EIN  ISRAELI  AUF  REISEN
Ephraim Kishon (1924-2005)
Der seekranke Wal (1963)

"Wenn du deinem Paßbild zu ähneln beginnst,
dann ist es höchste Zeit, weg zu fahren."

[Der seekranke Walfisch] [Der seekranke Walfisch]

Ein Kapitel aus Dikigoros' Webseite
LÄSTERMAUL  AUF  REISEN
Große Satiren der Weltliteratur

Hat sich Dikigoros da nicht geirrt? Kishon als Satiriker - ja sicher. Aber Kishon als Reiseschriftsteller? Was hat er denn groß geschrieben? Halt den "seekranken Wal" von 1963, und im Vorwort sagt er ja ganz deutlich, warum die darin beschriebene Fahrt nach Griechenland, Italien, Schweiz, Frankreich, England, Holland und USA (seine zweite Frau, die er stets - satirisch? - als "die beste aller Ehefrauen" bezeichnet, war aus New York City gebürtige Amerikanerin) angeblich die einzige größere Auslandsreise war, die er je unternommen hat: Der Staat Israel mußte sparen und war mit der Devisenzuteilung an seine Staatsbürger knauserig. [Die Aufrüstung Israels kostete viel Geld, denn die amerikanische Rüstungs-Industrie hatte nichts zu verschenken, und ganz so viele "Wiedergutmachungs"-Milliarden aus der BRD wie heute flossen damals noch nicht. Bundeskanzler Adenauer war 1962 gerade zum ersten Mal nach Tel Aviv gereist, um sich als "Nazi-Schwein" (schließlich hatte er selber im Konzentrationslager gesessen, wahrscheinlich um dort Juden zu bespitzeln) beschimpfen, mit Tomaten und faulen Eiern bewerfen und auch sonst in jeder nur erdenklichen Weise schikanieren zu lassen. Immerhin geruhte die Regierung Ben Gurion daraufhin, die BRD diplomatisch anzuerkennen und ihr Maschinenpistolen zu lieferen (die berühmte "Uzzi", mit der auch Dikigoros noch schießen gelernt hat), nach dreizehn Jahren, in denen diese - trotz der Zerstörung und Verarmung Deutschlands infolge der von dem jüdischen US-Präsidenten Franklin Delano Roosevelt angeordneten Terror-Bombardements - bereits erhebliche "Wiedergutmachungs"-Zahlungen geleistet hatte, um das beim Abzug der britischen Besatzung-, pardon Mandats-(heute würde man sagen: "Friedens"-)Truppen zerstörte Palästina wieder aufzubauen. Die hatte man auch ohne diplomatische Beziehungen gnädig angenommen.]

Nun, liebe Leser, nehmt bitte nicht allzu ernst, was Kishon da schreibt - schließlich war er ein Satiriker (oder, wie er selber mal gesagt hat: "nur ein Humorist"): Das erste, was Israelis tun, wenn sie wohlhabend geworden sind, ist ihrem selbst ernannten "Heimatstaat" den Rücken zu kehren und sich im sicheren Ausland anzusiedeln. (Juden, die schon vorher wohlhabend sind, hüten sich ohnehin, nach Israel zu gehen; die suchen von vornherein Gegenden auf, in denen es sich besser, bequemer und ungefährlicher lebt, z.B. Nordamerika oder Mitteleuropa.) Franz Hoffmann aus Budapest, der sich den Künstlernamen "Ephraim Kishon" zulegte, dachte natürlich gar nicht daran, in Tel Aviv zu leben, wo er offiziell sein Domizil angemeldet hatte, sondern wohnte schon lange in Appenzell in der von ihm so gerne auf die Schippe genommenen Schweiz, wo er in Ruhe und Frieden seine Bücher-Millionen genoß. [Von 41 Millionen hat er 31 Millionen, also mehr als drei Viertel der Auflage, in Deutschland verkauft, obwohl - oder weil? - er über Deutschland nie geschrieben hat (mit einer kleinen Ausnahme, auf die wir gleich kommen werden), ebenso wenig über sein Geburtsland Ungarn, wo er übrigens bis 1945 nie ernsthaft verfolgt wurde: Er verließ es nicht auf der Flucht vor den Nazis oder vor den Pfeilkreuzlern, sondern vor den sowjetischen Besatzern, pardon Befreiern; und sein Sohn hat in Deutschland Tiermedizin studiert - selbstverständlich ohne numerus clausus und mit einem Stipendium der BRD-Steuerzahler. So ist das fast immer mit so genannten "Wiedergutmachungen": Sie werden geleistet von Leuten, die keine Täter waren, an Leute, die keine Opfer waren - und in den meisten Fällen nicht einmal mit den letzteren verwandt oder verschwägert.]

Gerade das aber macht auch Kishons Ausführungen über Israel so interessant: Er beschreibt es nicht wie ein Eingeborener (aber wer aus seiner Generation ist das schon in Israel :-) sondern wie ein Durchreisender, und einige seiner besten Reisegeschichten handeln - von Israel! Nein, Dikigoros meint nicht "Schokolade auf Reisen", jene alberne Story der Pralinen, die von Geburtstag zu Geburtstag weiter gereicht werden und eines Tages vergammelt wieder bei ihren ersten Schenkern ankommen, auch nicht "Der Zug nach St. Petersburg" (über den liest man besser bei Radistschew nach), sondern Meisterwerke wie "Der Blaumilchkanal" (aus "Drehen Sie sich um Frau Lot"), "Titel, Tod und Teufel" (aus "Nicht so laut vor Jericho") und so viele andere Kurzgeschichten, in denen Kishon Israel und die Juden durch den Kakao zieht (sich selber eingeschlossen, obwohl er im persönlichen Umgang ziemlich dünnhäutig war, wenn andere ein gleiches mit ihm taten). Dabei war er nicht etwa unpatriotisch: Ausweislich der Kurzgeschichte "Wie Israel sich die Sympathien der Welt verscherzte" (aus "Arche Noah, Touristenklasse") und seines Buches "Pardon, wir haben gewonnen" stand er voll und ganz sowohl hinter dem Suez-Krieg von 1956 als auch hinter dem Sieben-Tage-Krieg von 1967 und dem Yom-Kippur-Krieg von 1973. An letzterem beklagte er vor allem, daß Israel ihn auf Druck der UNO und der USA nicht bis zum mutmaßlichen Endsieg fortführen konnte. Hätte ein Nicht-Jude dieses Buch geschrieben und für einen anderen Staat als Israel und seine Armee, dann wäre es sicher als "faschistoides Machwerk eines verbrecherischen Kriegstreibers" verboten worden und sein Autor lebenslang hinter schwedischen Gardinen verschwunden - jedenfalls in der BRD. Dennoch muß man feststellen, daß Kishon bei allem Cynismus die Wahrheit geschrieben hat, und nichts als die Wahrheit, so unbequem sie auch sein mag. Seine Angriffe auf die Banditen de Gaulle und Tito sowie auf den Schlappschwanz U Thant - dieser barmesische Penner war in den 1960er Jahren Generalsekretär der UNO - waren hart, aber berechtigt. (Wieder fällt auf, daß Kishon kein böses Wort über deutsche Politiker verloren hat, wozu es ja auch keinerlei Grund gab - aber wie viele seiner Landsleute und Glaubensbrüder hielten und halten sich schon mit der Frage auf, ob eine Beschuldigung grundlos war oder nicht, wenn es darum ging, die Deutschen noch mehr auszusaugen?) Dikigoros weiß wohl, daß "die Wahrheit" aus arabischer Sicht im allgemeinen und aus palästinensischer Sicht im besonderen ganz anders aussehen mag, und er wüßte auch nicht, wie man diesen Konflikt lösen könnte; es ist halt wie bei den alttestamentarischen Brüdern Kain und Abel, und fleißige Leser seiner "Reisen durch die Vergangenheit" wissen ja, daß er Kain durchaus keine Alleinschuld zuweist.) Nun aber endlich zu Kishons satirischen Reisegeschichten.

[Kishons beste Reisegeschichten] [Arche Noah, Touristenklasse]

"Der seekranke Wal" umfaßt gerade mal 150 Seiten - aber Dikigoros findet, daß man daraus mehr unbequeme Wahrheiten über Reisen ins Ausland erfahren kann als in manchen Schinken von drei- oder vierfachem Umfang. Vielleicht liegt das daran, daß die Wahrheit in "ernsthaften" Reisebüchern nicht so unverhüllt einher gehen darf wie in (scheinbar) witzig gemeinten Satiren - es ist das Hofnarren-Syndrom, von dem Dikigoros in der Einleitung zu "Lästermaul auf Reisen" schreibt. Wie schrieb Kishon mit durchaus zweideutigem Seufzen: "Der Autor eines Romans, einer Novelle, eines Theaterstücks und eines Gedichts kann alles nieder schreiben, was ihm gerade in den Sinn kommt. Nur bei Reiseberichten muß er sich an die Tatsachen halten." Na ja, jedenfalls in etwa...

