
nicht abgeneigt sind. Es ist bei jeder Kleinigkeit darauf zu achten, dass
sich der andere nicht vor Beleidigtsein einpisst. Wenn ich daran
denke, dass wir inzwischen ein nicht geringes Gefühl von Zusammengehörigkeit
und Einsicht entwickelt haben und Urlaubsstimmung im Grunde schon vorhanden
ist, wundere ich mich, wie wir es am Anfang der Reise überhaupt miteinander
ausgehalten haben.
Samstag, 29. Juli.
Die Nacht war gut und vor allem trocken, es herrscht schon wieder heiterer
Sonnenschein. Marcus will mitten auf dem Stoppelfeld seinen Brenner anwerfen,
wovon wir ihn mit Verweis auf die Situation in Pisa abhalten. Wir verlagern
unseren Frühstücksort auf die andere, feuersicherere Seite des
Heuhaufens. Was wir gestern im Dunklen nicht sehen konnten, zeigt sich
uns jetzt. Der Boden ist übersät mit benutzten Kondomen, deswegen
auch die ständig an- und abfahrenden Autos. Nutten gibt es hier sehr
viele. Sie stehen fast überall, selbst an den entlegensten Stellen
sind sie zu finden. Trotz alledem lassen wir uns unser Frühstück
auf diesem Platz schmecken. Kurze Zeit später ist es dann soweit,
wir baden an dem legendären Strand von Rimini. Vom Wasser hatte man
sich allerdings mehr erhofft. Es ist wirklich nicht das sauberste, man
kommt aber damit klar. Es muss gut sein, Tausende von blöden Touristen
können ja nicht irren. Wir wollen dann gerade den Strand verlassen,
als wir von einem halbstarken Italiener mit Machtfunktion darauf hingewiesen
werden, dass wenn wir weiter diesen Platz genießen wollen, ein Liegemöbel
für 8.000 Lire unbedingt notwendig sei. Wir machen ihm unsere Aufbruchsstimmung
klar und ersparen uns damit eine Drohung mit Platzverweis. Gebadet und
gebräunt fahren wir nun ins Ausland, nach San Marino. Dieser Stadtstaat
erweist sich als einziges Parkdeck. Und wir als faule Camper fahren
natürlich bis auf das oberste Deck. San Marino ist wirklich wunderschön.
Da die Stadt, wie wir glauben alle Einnahmen durch Tourismus und Steuern
für sich behalten darf, war es möglich Burg und Basilika vollständig
zu erhalten. Als wir den Turm der Burg erklimmen, muss Marcus seine Höhenangst
überwinden, was ihm auch gelingt. Oben im Turm ist Zeit für ein
geniales Fotoshooting. Ralf hat schließlich sein Stativ nicht umsonst
mit hoch geschleppt. Von der Burg aus hat man auch einen guten Blick auf
die Wahnsinnslandschaft. Man sieht das Meer, aber auch
Landschaft, die mich an Gemälde aus den Alten Meistern
erinnert. Wieder festen Boden unter den Füßen besuchen wir erst
die Basilika und danach ein Sportwaffengeschäft. Oder sollte man eher
Spielzeugpistolenladen sagen? Der Verkäufer, ein verkannter Elitesoldat,
fängt sofort an verschiedene Modelle zu erklären und ein paar
Probeschüsse abzugeben. Aber wir sind friedliche Leute und erstehen
nur einen Laserpointer, Taschenmesser und Souvenirs. Ciao San Marino, hello
Padua. Aber erstmal aus San Marino raus. Wir fahren los und bekommen routinemäßig
irgendwann Hunger. Wir beschließen noch bei Tageslicht zu essen und
dann noch ein paar Kilometer zu schaffen. Heute soll es dann endlich die
geplanten Spaghetti geben, endlich mal was Warmes. Doch leider haben wir
es vergessen unsere Wasserbehälter aufzufüllen. Zum Glück
gelingt es uns durch Zusammenschütten von allen Resten der 15 an Bord
befindlichen Wasserflaschen genügend Wasser zu sammeln. Essen gerettet.
