Und weiter führt uns unser Roadtrip nach Sorrent. Wir
fahren erstmal durch bis nach Massa Lubrense, dem letzten per Auto erreichbaren
Punkt der Halbinsel Sorrent. Man hat Blick auf Capri, leider herrscht ein
ziemlicher Nebel. Ralf ist deswegen ein wenig enttäuscht. Ein
Einheimischer offeriert uns eine Überfahrt nach Capri mit Führung
für 35.000 Lire. Wir erzählen, dass wir im Hafen von M.L. schlafen,
er will uns wecken kommen. Aber wir beschließen doch noch nach Sorrent
zurück zu fahren, dort einen Schlafplatz zu bekommen und morgen auf
eigene Faust Capri zu entdecken und auch eine Nacht dort verbringen. Auf
der Fahrt nach Sorrent "stolpern" wir über Piano di Sorrento und es
ist mir eine große Freude, noch einmal auf den Platz zurückzukehren,
auf dem ich schon vor drei Jahren war: Das Bungalowdorf Costa Alta. Dort
erhalten wir auch Straßenkarten und Fährpläne umsonst.
Fahren in Hafen von Sorrent wollen dort schlafen. Ist aber auf Biegen und
Brechen nicht zu machen. So fliegen wir einen Campingplatz an und bekommen
dort einen sehr mickrigen, wahrscheinlich den letzten Platz. Tut uns aber
nichts.
Eine Nacht wollen wir hier schlafen und die zweite dann nur den Bus
hier lassen, um auf Capri zu pennen. Zeltplätze sind diesbezüglich
billige und sichere Parkplätze. Dachten wir. Wie wir so sitzen, Marcus
und Ralf sich wegen des Essens schon wieder Spitzen geben, bekommen wir
Besuch von zwei Napolitanern. Die beiden erinnern stark an Beavis &
Butthead. Nicht zu übersehen, sie fragen uns aus nach Geld, Kameras,
Autoradio, usw., ihre Augen wandern ziemlich eindeutig durch unseren Bus.
Wir checken das und versuchen ein armseliges, asoziales Verhalten an den
Tag zu legen, um die beiden von dem, für uns in der Situation negativen
Vorurteil, des reichen Deutschen wegzubekommen. Wir bieten ihnen kalte
Spaghetti an, benutzen nicht die Toilette, sondern pissen an einen Baum
neben dem Klo, betonen unsere ostdeutscher Herkunft. Meine Mutter wird
arbeitslos, Vater zum Müllfahrer degradiert und wir sind zu Hause
fünf Kinder. Marcus will ihr Lager sehen, doch die zwei finden immer
neue Ausreden, um uns davon abzuhalten. Man einigt sich, morgen früh
einen Zettel auf unserem Platz zu deponieren. Dann sind wir sie endlich
los. Uns ist klar, dass der Bus hier nicht mehr sicher ist. Wir beschließen
die Nacht sehr nahe am Bus zu verbringen und morgen früh zeitig
abzureisen.
Montag, 24.Juli
Der erwartete “Überfall” in der Nacht ist ausgeblieben. Es wird
überlegt, wie man die Übernachtung auf Capri mit dem Alleinlassen
des Busses vereinbaren kann. M.+M. legen nicht den Wert auf eine Capri-Nacht.
Sie wollen die Nacht auf den Bus aufpassen. Ihnen macht das nix aus, sagen
sie. Für mich ein Riesenvorteil, da ich unbedingt auf Capri schlafen
möchte. Auf meiner ersten Italienreise erzählte uns der Busfahrer,
dass es verboten sei ohne Übernachtungsmöglichkeiten auf Capri
zu sein, wenn die letzte Fähre schon abgelegt hat. Man würde
verhaftet werden. Schaun wir mal. Also benötigen wir noch einen sicheren
Parkplatz. Unsere Idee: Costa Alta. Wir düsen zum Bungalowdorf und
fragen höflich, ob es möglich wäre, den Bus tagsüber
stehen zu lassen. Etwas widerwillig lässt man uns für 10.000
Lire hinter der Rezeption parken. Recht billig. Bis 19 Uhr muss der Bus
aber wieder verschwunden sein. Die Furcht vor irgendwelchen Napolitanern
hat sich gelegt und wir greifen den Wendepunkt unserer Reise an: Capri.
Mit dem “Nave”, also dem Schiff, ist man zwar ein Weilchen länger
unterwegs, es kostet aber auch ein paar Tausender weniger, als der “Jet”.
Auf der Insel trennen wir uns, das heißt, mehr oder weniger
aus Versehen, verlieren Ralf und ich die anderen zwei. Wir wissen auch
nicht mehr genau, ob wir uns 10 Uhr nächsten Morgen im Sorrenter Hafen
ausgemacht hatten. Handy habe ich auch vergessen. Egal. Wir wandern also
über die Via Krupp, eine romantische Straße, angelegt
vom deutschen Großindustriellen Krupp, sagen wir mal er hat sie finanziert,
jedenfalls geht es über diesen Weg an den kleinen Hafen - “Marina
Piccolo”. Dort angekommen, überkommt uns ein Drang nach einem Bad.
