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*Dikigoros nennt dieses Geburtsdatum nach julianischem Kalender - der damals in Rußland noch galt - weil es, anders als das des gregorianischen, unstreitig ist. Richtig umgerechnet wäre es der 31.10.1892; die Deppen, die Aljechins Grabstein verbrachen, berechneten es jedoch falsch und kamen so auf den 01.11.1892, der seitdem durch die Literatur geistert. (Auf dem Grabstein stand auch sonst viel Unfug. Die ursprünglichen Lebensdaten lauteten: "1. November 1891 - 25. März 1956". Die anderen Fehler wurden irgendwann korrigiert - einschließlich des Geburtsjahrs -, nicht aber der Geburtstag :-)
**Es gibt gute Gründe für die Annahme, daß das ursprünglich "Aljëchin" geschrieben, also "Aljochin" gesprochen wurde. Da Dikigoros jedoch kein Zeitgenosse war, der das hätte hören können, da er auch keine kyrillische Signatur gefunden hat (die ohnehin nicht viel besagen würde, da die Punkte über dem "ë" nicht mitgeschrieben werden müssen und daher oft weggelassen werden) und da A. sich nach seiner Emigration in den Westen unstreitig immer mit "e" schrieb, muß man das wohl respektieren. (Dikigoros gebraucht diese Vokabel ganz bewußt. Sie bedeutet für ihn weniger als "akzeptieren", aber mehr als "tolerieren".) ***Das ist bloß eine wörtliche Übersetzung, die nicht viel aussagt - zumal es diese Institution ja heute nicht mehr gibt. Auf jeden Fall war es eine Kaderschmiede, welche in etwa die Funktionen der preußischen "Hauptkadettenanstalt" (die Eleven trugen keine Schul-Uniform, wie an anderen höheren Bildungsanstalten im In- und Ausland, sondern Militär-Uniform), der US-amerikanischen "Law School" und der französischen "École Nationale d'Administration" in sich vereinte. Manche Historiker sprechen davon, daß dort ein "neuer Dienstadel" geschaffen werden sollte; das mag übertrieben sein, aber jedenfalls winkte den erfolgreichen Absolventen eine glänzende Karriere im Staatsdienst. ****Der Schach-Großmeister heißt auf Russisch bis heute "Grossmejster". Für alle anderen Titel hat man später englische Fremdwörter übernommen. (Dikigoros schreibt darüber an anderer Stelle mehr - dort in Fußnote 1). Wohlgemerkt nur die Titel. Mittelspiel heißt auch auf Russisch "Mitelschpil", Endspiel "Ändschpil", Zugzwang "Tsugtswang" und Zeitnot "Tsejtnot" [auf Weißrussisch "Tsäjtnot" geschrieben, bei gleicher Aussprache]. (Dikigoros erwähnt das, weil es nicht im Wörterbuch steht - jedenfalls nicht in seinem :-)
*****So übersetzt Dikigoros "sowjetskij tschelowjek" (wörtlich "Sowjet-Mensch"). Er meidet das Wort "Sowjet-Russe". In sowjetischen Ausweispapieren war zwar stets eine Nationalität angegeben, aber die konnte jeder Untertan frei wählen - wovon besonders Juden regen Gebrauch machten, um nicht als solche diskriminiert zu werden. Es gibt gute Gründe für die Annahme, daß Aljechins Mutter jüdischer Abstammung war (und allein das zählt ja nach mosaïschem Recht). ******Nach anderen "Quellen" - die Dikigoros indes für weniger glaubwürdig hält - heirateten sie bereits 1925. Die Legitimität jener Ehe ist verschiedentlich angezweifelt worden: Mangels Scheidung habe Aljechin entweder in "wilder Ehe" oder in Bigamie gelebt. Anders als heute, da sich darob kaum noch jemand aufregen würde, hätte das damals Skandal gemacht und sogar die Einbürgerung gefährden können. Noch etwas spricht für diese These: Aljechin trennte sich erst von Nadjezhda - sei es durch Scheidung, sei es durch Verlassen -, nachdem Annelise gestorben war, und heiratete dann sofort wieder. Letztlich ist das jedoch unerheblich, da aus der 3. und 4. Verbindung keine Kinder hervor gingen. Sein Sohn aus 2. Ehe - Aljeksandr iun. - sollte ihn um 83 Jahre überleben. *******Mal im Ernst, liebe Leser: Seht Ihr da einen Altersunterschied von 16 Jahren? Dikigoros auch nicht.