Warum reist ein Israeli nach Griechenland, wenn er es denn für so gefährlich hält? Gefährlich aus rein sprachlichen Gründen, wohl gemerkt. Kishon empfiehlt, Verhandlungen mit Angehörigen der Tourismus-Branche auf keinen Fall in der Landessprache zu führen: "Warum sollst du den Nachteil haben, zu stottern und nach Worten zu suchen?" Laß ihn stottern und nach Worten suchen! Sprich in Paris englisch, in London französisch, in Italien deutsch. In Griechenland sprich nur hebräisch, weil sie dort alle anderen Sprachen kennen." Nun ja, da überschätzt er die Griechen wohl doch etwas: Dikigoros hat, selbst am Ende des 20. Jahrhunderts, selten ein europäisches Land kennen gelernt, in dem es um Fremdsprachen-Kenntnisse so schlecht bestellt wäre wie in Griechenland. (Die meisten beherrschen ja nicht mal mehr ihre eigene Sprache, seit sie in den siebziger Jahren irgendeinen Gassendialekt zur Schrift- und Amtssprache erhoben haben und alle Aspirationszeichen gestrichen haben - seitdem schreibt sich Kishons Lieblingsinsel Rhodos nur noch "Rodos".) Dikigoros folgt diesem Rat bisweilen; er hat sogar schon in Paris Preisverhandlungen auf Englisch geführt, obwohl er fließend Französisch spricht, besser als die Mehrheit derer, die inzwischen die französische Hauptstadt, pardon die Hauptstadt Frankreichs (denn "französisch" kann man die eigentlich kaum noch nennen :-) bevölkern - aber er bringt es einfach nicht fertig, in diese Sprache das gleiche Maß kühler Geschäftsmäßigkeit und Arroganz zu legen wie ins Amerikanische. Franzl Hoffmann dagegen hätte diesen seinen eigenen Rat selber gar nicht befolgen können, da er nicht genügend Hebräisch sprach, um einen Griechen zu täuschen - vielmehr doch: Als ein Fremdenführer beginnt, über die "verdammten Juden" herzuziehen und er ihn darauf hinweist, daß er selber einer ist, entschuldigt der Grieche sich damit, daß er ihn aufgrund seiner gutturalen Sprechweise für einen "verdammten Araber" gehalten habe - in den Augen (und Ohren) des europäischen Juden Kishon dürften die Israelis und die Araber ohnehin eine Mischpoke sein. (Und ganz Unrecht hat er da ja nicht :-)

[Exkurs. Ihr glaubt Dikigoros das nicht, liebe Leser? Dann lest einfach nur mal das Hörspiel "Sallach". Die Ernsthaftigkeit dessen, was Kishon da auf gerade mal 30 Seiten über die unüberbrückbaren Unterschiede zwischen Ost- und Westjuden schreibt, ist Dikigoros selber erst richtig klar geworden, seit er die Geschichte der gescheiterten deutschen "Wieder"-Vereinigung mit erlebt hat. Es gibt zugleich eine Antwort auf die Frage, weshalb Kishon als konservativer, "kapitalistischer" Westjude und Mitteleuropäer nicht auf Dauer in einem Staat wie Israel leben konnte und wollte, der für ihn aus orientalischen Barbaren und westlichen Sozialisten besteht - wobei offen bleibt, was er für schlimmer hielt: Sallach, der Titelheld, stammt aus dem Yemen, lebt seit sieben Jahren, d.h. seit seiner Einwanderung, im Flüchtlingslager, arbeitet nicht, sondern verdient sein Geld mit Kartenspielen, macht jedes Jahr ein Kind (wie viele er hat, weiß er selber nicht so genau), besäuft sich jeden Tag mit Arrak und ißt lieber Shish Kebab als Wiener Schnitzel (wo Wien liegt, weiß er gar nicht), hört lieber orientalisches Gedudel als klassische Musik; und als seine Tochter heiraten will, gibt er ihr keine Mitgift, sondern verlangt im Gegenteil einen Brautpreis [das ist übrigens ein guter, alter jüdischer Brauch, wie Ihr an anderer Stelle nachlesen könnt; der "Orientale" ist also im Recht!] - schließlich hat er sie zu einer fleißigen, gehorsamen Frau erzogen, das ist viel mehr wert als Schulbildung zu Emanzipation und dummem Geschwätz. Sein Schwiegersohn in spe dagegen arbeitet in einem Kibbuz (für Ossis: eine Art LPG), wo er keinen Privatbesitz haben darf. Diese Einrichtungen leben von der Ausbeutung ihrer Mitglieder (so wie die Fußballvereine von der Ausbeutung ihrer Amateure - aber jene Zeiten sind ja inzwischen auch in Israel passé :-) und machen dennoch nie Gewinn; ihre Defizite werden überhaupt nur durch Zahlungen aus den USA und/oder der BRD ausgeglichen - oder, wie Kishon meint, durch die Notenpresse, die wiederum die Inflation in Israel anheizt. Das bedeutet in der Praxis: Selbst wenn die häßliche alte Emanze, die den Kibbuz leitet, das Brautgeld für ihren Genossen ausspucken wollte (was sie natürlich nicht will - aus sozialistischer Prinzipien-Reiterei, pardon -Festigkeit: schließlich leben sie in der Zivilisation, nicht bei den Kameltreibern in der Wüste), könnte sie es gar nicht, denn die Kasse ist leer. Am Ende löst Kishon das Problem mit einer Doppelhochzeit: Sallach gibt seine Tochter dem Kibbuznik, investiert das Brautgeld aber prompt zurück, indem er für seinen Sohn eine Braut aus dem Kibbuz kauft. Das genügt Euch noch nicht? Dann lest auch noch die paar Seiten von "Lebensstandard", um zu begreifen, was Kishon von der sozialistischen Regierung des Staates Israel hielt: Schmarotzende Ausbeuter, die ihre Untertanen aussaugen, um sich die eigenen Taschen zu füllen, Wasser predigen, um selber Wein zu trinken - wie das halt unter allen sozialistischen Regierungen der Welt der Fall ist. Und dann fragt nochmal, warum Kishon lieber in der Schweiz lebte. Exkurs Ende.]

Gewiß wollte Kishon auch den Opportunismus und die Verlogenheit der Griechen im allgemeinen und der in der Tourismus-Branche beschäftigten Griechen im besonderen geißeln. Er griff sich dazu exemplarisch das "Tal der Millionen Schmetterlinge" in Rodos heraus, wo er keinen einzigen Schmetterling zu Gesicht bekommen hat. Das ist nur natürlich, denn außer in den Monaten Juli und August - in denen es viel zu heiß ist, um nach Rodos zu reisen - bewegen sich diese guten Tiere ja als Puppen, Larven oder Raupen durchs Leben. Aber das ist es gar nicht, was Kishon stört, sondern vielmehr die Tatsache, daß niemand ihm und all den anderen Touristen das ehrlich sagt, sondern sie für nichts und wieder nichts (nicht gratis, aber frustra :-) ins Tal hetzt und dort kräftig abzockt. Ja, liebe Leser, das ist typisch griechisch; es gibt heute in Europa (vielleicht mit Ausnahme der Albaner) keine Nation, die sich durch einen derart offenen Nationalismus und eine derart offene Fremdenfeindlichkeit auszeichnet. Nicht umsonst ist "Xenofowía" ein griechisches Wort: "Xenos" ist zugleich der Fremde (beileibe nicht nur der Ausländer, sondern schon der Mensch aus dem nächsten Dorf oder vom nächsten Inselchen!), der Gast und der potentielle Feind. Dikigoros ist überzeugt, daß Xenofobie eine griechische Erfindung ist, ebenso "Exapátisi" [Touristen-Nepp]. Dennoch schreibt er bewußt "auszeichnet", denn erstens kennt er die Ursachen (Jahrhunderte lange Unterdrückung und Ausbeutung durch fremde Besatzer) und zweitens denkt er selber national genug, um darüber milde lächeln zu können, besonders wenn er es mit jungen Leuten zu tun hat, die das alles doch gar nicht mehr mit erlebt haben: In Griechenland gibt es halt - anders als etwa in Deutschland - noch einen Geschichts-Unterricht, der diesen Namen verdient (wenn die griechischen Schulen schon sonst nicht viel taugen).