Nur der Aufwasch muss sich gedulden. Wie fahren weiter, finden auch bald
einen Wasserhahn an dem die Behälter gefüllt werden. Alles super,
alles wunderbar. Ein Schlafplatz ist nämlich auch gefunden. An einer
Straße, wo wahrscheinlich niemals jemand lang fährt.
Sonntag, 30. Juli.
Geweckt werden wir am Morgen durch einen Hahnenschrei. Was kann es
schöneres geben? Die Straße hat sich übrigens als sehr
belebt herausgestellt. Ständig fuhr irgendein Auto. Da wir den Abendabwasch
von gestern noch zu erledigen hatten und durch den normalen Frühstückswasserverbrauch
sind unsere Wasservorräte fast schon wieder aufgebraucht. Um nicht
noch einmal Engpässe zu erleben, werden die Kanister und Flaschen
noch vor der Durchfahrt durch Ravenna aufgefüllt. Zum Glück gibt
es ja an nahezu jeder Tankstelle einen Wasserhahn. An einer Agip-Tankstelle
holen wir uns das kostbare Nass. Als Beweis für unsere Fahrt durch
Ravenna kaufen wir dort schnell ein paar Postkarten. Schwierig an einem
Sonntag einen offenen Tabacchi zu finden. Wir befinden uns nun auf dem
Weg nach Padua. Unterwegs werden noch schnell zwei Melonen gekauft, das
Kilo kostet an dem Straßenstand nur schlappe 500 Lire. Kurz nach
Chioggia legen wir dann eine Rast ein. Nachdem wir die Melonen verspeist
haben und noch ein paar Schlucke vom Wasser zu uns nehmen, merken wir,
dass unser edles Agip-Wasser einen ekelhaften Beigeschmack hat. Wahrscheinlich
Motorenöl. Und so können wir unsere gesamten Vorräte der
Natur übergeben. Mit dem wenigen was uns noch bleibt erreichen wir
Padua. Da wir Sonntag haben, wirkt die Stadt nicht gleich wie ausgestorben,
es ist aber im Vergleich mit anderen Städten, angenehm ruhig. Nach
einer Stippvisite beim Gottesdienst der Basilika lassen wir uns auf einer
zentral gelegenen Wiese nieder. Markus und ich suchen eine Toilette auf.
Die öffentliche Toilette wartet hier mit einer beeindruckenden Funktionsweise
auf. Man wirft 500 Lire ein, worauf sich automatisch die Tür öffnet.
Nun kann man eintreten und hat für seine Bedürfnisse 15 Minuten
Zeit. Danach öffnet sich die Tür wiederum automatisch. Durch
eine rote Lampe wird man aber informiert, wann die letzten drei Minuten
begonnen haben. Papier gibt’s auf Knopfdruck. Wie sich herausstellt aber
nur rationiert. Nach fünfmaligem Betätigen des Knopfes ist Feierabend.
Ein kleines Problem, wenn man schon drei Knopfdrücke zur Trockenlegung
des Beckenrandes benötigt. Bei mir ist toilettenmäßig alles
ideal. Nur bei Markus gibt es Probleme. Die Tür will sich partout
nicht schließen, obwohl er schon drin steht. So steigt er also
wieder heraus. Die Tür schließt sich nun und zeigt “Besetzt”
an. theoretische Wartezeit: 15 Minuten. Aber wie Markus so wartet, öffnet
sich die Tür nach zehn Sekunden ein zweites Mahl. Durch die unberechenbaren
Öffnungsrythmen verunsichert, benötigt er letzten Endes nur zehn
Sekunden, statt der möglichen 15 Minuten. In der Zwischenzeit werden
Ralf und Marcus von einem Junkie um ein bißchen Kohle angebettelt.
