Modellstudiengang Medizin Köln – Ein Erfahrungsbericht




 
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Histologie
Oder „Möge der Flow mit dir sein“

Auch Histo gibt es bei uns jetzt im Block. D.h. wir hatten 4 Wochen lang jeden Morgen von 11-13.00 Vorlesung, 14.00-16.15 Praktikum im Mikroskopiersaal und abends meist noch eine KF Veranstaltung. Also volles Program. Prof. Neiss wurde nicht müde uns zu erzählen, dass dieses sehr intensive Program schliesslich konzipiert worden war, damit wir mal so richtig in Histologie aufgehen und uns vom Flow mitreissen lassen können. Ahhhjaaaaaa..... Der Kurs, und vor allem das Praktikum im Mikroskopiersaal waren meist auch sehr interessant, allerdings hätten die Verantwortlichen des „Flows“ mal daran denken sollen, dass es sehr sehr anstrengend ist mehr als 2 Stunden in ein Mikroskop zu starren und konzentriert mitzuarbeiten. (Denn das Tempo in dem die Präparate betrachtet, gezeichnet und beschriftet werden mussten war hin und wieder doch sehr fix). Das resultierte dadrin, das sich spätestens nach gut 1 ½ Stunden leichte Ermüdungserscheinungen breit machten, wie z.B. Kopfschmerzen, Unaufmerksamkeit und eine generelle No-bock-attitude. Das wiederum spiegelte sich im Lautstärkepegel wieder, so dass wir uns wiederholt als undiszipliniert und asozial bezeichnen lassen mussten. Fairer Weise muss man sagen, dass diese 4 Wochen auch für die Dozenten extrem anstrengend waren. Während wir hin und wieder einfach abschalteten und sich immer mehr Leute rein zufällig während Pinkelpausen vor dem Kaffeeautomaten im Aufenthaltsraum trafen, mussten die Dozenten ihr Program durchziehen. Bei ihnen machten sich Ermüdungserscheinungen dann eher dadurch bemerkbar, dass Prof. Neiss hin und wieder während des Kurses ans Mikro trat und gestand, Strukturen oder ähnliches während der Vorlesung schlichtweg vergessen zu haben. Während des Kurses hatte jeder einen eigenen zugeteilten Platz mit Mikroskop und Präparate Kasten. Zusätzlich konnte man das Präparat des Dozenten auf einer Videoleinwand sehen und so seinen Ausführungen besser folgen. Jedes Präparat mussten wir zeichnen (meist eine Übersichts- und ein paar Detailzeichnungen), das war extrem wichtig, denn wer bei seinem Zwischentestat eine entsprechende Zeichnung nicht vorweisen konnte, durfte gleich gehen. Die Zwischentestate (oder auch „Bingos“) , da waren sich viele einig, sind wahrscheinlich die Erfindung eines extrem sadistischen Gehirns. Einmal während des Kurses musste jeder ein solches Bingo bestreiten. Dazu wurde man zu einem Präparat der letzten 2 Kurstage ausgequetscht und bekam im besten Fall das Autogram eines Dozenten quer über die entsprechende Zeichnung gemalt. Im schlechteren Falle wurde der geknickte Student mit einem „Na, das war wohl nix“ auf die Liste der Nachtestate gesetzt. Das sadistische an der ganzen Angelegenheit ist einfach, das man nie weiss, wann man dran ist. Kurz vor Ende des Unterrichts ging Herr Krahwinkel immer nach vorne an die Tafel und schrieb die Sitzplatznummern der Prüflinge an, die dann nach dem Ende der Stunde auf ihrem Platz bleiben mussten um auf den Prüfer zu warten. Man musste also permanent am Ball bleiben und eigentlich immer alles wissen. Da wir aber Abends nur sehr wenig Zeit zur Nachbereitung hatten blieb einem bis zum erreichen des eigenen Bingos nichts weiter übrig als mal wieder adieu zum Schlaf zu sagen. Wenn die Nummern angeschrieben worden waren, konnte man durch einen kurzen Blick auf eine Person sofort feststellen, ob der oder diejenige dran war oder nicht. Sichere Zeichen eines Prüflings waren:
1.) der Betreffende hatte die Nase so tief in einem Buch oder seinen Zeichnungen, dass jeder Augenarzt sofort Kurzsichtigkeit diagnostiziert hätte
2.)hektische rote Flecken auf Gesicht oder Dekolete
3.)zitternde Hände
4.)der Gesichtsausdruck von jemandem, der weiss, dass er kurz vor seinem Untergang steht.
Es hatte extreme Vorteile direkt in einer der ersten Stunden dranzukommen. Die Präparate waren noch leichter, man musste noch nicht so viel wissen und außerdem hatte man es dann hinter sich. Diejenigen, die schon bestanden hatten schlafften meist extrem ab und gönnten sich solchen Luxus wie Schlaf und Pausen. Die armen Irren, die erst in den letzten Tagen drankamen hatten meist eine Aura von Verfolgungswahn um sich und schoben sich schon 15 min vor Beginn des Unterrichts hektisch Präparat über Präparat unters Mikroskop. Der Umschwung war fast dramatisch. Während in der ersten Woche kaum jemand im Bingo gewinnen wollte, wurde die Nummer der willigen Prüflinge (ich will es nur endlich endlich hinter mir haben) immer größer. Da kam es zu lautstarkem Jubel, als die eigene Nummer gezogen wurde. Wirklich leid konnten einem diejenigen tun, die im Bingo durchfielen und sich deshalb auf ein Nachtestat am Ende des Kurses vorbereiten mussten. Denn dort prüfte Prof.Neiss persönlich über irgendein Präparat aus dem ganzen Kurs. Entsprechend wurden die Ringe unter den Augen der Nachprüflinge immer größer. Und das trotz der Beteuerung des Professors, dass er wüsste wie wichtig es ist das wir bestehen und er dementsprechend nachsichtig nachprüft.