Aber warum reist ein Israeli ausgerechnet nach Rodos und nicht etwa nach Athen, Korinth, Olympia oder in die einstige Juden-Hochburg Saloniki? Kishon erwähnt das kurz, aber da es nicht witzig ist, liest man leicht darüber hinweg. Darf Dikigoros etwas weiter ausholen? Fast vier Jahrhunderte lang war Rodos von den Türken besetzt; dann, weniger Jahre vor dem Ersten Weltkrieg, kamen die Italiener und entrissen dem Osmanischen Reich nicht nur Libyen, sondern auch die 12 Inseln des "Dodekánes", deren wichtigste Rodos war und ist. Was immer man von den Italienern im allgemeinen und von Mussolini und seiner Kolonial-Politik im besonderen halten mag - auf Rodos haben sie zweifellos segensreich gewirkt. Sie bauten u.a. die Kallithea-Thermen wieder auf, und den Strand dahinter nennt der Volksmund in dankbarer, wenngleich heimlicher Verehrung, bis heute "Mussolini-Beach". Heute reist "man" nach Rodos, um sich billig zu besaufen und in der Sonne zu grillen, es ist von allen griechischen Inseln die am meisten von Touristen überlaufene (und zugleich reichste, denn besagte Touristen werden mehr denn je abgezockt - die ehemaligen Fischer gehen nicht mehr auf Fisch-, sondern auf Touristenfang). Aber anno 1963, als Kishon sie besuchte bzw. über sie schrieb, gab es in der Hauptstadt gerade mal drei Hotels, davon zwei für Touristen klassifizierte (heute sind es mehrere hundert); das war also schwerlich ein Reisegrund. Aber wir müssen noch einmal auf die italienische Kolonialherrschaft zurück kommen. Sie ging mit dem Zweiten Weltkrieg zuende, in dem britische Terror-Bomber die Insel gnadenlos platt gemacht hatten - noch 1945, als sie längst von den Truppen der Achsenmächte geräumt war. Da die Briten den Zweiten Weltkrieg angezettelt hatten, um ihr Empire nicht nur zu bewahren (das hätten sie auch ohne Krieg haben können - Hitler hatte ihnen in seiner Naivität sogar ausdrücklich angeboten, es mit zu verteidigen, wohl ohne zu ahnen, daß ihn das geradewegs in einen Krieg gegen die USA geführt hätte), sondern kräftig zu erweitern, wollten sie diese "Perle" des Mittelmeers natürlich ihrer eigenen Krone einverleiben - nach Gibraltar, Malta und Cypern [das spricht sich übrigens "Kipern" bzw. "Kiprós", nicht "Tsühpan" oder so ähnlich]. Drei Jahre lang hielten sie den Dodekánes besetzt, dann gaben sie auf: Indien - und damit der wichtigste Bestandteil des Commonwealth - war schon seit einem Jahr futsch, und Palästina hatten sie soeben an die Juden verloren (bis zuletzt hatten die Briten mit ihrer Arabischen Legion und anderen Muslimen gegen die Israelis Krieg geführt, während sie die aus den deutschen Konzentrations-Lagern "befreiten" europäischen Juden auf ihren Todesschiffen vor Cypern verrecken ließen); also schlossen sie Waffenstillstand, und zwar - auf Rodos (das sie anschließend an Griechenland zurück gaben, als der Bürgerkrieg zwischen Kommunisten und Royalisten beendet war). Rodos ist der Geburtsort des heutigen Staates Israel (so wie Versailles der Geburtsort des zweiten Deutschen Reiches war); deshalb muß jeden anständigen Israeli seine erste Auslandsreise zuerst dorthin führen.

Nach allem, was Dikigoros über Rodos geschrieben hat (übrigens auch an anderer Stelle), ist es nur folgerichtig, eine solche Reise mit Italien fortzusetzen, und zwar mit Venedig, denn das war die Seemacht, die einst Korfu, Kreta, Rodos und Galata (im heutigen Stámbul) zur Blüte gebracht hatte, und es war die Stadt mit dem ersten großen jüdischen Ghetto in Europa (über das Dikigoros an anderer Stelle mehr schreibt, da Kishon ihm nur einen nebenbei erwähnten "Höflichkeitsbesuch" abstattet). Ja, auch dort gab und gibt es Touristen-Nepp, und der beginnt - wie könnte es anders sein - mit den Taxis, als die in der Stadt der tausend Kanäle die Gondeln fungieren. Außerdem gibt es noch die "Spaghetti-Plage" (wieso Plage?) und die vielen Reiter-Standbilder, die Kishon an Mussolini erinnern, und an "die Todesverachtung des bekannt martialischen Italienervolkes". (Wem sagt er das... :-) Kurzum: "Es ist gar nicht so leicht, in Venedig glücklich zu sein." Aber darauf will Kishon eigentlich nicht hinaus, sondern auf etwas anderes: die italienische Bürokratie im allgemeinen und ihre Behandlung ausländischer Touristen im besonderen. Kishon läßt kein gutes Haar an ihr, wobei er nicht einmal das weit verbreitete Klischee der Korruption bemüht; es genügt ihm, ihre Angehörigen als dumm, faul und unfähig darzustellen. Dikigoros hat dieses Vorurteil persönlich nie überprüft, was nicht zuletzt daran liegt, daß er es teilt und deshalb nie auf die Idee gekommen wäre, italienische Ämter und Behörden je um Hilfe anzugehen. In anderen Staaten hat er dies wiederholt versucht, als er noch jung, naiv und unerfahren war - meist ohne brauchbaren Erfolg. Wahrscheinlich hätte er in Italien nicht mehr und nicht weniger Unfähigkeit vorgefunden als in anderen Ländern; heutzutage löst er seine Probleme auf Reisen, so denn welche auftreten, selber oder mit privater, nicht-staatlicher Hilfe.

Kishon dagegen versuchte schon vor der Abreise, d.h. von Israel aus, gewisse Vergünstigungen für ausländische Reisende (Rabattkarten für Eisenbahnen, Museen usw.) zu erhalten - ohne Erfolg; und da er diese vergeblichen Bemühungen in Italien noch fortsetzt, kostet ihn das letztlich viel mehr Zeit und Geld, als er jemals hätte einsparen können. Er überzeichnet die Odyssee, die er dabei absolviert, und wirft mit Seitenhieben nur so um sich, vor allem auf italienische Gebäude, seien es nun alte Ruinen aus der Antike, der mittelalterliche Turm von Pisa (dessen "Schiefe" Kishon als künstlich herbei geführten Touristen-Betrug darstellt) oder neuzeitliche Marmor-Klötze. (Ist das italienische Außenministerium tatsächlich "in spätem Mussolini-Stil gebaut"? Dikigoros weiß es nicht, denn er ist kein Kunsthistoriker und kein Architekt.) Aber mal im Ernst: In welchem Land (außer vielleicht in Deutschland, das Kishon wie gesagt nicht bereist hat - jedenfalls damals nicht, und wenn doch, dann ohne es zu beschreiben) kann man denn als ausländischer Reisender erwarten, Vergünstigungen zu erhalten, die Einheimische nicht haben? In der Regel ist es eher umgekehrt, d.h. als Fremder zahlt man mehr (zum Teil sogar erheblich mehr: in Staaten wie Rotchina, Thailand, Vietnam, Laos und Kambodya ganz offiziell mindestens das zehnfache, oft bis zum dreißigfachen); und wenn man etwa in Paris oder London eine Sammelkarte für Museen bekommt, dann sind das meist Ladenhüter, die man sich sonst eh nicht anschauen würde, d.h. man spart im Ergebnis gar nichts, sondern wird vielmehr animiert, Geld auszugeben [etwas weniger, als auf dem offiziellen Preisschild steht, gewiß], das man sonst behalten hätte, und die Gegenleistung ist in der Regel allenfalls so la la.

Exkurs. A propos Museen: Anders als "seriöse" Reiseführer im allgemeinen und solche über Italien im besonderen enthält sich Kishon - von den Seitenhieben auf die Architektur einmal abgesehen - jeglicher Bemerkungen über die "Kunst", die dort zu finden ist. Dies ist umso verwunderlicher, als er privat nie einen Hehl daraus gemacht hat, wie wichtig ihm dieser Punkt ist, und er nie ein Blatt vor den Mund genommen hat, wenn es darum ging, den (nicht nur Touristen-)Nepp mit der modernen "Kunst" zu kritisieren. Von Kishon ist ein Satz überliefert, der ihn Dikigoros persönlich ungemein sympathisch macht: "Die bloße Tatsache, daß Goebbels entartete Kunst nicht mochte, wird mich nicht davon abhalten zu sagen, daß ich sie auch nicht mag." Schon mit seinen vor der Russischen Revolution nach Paris geflüchteten Glaubensbrüdern Chagall, Kandinsky und Lipchitz konnte er nicht viel anfangen; was die italienischen Primitivlinge und Nichtskönner (Goebbels: "Kunst kommt von Können" :-) Carrà, Chirico und Morandi abzuliefern wagten, war schlimm; aber die Schmierfinken der "Barceloner Schule" - Dalí, Miró und Picasso - schlugen dem Faß den Boden aus. Nun, vielleicht wußte Kishon, daß jene verhinderten Anstreicher privat mindestens so humorlos waren wie man es ihm selber immer nachsagte und enthielt sich aus Furcht vor Beleidigungs-Prozessen jeglicher Satire über sie und ihre Machwerke. Exkurs Ende.

In der Schweiz, die Kishon als nächstes besucht, kann einem das nicht passieren. Dort geht alles korrekt zu - fast zu korrekt, wie Kishon meint. Dort herrschen "Höflichkeit, Tüchtigkeit, Pünktlichkeit" und vor allem Sauberkeit. Der Reinlichkeitsfimmel der Schweizer geht so weit, daß Kishon die Papptellerchen, auf dem ihm zwei köstliche Schnittchen mit Schweizer Schokolade serviert wurden, nirgends los wird (nicht mal im öffentlichen Papierkorb, denn der ist ganz neu und darf deshalb nicht beschmutzt werden, wie ihm ein pflichteifriger Polizist erklärt) und sie schließlich in ein Zürcher Restaurant trägt, um sie - gebraten, mit Gemüsen garniert und auf einem Silbertablett serviert - zu verzehren. Da sehnt er sich zum ersten Mal nach Tel Aviv zurück, nach der Strandpromenade mit den hunderten kleinen Abfallhäufchen, die in der strahlenden Sonne des Mittelmeeres lustig glitzern... A propos: In einer Zeit, da jüdische Lobbyisten-Gruppen Schweizer Banken und Versicherungen schamlos erpressen (nicht die Schweizer Regierung; die läßt sich - anders als die deutsche - nicht erpressen), sollte man über einen Satz Kishons nicht unbedacht hinweg lesen: "In der Schlußfase des Zweiten Weltkriegs beging die kleine Schweiz einen Fehler, der den menschenfreundlichen Großmächten niemals unterlaufen wäre: sie nahm eine Menge verfolgter Juden auf. Sie mußte es bitter büßen..." Das klang vor knapp vier Jahrzehnten vielleicht nur wie ein Scherz; aber inzwischen ist es Ernst geworden, und viele Schweizer bereuen inzwischen bitter, was ihre Eltern und Großeltern damals aus falsch verstandener Mitmenschlichkeit taten - man hat ihnen ihre Großzügigkeit schlecht gedankt. Aber Dankbarkeit ist halt, wie Dikigoros schon an anderer Stelle bemerkt hat, keine typisch jüdische Eigenschaft: "nie vergessen, nie vergeben" gilt nur für ihre alt-testamentarischen Rachegelüste.

