Modellstudiengang Medizin Köln � Ein Erfahrungsbericht
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Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten...
"Are you plannig on killing the president?" Das ich den dritten Teil meines Pflegepraktikums in Detroit ableistete war eigentlich ein großer Zufall und so nicht geplant! Eigentlich hatte ich vor gehabt in Hamburg die letzten 30 Tage abzuarbeiten. Anscheinend hatten sich das aber auch eine Menge anderer Studierender gedacht, denn ich bekam nur Absagen zurück. Total gefrustet, da die Semesterferien immer näher rückten und ich noch immer keinen Platz hatte rief ich meine Mutter an und erzählte ihr von meinem Problem. Sie tippte gerade eine E-mail an eine Verwandte in Detroit. Mehr im Scherz sagte ich ihr sie solle doch mal nachfragen, ob ich mein Praktikum nicht dort machen könne. Postwendend kam eine Antwort Mail mit der Telefonnummer eines benachbarten Krankenhauses. Ohne große Hoffnung rief ich dort an und bekam zu meinem eigenen Erstaunen sofort ein "Yes" zurück. Naja.. eigentlich war es mehr ein "Absolutely!!Great!!Excellent!!".....Amerikaner... Die Überschwenglichkeit meines Gesprächpartners liess mich doch etwas skeptisch werden. Freunde hatten mir erzählt, dass auch sie bei Bewerbungen in Amerika gleich überschwengliche Leute am Telefon hatten, die sich danach nie wieder gemeldet hatten. Das würde so zur Mentalität gehören. Aber ich schien tatsächlich Glück gehabt zu haben. Mein Gegenüber schien keine Mühen zu scheuen um das Krankenpflegepraktikum (das in Amerika öbrigens auch nicht existiert) wahr zu machen. Obwohl es ihn beträchtliche Zeit kostete schrieb er eigens für mich einen eigenen Arbeitsvertrag der auf mein Praktikum abgestimmt war und koordinierte die Unterzeichnung mit dem Studiendekanat. Und als ich dann ein Einladungsschreiben für mein Visum benötigte schrieb er gleich mehr als eine Seite mit Begründungen, warum ich kommen müsse! Ich muss sagen ich war von seinem Elan wirklich sehr beeindruckt und es ist wohl nur ihm zu verdanken, dass das ganze wirklich klappte. Das Visum zu besorgen war von meiner Seite aus das schwierigste, da man persönlich nach Frankfurt fahren musste um es zu bekommen, dort endlos warten musste bevor man dann so sinnvolle Bewerbungsfragebögen ausfüllen konnte in denen man Sachen gefragt wurde wie "Haben Sie vor Sprengstoff in die USA einzuführen?" "Sind sie Teil einer terroristischen Vereinigung?" "Waren sie an den Kriegsverbrechen des zweiten Weltkrieges beteiligt?". Alles klar..... Das hat aber trotzdem alles geklappt, und so setzte ich mich nur wenige Wochen nach unserem ersten Telefonat in einen Flieger in Richtung winterlichen Michigans! An meinem ersten Tag wurde ich dann mit der Nachricht überrascht, das Krankenhaus möchte meinen Aufenthalt zu Publicity Zwecken nutzen. Getreu dem Motto: "Unser Krankenhaus ist ja sooo international". Ob ich etwas dagegen hätte. Als ich zustimmte wurde ich sofort (VOR meinem ersten richtigen Tag!) von einer Zeitung interviewt. Es sollte nicht die letzte gewesen sein... Während eines Tages meines Praktikums folgte mir sogar eine Fotografin! Zusammen mit dem PR Manager des Krankenhauses! Sehr surreal wie diese Frau immer vor mir hersprang um "mich in Action" fotografieren zu können. Die Patienten haben mich angeguckt als würde ich ihnen jede Sekunde eröffnen das ich ein Celebrity bin, der nur mal einen Tag als "normaler" Mensch verbringt. Tatsächlich nahm der Bericht mehr als eine halbe Seite in der Zeitung ein. Inklusive 2 Fotos. Die haben da glaube ich wirklich zu wenige echte Nachrichten.. Mein Praktikum (um mal wieder auf den eigentlichen Bericht zurück zu kommen) fand in der Notaufnahme statt und war wirklich klasse. Auch hier waren die Schwestern, Pfleger und das Ärzteteam super nett und sehr um mich bemüht. Mein Betreuer (derselbe, der sich um meinen Vertrag und meinen ganzen Aufenthalt bemüht hatte) hatte mir extra eine Checkliste mit allem erstellt, was man mir beibringen sollte. Ein richtiger U-Kurs. Er