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Herzlich Willkommen Jahresarbeit der 12. Klasse: Nachhaltige Energieversorgung Briefwechsel zur Energiewende Grafikgalerie Energielinks Themen Leserbriefe Reiseberichte Gästebuch
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Nachhaltige Energieversorgung4. 6 Das Jahrhundert der Umwelt4. 6. 1 Die Rolle der KernenergieDeutschland hat beschlossen, bis 2020 aus der Nutzung der Kernenergie auszusteigen. Sollte jedoch am 22. September 2002 die CDU/CSU Koalition wieder an die Regierung kommen, ist damit zu rechnen, dass die Verträge rückgängig gemacht werden. Diese Absicht haben beide Parteien bereits öffentlich verkündet.Während weitgehend Einigkeit über eine CO2-Minderungspolitik herrscht, mit den notwendigen Veränderungen des Energiesystems und der Energiepreise, ist die Rolle der Kernenergie umstritten. Häufig wird über die Kernenergie nur unter dem Gesichtspunkt des Risikos diskutiert. Je nach dem, wie man diese Risiken bewertet, werden völlig entgegengesetzte Strategien abgeleitet: der sofortige Ausstieg oder auch der Ausbau der Kernenergie. Doch die spätestens seit Tschernobyl erkennbaren grenzen- und zeitlos katastrophalen Folgen von Kraftwerksunfällen stellen die Frage, ob und wie jemals ein Politiker oder ein Techniker die Risiken der Kernenergie verantworten kann. Sicher ist die Entwicklung in der Kernenergietechnik seit Tschernobyl weiter gegangen. Doch ist dieser Unfall eine unübersehbare Fußnote in der Geschichte der Kernenergie. Des weiteren laufen in zahlreichen, vor allem östlichen, Ländern weiterhin RMBK - Reaktoren von der selben Bauart, wie der in Tschernobyl. Ein, selbst von Experten, in der Konstruktion als unsicher bezeichneter Reaktortyp. Was nützt der hohe Sicherheitsstandard in Deutschland diesen Ländern, wenn sie sich ihn nicht leisten können. Ein weiterer Faktor neben dem technischen Risiko ist immer der unberechenbare Mensch. In den USA, Russland, Frankreich, Großbritannien, Indien, China und Südafrika bestehen enge Verknüpfungen zwischen der "friedlichen" und militärischen Nutzung der Atomkraft. Eine Kugel Plutonium, die wohl giftigste Substanz, in der Größe einer Pampelmuse würde genügen, um alle heute auf der Erde lebenden Menschen zu töten, wenn man ihren Inhalt gleichmäßig auf alle Menschen verteilt. Das Leben von Millionen kann von einem einzigen Individuum abhängen - einem leichtsinnigen ebenso wie von einem wahnsinnigen.(80) Die absolute Trennung zwischen der "friedlichen" und der militärischen Nutzung ist also nicht möglich. Des weiteren stellt das niemals gefahrlos lösbare Problem der Atommüll - Endlagerung die Kernenergie weiterhin in Frage. Es ist nicht möglich, den radioaktiven Abfall über einen so langen Zeitraum seiner Aktivität gänzlich von der Biosphäre abzuschirmen. Die Vorteile der Kernenergie sind die hohe Energiedichte(81) des "Brennstoffs" und die nahezu völlige Klimaneutralität in Bezug auf die CO2-Emission. 4. 6. 