LENI  RIEFENSTAHL
Berta Helene Amalie Riefenstahl
(seit 1944: Helene A. Jacob)

(22.08.1902 - 08.09.2003)

[Leni Riefenstahl auf Reisen]

Ein Kapitel aus Dikigoros' Webseite
LÜGEN HABEN SCHÖNE BEINE
Wenn Frauen eine Reise tun . . .

Von der "Amazone des Führers" ist der breiten Öffentlichkeit eigentlich nur ihre erste Lebenshälfte bekannt (oder sollte man besser sagen: verkannt?): Ihre Karriere als Ballett-Tänzerin mußte sie aufgeben, da ihre Knochen die damit verbundene hohe Belastung auf Dauer nicht aushielten; als Schauspielerin fühlte sie sich von ihren Regisseuren nicht richtig in Szene gesetzt, also erlernte sie selber das Filmhandwerk, drehte erst Bergfilme (wobei es ihr Schnee und Eis besonders angetan hatten, sie flog sogar mit Ernst Udet nach Grönland, um einen Film über die Eisberge zu drehen). Den größten Erfolg hatte sie aber mit ihren preisgekrönten Filmen über die martialischen Reichsparteitage der NSDAP von 1933 und 1934 (ja, auch die wurden prämiert, und zwar nicht nur von den deutschen Nazis und den italienischen Fascisten [auf der Biennale von Venedig und bei Mussolini persönlich, mit dem sie bei dieser Gelegenheit das Band geknüpft haben will, das ihn zum Bündnis mit Hitler führte], sondern auch von guten Demokraten, wie z.B. den Amerikanern und den Franzosen - "Triumph des Willens", gewann den Preis des besten auf der Pariser Weltausstellung von 1937 gezeigten Films - die Franzosen waren so begeistert, daß sie 1945 als Besatzer alle Filme und Drehbücher von Riefenstahl raubten, pardon konfiszierten) und vor allem über die Olympischen Spiele von 1936. Zweifellos technische Meisterwerke; Dikigoros hat "Fest der Schönheit" und "Fest der Völker" selber mit großer Begeisterung gesehen, sogar mehrfach; und auch ihre Reichsparteitag-Filme müssen noch immer sehr eindrucksvoll sein - sonst wären sie wohl nicht bis heute verboten. Riefenstahl ging mit ihnen 1938 auf Weltreise und wurde überall in Europa begeistert gefeiert - nur nicht in den USA. Wenn man ihren Memoiren glauben darf, waren daran die "Reichskristallnacht" vom November 1938 schuld und die jüdische "Anti-Nazi-Liga", welche die erstere als Aufhänger nahm, um jeden, der Riefenstahl empfangen oder ihre Filme aufführen wollte, mit Boykott-Drohungen erpreßte, davon Abstand zu nehmen. Diese Erklärung dürfte indes etwas zu kurz greifen: Schon im Jahre 1937, als noch niemand im Ernst Deutschland aggressiver Absichten bezichtigen konnte (die Führung des Dritten Reiches verfolgte damals noch die gleiche Politik, wie sie alle Parteien der Weimarer Republik - von der DNVP bis zur KPD - einmütig verfolgt hatten, nämlich friedliche Revision des Versailler Diktats, Abzug der Besatzer und Beendigung der Reparations-Zahlungen) hatte der üble Kriegstreiber Franklin Delano Roosevelt - seines Zeichens US-Präsident - seine berüchtigte Hetzrede gehalten, in der er forderte, alle Deutschen, Italiener und Japaner unter "Quarantäne" zu stellen - er meinte wohl in Konzentrationslager zu stecken; allerdings wäre das rund ein Drittel der US-Bevölkerung gewesen, und so sollte es am Ende nur die Japaner treffen - weil die Italienisch-, Deutsch- und Irisch-Stämmigen (zusammen immerhin gut 50% der US-Bevölkerung) nicht genügend Zivilcourage hatten; aber das ist eine andere Geschichte. Diese Amerika-Reise muß jedenfalls für Leni Riefenstahl traumatisch gewesen sein; sie hat die USA Jahrzehnte lang nicht wieder besucht. Aber Dikigoros will sich über diese erste Lebenshälfte Riefenstahls nicht weiter auslassen - das haben andere schon zur Genüge getan.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Leni Riefenstahl ob ihrer "Nazi-Filme" auch in Europa - und ganz besonders in Deutschland - verfemt und geächtet; ihre Karriere als Schauspielerin und Regisseurin war beendet. (Sie gab daran "einflußreichen Kreisen" die Schuld; zwischen den Zeilen ließ sie stets durchblicken, daß es sich dabei vor allem um jüdische Kreise handelte. Ob das stimmt, und wenn ja, warum das so war, weiß Dikigoros nicht; sie selber hat sich nie über die mutmaßlichen Gründe ausgelassen; nach ihrer Darstellung gab es keine, sie fühlte sich unschuldig.) Ihr Bergfilm "Tiefland", der letzte Streifen, den sie noch zur Zeit des Dritten Reichs begonnen hatte, floppte, und danach drehte sie zwar noch ein paar Filme, aber niemand wollte das Wagnis eingehen, sie aufzuführen, zumal ihr zu allem Überfluß auch noch der widerwärtige alte Neidhammel Louis Trenker (der in ihr wohl eine Konkurrentin für seine Bergfilme sah) in einem von ihm gefälschten "Tagebuch der Eva Braun" ein intimes Verhältnis mit Hitler andichtete, vor dem sie auf dem Obersalzberg Striptease-Tänze aufgeführt haben soll. Gewissermaßen zur Belohnung für diese "Heldentat" wurde der Süd-Tiroler Trenker von den bundesrepublikanischen Medien Jahrzehnte lang als der gute alte Bergonkel, wie er im Bilderbuche steht, hoch gejubelt; erst nach seinem Tode wurde bekannt, daß er wohl sehr viel tiefer sowohl in den Faschismus - unter Mussolini hatte er sich noch "Luigi Trenker" genannt - als auch in den National-Sozialismus verstrickt war als etwa Leni Riefenstahl. Seitdem hat der ebenso "sympathische" und wahrheitsliebende Anti-Tiroler Reinhold Messner (ein Witzbold, der sich ein paarmal von einheimischen Führern auf gewisse Himālay-Gipfel ziehen und darob als GröBaZ [größter Bergsteiger aller Zeiten] feiern ließ) die Rolle des guten Bergonkels übernommen - und auch die des Hetzers gegen jeden, der sich nicht spätestens nach dem Zweiten Weltkrieg als "antifascistischer Widerstandskämpfer" gerierte. In den letzten Jahren hat er sich penetrant bei Riefenstahl angebiedert und eingeschmeichelt; man darf mit einiger Sicherheit davon ausgehen, daß er sie eines Tages ebenso in die Pfanne hauen wird wie einst der saubere Louis Trenker.