Das Betteln ist in Italien, besonders in den Touristenhochburgen, stark
verbreitet. Überall sieht man Frauen mit Kindern auf dem Arm, die
einem den Arm entgegenstrecken, altes Omas und Behinderte wollen auch etwas
abbekommen. Für den Außenstehenden ist es sehr schwer nachzuvollziehen,
was nun Schein, was Sein ist. Nach ungefähr zwei Stunden Padua nehmen
wir nun mit Venedig die letzte Station unserer Reise in Angriff. Ausgangspunkt
für die Venedigerkundung soll der Campeggio in Fusina sein. Alle Klarheiten
beseitigt, als wir auf unsere Anmeldung, ohne Zelt, erstaunte Blicke
ernten. Ich telefoniere übrigens auch mit Zuhause. Am Abend schlachtet
die Gruppe dann die zweite Melone. Später gesellen wir uns zu zwei
Engländerinnen, die ihr Zelt direkt neben uns aufgeschlagen haben
und unterhalten uns über Gott und die Welt, spielen ein wenig Gitarre.
Ich glaube ich werde Ina Frenzel noch eine Karte schreiben, dass die Mädchen
von unserem Englisch total begeistert sind.
Montag, 31 Juli.
Nach einem exzessiven Frühstück wollen wir endlich in die
Lagunenstadt. Wir entscheiden uns für den Bus, da eine Fahrt mit der
Fähre gleich mit 15.000 Lire zu Buche schlagen würde, der Bus
aber nur ein Fünftel kostet. Gemächlich brechen wir auf und müssen
zusehen, wie uns der Bus vor der Nase wegfährt. So warten wir noch
eine Stunde bei den englischen Ladies. Mit dem nächsten Bus haben
wir dann mehr Glück und sind wenig später in der Lagunenstadt.
Schnell gucken wir uns die Rialtobrücke und den Markusplatz an und
latschen dann einfach so durch Venedig. Ein Foto vom Canal Grande entpuppt
sich als langwierige Angelegenheit. Da ich später keine Motorboote
mit auf dem Bild haben möchte, warte ich eine halbe Stunde geduldig
bis für einen Augenblick nur Gondeln zu sehen sind. Venedig ist übrigens
nicht das Dreckloch, als das es so oft bezeichnet wird. Das können
auch die Erst-Venedig-Besucher bestätigen. Unter Marcus´ Führung
finden wir sogar noch ins jüdische Ghetto, wo wir auch ein paar Juden
zu Gesicht bekommen. Natürlich waren wir auch in einem venezianischen
Supermercato ( auch Alimentari genannt) und haben viele schöne Sachen
zum Durch-Die-Gegend-Tragen gekauft. So müssen wir nach der anstrengenden
Stadttour wenigstens nicht darben und essen leckere Spirelli. Wie eigentlich
jede Mahlzeit, so endet auch diese in einer Diskussion. Heute reden und
argumentieren wir aber ausnahmsweise über ein ernsteres Thema und
zwar Kirche und Glauben. Eines der beiden englischen Mädels lauscht
aufmerksam der immer lebhafter und lauter werdenden Diskussion. Man könnte
meinen, sie versteht über was wir uns unterhalten. Tut sie auch, die
Worte Jesus, Bibel und Kirche hat sie verstanden. Ich verlasse unsere Talkrunde
und setzte mich zu ihr. Und auch wir fangen an von unserem Glauben zu erzählen
und sind beide froh sagen zu können: “ I believe.” Später gesellen
sich auch noch Marcus und Ralf dazu und es wird sich noch bis gegen vier
Uhr unterhalten.
Dienstag, 1. August.
Die zwei Engländerinnen brechen ihre Zelte ab, sie Wollen weiter
nach Florenz. Mit dem Zug und dem schweren Rucksack auf dem Rücken.
Alle Achtung. Aber wir bekommen noch ihre Unterschriften auf die T-Shirts
und es werden ein paar Fotos geschossen, bevor sie uns endgültig verlassen.
Wir widmen uns nun wieder unseren eigenen Dingen, für Markus und mich
heißt das vor allem sich ausgehfertig zu machen. Wie von Anfang an
geplant spazieren wir im schwarzen Anzug durch Venedig. Barfuss, versteht
sich. Die zwei anderen, besonders Marcus scheinen unsere Aufmachung zu
tolerieren, finden es aber irgendwie suspekt. In Venedig leisten wir uns
dann alle ein Tagesticket für den Bus, d.h. für den ständigen
Schiffverkehr der Stadt. Mit 18.000 Lire ist es sogar noch relativ billig.
