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CAPRI
23. Juli  -  25. Juli
Und weiter führt uns unser Roadtrip nach Sorrent. Wir fahren erstmal durch bis nach Massa Lubrense, dem letzten per Auto erreichbaren Punkt der Halbinsel Sorrent. Man hat Blick auf Capri, leider herrscht ein ziemlicher Nebel. Ralf ist deswegen ein wenig enttäuscht.  Ein Einheimischer offeriert uns eine Überfahrt nach Capri mit Führung für 35.000 Lire. Wir erzählen, dass wir im Hafen von M.L. schlafen, er will uns wecken kommen. Aber wir beschließen doch noch nach Sorrent zurück zu fahren, dort einen Schlafplatz zu bekommen und morgen auf eigene Faust Capri zu entdecken und auch eine Nacht dort verbringen. Auf der Fahrt nach Sorrent "stolpern" wir über Piano di Sorrento und es ist mir eine große Freude, noch einmal auf den Platz zurückzukehren, auf dem ich schon vor drei Jahren war: Das Bungalowdorf Costa Alta. Dort erhalten wir auch Straßenkarten und Fährpläne umsonst. Fahren in Hafen von Sorrent wollen dort schlafen. Ist aber auf Biegen und Brechen nicht zu machen. So fliegen wir einen Campingplatz an und bekommen dort einen sehr mickrigen, wahrscheinlich den letzten Platz. Tut uns aber nichts. 

Eine Nacht wollen wir hier schlafen und die zweite dann nur den Bus hier lassen, um auf Capri zu pennen. Zeltplätze sind diesbezüglich billige und sichere Parkplätze. Dachten wir. Wie wir so sitzen, Marcus und Ralf sich wegen des Essens schon wieder Spitzen geben, bekommen wir Besuch von zwei Napolitanern. Die beiden erinnern stark an Beavis & Butthead. Nicht zu übersehen, sie fragen uns aus nach Geld, Kameras, Autoradio, usw., ihre Augen wandern ziemlich eindeutig durch unseren Bus. Wir checken das und versuchen ein armseliges, asoziales Verhalten an den Tag zu legen, um die beiden von dem, für uns in der Situation negativen Vorurteil, des reichen Deutschen wegzubekommen. Wir bieten ihnen kalte Spaghetti an, benutzen nicht die Toilette, sondern pissen an einen Baum neben dem Klo, betonen unsere ostdeutscher Herkunft. Meine Mutter wird  arbeitslos, Vater zum Müllfahrer degradiert und wir sind zu Hause fünf Kinder. Marcus will ihr Lager sehen, doch die zwei finden immer neue Ausreden, um uns davon abzuhalten. Man einigt sich, morgen früh einen Zettel auf unserem Platz zu deponieren. Dann sind wir sie endlich los. Uns ist klar, dass der Bus hier nicht mehr sicher ist. Wir beschließen die Nacht sehr nahe am Bus zu verbringen und morgen früh  zeitig abzureisen.
 

Montag, 24.Juli

Der erwartete “Überfall” in der Nacht ist ausgeblieben. Es wird überlegt, wie man die Übernachtung auf Capri mit dem Alleinlassen des Busses vereinbaren kann. M.+M. legen nicht den Wert auf eine Capri-Nacht. Sie wollen die Nacht auf den Bus aufpassen. Ihnen macht das nix aus, sagen sie. Für mich ein Riesenvorteil, da ich unbedingt auf Capri schlafen möchte. Auf meiner ersten Italienreise erzählte uns der Busfahrer, dass es verboten sei ohne Übernachtungsmöglichkeiten auf Capri zu sein, wenn die letzte Fähre schon abgelegt hat. Man würde verhaftet werden. Schaun wir mal. Also benötigen wir noch einen sicheren Parkplatz. Unsere Idee: Costa Alta. Wir düsen zum Bungalowdorf und fragen höflich, ob es möglich wäre, den Bus tagsüber stehen zu lassen. Etwas widerwillig lässt man uns für 10.000 Lire hinter der Rezeption parken. Recht billig. Bis 19 Uhr muss der Bus aber wieder verschwunden sein. Die Furcht vor irgendwelchen Napolitanern hat sich gelegt und wir greifen den Wendepunkt unserer Reise an: Capri. Mit dem “Nave”, also dem Schiff, ist man zwar ein Weilchen länger unterwegs, es kostet aber auch ein paar Tausender weniger, als der “Jet”. 

Auf der Insel  trennen wir uns, das heißt, mehr oder weniger aus Versehen, verlieren Ralf und ich die anderen zwei. Wir wissen auch nicht mehr genau, ob wir uns 10 Uhr nächsten Morgen im Sorrenter Hafen ausgemacht hatten. Handy habe ich auch vergessen. Egal. Wir wandern also über die Via Krupp,  eine romantische Straße, angelegt vom deutschen Großindustriellen Krupp, sagen wir mal er hat sie finanziert,  jedenfalls geht es über diesen Weg an den kleinen Hafen - “Marina Piccolo”. Dort angekommen, überkommt uns ein Drang nach einem Bad. Leider haben wir Badehosen und Handtücher vergessen, was uns aber nicht von unserem Vorhaben abhält. Und so baden wir halt in unseren Unterhosen. Getrocknet wird sich in der Sonne, die sich leider kurz darauf auf der anderen Capri-Seite versteckt. Capri-Sonne halt. So müssen wir mit nassen Unterhosen leben. Bald darauf brechen Ralf und ich auf gen Jupitervilla. Erst noch in einen Supermercato und Früchte, Wein und andere Abendbrotzutaten gekauft, später setzen wir uns noch einmal auf den Umberto-Platz. 

