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Nachhaltige Energieversorgung3. Kapitel - Erneuerbare Energiequellen"Der Einsatz einer zukunftsfähigen Energietechnik sollte weder direkt noch indirekt Risiken beinhalten, die die nächsten Generationen tragen müssen. Die Materialströme sollten so klein wie möglich sein. Der "Abfall" einer Energietechnik sollte als Stoff in der Biosphäre vorhanden sein, und wenn neue, in der Natur nicht vorkommende Stoffe eingesetzt werden, so sie nicht vermeidbar sind, sollten sie dauerhaft lagerbar sein. Die Energietechniken dürfen sich nicht auf endliche Ressourcen stützen, denn früher oder später sind diese aufgebraucht und stehen späteren Generationen nicht mehr zur Verfügung. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass diese Energietechniken nicht politisch destabilisieren, das heißt, kein Sicherheitsrisiko darstellen und in vielen Regionen der Erde einsetzbar sind."(50)Umweltstandort Deutschland, Argumente gegen die ökologische Phantasielosigkeit
Die erneuerbaren Energien erfreuen sich einer großen Beliebtheit der Bundesbürger. Viele wünschen sich einen stärkeren Ausbau. Mehrere Umfragen, sowohl speziell in Urlaubsgebieten mit hohem Anteil an Windturbinen als auch bei bundesweiter Betrachtung zeigen, dass die Bevölkerung eine weitaus intensivere Nutzung der erneuerbaren Energien wünscht. Bei einer Emnid-Umfrage äußerten sich 1997 Quelle: Bundesverband Windenergie e.V. rund 88 Prozent der Befragten positiv zur Windenergie. Das bestätigt auch eine Umfrage von 1998, durchgeführt vom Institut für praxisorientierte Sozialforschung im Auftrag der Vereinigung Deutscher Elektrizitätswerke VDEW. (Siehe Grafik)(51) ![]() Die drei originären, also ursprünglichen Formen der erneuerbaren Energien oder auch regenerativen Energien, sind die Solarstrahlung, die Erdwärme (Geothermie) und die Gezeitenkraft. Diese können direkt oder in Form von Biomasse, Wind, Wasserkraft und Wellenenergie genutzt werden. Erneuerbare Energiequellen haben einen großen Vorzug: sie sind unerschöpflich. Weiterhin können durch ihren Einsatz wertvolle Ressourcen eingespart werden. Sie sind umweltfreundlich, heimisch und vor allem risikoarm, sie haben ein geringes Gefährdungspotenzial in Bezug auf radioaktive Strahlung und Klimaerwärmung. Sie besitzen eine hohe gesellschaftliche Akzeptanz und begünstigen die mittelständige Industrie und das Handwerk. Außerdem besitzen sie zum Teil bessere natürliche Bedingungen in Entwicklungsländern. Diesen großen Vorteilen stehen aber auch Nachteile gegenüber bzw. Hindernisse, die überwunden werden müssen. So sind die erneuerbaren Energien zum Teil noch nicht konkurrenzfähig zu herkömmlichen Energiequellen. Sie besitzen weiterhin eine wesentlich geringere Energiedichte als fossile Energieträger oder gar die Kernenergie. Das heißt, für den selben Ertrag braucht man eine größere Fläche. Ein weiterer entscheidender Nachteil beruht auf der Tatsache, dass Sonne und Wind räumlich und zeitlich nur schwankend zur Verfügung stehen. Das heißt zum Beispiel, wenn die Sonne nicht scheint, erzeugt die Solarzelle auch keinen Strom. Durch diese Fluktuation müssen also Speichertechnologien zum Einsatz kommen, was die Versorgung komplexer und aufwendiger macht. Allerdings spiegelt der Preis, den wir heute für die herkömmlichen Energien zahlen, die Aufwendungen kaum wider, die unserer Gesellschaft als Folge von Umwelt- und Gesundheitsschäden entstehen. Rechnet man diese "externen Kosten" bei allen Energiequellen mit ein, würde sich die Wettbewerbssituation für die erneuerbaren Energien entscheidend verbessern.(53) Zu beobachten ist, dass die erneuerbaren Energien seit einigen Jahren einen rasanten Aufschwung erleben. Dies ist einerseits auf den seit 1998 liberalisierten Strommarkt zurückzuführen, andererseits aber besonders auf eine Reihe von Maßnahmen der Bundesregierung, die den erneuerbaren Energien aus ihrem Schattendasein zum Durchbruch verhelfen sollen, wie z. B. das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), die Biomasse-Verordnung, das 100.000-Dächer-Solarstrom-Programm oder Gelder für Forschung und Entwicklung. Im Jahr 2000 steigerte sich der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung um 18 Prozent auf 34,3 (1999: 29,1) Milliarden Kilowattstunden (Mrd. kWh). Das sind sieben Prozent der gesamten Stromerzeugung.