Pleite gemacht hatte, als der Film in die Kinos kam - als in die Sowjet-Union.) Erst anno 2012 tauchte es überraschend wieder auf - inszeniert als "Mjusikl". (Das braucht Dikigoros nicht zu übersetzen, oder? Es gibt die richtige Aussprache sicher besser wieder als die Schreibweise des englischen Originals!)

2Die heutzutage vertretene Behauptung, Filme wie "Wunschkonzert" oder "Quax, der Bruchpilot" seien
"national-sozialistische Propaganda" gewesen, ist abwegig. Rühmann übernahm nicht mal die männliche Hauptrolle - den Pinneberg - in der Verfilmung von Hans Falladas Erfolgsroman "Kleiner Mann - was nun?" von 1933, für die er geradezu prädestiniert gewesen wäre. Dabei wies der Film allenfalls am Rande einige Passagen auf, die man bei böswilliger Auslegung als "anti-semitisch" ansehen konnte. (Er wurde gleichwohl 1945 von den alliierten Besatzern verboten und später "politisch korrekt" neu verfilmt.) Die Rolle spielte dann
Hermann Thimig,
der dafür eigentlich schon viel zu alt war.

3(eine Anmerkung zu dreimal "angeblich" :-) An Rühmanns späterer Behauptung, daß Hermann Göring über das "Staatstheater" seine schützende Hand hielt, während das "Deutsche Theater" von Goebbels terrorisiert wurde, mag richtig sein, daß Göring als Ziehsohn - oder sogar natürlicher Sohn - eines Juden kein Antisemit war; aber er hätte im Ernstfall keine jüdische (oder auch arische) Schauspielerin vor Goebbels "schützen" können. Das war in diesem Fall aber gar nicht nötig, denn Maria Herbot hätte auch am "Deutschen Theater" keine Gefahr gedroht: Das Ehepaar Rühmann pflegte nicht nur offizielle gesellschaftliche Kontakte mit Goebbels, sondern war auch privat mit ihm und seiner Familie befreundet. Nach Görings Aufzeichnungen war es vielmehr so, daß Rühmann sich Ende 1936 an ihn mit der Frage wandte, wie er seine Frau am besten "los werden" könne, da seine Ehe zerrüttet sei. (Maria Herbot war früh gealtert, fett und häßlich geworden, während Rühmann die Jugend gepachtet zu haben schien.) Göring ließ seine alten persönlichen Kontakte nach Schweden spielen und suchte dort für Maria Herbot einen neuen Ehemann. Erst als er zwei Jahre später fündig geworden war, durfte Rühmann sich scheiden lassen, woraufhin Maria Herbot ziemlich schnell (schneller als es das Gesetz - das eine neunmonatige Wartefrist vorschreibt - eigentlich erlaubte) einen schwedischen Schauspieler heiratete. Bis dahin tat ihr offenbar auch der böse Goebbels nichts zuleide, und ebenso wenig danach, denn sie emigrierte erst 1943 nach Schweden - nicht weil sie "verfolgt" worden wäre, sondern weil es ihr ob der alliierten Terror-Bombardements gegen die Zivil-Bevölkerung in Berlin allmählich zu ungemütlich wurde. (Andere ausländische "Stars", wie
Zarah Leander und
Rosita Serrano,
verließen im selben Jahr wie sie das sinkende Schiff.) Im übrigen heiratete Rühmann ja auch in zweiter Ehe wieder eine [Halb-]Jüdin, ohne daß Goebbels oder sonst irgend jemand daran Anstoß genommen hätte. Auch die anderen "führenden" Schauspieler jener Zeit - Hans Albers, Hans Moser, Theo Lingen und
Gustav Fröhlich
- waren mit Jüdinnen liiert, ohne daß dies ihrer Film-Karriere im "Dritten Reich" irgendwie Abbruch getan hätte. (Allein der letzte bekam irgendwann Ärger - aber nicht, weil er mit der Jüdin
Gitta Alpar
verheiratet war, sondern weil er sie ausgerechnet mit
Lida Baarová