Aber für die eigenen Rachegelüste sind Juden meist blind - sie sehen das Brett vor dem eigenen Holzkopf nicht, wohl aber den Splitter bei den anderen. Zum Beispiel bei den Franzosen. Kishon will bei ihnen noch immer Rachegelüste gegenüber den Engländern ausgemacht haben, denen sie die Niederlage, die Nelson rund anderthalb Jahrhunderte zuvor Napoleons Flotte bei Trafalgar beibrachte, nie vergessen hätten. Nun ja, Kishon schrieb das zu einer Zeit, als der französische Präsident De Gaulle gerade versuchte, Großbritannien aus Europa im allgemeinen und aus der EWG im besonderen fern zu halten (er wollte die Deutschen alleine melken) und die Stimmung[smache] entsprechend ausgerichtet war. Dankbarkeit ist halt auch keine typisch französische Eigenschaft - wenn einer Grund gehabt hätte, den Engländern dankbar zu sein, daß sie ihn 1940 als Asylanten aufnahmen und vier Jahre später zurück nach Frankreich und an die Macht brachten, dann wäre es nämlich Charly der Gallier gewesen. Aber vielleicht hat sich Kishon, indem er sich auf Paris beschränkt hat, auch nur ein zu einseitiges Bild gemacht? Wie sang einst der erfolgreichste französische Schlagersänger nach dem Zweiten Weltkrieg, Michel Sardou (der sich, wiewohl gebürtiger Pariser, als Südfranzose fühlt, da sein Vater aus dem "Midi" stammte):

"C'est en France qu'il y a Paris,
[eine Persiflierung des Spruches: "Paris, c'est la France - Paris ist Frankreich", Anm. Dikigoros]
mais la France, c'est aussi un pays
où il y a quand-même pas cinquante millions d'abrutis."
[Paris liegt zwar in Frankreich,
aber Frankreich ist auch ein Land,
in dem es denn doch nicht 50 Millionen Verrückte gibt.]

Richtig ist, daß die Franzosen bis heute eine geradezu peinliche Heldenverehrung um ihren Hitler, den Korsen Napoléon Bonaparte, treiben; aber Dikigoros will das hier nicht vertiefen, zumal er über dieses Fänomen an anderer Stelle mehr schreibt. Auch darüber, warum Kishon in England zu seiner großen Überraschung keinerlei Personenkult um Nelson antrifft: Die Engländer haben keinen Nationalhelden, weil diejenigen, die dafür in Frage gekommen wären, entweder eines natürlichen (statt des "Helden"-)Todes gestorben sind, wie Cromwell, oder die falschen Kriege gewonnen haben, wie Churchill, oder aber ihre vermeintlichen Siege die Wirkung von Niederlagen hatten, wie Nelson. [Den Briten hätte nichts Schlimmeres passieren können als die Vernichtung der französisch-spanische Flotte 1805 bei Trafalgar: In ihrem Größenwahn verhängten sie nun nicht nur eine "Kontinentalsperre" über Europa, sondern brachen auch einen Handelskrieg mit den USA vom Zaun, die mit einem Importverbot für britische Waren reagierten. Erst mit diesem "Nicholson Act" von 1806 - den Ihr in Euren Geschichtsbüchern vergeblich suchen werdet, liebe nicht-amerikanische Leser - wurde die Trennung der US-Kolonien vom britischen Mutterland endgültig; indem Großbritannien die USA so in die wirtschaftliche Unabhängigkeit zwang (die politische, die noch keine 23 Jahre alt war und hauptsächlich auf dem Papier stand, hätte jederzeit wieder rückgängig gemacht werden können), verspielte es sein erstes Kolonialreich - das einzige, das sich aufgrund seiner Bevölkerungs-Zusammensetzung langfristig hätte halten lassen; das zweite Kolonialreich, das es sich in Asien und Afrika zusammen raubte, ohne dort an Menschen mehr als ein paar Besatzungsoffiziere zu investieren, mußte früher oder später untergehen, das hätten weit blickende Beobachter schon damals absehen können - aber das ist eine andere Geschichte.]

Auch England kommt bei Kishon schlecht weg, trotz - oder gerade wegen - der vielen "guten" Eigenschaften seiner Einwohner. Kishon entlarvt sie allesamt als hohle Fassaden: So wie andere Leute sich bisweilen handgreiflich um den Vortritt streiten, so streiten die Engländer ebenso handgreiflich darum, anderen den Vortritt zu lassen. Der britische Humor ist fade, wie das Essen, und die Tierliebe der Insulaner besteht bloß darin, Leute lynchen zu wollen, die sich nicht von ihren Kötern terrorisieren lassen. Dann noch das immer schlechte Wetter, die ständig überfüllte U-Bahn, der Fimmel für Krimis... kurzum, da machen Kishon und die beste aller Ehefrauen vor dem Weiterflug über den großen Teich lieber noch einen Abstecher zurück über den Kanal, nach Amsterdam, vordergründig wegen eines Vortrags, hintergründig jedoch um dem berühmten Rotlicht-Viertel einen Besuch abzustatten, wo die Prostituierten ganz offen im Fenster sitzen und auf ihre Freier warten. (Damals, Anfang der 1960er Jahre, muß das als der Gipfel der Verruchtheit gegolten haben, obwohl man sich ja fragt, was besser wäre, wenn die Damen hinter verschlossenen Fenster warten würden; während der eigentlichen Dienstleistung werden die ja eh geschlossen.) Der Ärger ist nur: Er weiß nicht, wo genau das Viertel liegt und traut sich auch nicht, so direkt danach zu fragen; seine Gesprächspartner wiederum sind sich nicht sicher, ob er nicht vielleicht doch nur etwas ganz harmloses wissen will, und trauen sich ihrerseits nicht, ihm die richtige Antwort zu geben. (Man muß das parallel lesen zu "Fremd auf St. Pauli", Kishons einziger Kurz-Satire, die in Deutschland spielt: da versuchen ihn alle fast mit Gewalt zum Besuch der Reeperbahn zu animieren, ohne ihn zu fragen, geschweige denn daß er selber fragen müßte :-) Ja, das ist die berühmte Diplomatie und Höflichkeit der Holländer in Geschäftsdingen - davor braucht Kishon auf seiner nächsten Station nicht bange zu sein.

[Nachtrag. Anno 2008 kam der Bürgermeister von Amsterdam, Kishons Glaubensbruder Cohen, auf den löblichen Gedanken, jenem Problem abzuhelfen - obwohl es eigentlich gar keines mehr war, denn inzwischen konnte man das Rotlicht-Viertel kaum noch übersehen; der heimlicheoffene Werbe-Slogan der Amsterdamer Tourismus-Industrie lautete längst "Heineken, Hasch und Huren"; auf den paar Straßen der "Wallen" drängten sich rund 500 Puffs und 80 legale (!) Haschisch-Cafés. Deren Zahl soll nun halbiert werden; dafür sollen teure Einkaufszentren, Boutiquen, Galerien und Restaurants einziehen. Wer in den Puff will und sich darob geniert, braucht also künftig nur nach einem guten Restaurant in der Nähe einer interessanten Galerie zu fragen - gut so! Das wird allerdings der einzige positive Effekt dieses Schildbürgerstreichs sein (aber beileibe nicht der einzige Schildbürgerstreich, den Euch Dikigoros hier noch vorstellen wird :-), denn jemand, der sexuelle Vergnügungen sucht, wird sich davon nicht durch andere Konsumtempel abhalten lassen; und "brave" Touristen werden jenes Viertel weiterhin meiden, denn auch wenn sich die Zahl der "anrüchigen" Etablissements halbiert, wird sich doch die Zahl der Nutten, Zuhälter und Rauschgiftsüchtigen schwerlich verringern - die müssen dann halt nur etwas enger zusammen rücken. Was hätte Kishon wohl darüber gedacht und geschrieben? Nachtrag Ende.]