Nachtrag. Seit Dikigoros das geschrieben hat, sind einige Jahre vergangen, so daß ein Update, wie das auf Neu-DeutschGermenglish heißt, fällig ist. Messner hat die Riefenstahl tatsächlich im Tode verraten, denn als man (nein, Dikigoros haut seine Informanten nicht in die Pfanne, deshalb nennt er keine Namen) ihn bat, bei ihrer Beerdigung eine Trauerrede zu halten, sagte er unter einem Vorwand (er hatte angeblich Schnupfen) ab. Aus Angst vor Repressalien? Nun ja, wie man's nimmt; aber er wollte doch seinen Listenplatz bei der Grünen Pest nicht gefährden, für die er dann auch fünf Jahre lang in der Brüsseler Quasselbude saß. Diese Erfahrung muß ihn indes gründlich geheilt haben - er will von der Politik nichts mehr wissen; auch nicht mehr von seinen lieben Italienern, nachdem er Jahre lang mit ihren Sesselpupsern Papierkrieg um die Errichtung eines anti-südtiroler Museums in Bozen geführt hatte. Wenn man ihn darauf anspricht, sagt er nur: "Die Vergangenheit soll man ruhen lassen. Im Alter wird man halt klüger." Mag sein - obwohl Dikigoros z.B. im Falle Leni Riefenstahls glaubt, daß sie im Alter eher dümmer geworden ist. Und was das Ruhenlassen der Vergangenheit anbelangt, so wundert er sich immer wieder, daß Jahrzehnte lang begangene übelste Polit-Verbrechen von durchaus erwachsenen Linken stets als "Jugendsünden" verziehen werden, während nur ein paar - maximal zwölf - Jahre lang begangene, mehr oder weniger läppische Jugendsünden von wirklich jungen "Rechten" noch nach einem halben Jahrhundert oder mehr aufgewühlt und unnachsichtig verfolgt werden - notfalls unter Aufbauschung und Verfälschung. Nachtrag Ende.

