Modellstudiengang Medizin Köln – Ein Erfahrungsbericht
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Chemiepraktikum
Wer sich bei dem Wort „Chemiepraktikum“ melancholisch an seinen ersten Chemiebaukasten zurück erinnert und sich darauf freut, es mal wieder so richtig dufte krachen zu lassen (im wahrsten Sinne des Wortes) wird von der Realität vielleicht etwas enttäuscht werden. Während man in frühsten Kindertagen noch unbeschwert rote und grüne Flüssigkeiten zusammen kippte und sich dann im besten Falle über eine Kinderzimmer-erschütternde-sechs-auf-der-Richterskala-erzeugende-Explosion ( im schlechtesten Falle immerhin noch über scharlachrot blubbernden Schleim) freuen durfte, muss man in diesem Praktikum seeeeehr genau arbeiten, alle Ergebnisse mit unliebsamer Theorie untermauern und darf dazu noch ungemein sexy Sicherheitsbrillen tragen. Ihr müsst unheimlich viel titrieren. Für alle die nicht wissen was das ist: Ihr steht minutenlang neben einem Glasrohr und starrt gebannt abwechselnd auf die Flüssigkeitssäule die mit der wahnwitzigen Geschwindigkeit von einem Tropfen pro Sekunde das Glasrohr verlässt und auf die Probelösung die ihr, wie einen Weinbrand schwenkend, unter die Öffnung haltet um just in dem Moment, in dem die Indikatorfarbe umschlägt den Hahn zuzudrehen und die Probelösung weg zu reissen um jaaaa keinen Tropfen zu viel hinein fallen zu lassen. Also unheimlich spannend. Vor allem, da es den meisten trotz extremer Vorsicht nicht gelang beim ersten Mal auf das richtige Ergebnis zu kommen (ihr dürft teilweise nur um 0,25 Punkte abweichen, Viel Spass/Glück!) Diese Glücklichen (mich eingeschlossen) durfte die Versuche dann noch mal machen...und noch mal...(höchstens 3x glücklicherweise, denn teilweise braucht man zur Vorbereitung allein eine halbe Stunde). Gearbeitet wurde bei uns in 3er Gruppen, was den Vorteil hatte, dass man mehrere Versuche gleichzeitig machen konnte. Für das Ausfüllen eures Praktikumsheftes solltet ihr euch schon ein paar Minuten Zeit lassen und euch notfalls die theoretischen Antworten von Leuten mit mehr Ahnung „erklären“ lassen, da die Assistenten da gerne mal nachfragen. Die Assis sind – trotz unvorteilhaftem Kürzel - eigentlich auch alle sehr nett (vor allem wenn draussen die Sonne scheint und sie auch keinen Bock haben den ganzen Tag im Labor zu hocken) und hin und wieder gab es auch ganz interessante und potentiell spannende Versuche. Fazit: Sucht euch nette Leute für eure Gruppe (es hilft auch ungemein wenn zumindest einer ein wenig Ahnung von Chemie hat) und ich würde jedem davon abraten an Chemikalien zu schnüffeln (solange es nicht ausdrücklich verlangt wird!!) Ansonsten könntet ihr frühzeitig mit einem klinischen Symptom bekannt gemacht werden - dem Würgereflex!! Letzte Tipps: Wenn ihr etwas zerbrecht (ausser popelige Reagenzgläsern) müsst ihr es bezahlen, passt also auf! Und spült abends gut, damit ihr am nächsten Tag nicht sämtliche Versuche verhaut, weil eure Gefäße versifft waren!
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