Modellstudiengang Medizin Köln – Ein Erfahrungsbericht
| Vorklinik
Orientierungseinheit Einführungsveranstaltungen Erstifahrt Progressionstest Kompetenzfelder KIK StudiPat Biologie Wahlblöcke Krankenpflegepraktikum Projekt 1.Semester
2.Semester
4.Semester
|
Anatomie
Es fährt ein Kahn im Mondenschein, dreieckig um das Erbsenbein..." Puuhh... wo fang ich an?! Für mich war der Präp-Kurs immer DER Medizinische Kurs. Als ich noch zur Schule ging hörte ich das erste Mal Gerüchte, dass jeder Medizinstudent mal "eine Leiche aufschneiden muss". Damals stellte sich mir die ernsthafte Frage: Bist Du dazu in der Lage? Ich habe eine Zeitlang mal meine ganze Studiumsentscheidung an dieser Frage festgemacht. Diese intensive und invasive Begegnung mit dem Tod schien einfach so tabubehaftet und geradezu verrucht zu sein. Ich musste unweigerlich an die Geschichten von Leichenfledderern denken die Nachts auf den Friedhof schlichen um sich "frische Leichen" auszugraben. Der Grund warum ich es mir dann doch zutraute war ganz einfach, dass mir die meisten Ärzte zu normal und geistig unbeschädigt aussahen. Die hatten das schließlich auch geschafft. Trotzdem war es ein mulmiges Gefühl das erste Mal den Präpsaal zu betreten. Dieser erste Besuch fand schon im ersten Semester im Rahmen des Kompetenzfeld-Anatomie-Tutoriums statt und nahm mir meine Angst bis zu einem gewissen Grad. Unsere Tutorin unterhielt sich am ersten Tag lange mit uns über unsere Gefühle und auch über die Beweggründe der Körperspender. Ich fand diese langsame Einführung sehr gut und auch wichtig, obwohl sich mein mulmiges Gefühl im Magen dadurch nicht wesentlich verringerte. Wir besuchten den Präpsaal als die Präparation schon recht weit fortgeschritten war, was im ersten Moment zwar ein kleiner Schock war, allerdings auch bei der Distanzierung half. Diese "Präparate" hatten nur noch wenig menschliches an sich, alleine dadurch das die Haut entfernt war und die Farben verändert. Man musste sich geradezu in Erinnerung rufen, dass das mal ein lebendiger Mensch war. Inklusive Familie, Geschichte und Gefühle. Das klingt vielleicht Gefühllos, aber diese Distanzierung war glaube ich auch sehr wichtig und bis zu einem gewissen Grad nötig um nicht von der Surrealität dieses Ereignisses überwältigt zu werden. Als unser eigener Kurs dann begann und wir mit der Situation konfrontiert wurden eine eigene Leiche präparieren zu müssen waren wir alle zunächst sehr gehemmt. Die ersten Schnitte setzte noch der Assistent, danach waren wir an der Reihe. Wir bemühten uns sehr sorgfältig und so langsam und genau wie möglich zu arbeiten um den Menschen hinter diesen "Präparaten" den nötigen Respekt zu zollen. Nach einer Weile stellte sich dann geradezu "Normalität" ein. Wir waren einfach so damit beschäftigt alle Strukturen zu finden und darzustellen und befanden uns auch so unter Zeitdruck, dass man das Gefühl der Surrealität einfach nicht mehr so wahrnahm. Das bedeutet allerdings nicht, dass wir nicht mehr sorgfältig mit "unserem" Präparat umgingen. Ich glaube es war uns allen zu jeder Zeit bewusst, welches persönliche Opfer diese Menschen erbracht hatten um uns eine gute Ausbildung zu ermöglichen. Ich halte es für schier unmöglich Anatomie auf so plastische und eindrucksvolle Art an einem Kunstharzobjekt zu lernen. Wahrscheinlich aus diesem Gedanke heraus hat Prof.Koebke die Gedenkfeiern am Ende des Semesters ins Leben gerufen. Diese Feier wird von den Studierenden selbst organisiert und soll uns die Möglichkeit geben in entsprechendem Rahmen über diesen Kurs und die Schicksale die dahinter stehen zu reflektieren. Bei dieser Gedenkfeier sind auch die Angehörigen der Verstorbenen anwesend, solange sie das wünschen, und geben den Verstorbenen, die man nur als "Präparate" kennenlernte eine beeindruckende Menschlichkeit wieder. Gänsehaut miteinbegriffen. Die Mitarbeit der Studierenden an dieser Gedenkfeier ist sehr wichtig, so dass ich euch die Organisation trotz allem lernstresses ans Herz legen möchte! Ok, jetzt ein paar allgemeine Kursinformationen: Wir hatten Vormittags immer Vorlesungen in Topographie, Bewegungsapparat,Eingeweide und Embryologie. Besonders wichtig war die Topographie VL, da dort die jeweiligen Tages-Präparations-Ziele bekannt gegeben wurden. Nachmittags waren wir dreimal pro Woche im Präpsaal. Das ganze ist folgendermaßen organisiert: Ihr bekommt in 8er Gruppen ein "Präparat" zugewiesen. Jeder bekommt ein Gebiet zugeteilt. 