Leider haben wir Badehosen und Handtücher vergessen, was uns aber
nicht von unserem Vorhaben abhält. Und so baden wir halt in unseren
Unterhosen. Getrocknet wird sich in der Sonne, die sich leider kurz darauf
auf der anderen Capri-Seite versteckt. Capri-Sonne halt. So müssen
wir mit nassen Unterhosen leben. Bald darauf brechen Ralf und ich auf gen
Jupitervilla. Erst noch in einen Supermercato und Früchte, Wein und
andere Abendbrotzutaten gekauft, später setzen wir uns noch einmal
auf den Umberto-Platz.
Die letzte Fähre hat schon vor einer Weile abgelegt und so weilen
jetzt keine Rucksacktouristen mehr auf der Insel, abgesehen von uns beiden
natürlich. Das Bild was sich uns bietet, ist von Nobeltouristen,
bestimmt. Die Insel gehört wieder den Reichen und Schönen. Sogar
der Dom hat geöffnet, der blöde 2-Stunden-Touri hat keine Chance
diesen von innen zu sehen. Wir machen uns nun endlich auf den Weg zur Villa
Jupiter, unserem Schlafplatz. Leider verlieren wir in den kleinen verwinkelten
Gassen die Orientierung. Eine nette Frau empfiehlt eher den Aussichtspunkt
“Punto Canone”. Sie erklärt uns, dass es noch eine Stunde Fußmarsch
bis zu jener Villa wäre und es nun schon 20 Uhr ist, zu spät
also. Sie ahnt ja nicht, dass wir dort unser Nachtlager aufschlagen wollten.
Also keine Villa, dafür “Punto Canone”. Wir richten uns da also gemütlich
ein, essen zu Abendbrot und leeren noch eine Flasche Wein. Hin und wieder
besuchen uns kurz ein paar Leute, die sich aber nicht lange in unserem
“Schlafzimmer” aufhalten. Die Schlafsäcke werden einfach auf dem Betonfußboden
ausgebreitet und Gute Nacht. Im Halbschlaf registriere ich noch ein paar
Menschen, die sich amüsiert über uns unterhalten.
Dienstag, 25. Juli
Stehen irgendwann auf und wandern zum Umberto. Von da aus sparen wir
uns einen längeren Fußmarsch und gelangen mit der Seilbahn in
den “Marina Grande”. Wir beschließen uns noch einmal die weltberühmte
blaue Grotte anzusehen. Im Hafen steigen wir für 9.000 Lire in ein
Motorboot und mit diesem werden wir zur Blauen Grotte gebracht, dem Ort,
wo die Abzockerei ihr Zuhause hat. Uns war schon zu Ohren gekommen, dass
die Grotte so 15.000 Lire kosten würde. 9.000 Lire hatten wir
ja schon gelöhnt. Vor dem Eingang der Grotte herrscht ein reges Treiben.
Bei recht hohem Wellengang “durfte” man in ein kleines Ruderboot
umsteigen. Diese kleinen Boote sind für circa zwei Mann plus Gondoliere
ausgelegt, werden aber mit bis zu fünf Personen gefüllt. In diesen
Booten wird man gleich erstmal 15.500 weitere Lire los. 8.000 Lire Eintritt,
sowie 7.500 Lire für den Gondolieren. Rotzfrech empfiehlt er uns ein
Trinkgeld zu geben. Wir lehnen dankend ab. Der Eingang zur Grotte an sich
ist ziemlich klein. So klein, dass unser Gondoliere nicht hindurch rudern
kann, sondern sich an einer Kette in die Grotte zieht.
Ralf macht bei diesem Manöver Bekanntschaft mit des Ruderers Ellenbogen,
ich mit der Kette. Aber wir sind drin. Die Grotte ist nicht sehr groß.
Von blauem Wasser keine Spur, abgesehen von einer winzigen Fläche
im Eingangsbereich. Und wir sind nicht allein. Etwa 20 andere Boote sind
auch mit dabei. Brav reiht sich Boot an Boot im Kreise ein. Einige fahren
sogar mehrere Runden, mit singendem Rudermeister. Dafür eben das Trinkgeld.
Wir haben ja, wie erwähnt kein solches gezahlt und sind mit unserem
muffligen und stummen Ruderer schon nach einer fixen Runde wieder draußen.
Schweinerei. Wieder im Hafen kommt Ralf und mir das große Erwachen.
Es ist gegen 11 Uhr , das letzte Schiff ist gerade so weg, das nächste
erst gegen 15.30 Uhr zu erwarten. Und M.+M. warten bestimmt schon in Sorrent
auf uns. Gott sei Dank lassen sich unsere Schiffstickets in Jetkarten umtauschen
und wir so steuern wir Sorrent an. Dort warten schon M.+M. seit ungefähr
9.30 Uhr. Die beiden haben an einer der Ausbuchtungen der bergab nach Sorrent
führenden Straße, an denen die Reisebusse zum Fotoshooting halten,
übernachtet. Deshalb waren die zwei am Morgen auch Objekt der
touristischen Neugierde gewesen. Wir sagen “Ciao” zu Sorrento und reisen
entlang der Amalfiküste.