Zurück zu Leni Riefenstahl. Den meisten Zeitgenossen ist ihr zweites Lebens als Reiseschriftstellerin und Fotografin verborgen geblieben. Sie selber meinte in ihrem letzten Buch gar, sie habe "fünf Leben" gehabt: Als Tänzerin, Schauspielerin, Regisseurin, Fotografin und Taucherin. Aber das kann Dikigoros nicht so recht nachvollziehen: Wieso sind es jeweils mehrere "Leben", wenn eine Schauspielerin vor der Kamera auch tanzt, und wenn eine Fotografin auch beim Tauchen Bilder schießt? (Aber vielleicht liegt das auch nur daran, daß er selber in keiner dieser Tätigkeiten sonderlich brilliert :-) Wie dem auch sei, dieses Buch ist trotz seines nicht eben bescheiden zu nennenden Preises wieder ein Bestseller geworden, und es weist seine Autorin tatsächlich als meisterhafte Fotografin aus - den Anspruch, eine meisterhafte (oder auch nur wahrheitsliebende) Schriftstellerin zu sein, hat sie ja nie erhoben. Mit Recht. Seit 1956 reiste Riefenstahl mehrere Jahrzehnte mit der Kamera durch Schwarz-Afrika (Kenya, Tanzania, Uganda und Sudan), als wollte sie irgend jemandem beweisen, daß sie keine "Rassistin" war, daß ihr die Schwarzen sogar lieber waren als die Weißen. Angeregt wurde sie dazu angeblich durch die Lektüre von "Die grünen Hügel Afrikas", einem Werk des Alkoholikers, Lügenbarons, Kriegsverbrechers und frisch gebackenen Nobelpreisträgers (ja, dieser Preis wurde zunehmend Verbrechern verliehen, nicht nur der Friedens-Nobelpreis, sondern auch der für Literatur - selbst Weinstein Kirchügel sollte ihn bekommen!) Ernest Hemingway sowie durch die Empörung über den Berichten der "Süddeutschen Zeitung" zufolge nach wie vor florierenden Sklavenhandel der arabischen Scheichs mit "schwarzem Elfenbein". Die Hindernisse, die sie dabei zu überwinden hatte, können eigentlich jedem "normalen" Leser nur die Frage aufdrängen: Wie kann man nur - war es das wert? Es waren ja nicht nur die klimatischen Unbilden des "dunklen Kontinents", sondern auch und vor allem die Menschen - sowohl die schwarzen Eingeborenen, mit denen beim besten Willen nichts anzufangen war, als auch die weißen Kolonialherren, insbesondere die Belgier, die sie ständig schikanierten. Aber wo jeder andere wohl aufgegeben hätte, scheint sie so etwas wie eine besondere Herausforderung empfunden zu haben - jedenfalls kam sie immer wieder.

Die Region Dar-Nuba im Süden der sudanesischen Provinz Kordofan (oder, wie man heute sagen würde, östlich der sudanesischen Provinz Dar-fur, um die neuerdings so viel Heckmeck gemacht wird), die sie 1962 "entdeckte", nannte sie gar "meine zweite Heimat". Frucht dieser Reisen waren die internationalen Bestseller "Mein Afrika", "Die Nuba" (Masakin) und "Die Nuba von Kau". Vor allem die letzteren - besonders unzivilisierte Stämme - hatten es ihr offenbar angetan. Für die Fotografien, die sie von ihnen anfertigte, wäre sie auch im Dritten Reich ausgezeichnet worden, da sie den Prototyp des "Untermenschen" repräsentieren: Abgrundtief häßliche Wilde in schauriger Kriegsbemalung, am ganzen Körper tätowiert und vernarbt (Frauen ebenso wie Männer), mit teuflisch verzerrten Fratzen, stets in gekrümmter Haltung, wie aggressive Raubtiere stets auf dem Sprung, bereit, den nächsten anzufallen, mit Steinen, Stöcken oder Speeren. Aber auch die Gutmenschen der Nachkriegszeit entblödeten sich nicht, ihr dafür einen Preis zu verleihen: den des Art-Directors-Clubs für die beste fotografische Arbeit des Jahres 1976. Es war das Jahr, in dem weltweit (außer in Deutschland) ihre Rehabilitierung anstand: Sie sogar war Ehrengast des IOC (das immer zu ihr gehalten hatte; es hatte sie schon 1948, als die deutschen Athleten noch von den Olympischen Spielen ausgeschlossen waren, wieder für ihre Olympia-Filme geehrt) bei der Olympiade im kanadischen Montreal (die von den Schwarz-Afrikanern boykottiert wurde - ein Treppenwitz der Sportgeschichte, der in vielen Laufwettbewerben zum letztenmal weißen Sportlern Goldmedaillen bescherte). Und die Behauptung einiger jüdischer Autoren, Riefenstahl liebe die nackten Körper der Schwarzen nur deshalb so sehr, weil die sie an die Farbe der SS-Uniformen erinnerten, nahm niemand mehr ernst - ihre Lügen hatten die Welt von ihrer Unschuld überzeugt.




