Aljeksandr Aljechin

(19.10.1892 - 24.03.1946)

Von der Parteien Gunst und Haß ver-
wirrt, schwankt sein Charakterbild
in der Geschichte
(F. v. Schiller)

[Aljeksandr Aljechin]
[Autogramm Aljechin]

Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

1892
19. Oktober*: Aljeksandr Aljeksandrowitsch Aljechin** wird als jüngstes von vier Kindern des Gutsherrn und Duma-Abgeordneten in spe Aljeksandr Iwanowitsch Aljechin (1856-1917) und seiner Ehefrau Anna ("Anisja") Iwanowna, geb. Prochorowna (1861-1915), in Moskau geboren.


1894
Mai: In den USA verliert der erste Schachweltmeister der Geschichte - der zwar selbsternannt, aber seit dem Tod von Paul Morphy auch allgemein als solcher anerkannt ist -, der böhmische Jude und Wahl-Amerikaner Wilhelm Steinitz, seinen Titel an den 32 Jahre jüngeren preußischen Juden Emanuel Lasker.
(Er verliert zwei Jahre später auch den Rückkampf, verfällt daraufhin in Depressionen und stirbt vier Jahre später als Insasse einer New Yorker Irrenanstalt in geistiger Umnachtung.)

1899
Aljeksandr erlernt von seinem vier Jahre älteren Bruder Aleksej das Schachspiel.

1902-10
Aljeksandr besucht das Private Jungen-Gymnasium von Lew Poliwanow - eine Eliteschule, an der er u.a. die damaligen Weltsprachen Französisch und Deutsch erlernt.

1908-11
Aljechin gewinnt erste kleinere Schachturniere in Moskau und Sankt Peterburg und nimmt auch an einigen Turnieren im Ausland teil, die er freilich nicht gewinnt.

1910
Oktober: Aljechin wird in die Kaiserliche Rechtsschule*** in Sankt Peterburg aufgenommen.

1912
Aljechin gewinnt das Schachturnier von Stockholm (kein Meisterturnier, aber immerhin).

1913
Aljechin gewinnt sein erstes bedeutendes Auslandsturnier in Scheveningen (Niederlande).

1914
Januar: Aljechin gewinnt das "Allrussische Meisterturnier" (zusammen mit Aaron Nimtsowitsch; der Stichkampf um die Meisterschaft endet nach 2 Partien unentschieden - ein Unicum).
Beim Internationalen Turnier in Sankt Peterburg belegt Aljechin Platz 3 (hinter dem noch immer amtierenden Weltmeister Emanuel Lasker und dem Weltmeister in spe José Capablanca).
Anschließend verleiht Tsar Nikolaj II den fünf Erstplazierten den Titel "Großmeister".****
(Keine bloße Geste, sondern vielmehr mit einem "Ehrensold" verbunden. Auch als die Sowjet-Union den Titel anno 1929 wieder einführte, zahlte sie ihren Großmeistern einen solchen, dto den Angehörigen des sowjetischen Schachverbands, die den seit 1950 von der FIDE vergebenen Titel "Internationaler Großmeister" erlangten.)
Mai: Aljechin schließt die Rechtsschule als 17. seiner (46-köpfigen) Klasse ab und tritt als "Titularrat" (einem deutschen Assessor/Regierungsrat z.A. vergleichbar) ins Justizministerium ein.
August: Aljechin liegt beim Meisterturnier in Mannheim in Führung, als dieses wegen Ausbruchs des Ersten Weltkriegs beendet wird.
(Man liest heute oft, das Turnier sei "abgebrochen" worden. Das ist irreführend. Tatsächlich wurde es für beendet und Aljechin zum Sieger erklärt. Das ausgelobte Preisgeld von 2.000 Goldmark wurde ihm in voller Höhe ausgezahlt.)
Spieler der Feindstaaten - also auch Rußlands - werden zunächst kurz festgehalten (deutschfeindliche "Quellen" sprechen von "Internierung", tatsächlich konnten sie sich im Kurort Triberg/Schwarzwald frei bewegen, durften ihn halt nur nicht verlassen), dürfen aber, auch wenn sie in kriegsdiensttauglichem Alter sind, wenig später unbehelligt in die Schweiz ausreisen - und ihr Preisgeld selbstverständlich mitnehmen. (Von dieser Möglichkeit machen freilich nicht alle Gebrauch: Aljechins Landsmann, der dreieinhalb Jahre ältere Efim Bogoljubow [für deutsche Muttersprachler: Das spricht sich nicht "Ehfim Bohgohljubow", sondern "Jäfiem - mit langem, offenen ä und langem, geschlossenen i - Bagaljúbaf"] bleibt im schönen Triberg, heiratet eine Einheimische - mit der er zwei Töchter bekommt -, kauft ein Häuschen und nimmt später auch die deutsche Staatsbürgerschaft an.)
Zum Vergleich: Die deutschen Tennisspieler, die im August 1914 in New York City am Davis Cup teilnehmen, dürfen zwar "frei" ausreisen, die - pro forma "neutralen" - USA geben jedoch der britischen Botschaft einen kleinen "Tip"; die Royal Navy kapert daraufhin in Piratenmanier das italienische - also neutrale - Schiff, auf dem sie heim reisen, und kidnapt sie nimmt sie gefangen; bis 1919 verbringen sie in einem britichen Concentation Camp. Das Deutsche Reich ist als einziger Krieg führender Staat so dumm, sich an internationale Verträge und Konventionen zu halten - auch deshalb findet es sich am Ende auf der Verliererseite wieder.
September: Aljechin kehrt über Italien, England und Skandinavien nach Rußland zurück und wird Sanitäter.
(Dikigoros beteiligt sich nicht an Spekulationen über seinen Dienstgrad; für Aljechins Schachlaufbahn - um die es hier ja geht - ist das unerheblich.)

1915
Aljechin gewinnt das Turnier von Moskau - das letzte Schachturnier im Tsarenreich - überlegen mit 10,5 Punkten aus 11 Partien.

1916
Aljechin wird während der Brusilow-Offensive verwundet und verbringt den Rest des Krieges im Lazarett.
Bei jener Offensive erobern die Russen vorübergehend das Habsburgische "Königreich Galizien und Lodomerien" und veranstalten dort ausgedehnte Pogrome. (Eine Tatsache, die in den brdischen Geschichts- und Märchenbüchern ebenso hartnäckig verschwiegen wird wie die wenig später statt findende Vertreibung der Juden von Saloniki durch die französischen Besatzungstruppen - um die Lüge verbreiten zu können, die bösen Nazi-Deutschen hätten die Juden dort Jahrzehnte später "ausgerottet"; Dikigoros schreibt darüber an anderer Stelle mehr.) Zu den Opfern zählt u.a. die Familie des 7-jährigen Salomon Blum, dem zusammen mit seinem Bruder die Flucht ins böhmische Prag gelingt, wo er sich "Salo Flo[h]r" nennt, später die tschechische Staatsbürgerschaft annimmt und sich als Profi-Spieler in Schach-Cafés durchs Leben schlägt.

1917
März: Nach Ausbruch der bürgerlichen "Februar"-Revolution dankt Tsar Nikolaj ab. (Er wird mitsamt seiner Familie eingekerkert und später ermordet.)
November: Nach der sozialistischen "Oktober"-Revolution wird aus dem Tsarenreich die (offiziell noch nicht so genannte) "Sowjet-Union".

1918
November: Nach der Kapitulation des Deutschen Reichs ist der Krieg in Osteuropa und Kleinasien noch lange nicht beendet.
In Rußland bricht ein Bürgerkrieg zwischen "Roten" und "Weißen" aus - bei dem auch die Westmächte der "Antanta [Entente]" kräftig mit mischen.
Aljechin begibt sich nach Odessa, das damals von französischen Interventionstruppen besetzt ist.
(Gut ein Jahrhundert später, als die französische Regierung wieder laut darüber nachdenkt, BesatzungsFriedenstruppen in die Ukraïne zu schicken, spielt der Schwarzmeerhafen erneut eine zentrale Rolle.)


April: Die französischen Truppen räumen Odessa. Aljechin begeht den Fehler, sich ihnen nicht anzuschließen.
Juni: Aljechin wird von der Tscheka verdächtigt, als "weißer" Spion zurück gelassen worden zu sein und zum Tode verurteilt.
Man konnte schwerlich annehmen, daß Aljechin Sympathien für die "Roten" hegte: Seine Eltern und sein Bruder waren in den [Bürger?-]Kriegswirren umgekommen, aber er konnte sein Erbe nicht antreten, denn sowohl die Ländereien seines Vaters als auch die Fabrik seiner Mutter waren selbstverständlich enteignet verstaatlicht ins "Gemeinwohl" überführt worden.
Juli: Aljechin wird frei gelassen.
(An den Spekulationen, wie und warum, will sich Dikigoros nicht beteiligen. Die Legende, daß Trotski Aljechin persönlich in der Todeszelle aufgesucht und nach einer Partie Schach befreit habe, hält er für ebenso wenig glaubhaft wie das Gerücht, er habe sich als Spitzel für die Tscheka verdingt. Sicher ist nur, daß Aljechin das Land einstweilen nicht - jedenfalls nicht legal - verlassen darf und sich erstmal nach Moskau begibt.)

1919
Dezember: Aljechin nimmt an der Moskauer Stadtmeisterschaft außer Konkurrenz teil. (Ebenfalls ein Unicum - eigentlich hätte er gar nicht teilnehmen dürfen, da er keinen amtlichen Wohnsitz in Moskau hatte.)
Er erzielt 11 Siege in 11 Partien.

1920
März: Aljechin heiratet die Baronin Anna von Severgin, mit der er bereits seit acht Jahren zusammen lebt und eine Tochter hat.
Oktober: Aljechin gewinnt die "Allrussische Schach-Olympiade" (so wird die Meisterschaft jetzt genannt :-) ungeschlagen.
Danach nimmt er eine Stelle als Dolmetscher bei der "Kom[munistischen]Intern[ationale]" an.