Den USA widmet Kishon den weitaus größten Teil seiner Reisesatire, wohlgemerkt zu einer Zeit, als der allgemeine Anti-Amerikanismus noch nicht weltweit um sich gegriffen hatte, sondern die meisten Nicht-Amerikaner noch sehnsüchtigen und unkritischen Auges auf das "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" blickten, vor allem auf den "Big Apple", New York City, wo schon damals mehr Juden lebten als in ganz Israel. "Es läßt sich nicht einmal leugnen, daß sie dort besser leben" (Kishon). Eigentlich ist das, was Kishon da so aufs Korn nimmt, mehr oder weniger harmlos: Der Fimmel der Amerikaner für "Generäle", ihr großer - selbst einem Juden auffallende - Hang zur Religiosität (so etwas könnt Ihr Euch gar nicht mehr vorstellen, liebe deutsche Leser), zu der auch die Fernsehsucht (damals noch einmalig auf der Welt :-) zählte, da der Amerikaner "fest daran glaubt, daß Gott das Fernsehen erfunden hat" (mit damals schon 17 Kanälen!) und "die natürliche Dreiteilung des Tages": 8 Stunden Schlaf, 6 Stunden Arbeit und 12 Stunden vor dem Bildschirm; dann die Spielleidenschaft, die überall unterdrückt wird (außer an der Börse, wie Kishon richtig bemerkt), nur nicht in Las Vegas, wo sie sich dafür umso mehr austobt, das Unwesen um die Interessenvertreter ("Agenten") - ein eher humorvoller Versuch Kishons, seinen relativ geringen Verkaufserfolg in den USA zu erklären -, und last not least die Autos: "In Amerika hat jeder 5. Bürger ein Auto," schreibt er an anderer Stelle, "in Israel ist jeder 5. Bürger Verkehrspolizist." Nun, das ist längst nicht mehr aktuell - heute hat in den USA statistisch jeder Bürger ein Auto -, aber Dikigoros will eine ganz bestimmte Szene heraus greifen: die mit dem betrügerischen Gebrauchtwagen-Händler. Nanu, was ist denn daran besonderes? wird der geneigte Leser möglicherweise fragen, das gibt es doch überall auf der Welt!

Gewiß, Dikigoros meint auch nicht die Tatsache, daß der Autohändler Kishon zu betrügen versucht, sondern die Art und Weise, wie er sich heraus redet, wenn er bei einer Lüge ertappt wird: Der "10-Zylinder-Motor" hat beim Nachzählen nur 6 Zylinder? Was soll's denn, umso größer ist die Benzinersparnis! Das Autoradio funktioniert nicht? Na wenn schon, es wird ja sowieso den ganzen Tag nur dummes Zeug gesendet. Und der Tachometer zeigt nur 3.000 Meilen, obwohl der Wagen unstreitig schon 17.000 Meilen gelaufen ist? Nun, der Vorbesitzer hat ihn halt zurück gedreht, weil er Leuchtturm-Wärter war. Früher hätte Dikigoros das einfach auf die Fähigkeit der Amerikaner bezogen, allen Fährnissen des Lebens, auch den ungünstigsten, noch etwas Positives abzugewinnen: Kommt es nicht nur darauf an, aus welchem Blickwinkel man etwas betrachtet? Aber wenn er dieses Kapitel nun noch einmal liest, fällt ihm so einiges auf, das ihn stutzig werden läßt. Nicht nur, weil er Kishon inzwischen durch Zufall kennen gelernt hat (er hat sogar eine hübsche persönliche Widmung von ihm, auf Englisch, mit "F. Hoffmann" unterzeichnet - freilich hat Dikigoros sich ihm nicht als Deutscher, sondern als amerikanischer Jude vorgestellt, und Kishon hat es geglaubt, was für sich spricht :-) sondern auch, weil der Text da eigentlich ziemlich eindeutig ist: Kishon reist in den USA von einem jüdischen Verwandten zum nächsten, die Namen aller Personen, mit denen er zu tun hat, sind jüdisch, und der Autohändler versucht sich sogar mit dem Satz zu rechtfertigen: "Glauben Sie etwa, ich würde ihnen einen schlechten Wagen verkaufen? Ich Ihnen? Ein Jude dem anderen?" Ja, Kishon ist im Grunde seines Herzens immer ein Europäer geblieben, der vom amerikanischen Judentum ebenso wenig hält wie vom israelischen. Man muß das im Zusammenhang lesen mit seinen beißenden Satiren über Israel, besonders den beiden, die Dikigoros eingangs erwähnt hat: "Titel, Tod und Teufel" und "Der Blaumilchkanal". Die meisten Leser werden sie schon gelesen haben (alle anderen sollten das schleunigst nachholen :-) deshalb genügt es, wenn Dikigoros ihren Inhalt in jeweils einem Satz zusammenfaßt: Durch ein Mißverständnis veröffentlicht eine Zeitung die Todesanzeige für einen - gar nicht existenten - "Jakob Titel", der vermeintlich während einer USA-Reise verschieden ist [an dem Wortspiel, das dem Mißverständnis zugrunde liegt - "verschieden" in der Doppelbedeutung von "unterschiedlich" und "verstorben", die es nur im Deutschen gibt -, erkennt der Leser übrigens, daß Kishon noch auf Deutsch denkt - nicht auf Jiddisch, darauf legt er Wert], woraufhin in ganz Israel eine wahre Euforie um jenen "alten Kämpfer" und Pionier der jüdischen Palästina-Einwanderung einsetzt, die damit endet, daß Herr Grienbutter, der zuständige Redakteur, als er alles aufklären will, in die neue, nach "Jakob Titel" benannte Klapsmühle eingeliefert wird. Genauso ergeht es dem armen Sachbearbeiter im städtischen Bauamt, als er erklärt, daß die Hauptstraße der israelischen Hauptstadt von Tel Aviv nicht etwa im Auftrag der Baubehörden aufgerissen und als Kanal bis ans Meer verlängert wurde, sondern von einem armen Irren namens Blaumilch, der zu diesem Zweck einen Preßluftbohrer gestohlen hat, den aber niemand aufhielt, weil in dem allgemeinen Kompetenzen-Wirrwar, der in Israel herrscht, niemand wußte, ob jemand einen entsprechenden Auftrag erteilt hatte oder nicht, so daß es am Ende für alle Beteiligten das beste war, die vollendeten Tatsachen anzuerkennen, das Resultat nach seinem Schöpfer zu benennen und jeden, der die Wahrheit sagte, für verrückt zu erklären und einzusperren.

[Blaumilchkanal]

[Im Jahre 1997 begann ein armer Irrer"Bildhauer" namens BlaumilchGunter Demnig, die Hauptstraße der deutschen Hauptstadt Berlin türkischen Stadt Berlin-Kreuzberg mit einem Preßlufthammer an 55 Stellen aufzubohren, um dort "Stolpersteine" zu verlegen, die Namen angeblicher jüdischer Opfer des "Holocaust" trugen. Als der zuständige Sachbearbeiter im städtischen Bauamt diese illegalen Arbeiten stoppen und rückgängig machen wollte, wurde er für verrückt erklärt und versetzt. Die "Stolpersteine" wurden von den Behörden für legal erklärt und entwickelten alsbald eine geradezu fieberhafte Eigendynamik: In allen größeren Städten der BRDDR ließ die Obrigkeit trotz leerer Kassen die Straßen aufreißen und ähnliche "Stolpersteine" einsetzen, sehr zum Befremden der Bürger - die freilich nicht gefragt wurden, schon gar nicht die Betroffenen, vor deren Türen solche Klötze eingelassen wurden und die damit öffentlich an den Pranger gestellt wurden, weil sie in Häusern lebten, die angeblich ermordeten Juden gehört hatten - als ob sie die persönlich vergast hätten! Vielleicht wird man eines Tages für das Verbrechen, in einem solchen Haus gewohnt zu haben, tatsächlich ins Gefängnis gesteckt. Ihr haltet das für abwegig, liebe Leser? Warum? Weil 99% der betroffenen Häuser nachweislich erst nach dem Krieg erbaut bzw. nach den alliierten Terror-Bombardements auf deutsche Wohnviertel neu aufgebaut wurden? Da wäre sich Dikigoros nicht so sicher. Was heißt das schon, "nachweislich"? Es gibt bekanntlich bestimmte Prozesse vor BRD-Gerichten, in denen Beweismittel zur Entlastung der Angeklagten schlicht nicht zugelassen werden - ähnlich wie 1946 vor dem inter-alliierten Kriegsverbrecher-Tribunal in Nürnberg -, und das Leugnen von Judenhäusern hinter Stolpersteinen könnte ja dem Leugnen des "Holocaust" gleich gestellt werden. Und selbst wenn es nicht gleich ganz so schlimm kommt, wird es vielleicht nicht mehr lange dauern, bis sich jemand strafbar macht (wegen des neu einzuführenden Straftatbestands der "Spendenverweigerung"), der es ablehnt, Sponsor, pardon "Pate" für weitere Stolpersteine à 95.- Teuro zu werden - von denen der wackere Künstler übrigens einen erklecklichen Anteil abbekommt; er ist längst Millionär; und das Bundesverdienstkreuz hat man ihm auch schon verliehen. Die Dinger müssen so teuer sein, denn sie haben tiefe Betonsockel mit ehernen Katzköpfen, damit nicht etwa so ein paar blöde Fascho-Untertanen auf die Idee kommen, sie eigenmächtig zu entfernen. (Jawohl, blöde, liebe rechte Leser - denn es gibt wichtigere Dinge, die zuerst in Angriff genommen werden müßten, wenn man denn wirklich noch eine "Reconquista" schaffen will!)