2 Eine Wertentscheidung für die ZukunftMit dem Hintergrund, der im 1. Kapitel beschriebenen Tatsache eines weiter rasant anwachsenden Weltenergieverbrauchs und der im 2. Kapitel dargestellten Probleme, wie die großflächige Ausbeutung der Natur, die allmähliche Verknappung der Rohstoffe aber vor allem das Problem der Klimaerwärmung, kann man die derzeitige Situation als Krise bezeichnen, die ihre Auswirkungen weit über das Gebiet der Energiepolitik hinaus in sämtliche andere Bereiche hat.Manche sehen in dieser Energiekrise ein mehr oder weniger technologisches Problem. Andere sehen diese Energiekrise als ein tiefgreifendes soziologisches Problem, zu dessen Lösung nicht nur institutionelle und soziale Veränderungen notwendig sind, sondern auch solche des individuellen Lebensstils und der Einstellung der Menschen zur Natur.(82) Zunächst der Standpunkt der technologischen Optimisten: Auf längere Sicht lässt sich die Energiekrise, ja jede Rohstoffkrise, mit Hilfe der Kernenergie meistern. Die Kohlekraftwerke werden einfach durch Kernkraftwerke ersetzt, das senkt sogar die CO2- Bilanz. Ja, sogar Benzin lässt sich mit viel (Kern-) Energie herstellen. Das würde also einen drastischen Ausbau der Kernenergie bedeuten, aber vor allem den exponentiellen Anstieg der Abfallmengen. Des weiteren wäre eine gesellschaftliche Akzeptanz sehr fraglich. Um die drohende Zunahme des Treibhauseffekts als ein Argument für die Kernenergie zu nehmen, ist eine "Risikostreuung" notwendig. Denn die globale Erwärmung des Klimas kann keineswegs nur durch den starken Ausbau der Kernenergie verlangsamt werden. Es hat aber keinen Sinn, ein lebensbedrohli-ches Risiko (Treibhauseffekt) durch ein anders (Kernenergie) zu ersetzen.(83) Die Zukunft liegt in der dezentralen Energieversorgung. So lassen sich Strom- und Wärmenachfrage optimal abdecken. Der Verbraucher weiß genau, wieviel er verbraucht und wie seine Energie erzeugt wird. Dies würde auch zur Verringerung der teuren Spitzenlastzeiten führen. Verluste durch lange Leitungen würden verringert. Noch ist eine solche Entwicklung in weiter Ferne, da die derzeitige Energieversor-gungsstruktur zentral ausgerichtet ist und aus energiewirtschaftlicher Sicht gut funk-tioniert. Auch Energieimporte in Form von Wasserstoff aus südlichen Ländern mit Solarkraftwerken ist denkbar. Ansonsten müssen die erneuerbaren Energien den Großteil unserer Energieversorgung decken. Ein erhebliches Potenzial hat die Erzeugung von Strom aus Offshore - Anlagen. Das Augenmerk muss vor allem auf die Erforschung besserer Speichertechnologien gerichtet werden. Die zukünftige Formel muss deshalb lauten: massive Energieeinsparungen + Effizienzsteigerungen + Umstellung auf regionale Stromversorgung + Investitionen in die Weiterentwicklung alternativer Energieträger, so dass sich daraus eine nahezu 100 prozentige Energiegewinnung aus regenerativen Energiequellen ergeben kann. Außerdem muss ein grundlegender Wandel im Verhältnis von Mensch und Natur stattfinden. Eine Änderung unseres Lebensstils und damit unseres Verbrauchsverhaltens im Umgang mit Energie ist dringend notwendig. Denn nur so können wir von dem wenig differenzierten zum organischen Wachstum gelangen. "Wir stehen in diesem Augenblick der Geschichte vor einer beispiellosen Entschei-dungssituation. Zum erstenmal, seit der Mensch überhaupt existiert, wird er heraus-gefordert, sich gegen das vom wirtschaftlichen und technologischen Standpunkt aus Machbare zu entscheiden und sich dafür einzusetzen, was seine Moral und seine Verantwortung für alle kommenden Generationen von ihm verlangen."