Bei dieser Tätigkeit lernt er die Schweizer Delegierte Annelise Rüegg (1879-1934) kennen.
Man stellt A.R. heute oft als arme, ungebildete "Proletarierin" mit nicht ganz einwandfreiem Leumund hin. Das wird ihr nicht gerecht. Sie war die Tochter eines Handwerkers und auch ohne höhere Schulbildung eine "Frau von Welt" im wahrsten Sinne des Wortes, denn sie hatte fast die ganze Welt bereist, mit offenen Augen und Ohren - Dikigoros hatte sogar mal mit dem Gedanken gespielt, ihr ein Kapitel seiner Sammlung "Wenn Frauen eine Reise tun" zu widmen - und war polyglott. Daß sie ihre Reisen mangels ererbten Vermögens in jungen Jahren mit Tätigkeiten in Hotels, Restaurants und Bars finanzierte, liegt auf der Hand - wo sollte man frau sonst "unterwegs" kurzfristig Geld verdienen? Aber nach ihren ersten Reisen schrieb sie Bücher über ihre Erlebnisse, die zu Bestsellern wurden, so daß sie ihre späteren Reisen durch Vorträge finanzieren konnte. Und auch wenn sie damit nicht ganz so reich wurde wie andere Frauen in Aljechins Leben - arm wie die sprichwörtliche Kirchenmaus war sie jedenfalls nicht!

1921
Februar: Aljechin wird erneut verhaftet, kommt jedoch bald wieder frei.
März: Aljechin läßt sich scheiden und heiratet in 2. Ehe Annelise Rüegg, mit der er die Sowjet-Union auf Nimmerwiedersehen verläßt; sie reisen über Lettland nach Deutschland aus - nach Berlin.
Juni: Annelise verläßt Berlin und ihren Mann und kehrt nach Zürich zurück. (Ihr gemeinsamer Sohn Alexander iun. wird im November geboren.)
Die Frage, ob das lediglich eine "Gefälligkeits-Schein-Ehe" war, um Aljechin eine Ausreise-Genehmigung zu verschaffen, drängt sich auf; aber Dikigoros vermag sie nicht zu beantworten. (Allerdings würde er ausschließen, daß die beiden sich "aus politischen Gründen" getrennt hätten, wie manche meinen, von wegen: "Anti-Kommunist und Kommunistin, das konnte ja nicht gut gehen!" Tatsächlich war Annelise bloß eine Schreibtisch-Marxistin gewesen. Ihr Aufenthalt in Sowjet-Rußland hatte ihr die Augen geöffnet für die Praxis des Kommunismus - viel früher als einem Koestler, einem Silone und so vielen anderen klugen Männern, über die Dikigoros an anderer Stelle schreibt - und sie ebenfalls zur Anti-Kommunistin werden lassen.)
Aljechin - vom Millionärssohn zum mittellosen ExPat geworden - fristet in Berlin zunächst ein trauriges Dasein als Caféhaus-Spieler um geringe Einsätze. Dann erfährt jedoch Bogoljubow von seinem Schicksal, lädt ihn nach Triberg ein und nimmt ihn unter seine Fittiche. Er organisiert ein Schachturnier, das Aljechin ungeschlagen gewinnt.
Beim Internationalen Turnier in Budapest - das er ebenfalls ungeschlagen gewinnt - spielt Aljechin erstmals eine waghalsige wagemutige Eröffnung, die später nach ihm benannt wird.

[Die 'Aljechin-Verteidigung']

(Objektiv betrachtet ist die "Aljechin-Verteidigung" drittklassig und hat im Computer-Zeitalter kaum noch Anhänger; aber subjektiv ist sie gut genug, um Gegner, die nicht auf sie vorbereitet sind, zu leichtsinnigen Attacken zu verleiten, die schnell schief gehen können.)
Aljechin gewinnt auch das Turnier in Den Haag ungeschlagen.
Früher kein bedeutendes Turnier, aber jetzt aus finanziellen Gründen interessant: Ringsumher beginnt die - noch nicht galoppierende, aber schon schleichende - Inflation/Geldentwertung; der Florin [Gulden] der Niederlande - die sich aus dem Ersten Weltkrieg heraus gehalten hatten - ist dagegen relativ stabil und steigt gegenüber anderen Währungen kontinuierlich im Wert.

1922
Januar: Aljechin übersiedelt nach Paris, wo er ein Jura-Studium aufnimmt.
(Auch an Spekulationen, ob und ggf. wann er dieses abgebrochen oder abgeschlossen hat, will sich Dikigoros nicht beteiligen.)
Beim Internationalen Turnier von London muß sich Aljechin mit Platz 2 hinter dem frisch gebackenen Weltmeister Capablanca begnügen.
(Er bleibt zwar ungeschlagen, schiebt aber zu oft Remis. Kritiker meinen, er spiele gegen "große Namen" zu vorsichtig.)
September: Aljechin gewinnt das Meisterturnier im geschichtsträchtigen britischen Hastings. Danach gelingt ihm ein Jahr lang kein ungeteilter Turniersieg mehr. Immerhin belegt er

1923
beim Internationalen Turnier in Karlsbad den geteilten 1.-3. Platz (zusammen mit Bogoljubow) und gewinnt später im Jahr noch das kleinere Turnier von Portsmouth.

1924
Beim Meisterturnier in New York City - dem einzigen, das er in dem Jahr spielt - belegt Aljechin, wie schon 10 Jahre zuvor in Sankt Peterburg, Platz 3 hinter Ex-Weltmeister Lasker und Capablanca.
20. Juli: Anläßlich der Olympischen Spiele in Paris wird dortselbst auf französisch-niederländische Initiative die Fédération Internationale d'Échecs [FIDE] gegründet.
(Mitglieder - insgesamt 15 - werden mit zwei Ausnahmen - Argentinien und Canada - nur Schachverbände aus Europa. Es fehlen die Kriegsverlierer Deutschland - einschließlich Deutsch-Österreich - und Sowjet-Union sowie die nordgermanischen Staaten Dänemark, Norwegen und Schweden. Vereinsvorsitzender "Verbandspräsident" wird der Niederländer Alexander Rueb, der ein Vierteljahrhundert an diesem Posten klebt festhält.)
Es wird auch ein Turnier ausgetragen, das später rückwirkend in "1. Schach-Olympiade" umbenannt wird.
November: Alchechin stellt einen Antrag auf Einbürgerung in Frankreich, der jedoch abgelehnt (nach anderen Quellen: nicht bearbeitet) wird; er muß also einstweilen "Sowjet-Bürger"***** bleiben.
Auch über jenes Einbürgerungsverfahren will Dikigoros nicht spekulieren. (Angeblich halten ihn die französischen Behörden für einen von der Sowjet-Union eingeschleusten Spion in geheimer Mission.)

1925
Aljechin gewinnt kleinere bis mittlere Turniere in Paris, Bern und Baden-Baden.
An letzterem ist vor allem seine Partie gegen den ungarischen Meister Richard Réty interessant, der versucht, als Weißer eine Art umgekehrte Aljechin-Verteidigung mit einem Zug mehr zu spielen. Aljechin obsiegt - allerdings nicht durch Widerlegung der Eröffnung, sondern durch eine Folge von genialen Zügen im Mittelspiel, auf die wohl niemand sonst gekommen wäre - auch nicht moderne Computer-Programme. (Dikigoros hat es getestet - die spielen "solider" :-)
Dezember: Das Internationale Schachturnier in Moskau gewinnt Bogoljubow - der noch immer sowjet-russischer Staatsbürger ist -, während Aljechin beim Internationalen Turnier von Hasting antritt, das er im

1926
Januar gewinnt. (Es ist allerdings nur ein geteilter 1./2. Platz - obwohl er lediglich ein einziges Remis abgibt.)
Beim Internationalen Turnier von Buenos Aires gibt Aljechin keinen Halbpunkt ab und gewinnt überlegen mit 10:0 Siegen.
(Unterdessen hat Bogoljubow mit der Sowjet-Union gebrochen und die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt, die er im folgenden Jahr auch erhält.)
Aljechin läßt sich scheiden und heiratet in 3. Ehe Nadjezhda Semjonowna (geb. Fabritskaja), eine wohlhabende Admiralswitwe.******

1927
Beim Meisterturnier in New York City macht Aljechin dagegen keine besonders gute Figur. Nach chaotischem Verlauf - bei dem so ziemlich jeder jeden schlagen konnte (aber dennoch meist Remis geschoben wurde) - belegt er mit nur 11,5 von 20 möglichen Punkten zwar Platz 2; aber Weltmeister Capablanca siegt mit deutlichem Vorsprung und akzeptiert ihn daraufhin als Herausforderer.
(Bis dahin hatte er noch kein einziges Mal geruht, seinen Titel zu verteidigen, insbesondere hatte er sich vor einem Rückkampf gegen Lasker gedrückt.)
August: Frankreich - das infolge des Weltkriegs an Männermangel und einer niedrigen Geburtenrate leidet, verabschiedet, da es dringend Soldaten für den nächsten Krieg gegen Deutschland braucht, ein neues Einbürgerungsgesetz, das letztere erheblich erleichtert.
Oktober-November: Aljechin siegt im Weltmeisterschaftskampf gegen den haushohen Favoriten Capablanca überraschend deutlich mit 6:3 Gewinnpartien (bei 25 Remisen).


Capablancas Aufgabebrief - offenbar aus dem Englischen
Wort für Wort übersetzt in drolliges Schulfranzösisch

Gewitzt durch die Niederlage Laskers sechs Jahre zuvor auf Kuba - die dieser der dortigen Hitze zuschrieb - hatte Aljechin als Austragungsort die mit einem gemäßigten Klima gesegnete Hauptstadt Argentiniens - die nicht umsonst "Buenos Aires [gute Luft]" heißt - durchgesetzt, die er ja noch vom Vorjahr in bester Erinnerung hatte. Ein Sponsor hatte für die Austragung dortselbst 10.000 US$ Preisgeld ausgesetzt - damals ein kleines Vermögen. (Ein Jahrhundert später immer noch: Ein US$ enthielt eine Unze Feinsilber - heute 30 €€, also insgesamt 300.000 €€, von der Kaufkraft her sogar noch mehr.)