Als nächster Schritt könnte es erst mit einer Sondersteuer belegt, dann bei Strafe verboten werden (jedenfalls für Nicht-Juden), Straßen zu betreten, in denen solche Steine eingelassen sind. Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat bereits durch seine Vorsitzende Knobloch erklärt, es gehe nicht an, daß auf dem Andenken der solchermaßen geehrten Juden "mit Füßen herum getrampelt" werde. [Und vergeßt nicht, seit Oktober 2007 entscheidet der Zentralrat der Juden bereits darüber, wer in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft mitspielen darf und wer nicht. (Jedenfalls keine gebürtigen Perser, denen man nur zum Zwecke des Gegen-den-Ball-Tretens einen BRD-Doppelpaß gegeben hat, und die noch an ihren muslimischen Überzeugungen - die nun mal anti-christlich und anti-jüdisch sind - festhalten. Das sieht Dikigoros übrigens genauso - wo der Zentralrat der Juden Recht hat, hat er Recht :-) Seit November 2007 entscheiden die Zentraljuden ferner, an welchen Tagen Deutsche bei welchen Veranstaltungen tanzen dürfen und wann nicht; seit März 2008 überdies, welche Orden die Bundeswehr für ihre "Friedenseinsätze" am Hindukusch und sonstwo verleihen darf und welche nicht. (Auf keinen Fall "Eiserne Kreuze", denn die gab es schon im Krieg von 1870/71 gegen die Franzosen, die bekanntlich große Judenfreunde waren - wie Hauptmann Dreyfus jeder Zeit bestätigen könnte, wenn er noch lebte :-) Warum sollten sie dann nicht auch entscheiden, welche Straßen und Häuser von Deutschen betreten werden dürfen und welche nicht? Zwar hat das Landgericht Cottbus im Mai 2008 eine Klage abgewiesen, mit der ein jüdischer Lobbyistenverband in einem Musterprozeß das "Recht" durchsetzen wollte, jedes beliebige Privatgrundstück in Deutschland zu durchwühlen, wenn er den "Verdacht" habe, daß dort tote Juden vergraben sein könnten - auch wenn es dafür keinerlei konkrete Anhaltspunkte gibt -, aber das war noch nicht die letzte Instanz; und das Land Brandenburg hat bereits durchblicken lassen, daß es erheblichen Druck auf die Richter des Oberlandesgerichts ausüben wird, damit sie jenes schändliche und "völlig widersinnige" Urteil kassieren; ansonsten dürften ihre Karrieren wohl beendet sein - wie schon die der Richter am Amtsgericht Guben und am Landgericht Cottbus, die es in 1. und 2. Instanz fällten. Auch der unverschämte Privateigentümer wird wohl künftig damit zu leben haben, als "Nazi" und "Holocaustleugner" zu gelten - denn aus welchen anderen Gründen hätte er sonst den Juden ihr "Recht" verweigern sollen, auf seinem Grundstück in Jamlitz herum zu buddeln? Glaubt Ihr wirklich, liebe Leser, daß nur die Wale krank sind in unserer Gesellschaft? Und nur seekrank?] Die Zahl jener Schildbürgerstreichesteine geht inzwischen in die 'zigtausende (allein in Hamburg gibt es bereits über 2.000) - das Ziel sind 6 Millionen -, die Kosten in die Millionen - aber für so einen guten Zweck würde man sogar Milliarden aufwenden, und wenn man die Steuerschraube noch fester anziehen müßte! Am liebsten würde man dieses schöne Projekt auf ganz Europa ausdehnen. Österreich-Ungarn, pardon Österreich und Ungarn, genauer gesagt Wien und Budapest, haben bereits nachgezogen - dort sind die Bürgermeister Juden. Auch in Amsterdam (dto - s.o.), Antwerpen, Mailand, Paris (dto), Saloniki und Warschau (alles Städte, in denen Kishon mal gewesen ist bzw. über die er geschrieben hat - Zufall?) ist man bereits vorstellig geworden und hat großzügig angeboten, dort ähnliche Stolpersteine anzubringen, selbstverständlich auf deutsche Kosten; Dikigoros fürchtet indes, daß die zuständigen BehördenBanausen eine derartige Verschandelungschönerung ihrer Straßen nicht zulassen werden. Die Frage, was wohl mit jemandem geschehen wäre, der in Prag, Breslau, Budapest oder Hermannstadt angefangen hätte, ähnliche "Stolpersteine" vor Häusern einzulassen, in denen einst Deutsche lebten, die man am Ende des 2. Weltkriegs ermordete oder vertrieb - so an die 11 Millionen -, stellt Dikigoros besser gar nicht erst.]

Zumindest deutsche Leser sollten solche und andere Geschichten Kishons nicht nur mit einem lachenden, sondern auch mit einem weinenden Auge lesen. Wäre er nicht Jude und hätte er sie heute geschrieben, würde Kishon bestimmt eine Menge Ärger bekommen, auch durch seine Anprangerung des leichtfertigen Umgangs der Juden mit Zahlen (nicht erst bei den Zylindern und dem Meilenstand - oder habt Ihr etwa nicht bemerkt, liebe Leser, daß die Summe des Fernsehtags über 24 Stunden liegt?).

[Exkurs - nur für Leser, die bereit sind, sich durch eine Geschichte der Althebräischen Sprache zu arbeiten; denn sonst wird ihnen das, was Dikigoros hier schreibt, abwegig, wenn nicht gar absurd erscheinen. Er legt auch Wert auf die Feststellung, daß er damit nicht speziall auf den "Holocaust" und/oder das "Shoa"-business anspielen will - sonst würde er nicht "leichtfertig", sondern "vorsätzlich" schreiben -, sondern eine ganz allgemeine Entwicklung aufzeigen, die sich indes wie ein roter Faden durch die jüdische Geschichte zieht. Wer die Bibel gelesen hat weiß, daß die alten Hebräer z.T. ein geradezu abenteuerlich hohes Lebensalter erreichten, und daß die Menschenmassen, mit denen damals - nicht nur auf dem Schlachtfeld - operiert wurde, geradezu aberwitzig zahlreich waren. Nichts davon kann stimmen - aber kann sich das jemand einfach so ausgedacht haben? Nun, der Schlüssel liegt in falsch übertragenen Zahlen. Die alten Semiten - nicht nur die Hebräer - hatten ein Zahlensystem, das die Wissenschaftler "hexagesimal" nennen, d.h. die Zahlen 1-6 schrieb man mit einer eben solchen Anzahl senkrechter Striche, danach benutzte man andere Zeichen. (Ja was, liebe Leser, Ihr glaubt doch nicht im Ernst, daß Euer Dezimalsystem das einzig mögliche ist, bloß weil der Mensch zufällig zehn Finger hat? Dafür mußte man erstmal die Null erfinden! Die alten Kelten hatten ein Duodezimalsystem - die Franzosen bezeichnen noch heute die 80 als "4[x]20"! Und Eure Computer arbeiten nach dem Binärsytem; es geht also sowohl mit mehr als auch mit weniger Grundzahlen.) Inwieweit das einen Einfluß auf die späteren Zahlensysteme der Hebräer hatte, wissen wir nicht genau - es erklärt allerdings, warum die "6" bei ihnen zur heiligen Zahl, zum Symbol wurde (der Davidstern hat bekanntlich sechs Zacken, während die Wappensterne aller anderer Staaten nur je fünf Zacken aufweisen). Aber wir wissen, daß ihr erstes Alfabet nur 22 Zeichen hatte, mit denen man Buchstaben oder Zahlen darstellen konnte; sie wurden für die Ziffern 1-9, 10-90 und 100-400 verwendet. Man kann trefflich spekulieren, ob dahinter schon ein Dezimalsystem steckte - wahrscheinlich nicht, denn sonst hätte man "500" ja als "5[x]100" oder "10[x]50" schreiben können (es gab mehrere Schreibweisen nebeneinander, z.B. schrieb man "16" entweder als "10[+]3[+]3" oder als "10[+]4[+]2" oder gar als "9[+]7"); man schrieb aber "400[+]100" usw. Als es nun - wahrscheinlich zu Beginn des 2. Jahrhunderts n.C. unter griechischem Einfluß - zur Umstellung auf ein echtes Dezimalsystem kam, setzte man als Null-Ersatz Punkte über die Grundzahlen. Wie viele? Natürlich 1:1 - oder? Ihr werdet es nicht glauben, liebe Leser, aber eines Tages erklärten die Schriftgelehrten, daß ein Punkt vielmehr als zwei Nullen zu lesen sei, zwei Punkte als drei Nullen usw. Also nicht, daß je ein Punkt "je zwei Nullen" bedeutet hätte - das wäre ja noch nachvollziehbar -, sondern daß immer jeweils eine Stelle mehr gemeint war als da stand, d.h., um bei der heiligen Symbolzahl zu bleiben, statt 600 "6.000", statt 6.000 "60.000", statt 60.000 "600.000" (so viele Juden sollen beim "Exodus" aus Ägypten abgehauen sein :-) usw. Entsprechend wurde auch das Alte Testament umgeschrieben, d.h. die Zahlen wurden ausgeschrieben; die alten Ziffern verschwanden, und die alten Textvorlagen, die sie noch enthielten, wurden vernichtet. Noch Fragen? Z.B., ob man nun, um auf realistische Zahlen zu kommen, 40% abziehen muß oder 90% oder erst 40% und dann nochmal 90%? Dann stellt sie bitte jemandem, der sich damit besser auskennt als Dikigoros, dessen Exkurs an dieser Stelle endet.]

