Die Landschaft, besonders die der Küste ist göttlich,
wie aus dem Bilderbuch. Man weiß nicht so recht, was man denn nun
fotografieren sollte. Ein paar Kilometer vor Amalfi nehmen wir dann noch
ein junges polnisches Pärchen auf und bringen es in diese Stadt, die
da wie ein Bienenstock an der Küste hängt. Unterschriften inklusive.
Noch eine kurze Strecke gefahren und wir legen uns erstmal an den Strand,
schließlich muss man schon mal am Strand von Amalfi gelegen haben.
Dort werden wir übrigens von zwei bekifften Mädchen angelacht.
Aber wir haben keine Zeit, ihr Freunde schauen auch schon etwas irritiert,
und so fahren wir weiter. Ich, einer der Rückbankbesatzung, verärgere
noch Ralf, der momentan als Beifahrer-Kartenleser fungiert, als wir nach
meinem Vorschlag durch Benevento fahren und nicht wie er es will drumherum.
Klar, es ist schon ziemlich belastend, wenn der Kartenleser “rechts” befiehlt
und von hinten die Alternativen “geradeaus” und “links” kommen. Aber nach
einer Weile geht es schon wieder. Am Rande eines Feldes haben wir inzwischen
einen Schlafplatz gefunden. Wir futtern noch die von Marcus spendierte
Melone (1.Hälfte) und gehen dann auch bald schlafen. Was mich total
nervt sind übrigens die Fehlzündungen.
Mittwoch, 26. Juli
Der Tag geht gut los. In aller Herrgottsfrühe hupt uns ein
Bauer wach, dem wir mit unserem Bus den Weg versperrt haben. In Unterhosen
aus dem Schlafsack in den Bus gesprungen und diesen beiseite gefahren.
Wie alle italienischen Bauern bisher, juckt ihn die Wahl unseres Schlafplatzes
herzlich wenig. Nur die Frauen gucken wegen meiner “Anzugsordnung” ein
wenig verwundert. Nach einem opulenten Mahl, oder um mit Ralfs Worten zu
sprechen, einem “exklusiven” Frühstück, geht es weiter
in Richtung L´Aquila. Lassen Avellino hinter uns und durchfahren
die Abruzzen.
Es ist hier wärmer als an allen übrigen Orten unserer bisherigen
Reise. Ich halte die Hand aus dem Fenster, aber da ist kein kühlender
Fahrtwind, sondern eher ein heißer Fön. Irgendwann legen wir
einen Stop ein. Mitten in der Pampa, kein Haus ist hier zu sehen. Keine
Motorengeräusche, außer der hin und wieder vorbeikommenden Fahrzeuge.
Wir genießen in einem Waldstück eine Melone. Das Gelände
ist reich an Steinen. Ein Gruppe von kleinen Felsen bietet sich für
ein Fotoshooting geradezu an. Doch es soll nicht irgendein Shooting sein,
nein, es wird das gewagteste Shooting der Reise. Wir positionieren
unsere Kameras
auf die andere Seite der Straße und stellen uns im Adamskostüm
vor besagte Steingruppe. Die wichtigsten Stellen verdecken wir durch einen
Stein. Glücklicherweise kommt kein Auto vorbei, als ich vollkommen
nackt zwischen den Stativen und der Gruppe hin und her renne. Und wieder
einmal geht es weiter, wird der Bus bestiegen. Wir fahren immer noch durch
die Berge der Abruzzen, die nahezu unbewaldet sind. Während der Fahrt
bemerke ich, dass ich Marcus´ Isomattengummi am Rastplatz vergessen
habe, der mir als Stirnband gute Dienste geleistet hat. Marcus vermisst
seine Armbanduhr. Hat sie wahrscheinlich auch dort liegen gelassen.
Nach ein paar Kilometern entdecken wir an einem der Berge das Örtchen
Naville und uns stockt der Atem. Schon aus der Ferne kann man dessen Ruinen
erkennen. Es wird darauf auch gleich eine Besichtigung beschlossen. Als
wir die Stufen zum Gipfel jener Stadt erklimmen, kommen wir aus dem Staunen
nicht mehr hinaus. Der Ort ist wie ausgestorben, es herrscht Totenstille.
Die halb verfallenen Gebäude, niemand vermag zu sagen, wie alt sie
sind. Und sie stehen da, als wär es das Normalste der Welt. Wunderbare
alte Gassen lassen so ein bißchen mittelalterliches Leben erahnen.
Es ist als wäre hier die Zeit stehen geblieben. Nur von fern hört
man die Motorengeräusche der Straße. Ganz selten sieht man mal
eine Menschenseele. Hierher verirrt sich bestimmt kaum ein Tourist. Total
fasziniert steigen wir wieder hinab und kehren in die hiesige Dorfkneipe
ein. Dort findet sich Marcus´ Uhr wieder. Markus und Ralf haben
sie noch vor Abfahrt von unserem Rastplatz entdeckt und mitgenommen. Nur
weiß Marcus davon noch nichts, die Uhr wird in seiner Waschtasche
versteckt. Wir freuen uns schon auf seinen verwunderten Blick, wenn er
sie bei der Morgentoilette entdecken wird und sich die Frage stellt, wie
die da wohl hingekommen sein mag. Später verlassen wir diesen geheimnisvollen
Ort und erreichen nach etlichen Kilometern unser nächstes Ziel: L´Aquila.
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