Was ebenso wichtig - vielleicht sogar noch wichtiger - war: Marcelo Torcuato de Alvear - Argentiniens bester Präsident im 20. Jahrhundert, daher dennoch heute so gut wie vergessen - hatte nicht nur die Schirmherrschaft übernommen, sondern auch den Preisfonds garantiert und vor allem die Genehmigung erteilt, das Geld allen Devisenexportbeschränkungen zum Trotz ins Ausland mitzunehmen.
Nach seiner Rückkehr wird Aljechin endlich die französische Staatsbürgerschaft zuerkannt. (Nein, nicht "verliehen" - er muß sie ja nicht zurück geben :-)

1928
Anläßlich der Olympischen Spiele in Amsterdam veranstaltet die FIDE ihre 2. Schach-Olympiade. Die Goldmedaille im Einzel gewinnt ein gewisser Max Euwe.
(Unter diesem Namen wird er heute meist geführt und als Beruf "Mathematik-Professor" angegeben. Tatsächlich hieß er mit Vornamen Machgielis, und was den merkwürdigen Nachnamen betrifft, so ist man sich bis heute nicht einig, wie er richtig auszusprechen ist. Er selber sprach ihn - natürlich - holländisch aus ["Öhwe"], Capablanca spanisch ["E-u-we"], die Russen "Äjwe" und Aljechin - der flüssig, wenngleich grammatisch nicht immer ganz korrekt, Deutsch sprach - "Ojwe". Er war damals Mathematik- und Fysiklehrer an einem Lyceum [Mädchen-Gymnasium]; [Honorar-]Professor - nicht für Mathematik, sondern für Kybernetik - sollte er erst ein Vierteljahrhundert später werden.)

1929
Aljechin verteidigt seinen Weltmeistertitel erfolgreich gegen Bogoljubow.


Es wird heute gerne so dargestellt, als sei letzterer ein "schwacher Spieler" und "kein legitimer Herausforderer" gewesen und will das damit begründen, daß das Ergebnis so klar war wie nie davor oder danach bei einem WM-Duell (11:5 Gewinnpartien bei nur 9 Remisen). Doch Bogoljubow hatte zuvor einen - von der FIDE veranstalteten - Herausforderungskampf gegen Euwe gewonnen und war damals tatsächlich der zweitbeste Schachspieler der Welt. Sein Pech war halt, daß Aljechin in der Form seines Lebens war; er hätte wohl jeden anderen Gegner ebenso klar geschlagen.

1930
Januar-Februar: Aljechin gewinnt das Meisterturnier von San Remo mit dem Rekordergebnis von 14 Punkten aus 15 Partien.
(Es wird nicht nach "Schweizer System" gespielt, sondern jeder der 16 Teilnehmer muß gegen jeden antreten. Nur Bogoljubow und Spielmann können Remis halten, alle anderen verlieren.)
Bei der Schach-Olympiade in Hamburg erzielt Aljechin an Brett 1 ebenfalls ein Rekordergebnis: 9 Siege in 9 Spielen. (Da Frankreich jedoch sonst über keine guten Schachspieler verfügt, landet es abgeschlagen auf Platz 12.)
(Frankreich hat bei Schach-Olympiaden noch nie etwas "geholt". Das höchste der Gefühle war mal ein 5. Platz - aber erst im nächsten Jahrtausend :-)

1931
Die Schach-Olympiade in Prag endet ähnlich wie ihre Vorgängerin: Aljechin gibt nur eine Partie ab (bei 10 Siegen), aber Frankreich landet nur auf Platz 14.
Aljechin gewinnt das Meisterturnier in Bled ungeschlagen - mit sage und schreibe 5,5 Punkten vor dem zweitplazierten Bogoljubow.

1932
Die Turniere in London, Bern und Pasadena gewinnt Aljechin dagegen "nur" mit jeweils einem Punkt Vorsprung.
Beim Turnier in Mexiko-Stadt muß er sich den Sieg sogar teilen, obwohl er nur ein einziges Remis abgibt.

1932/33
Aljechin absolviert eine fünfmonatige Tournee durch (fast) alle Anrainer-Staaten des Pazifiks, auf der er Simultan-Veranstaltungen gibt, bei denen er "blind" (d.h. ohne Ansicht eines Schachbretts) spielt, u.a. auf der Weltausstellung von Chicago.


1933
Bei einer dieser Simultan-Veranstaltungen in Tōkyō lernt Aljechin als einzige weibliche Teilnehmerin (Belohnung für ihren Sieg bei einem gerade zuende gegangenen Frauenturnier dortselbst) Grace Freeman kennen, die Witwe eines britischen Teepflanzers auf Ceylon.
(Ceylonesischer Tee genießt damals - bis zur Verstaatlichung der Plantagen unter den sozialistischen Bhãdārnāykes ein Vierteljahrhundert später - Weltruf; die Plantagen machen ihre Eigentümer reich - so auch Freeman.)
Aljechin gewinnt das Turnier in Paris ungeschlagen - er gibt lediglich zwei Remise ab.


1934
März: Aljechin läßt sich von Nadjezhda scheiden und heiratet in 4. Ehe Grace Freeman - böse Zungen behaupten, weil sie genauso gerne säuft wie er selber -, für die es ebenfalls die 4. Ehe ist.
(Manche behaupten, daß es für beide sogar die 5. Ehe gewesen sei; wer dafür belastbare Beweise hat, darf Dikigoros gerne mailen; er wird sich dann entsprechend korrigieren.)
Juni: Aljechin verteidigt seinen Weltmeistertitel zum 2. Mal erfolgreich gegen Bogoljubow.
Das Ergebnis ist zwar nicht ganz so überragend wie fünf Jahre zuvor (8:3 Gewinnpartien bei 15 Remisen), aber immer noch deutlich.
Juli: Aljechin gewinnt das Meisterturnier von Zürich mit 13 Punkten aus 15 Partien. (Zweiter wird Euwe.)
Bei der Schach-Olympiade in Folkstone gibt Aljechin erneut nur eine Partie ab (bei 8 Siegen), und Frankreich erzielt ein Rekordergebnis: Platz 8.

1935
Februar/März: Den Sieg im Internationalen Turnier von Moskau teilen sich der inzwischen zum Meisterspieler gereifte "Salo Flohr" - der in den Jahren 1931-34 viermal in Folge das Turnier von Hastings gewonnen hat - und ein gewisser Michaïl Botwinnik (Anmerkung für deutsche Muttersprachler: Das spricht sich nicht "Botwinnick", sondern "Batwieniek"), vor Lasker und Capablanca.
(Angesichts dessen ist es ein Witz zu behaupten, Capablanca wäre der legitime Anwärter für einen neuerlichen WM-Kampf gewesen, und Aljechin sei ihm aus Angst, seinen Titel zu verlieren, "ausgewichen".)
Bei der Schach-Olympiade in Warschau bleibt Aljechin mit der zweitbesten Einzelwertung (hinter Flohr) ungeschlagen; für Frankreich reicht es allerdings nur zu Platz 10.
Da Bogoljubow einstweilen keine Sponsoren für einen 3. WM-Kampf findet und auch niemand bereit ist, ein Duell mit seinem eigentlichen Favoriten Flohr in Prag zu finanzieren, fragt Aljechin beim niederländischen Schachverband an, ob er nicht Sponsoren für einen WM-Kampf gegen Euwe finden könne - er kann. (Schach ist in Holland, nicht zuletzt Dank Euwe, gerade sehr populär.)
Oktober-Dezember: Aljechin nimmt das Duell auf die leichte Schulter. Nachdem er schnell in Führung gegangen ist, beginnt er seiner Alkoholsucht nachzugeben und erscheint wiederholt angetrunken oder verkatert zu Wettkampf-Partien. Am Ende verliert er zwar denkbar knapp (8:9 Gewinnpartien bei 13 Remisen) - aber der Titel ist erstmal futsch.

[Karikatur]

Neunmal kluge "Schach-Historiker" und andere Keksperten haben später bemerkt, daß die Partien durchaus hohes Niveau hatten und keineswegs wie zwischen einem Figurenschieber und einem Alkoholiker gespielt wirkten. Wohl wahr. Aber dabei ist zu berücksichtigen, daß Aljechin erst in der zweiten Turnierhälfte zu trinken anfing und daß Euwe als Sekundanten keinen geringeren als "Salo Flohr" hatte.
(Die Bedeutung solcher Sekundanten - zumal im Vor-Computer-Zeitalter - ist nicht zu unterschätzen. Sie dürfen zwar nicht direkt ins Spiel eingreifen, analysieren aber die Partien im Nachhinein auf etwaige Fehler - beider Seiten - und helfen bei der Vorbereitung auf die nächste Partie, vor allem bei der Eröffnungswahl. Im Rückkampf zwei Jahre später sollte Euwe kein Flohr zur Seite stehen - und auch kein Johnny Walker auf der Gegenseite.)

1936
August: Auch beim Internationalen Turnier in Nottingham enttäuscht Aljechin; er belegt nur Platz 6.
(Den Sieg teilen sich Capablanca und Botwinnik; aber Euwe macht keinerlei Anstalten, seinen Titel etwa gegen einen von ihnen zu verteidigen.)
Dezember: Nachdem Aljechin sich mit ganz unrussischer eiserner Disziplin das Trinken - und sogar das Rauchen - abgewöhnt hat, meldet er zum traditionellen Meisterturnier in Hasting, das er im

1937
Januar überlegen gewinnt. (Er verliert keine einzige Partie und gibt nur 2 Remis ab.)
Gleichzeitig belegt seine Frau - die er ebenfalls auf Entzug gesetzt hat - immerhin Platz 3 im Frauenturnier. Wer immer über Aljechins Verhältnis zu Frauen geschrieben hat (viele tun es nicht) versucht, ihm einen "Ödipus-Komplex" anzuhängen, weil alle seine Ehefrauen - z.T. erheblich - älter waren als er. Das könnte man freilich auch anders erklären, ohne Psycho-Klempnerei: Alle seine Frauen waren mehr oder weniger wohlhabend (Grace besonders). Alle seine Frauen waren gute Schachspielerinnen (Grace besonders). Und alle seine Frauen sahen deutlich jünger aus als sie waren (Grace besonders), während er selber infolge seines unsoliden Lebenswandels früh gealtert war. (Die oben abgebildete zeitgenössische Karikatur war nicht ganz aus der Luft gegriffen.*******) Zum Vergleich: Flohr heiratete eine 25 Jahre jüngere Frau, die im Zeitpunkt seines ersten Turniergewinns in Hastings noch gar nicht geboren war - hat man ihm darob je einen "Lolita-Komplex" nachgesagt?
Dagegen vermag Aljechin die folgenden Turniere in Margate, Kemeri und Bad Nauheim nicht zu gewinnen - das tun Bogoljubow bzw. der aufstrebende, 21 Jahre junge estnische Meister Paul Keres, der ihn bei der Gelegenheit erst-(und letzt-)mals besiegt.
(Aljechin übersieht, als er Db4 zieht, ein drohendes Matt in drei Zügen auf der Grundlinie - ein anfängerhafter Fehler, der einem vielleicht in Zeitnot bei einem "Blitzmatch", aber niemals bei einem "normalen" Turnier unterlaufen darf - nicht mal im Suff!)