Ungeachtet des Vorstehenden hält Dikigoros - wie er ja auf verschiedenen seiner "Reisen durch die Vergangenheit" immer wieder zum Ausdruck gebracht hat - die Feilscherei um Zahlen im Zusammenhang mit dem "Holocaust" für geschmacklos, insbesondere um die Zahl "6 Millionen" (auch wenn diese kaum zuverlässiger sein dürfte als die der Fernsehstunden, Zylinder und Meilen im "seekranken Walfisch" - aber kann es darauf ankommen?); hier will er denn auch auf etwas ganz anderes hinaus: Als er Ende 1993 zum ersten Mal von Steven Spielbergs Film "Schindlers List[e]" hörte, begann er gleich nach den historischen Vorbildern zu suchen. Er suchte und suchte, fand aber weder Jakob Titel noch den Blaumilch-Kanal, pardon weder Amon Goeth noch das Konzentrationslager Plaszow. Eine Nachfrage bei Bekannten aus dem Umkreis der "Macher" ergab, daß sich der Australier Thomas Keneally da einen hübschen Roman ausgedacht hatte ("Schindlers Arche" - ausgezeichnet mit dem Booker-Preis), bei dem er an Rudolf Höß - den Lagerkommandanten von Auschwitz - und an das Außenlager Birkenau - das er auf einer Reise durch Polen besichtigt hatte - gedacht hatte. Den Namen "Goeth" oder "Göth" - den in Höß' Memoiren ein nicht näher bezeichneter Mithäftling trägt - hatte er bewußt gewählt, um allen Deutschen, die sich noch immer für das Volk Goethes, der Dichter und der Denker halten sollten, zu demonstrieren, daß auch jemand mit diesem Namen zum Verbrecher werden konnte. Den Rüstungsfabrikanten Oskar Schindler gab es tatsächlich, aber der wirkte nicht in und mit Häftlingen aus Auschwitz-Birkenau, sondern aus Krakau. Auch an seinen edlen Motiven sind Zweifel erlaubt (oder neuerdings nicht mehr?) - er beschäftigte die KZ-Häftlinge wohl eher, um sie auszubeuten als um sie zu "retten"; und unklar bleibt auch, wie er bei insgesamt 900 Mitarbeitern an die 1.200 Häftlinge gerettet haben soll - aber wir wollten ja nicht um Zahlen streiten... Halten wir einfach fest, daß zahlreiche andere deutsche Unternehmer nach dem Krieg (und z.T. noch lange danach) zur LinkenRechenschaft gezogen wurden, weil sie KZ-Häftlinge als Arbeiter "ausbeuteten", und daß sie dafür Gefängnis, Enteignung und Ächtung erdulden mußten, während Oskar Schindler, der nichts anderes getan hatte, dafür zum Helden hoch gejubelt wurde.

Wie auch immer, das war der Stoff, aus dem die Bestseller sind; der Staat Israel errichtete Oskar Schindler - wie Kishons "Jakob Titel" - Denkmäler und weihte ihm Gedenksteine, ernannte ihn zum "Helden" und "Gerechten" [letzteres ist ein Ehrentitel, der normalerweise nur Juden verliehen wird]. Nicht einmal zehn Jahre nach der Film-Premiere stellt Dikigoros zu seinem Entsetzen fest, daß es überall, auch im Internet, von ganz ernst (?) gemeinten Seiten wimmelt (darunter solchen, die als "Bildungs-Lektüre" für Schulkinder bestimmt sind, wie Wikipedia - gleich in zwölf Sprachen!), in denen die Biografie von "Amon L. Goeth" mit einer Akribie geschildert wird wie die von Jakob Titel bei Kishon, als sei das alles Realität und nicht nur eine Romanverfilmung - sogar ein Bild von ihm hat man zu diesem Zweck gefunden, genau wie von Jakob Titel bei Kishon. (Wer weiß, wie lange es dauern wird, bis man in Internet auch den Lebenslauf mit Bild von "Oberst Bobel" aus Jeff Kanews "Babij Jar" nachlesen kann, als hätte es den wirklich gegeben :-) Sicher wird man bald auch irgendwo ein Lager Plaszow "wieder entdecken", "rekonstruieren" oder sonstwie der reisenden Öffentlichkeit zugänglich machen - wie den Blaumilchkanal. Warum sollte man auch auf so eine tolle Gelegenheit verzichten, Einnahmen von gutmenschlichen Betroffenheits-Pilgern und anderen leichtgläubigen Touristen zu erzielen, da doch schon die Kinogänger (und die Verleiher des "Golden Globe") ein so dankbares Publikum waren?! Anno 2002 kam ein Witzbold namens Matthias Kessler auf die Idee, ein Buch über "Amon Göth" zu schreiben, das auf einem angeblichen Interview mit dessen angeblicher Tochter Monika Hertwig beruhte (die später einräumen mußte, daß sie ihren angeblichen Vater "nie kennen gelernt" und sich das alles nur ausgedacht hatte :-). Und anno 2005 trat ein Spaßvogeldurch und durch seriöser Herr namens "Mietek Pemper" auf und behauptete, er sei 1943-44 "der persönliche Stenograf von Amon Göth" gewesen, der dessen Missetaten akribisch aufgezeichnet habe. Sogleich fand sich eine selbst-ernannte "Professorin" namens Viktoria Hertling (sie hatte in der Spielerstadt Reno/Nevada ein "Universitäts-Zentrum für Holocaust-, Völkermord- und Friedens-Studien" gegründet, deren "Direktorin" sie ist :-), die für den guten "Mietek" (richtig hieß er Mieczyslaw) ein angeblich autobiografisches Buch niederschrieb, das eine junge deutsche "Medien-Wissenschaftlerin" - ihres Zeichens DAAD-Lektorin in Nairobi/Kenya - ins Deutsche übertrug unter dem Titel "Der rettende Weg. Schindlers Liste - die wahre Geschichte". Und somit haben wir einen neuerlichen Beweis für die Existenz Amon Göths, denn jener Herr Pemper ist selbstverständlich uneingeschränkt glaubwürdig - schließlich kam er erst 1958 in der BRD; und daß ihm das alles erst 47 Jahre später - also nach insgesamt 61 Jahren, im stolzen Alter von 85 Jahren - eingefallen ist, ist nur ein Zeichen dafür, wie hervorragend sein Gedächtnis noch immer funktioniert, nicht wahr? Bloß eines haben all diese Leute offenbar nicht bedacht: Wenn es jenen "Amon Göth" wirklich gegeben hätte, dann wäre er ausweislich seines Vornamens (der auf der berühmt-berüchtigten Liste des Reichsinnenministeriums steht, mit "typisch jüdischen" Namen, die arische Eltern ihren Söhnen ab 1938 nicht mehr geben durften) ebenso ein [Halb?]Jude gewesen wie Reinhard Heydrich, Adolf Eichmann und so viele andere Haupttäter des "Holocaust", denen die Deutschen bis heute ihren zweifelhaften Ruf als "Tätervolk" verdanken.

* * * * *

[Franz Hoffman alias Ephraim Kishon] [Max Schmeling] [Hans Firzlaff, Biograf von Johann Trollmann] [Eva Rolle, geb. Firzlaff]

Nachtrag. Zehn Jahre nach "Schindlers List" kam wieder ein listiger Witzbold auf die Idee, bei Kishon abzukupfern: Hans Firzlaff, Inhaber des "Satire-Verlags" in Hannover, schrieb eine Satire mit dem Titel "Knock-out", ursprünglich um zu beweisen, daß man dem tumpen Publikum auch heute noch einen "Jakob Titel" vorsetzen kann. Je länger er daran herum schrieb, desto mehr reifte in ihm indes der Plan, seine Leser am Ende nicht aufzuklären, sondern im Gegenteil die ganze [Box-]Welt an der Nase herum zu führen. Und das ging so: Aus dem jüdischen Palästina-Pionier und alten Kibbuznik-Kämpfer "Jakob Titel" machte Firzlaff das zigeunerische Box-Wunder und Nazi-Opfer "Johann 'Gypsy' Trollmann" aus Hannover - von dem Dikigoros bis dahin noch nie gehört hatte. Dann beschwatzte er den fast 100 Jahre alten, schon völlig vertrottelten Boxweltmeister a.D. Max Schmeling, ein Schreiben an die Bundesregierung zu richten, in dem er verlangte, daß ein Denkmal errichtet werde für diesen verdienten alten Boxer, mit dem auch er selber immer gut Freund gewesen sei. (Den muß er in seinen umfangreichen Memoiren - wo er so ungefähr jeden deutschen Juden, Zigeuner und Kommunisten, der tot war und sich daher nicht mehr wehren konnte, posthum zu seinem "guten Freund" erklärte - glatt vergessen haben; da erwähnte er nur einen 'Gypsy' Daniels, der ihn mal zu Beginn seiner Karriere k.o. schlug :-). Daraus wurde zwar vorerst nichts; aber dafür gelang der Bluff beim Bund Deutscher Berufsboxer umso besser: Firzlaff schickte seine Schwester Eva Rolle vor, die sich kackfrech als "Boxpromoterin" ausgab (dabei hatte sie außer den beiden halbwüchsigen Bengeln ihres Ex-Mannes "Rolli" Rolle und ein paar kriminellen Straßenkindern bis dahin noch niemanden promotet :-) und verlangte, daß man dem verdienten Johann Trollmann nachträglich und posthum den seinerzeit vorenthaltenen Meisterschaftsgürtel verleihe. Bodo Eckmann, der BDB-Vorsitzende, ließ sich einschüchtern (er galt bei einigen Hetzern eh schon als "Antisemit" und konnte es sich nicht leisten, auch noch als "Antisintiundromaist" hingestellt zu werden), und so geschah es denn: Der Meistergürtel wurde angefertigt (peinlicherweise wurde der Vorname seines Gegners dabei falsch geschrieben, nämlich so wie der des damaligen Reichskanzlers Adolf H. - aber was solls :-) und in einer merk-, pardon denk-würdigen, von der Bierbrauerei Hasseröder gesponsorten Zeremonie, mit den National-Hymnen und -Flaggen der BRD und Zigeuneriens, in politisch-korrekter Anwesenheit mehrerer Zigeuner und sogar eines Negers, verliehen - von Eva Rolle, geb. Firzlaff, höchstpersönlich, die sich zum Gedenken an den Jubilar eigens das Gesicht so weiß gepudert hatte, wie dieser das zu tun pflegte.

