Marathon des Sables
Marokko

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7.April 2001 - 6. Etappe 22km von Tizi N'Izelguene nach Tazzarine

Die Schlussetappe wurde wohl doch von fast allen herbeigesehnt und man sah fast �berall entspannte und gel�ste Gesichter. Leider konnte ich das von mir nicht sagen, da ich mit einen starken Druck in der Magengegend aufwachte, nichts essen konnte und nur ein wenig trank. Zum Gl�ck hatte Holger auch gegen �belkeit Tabletten dabei und verabreichte mir eine davon. Ich hatte nur die Hoffnung bald mal richtig r�lpsen zu k�nnen, um mich von dem Druck zu befreien. Meinen Rucksack entleerte ich nun vom letzten Essen und behielt nur noch drei UltraBuffer in der Bauchtasche, in der schon die Salztabletten und die Kamera warteten.

Ein letztes Bild der gesamten Belegung
von Zelt 71 zeigte an, dass wir wirklich die letzten km vor uns hatten. Petra, Eric und ich hatten beschlossen die letzte Etappe gemeinsam zu laufen, da man bei dieser Etappe, die weniger als 10% der Gesamtstrecke umfasste, sowieso kaum etwas gewinnen oder verlieren konnte. Gleichzeitig hatten wir festgelegt, dass Petra das Tempo bestimmen und wir hinterher laufen sollten.

Nach dem Start zog Petra ganz gleichm�ssig davon und Eric und ich hingen "hinten dran". Meinem Magen ging es nicht unbedingt besser und nach dem einzigen Kontrollpunkt bei km 9 und anschliessenden sandigen Untergrund, blieb ich zur�ck, um in Ruhe einen Buffer zu vertilgen und meinen nachlassenden Kr�ften entgegen zu wirken. Danach ging es mir ein wenig besser und ich konnte wieder in einen gleichm�ssigen aber ruhigen Laufschritt fallen.

Bald darauf sah ich Eric, der zur�ckgeblieben war, um mich wieder an Petra heran zu f�hren. Nach etwa 2km hatten wir dann Petra wieder eingeholt und konnten gemeinsam den Weg fortsetzen. Jetzt kamen mir die km doppelt solange vor wie sonst. Petra hatte an diesem Tag die meisten Kraftreserven und ich folgte einfach ihrer Spur. Nun war es an Eric, der sich an diesem Tage durch die letzten km durchbeissen musste.

Am Stadtrand von Tazzarine angekommen, erwartete uns noch eine lange "Fahrt" bis wir endlich ins Ziel kamen. Unterwegs erz�hlten uns die Einheimischen st�ndig, dass es nur noch 3, 2 oder 1km w�ren, hatten aber die wirkliche Distanz um etwa die H�lfte gek�rzt. So waren wir hinter jeder Strassenbiegung in der Stadt frustriert, nicht das Zieltor zu sehen. Trotzdem erfreuten wir uns an den klatschenden und anfeuernden Bewohnern. Vor allem lenkten sie mich von meiner inneren Ersch�pfung ab, die mich jetzt schon mehr als 2h begleitete.
Nach fast einem km auf Asphalt und vom normalen Stadtverkehr von Tazzarine begleitet, entdeckten wir am anderen Ende des Ortes das heiss ersehnte Ziel nach 3h. Wir f�cherten uns in eine Reihe auf und liefen gemeinsam winkend �ber die Ziellinie. Wie von einer grossen Last befreit und nicht viel wahrnehmend, nahm ich die wohl am schwersten erk�mpfte Medaille
meines L�uferlebens entgegen, sp�rte den Kuss von Patrick Bauer auf meiner Wange, durchschritt das von Zuschauern gebildete Zielspalier, und streckte meine Hand nach dem Lunchpaket aus.

Holger war der erste aus unserem Zelt, der uns im Ziel mit einer Umarmung empfing und begl�ckw�nschte. Anschliessend begaben wir uns in den Schatten einer Hausmauer
, um dort bis zur Abfahrt mit dem Bus zu warten. Und ein wenig stolz auf unsere Leistung durften wir schon sein. Immerhin errang Petra den 22. Platz unter 70 gestarteten Frauen, Eric erlief einen hervorragenden 146. Rang unter den 612 Startern und ich konnte mich in der Veteranenklasse II immerhin auf einen 12. Platz von 53 L�ufern in dieser Kategorie nach "verpatztem Start" - und wie es sich sp�ter herausstellen sollte mit einem Leistenbruch - noch vorarbeiten.
Mit dem Lunchpaket hatten wir auch die Nummer und die Abfahrtzeit des Busses erhalten, mit dem wir zur�ckkehren w�rden. Von unserem fast schattigen Pl�tzchen konnten wir sowohl den Zieleinlauf
als auch die abfahrenden Busse beobachten.

Aus dem Lunchpaket griff ich mir als erstes eine am Baum gereifte Orange und genoss den frischen Saft. Die "trockenen" und sehr "s�ssen" �berraschungen aus dem Lunchpaket verschenkte ich an die herumsitzenden Kindern und Jugendlichen, so kamen wir auch bald mit ein paar neugierigen Teenagern auf Franz�sisch und Englisch ins Gespr�ch.
Immer mehr Ziell�ufer aus dem deutschen Lager sammelten sich an "unserer" Ecke und eine der meist gestellten Fragen: "L�ufst Du hier noch einmal?" wurde durchweg gleich beantwortet: "Never again". Ich hielt mir einen kleine Nebent�r offen, indem ich auf den bekannten "Alzheimer" verwies.