Mein Fazit?: Der Kurs ist schon sehr interessant, und da ich zu den Glücklichen gehörte, die direkt am ersten Tag geprüft worden sind bin ich auch nicht dem Wahnwitz verfallen, allerdings sollten sich die Verantwortlichen wirklich mal Gedanken darüber machen, wie sinnvoll es ist uns unter solchem Stress mit einer derartigen Masse von Stoff zu bombadieren. Die Histoklausur ist jetzt glücklicherweise erst am Ende des Semesters und vorher kann man auch an einem Histo Wahlblock teilnehmen (der quasi wie Chemie im ersten Semester obligatorisch ist) somit haben wir noch etwas Zeit den Stoff sacken zu lassen und eventuell tatsächlich einiges zu behalten. Wie sinnvoll die Splittung von Kurs und Klausur im Sinne des Flows ist wird sich noch zeigen...

To be continued... Fortsetzung: Die Klausur war machbar! Naja...jedenfalls wenn man sich nicht mit Details lernen aufgehalten hat sondern sturr Bilder erkennen gelernt hatte. Es war eine reine Videoklausur bei der wir in einer halben Stunde 30 Bilder auf eine Wand projeziert bekamen und zu ihnen die Fragen auf unserem Prüfungsbogen beantworten mussten. Meist lauteten die: "Organdiagnose" oder "Gewebsdiagnose" oder "Zelldiagnose" Ganz selten wurde auch nach der Funktion einer einzelnen Zelle gefragt. Mein Tipp also: Nehmt euch einen Histo Atlas und lernt die Gewebe zu erkennen!! Es sind auch immer tolle Histo-CD´s im Umlauf die einen Testat Modus haben, bei denen ihr genau das lernt. Also fragt einfach mal die älteren Studenten. Ansonsten gilt wieder der schon alt bewährte Spruch: "Studieren geht über probieren!" ...oder so ähnlich...

 


 
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