Marathon des Sables
Marokko

Eine schlaflose Nacht ---- Die Vorbereitung ---- Die Anreise ---- Der Check-In ----
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Meine Ausruestung
---- Eine strenge Satzung ---- Viele Links und Hilfen

4.April 2001 - 4. Etappe ( 1.Teil - 2.Teil ) 82km von Oued el Jdaid nach Rich bel Ras

Diese Etappe machte ein Drittel der gesamten Distanz von 243km aus. Ich war noch nie in meinem Leben vorher 82km an einem St�ck unterwegs gewesen. Ich bin noch nie in 4 Tagen 179km gelaufen, gegangen oder gekrochen - selbst bei der Bundeswehr vor 30Jahren hatten wir k�rzere Tagesstrecken zur�ckgelegt. Dieser Tag sollte viele neue "Rekorde" f�r mich bereithalten.
Bei der Morgentoilette verbrauchte ich den Rest meiner Sonnenschutzcreme mit Lichtfaktor 60. Dieser Blocker blieb als d�nne, durchsichtig-weisse Schicht auf den unbekleideten Teilen meiner Arme und Beine haften und hatte meine Haut in den letzten Tagen hervorragend gegen die Sonnenstrahlen gesch�tzt.
Weitere Kleinteile verschwanden in den M�ll. Der Rucksack war schon etwa 2kg leichter und viel bequemer zu packen, als in den ersten Tagen. Dank seiner ausgekl�gelten Technik, schrumpfte der Rucksack mit abnehmenden Inhalt, d.h. man konnte ihn so zusammenschn�ren, dass er immer eine kompakte Einheit darstellte und innendrin nichts wackelte oder rumpelte.

Eine weitere Besonderheit dieser Etappe bestand in den geteilten Startgruppen. Die 50schnellsten M�nner und die 5 schnellsten Frauen durften erst um 12Uhr starten, w�hrend alle anderen um 9Uhr auf die Piste mussten. Der Sinn lag darin, dass auch die schnellsten L�ufer in die Nacht hineinlaufen sollten.

Wohl wie viele andere auch, dachte ich bei dieser Etappe nur in Kontrollabschnitte von 11-12km. Nach jedem Abschnitt wollte ich sehen, wie ich mich f�hlte, um dann zu entscheiden wie es danach weiter gehen sollte. Die ersten 10km liefen und gingen Petra
, Eric und ich zusammen. Am 1.Kontrollpunkt nach 10km wollte Petra eine 10 min�tige Pause einlegen. Dort entschieden Eric und ich gemeinsam ohne Pause bei den noch nicht ganz so hohen Temperaturen weiter zu traben. Eric gab mir dabei noch einen Tip, nachdem wir uns w�hrend des Tages noch oft richten sollten: Immer wenn etwas Wind aufkommt, wird die Gangart erh�ht, um die K�hlung auszunutzen.

Nachdem die ersten 10km sehr sandig waren, konnten wir auf der zweiten Etappe teilweise die Laufgeschwindigkeit gut erh�hen und erreichten �ber einen ausgetrockneten See
den 2.Kontrollpunkt bei km 21. Der Aufenthalt zur Wasseraufnahme dauerte kaum 2 Minuten und schon ging es in den 3.Abschnitt, der zuerst �ber einen kleinen steilen Pass f�hrte und dann von einem Sanduntergrund zum anderen wechselte. Ein Flussbett mit dichter Busch- und Baumbepflanzung ohne Orientierungsmarkierungen durchquerten wir in Gottvertrauen auf unsere Vorg�nger, die in kleiner Zahl vor uns durch die B�sche eilten.