Warum das alles? In einem Interview mit dem Nachrichten-Magazin "Der Spiegel" erklärte sie heuchlerisch: "Die Nuba sehen eben so aus. Man könnte die Nuba natürlich auch so aufnehmen, daß ihre Schönheit nicht zur Geltung kommt. Aber dazu bin ich gar nicht in der Lage." Warum diese Lügen? Man kann nur Mutmaßungen anstellen: Vielleicht hatte sie die Nase voll von ihren weißen "Freunden", wie dem Wendehals Louis Trenker, der sie nach dem Krieg so niederträchtig verleumdet hatte? Oder von den vielen anderen "weißen Negern"? Vielleicht gefiel es ihr wirklich besser, mit Mitte Siebzig zwischen jungen nackten Negern mit prallen Penissen herum zu laufen, als sich mit Mitte Dreißig im voll besetzten Berliner Olympia-Stadion von Glenn Morris (dem amerikanischen Olympia-Sieger und Weltrekordler im Zehnkampf) küssen zu lassen (was ihr, wenn man ihren Memoiren glauben darf, eher peinlich war)? Oder zuzuschauen (und zu fotografieren), wie junge Nuba-Mädchen grausam verstümmelt wurden? Dikigoros kann das kaum glauben. Oder wollte sie vielleicht ihr Nachkriegs-Publikum nur zum Narren halten, und ihre Botschaft lautete zwischen den Zeilen (und Bildern): "Seht her, ihr wolltet die schönen Menschen, wie ich sie bei der Olympiade 1936 aufgenommen habe, nicht sehen, und habt sie als "nazistische Herrenrasse" verunglimpft; nun zeige ich euch statt dessen dieses widerwärtig häßliche Volk, und ihr Narren müßt noch so tun, als ob ihr es wirklich schön fändet und mir dafür einen politisch-korrekten Preis verleihen! Ihr habt es ja so gewollt..." Daß sie die Wirklichkeit der von ihr bereisten Ländern nicht wiedergibt, hat sie übrigens nie bestritten; sie hat sich stets zur "selektiven Wahrnehmung" bekannt und dazu, das weg zu lassen, was ihr nicht in den Kram, pardon, ins Konzept gepaßt hat. Wer also etwas mehr über diese Länder erfahren will, sollte besser zu ehrlicheren Reisebeschreibungen greifen.

Exkurs. Nun mag es heute Menschen geben - und einige von ihnen haben Dikigoros böse Mails geschrieben -, die trotz der ausgiebigen Bebilderung, die Dikigoros seinen Ausführungen beigefügt hat, diese Kreaturen tatsächlich für "schön" halten - der Sinn für Schönheit hat ja im Zeitalter der "modernen Kunst" arg gelitten (darüber schreibt Dikigoros an anderer Stelle mehr). Aber darum geht es hier nicht. Es geht vielmehr darum, ob es glaubhaft ist, daß jemand wie Leni Riefenstahl so etwas ernsthaft für "schön" halten kann. Nicht nur, daß sie in jungen Jahren persönlich zahlreiche Proben ihres besseren Geschmacks abgegeben hat - man muß das auch mal mit den Eindrücken anderer Menschen ihrer Generation vergleichen. Dikigoros zitiert ja so gerne die WK-I-Memoiren von Hans Zöberlein, der nur wenige Jahre älter war als sie, deshalb will er das auch hier wieder einmal tun. Die Bayern haben bei der Abwehr eines französischen Angriffs im Sommer 1918 einen schwarzen Gefangenen gemacht, einen Sudan-Neger. (Ihr meint, liebe Leser, die kämen doch aus einer ganz anderen Ecke, der Sudan sei doch nie französische Kolonie gewesen? Dann irrt Ihr: Zum Sudan gehören nicht nur der Staat, der sich heute so nennt, sondern auch der Tschad, Niger und Mali; und der Westrand des heutigen Staates "Sudan" gehörte nach der Beilegung der Fachodakrise zwischen England und Frankreich 1899 vorübergehend zu Frankreich!) Zöberlein läßt seinen Gefangenen berichten, wie die Franzosen dort - und wohl auch anderswo in Afrika - ihre Krieger rekrutierten: "Eines Tages wurde ihr Dorf überfallen und nieder gebrannt, die Weiber wurden geschlachtet und alle Männer zusammen gefangen und nach Marokko gebracht. Dort hat man sie in Uniformen gesteckt..." Und im Krieg wurden sie dann mit Peitschen und Schüssen ... [die Einzelheiten erspart Euch Dikigoros] in die deutschen Maschinengewehr-Stellungen gejagt... Aber das nur am Rande, denn nun schildert Zöberlein seine persönlichen Eindrücke von dem Gefangenen: "Ein wahres Prachtexemplar für einen Zirkus. Er hat das ganze Gesicht tätowiert und mit seinen Kriegsfarben angeschmiert, gelb und rot. Vernarbte Wülste ziehen sich über Stirne und Wangen, und in der unnatürlich herab hängenden Unterlippe steckt ein Stäbchen. Sogar das linke Ohrwaschel hat er über ein Stück Holz gerollt. Der Kerl ist wert, daß man ihn leben läßt. Vermutlich ist er dem Ansehen nach ein großer Krieger oder Häuptling in Afrika gewesen." Ihr seht, man kann durchaus mal dem Faszinosum der Häßlichkeit erliegen - aber man kann sie doch nicht mit Schönheit verwechseln! Exkurs Ende.