2 Studenten am Kopf (oft Zahnmediziner, aber auch "Humanis"), 2 an den Armen und Brustbereich, 2 Bauchpräparanten, 2 für die Beine. Arm und Beinpräparanten müssen allerdings auch jeder noch ein inneres Organ präparieren. Der "linkes Bein"-Präparant z.B. das Herz. Jeweils 4 Tische werden von einem Tischassisten angeleitet (Das sind die Dr`s, Prof`s und PD`s). Zusätzlich gibt es noch eine Reihe zumeist freiwilliger "HiWis" (Hilfswissenschaftler, das sind die in den grünen Kitteln), die euch wenn Not am Mann ist auch gerne mal unter die Arme greifen. Der Präpsaal wird NUR im Kittel betreten! Ihr braucht ausserdem einen Haufen Einmalhandschuhe und ein eigenes Präpbesteck, sowie eine Präpanleitung. Pro Tisch sollte auch mindestens ein Schleifstein und ein Anatomieatlas vorhanden sein. Hilfreich sind ausserdem Stecknadeln (am besten mit bunten Köpfen, damit man sie gut wiederfindet), mit denen ihr gefundene Strukturen wie Nerven feststecken könnt um sie schnell wiederzufinden, und Sekundenkleber. Ihr müsst euch darüber bewusst sein, dass ihr bei den Anatomietestaten (Es gibt drei Stück) ALLE bisher gefundenen Strukturen zeigen und benennen können müsst! Nicht nur die eures eigenen Gebietes. Ausserdem ist es wichtig die Funktionen zu wissen. Bei den Muskeln solltet ihr grob Ursprung und Ansatz wissen, allerdings werden nur die wenigsten Prüfer auf genaue Kenntniss des Muskelursprungs/ansatzes bestehen. Dafür ist die Stofffülle zu überwältigend. Bei uns hat es sich rentiert zu Beginn jeden Präpkurs-Tages als Gruppe alle bisher gefundenen Strukturen zu besprechen. So habt ihr immer einen Überblick über die anderen Gebiete und könnt bei Fragen den jeweiligen Präparanden fragen. Gruppenarbeit ist in diesem Kurs sowieso das A und O! Versucht also mit den Personen eine Gruppe zu bilden die ihr kennt/mögt/mit denen ihr lernen könnt. Nichts ist schlimmer als Streitigkeiten an einem Tisch. Ihr werdet euch sowieso schon platzmäßig beengt fühlen, der Gedanke das jemand mit einem Skalpell neben einem steht der einen nicht mag hilft da nicht! Zum lernen solltet ihr euch ein Lehrbuch zulegen um Verständnisfragen zu klären, ausserdem die Präparierskripte der Fachschaft. Glaubt mir, je knapper Fakten dargestellt werden, desto dankbarer werdet ihr sein. Denn einen Luxus habt ihr in diesem Semester nicht: Zeit! Als Lernmethode kann ich nur das konstante und konsequente Fakten pauken empfehlen. So hart es klingt, ihr werdet in diesem Semester für Freunde die nicht in eurem Semester sind geradezu unerreichbar sein. Aber hey, es sind ja nur ein paar Monate. Da muss man durch! Kurz zu den Testaten: Natürlich ist der Schweregrad der Testate stark vom Prüfer abhängig, die ihr allerdings erst kurz vor der Prüfung erfahrt. Bei der Fachschaft kann man sich dann Alttestat Fragen des jeweiligen Prüfers besorgen, die aus Gedächtnisprotokollen von Studenten erstellt worden sind. Diese solltet ihr auf jeden Fall gut durchgehen, da man häufig Schwerpunktthemen herausfiltern kann. Stellt euch ausserdem bei eurem Prüfer vor, mit dem ihr eine Prüfungszeit ausmacht und seid dann auch pünktlich dort!! Egal welchen Prüfer ihr habt, diese Prüfungen sind immer nervenaufreibend. Tretet aber auf alle Fälle an und denkt euch nicht "Ich kann ja noch gar nichts, ich trete lieber erst zur Nachprüfung an, dann erspar ich mir den Stress/die Blamage". Es sind schon seeehr viele Studenten mit wenig Wissen durchgekommen, wenn ihr allerdings nicht antretet zählt das als Fehlversuch. Nehmt euch also nicht eure eigenen Chancen. Denkt dran: Die meisten Prüfer WOLLEN euch nicht durchfallen lassen. Viele setzen alles daran irgendeine Begründung zu finden um den Prüfling durchkommen zu lassen. Also helft ihnen! Wenn ihr etwas nicht wisst, sagt nicht "Keine Ahnung" sondern versucht IRGENDETWAS zu dem Thema zu sagen. Wenn ihr nicht wisst, was die Magenstraße ist, sagt das ihr es nicht wisst, aber bietet an etwas zum Aufbau des Magens allgemein zu erklären. Es gibt nichts tödlicheres als den Prüfer anzuschweigen! |