kam mindestens einmal am Tag vorbei um zu sehen ob alles gut verlief. Also mal wieder eine echte Full-time Betreuung. Die Notaufnahme war auch echt spannend, mit vielen "richtigen" Notfällen, bei denen ich immer zugucken durfte und man mir, wenn die Zeit und der Zustand des Patienten es zuließ auch einiges erklärte. Es gab da wirklich alles, von multiplen Schußwunden über Beziehungsdramen und haufenweise Herzinfarkten (extrem häufig bei älteren Männern die sich beim Schneeschaufeln übernommen hatten)über MVA's (Motor vehicle accidents) zu einem Großalarm als es eine Explosion in einer nahegelegenen Fabrik gab. Da hieß es plötzlich "Code blue...we got a CODE BLUE" Woraufhin alle zu rotieren anfingen und man mir ,nachdem ich etwas irritiert in die Runde blickte, erklärte das hieß "Possible Mass Casuality". Ersten Berichten zufolge 70 Verletzte. Wir mussten also innerhalb von Minuten den Emergency Room leer kriegen, da wir nicht wussten wieviele Patienten wir bekommen würden. Also wurden alle Patienten die stabil waren wieder ins Wartezimmer transportiert um die Liegen freizumachen und meine neue Aufgabe bestand darin die Abstellkammern freizuräumen und in Not-behandlungsräume zu verwandeln. Je mehr Patienten wieder ins Wartezimmer geschoben wurden, desto mehr Ärzte trudelten von allen Stationen ein. Es war schon ein echte spannender Anblick da mit einer Riesen Traube an Ärzten und Pflegepersonal am "Emergency Entry" zu stehen während alle gebannt rausstarrten und der Dinge harrten, die da kommen mögen. Als man dann die Sirene des Krankenwagens kommen hörte konnte man die Anspannung in der Luft förmlich riechen. Und was kam? Nur 7 Patienten, alle zwar von Kopf bis Fuß verrußt, aber nur leicht verletzt! Sie konnten alle selber in die Notaufnahme gehen. Über Funk bekamen wir dann die Nachricht, dass die Schwerverletzten alle in ein "Trauma Center" gekommen waren, dass näher war. Sofort leerte sich die Notaufnahme wieder als die Ärzte wieder auf ihren Stationen verschwanden. Also keine Mass-casuality für uns und wir konnten also wieder die normalen Patienten versorgen. Ich durfte weiter "Vitals" messen, warme Decken verteilen und in "Triage" die Patienten aufnehmen. Wenn nicht viel los war wurde ich manchmal auch auf andere Stationen geschickt. So sah ich in Detroit meine erste natürliche Geburt und einen Kaiserschnitt und half in "Fast Track" (der Notaufnahme für leichte Fälle: Schnupfen, Husten, Schnittwunden etc.) Wunden zu verbinden und kotzende Kinder zu rehydrieren. Alles im allem war es ein tolles Praktikum, bei dem ich viel gesehen habe und auch super betreut worden bin. Mittlerweile scheint es fast so, als müsse ich euch generell "Ausland" für Praktika empfehlen. Ich habe jedenfalls nur gute Erfahrungen gemacht und würde jederzeit wieder dorthin gehen. Ich hatte auch noch einen echten "Emergency Room"-Moment. Gerade als ich meine Schicht beenden wollte kamen drei Frauen in die Notaufnahme gelaufen. Die Frau in der Mitte war die einzige die nicht hysterisch weinte. Dafür trug sie einen schlaffen Kinderkörper in den Armen und sagte unglaublich gefasst "Ich brauche sofort Hilfe, er atmet nicht mehr". Wie sie da standen sah das so unglaublich choreografiert aus, dass ich fast damit rechnete, das George Clooney gleich um die Ecke gerannt käme um den Tag zu retten und ich die Titelmusik der Serie zu hören glaubte. George Clooney kam natürlich nicht, anstatt dessen stand ich in meinen blauen Scrubs, allen Anschein nach eine Ärztin, als nächste am Ort des Geschehens und der gesamte Warteraum drehte sich zu mir um und schaute mich erwartungsvoll an. Da kann einem das Herz ganz schön in die Hose rutschen. Zum Glück hatte ein "echter" Arzt die Frau gehört und kam sofort herbei geeilt. Und es wäre kein echter Emergency-Room-Moment, wenn es kein Happy End gäbe. Der kleine Junge hatte einen Fremdkörper eingeatmet, der sofort entfernt werden konnte. Minuten später war er schon wieder quietschfidel am brüllen.
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