Zum Vergleich: eine Eintrittskarte für das Kolosseum kostet schon
10.000 Lire. Wir besuchen unter anderem den Friedhof und die Gondelwerft
in der laut Reiseführer gerademal fünf Gondeln pro Jahr hergestellt
werden. Marcus hat wieder die Führung übernommen. Mit dem Stadtplan
vor der Nase kann nichts schiefgehen. Denkt man. Eine gewisse Stufe scheint
jedoch nicht verzeichnet gewesen zu sein,
Marcus rennt dagegen und erntet dafür das Gelächter
der restlichen Truppe. Markus und ich erregen immer wieder Erstaunen durch
unsere Kleidung. Der Kiefer sackt dann aber beim Anblick unserer
nackten Füße gänzlich nach unten. Irgendwann trennen Markus
und ich sich von den anderen und lassen sich in einem der vielen Straßenrestaurants
nieder. Beide bestellen wir ein Hähnchen und ein Glas Wein. Zusammen
mit extremen Venezia-Feeling macht das bitte 50.000 Lire. Das Hähnchen
ist zwar nur ein Viertel von einem ganzen und dazu nicht einmal richtig
warm; Beilagen gibt es auch keine. Aber es ist uns die Sache durchaus wert.
Wir schlendern gemütlich zum Bus, an dem schon die beiden anderen
auf uns warten. Wieder auf dem Campingplatz angekommen, finden wir unsere
Schlafstelle relativ zugeparkt vor. Dort, wo vorher das kleine Zelt der
Mädels gestand, thronen jetzt zwei Wohnmobile. Macht aber nix, da
wir morgen sowieso abreisen werden. Von den zwei Töpfen mit Nudeln
geht heute Abend nur einer weg. Den Rest können wir leider nur noch
fortwerfen. Die drei Guys führen schon wieder eine ihre legendären
Diskussionen. Zum Ausklang des Abends könnte man sich mal betrinken.
Wir werden sehen.
Mittwoch, 2.August.
Müssen heute Abschied nehmen, Abschied von Venedig, der Wärme,
den romantischen Nächten unter freiem Himmel und dem kleinen Hund,
der sich an den vergangenen Abenden öfters bei uns sehen ließ.
Die letze Nacht hat er sich an meinen Schlafsack kuschelnd mit uns verbracht.
Abschied nehmen natürlich auch vom Mittelmeer. Nach einem gemütlichen
Frühstück fahren wir los in Richtung Bolcano. Es dauert nicht
lange und schon sind die Alpen zu sehen. Mir wird klar, dass die Reise
durch mein Italien jetzt eigentlich zu Ende ist, obwohl wir noch nicht
zurück in Sohland sind. Wir stehen im Moment irgendwo in der Nähe
von Kaltern. Es stürmt und regnet. Schon jetzt vermisse ich die wunderbaren
letzten drei Wochen. Ciao Italia, wir sehen uns wieder. Nach dem totalen
Regenguss finden wir einen Platz, der uns fürs Abendbrot geeignet
erscheint. Schlafplatz wollen wir aber noch einen besseren suchen. Die
Frage, welche Tütensuppen wir denn miteinander kombinieren wollen,
entwickelt sich zu einer heißen Diskussion. Nach mehreren, äußerst
demokratischen Wahlversuchen einigen wir uns auf eine Mischung aus Gulasch-,
Tomaten- und Buchstabensuppe. Streit gibt es als unsere Gefäße
nach Spülmittel schmecken. Plötzlich laufen zwei Mädchen
an unserer Futterstelle vorbei. Unsere plumpen Baggerversuche werden eiskalt
ignoriert. Das finden wir natürlich gar nicht so toll und so fahren
Markus und ich ihnen hinterher, stellen sie, trotzen der Slowakin und Ungarin
noch acht Unterschriften ab und als Kavaliere alter Schule schaffen
wir sie noch bis in ihr Quartier. Zurück bei den Zweien gibt’s erstmal
unseren leckeren Tütensuppen-Mix. Marcus findet den überhaupt
nicht toll, aber mit viel Brot übersteht auch er die Mahlzeit. Der
Plan uns nach einem anderen Schlafplatz umzusehen wird aus zeitlichen Gründen
fallen gelassen. Wir übernachten also auf einer Art Baustelle, das
letzte Mal unter freiem Himmel. Der Regen hat schon eine ganze Zeit nachgelassen,
bzw. aufgehört, wir erwarten, dass es so bleibt.
