Montag, 19. Februar 2007 


Urlaub Türkei  

 

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Menschen im Abseits

Menschen im Abseits

Ich bin Krankenpfleger, habe eine PDL-Ausbildung, habe 15 Jahre lang einen ambulanten Pflegedienst mit bis zu 25 Mitarbeitern und 1500 Pflegestunden geleitet, und bin inzwischen als WBL in einem, vor einem Jahr erbautem Seniorenpark tätig.

Nach einer Odyssee schlechter Erfahrungen nach Schließung meines Pflegedienstes im Jahr 2002 in mehreren Einrichtungen der ambulanten, wie auch stationären Pflege möchte ich die im Altenpflegeforum ( http://www.modernealtenpflege.de/Forum/forum.html ) geschilderten Zustände in der Altenarbeit nur bestätigen. Alte Menschen verlieren ihr Zuhause, verlieren ihre Lebensinhalte, sind durch Krankheiten gezeichnet, verlieren durch Alzheimer und Demenz ihren Verstand, und haben keine Lobby. Immer mehr private Investoren drängen in den Markt und präsentieren haltlose Versprechungen, die sie in Hochglanzbroschüren als Pflegephilosophie, Pflegekonzeptionen oder Leitbildern veröffentlichen. Die tatsächlich vorgefundenen Pflegewirklichkeiten sehen anders aus, sprechen eine ganz andere Sprache.

Menschen im Abseits sind auch die Menschen, die sich in der Pflege einsetzen, versuchen durch ihre professionelle Hilfe, gepaart mit viel persönlichen Engagement den Lebensalltag von Heimbewohnern menschenwürdiger zu machen. In vielen Heimen werden die hauswirtschaftlichen Abteilungen oder engagierten Dienste eingespart, und dem Pflegepersonal zusätzlich aufgebürdet. Inzwischen wäscht, putzt, kocht und kellnert ein Pflegemitarbeiter, neben seinen ohnehin schon multiplen Aufgaben, die das moderne Qualitätsmanagement ihm aufbürdet. Dabei wird dem Stellenplan in keiner Weise Rechnung getragen; die zusätzlichen Aufgaben werden ohne Personaldeckung immer noch oben drauf gegeben.

Die menschenverachtenden Praktiken müssen ein Ende finden!

Das Helfersyndrom muss aus den Köpfen der Pflegenden verschwinden, da sie sich recht bald selbst zu Pflegefällen machen.

Eine Personalbesetzung, die den Anforderungen des entsprechenden Hauses genügt, muss her! Freiwillig werden die Betreiber von Senioreneinrichtungen nicht nachgeben. Gesetzliche Regelungen müssen verbindlich festlegen, bei welchen Tätigkeitsanforderungen wie viel Personal für die entsprechenden Tätigkeitsmerkmale vorgehalten werden muß ! Die Heimaufsichten und der Medizinischen Dienste der Krankenkassen ( MDK ) müssen sich stärker vernetzen, um Missbrauch vorzubeugen. Zertifizierungen müssen Pflicht werden, die dem potentiellen Pflegling oder Angehörigen signalisieren, ob entsprechend vorgegebene Standards auch der Pflegewirklichkeit entsprechen ( bei Hotels werden doch auch Sterne vergeben ). Ständige Kontrollen der Behörden, die auch die Quantität des eingesetzten Personals berücksichtigen, sorgen für eine menschenwürdigere Versorgung. Die politischen Parteien müssen ins Boot geholt werden, um in der Öffentlichkeit das Auge für Mißstände zu schulen, was die Betreiber von Pflegeeinrichtungen zu verantworten haben.

Hartmut Alt

 

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