Modellstudiengang Medizin Köln – Ein Erfahrungsbericht




 
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Kompetenzfelder – interdisziplinares lernen

Die wahrscheinlich größte Neuerung im Modellstudiengang. Im „alten“ Studiengang gab es die noch gar nicht. Sie sind (wahrscheinlich) die Antwort auf die frühere Kritik, dass das Medizingrundstudium zu theoretisch sei. Kompetenzfeld, d.h., dass wir (fast) jede Woche ein neues Thema bekommen, dass uns aus unterschiedlichen Perspektiven vorgestellt wird. So erzählen uns z.B. Mitarbeiter der Physiologie über das Thema Karzinogenese aus ihrer „Sicht“  (natürlich so zusammengefasst, das es in wenigen Stunden vorgestellt werden kann). Als nächstes kommt jemand aus der Pathologie, dann aus der Soziologie usw. 
In einer Woche haben wir so 5-10 Vorlesungen. Also kann es manchmal schon ein ganz schöner Haufen an Information sein. Die Themen im ersten Semester waren bei uns: Anämie, Karzinogenese, Tod und Trauer, Vergiftung und Koma, Diabetes, Virus Hepatitis.
Bei der allerersten Vorlesung, die wir zum ersten KF Anämie besuchten, blieb eigentlich erstmal allen die Luft weg. Wir waren in einer Vorlesung, die für 4.Semester konzipiert war (die auch anwesend waren) und wir verstanden kein Wort. Ich mag ja keine Chemieleuchte sein, aber wüsstet ihr im ersten Semester aus dem Stand, was der Partialdruck ist? Oder der Bunsen-Löslichkeits-koeffizient? Oder die Hüfner-Zahl?
Danach gab es einen kleinen Ersti-Aufstand und eine Gruppe Studenten ging zum Studiendekanat um sich zu beschweren. Die haben auch sofort reagiert, und seitdem sind alle KF Vorlesungen nur für Erstis und mit keinem anderen Semester zusammen. (Und, Gott sei Dank, sehr viel verständlicher!) 
Man muss dabei bedenken, dass es auch für die Uni das erste Mal ist, dass dieser Modellstudiengang läuft. Aber sie haben, bisher jedenfalls, immer sehr schnell auf Kritik reagiert. Es gab mittlerweile auch ein Semestergespräch, bei dem wir nochmal unsere Eindrücke zu den einzelnen Kursen loswerden konnten. Also, sie bemühen sich wirklich!
Die Vorlesungen sind natürlich nicht immer interessant (Vor allem wenn es um Medizin Statistik geht frage ich mich manchmal warum ich nicht etwas länger geschlafen habe) aber im großen und ganzen finde ich die Kompetenzfelder eine sehr sinnvolle und vor allem interessante Neuerung. Es macht den Studiengang im ersten Semester, in dem man ja sonst nur Physik, Chemie und Bio hat, etwas plastischer. Man merkt ein bisschen wofür man sich durch endlose chemische Strukturformeln quält.
Beim KF Diabetes bekamen wir sogar einen „echten“ Patienten zu Gesicht, der uns über sein Leben erzählte, und auch sonst wird versucht es möglichst interessant zu machen. Wir haben im KF Tod und Trauer, dass sinnigerweise in der Woche vor Weihnachten war, Video Filme von Arzt-Patienten-Gesprächen gesehen, in denen schwerkranke Patienten sich mit dem Gedanken des Todes auseinandersetzten. Ganz besonders war z.B.ein Film über ein 6 jährigen Mädchens mit Leukämie, dass unglaublich treffend über ihre Krankheit und ihre Gefühle redete. Als am Ende eingeblendet wurde, dass sie mittlerweile wieder gesund ist, konnte man schon ein Aufatmen im Hörsaal, der vorher unheimlich still war, hören.
Zusätzlich gibt es einmal die Woche ein Kompetenzfeldtutorium. Die Tutoriumsgruppen wurden vorher eingeteilt und jetzt versucht jede Woche ein Tutor/Tutorin einer ca 8-10 köpfigen Gruppe die Grundlagen des jeweiligen KFs beizubringen! Unbedingt hingehen. Wenn eure Tutorin halb so gut ist wie meine, lernt ihr da schon ne Menge. Ausserdem ist es relativ ungezwungen. Ihr könnt also auch „blöde“ Fragen stellen. Die Tutoren geben sich eigentlich auch große Mühe. So haben wir immer zu Beginn eines Kompetenzfeldes Zusammenfassungen und Kopien aus Büchern bekommen, um uns einen Überblick zu verschaffen.
Und wenn euch das noch nicht als Grund reicht, da hin zu gehen, dann vielleicht, um mal einen ersten Blick in den Präpsaal zu werfen. Denn dort hat uns unsere Tutorin z.B. bei Hepatitis eine freigelegte Leber, und mehr, gezeigt. Ausserdem bekommt man so auch mal einen Vorgeschmack auf den Präpkurs und wird ein wenig leichter an die Leichen (und vor allem den Formalingestank!!) herangeführt ohne gleich selber etwas tun zu müssen.

Fazit: Ich finde (die meisten) KF unheimlich interessant und glaube, dass sie schon einen Anreiz für das Modellstudiengang Studium darstellen. Natürlich ist diese Neuerung auch mit einem hohen Lernaufwand verbunden. Schließlich ist fast jede Woche eine Klausur!!
(Innerhalb des ganzen Grundstudiums, sprich: 2 Jahre, soll es 24 Kompetenzfelder geben, dabei muss man an 20 Klausuren teilgenommen haben und 16 bestehen. Allerdings wurde direkt gesagt, wenn man 1 oder 2 weniger nicht besteht man sich auch noch eine Regelung einfallen lassen wird. Angaben ohne Gewähr)
Die Klausuren , oder besser gesagt Leistungsüberprüfungen, sind nicht einheitlich geregelt. Manchmal sind es Multiple Choice Aufgaben, bei Tod und Trauer waren es viele frei zu beantwortenden Fragen und ein kleiner Hausaufsatz zu schreiben, und bei Diabetes bekamen wir in 2er oder 3er Gruppen ein Thema, hatten eine Stunde Vorbereitungszeit und mussten das Referat dann vor unserem Tutorium vortragen. (Da ist nicht einer durchgefallen). Ansonsten hat sich die nicht-bestanden-Rate bisher auch in Grenzen gehalten. 

 


 
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