[grüner Pfeil: Db3 - der spielentscheidende Fehler]
Keres spielt Dxd7+, und Aljechin gibt auf.

Oktober-Dezember: Im WM-Rückkampf ist Aljechin jedoch fast wieder der alte. Er macht Euwe ebenso deutlich platt wie einst Bogoljubow (10:4 Gewinnpartien bei 11 Remisen).
Der guten Ordnung halber sei noch erwähnt, daß insgesamt 30 Partien vereinbart waren. Beim Stand von 4:10 nach 25 Partien hätte Euwe aber selbst dann seinen Titel nicht mehr verteidigen können, wenn er die letzten 5 noch gewonnen hätte; also gab er auf, und der Wettkampf war offiziell beendet. Allerdings hatten die Zuschauer in Den Haag ja schon Eintritt bezahlt, der ihnen hätte erstattet werden müssen; daher wurden die letzten 5 Partien noch "außer Konkurrenz" drangehängt. Aljechin gewann eine, Euwe zwei, zwei weitere endeten Remis. (Wenn man so will, lautete das inoffizielle Gesamtresultat also 11:6 bei 13 Remisen.)

1938
März: Aljechin gewinnt das Turnier von Montevideo.
April: Aljechin gewinnt das Turnier von Margate.
September: Aljechin gewinnt das Turnier von Plymouth.
November: Die Algemene Vereniging Radio Omroep [AVRO] - 1927 durch Fusion mehrerer Radiosender entstandene größte Rundfunkanstalt der Niederlande - veranstaltet in Zusammenarbeit mit der FIDE ein Schachturnier, an dem auch Aljechin teilnimmt. Keres und Reuben Fine aus den USA belegen punktgleich Platz 1-2.


Über jene Veranstaltung wird heute viel Unsinn verbreitet, vor allem, daß Aljechin einer Titelverteidigung gegen den Sieger (Keres gewinnt den Stichkampf gegen Fine) zugestimmt und damit die Oberhoheit der FIDE über die Ausrichtung der Schach-WM anerkannt habe. Das ist nichtmal die halbe Wahrheit. Richtig ist, daß er sich bereit erklärt hatte, für den Fall, daß er den Sieger als Herausforderer akzeptieren sollte, den Titelkampf zu den Bedingungen der FIDE (Schauplatz Niederlande, niedrigeres Preisgeld als zuletzt üblich) austragen würde; zugleich erkannte die FIDE jedoch an, daß Aljechin selbstverständlich weiterhin das Recht hatte - wie bisher noch jeder Weltmeister - sich seinen nächsten Gegner selber auszusuchen. Die Verhandlungen mit Keres und Fine scheitern jedoch an unterschiedlichen Vorstellungen über die Verteilung des Preisgeldes, und die mit dem Drittplazierten Botwinnik an solchen über den Austragungsort: Ajechin will London, der sowjetische Schachverband Moskau.


1939
August: Aljechin erklärt sich zu einer Titelverteidigung gegen Capablanca bereit, sofern es letzterem gelingt, ein Preisgeld in Höhe von 10.000 US$ aufzutreiben.
September: Während Aljechin mit der französischen National-Mannschaft zur Schach-Olympiade in Buenos Aires weilt - er bleibt, wie gewohnt an Brett 1 spielend, ungeschlagen -, erklären die Regierungen von Großbritannien und Frankreich dem Deutschen Reich den Krieg - anders als 1914 gegen den Willen der überwältigenden Mehrheit ihrer Untertanen. (Der Volksmund stellt die rhetorische Frage: "Mourir pour Dantzig [Für Danzig sterben] ?")
Aljechin bleibt zunächst in Südamerika und nimmt noch Turniersiege (und Preisgelder) in Montevideo und Caracas mit - wobei er nicht nur ungeschlagen bleibt, sondern kein einziges Remis abgibt.

1940
Februar: Aljechin kehrt nach Frankreich zurück und tritt als Dolmetscher in die Armee ein. (Man hofft auf reichlich deutsche Gefangene, die es zu verhören gilt.)
Mai/Juni: Die schlecht motivierte französische Armee unterliegt unerwartet schnell (binnen 6 Wochen) der deutschen Wehrmacht.
Alchechin begibt sich in die unbesetzte Zone von "Vichy-Frankreich" unter Marschall Pétain.
(Politisch-korrekte Gutmenschen haben das später als "Flucht" vor den bösen "Nazi-Deutschen" bezeichnet. Man fragt sich allerdings, welchen Grund Aljechin für eine Flucht gehabt haben sollte. Etwa, daß man ihn an die - damals noch mit dem Reich verbündete - Sowjet-Union ausliefern könnte? Aber so schäbig wären die Deutschen nicht gewesen, und das wußte er auch.)
Juli: Aljechin reist per Schiff von Marseille nach Lissabon - aber nicht, um im Portugal Salazars um Asyl zu bitten, sondern um sich nach Amerika zu begeben und dort den vereinbarten WM-Kampf gegen Capablanca auszutragen. Doch sowohl die - offiziell noch neutralen - USA unter Präsident Roosevelt als auch das - offiziell ebenso neutrale - Cuba unter dem frisch gebackenen gewählten Präsidenten Batista verweigern ihm ein Einreisevisum.
Oktober: Aljechin kehrt frustriert nach Frankreich zurück.
Bei einem der besagten Gutmenschen las Dikigoros doch tatsächlich den Halbsatz: "... und stellte sich den Deutschen." Wieso hätte er sich "stellen" sollen? Er wurde ja nicht steckbrieflich gesucht oder verfolgt! Er kehrte einfach als französischer Staatsbürger wieder in sein Land zurück.
(Aljechin weniger freundlich gesonnene "Historiker" legen es ihm - und anderen Schachspielern - dagegen als "Collaboration mit den Nazis" aus, daß er es wagte, in den folgenden Jahren an Turnieren in Mittel- und Ostmitteleuropa teilzunehmen. Wo hätte er denn sonst spielen sollen, da ihm doch sogar vorgeblich "neutrale" Staaten anderswo auf der Welt die Einreise verweigerten?!?)

1941
Juni: Bei einer Simultan-Veranstaltung in Lissabon spielt Aljechin gegen einen gewissen Supico eine Partie, die als seine genialste gilt.
Zu Unrecht - sie kann der o.g. Partie gegen Réty nicht das Wasser reichen. Um einen mittelschwachen Figurenschieber wie S. - der schon vom 5. Zug an beginnt, mehr oder weniger ziellos mit der Damer herum zu ziehen - zu besiegen, bedarf es keiner besonderen Genialität. Wirklich genial wäre es gewesen, wenn Aljechin statt 13. a3 - was "nur" einen Läufer gewinnt - 13. Sxc7 gespielt hätte - was mindestens einen Turm, bei ungenauem Gegenspiel sogar die Dame gewinnt. Aber das ist nicht mal der schlimmste "Schönheitsfehler", sondern daß Aljechin - entgegen dem, was der Uploader schreibt - kein "Dänisches Gambit" (so nennen es die Limeys - auf dem Kontinent sagt[e] man früher "Nordisches Gambit" und heute "Skandinavisches Gambit") spielt, sondern eine andere Variante der "Schottischen Eröffnung", nämlich das "Göring-Gambit", was für gewisse Kreise beweist, daß er ein böser Nazi gewesen sein muß. Der 1879 verstorbene Filosofie-Professor und Mitgründer des Deutschen Schachbundes Carl Göring, nach dem es benannt ist, war zwar weder verwandt noch verschwägert mit Reichsmarschall Hermann Göring - aber weshalb sonst sollte jemand eine so zweischneidige, für beide Seiten extrem gefährliche Eröffnung wählen? Ganz einfach: Aljechin spielte "blind", d.h. ohne Ansicht des Bretts. In einer "normalen" Partie bevorzugen gute Positionsspieler für gewöhnlich "geschlossene" Eröffnungen, bei denen es relativ lange dauert bis zum ersten "Schlagabtausch". Wenn man "blind" spielt, bemüht man sich dagegen, möglichst schnell möglichst viele Figuren "abzuholzen", um sich nicht so viele merken zu müssen; und dazu sind "offene" Eröffnungen nun mal besser geeignet, und solche wie das "Göring-Gambit" ganz besonders. (Und was man gegen gleich starke Meisterspieler nicht unbedingt riskieren würde - gegen schwächere Gegner bei einer Simultan-Veranstaltung geht das ja schon mal... quod erat demonstrandum :-)
September: Beim "Europaturnier" in München belegt Aljechin Platz 2 hinter dem Schweden Gösta Stoltz.
Oktober: Aljechin gewinnt die in Krakau und Warschau ausgetragene Meisterschaft des "Generalgouvernements".
(Generalgouverneur Hans Frank - über den Dikigoros an anderer Stelle mehr schreibt, in der 1. Fußnote - ist ein begeisterter Schach-fan, der sowohl Aljechin als auch Bogoljubow - der Platz 3 belegt - überredet, ihren Wohnsitz in Krakau zu nehmen.)