betrog und dabei Goebbels in die Quere kam :-) Daß Rühmann und Maria Herbot sich schon vor 1933 scheiden lassen wollten und dann nur deshalb noch fünfeinhalb Jahre zusammen blieben, damit Rühmann seine Frau vor Goebbels schützen konnte, hält Dikigoros schlicht für ein Märchen, das wohl auf den Fantasie-Bericht des jüdischen Emigranten und IM des US-Geheimdienstes Carl Zuckmayer zurück geht, der sich mit diesem vermeintlichen "Insider-Wissen" wichtig machen wollte. Nach Dikigoros' Recherchen wurde der 1934er Theater-Wechsel von Rühmann nach dem Krieg frei erfunden. Tatsächlich blieb er bis zur Spielzeit 1934/1935 am "Deutschen Theater" Berlin, wechselte dann - nach einem kurzen Gastspiel am Schauspielhaus Bremen - für eine Spielzeit ans Schauspielhaus München und kehrte für die Spielzeit 1936/37 ans "Deutsche Theater" Berlin zurück. Danach übernahm er kein festes Bühnen-Engagement mehr, sondern beschränkte sich auf zwei kurze Gastspiele - im Dezember 1938 ("Der Bridgekönig") und im November 1941 ("Pygmalion") - am "Staatstheater" Berlin, bei dem er indes nie fest engagiert war.
4Nach 1945 wurde dieses Lied als "Nazi-Propaganda" bezeichnet, weil davon - wohlgemerkt nicht in "Wunschkonzert" - auch eine Parodie gesungen wurde mit dem Titel "Das muß den Ersten Seelord doch erschüttern", in denen die braven britischen Politiker Chamberlain und
Churchill
humorvoll durch den Kakao gezogenböse verunglimpft wurden. (Es kursieren mehrere abweichende Textfassungen dieser Parodie; Dikigoros ist es nicht gelungen, eine verbindliche aufzutreiben, die er hier wiedergeben könnte, damit sich seine Leser ein eigenes Urteil bilden.)
5Angeblich erreichte Rühmann durch persönliche Vorsprache bei Hitler, daß der Film dann doch noch frei gegeben wurde. Sehr glaubhaft ist das nicht, denn dafür wäre nicht Hitler, sondern Goebbels zuständig gewesen; ein solches Antichambrieren wäre auch nicht Sache eines Darstellers, sondern des Produzenten oder des Regisseurs gewesen. (Nach dem Krieg wurde der Film aus ebenso unerfindlichen Gründen auch von den alliierten Besatzern zunächst verboten. Ob Rühmann durch persönliche Vorsprache bei
Ulbricht oder
Adenauer
erreichte, daß er dann doch noch frei gegeben wurde, ist nicht überliefert :-)
6Rühmann hatte im Oktober 1933 beim Beitritt zur "Reichsfachschaft Film" - der für ihn zuständigen Abteilung der "Reichsfilmkammer" - angegeben, daß er "Mitglied des Kampfbundes" war. (Der "Kampfbund für deutsche Kultur" - nicht zu verwechseln mit dem 1923 in Bayern gegründeten para-militärischen "Deutschen Kampfbund" - war 1928 unter dem Namen "Nationalsozialistische Gesellschaft für deutsche Kultur e.V." von
Alfred Rosenberg
gegründet worden; zu seinen Mitgliedern zählten vor allem Schriftsteller, Musiker, Schauspieler u.a. "Kulturschaffende". Er wurde 1934 umbenannt in "Nationalsozialistische Kulturgemeinde", 1945 aufgelöst, in der Sowjetischen Besatzungszone unter dem Namen "Deutscher Kulturbund" neu gegründet und später in "Kulturbund der DDR" umbenannt.) Im Entnazifizierungs-Verfahren gab Rühmann jedoch eine eidesstattliche Versicherung ab, daß er diesem in Wahrheit nie angehört, sondern die Reichsfachschaft belogen habe, aus Angst, sonst nicht als Mitglied aufgenommen zu werden, womit seine Karriere als Schauspieler beendet gewesen wäre. Da die Mitgliederkartei des "Kulturbunds" verschwunden war, konnte man Rühmann das Gegenteil nicht beweisen, so daß er als "unbelastet" eingestuft wurde.