Die letzte Fähre hat schon vor einer Weile abgelegt und so weilen jetzt keine Rucksacktouristen mehr auf der Insel, abgesehen von uns beiden natürlich. Das Bild was sich uns bietet, ist von Nobeltouristen,  bestimmt. Die Insel gehört wieder den Reichen und Schönen. Sogar der Dom hat geöffnet, der blöde 2-Stunden-Touri hat keine Chance diesen von innen zu sehen. Wir machen uns nun endlich auf den Weg zur Villa Jupiter, unserem Schlafplatz. Leider verlieren wir in den kleinen verwinkelten Gassen die Orientierung. Eine nette Frau empfiehlt eher den Aussichtspunkt “Punto Canone”. Sie erklärt uns, dass es noch eine Stunde Fußmarsch bis zu jener Villa wäre und es nun schon 20 Uhr ist, zu spät also. Sie ahnt ja nicht, dass wir dort unser Nachtlager aufschlagen wollten. Also keine Villa, dafür “Punto Canone”. Wir richten uns da also gemütlich ein, essen zu Abendbrot und leeren noch eine Flasche Wein. Hin und wieder besuchen uns kurz ein paar Leute, die sich aber nicht lange in unserem “Schlafzimmer” aufhalten. Die Schlafsäcke werden einfach auf dem Betonfußboden ausgebreitet und Gute Nacht. Im Halbschlaf registriere ich noch ein paar Menschen, die sich amüsiert über uns unterhalten.
 

Dienstag, 25. Juli

Stehen irgendwann auf und wandern zum Umberto. Von da aus sparen wir uns einen längeren Fußmarsch und gelangen mit der Seilbahn in den “Marina Grande”. Wir beschließen uns noch einmal die weltberühmte blaue Grotte anzusehen. Im Hafen steigen wir für 9.000 Lire in ein Motorboot und mit diesem werden wir zur Blauen Grotte gebracht, dem Ort, wo die Abzockerei ihr Zuhause hat. Uns war schon zu Ohren gekommen, dass die  Grotte so 15.000 Lire kosten würde. 9.000 Lire hatten wir ja schon gelöhnt. Vor dem Eingang der Grotte herrscht ein reges Treiben. Bei recht hohem Wellengang  “durfte”  man in ein kleines Ruderboot umsteigen. Diese kleinen Boote sind für circa zwei Mann plus Gondoliere ausgelegt, werden aber mit bis zu fünf Personen gefüllt. In diesen Booten wird man gleich erstmal 15.500 weitere Lire los. 8.000 Lire Eintritt, sowie 7.500 Lire für den Gondolieren. Rotzfrech empfiehlt er uns ein Trinkgeld zu geben. Wir lehnen dankend ab. Der Eingang zur Grotte an sich ist ziemlich klein. So klein, dass unser Gondoliere nicht hindurch rudern kann, sondern sich an einer Kette in die Grotte zieht. 

Ralf macht bei diesem Manöver Bekanntschaft mit des Ruderers Ellenbogen, ich mit der Kette. Aber wir sind drin. Die Grotte ist nicht sehr groß. Von blauem Wasser keine Spur, abgesehen von einer winzigen Fläche im Eingangsbereich. Und wir sind nicht allein. Etwa 20 andere Boote sind auch mit dabei. Brav reiht sich Boot an Boot im Kreise ein. Einige fahren sogar mehrere Runden, mit singendem Rudermeister. Dafür eben das Trinkgeld. Wir haben ja, wie erwähnt kein solches gezahlt und sind mit unserem muffligen und stummen Ruderer schon nach einer fixen Runde wieder draußen. Schweinerei. Wieder im Hafen kommt Ralf und mir das große Erwachen. Es ist gegen 11 Uhr , das letzte Schiff ist gerade so weg, das  nächste erst gegen 15.30 Uhr zu erwarten. Und M.+M. warten bestimmt schon in Sorrent auf uns. Gott sei Dank lassen sich unsere Schiffstickets in Jetkarten umtauschen und wir so steuern wir Sorrent an. Dort warten schon M.+M. seit ungefähr 9.30 Uhr. Die beiden haben an einer der Ausbuchtungen der bergab nach Sorrent führenden Straße, an denen die Reisebusse zum Fotoshooting halten, übernachtet. Deshalb waren die zwei am  Morgen auch Objekt der touristischen Neugierde gewesen. Wir sagen “Ciao” zu Sorrento und reisen entlang der Amalfiküste.

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