Dezember: Aljechin gewinnt ein Mini-Turnier in Madrid, das vor allem dadurch in Erinnerung geblieben ist, daß er bei der Gelegenheit ein "anti-semitisches" Interview gegeben haben soll.
Das würde Dikigoros ja glauben, wenn die angeblichen Aussagen - die auch schon mal vor- oder nachdatiert und weder in spanischen noch in deutschen, sondern nur in französischen und böhmischen Zeitungen veröffentlicht wurden - nicht so absurd falsch wären, daß man sie Aljechin eigentlich nicht zutrauen kann. So soll er behauptet haben, daß nur Arier aggressiv auf Angriff spielten, während Juden defensiv spielten und nur darauf warteten, daß ihre Gegner Fehler machten, die sie dann ausnutzten. Welch ein Unsinn! Man muß doch beides können: mit Weiß angreifen und mit Schwarz verteidigen - das ist keine Frage von Rasse oder Religion. Aber wenn man schon auf letztere abstellen will: Es waren doch - italienische oder vielleicht auch spanische - Juden, die aus dem lahmen Ur-Schach der Inder, Perser und Araber das moderne, aggressive Schach der Neuzeit gemacht haben! (Dikigoros schreibt darüber an anderer Stelle mehr.) Und der wohl aggressivste Schachweltmeister aller Zeiten war der Jude Michaïl Tal (den der Verfasser jener Aljechin in den Mund gelegten Aussagen freilich nicht mehr kennen gelernt haben dürfte). Als löbliches Beispiel für "arisches" Schach soll ausgerechnet Capablanca herhalten?!? Das ist völlig abwegig, denn Aljechin wußte doch aus eigener Erfahrung, daß gerade der ein äußerst bedächtiger Defensivspieler war, der eben darauf aus war, kleinste Fehler seiner angreifenden Gegner eiskalt auszunutzen. (Der Verfasser jener Aussagen wußte offenbar auch nicht, daß Capablanca Jude war - womit er sich ja bis heute in guter Gesellschaft befindet.) Mag sein, daß Aljechin einige seiner jüdischen Kollegen persönlich nicht leiden konnte - aber das besagt nichts, denn die meisten Weltklasse-Schachspieler waren nun mal Juden. Daß er als solchen Euwe heraus gegriffen haben soll, ist ebenfalls wenig glaubhaft, denn daß der Jude war, war damals nicht allgemein bekannt. (Das ist es ja heute noch nicht - außer den Lesern von Dikigoros' Webseiten, versteht sich :-) Wie dem auch sei, einige Juden, denen jene angeblichen Aussagen Aljechins zugetragen wurden, fühlten sich zutiefst beleidigt und reagierten entsprechend haßerfüllt - vor allem Euwe und der US-Stinkstiefel Fine.

1942
März: Capablanca stirbt in New York City - 12 Monate nach seinem Vorgänger Lasker. Damit hat sich das Projekt einer WM-Revanche zwischen Aljechin und ihm endgültig erledigt.
Juni: Aljechin gewinnt das Meisterturnier von Salzburg (vor Keres). Dabei unterliegt er überraschend dem Deutsch-Chilenen Klaus Junge, einem 18jährigen RAD-Jungmann, der seitdem als weltweit größtes Nachwuchstalent gilt.
Der Nachwelt gilt er dagegen als "besonders fanatischer Nazi", da er ausweislich der Aufnahmen von jenem Turnier eine große Hakenkreuz-Armbinde trug. Das ist niederträchtig, denn er trug - pflichtgemäß, da er an jenem Turnier während seiner Dienstzeit teilnahm - RAD-Uniform, und zu der gehörte nun mal eine solche Armbinde. (Ebenso niederträchtig - aber heute allgemein üblich - ist es, Bogoljubow als "besonders fanatischen Nazi" zu bezeichnen, weil ihn Aufnahmen bei Länderkämpfen neben einer Hakenkreuzflagge sitzend zeigen - das war nun mal in der Zeit des "Dritten Reichs" die deutsche Nationalflagge!) Nach seiner RAD-Zeit trat Junge selbstverständlich in Zivil an - z.B. beim Turnier in Prag, s.u. - und trug dann keine Hakenkreuz-Armbinde.
August: Ein Überfall angelsächsischer "Commandos" auf das normannische Städtchen Dieppe ("Operation Jubilee") mit dem Auftrag, möglichst viele feindliche Soldaten und Zivilisten möglichst grausam zu ermorden und möglichst viele Zivilgebäude zu zerstören (ein kanadischer Brigadegeneral trug den Befehl dazu leichtsinniger Weise bei sich, als er gefangen genommen wurde), schlägt fehl und hat vorerst keine Folgen für die Aljechins: "La chatellenie" - ein Schlößchen in der Nachbarschaft, das Grace mit in die Ehe gebracht hatte - bleibt unbeschädigt.
Im übrigen verfügt der böse Nazi Adolf Hitler höchstpersönlich, daß die Gemeinde Dieppe 10 Millionen Francs erhält, um die dennoch durch den Überfall verursachten Schäden zu reparieren. (Pfui!)
September: Aljechin gewinnt das zur "Europameisterschaft" aufgewertete Turnier von München (ebenfalls vor Keres).
Oktober: Aljechin gewinnt erneut die Meisterschaft des "Generalgouvernements" (vor Junge und Bogoljubow).
Dezember: Beim Meisterturnier von Prag muß sich Aljechin den Sieg mit Junge teilen (den er jedoch diesmal schlägt).

1943
März: Ajechin verteidigt seinen WM-Titel zum 3. Mal erfolgreich gegen Bogoljubow. (Der kriegsbedingt verkürzte Mini-Wettkampf endet unentschieden - aber das reicht ja.)
Dieses Ereignis wurde aus den politisch-korrekten Annalen der Schachgeschichte gestrichen "gecancelt", 1. weil der sowjetische Schachverband den Renegaten Bogoljubow bereits 1926 ins Orwell'sche "Memory hole" entsorgt hatte, 2. weil Bogoljubow inzwischen der NSDAP beigetreten war und 3. weil der Wettkampf im - international nicht anerkannten - "Generalgouvernement" ausgetragen wurde.
April: Aljechin gewinnt das Meisterturnier von Prag ungeschlagen (vor Keres).
Juni: Aljechin teilt sich den Sieg beim Meisterturnier von Salzburg mit Keres - dem er daraufhin ein WM-Match anbietet, das dieser jedoch ablehnt.
Oktober: Aljechin übersiedelt nach Spanien - ganz offiziell, als "Schach-Repräsentant" des "Großdeutschen Reichs".

1944
Juni: Die Invasion angelsächsischer Truppen in der Normandie beginnt und gewinnt rasch an Boden.
Juli: Aljechin gewinnt das Internationale Turnier von Gijón, wobei er nur ein einziges Remis abgibt.
September: Nachdem die Wehrmacht Dieppe kampflos geräumt hat, läßt das britische Oberkommando die Überlebenden der "Operation Jubilee" auf das Städtchen los ("Operation Fusilade" - sehr sinnig und sehr passend). Es wird dem Erdboden gleichgemacht, die meisten Einwohner ermordet als "Nazi-Collaborateure" hingerichtet (die Frauen zuvor noch vergewaltigt vergewohltätigt). Auch "La Chatellenie" wird ausgeplündert und weitgehend zerstört. (Grace verkauft es später notgedrungen für'n Appel und 'n Ei an einen US-amerikanischen Besatzungsknülch Investor, der es wieder aufbaut und zu einem Hotel macht - das übrigens noch heute in Betrieb ist.)


In der verlogenen politisch korrekten Geschichtsschreibung der Sieger (über den Satz "Der Sieger schreibt die Geschichte" schreibt Dikigoros an anderer Stelle, in der 1. Fußnote) - und natürlich auch den Geschichts- und Märchenbüchern der BRDDR - wird das freilich heute ganz anders dargestellt: Danach hatten die bösen Nazi-Deutschen das Schlößchen bereits 1940 "ausgeplündert und zerstört". Die braven alliierten Besatzer Befreier bauten es dann ganz uneigennützig wieder auf.

1945
März: Aljechin gewinnt das Internationale Turnier von Madrid.
April: Klaus Junge - inzwischen Leutnant d.R. in der Waffen-SS - wird von den Briten ermordet, als er versucht, mit seiner Truppe zu kapitulieren.
Dikigoros schreibt darüber an anderer Stelle mehr. Ihm ist bewußt, daß auch das heute meist ganz anders dargestellt wird - aber seine Quellen sind besser: Ein Arbeitskollege seines Vaters beim Hamburger Zoll war dabei, freilich nicht als Offizier - dann hätte er nicht überlebt -, sondern als Schütze Arsch einfacher Waffen-SS-Mann (was damals noch kein Grund war, aus dem Staatsdienst entlassen zu werden), und der hat es ihm glaubhaft geschildert.
Mai: Nach der Kapitulation der deutschen Wehrmacht ist der Krieg in Europa theoretisch beendet. Aljechin hütet sich aber wohlweislich, nach Deutschland zurück zu kehren, geschweige denn nach Frankreich, wo der rote Mob der selbst ernannten "Widerstandskämpfer [Résistance]" Jagd auf "Collabos [Kollaborateure]" macht, von denen er Frankreich "säubern" will.
(Die so genannte "épuration" forderte eine siebenstellige Anzahl von Opfern - darunter viele, wenn nicht sogar die meisten, in "spontaner" Lynchjustiz, d.h. ohne gezielte Aktionen -, was bis heute von Amts wegen tot geschwiegen wird, sowohl in Sechseckien als auch in BRDigen, obwohl - oder weil - beide Staaten die "erfolgreichsten" Mörder für ihre "Heldentaten" mit hohen und höchsten Orden ausgezeichnet haben. Dikigoros schreibt auch darüber an anderer Stelle mehr - in Fußnote 12.)
Juli: Beim Internationalen Turnier von Gijón belegt Aljechin Platz 2.
August: Aljechin gewinnt die Internationalen Turniere von Sabadel und Almería.
September: Aljechin gewinnt das Internationale Turnier von Melilla.
Oktober: Beim Internationalen Turnier von Cáceres belegt Aljechin Platz 2.
Es kann kaum ein ernsthafter Zweifel bestehen, daß Aljechin noch immer - bzw. nach dem Tod Junges wieder - der weltweit stärkste Schachspieler ist. Daß er keine Gelegenheit mehr hat, das auch außerhalb Spaniens unter Beweis zu stellen, liegt ganz einfach daran, daß man ihn als "bösen Nazi" daran hindert, Turniere zu spielen. Bereits ausgesprochene Einladungen zu den Turnieren in Hastings 1945/46 und London 1946 werden zurück gezogen, nachdem der niederträchtigeländische und der US-amerikanische Schachverband protestiert und mit Boykott gedroht haben.
Zu den übelsten Hetzern zählen Euwe - der seine blamable Niederlage im WM-Rückkampf noch immer nicht verwunden hat - und Fine. (Viel mehr an - vermeintlichen - "Spitzenspielern" haben jene beiden Verbände ja auch nicht aufzubieten; man fragt sich, wie Ausrichter vor derart zahnlosen Boykott-Drohungen einknicken konnten.) Schlimmer als beide zusammen war freilich der Wiener Jude Hans Kmoch, der nach Aljechins Tod kübelweise Dreck über ihn und seine letzte Frau ausschüttete - soweit Dikigoros das nachprüfen konnte, ausnahmslos Lügen. (Es spricht nicht gerade für Aljechins Menschenkenntnis, daß er so etwas zu seinem Freund machte - und 1934 sogar zu seinem Sekundanten im WM-Kampf gegen Bogoljubow.) Der Schmierfink Salzburger Jude Fritz Hager - der sich die Demontage Aljechins zur Lebensaufgabe gemacht hat - zitierte noch Jahrzehnte später genüßlich aus jenem geistigen Dünnpfiff.

