Marathon des Sables
Marokko

Eine schlaflose Nacht ---- Die Vorbereitung ---- Die Anreise ---- Der Check-In ----
1.Etappe
--- 2.Etappe --- 3.Etappe --- 4.Etappe --- 5.Etappe --- 6.Etappe --- Ende ---
Meine Ausruestung
---- Eine strenge Satzung ---- Viele Links und Hilfen

6.April 2001 - 5. Etappe 42km von Rich bel Ras nach Tizi N'Izelguene

Nach dem Ruhetag brauchte ich eine ganze Weile, um am Morgen der Marathonetappe meine leicht "eingerosteten" Beine in Gang zu bringen. Die jetzt schon zur Gewohnheit gewordene Morgensonne half mir Muskeln und Sehnen aufzutauen und mich auf die n�chsten Stunden einzustimmen. Die sonstigen bereits verinnerlichten Aktivit�ten rannen wie Werbespots in meinem �blichen Morgenprogramm ab.
Allerdings packte ich meinen Rucksack ganz neu. Alle Essensvorr�te, die ich nicht mehr brauchte, verteilte ich an "notleidende" Mitl�ufer. So erleichterte ich meinen Rucksack mindestens um weitere 3 Pfund.

Da die lange Etappe meine l�uferisches Selbstbewu�tsein gest�rkt hatte, versuchte ich in dieser Etappe eine gute Platzierung zu erreichen. Dazu hatte ich folgendes Konzept: Den 2.Kontrollpunkt wollte ich noch vor der Mittagssonne erreichen. Der 3. Abschnitt mit gr��eren Sandabschnitten und in der gr��ten Hitze sollte zur "Erholung" dienen, um im letzten Abschnitt die "letzten" Reserven zu mobilisieren.

Gleich nach dem Start nahm ich ein Lauftempo von etwa 7min/km bei ziemlich festen Untergrund auf. Auch dieses Mal konnte ich mich an L�ufergruppen anschliessen, die in den ersten 3 Tagen weit vor mir lagen. Da f�r mich heute ein gutes Laufergebnis im Vordergrund stand, verzichtete ich leider g�nzlich aufs Fotografieren. Weiterhin versuchte ich m�glichst fr�h alle Kraftanstrengungen zu vermeiden und wechselte bei Anstiegen oder tiefen Untergrund sofort vom Laufschritt in ein schnelles Gehen.

So erreichte ich den ersten Kontrollpunkt auch schon nach 70 Minuten. Das Tempo konnte ich auf der zweiten Etappe fast durchhalten, bevor ich auf dem letzten km vor dem 2. Kontrollpunkt mehr oder weniger im Sand versank. Ohne Pause begab ich mich jetzt sofort in den n�chsten Abschnitt. Die sich fortsetzenden Sandb�den und die jetzt flimmernden Hitze bremsten mich deutlich ab, was ich aber schon in meinem Tagesplan ber�cksichtigt hatte.

Es kostete mich viel �berwindung nach der ziemlich langen Gehstrecke �ber den tiefen Boden endlich wieder in einen Laufschritt zu fallen, als wir auf einen Weg trafen, der uns �ber ein paar H�gel f�hrte. An diesen Laufschritt klammerte ich mich trotz eines fast 2km breiten Feldes mit richtigen Stolpersteinen fest. Hier zeigten meine Trailschuhe ihre besondere Klasse, da sie beim Ausrutschen auf den Steinen ein Umknicken verhinderten und meine Fusszehen beim "Wegtreten" der Steine wattem�ssig sch�tzten. Hinter mir h�rte ich einen Spanier minutenlang fluchen und ich konnte dabei meinen geringen spanischen Wortschatz verdoppeln, nachdem sich die Fl�che in gleichm�ssigem Abstand wiederholten.

Der 3.Kontrollpunkt lag gut gesch�tzt in D�nen versteckt und man musste die letzten Meter auch noch einen Anstieg durch den Sand hinter sich bringen, um endlich die neue gegen die leere Wasserflasche umzutauschen. Durch tiefen Sand und einen kleinen Abstieg ging es nun auf die letzten 10 km. Inzwischen waren 4,5h vergangen und f�r die n�chste 2km brauchte ich fast eine halbe Stunde, als die Markierungen mich auf einen ausgetretenen Weg durch die vor mir liegenden Schotterfelder f�hrten.

Da ich mir insgeheim vorgenommen hatte, den Marathon in 6h zu laufen, packte ich nun meinen ganzen Mut zusammen und erh�hte meinen Laufgeschwindigkeit soweit, dass mein Puls zwischen 150 und 155 lag. Zum zweiten Mal hatte ich nun das Gef�hl wirklich zu laufen. Die Wasserflasche hatte ich nur noch in der Hand und trank in regelm�ssigen Abst�nden kleine Schlucke daraus. Durch die leicht h�gelige, aber geradeaus gehende Streckenf�hrung hatte ich die vor mir liegenden L�ufer in st�ndiger Sichtweite. Durch meinen schnellen Laufschritt konnte ich einen L�ufer nach dem anderen einholen und sehr schnell hinter mir liegen lassen.

