Wir stehen im Moment irgendwo in der Nähe von Kaltern.
Es stürmt und regnet. Schon jetzt vermisse ich die wunderbaren letzten
drei Wochen. Ciao Italia, wir sehen uns wieder. Nach dem totalen Regenguss
finden wir einen Platz, der uns fürs Abendbrot geeignet erscheint.
Schlafplatz wollen wir aber noch einen besseren suchen. Die Frage, welche
Tütensuppen wir denn miteinander kombinieren wollen, entwickelt sich
zu einer heißen Diskussion. Nach mehreren, äußerst demokratischen
Wahlversuchen einigen wir uns auf eine Mischung aus Gulasch-, Tomaten-
und Buchstabensuppe. Streit gibt es als unsere Gefäße nach Spülmittel
schmecken. Plötzlich laufen zwei Mädchen an unserer Futterstelle
vorbei. Unsere plumpen Baggerversuche werden eiskalt ignoriert. Das finden
wir natürlich gar nicht so toll und so fahren Markus und ich ihnen
hinterher, stellen sie, trotzen der Slowakin und Ungarin noch acht Unterschriften
ab und als Kavaliere alter Schule schaffen wir sie noch bis in ihr Quartier.
Zurück
bei den Zweien gibt’s erstmal unseren leckeren Tütensuppen-Mix. Marcus
findet den überhaupt nicht toll, aber mit viel Brot übersteht
auch er die Mahlzeit. Der Plan uns nach einem anderen Schlafplatz umzusehen
wird aus zeitlichen Gründen fallen gelassen. Wir übernachten
also auf einer Art Baustelle, das letzte Mal unter freiem Himmel. Der Regen
hat schon eine ganze Zeit nachgelassen, bzw. aufgehört, wir erwarten,
dass es so bleibt.
Donnerstag, 3. August
In den frühen Morgenstunden werde ich von einem rangierenden Baufahrzeug
geweckt. Per Handbewegung frage ich ihn, ob den Platz verlassen sollen,
aber er winkt ab. Und so schlafen wir seelenruhig weiter, bis es passiert.
Ein riesiger Betonmischer stößt rückwärts auf
“unseren” Platz. Dabei stört ihn weder der noch gedeckte Abendbrottisch,
noch der Brenner von Marcus. Sie scheinen uns überhaupt nicht zu bemerken.
Dann entledigt sich das Ungetüm seiner Fracht, nur Meter neben dem
schlafenden Marcus. Wir schrecken hoch, werfen alles nur ganz schnell in
den Bus und ergreifen die Flucht. Fürs Frühstück wird halt
ein anderer Platz gesucht. Weiter geht’s durch die Alpen. Nebel und Regen
und Kälte. Ekelhaft. Keine Sonne, kein klarer Himmel nichts. An der
italienisch-österreichischen Grenze gabeln wir noch ein italienisches
Pärchen auf. Elio und Fro sind auf dem Weg nach Berlin. Wir nehmen
die Medizin- und Astronomiestudenten bis nach Rosenheim mit. Wir lachen
viel, unterhalten uns in Englisch. Am dortigen Bahnhof besorgen wir
ihnen noch einen genauen Fahrplan von München bis nach Berlin. Das
hat wahrscheinlich Eindruck gemacht, denn die zwei wollen uns zum Abschied
Geld schenken. Das wurde natürlich energisch zurückgewiesen.
Nicht zuletzt wegen der freundlichen Aufnahme in Italien. Lediglich unsere
T-Shirts mussten unterschrieben werden. Nach der Verabschiedung der beiden
fahren wir noch schnell mal den Hof von Haagers an. Ein Kurzbesuch ist
Pflicht, zumindestens für Markus. Später erwartet uns ein überreichliches
Abendmahl bei Markus´ Verwandtschaft. Nach Essen, Bier und
Wein verbringen wir nach 3 1/2 -Wochen im Schlafsack die Nacht in einem
richtigen Bett. Allerdings verspüre ich einen starken Drang nach den
Nächten unter sternenklarem Himmel und nach Sonne, denn davon gibt
es hier herzlich wenig. Dafür um so mehr Regen.