1946
Februar: Der sowjetische Schachverband erklärt sich mit einem WM-Kampf zwischen Aljechin und Botwinnik in London einverstanden.
23. März: Die britische Regierung erteilt ihre Zustimmung.
24. März: Aljeksandr Aljechin wird in Estoril tot aufgefunden.
Zunächst ist kein Arzt bereit, einen Totenschein mit der erwünschten Todesursache "Herzinfarkt" auszustellen. Nach einer Autopsie findet sich jedoch ein willfähriger Arzt, der bereit ist, als Todesursache "erstickt an einem Stück Fleisch, vermutlich Selbstmord" zu bescheinigen; sofort anschließend wird die Leiche verbrannt und die Asche am
16. April urnenbestattet.


Wer das glaubt, glaubt auch, daß Zitronenfalter Zitronen falten... Wohlgemerkt, man muß nicht jede Todesursache anzweifeln, bloß weil der Verstorbene nicht uralt geworden ist. (Auch Aljechins Vorgänger Capablanca starb mit 53 - an einem Herzinfarkt -, und seine Nach-[Nach-]Nachfolger Petrosjan und Tal jeweils mit 55 - ersterer an Krebs, letzterer an Säuferleber Leberzirrhose -; in den Fällen sieht Dikigoros keinen Grund, Fremdverschulden anzunehmen. Dagegen kommt es ihm zumindest merkwürdig, um nicht zu sagen verdächtig vor, daß Paul Morphy - der wohl beste Schachspieler seiner Zeit - mit 47 Jahren erbarschelt tot in der Badewanne aufgefunden wurde, nachdem er am Vortag noch kerngesund und putzmunter in einem New Yorker Park flanierend gesehen worden war. Im Totenschein stand "Schlaganfall, vermutlich infolge übermäßigen Blindschachspielens.") Aber wenn man schon lügt, dann sollte man sich wenigstens etwas besseres ausdenken. Die französische "Résistance" hatte ganz offen angekündet, Aljechin ermorden "hinrichten" zu wollen - wegen "Collaboration", wie so viele andere auch. (Kein geringerer als der nach Frankreich emigrierte Ex-Weltmeister Boris Spasskij hat sich dortselbst intensiv mit der Geschichte jener von Staats wegen glorifizierten kommunistischen Mörderbande befaßt; er berichtet von einer "Todesliste" für gezielte Mordanschläge mit über 200.000 Namen, und Aljechin habe ganz oben gestanden. Dr. Antonio Ferreira habe ihm versichert, daß er "von oben" gezwungen worden sei, eine falsche Todesursache zu bescheinigen; und der Zimmerkellner habe ihm versichert, daß das dazu gehörige Foto getürkt sei; er habe die Leiche Aljechins keineswegs "auf seinem Zimmer entdeckt" - auch er sei zu einer Falschaussage gezwungen worden -, sondern vielmehr mit eigenen Augen gesehen, wie Aljechin auf offener Straße erschossen wurde. Spasskij kehrte kurze Zeit nach diesen Feststellungen reumütig nach Rußland zurück - er wollte wohl nicht als "Staatsfeind" enden wie Bobby Fischer... Ein gewichtiges Indiz ist ferner, daß der Todesort falsch angegeben wurde, nämlich "Hotel Palácio [Palast-Hotel]" in Estoril - dort wurden auch offensichtlich getürkte Fotos von seiner Leiche mit einem Beefsteak in der Hand geschossen -, während er tatsächlich schon Wochen zuvor ins "Hotel do Parque [Parkhotel]" dortselbst umgezogen war, das bald darauf abgerissen wird - während das "Palácio" bis heute steht und den angebliche Todesraum als "Gedenkzimmer" präsentiert. (Das erinnert Dikigoros an die "Erselbstmordung" von Rudolf Hess in Spandau - auch dessen Todesort wurde ja platt gemacht, um etwaigen Nachforschungen vorzubeugen.)


Juli: Am ersten Nachkriegskongreß der FIDE in Winterthur nehmen gerade mal neun Verbände teil. Es wird daher beschlossen, ab nächstem Jahr die Sowjet-Union des braven Onkels Stalin (eines lupenreinen Demokrators :-) aufzunehmen und dafür das Gründungsmitglied Spanien auszuschließen, wo der böse Diktator Franco regiert, zur Strafe dafür, daß der "Nazi-Collaborateur" Aljechin während des Krieges so oft dort spielen durfte.********
Da der sowjetische Schachverband auf einen Schlag über 600.000 registrierte Spieler einbringt, wird er zum mächtigsten Mitglied.

1947
30. Juli: Auf dem FIDE-Kongreß in Den Haag wird - auf Anregung von Rueb - Euwe zum neuen Weltmeister gewählt (!) - in Abwesenheit der sowjetischen Delegation, die noch nicht angereist ist.
01. August: Die sowjetische Delegation erscheint verspätet; sie ficht die "Wahl" Euwes an und setzt durch, daß statt dessen ein WM-Turnier ausgetragen wird, an dem neben Euwe auch die Sowjet-Spieler Botwinnik, Smyslow und Keres sowie der polnische Jude US-Amerikaner Schmuel Reschewski teilnehmen dürfen.
So oder so hat die FIDE damit die Ausrichtung der Weltmeisterschaften an sich gerissen.

1948
März-Mai: Botwinnik gewinnt das WM-Turnier überlegen - mit 3 Punkten Vorsprung vor Smyslow - und wird damit erster FIDE-Titelträger.
Der "gewählte" Möchtegern-Weltmeister Euwe wird weit abgeschlagen letzter - mit gerade mal 4 Pünktchen - was den Verdacht nährt, daß er halt doch nur ein besserer Figurenschieber war, der seine früheren Erfolge in erster Linie guten Sekundanten zu verdanken hatte.
(À propos: Es fällt auf, daß "Salo Flohr" nicht berücksichtigt wurde - obwohl er, wie sich das für einen braven Anti-Fascisten gehörte, aus Nazi-Deutschland dem Protektorat Böhmen und Mähren über Schweden in die SU geflohen und anno 1942 Sowjet-Bürger geworden war. Das spricht dafür, daß jenes WM-Turnier eben doch nicht allein nach politischen, sondern auch - und vielleicht sogar hauptsächlich - nach sportlichen Gesichtspunkten besetzt wurde. Am nächsten Kandidaten-Turnier durfte Flohr dagegen teilnehmen; er belegte dort - zusammen mit Euwe - den geteilten [vor]letzten Platz. Beide beendeten daraufhin ihre aktiven Karrieren.)

1949
Rueb wird endlich als FIDE-"Präsident" abgesägtwählt und durch den Schweden Folke Rogard ersetzt, der ebenfalls mehr als zwei Jahrzehnte an diesem Stuhl festklebthält.)

1952
Juni: In Triberg stirbt Efim Bogoljubow - der nach Aljechins Tod als "amtierender Vizeweltmeister" den Titel vergeblich für sich reklamiert und noch 1949 (als immerhin 60jähriger!) die erste Schachmeisterschaft der neu gegründeten BRD gewonnen hatte - in bitterer Armut.

1953/58
Der sowjetische Großmeister Aljeksandr Kotow - ein Zeitgenosse Aljechins, wenngleich fast eine Generation jünger - veröffentlicht "Schachmatnoje nasljedije Aljechina [Schachliches Erbe Aljechins]" in zwei Doppelbänden - ein Monumentalwerk auf zusammen über 1.000 Seiten.
(Das ist schwierig zu übersetzen, zum einen, weil es im Deutschen eigentlich kein Adjektiv zu "Schach" gibt, zum anderen weil "nasljedije" nicht ganz deckungsgleich mit "Erbe" ist; es bezeichnet vielmehr das geistige Erbe/Vermächtnis.)


Übersetzungen erscheinen später auch im Ausland, allerdings meist mehr oder weniger stark gekürzt. (Allein die spanische Ausgabe ist - jedenfalls seitenmäßig - gleich lang.)


1956
März: Die Urne mit Aljechins Asche wird nach Frankreich überführt und auf dem Pariser Friedhof Montparnasse beigesetzt.