Wie dem auch sei, Riefenstahls Nuba-Bücher hatten noch ein böses Nachspiel, denn sie hatten die Sensationslust anderer Reisenden geweckt, sowohl der "professionellen" Konkurrenz als auch der "Privaten". Als Leni Riefenstahl zu letzten Mal "ihre" Nuba besuchte, mußte sie zu ihrem Entsetzen feststellen, daß diese binnen weniger Jahre völlig von der Zivilisation "verdorben" waren: Statt in natürlicher Nacktheit liefen sie nun in zerrissenen Klamotten umher, tranken Alkohol und verlangten für jedes Foto einen Haufen Geld oder andere "Geschenke". (Nein, Glasperlen - mit denen sie sich bei den ersten Reisen noch begnügt hatten - reichten nicht :-) An gegenseitigen Schuldzuweisungen fehlte es nicht: Leni Riefenstahl war als erste Fotografin dort gewesen, also war sie die Schuldige, schrieb insbesondere ein Schweizer Student, der ihr überdies unterstellte, mit einigen der "am besten gebauten" Negern ein Verhältnis gehabt zu haben. Sie wies das natürlich alles weit von sich - schuld seien vielmehr die Leute gewesen, die in ihrer Abwesenheit die braven Wilden korrumpiert hätten. Wer Recht hatte? Dikigoros weiß es nicht; aber es ist nun mal so, daß der Tourismus - nicht nur der Massentourismus - einstige "Geheimtips" und "Naturparadiese" zerstört. Warum Dikigoros das in Anführungsstriche setzt? Nun, weil er diesen Streit um des Kaisers Bart nicht versteht. Es sind so viele wirklich bewahrenswerte Orte, Kulturen und Bräuche vom Tourismus zerstört worden, daß er keine besondere Trauer empfinden kann, wenn ein paar primitive Sudanneger künftig keine blutigen Zweikämpfe mehr veranstalten und ihre Frauen nicht mehr verstümmeln. Eine "Kultur", die sich von Coca Cola, Kaugummi und Geldscheinen korrumpieren läßt, ist es nicht wert, erhalten zu werden - zumal wenn sie nicht etwa gewaltsam zerstört wird, wie die mittel-europäische im und nach dem Zweiten Weltkrieg, sondern sich aus freien Stücken aufgibt. Niemand hat das "moralische" Recht, den Trägern solcher primitiven "Kulturen" vorzuschreiben, in ihrer "natürlichen" Rückständigkeit zu verharren, bloß damit man weiterhin "exotische" Fotos von ihnen schießen kann - auch nicht Leni Riefenstahl, die schließlich nicht zu Fuß kam, sondern per Auto, und in Bezug auf ihre eigene Person nicht zu knapp über die Unbequemlichkeiten klagte, die ihr durch die sudanesische Zivilisationslosigkeit verursacht wurden.