Freitag, 4. August
Heut früh gibt es ein üppiges Frühstück mit allem,
was das Herz begehrt. Nach langer Zeit kann man sich wieder einmal Butter
auf die Semmel schmieren. Meine drei Guys sind glücklich. Auch ich
bin nicht böse über das leckere Mahl. Am Vormittag düsen
wir schnell noch nach Erdingen um noch ein Geschenk für das Geburtstagskind
zu besorgen, bei dem wir dann am Abend eingeladen sind. Außerdem
erstehen wir noch ein zwei Blumensträuße. Einen für Markus´
Oma , den anderen als kleines Gastgeschenk für Familie Haager. Gerade
eben sind wir auf dem Weg zu ihnen. Die Haagers sind nun wirklich die letzte
Station auf unserer Reise. Nicht mal die Lieder von Adriano Celentano können
meinen Ärger über das miese Wetter vertreiben. Markus hat übrigens
die Adressen der Freisinger Mädels verloren. Hat er wirklich Angst,
dass ich mir den Bus schnappe und zu den Gören fahre? Irgendwann am
Nachmittag kommen wir auf dem Hof an. Wandern noch ein bißchen durch
Thal, sitzen auch auf der Rentnerbank vor dem Haus. Später geht es
dann auf die Geburtstagsparty. Der Altersdurchschnitt ist hier ziemlich
hoch, zumindest für uns. So halten sich alle, bis auf Fahrer Marcus,
an das vorhandene Bier. Das zeigt dann auch seine Wirkung. Markus hat Probleme
eine Flasche Weizenbier mit dem Feuerzeug zu öffnen. Nach mehrfachen
Versuchen stellt er die Flasche ziemlich schroff auf den Tisch. Der nächste
Versuch sitzt und das Bier dehnt sich natürlich weit über die
Flasche aus. Im Laufe des Abends wird dann noch Maria dazugeholt. Tja,
und irgendwann geht’s ins Bett, nicht mit Maria, sondern bei Haagers. Als
Bett dient mir doch noch mal der gute, alte Schlafsack, da nur Betten für
drei Mann vorhanden sind. Aus Solidarität schläft auch Marcus
in seinem Sacco.
Samstag, 5. August
Wieder beginnen wir den Tag mit einem leckeren Frühstück,
nach dem Mittag setzen wir uns noch ein wenig auf die Rentnerbank. Nachher
fahren wir dann noch nach München ins Kino. Mit von der Partie ist
neben Irmis Schwester Vroni auch wieder Maria. Im Kino läuft “Grand
Canyon”, der mit tollen Bildern und einer, für den Magen ein bißchen
hektischen, Kameraführung aufwartet. Wie schon auf der Hinfahrt enthalte
ich mich auch retour dem ewigen Kreisen der Lambruscoflasche. Zuhause angekommen
erwartet uns ein herrliches Mahl mit warmen Leberkäse. Nach einer
länger dauernden Diskussion um die Farbe Blau geht es dann auf das
Dorffest. In einer scheunenartigen Veranstaltungshalle spielen die Trojaner,
in der Irmi singt. Und sie spielen sehr gut, vor allem der Backgroundgesang
begeistert total. Nach ein paar Gläschen Sangria, einigen tollen Tänzen
mit, zum Teil, wunderschönen Mädchen, nach einem Wiedersehen
mit Monika, die gerade aus Kroatien zurückgekehrt ist und nach einem
klärenden Gespräch mit Maria, schlafen wir die letzte Nacht unseres
legendären Urlaubs.
Sonntag, 6. August
Gegen 10 Uhr ist dann auch diese Nacht vorrüber, schnell noch geduscht
und ein letztes Frühstück schmecken lassen, noch ein paar Unterschriften
von Irmis Brüdern Andreas und Leo auf unseren Shirts, dann ist es
soweit. Wir besteigen unseren Bus und auf´ geht´s in Richtung
Heimat. M.+M. schlafen sich auf den hinteren Plätzen aus, Ralf und
ich genießen den Münchener Stau. Viele ermüdende Fahrstunden
später ist Bautzen in Sicht. Wir raffen uns zu einer letzten Diskussion
auf. Ich möchte nämlich die Reise so beenden, wie wir sie begonnen
haben und deshalb dem Hardliner einen Besuch abstatten. Besonders Marcus,
der früh in der Firma seines Vaters auf der Matte stehen muss, hat
etwas dagegen. Ich kann sie aber dann doch noch überzeugen und so
verweilen wir noch eine Viertelstunde bei Annette.
Wenig später erreichen wir nach genau 4 Wochen, 5523 Kilometern,
circa 550 Litern Benzin und etlichen Diskussionen das heimatliche Sohland.
Ich fühle mich erschöpft, dennoch aber glücklich, obwohl
ich Italien sehr vermisse.
Das war sie also, die Reise von Ralf Herzog, Marcus Thiemann, Markus
Kretschmar und Tobias Schilling durch einen großen Teil Italiens,
die für mich schon immer ein Traum war, den ich mir jetzt erfüllt
habe. Wir danken Gott, dass wir alles erreicht haben, unverletzt geblieben
sind (mehr oder weniger) und keine größeren Probleme hatten.
Und ich kehre zu dir zurück, Italien. Wann und Wie ? Wer weiß.