Das hat wohl weniger mit Aljechin zu tun als mit dem Tode seiner letzten Frau - die in Paris geblieben war. (Über die Gründe will Dikigoros einmal mehr nicht spekulieren - es sind der Theorien zu viele.)
Es ist ein Gemeinschaftsgrab, das wiederholt geschändet wird; Beschädigungen werden nicht mehr ausgebessert, die abgebrochene und gestohlene Marmorbüste Aljechins, die einst auf dem Grabstein stand, wird nicht erneuert.


Ist ja nur ein christliches Grab - und das sieht man in Sechseckien nicht so eng.
(Für ältere Semester, die lange nicht mehr dort waren: So ["Hexagone"] nennt man jetzt im Inland - auch amtlicherseits - das Land zwischen Ärmelkanal und Mittelmeer, da der alte, nicht-inclusive Ausdruck "Frankreich [France]" als rassistische Beleidigung der "Minderheiten" empfunden werden könnte - schließlich ist es nicht mehr allein das Land der Franken, sondern auch - und inzwischen sogar überwiegend - das der Neger, Araber und Juden!)


Als im April 2019 dessen berühmteste Kirche, Notre Dame de Paris, durch ein wahrscheinlich von islamischen Terroristen gelegtes ganz zufällig ausgebrochenes Feuer teilweise zerstört wird (der jüdische Bürgermeister hatte der Feuerwehr stundenlang untersagt, den Brand zu löschen), soll sie erst gar nicht wieder aufgebaut werden. Der jüdische Präsident will sie vielmehr ganz abreißen und statt ihrer entweder eine islamische Moschee oder ein Mahnmal gegen die Verbrechen des Christentums an den armen Muslimen errichten lassen.


Nach 15-monatiger Diskussion gelangt eine vom Präsidenten eingesetzte "Nationale Kommission" zu dem unerwünschten Ergebnis, daß die Kirche als solche und in ihrer alten Form wiederhergestellt werden sollte. (Das idiotische abwegige rettende Argument ist, daß man sonst keine passende Lokalität für die jährlichen Gedenkfeiern zum Sieg über die bösen Nazi-Deutschen mehr hätte :-) Daraufhin geschieht erstmal gar nichts - außer daß die Brandtrümmer beseitigt werden. Erst Ende 2021 beginnt man halbherzig mit Renovierungsarbeiten am Mittelschiff, die Ende 2024 abgeschlossen werden. Dagegen bleiben die Türme zunächst links liegen für Besucher gesperrt. (Vielleicht mit dem Hintergedanken, sie doch noch durch Minare zu ersetzen?) Erst im Herbst 2025 - also fünfeinhalb Jahre nach dem Brand - werden sie zähneknirschend wieder frei gegeben (allerdings gegen prohibitiv hohe Eintrittsgebühr).
Dikigoros hat auf der ganzen Welt noch kein funktionierendes nicht-christliches Gotteshaus gesehen, das man nur gegen Eintrittsgebühr besuchen dürfte - weder islamische Moscheen noch hinduïstische, buddhistische, schintoïstische oder jüdische Tempel. (Ja, er hat sogar mal einen der letzteren besichtigt, nicht in Paris, aber in Bonn - sein Vater schleppte ihn als Kind ungefragt mit.) Christliche Kirchen verkommen immer mehr zu Museen.
(Der Wiederaufbau von Notre Dame kostete Sechseckien übrigens keinen Cent; es wurden fast eine Milliarde T€uros aus aller Welt gespendet, und hunderte Handwerker arbeiteten unbezahlt mit.)
Auch das liest man heute alles ganz anders, etwa: Der windige brave Präsident von Sechseckien habe sich von Anfang an vehement dafür eingesetzt, die schöne Kirche so schnell wie möglich wieder in ihren alten Zustand zurück zu versetzen; lediglich windige widrige Umstände, für die er nichts konnte - unter anderem der starke Wind, der wegen des Klimawandels mitunter in Paris herrscht -, hätten die Sache ein wenig verzögert... Für wie dumm halten die Macher der Lügenmedien ihre Zeitgenossen Zeitgenießenden eigentlich? Die haben doch alles hautnah miterlebt - Franzosen sowieso, aber auch Ausländer, selbst wenn sie keine regelmäßigen Leser der Webseite Prison Planet von Paul Joseph Watson sind, der Paris nicht umsonst als "Shithole" bezeichnet hat!
PS auf Lesermail: Warum Dikigoros diese Parallele hier zieht? Ach so - das hätte er ja fast vergessen. Die offizielle Version für die Zerstörung des Aljechin-Grabsteins lautet: Der starke Wind hat ihn wiederholt umgeweht und dabei beschädigt; es würde also gar keinen Sinn machen, ihn wiederherzustellen! Und die Marmorbüste wurde gar nicht gestohlen, sondern zersplitterte beim Herunterfallen in tausend Stücke, die man nicht mehr zusammensetzen kann. Noch Fragen? Vielleicht, warum ausgerechnet Aljechins Grabstein als einziger auf dem Friedhof "umgeweht" wurde? Wahrscheinlich weil er so klein und leicht war, daß ihm schon der leiseste Windhauch den Garaus machen konnte!


1965
Kotow veröffentlicht den Aljechin-Roman "Bjelyje i tschornyje [Weiß und Schwarz]". (Der Titel dürfte eine Anspielung auf den berühmten Roman "Le Rouge et le Noir" von Stendhal sein.)


1972
Auf Island wird erstmals ein Nicht-Sowjetbürger FIDE-Weltmeister.


1975
April: Der WM-Titel der FIDE geht kampflos in die Sowjet-Union zurück und bleibt dort bis zu ihrem bitteren Ende.
Juni: In Helsinki stirbt Paul Keres - ohne jemals Weltmeister geworden zu sein.

1980
Die Sowjet-Union bringt den Propagandafilm die Aljechin-Biografie "Bjelyj snjeg Rossiji [Weißer Schnee Rußlands]" in die Kinos.*********


Im Westen entweder totgeschwiegen oder von der Kritik verrissen, wird er im Ostblock zum Erfolg und zeigt, daß die Sowjets Aljechin nicht mehr als "Nazi" ansehen, sondern ihn ganz im Gegenteil für sich in Anspruch nehmen, als einen Nostalgiker, der gerne in die wodka-ru[h]m-(und schnee-)reiche UdSSR zurückkehren wollte.

1981
Januar: In Moskau stirbt Aljechins einflußreichster Bewunderer, Aljeksandr Kotow. (Seine monumentale Aljechin-Biografie wird im Folgejahr neu aufgelegt.)
November: In Amsterdam stirbt als letzter aus Aljechins Schachgeneration sein alter Rivale und Todfeind Euwe, der 1970-78 noch als FIDE-Präsident - Nachfolger von Rogard - amtiert hatte.

1991
Dezember: In Moskau stirbt wird die Sowjet-Union einvernehmlich aufgelöst. (Viel älter als Aljechin ist sie auch nicht geworden :-)

1992
Aljechins 100. Geburtstag vergeht in Sechseckien - und im Westen überhaupt - so gut wie unbeachtet, ebenso

1996
sein 50. Todestag. (Dagegen hatte man seinem im Vorjahr verstorbenen Nachfolger Botwinnik zahlreiche Nachrufe gewidmet.)

2001
September: Dagoberto L. Markl veröffentlicht "Schachmatt in Estoril. Der Tod Aljechins", das die Falschheit der offiziellen Todesursache schlüssig darlegt.
(Das Erscheinen geht freilich inmitten anderer Tagesereignisse unter.)


2006
Zu Aljechins 60. Todestag spendiert als einziger Staat wenigstens die Neger-Republik Guinea-Bissau eine Briefmarke zu 3.000 Pupis FCFA (Francs des Währungsverbunds von Französisch-Afrika).


(Dikigoros bildet dieses jämmerliche Stück Papier hier nur ab, weil er nicht weiß, wann genau das Foto, das als Vorbild gedient hat, entstanden ist, wo er es also oben im Text einfügen sollte.)


*Dikigoros nennt dieses Geburtsdatum nach julianischem Kalender - der damals in Rußland noch galt - weil es, anders als das des gregorianischen, unstreitig ist. Richtig umgerechnet wäre es der 31.10.1892; die Deppen, die Aljechins Grabstein verbrachen, berechneten es jedoch falsch und kamen so auf den 01.11.1892, der seitdem durch die Literatur geistert. (Auf dem Grabstein stand auch sonst viel Unfug. Die ursprünglichen Lebensdaten lauteten: "1. November 1891 - 25. März 1956". Die anderen Fehler wurden irgendwann korrigiert - einschließlich des Geburtsjahrs -, nicht aber der Geburtstag :-)

**Es gibt gute Gründe für die Annahme, daß das ursprünglich "Aljëchin" geschrieben, also "Aljochin" gesprochen wurde. Da Dikigoros jedoch kein Zeitgenosse war, der das hätte hören können, da er auch keine kyrillische Signatur gefunden hat (die ohnehin nicht viel besagen würde, da die Punkte über dem "ë" nicht mitgeschrieben werden müssen und daher oft weggelassen werden) und da A. sich nach seiner Emigration in den Westen unstreitig immer mit "e" schrieb, muß man das wohl respektieren. (Dikigoros gebraucht diese Vokabel ganz bewußt. Sie bedeutet für ihn weniger als "akzeptieren", aber mehr als "tolerieren".)

***Das ist bloß eine wörtliche Übersetzung, die nicht viel aussagt - zumal es diese Institution ja heute nicht mehr gibt. Auf jeden Fall war es eine Kaderschmiede, welche in etwa die Funktionen der preußischen "Hauptkadettenanstalt" (die Eleven trugen keine Schul-Uniform, wie an anderen höheren Bildungsanstalten im In- und Ausland, sondern Militär-Uniform), der US-amerikanischen "Law School" und der französischen "École Nationale d'Administration" in sich vereinte. Manche Historiker sprechen davon, daß dort ein "neuer Dienstadel" geschaffen werden sollte; das mag übertrieben sein, aber jedenfalls winkte den erfolgreichen Absolventen eine glänzende Karriere im Staatsdienst.