Das wir von der Platzierung trotz unseres vorsichtigen Gangart von etwa 6km/h gut unterwegs waren, sahen wir an den L�ufern, die ich und teilweise auch Eric sonst nie gesehen hatten. Irgendwo auf diesem Teilst�ck hatten wir "Bergfest", d.h. wir hatten die H�lfte beim MdS zur�ckgelegt. Mit dieser Erkenntnis ging es jetzt beim "Herunterlaufen" nat�rlich irgendwie besser. Die �blichen Markierungen
f�hrten uns nach einer welligen D�nenlandschaft zum 3.Kontrollpunkt, wo wir 2 Wasserflaschen mit insgesamt 3 Liter erhielten.
Diesen Aufenthalt nutzte ich, um mir im DocTrotter-Zelt den rechten Fu� s�ubern und einen neuen Verband anlegen zu lassen. Da man dabei auf dem R�cken liegt, den Fuss auf einem Hocker dem Arzt anbietet, konnte ich in Ruhe etwas trinken und Essen. Eric nutzte ebenfalls die Gelegenheit seine F�sse zu �berpr�fen und nach 10 Minuten setzten wir unseren Marsch fort. Inzwischen waren 5,5 h vergangen und wir konnten damit rechnen, dass uns die Spitzenl�ufer bald einholen w�rden.

Zuerst holten uns die Nummer 2 und 6 bei km 35 ein, die auch zusammen in einem Team liefen. Etwa 5-10 Minuten sp�ter folgte die Nummer 1 Lahcen Ahansal
, der aber dann im Ziel fast 30 Minuten Vorsprung vor seinem Bruder Mohamad (Nr.2) haben sollte.

Mit Torsten
hatten wir ausgemacht, dass wir ihn fotografieren w�rden, wenn er uns erreicht hat. Als er und ein weiterer Spitzenl�ufer auf mich auflief, war ich gerade mit einer weiteren Essensration fertig und Eric bereits 500m weiter gelaufen. Nachdem Torsten mich noch um einen Schluck Wasser bat, da er bei seinem Tempo nur eine Flasche am letzten Kontrollpunkt mitgenommen hatte, hatte ich mich unwillk�rlich an sein Lauftempo (ca. 12km/h)angepasst und zum ersten Mal beim MdS das Gef�hl gehabt, wirklich zu laufen.
Der Untergrund jetzt auch noch angenahm fest,so dachte ich mir, dass dies eine g�nstige Gelegenheit w�re Eric wieder schnell einzuholen, was auch nach ca. 10 Minuten erfolgte. Eric machte ein Foto von uns
und gesellte sich unserem Tempo an. Wir waren nun insgesamt eine Vierergruppe, die auf den n�chsten Kilometern eine Reihe von L�ufern �berholte, die uns richtig anfeuerten.
Mein Puls bewegte sich so zwischen 145 und 150 also bei ca. 70% des maximalen Pulses. Zuerst blieb Eric zur�ck und danach passte ich auch, um Kraft zu sparen, als der Untergrund sandig wurde und mein Puls schlagartig auf �ber 155 anstieg. Trotzdem war es ein tolles Erlebnis und als Eric mich wieder eingeholt hatte, wussten wir, dass wir auch ziemlich schnell unterwegs sein konnten. Der n�chste Kontrollpunkt bei km 45 war dann auch schnell bei den jetzt deutlich sinkenden Temperaturen erreicht.

Leider trennten sich hier unsere Wege, da ich diesmal meinen linken Fuss verarzten liess. Dieser Sanit�ter nahm sich jedoch soviel Zeit, dass ich Eric nicht aufhalten wollte und ihm empfahl schon mal vorzulaufen, vielleicht w�rde ich ihn ja wieder einholen. Mein Aufenthalt dauerte dann fast 30 Minuten bei dem ich zwar in Ruhe essen und trinken konnte, aber auch fast aus dem Rhythmus kam.
Der n�chste Abschnitt begann mit einem langen Anstieg �ber einen langen D�nenpass, den ich verdammt langsam bew�ltigte. Als ich dann aber auf der oberen Ebene des Passes war, begann ich wieder zu traben und dann beim Abstieg und in der langen Ebenen langsam bis schnell zu laufen. Eine Zeitlang glaubte ich, Eric mit 1-2km Vorsprung im auff�lligen Compaq-Dress laufen zu sehen.
Den 5.Kontrollpunk bei 56,5 km erreichte ich nach gut 10h gerade noch vor der einbrechenden Dunkelheit und tats�chlich traf ich wieder auf Eric. Er war gerade mit seiner Pause fertig und begab sich als Gl�hw�rmchen, denn jeder von uns hatte ab hier einen Leuchtstab bekommen, der am Rucksack befestigt wurde, auf den n�chsten Abschnitt. Im Ruhezelt traf ich auch auf Steffi und Lars, die zusammen ausgestiegen waren und etwas ungl�cklich �ber ihre Entscheidung,die Nacht in diesem Ruhezelt verbringen mussten, da es keine Transportm�glichkeit zum offiziellen Zeltlager mehr gab.