In den 1980er Jahren machte sich Leni Riefenstahl nach vielen vergeblichen Versuchen, einen geeigneten "Ghostwriter" zu finden, daran, ihre Memoiren zu schreiben. Es wurde ein umfangreiches Opus, weltweit ein großer kommerzieller Erfolg und auf seine Art ein Meisterwerk. Ein Meisterwerk der Irreführung, denn Dikigoros ist einmal mehr überzeugt, daß vieles davon nur geschrieben wurde, um das Publikum zum Narren zu halten. Schon das Eingangszitat... Es stammt von Albert Einstein, dem Juden, Deutschen-Hasser und Jahrhundert-Charlatán, den jeder, der sich etwas näher mit ihm beschäftigt hatte, nur verachten kann - und jemand wie Leni Riefenstahl mußte ihn hassen. Aber vielleicht war das auch nur als Botschaft an ihre "wissenden" Leser gedacht, daß man ihre Ausführungen mit Vorsicht genießen und zwischen den Zeilen lesen muß. (Oder auf den Einband schauen, der rein zufällig Hitler Lieblingsbild von ihr zeigt, als "Junta" in dem Spielfilm "Das blaue Licht" von 1931 :-) Nein, Dikigoros meint nicht, daß sie ihre Beziehungen zu Hitler herunter spielt und ihre Differenzen mit Goebbels übertreibt - welcher Memoirenschreiber ihres Jahrgangs hätte das in ihrer Lage nicht getan? Dikigoros meint vielmehr so "harmlose" Dinge wie z.B. die Ausstellung im "Haus der Deutschen Kunst". Da schreibt sie doch allen Ernstes (?), daß sie "ihre" deutschen "Künstler" vermißt habe und nennt dabei die Schmierfinken und Nichtskönner Beckmann, Klee, Kollwitz, Marc und Nolde; dagegen äußert sich sich abfällig über die "Nackedeis" von Ziegler. Nein, das kann ein normal veranlagter Mensch selbst im Zeitalter der lila Milka-Kühe nicht nachvollziehen, geschweige denn eine echte Künstlerin - die sie zweifellos war. Man muß eben auch hier das "Kleingedruckte" lesen - und sich ein wenig mit Bildern auskennen, die heute nicht mehr frei (oder überhaupt nicht mehr) zugänglich sind. Zum Beispiel die ihres erklärten Lieblingsmalers Bollschweiler, der mit besonderer Vorliebe weiße Pferde vor blauem Himmel malte, während z.B. Marc bevorzugt blaue Pferde pinselte. Bollschweiler hatte das Pech, daß sich auch Hitler und Göring für seine Gemälde begeisterten (Leni Riefenstahl hatte sie angeblich persönlich mit der Nase drauf gestoßen), deshalb ist er heute so gründlich aus allen Lexika getilgt wie George Orwell das in 1984 beschrieben hat, und seine Bilder sind verschwunden, sei es, daß Barbaren unter den alliierten Besatzern sie bei Kriegsende mutwillig zerstörten, wie so viele Kunstwerke aus der Zeit des "Dritten Reichs", sei es, daß Kunstkenner unter den alliierten Besatzern sie "nur" raubten, sei es, daß politisch korrekte Gutmenschen unter den Neudeutschen sie haben verschwinden lassen. Im übrigen braucht man nur gegenüber zu stellen, was Leni Riefenstahl da mit ihren Lippenbekenntnissen lobt und verdammt und sich sein Teil dazu denken...


von Riefenstahl als "Nackedeis" verunglimpft: Zieglers "4 Elemente"                                 von Riefenstahl hoch gelobt: Beckmanns "Carneval"


oben: ebenfalls von Riefenstahl hoch gelobt: Marcs "Blaue Pferde" (links) - und ihr persönlicher Geschmack (rechts)
unten: Schmierereien von Beckmann (keine "Nackedeis"?), Klee und Kollwitz (1937 als "entartete Kunst" bezeichnet)

[Strichmännchen-Kritzeleien von Paul Klee] [Schimpansen-Karikatur von Käthe Kollwitz]

* * * * *

Unter Ausnutzung des Medienrummels um Leni Riefenstahls 100. Geburtstag und um den ersten Film ("Impressionen unter Wasser" - Frucht ihrer Reisen nach Maladwip, den "Malediven"), den sie seit fast einem halben Jahrhundert wieder drehte, drohte ihr eine Gruppe jener sauberen Lobbyisten-Verbände, die in aller Welt - aber vor allem unter den tumpen Germanen - Erpressungsopfer suchen, eine Sammelklage auf Schadensersatz in Millionenhöhe an, als angebliche Nachkommen angeblicher Opfer des oben kurz erwähnten Bergfilms "Tiefland". (Obwohl jener saubere Zigeuner-Verein - "Rom e.V." - ersichtlich nur zu dem Zweck gegründet wurde, Gelder zu erpressen, wurde er nicht etwa als kriminelle Vereinigung verboten, sondern bekam vom deutschen Fiskus prompt die Gemeinnützigkeit und damit die Steuerbefreiung bewilligt.) Außer einer Millionen-"Entschädigung" - wofür? - wollte "Rom e.V." erpressen, daß jeder einzelne Zigeuner-Statist im Filmvorspann namentlich genannt wird, weil das allgemein so üblich sei und eine schwere Verletzung der Persönlichkeitsrechte darstelle, dies nicht zu tun. Eigentlich sollte "Tiefland" in den Pyrenäen gedreht werden, aber dann erklärte Frankreich dem Deutschen Reich den Krieg, und die Filmtruppe zog 1940 um in die Karawanken. Die Statistenrollen wurden mit Zigeunern besetzt, die irgenwo im Salzburgischen herum hingen - angeblich unfreiwillig (denn welcher Zigeuner arbeitet schon ohne Zwang?). Also kramten die Lobbyisten die Keule, pardon das Schlagwort von der "Ausbeutung durch Sklavenarbeit" aus, das schon in verschiedenen Prozessen zuvor mit großem Erfolg verwendet wurde. Die Bundesregierung - auf die vermeintliche Wahrung ihres vermeintlich guten Rufes bedacht - hat sich immer wieder (z.T. mehrfach von den selben angeblichen "Opfern") erpressen lassen und erpreßte deutsche Unternehmen ihrerseits massiv unter Druck gesetzt, diesen Erpressungen nachzugeben, da sie nicht wahr haben wollte, daß sie sich damit nur zum Gespött der ganzen Welt machte und weitere derartige Erpressungsversuche provozierte. (Übrigens haben weder die "jugo-slawischen" noch die andalusischen Zigeuner je versucht, Schadensersatz dafür einzuklagen, daß in den 1960er Jahren - also unter den Diktatoren Tito und Franco - kriminelle Angehörige ihres Volkes, die im Gefängnis einsaßen, als Komparsen für Karl-May-Filme (nicht nur Winnetou) vermietet wurden; aber vielleicht kommt das ja noch - immerhin war Karl May ein sächsischerdeutscher Schriftsteller und, wie einige behaupten, sogar ein "Wegbereiter des National-Sozialismus" :-)