Holger und Eric verschwanden f�r eine Weile im d�rflichen Trubel und kamen mit einigen Flaschen Coca-Cola und Heiniken Bier wieder. Selten hat mir ein Bier so gut geschmeckt wie diese gut gek�hlten 330ml.

P�nktlich um 13:30 konnten wir in den Bus und schaukelten auf den sehr engen und kurvenreichen Strassen nach Ouarzazate. Unterwegs bewunderte ich die Radfahrer, die sich mit den ziemlich r�cksichtslos fahrenden Autofahrern in den aussischtlosen Kampf um das wenige Asphalt einliessen. Unser Busfahrer hupte zwar fr�hzeitig, wich der Radfahrer aber nicht auf den Sandstreifen aus, wurde er fast von dem "Fahrtwind" des sehr dicht vorbeifahrenden Bus von der Piste gefegt. Zwei Radfahrer konnte ich dann auch sehen wie sie auf dem Sandstreifen zu einem Notabstieg gezwungen waren, nachdem ihr Fahrrad vom Asphalt herunter musste.
Auch mit den entgegenkommenden Fahrzeugen lieferte sich der Busfahrer immer wieder eine Art Stierkampf. Die uns entgegenkommenden PKWs hielten bis zum letzten Augenblick stur auf unseren Bus zu und hupten teilweise emp�rt, bevor sie dem Bus den Platz auf dem Asphalt widerwillig �berliessen.

Nach 5h hatten wir die knapp 300km bis vor das Hotel bew�ltigt. Auf einer grossen Tafel waren unsere Namen mit dem Hinweis aufgef�hrt, welches Hotel und welche Zimmernummer wir hatten. Gleichzeitig erhielten wir dort unsere Koffer zur�ck, die wir vor 7 Tagen abgegeben hatten.
Da Rainer, mein Zimmernachbar, mit einem fr�heren Bus vor mir eingetroffen war, durfte er mir die Zimmert�r �ffnen. Dabei bekam ich fast einen Lachanfall. Rainer hatte sich nat�rlich schnell unter die Dusche begeben. Als er mit dem Einseifen fertig war und sich Abduschen wollte, erlitt das Stromnetz im Hotel einen Totalausfall. So sass der arme Rainer voll eingeseift in der Badewanne und wartete fast 20 Minuten, bevor das erste nun sch�n kalte Wasser auf ihn hernieder rieselte. Die Wasserversorgung war f�r den gleichzeitigen Ansturm von fast 400 L�ufern in diesem Hotel vollkommen �berlastet.

Die zweite �berraschung erfuhr ich, als ich ungewollt in einen Spiegel blickte und ein Weilchen brauchte,um zu realisieren, wer mir da im Spiegel entgegen sah. Die letzten Tage hatten Spuren in meine Gesichtsz�ge hinterlassen. Deutlich abgenommen und mit einem 7-Tage-Bart konnte ich den Spruch: "Hoffentlich werde ich mal so alt, wie ich jetzt aussehe" am eigenen K�rper nachempfinden.
So beschr�nkte ich mich zun�chst auf das Auspacken von Rucksack und Koffer und befreite Rucksack, Schuhe und sonstige Ausr�stungsgegenst�nde so weit es m�glich war vom Sand der W�ste.
Rainer war schon lange fertig, als ich duschen ging. Dabei musste zuerst die ganze Verpflasterung der F�sse entfernt werden, was eine gewisse letzte �berwindung kostete und einige Minuten in Anspruch nahm. Inzwischen hatten wohl die meisten Teilnehmer den Platz an der Bar eingenommen, da ich reichlich warmes Wasser zur Verf�gung hatte. Ich duschte gleich zweimal, die wenigen Haare wusch ich gleich dreimal, bevor ich das Gef�hl hatte, alle Sandk�rner in das Abwassersystem verabschiedet zu haben.

Nachdem auch der Rasierapparat seine Pflicht erf�llt hatte, ich mich in bequemer und normaler Freizeitkleidung wiederfand, reinigte ich Rucksack und Schuhe gr�ndlich mit Wasser und ordnete meine Sachen f�r die n�chsten Tage. Zumindest organisatorisch hatte ich damit den Lauf abgeschlossen und konnte mich f�r die n�chsten 36h auf meine Regeneration beschr�nken.

Ich kam gerade noch rechtzeitig zum Abendessen und erwischte noch einen Platz am Tisch von Zelt 71. Das arabische Essen noch gut in Erinnerung vom letzten Herbsturlaub verdr�ckte ich langsam geniessend. Der Abend fand dann seinen Abschluss bei ein paar Bieren in der Bar des Hotels. Noch vor Mitternacht war ich in meinem Bett verschwunden.

Tages- und Gesamtergebnisliste:

Name

Platz
Etappe

Platz
Frauen
Veteran I
Veteran II

Zeit

v (km/h)

Platz
Gesamt

Platz
Frauen
Veteran I
Veteran II

Zeit

v (km/h)


Petra
Eric
Rolf

276
276
276
?

19
98
22
-

02:59:39
02:59:39
02:59:39
02:59:39

7,35
7,35
7,35
7,35

269
146
205
?

22
64
12
-

45:11:58
38:05:36
41:23:54
41:33:49

5,38
6,38
5,87
5,84
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