Dabei war es durchaus nicht so, daß Aljechin nicht auf sein Äußeres geachtet hätte - im Gegenteil, er war sogar ziemlich eitel. So achtete er z.B. darauf, daß er auf "offiziellen" Fotos keine Brille trug (wie Hitler :-) - die nahm er zuvor ab und hielt sie in der Hand. (Fotos, auf denen er doch mal "mit" zu sehen ist, sind entweder Schnappschüsse, die ohne sein Wissen und Wollen entstanden, oder Bilder, die vor Veröffentlichung beschnitten wurden - er konnte ja nicht wissen, daß irgendwann doch noch die Originale auftauchen würden :-)
Dabei gerierte er sich gerne als Tierfreund und ließ sich ständig mit seinem häßlichen Kater fotografieren (neben dem er selber geradezu gutaussehend wirkte :-), als hätte er ihn als Talisman dabei. Tatsächlich hielt ihn, während er spielte, seine Frau im Publikum auf dem Schoß - seine Gegner und die Turnierleitung hätten ihm etwas gehustet, wenn er ihn während einer Partie auf seinem Schoß oder gar auf dem Tisch hätte sitzen lassen. (Man sieht auf den - gestellten - Fotos förmlich, wie unwohl sich das arme Tier dort fühlt.)
PS: Dikigoros hat diesen Text einen alten Schachfreund, der jetzt in Sechseckien lebt - und auf dessen Anregung diese Seite zurück geht -, vorab häppchenweise Korrektur lesen lassen, und der hat ihm u.a. ein Bild geschickt, das er seinen Lesern nicht vorenthalten will, ebenso wenig den Kommentar zu dieser Fußnote: "Das ist doch gar nichts besonderes. Schau Dir mal das neueste Foto von dieser eitlen kleinen Schwuchtel und ihrer Transe an. Siehst Du da einen Altersunterschied von 23 Jahren? Ich auch nicht!"
********Das ist auch der Grund, weshalb der Spanier Arturo Pomar - wohl das größte Talent seiner Generation nach Klaus Junge -, den Aljechin in seinen letzten Lebensmonaten persönlich trainierte, nie eine Chance auf den WM-Titel bekam. Mit den meisten Teilnehmern der von der FIDE veranstalteten "Kandidaten-Turniere" wäre er vermutlich "Schlitten gefahren".
(Erst als er schon deutlich über seinen Zenith hinaus und somit chancenlos war, durfte Spanien wieder mitmachen, und die FIDE verlieh ihm wie zum Hohn nachträglich den Titel "Großmeister".)
*********Da Dikigoros auch in seinen anderen Schachspieler-Lebensläufen je einen Film nicht nur erwähnt, sondern besprochen hat, will er sich hier nicht davor drücken, zumal es ein besonders interessanter Film ist, ebenso hervorragend "gemacht" wie inhaltlich fragwürdig. (Aber wie schrieb er oben: Wenn man schon lügt, dann sollte man sich wenigstens etwas Gutes, nein Besseres ausdenken - und das hat Jurij Wyschinskij zweifellos getan.) Dikigoros hat bewußt die Originalfassung auf Russisch verlinkt, denn in der Übersetzung ginge einiges verloren, vor allem, daß der Titelheld dort bis kurz vor Schluß Aljochin ausgesprochen wird - was bestimmt unzutreffend ist, denn der Film beginnt mit seinem WM-Titelgewinn 1927 gegen Capablanca, und da lebte er schon lange in Paris, wo er sich unzweifelhaft "Alekhine" schrieb und nannte. Wyschinskij [er]findet auch eine genial einfache Antwort auf die Frage nach dem Ende der Beziehung zwischen Aljechin und seiner 3. Frau: Die hat sich umgebracht, weil er sie mit seiner 4. Frau in spe betrogen hat - voilà! (Man sollte im Hinterkopf behalten, daß der Film während des "Kalten Krieges" gedreht wurde; da mußte die US-Amerikanerin halt die Böse sein, und die brave Russin ihr armes Opfer.) Wenig glaubhaft - wenngleich gut inszeniert - ist auch die Behauptung eines anderen Exilanten, der sich zur Rückkehr entschlossen hat mit der bereits im Filmtitel anklingenen Begründung, daß kein großer russischer Denker auf Dauer eben das sein könne, ohne "den weißen Schnee von Rußland". (Dikigoros würde das genaue Gegenteil behaupten: Ein Turgenjew, ein Dostojewskij, ein Tschajkowskij, ein
Rachmaninow
und viele andere wären nie das geworden, was sie wurden, wenn sie nicht den größten Teil ihres Lebens im Ausland - vorzugsweise in Deutschland und/oder Frankreich - verbracht hätten. Aber welcher Sowjetbürger wußte das anno 1980 schon noch?!?) Auch daß Ex-Weltmeister Lasker aus Angst vor dem westlichen, vor allem dem deutschen Anti-Semitismus um Asyl in der SU nachsucht - das ihm auf Anordnung von Väterchen Stalin auch gewährt wird - hätte man besser weg gelassen, denn jeder Schachinteressierte weiß doch, daß er bereits nach wenigen Monaten wieder abhaute, und zwar ausgerechnet in die bösen, kapitalistischen USA - wovon der Film freilich nichts berichtet. Ebensowenig - nicht mal in einem erzählten Rückblick - wird das Moskauer Turnier im
Es dauerte mehr als ein halbes Jahrzehnt, bis sich wieder genügend
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