Donnerstag, 3. August.
In den frühen Morgenstunden werde ich von einem rangierenden Baufahrzeug
geweckt. Per Handbewegung frage ich ihn, ob den Platz verlassen sollen,
aber er winkt ab. Und so schlafen wir seelenruhig weiter, bis es passiert.
Ein riesiger Betonmischer stößt rückwärts auf
“unseren” Platz. Dabei stört ihn weder der noch gedeckte Abendbrottisch,
noch der Brenner von Marcus. Sie scheinen uns überhaupt nicht zu bemerken.
Dann entledigt sich das Ungetüm seiner Fracht, nur Meter neben dem
schlafenden Marcus. Wir schrecken hoch, werfen alles nur ganz schnell in
den Bus und ergreifen die Flucht. Fürs Frühstück wird halt
ein anderer Platz gesucht. Weiter geht’s durch die Alpen. Nebel und Regen
und Kälte. Ekelhaft. Keine Sonne, kein klarer Himmel nichts. An der
italienisch-österreichischen Grenze gabeln wir noch ein italienisches
Pärchen auf. Elio und Fro sind auf dem Weg nach Berlin. Wir nehmen
die Medizin- und Astronomiestudenten bis nach Rosenheim mit. Wir lachen
viel, unterhalten uns in Englisch. Am dortigen Bahnhof besorgen wir
ihnen noch einen genauen Fahrplan von München bis nach Berlin. Das
hat wahrscheinlich Eindruck gemacht, denn die zwei wollen uns zum Abschied
Geld schenken. Das wurde natürlich energisch zurückgewiesen.
Nicht zuletzt wegen der freundlichen Aufnahme in Italien. Lediglich unsere
T-Shirts mussten unterschrieben werden. Nach der Verabschiedung der beiden
fahren wir noch schnell mal den Hof von Haagers an. Ein Kurzbesuch ist
Pflicht, zumindestens für Markus. Später erwartet uns ein überreichliches
Abendmahl bei Markus´ Verwandtschaft. Nach Essen, Bier und
Wein verbringen wir nach 3 1/2 -Wochen im Schlafsack die Nacht in einem
richtigen Bett. Allerdings verspüre ich einen starken Drang nach den
Nächten unter sternenklarem Himmel und nach Sonne, denn davon gibt
es hier herzlich wenig. Dafür um so mehr Regen.
Freitag, 4. August.
Heut früh gibt es ein üppiges Frühstück mit allem,
was das Herz begehrt. Nach langer Zeit kann man sich wieder einmal Butter
auf die Semmel schmieren. Meine drei Guys sind glücklich. Auch ich
bin nicht böse über das leckere Mahl. Am Vormittag düsen
wir schnell noch nach Erdingen um noch ein Geschenk für das Geburtstagskind
zu besorgen, bei dem wir dann am Abend eingeladen sind. Außerdem
erstehen wir noch ein zwei Blumensträuße. Einen für Markus´
Oma , den anderen als kleines Gastgeschenk für Familie Haager. Gerade
eben sind wir auf dem Weg zu ihnen. Die Haagers sind nun wirklich die letzte
Station auf unserer Reise. Nicht mal die Lieder von Adriano Celentano können
meinen Ärger über das miese Wetter vertreiben. Markus hat übrigens
die Adressen der Freisinger Mädels verloren. Hat er wirklich Angst,
dass ich mir den Bus schnappe und zu den Gören fahre? Irgendwann am
Nachmittag kommen wir auf dem Hof an. Wandern noch ein bißchen durch
Thal, sitzen auch auf der Rentnerbank vor dem Haus. Später geht es
dann auf die Geburtstagsparty. Der Altersdurchschnitt ist hier ziemlich
hoch, zumindest für uns. So halten sich alle, bis auf Fahrer Marcus,
an das vorhandene Bier. Das zeigt dann auch seine Wirkung. Markus hat Probleme
eine Flasche Weizenbier mit dem Feuerzeug zu öffnen. Nach mehrfachen
Versuchen stellt er die Flasche ziemlich schroff auf den Tisch. Der nächste
Versuch sitzt und das Bier dehnt sich natürlich weit über die
Flasche aus. Im Laufe des Abends wird dann noch Maria dazugeholt. Tja,
und irgendwann geht’s ins Bett, nicht mit Maria, sondern bei Haagers. Als
Bett dient mir doch noch mal der gute, alte Schlafsack, da nur Betten für
drei Mann vorhanden sind. Aus Solidarität schläft auch Marcus
in seinem Sacco.