Nach etwa 15 Minuten ging ich hinaus in die Dunkelheit, um mich etwas an die ver�nderten Randbedingungen zu gw�hnen. Es war fast Vollmond. Ich hatte zwar meine Taschenlampe in der Hand brauchte sie aber nur ganz selten anzumachen. Als mich zwei Franzosen mit Stirnlampen �berholten, heftete ich mich an ihre Fersen und trabte �ber 30 Minuten mit ihnen mit. Leider musste ich festtstellen, dass das von den Stirnlampen abgegebene Licht mich eher irritierte und ich bei dem sehr unebenen Boden mehrmals stolperte. Wie schon n�chtens in Deutschland konnte ich ohne k�nstliches Licht viel besser laufen.

Jetzt sp�rte ich einerseits deutlich die Einsamkeit und andererseits eine unwahrscheinliche Ruhe und Leichtigkeit. �berrascht war ich, dass ich fast keinerlei Beschwerden oder Ersch�pfung versp�rte. Nachdenkend stellte ich fest, dass sich dieses Gef�hl nach ca. 8h eingestellt haben musste. Zwar war da so eine Art M�digkeit vorhanden, aber der K�rper war nur noch in zweiter Linie pr�sent. So deutlich habe ich noch die Trennung zwischen mechanischer Ausf�hrung von Bewegung und die Steuerung durch den Willen gesp�rt. Jeder Schritt hing einfach von der mentalen Kraft ab.

Ich hatte mir ein fast festes Schema vorgegeben. Eine halbe Stunde gehen und dann eine halbe Stunde laufen. Dies funktionierte hervorragend. Trotzdem war ich nach dem letzten Kontrollpunkt bei km 68 ziemlich leer. Fast 13h war ich jetzt unterwegs und bei dem vorliegenden Tempo brauchte ich noch gut 3h. Diese 3h trafen mich im ersten Moment wie ein Schlag. Drei Stunden - das war pl�tzlich eine Ewigkeit. Diese Gedanken schob ich nach dem kurzen Aufenthalt beim letzten Kontrollpunkt schnell zu Seite und machte mich auf den letzten Abschnitt. Immerhin hatte ich inzwischen zwei Drittel des MdS in 4 Tagen zur�ckgelegt und f�r das letzte Drittel hatte ich dann noch drei Tage zur Verf�gung :-))). Auf der Strecke befanden sich etwa jeden km gr�nleuchtende Markierungsst�be, die den L�ufern den Weg durch die Dunkelheit wiesen.

So blieb ich denn bei meinem Wechsel zwischen Gehen und Traben mit dem Ziel unter 16h anzukommen. Pl�tzlich kam jetzt der typische Nachtwind auf. Sand wirbelte hoch. K�lte oder K�hle versp�rte ich nicht. Der Wind blies von Osten und trieb mich daher an. Allerdings hatten die Jeeps den Boden teilweise grausam durchpfl�gt und eine weiche breiige Masse f�r die L�ufer hinterlassen. Teilweise fluchend ob dieser Umst�nde und st�ndig Ausschau haltend nach einem hellen Licht, das den Zeltplatz ank�ndigen sollte, begleitete mich das Mondlicht durch die Nacht.