Wiewohl alsbald eine Menge braver Gutmenschen begannen, kräftig die Werbetrommel für "Knock-out" zu rühren - auch im Internet -, erreicht Firzlaffs Firlefanz, pardon Satire, pardon Geschichtsbuch doch nicht ganz die Auflagenhöhe von Kishons Werken; bald darauf machte sein "Satire-Verlag" Pleite. Doch dem Ruhm Johann Trollmanns hat das ebenso wenig Abbruch getan wie dem Ruhm Jakob Titels: Im Januar 2004 empfing der Oberbürgermeister von Hannover, Herbert Schmalspur, pardon Schmalstieg, den "Historiker" Hans Firzlaff und eine Delegation der Familie Trollmann im Rathaus; im März 2004 wurde der Johann-Trollmann-Weg" in Hannover feierlich eingeweiht. Und Dikigoros ist sicher, daß eines Tages irgendwo in Deutschland auch ein Johann-Trollmann-Denkmal stehen wird - ob mit oder ohne Hilfe von Degussa, denn wie schrieb schon George Orwell: Die Diktatur ist erst dann perfekt, wenn sie nicht nur über die Gegenwart, sondern auch über die Vergangenheit, also die Geschichtsschreibung, unumschränkt, d.h. frei von allen Zwängen der Wahrheit oder auch nur der Logik, gebietet. Aber Dikigoros wird sich hüten, den Fehler von Herrn Grienbutter zu wiederholen und die wahre Geschichte von Johann Trollmann an anderer als dieser Stelle aufzuklären, denn er will ja nicht eines Tages in der "Johann-Trollmann-Klapsmühle" landen...

Wohlgemerkt, Dikigoros will hier nicht in das gegenteilige Extrem derjenigen verfallen, die er des Plagiats bei Kishon bezichtigt. Gewiß, es gab einen Oskar Schindler - so wie es ja auch einen Journalisten namens Jakob in "Titel, Tod und Teufel" gab und einen Sergeanten namens William Shoeman in "Wag the Dog", dem Kultfilm des genialen jüdischen Regisseurs Barry Levinson aus dem Jahre 1997. Nur waren die eben nicht der "Engel von Plaszow", nicht der Gewerkschafts-Funktionär, der auf einer Reise in die USA starb und nicht der hinter den Linien vergessene Held aus dem Albanien-Krieg. Und Johann Trollmann (der übrigens nicht "Gypsy", sondern "Ruckelie" genannt wurde, weil er im Ring ständig hin und her ruckelte) war nie deutscher Box-Meister irgendeiner Gewichtsklasse; es erkannte ihm niemand einen Titel ab, es schloß ihn auch niemand von der Olympia-Mannschaft aus, er kam nicht ins KZ, weil er Zigeuner war, und er wurde dort auch nicht erschossen. Trollmann war ein mittelmäßiger Amateurboxer, der es als solcher immerhin bis zur Kreismeisterschaft von Hannover (manche behaupten auch, bis zur norddeutschen Meisterschaft) brachte. Dann verkrachte er sich mit seinem Verein, dem Boxclub "Heros", und wechselte zu einem Arbeiterverein. Damit schloß er sich - ähnlich wie die Fußballer und Leichtathleten, die für einen so genannten "Arbeiterverein" antraten - von den offiziellen Meisterschaften und Olympischen Spielen aus. (Die "Arbeitervereine" trugen damals ihre eigenen Meisterschaften und Spiele aus, genauer gesagt bis 1936. Damals fand die "Arbeiter-Olympiade" in Barcelona statt. Als die Sportler angekommen waren, wurden sie von den Kommunisten, die sich gerade in Katalonien an die Macht geputscht hatten, für ihre Bürgerkriegsarmeen vereinnahmt, oder, wenn sie sich weigerten, gleich an die Wand gestellt. Sie fielen ohne Ausnahme, entweder an der Front gegen die Truppen Francos, oder bei den Kämpfen der linksgerichteten Truppenverbände untereinander.) Deshalb wurde Trollmann 1928 und 1932 - also noch zur Zeit der edlen "Weimarer Republik" - nicht für Olympia berücksichtigt. Dann wechselte er ins Profilager, zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt; denn die Nazis hatten das Amateurstatut auf ihre Fahnen geschrieben. Der Fußball-Profi z.B. wurde ganz verboten; beim Boxen machte man eine Ausnahme, von der auch Trollmann profi-tierte.

Den angeblich annullierten "Kampf um die deutsche Meisterschaft im Halbschwergewicht" zwischen Johann Trollmann und Adolph Witt am 9.6.1933 hat es - wie den Albanien-Krieg in "Wag the Dog" - nie gegeben. Richtig ist, daß die beiden bei einer Wirtshausschlägerei aneinander gerieten (in der Bockbierbrauerei zu Kreuzberg; damals gab es in Berlin - wie heute nur noch im Ruhrpott - jene kleinen Ein-Kessel-Brauereien, die gerade nur soviel brauten, wie sie zum Ausschank in ihrem eigenen Restaurant oder Biergarten benötigten); daraufhin improvisierten die ungefähr hundert Kneipengäste - darunter zufällig auch ein paar Funktionäre vom "Verband deutscher Faustkämpfer (VdF)" - eine Art Boxring und ein Match, in dem Trollmann den Witt ziemlich vermöbelte. Aus Anerkennung vermittelten ihm die Box-Funktionäre tatsächlich sechs Wochen später einen Kampf gegen den späteren Europameister Gustav Eder. Trollmann war ein Clown im Ring (weit schlimmer als etwa sein Zeitgenosse, der damalige Weltmeister aller Klassen Max Baer, dem man das immer nachsagte): er färbte sich seine schwarzen Haare knallblond und puderte sich das Gesicht weiß. Den Kampf gegen Eder wollte er wieder wie eine Wirtshausschlägerei führen; aber daran hinderte ihn der Ringrichter, und so verlor er in der 5. Runde durch k.o. - und bekam nie eine Chance, um die Meisterschaft zu kämpfen (schon gar nicht gegen Adolph Witt, der den vakanten Titel 1933 gewann und bis 1937 behielt). Nachdem Trollmann sich mehrmals auf Jahrmärkten als Preisboxer herum geprügelt hatte, schloß ihn der VdF wegen Unwürdigkeit aus. Allerdings wurde er nicht ins KZ gesteckt, weil er Zigeuner war, sondern zur Wehrmacht eingezogen, weil er Deutscher war, und an die Ostfront geschickt - wie so viele andere Deutsche von A wie Arier bis Z wie Zigeuner auch. Dort versuchte er zu desertieren, und dafür kam er nun tatsächlich ins KZ - wobei er in zweierlei Hinsicht Glück hatte: Erstens hätte er als Deserteur auch an die Wand gestellt werden können (nicht nur in "Nazi-Deutschland"), und zweitens landete er im KZ Neuengamme, das kein Vernichtungslager war, sondern von einem ehemaligen Fußballer (Tull Harder vom Hamburger SV) geleitet wurde und auch andere prominente [Ex-]Sportler beherbergte. Trollmann trainierte die Boxstaffel der Wachmannschaft; 1943 starb er an Kreislaufschwäche. Zu seinem 60. Todestag wurde das Märchen vom Meisterboxer und Nazi-Opfer erfunden und verbreitet, das sich offenbar an Kishons "Titel, Tod und Teufel" orientiert.

Drehen Sie sich um Frau Lot, pardon Herr Kishon, aber erstarren Sie bitte nicht zur Salzsäule!

[Lots Weib erstarrt zur Salzsäule] [Johann Trollmann, der neue Jakob Titel]

zurück zu Vojaĝo al Kazohinio

weiter zu Travels in Nihilon

heim zu Lästermaul auf Reisen