7Um die Besetzung der Hauptgestalt wurde im Vorfeld erbittert gerungen. Viele Schauspieler bemühten sich um diese
Paraderolle, u.a. der alternde Hans Albers (der bereits bei Käutners
"Des Teufels General"
den Kürzeren gegen
Curd Jürgens
gezogen hatte), den Rühmann damit endgültig in der Gunst des deutschen Kino-Publikums überrundete.
8Entgegen weit verbreiteter Meinung kann Rühmann diesen Preis nicht für "Ein Mann geht durch die Wand" erhalten haben, da über die Vergabe bereits im Januar entschieden wurde. Allerdings hatte Rühmann ausgerechnet 1958 in keiner einzigen echten Komödie mitgespielt; aber der Preis wurde auch vor und nach Rühmann nur selten für wirklich komödiantische Rollen vergeben - Ernst Lubitsch hätte sich im Grabe umgedreht.
9Trotz dieser Flops äußert Rühmann später, daß ihm Curt Goetz der liebste Vorlagenschreiber war, den er über literarische "Größen" wie Dürrenmatt und Simenon stellte - offenbar auch über Spoerl, den er in diesem Zusammenhang gar nicht mehr erwähnt, geschweige denn einen Pfuscher wie Beckett. Eigentlich war "Hokuspokus" eine recht nette Komödie; schwer zu verstehen, warum sie beim Publikum nicht ankam.
10Dikigoros verwechselt durchaus nicht "beliebteste" mit (angeblich, d.h. nach Meinung der Kritiker) "beste" Schauspieler, sonst hätte er oben noch
Gustaf Gründgens,
Werner Krauss und
Heinrich George
nennen müssen. Das Fehlen dieser und der anderen o.g. Namen mag man noch damit erklären, daß ihre Träger bereits lange verstorben sind; daß man aber den unzweifelhaft beliebtesten noch lebenden deutschen Schauspieler des 20. Jahrhunderts -
Götz George,
den Sohn von Heinrich George - ebenfalls vergeblich sucht, zeigt, daß es auch bei dieser [Voraus-]Wahl nicht mit rechten Dingen zugegangen sein kann. Daß man Fuchsberger in Vergessenheit geraten lassen wollte, mag daran gelegen haben, daß er - ähnlich wie
Hardy Krüger
- in den 1950er und frühen 1960er Jahren in zu vielen Kriegsfilmen mitgespielt hatte, die in den Augen späterer Zensoren nicht genügend anti-deutsch waren; Götz George konnte man jedoch allenfalls vorwerfen, 1977 einen - viel zu sympathischen - KZ-Kommandanten in
"Aus einem deutschen Leben"
gespielt zu haben. Aber dieser - seinerzeit preisgekrönte -
Film
war inzwischen nicht etwa [nur] verboten oder zum "Vorbehaltsfilm" erklärt, sondern so gründlich aus den Annalen des deutschen Films - und den Biografien aller Beteiligten - getilgt worden, daß man dies eigentlich gar nicht mehr hätte wissen dürfen. So ergab sich das Paradoxon, daß der beliebteste Schauspieler des "Dritten Reichs" auch als beliebtester Schauspieler der "BRD" in die Geschichte einging.
