Modellstudiengang Medizin Köln - Ein Erfahrungsbericht
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30 Tage Pflegepraktikum auf einer HIV Station in London
God save the queen... Einen der Tipps die ich regelmässig Schülern gebe die sich überlegen Medizin zu studieren ist es auf jeden Fall einen Teil des Pflegepraktikums vor Studienbeginn zu absolvieren. Während des Studiums ist die Zeit sowieso schon sehr knapp bemessen, seine kostbaren Semester"ferien" dann auch noch nahezu komplett den Praktika widmen zu müssen ist ein vermeidbarer Verlust! Ich selber hatte zum Studiumsbeginn natürlich noch kein Pflegepraktikum absolviert und zu allem Überfluss habe ich mich erst sehr spät um die Organisation eines Platzes gekümmert. Es gab einfach zu viele neue Sachen. Anderes schien irgendwie immer dringender zu sein. Letzten Endes ist die Organisation meines ersten Pflegepraktikumsplatzes in einem ziemlich Chaos ausgeartet. Das war allerdings nicht allein meine Schuld (oder zumindest mag ich den Gedanken, dass es nicht nur an mir lag!). Ich hatte mir in den Kopf gesetzt unbedingt mein erstes Praktikum in England durchzuführen, da ich dort Freunde hatte, bei denen ich wohnen konnte. Ich habe dann etwas blauäugig im ersten Krankenhaus angerufen um mich zu bewerben und stiess sogleich aufs erste Problem: In England gibt es kein Pflegepraktikum. Ich glaube ich habe die arme Frau am anderen Ende der Leitung ziemlich irritiert, als ich ihr mitteilte, dass ich zwar Medizinstudentin sei, aber einen Praktikumsplatz bräuchte bei dem ich Krankenschwestern folgen wollte.
Vielleicht lag es auch daran, dass man mich auf den Stationen ziemlich häufig mit einem "No, sorry" abwimmelte. Der "Operator" am Telefon verband mich immer wieder mit den unterschiedlichsten Stationen, aber die Antwort war immer gleich. Irgendwann hörte er sogar auf mir zu sagen, mit welcher Station er mich verband. Sobald ich wieder beim Operator war leitete er mich sofort zur nächsten Station weiter. Ich war irgendwann echt gefrustet und mitlerweile überzeugt davon, dass das nicht mehr klappen würde. Ein letztes Mal leierte ich noch meinen kleinen Satz runter als plötzlich, ganz unerwartet, ein "We'd love to have you" ertönte. Moment...hatte ich das richtig verstanden? Ich war sofort wieder hell wach und schon ganz glücklich, als mir plötzlich bewusst wurde, dass ich keine Ahnung hatte mit welcher Station ich sprach. Ich glaube meine Gesprächspartnerin merkte das irgendwie, denn ihr nächster Satz war "Do you know that we are the HIV Ward?". Ich gebe zu, dass ich da kurz perplex war und wahrheitsgetreu "Umm..No." antwortete. Als sie mich dann "Is that a problem?" fragte habe ich ihr schnell versichert, dass es das nicht ist und ich sehr dankbar für den Platz bin. Allerdings war ich, um ehrlich zu sein, schon etwas aufgeregt. Mein Wissen über HIV war nicht gerade profund und ich stellte mir die Arbeit auf einer Station mit ausnahmslos Todkranken auch nicht gerade leicht vor, zumal es mein erstes Praktikum sein würde.
Der notwendige Papierkram gestaltete sich dann etwas schwierig, da sogar ein Polizeiliches Führungszeugnis verlangt wurde (Allerdings keine Arbeitserlaubnis oder Visum: Gelobt sei die EU!)und man auch in der Verwaltung Probleme damit hatte meinen Aufenthalt richtig einzuordnen, aber letzlich klappte es dann doch!
Ich habe mir gerade noch einmal diesen Bericht durchgelesen und musste feststellen, dass es noch so viele positive Sachen gibt, die ich über dieses Praktikum erzählen könnte. Besonders über die Schwestern die sich so toll um mich gekümmert haben und mir zum Abschied sogar eine Party schmissen. Mit Essen, Geschenken und soweiter. Stellt euch das mal auf einer deutschen Station vor... Wenn die jedesmal eine Abschiedsparty organisieren würden wenn ein Praktikant geht....Oh! Ich denke, dass zeigt ganz deutlich, dass es auch für sie etwas aussergewöhnliches war und ihre Betreuung schon deshalb so beispielhaft war. Naja, ich sprenge langsam den Rahmen und komme zum Schluss:Insgesamt bin ich sehr dankbar, dass ich diese Erfahrung machen konnte und kann nur jedem raten ein Praktikum im Ausland zu machen, auch wenn die Organisation manchmal nicht ganz einfach ist. Lasst euch davon nicht abschrecken! |