[Exkurs. Inzwischen ist es noch schlimmer geworden. Die Zigeuner behaupten nicht nur, "ausgebeutet" worden zu sein, sondern sie versuchen allen Ernstes (?), mit den Juden gleich gestellt werden, um etwas Ähnliches aufziehen zu können, wie es die Shoa-Businessmen mit dem "Holocaust" fertig gebracht haben. Dafür ist allerdings nicht der geringste Grund vorhanden, und da es im Verhältnis Juden-Zigeuner ja - anders als im Verhältnis Juden-Deutsche - nicht verboten ist, zu "relativieren", darf Dikigoros hier vielleicht einmal die Relationen etwas gerade rücken, nicht um aufzurechnen, sondern einfach nur um zu vergleichen, und zwar nicht bloß quantitativ - von dem würdelosen Zahlengezänk zwischen Holocaust-Leugnern und Shoa-Businessmen hat er noch nie etwas gehalten -, sondern auch und vor allem qualitativ: "Die Zigeuner" sind im "Dritten Reich" nie als solche in einen Topf geworfen worden, vielmehr unterschied man zwischen "echten", d.h. "reinrassigen" Zigeunerstämmen einerseits, wie den Sinti und Lalleri (denen geschah überhaupt nichts, denn die galten, da sie aus Indien stammten, als "Arier" :-) und den "Zigeuner-Mischlingen" andererseits, wie den Roma und den Balkan-Zigeunern. Aber auch den letzteren geschah nichts, wenn sie "sozial angepaßt" waren, d.h. wenn sie seit mindestens fünf Jahren einen festen Wohnsitz nachweisen konnten. (Über einige von ihnen schreibt Dikigoros an anderer Stelle.) Die Nicht-Seßhaften - rund 12.000 Personen - wurden 1942/43 ins Konzentrationslager Auschwitz gebracht, aber nicht in eines der "Todeslager" in den Außenbezirken, sondern ins "Familienlager", wo sie munter weiter lebten - von ihnen wurde u.a. das berühmt-berüchtigte Auschwitz-Orchester gebildet. Bei Kriegsende fand man gut 3.000 Überlebende; der Rest wurde offiziell für "ermordet" erklärt; aber Dikigoros hält es für wahrscheinlicher, daß die Betreffenden rechtzeitig vor der "Befreiung" durch Russen und Polen das Weite suchten - sie wollten schließlich nicht enden wie die Juden in Jedwabne und anderswo. Wir sprechen also bei den Zigeunern von null bis maximal 9.000 Todesopfern. Zum Vergleich: Die Zahl der im Zweiten Weltkrieg und in der Nachkriegszeit (bis zur Gründung des Staates Israel) umgekommenen Juden wird auf 300.000 bis 6 Millionen geschätzt. (Dikigoros neigt mit aller Vorsicht eher der letzteren Schätzung zu, wobei er allerdings die Opfer der Pogrome in den USA, Sowjet-Rußland, Estland, Lettland, der Ukraïne und Polen, die auf den britischen Todesschiffen vor Cypern Verreckten sowie die Gefallenen des Krieges um Palästina mit zählt.) Die Zahl der im Zweiten Weltkrieg umgekommenen Deutschen - ohne deutsche Juden und Zigeuner - wird auf ca. 10 Millionen geschätzt; und in der Nachkriegszeit dürften noch einmal so viele Deutsche von den Alliierten ermordet worden sein, sei es in den berüchtigten Kriegsgefangenenlagern, sei es bei Flucht und Vertreibung, sei es, daß wildgewordene Besatzer wie der Kindermörder Ernest Hemingway sie einfach so abknallten, weil es ihnen Spaß machte, sie zu "jagen" - alles nachzulesen in seinen Memoiren, die sicher ehrlicher sind als die einer Leni Riefenstahl. Exkurs Ende.]