(84) Die Aussage, "der Markt regelt das schon", ist gefährlich, denn: wer ist der Markt? Auf diesem "Markt" geht es um das Verdienen von Geld. Auf ökologische Zusammenhänge, Umweltschutz und soziale Probleme wird da nicht geachtet. Am Anfang eines neuen Weges steht also eine Wertentscheidung jedes Einzelnen. Diese muss von jedem getroffen werden und jeder muß sich dieser Verantwortung stellen. Sei es in seinem täglichen Umgang mit Energie oder im Einsatz in größeren Zusammenhängen. "Wer keine Gifte in der Muttermilch will, muss die Herstellung dieser Gifte verbieten; wer keine weitere Landschaftszerschneidung will, muss den Straßenneubau einstellen oder erschweren; wer eine bestimmte Kulturlandschaft erhalten will, muss die Rahmenbedingungen so setzen, dass sie bestehen bleibt. Am Anfang steht also eine Wertentscheidung. Erst dann ist zu fragen, wie das als richtig erkannte Ziel am besten zu erreichen ist. Erst hier kommt die Frage nach angemessenen Instrumenten ins Spiel. Und erst hier wird auch relevant, welchen Beitrag marktwirtschaftliche Instrumente leisten können, um ein als ökologisch sinnvoll erachtetes Ziel zu erreichen."(85) (80) Grundlegend hierzu: Mihailo Mesarovic u. Eduard Pestel, Menschheit am Wendepunkt, Stuttgart 1974, S. 122ff. (81) Aus einem Kilogramm Natururan können 20 000 Kilogramm SKE gewonnen werden. Zum Vergleich: Ein Kilogramm Steinkohle erzeugt 1,041 Kilogramm SKE). (82) Siehe: Mihailo Mesarovic u. Eduard Pestel, Menschheit am Wendepunkt, Stuttgart 1974, S. 122. (83) Siehe: Ernst Ulrich von Weizsäcker (Hrsg.), Umweltstandort Deutschland. Argumente gegen die ökologische Phantasielosigkeit, Berlin 1994 S. 164. (84) Aus: Mihailo Mesarovic u. Eduard Pestel, Menschheit am Wendepunkt, Stuttgart 1974, S. 132. (85) Aus: BUND/MISEREOR (Hrsg.), Zukunftsfähiges Deutschland. Ein Beitrag zu einer global nachhal-tigen Entwicklung, Basel 1998, S. 175. < Zurück zu 4.5 Szenarien und Perspektiven der erneuerbareren Energien | Weiter zu Heuersdorf - Ein Ort kämpft um seine Exsistenz > |
Inhalt:Vorwort Einleitung - Thema Umwelt kein Thema mehr? - Was ist Nachhaltigkeit? - Begriffsklärung Energie - 1.1 Primärenergieverbrauch - 1.2 Endenergieverbrauch - 1.3 Stromerzeugung - 1.4 Verluste bei der Stromerzeugung - 1.5 Internationaler Energiemarkt - 2.1 Grenzen des Wachstums - 2.2 Verknappung der Rohstoffe - 2.2.1 Sich regenerierende Quellen - 2.2.2 Sich nicht regenerierende Quellen - 2.3 Die Veränderung des Klimas - 2.3.1 Die Erwärmung des Klimas - 2.3.2 Der Treibhauseffekt - 2.3.3 Anthropogener Treibhauseffekt - 2.3.4 Steigerung der CO2-Konzentration - 2.3.5 Ein neues Politikfeld - 2.3.6 CO2-Reduktionsziele - 2.3.7 Wie wird sich das Klima ändern? - 2.3.8 Auswirkungen in Sachsen - 2.4 Das Verkehrsproblem 3.1 Windenergie - 3.2 Wasserkraft - 3.3 Photovoltaik - 3.4 Sonnenkollektoren - 3.5 Solarthermische Kraftwerke - 3.6 Biomasse und Biogas - 4.1 Steigerung der Effizienz - 4.2 Nutzung der Kraft-Wärme-Kopplung - 4.3 Potenziale der Energieeinsparung - 4.4 Technische Potenziale erneuerbarer Energiequellen - 4.5 Szenarien und Perspektiven der erneuerbaren Energien - 4.6 Das Jahrhundert der Umwelt - 4.6.1 Die Rolle der Kernenergie - 4.6.2 Eine Wertentscheidung für die Zukunft Heuersdorf - ein Ort kämpft um seine Exsistenz I. Bericht über die 3. Klimakonferenz der Jugend und zu der Lage in Heuersdorf II. Vegetationsbestandsaufnahme in Heuersdorf III. Apfelsaft aus Heuersdorf IV. Ein kurzer Rückblick in die Geschichte des Ortes V. Heuersdorf und die Braunkohle Glossar Verwendete und weiterführende Literatur Energielinks |