Das Mondlicht, das ab und zu hinter den Wolken verschwand, entwarf sprunghaft wechselnde Schattenbilder, so dass ich oft den Eindruck hatte, von den Lichtkegeln auflaufender L�ufer erfasst zu werden. Doch von anderen L�ufern sah ich so gut wie nichts. Durch meine st�ndig wechselnde Gangart blieb ich praktisch immer mit dem gleichen L�ufer in Kontakt, der gleichm�ssig durchmarschierte. Beim Gehen war ich langsamer und beim Laufen schneller, so trafen wir uns �fters und kamen fast gemeinsam ins Ziel.

Fast ungl�ubig erkannte ich dann hinter einer Biegung das hell erleuchtete Zieltor. Ohne auf irgendwelche Markierungsst�be zu achten, nahm ich den direkten Weg �ber Schotter- und Steinfelder, Sandd�nen mit Buschwerk und rannte die letzten 3-4km so schnell es die Bodenverh�ltnisse zuliessen. Ganz erstaunt, dass meine Beine mitmachten, erreichte ich das Ziel in 15h und 37min.

Mit den �blichen Wasserflaschen vom Zieleinlauf bewaffnet, suchte ich unser Zelt, in dem Alex, Eberhard und Eric und auch Torsten schliefen oder fast schliefen. Ich beeilte mich in meinen Schlafsack zu bekommen und dachte gleich einschlafen zu k�nnen als eine richtige "Sch�ttelfrostattacke" meinen K�rper durchfuhr. Der schien bisjetzt nur still gehalten zu haben und gab mir jetzt wohl Signale, wie kaputt er war. Aber ich war wirklich m�de genug, dass ich ziemlich schnell einschlief und erst am Morgen zur �blichen Zeit aufwachte, wobei ich mit Guido schnell ins Gespr�ch kam.
Inzwischen waren auch Holger und Petra eingetroffen, so dass nur noch Alfred fehlte, der aber bald kommen sollte und Torsten aus unserem Zelt "vertrieb". Da ausser mir und Guide alle fest wie z.B. Eberhard
schliefen, machte ich mich an die Zubereitung einer warmen Mahlzeit, da die letzte schon mehr als 36h zur�cklag.

Den Tag verbrachten wir fast liegend, leckten und versorgten unsere Wunden
, die sich in erster Linie um die F�sse angesammelt hatten.

Zum Gl�ck war keiner von uns so in Mitleidenschaft gezogen, wie einer der Fusskranken
,die auf dem Weg zu den DocTrotters an unserem Zelt vorbeizogen.

Gegen Mittag packte mich erneut die M�digkeit und f�r 2h konnte ich in dem ruhigen Zelt-Trubel die Mittagshitze verschlafen, was ich ohne Bedauern akzeptierte.

Am Nachmittag �berraschten uns einige Windhosen, die es fertig brachten zwei Schlafmatten aus einem anderen "deutschen" Zelt mit sich zu reissen und hoch �ber den Zelten dahin segeln zu lassen. Dabei verschwand die eine auf nimmer wieder sehen in der Ferne.
Bis zum Abend, die maximale Zeit war 40h, kamen immer noch L�ufer ins Ziel und wurden mit Beifall bedacht. Eine weitere warme Mahlzeit f�llte meine Kohlenhydratspeicher und ich verzog mich fr�h in meine Schlafh�hle.

Tages- und Gesamtergebnisliste:

Name

Platz
Etappe

Platz
Frauen
Veteran I
Veteran II

Zeit

v (km/h)

Platz
Gesamt

Platz
Frauen
Veteran I
Veteran II

Zeit

v (km/h)


Petra
Eric
Rolf
Team

318
138
162
17

29
60
8
-

19:21:18
14:58:31
15:37:04
16:38:58

4,24
5,48
5,25
4,92

296
133
226
19

25
59
13
-

35:37:55
28:40:57
32:32:32
32:17:08

5,02
6,24
5,50
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