(54) Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, den Anteil der erneuerbaren Energien bis 2010 zu verdoppeln. Bezogen auf das Ausgangsjahr 2000 bedeutet dies bis 2010 einen Anteil von etwa 12,5 Prozent an der dann aktuellen Stromgewinnung. Auch der Anteil am gesamten Primärenergieverbrauch soll bis 2010 verdoppelt werden. Das heißt von rund 2,1 Prozent im Jahr 2000 auf mindestens 4,2 Prozent im Jahr 2010. Nach 2010 soll dieser Ausbau auf hohem Niveau weiter vorangebracht werden, so dass im Jahr 2050 mind. 50 Prozent unserer Energieversorgung auf erneuerbaren Energien basieren sollen.(55) Für den Klimaschutz spielen die erneuerbaren Energien mehr und mehr eine wichtige Rolle. Im Jahr 2000 wurden durch die Nutzung der erneuerbaren Energien insgesamt Emissionen von rund 35 Mio. t CO2 vermieden. Bei Erreichen des Verdopplungsziels werden dies im Jahr 2010 ca. 70 Mio. t CO2 sein.(56) Erfreulich ist aber vor allem der wachsende Bedarf von Arbeitskräften in diesem Bereich. Aufgrund der Entwicklung in den vergangenen Jahren sind heute insgesamt rund 100.000 Men-schen in Deutschland im Bereich "Erneuerbare Energien" beschäftigt.(57) Die Tendenz ist steigend. Die Arbeitsplätze befinden sich in den verschiedensten Bereichen, z.B. in der Bauwirtschaft, dem Maschinenbau, der Landwirtschaft sowie der Forschung und Entwicklung. (50) Diese Bedingungen werden von den heute benutzten Energietechniken nur teilweise oder gar nicht erfüllt und sind in vollem Maße wahrscheinlich nie zu erfüllen. Doch sie sollten den Hintergrund für Entscheidungen über die eingesetzten Techniken oder Technikkombinationen bilden. Aus: Ernst Ulrich von Weizsäcker (Hrsg.), Umweltstandort Deutschland. Argumente gegen die ökologische Phanta-sielosigkeit, Berlin 1994, S. 208. (51) Bundesverband Windenergie e.V. (Hrsg.): Von A bis Z - Fakten zur Windenergie, überarbeitete Auflage Mai, Osnabrück 2001, siehe auch: www.wind-energie.de (53) Die Berechnungen für die "externen Kosten" sind sehr unterschiedlich. Für Kohle werden z.B. zwischen 3 Pf/kWh (EU 1994) und 60, 9 Pf/kWh (Fraunhofer Institut für Systemtechnik und Innowativforschung ISE 1994) angegeben. Die externen Kosten für die Kernenergie werden mit 0,5 Pf/kWh (EU) und 26 Pf/kWh (ISE) genannt. Dazu kommen neuste Angaben, die nur die Kosten für den Treibhauseffekt errechnen. Diese liegen bei 8 Pf/kWh für Kohle und 0,1 Pf/kWh bei der Kernenergie. Siehe grundlegend dazu u.a.: Manfred Heimann, Regenerative Energien. Technik - Daten - Zahlen - Fakten, Hauptberatungsstelle für Elektrizitätsanwendung e.V. (HEA) (Hrsg.), Dortmund 1998 S. 214. (54) www.strom.de: Verband der Elektrizitätswirtschaft VDEW - e.V., Mehr Strom aus Erneuerbaren, Pressemitteilung vom 12.02.2002 (55) Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU), Entwicklung der Erneu-erbaren Energien- Aktueller Sachstand -, Berlin, Stand: Januar 2002. (56) BMU (2002), Entwicklung der Erneuerbaren Energien- Aktueller Sachstand -, Berlin 2002. (57) BMU (2002), Entwicklung der Erneuerbaren Energien- Aktueller Sachstand -, Berlin 2002 |
Inhalt:Vorwort Einleitung - Thema Umwelt kein Thema mehr? - Was ist Nachhaltigkeit? - Begriffsklärung Energie - 1.1 Primärenergieverbrauch - 1.2 Endenergieverbrauch - 1.3 Stromerzeugung - 1.4 Verluste bei der Stromerzeugung - 1.5 Internationaler Energiemarkt - 2.1 Grenzen des Wachstums - 2.2 Verknappung der Rohstoffe - 2.2.1 Sich regenerierende Quellen - 2.2.2 Sich nicht regenerierende Quellen - 2.3 Die Veränderung des Klimas - 2.3.1 Die Erwärmung des Klimas - 2.3.2 Der Treibhauseffekt - 2.3.3 Anthropogener Treibhauseffekt - 2.3.4 Steigerung der CO2-Konzentration - 2.3.5 Ein neues Politikfeld - 2.3.6 CO2-Reduktionsziele - 2.3.7 Wie wird sich das Klima ändern? - 2.3.8 Auswirkungen in Sachsen - 2.4 Das Verkehrsproblem 3.1 Windenergie - 3.2 Wasserkraft - 3.3 Photovoltaik - 3.4 Sonnenkollektoren - 3.5 Solarthermische Kraftwerke - 3.6 Biomasse und Biogas - 4.1 Steigerung der Effizienz - 4.2 Nutzung der Kraft-Wärme-Kopplung - 4.3 Potenziale der Energieeinsparung - 4.4 Technische Potenziale erneuerbarer Energiequellen - 4.5 Szenarien und Perspektiven der erneuerbaren Energien - 4.6 Das Jahrhundert der Umwelt - 4.6.1 Die Rolle der Kernenergie - 4.6.2 Eine Wertentscheidung für die Zukunft Heuersdorf - ein Ort kämpft um seine Exsistenz I. Bericht über die 3. Klimakonferenz der Jugend und zu der Lage in Heuersdorf II. Vegetationsbestandsaufnahme in Heuersdorf III. Apfelsaft aus Heuersdorf IV. Ein kurzer Rückblick in die Geschichte des Ortes V. Heuersdorf und die Braunkohle Glossar Verwendete und weiterführende Literatur Energielinks |