Leni Riefenstahl hatte bereits über 50 Prozesse ob solcher und ähnlicher Vorwürfe hinter sich, und sie ausnahmslos gewonnen, auch die Schadensersatzklage der Tiefland-Zigeuner (und zwar der richtigen, nicht der selbst ernannten Rechtsnachfolger von heute); es hätte also schon jemand auf die Idee kommen müssen (aber in der Bananen-Republik Deutschland ist ja nichts unmöglich :-), daß vermeintliche Ansprüche aus angeblicher Ausbeutung von Filmschauspielern nie verjähren, wohl aber rechtskräftige Gerichtsurteile aus dem Jahre 1949. Und die Stänkereien eines selbst ernannten "Auschwitz-Komitees" gegen die anläßlich ihres 95. Geburtstages abgehaltene Bilder-Ausstellung hatten gar nichts erreicht; vielmehr nutzte Riefenstahl den Rummel als Reklame durch die Hintertür und machte prächtige Umsätze. Warum hätte sie sich da ausgerechnet von den "Roma" erpressen lassen sollen, jenem kleinsten, lautesten und frechsten Stamm der Zigeuner, der seit einiger Zeit dreist für sich in Anspruch nimmt, alle Angehörigen dieses Volkes zu vertreten? Dann hätten ja auch eines Tages irgendwelche Gauner daher kommen und behaupten können, die Nachkommen der von ihr fotografierten Nuba-Neger und Maladwip-Korallen zu vertreten, und sie erneut auf Schadensersatz in Millionenhöhe verklagen - wegen "Ausbeutung durch Reisefotos". Einen Fehler hat Riefenstahl allerdings begangen: In einem leichtfertigen Interview behauptete sie, keinem der Zigeuner-Statisten in "Tiefland" sei bei den Filmarbeiten mit ihr auch nur ein Haar gekrümmt worden; eine Zigeunerin namens Zäzilia Reinhardt hat daraufhin mittels einer eidesstattlichen Versicherung glaubhaft gemacht, daß ihr sehr wohl ein paar Haare gekrümmt wurden, und zwar von Leni Riefenstahl persönlich; die habe sie nämlich durch faschistoïdes "Anschreien" gezwungen, ihr Haar nicht offen zu tragen, sondern mit einem Knoten, bloß weil das so im Drehbuch stand. Pfui, dreimal pfui! Leni Riefenstahl sah ihren Fehler ein und nahm diese ihre unrichtige Behauptung zurück - außergerichtlich. Bevor Leni Riefenstahl von weiteren armen Opfern verklagt werden konnte, starb sie am 8. September 2003 in ihrem eigenen Haus (also ohne die notleidenden Krankenhäuser bereichert zu haben - ein weiteres Sakrileg, das ihr noch lange anhängen dürfte :-) am Starnberger See.

Nachtrag. Riefenstahl-fans haben Dikigoros gefragt, ob er denn gar kein gutes Wort für sie finden könne, nun, da sie tot ist? Aber das letztere ist wohl das schlechteste Argument, das man für ein solches Ansinnen finden kann - Dikigoros hält es statt mit "de mortiis nihil nisi bene" mit "de mortiis nihil nisi verum". Und was sind schon "gute Worte"? Er bewundert ihre Fähigkeiten als Regisseurin, und es imponiert ihm, daß sie bis ins hohe Alter sportlich-fit geblieben ist. Aber er hat kein Verständnis für sie. Doch, mit einer Ausnahme: Anläßlich ihres 100. Geburtstags soll sie gesagt haben: "Es ist traurig, alt zu werden." Vielleicht ist das der einzige ehrliche Satz, den sie nach 1945 gesprochen hat - und damit hätte sie anderen alt gewordenen Prominenten ihrer Zeit, wie Max Schmeling, Heinz Rühmann oder Johannes Heesters, wenigstens etwas voraus. Aber in der Sache ist das nun wahrhaft keine großartige neue Erkenntnis - darauf wäre Dikigoros mit zunehmendem Alter noch von selber gekommen.


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