À propos: Man kann die Frage "beliebteste" oder "beste" Schauspieler[innen] auch offen lassen, wie das die Deutsche Post AG tat, als sie 2000/2001 eine Wohlfahrtsmarken-Serie unter dem simplen Titel "Deutsche und internationale Filmschauspieler" heraus gab. (Als Dikigoros oben etwas flapsig "Zu Rühmanns rundem 98. Geburtstag..." schrieb, war das also nur die halbe zehntel Wahrheit :-)

Dennoch bleiben auch da einige Fragen offen. Über Rühmann, Curd Jürgens,
Romy Schneider alias
"Sissi",
Charlie Chaplin,
Marilyn Monroe und
Greta Garbo alias
"Christina"
braucht man nicht zu streiten. Aber warum wurden die höchsten Werte ausgerechnet mit
Gert Fröbe und
Jean Gabin
besetzt? Darin liegt ja doch eine gewisse Wertung, nämlich als im wahrsten Sinne des Wortes "wertvollste" Schauspieler - was sie bestimmt nicht waren. Beide haben zwar viele Rollen gespielt, aber bedeutende Rollen hat G.F. nur eine gespielt, nämlich den "Otto Normalverbraucher" in
"Berliner Ballade"
(den Mörder in "Es geschah am hellichten Tag" und den Catcher in "Der Pauker" will man doch nicht im Ernst als "bedeutend" einstufen?!?), und zu J.G. fällt Dikigoros im Moment gar keine ein.
("La grande illusion"
war sicher ein bedeutender Film und ein wertvolles Zeitdokument; der abgeschossene Flieger-Leutnant "Maréchal" war indes bloß eine Nebenrolle; ansonsten blieb er dem Publikum vor allem als "Kommissar Maigret" in Erinnerung, den er bis zum Erbrechen spielte - und
Erik Ode
hat man doch auch keine Briefmarke gewidmet! Aber vielleicht lag seine Bedeutung nach Auffassung der Deutschen Postler darin, daß er im 2. Weltkrieg besonders viele Deutsche getötet haben soll?!) Das gilt erst recht für die völlig unbedeutende
Lilli Palmer,
die ihre Aufnahme in jene Serie wohl nur dem Umstand verdankt, daß sie Jüdin war und ihre Karriere mit anti-deutschen Hetz- und Propagandafilmen in England begann; ihrer Mit-Jüdin, der ähnlich [un]bedeutenden Wahl-Britin
Therese Giehse
hatte man ja bereits einige Jahre zuvor anläßlich ihres 90. Geburtstags eine Briefmarke gewidmet, ebenso Hans Albers anläßlich seines 100. Geburtstags und
Marlene Dietrich
aus unerfindlichem Anlaß.

Und weshalb wurde
Audrey Hepburn
in letzter Minute gestrichen und durch ein nichtssagendes Filmband ersetzt? Dazu fällt Dikigoros gleich gar nichts ein - wer es weiß oder zu wissen glaubt, kann ihm ja mal
mailen.
P.S.: Als die französische Post kurz zuvor den "Akteuren des französischen Kinos" eine vergleichbare Briefmarkenserie - übrigens mit einheitlichem Nennwert - widmete, wählte sie Jean Gabin als einzigen "echten" Franzosen aus. Die übrigen waren die gebürtige Ostmärkerin Romy Schneider, die Jüdin Simone Signoret (deren Aufnahme wohl ähnliche Erwägungen zu Grunde lagen wie bei Lilli Palmer), der Katalane
Luis de Funès,
der geburtige Argentinier
Bernard Blier
und der Italiener
Lino Ventura:

Die beliebtesten Schauspieler[innen] des französischen Kinos im 20. Jahrhundert waren unzweifelhaft
Alain Delon,
Jean-Paul Belmondo und vor allem
Brigitte Bardot.
Aber letztere war ja inzwischen als "Islamophobe" geächtet, gerichtlich verurteilt,
gecancelt,
und ihre Büsten als "Marianne" waren aus allen Rathäusern entfernt worden. (Als "Sinnbild Frankreichs des Sechsecks [Hexagone]" - wie es inzwischen von politisch korrekten Gutmenschen genannt wurde, um den rassistischen Bezug auf die alten weißen Männer Franken zu vermeiden - kamen nur noch Negerinnen oder Araberinnen in Betracht.)
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