Mein Lauf wurde nur durch den Hilferuf eines Spaniers unterbrochen, der um Wasser bat, als ich schon etwa 20 Meter an ihm vorbei war. Ehrlich gesagt bremste ich in diesem Moment nur sehr ungerne ab, aber was sind schon zwei Minuten bei fast 40h. So wartete ich, bis er mich gehend erreicht, etwas getrunken und sich noch Wasser in seine Flasche gef�llt hatte. Anschliessend nahm ich sofort mein Tempo wieder auf und war hoch erfreut, als eine fr�hlich anfeuernde Person mir zurief, dass es nur noch 3km w�ren. Tats�chlich konnte man auch schon das Zieltor sehen. Trotz der hohen Geschwindigkeit kam es aber nicht n�her und schaukelte st�ndig in der Entfernung auf und ab. Die Motivation holte ich mir in dieser Situation aus dem st�ndigen �berholen anderer L�ufer.

Endlich waren es nur noch ca. 300 Meter als ich Herbert gr�ssend �berholte und aufs Tor zulief, mir dann mit ihm noch einen kurzen Zweikampf lieferte, als er von hinten kommend mich unbemerkt 30 Meter vor dem Ziel abfing hat und vor mir einlief. Ausgepumpt, aber richtig froh �ber die erste f�r mich richtig zufriedenstellende Laufleistung, lag ich bald auf meiner Luftmatratze, k�hlte mich mit Wasser ab und trank dabei etwa einen Liter Refresher, um meine Energiespeicher zu f�llen.
Eric und Petra folgten kurz danach und vervollst�ndigten damit ein ganz tolles Ergebnis an diesem Tag.

Vor dem letzten Tag leistete ich mir den Luxus die F�sse von den DocTrotters fachm�nnisch in ihrem Zelt verbinden zu lassen, um das dortige Umfeld kennen zu lernen. Dazu musste man sich ein Ticket von der Rennorganisation ausstellen lassen und sich brav einreihen. Da es schon fast 18Uhr war, befand ich mich an dritter Stelle in der Schlange.
Zuerst befreite ich mich unter den Blitzlichtregen der Fotografen, die wie Geier um dieses Zelt herumschwirrten von meinen Bandagen und Pflastern und s�uberte mir meine Beine und F�sse mit den mit Desinfektionsmittel versetzen Wasser. Den "Service" der Waschgelegenheit, sollte man eigentlich jeden Tag in Anspruch nehmen, da man dort bequem sitzen konnte und eigenes Wasser sparen konnte. Ungl�ubig lauschten die Wartenden aber den Schmerzesschreien, die aus dem Zelt ert�nten.

Eine nette �rztin
,die ich am Abschlusstag auf den Film bannte, holte mich nach etwa 20 Minuten zu ihrer Behandlungsstation. Dort legte ich mich mit dem R�cken auf den Boden und reichte ihr zuerst meinen rechten Fuss. Allm�hlich kamen wir ins Gespr�ch und ich erfuhr, dass die �rzte hier ohne Bezahlung die Tage verbrachten, einen Tagesablauf von 5:30 in der Fr�he bis 23.00 Uhr in der Nacht hatten, tags�ber in Jeeps oder in den Kontrollpunkten ihre Zeit verbrachten und die meisten schon �fters am MdS teilgenommen hatten.

Mein Nachbar zur Linken, kannte das Zelt schon von mehreren Besuchen und bekam gerade den Fussnagel seines zweiten Zehs vom linken Fuss als Souvenir �berreicht. Zugleich erz�hlte er mir, dass er am dritten Tag, unter den ersten 50 liegend, eine Knieverletzung erlitt, die ihn weit zur�ckwarf. Aber er sah jung genug aus den MdS noch 20 mal zu laufen, bis er mein Alter erreicht hatte. Ausserdem kl�rte er mich �ber die geh�rten Schmerzesschreie auf, die immer vom gleichen und schon �ber die Zeltgrenzen bekannten L�ufer stammten.

Nach gem�tlichen 45 Minuten bewegte ich mich langsam zu unserem Zelt zur�ck, da bei neuen Verb�nden, die "Einlaufzeit" schon mit Beschwerden verbunden war. Die letzte eigene warme Mahlzeit bestand aus einer weiteren Doppelpackung eines indonesischen Reisgerichtes. In diesem Zustand f�llte ich meinen Schlafsack fast aus und freute mich �ber die letzte Nacht auf diesem Lager.

Tages- und Gesamtergebnisliste:

Name

Platz
Etappe

Platz
Frauen
Veteran I
Veteran II

Zeit

v (km/h)

Platz
Gesamt

Platz
Frauen
Veteran I
Veteran II

Zeit

v (km/h)


Petra
Eric
Rolf
Team

224
205
152
19

15
74
9
-

06:34:24
06:25:60
05:51:43
06:17:02

6,39
6,55
7,16
6,68

273
137
200
17

23
61
11
-

42:12:19
35:06:57
38:24:15
38:34:10

5,24
6,30
5,75
5,73
Hosted by www.Geocities.ws

1