Samstag, 5. August.
Wieder beginnen wir den Tag mit einem leckeren Frühstück,
nach dem Mittag setzen wir uns noch ein wenig auf die Rentnerbank. Nachher
fahren wir dann noch nach München ins Kino. Mit von der Partie ist
neben Irmis Schwester Vroni auch wieder Maria. Im Kino läuft “Grand
Canyon”, der mit tollen Bildern und einer, für den Magen ein bißchen
hektischen, Kameraführung aufwartet. Wie schon auf der Hinfahrt enthalte
ich mich auch retour dem ewigen Kreisen der Lambruscoflasche. Zuhause angekommen
erwartet uns ein herrliches Mahl mit warmen Leberkäse. Nach einer
länger dauernden Diskussion um die Farbe Blau geht es dann auf das
Dorffest. In einer scheunenartigen Veranstaltungshalle spielen die Trojaner,
in der Irmi singt. Und sie spielen sehr gut, vor allem der Backgroundgesang
begeistert total. Nach ein paar Gläschen Sangria, einigen tollen Tänzen
mit, zum Teil, wunderschönen Mädchen, nach einem Wiedersehen
mit Monika, die gerade aus Kroatien zurückgekehrt ist und nach einem
klärenden Gespräch mit Maria, schlafen wir die letzte Nacht unseres
legendären Urlaubs.
Sonntag, 6. August.
Gegen 10 Uhr ist dann auch diese Nacht vorrüber, schnell noch
geduscht und ein letztes Frühstück schmecken lassen, noch ein
paar Unterschriften von Irmis Brüdern Andreas und Leo auf unseren
Shirts, dann ist es soweit. Wir besteigen unseren Bus und auf´ geht´s
in Richtung Heimat. M.+M. schlafen sich auf den hinteren Plätzen aus,
Ralf und ich genießen den Münchener Stau. Viele ermüdende
Fahrstunden später ist Bautzen in Sicht. Wir raffen uns zu einer letzten
Diskussion auf. Ich möchte nämlich die Reise so beenden, wie
wir sie begonnen haben und deshalb dem Hardliner einen Besuch abstatten.
Besonders Marcus, der früh in der Firma seines Vaters auf der Matte
stehen muss, hat etwas dagegen. Ich kann sie aber dann doch noch überzeugen
und so verweilen wir noch eine Viertelstunde bei Annette.
Wenig später erreichen wir nach genau 4 Wochen, 5523 Kilometern,
circa 550 Litern Benzin und etlichen Diskussionen das heimatliche Sohland.
Ich fühle mich erschöpft, dennoch aber glücklich, obwohl
ich Italien sehr vermisse.
Das war sie also, die Reise von Ralf Herzog, Marcus Thiemann, Markus
Kretschmar und Tobias Schilling durch einen großen Teil Italiens,
die für mich schon immer ein Traum war, den ich mir jetzt erfüllt
habe. Wir danken Gott, dass wir alles erreicht haben, unverletzt geblieben
sind (mehr oder weniger) und keine größeren Probleme hatten.
Und ich kehre zu dir zurück, Italien. Wann und Wie ? Wer weiß. |