****Der Schach-Großmeister heißt auf Russisch bis heute "Grossmejster". Für alle anderen Titel hat man später englische Fremdwörter übernommen. (Dikigoros schreibt darüber an anderer Stelle mehr - dort in Fußnote 1). Wohlgemerkt nur die Titel. Mittelspiel heißt auch auf Russisch "Mitelschpil", Endspiel "Ändschpil", Zugzwang "Tsugtswang" und Zeitnot "Tsejtnot" [auf Weißrussisch "Tsäjtnot" geschrieben, bei gleicher Aussprache]. (Dikigoros erwähnt das, weil es nicht im Wörterbuch steht - jedenfalls nicht in seinem :-)

*****So übersetzt Dikigoros "sowjetskij tschelowjek" (wörtlich "Sowjet-Mensch"). Er meidet das Wort "Sowjet-Russe". In sowjetischen Ausweispapieren war zwar stets eine Nationalität angegeben, aber die konnte jeder Untertan frei wählen - wovon besonders Juden regen Gebrauch machten, um nicht als solche diskriminiert zu werden. Es gibt gute Gründe für die Annahme, daß Aljechins Mutter jüdischer Abstammung war (und allein das zählt ja nach mosaïschem Recht).
Ihr Vater - einer der führenden Textilfabrikanten im Tsarenreich, hieß, wenn man seinen Namen ins Deutsche übersetzt, Johann Jakobssohn Vorbeter. "Iwán" ist zwar einer der häufigsten Namen in Rußland für Männer aller Religionen, aber "Jakow" ist für Nicht-Juden ganz ungewöhnlich, dto "Prochorow" (wörtlich Vorsänger - jüdische Gebete wurden beim Gottesdienst gesungen).
Er hat das jedoch stets bestritten - wie so viele berühmte Schachspieler des 20. Jahrhunderts vor und nach ihm, von "Capablanca" [Weißmantel] und Bogoljubow [dessen Vorname die russische Form von "Efrahim" ist - und so hat ja wohl noch kein Nicht-Jude geheißen] über Euwe und Petrosjan [beides Bergjuden aus dem Kaukasus] bis Spasskij und Fischer.
Überdies war, wenn man JewAge glauben darf, zumindest seine letzte Ehefrau Grace jüdischer Abstammung (wofür u.a. spricht, daß sie eine geborene Weißhaar [anglisiert zu "Wishar", bisweilen auch "Wishaar" geschrieben] und in 1. Ehe mit einem Herrn Eisler verheiratet war).

******Nach anderen "Quellen" - die Dikigoros indes für weniger glaubwürdig hält - heirateten sie bereits 1925. Die Legitimität jener Ehe ist verschiedentlich angezweifelt worden: Mangels Scheidung habe Aljechin entweder in "wilder Ehe" oder in Bigamie gelebt. Anders als heute, da sich darob kaum noch jemand aufregen würde, hätte das damals Skandal gemacht und sogar die Einbürgerung gefährden können. Noch etwas spricht für diese These: Aljechin trennte sich erst von Nadjezhda - sei es durch Scheidung, sei es durch Verlassen -, nachdem Annelise gestorben war, und heiratete dann sofort wieder. Letztlich ist das jedoch unerheblich, da aus der 3. und 4. Verbindung keine Kinder hervor gingen. Sein Sohn aus 2. Ehe - Aljeksandr iun. - sollte ihn um 83 Jahre überleben.

*******Mal im Ernst, liebe Leser: Seht Ihr da einen Altersunterschied von 16 Jahren? Dikigoros auch nicht.

Dabei war es durchaus nicht so, daß Aljechin nicht auf sein Äußeres geachtet hätte - im Gegenteil, er war sogar ziemlich eitel. So achtete er z.B. darauf, daß er auf "offiziellen" Fotos keine Brille trug (wie Hitler :-) - die nahm er zuvor ab und hielt sie in der Hand. (Fotos, auf denen er doch mal "mit" zu sehen ist, sind entweder Schnappschüsse, die ohne sein Wissen und Wollen entstanden, oder Bilder, die vor Veröffentlichung beschnitten wurden - er konnte ja nicht wissen, daß irgendwann doch noch die Originale auftauchen würden :-)

Dabei gerierte er sich gerne als Tierfreund und ließ sich ständig mit seinem häßlichen Kater fotografieren (neben dem er selber geradezu gutaussehend wirkte :-), als hätte er ihn als Talisman dabei. Tatsächlich hielt ihn, während er spielte, seine Frau im Publikum auf dem Schoß - seine Gegner und die Turnierleitung hätten ihm etwas gehustet, wenn er ihn während einer Partie auf seinem Schoß oder gar auf dem Tisch hätte sitzen lassen. (Man sieht auf den - gestellten - Fotos förmlich, wie unwohl sich das arme Tier dort fühlt.)

PS: Dikigoros hat diesen Text einen alten Schachfreund, der jetzt in Sechseckien lebt - und auf dessen Anregung diese Seite zurück geht -, vorab häppchenweise Korrektur lesen lassen, und der hat ihm u.a. ein Bild geschickt, das er seinen Lesern nicht vorenthalten will, ebenso wenig den Kommentar zu dieser Fußnote: "Das ist doch gar nichts besonderes. Schau Dir mal das neueste Foto von dieser eitlen kleinen Schwuchtel und ihrer Transe an. Siehst Du da einen Altersunterschied von 23 Jahren? Ich auch nicht!"

[Ödipussi und seine Transe]

********Das ist auch der Grund, weshalb der Spanier Arturo Pomar - wohl das größte Talent seiner Generation nach Klaus Junge -, den Aljechin in seinen letzten Lebensmonaten persönlich trainierte, nie eine Chance auf den WM-Titel bekam. Mit den meisten Teilnehmern der von der FIDE veranstalteten "Kandidaten-Turniere" wäre er vermutlich "Schlitten gefahren".

[Arturo Pomar]

(Erst als er schon deutlich über seinen Zenith hinaus und somit chancenlos war, durfte Spanien wieder mitmachen, und die FIDE verlieh ihm wie zum Hohn nachträglich den Titel "Großmeister".)

*********Da Dikigoros auch in seinen anderen Schachspieler-Lebensläufen je einen Film nicht nur erwähnt, sondern besprochen hat, will er sich hier nicht davor drücken, zumal es ein besonders interessanter Film ist, ebenso hervorragend "gemacht" wie inhaltlich fragwürdig. (Aber wie schrieb er oben: Wenn man schon lügt, dann sollte man sich wenigstens etwas Gutes, nein Besseres ausdenken - und das hat Jurij Wyschinskij zweifellos getan.) Dikigoros hat bewußt die Originalfassung auf Russisch verlinkt, denn in der Übersetzung ginge einiges verloren, vor allem, daß der Titelheld dort bis kurz vor Schluß Aljochin ausgesprochen wird - was bestimmt unzutreffend ist, denn der Film beginnt mit seinem WM-Titelgewinn 1927 gegen Capablanca, und da lebte er schon lange in Paris, wo er sich unzweifelhaft "Alekhine" schrieb und nannte. Wyschinskij [er]findet auch eine genial einfache Antwort auf die Frage nach dem Ende der Beziehung zwischen Aljechin und seiner 3. Frau: Die hat sich umgebracht, weil er sie mit seiner 4. Frau in spe betrogen hat - voilà! (Man sollte im Hinterkopf behalten, daß der Film während des "Kalten Krieges" gedreht wurde; da mußte die US-Amerikanerin halt die Böse sein, und die brave Russin ihr armes Opfer.) Wenig glaubhaft - wenngleich gut inszeniert - ist auch die Behauptung eines anderen Exilanten, der sich zur Rückkehr entschlossen hat mit der bereits im Filmtitel anklingenen Begründung, daß kein großer russischer Denker auf Dauer eben das sein könne, ohne "den weißen Schnee von Rußland". (Dikigoros würde das genaue Gegenteil behaupten: Ein Turgenjew, ein Dostojewskij, ein Tschajkowskij, ein Rachmaninow und viele andere wären nie das geworden, was sie wurden, wenn sie nicht den größten Teil ihres Lebens im Ausland - vorzugsweise in Deutschland und/oder Frankreich - verbracht hätten. Aber welcher Sowjetbürger wußte das anno 1980 schon noch?!?) Auch daß Ex-Weltmeister Lasker aus Angst vor dem westlichen, vor allem dem deutschen Anti-Semitismus um Asyl in der SU nachsucht - das ihm auf Anordnung von Väterchen Stalin auch gewährt wird - hätte man besser weg gelassen, denn jeder Schachinteressierte weiß doch, daß er bereits nach wenigen Monaten wieder abhaute, und zwar ausgerechnet in die bösen, kapitalistischen USA - wovon der Film freilich nichts berichtet. Ebensowenig - nicht mal in einem erzählten Rückblick - wird das Moskauer Turnier im weißen Schnee bitterkalten Winter 1919/20 erwähnt, bei dem sich die Teilnehmer mangels ordentlich beheizter Räumlichkeiten den Ar... abfroren, weil die Bolschewiki die Energiewirtschaft ebenso gründlich vor die Wand gefahren hatten wie es ein Jahrhundert später die rot-gelb-grünen Ampel-Bolschewisten in BRDigen tun sollten.

[Die Ampel: Drei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle - mit Vollgas!] [Der weiße Schnee von BRDigen - zurück in die Eiszeit!]
  Im "Fortschrittswagen": Drei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle / Der weiße Schnee von BRDigen - zurück in die Steinzeit Eiszeit!

Es dauerte mehr als ein halbes Jahrzehnt, bis sich wieder genügend Dumme Schachmeister fanden, um dortselbst ein hochkarätig besetztes Internationales Turnier statt finden zu lassen. Nur einer fehlte: Aljechin, obwohl er sich doch angeblich bis zuletzt nichts sehnlicher wünschte als in die SU zurück zu kehren, und sei es nur, um dort seinen Weltmeistertitel gegen Botwinnik zu verteidigen. Aber der Film deutet mit keinem Wort an, daß er etwa deshalb umgebracht worden sein könnte; er endet vielmehr mit den dürren Worten des portugiesischen Arztes angesichts der Leiche: "Natürlicher Tod."

[Konjets/Ende]


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