* SPORT UND SPIELE *
* VON OLYMPIA NACH ATHEN *
VON ATHLETEN UND OLYMPIONIKEN,
MEDALISTEN UND ANABOLISTEN
[Ringe]
"Ich rufe die Jugend der Welt..."
Die Lügen von gestern sind
die Wahrheit von morgen.
"YOU DIE FOR IT"

[Sterbender Sportler]
EIN KAPITEL AUS DIKIGOROS' WEBSEITE
REISEN DURCH DIE VERGANGENHEIT
GESCHICHTEN AUS DER GESCHICHTE

Fortsetzung von Teil 3

[Kalender][25 Pesos][Kalender]

Die XIX. Olympischen Spiele in Mexico bilden eine deutliche Zäsur, insoweit der Sport zum Selbstzweck wird. Bei aller Heuchelei um den Amateur-Status (an dem man nach außen festhält, obwohl die meisten Athleten längst nur noch zum Schein bei irgendwelchen - meist staatlichen - Arbeitgebern beschäftigt sind, die sie in der Praxis rund um die Uhr zum Training frei stellen, bei fortlaufenden Bezügen, versteht sich) wird man jetzt endlich professionell, wenn es um Leistungssteigerungen geht - die Zuschauer gieren nach neuen Rekorden. Nein, nicht nur die Medizinmänner haben aufgerüstet, sondern auch die Gerätehersteller und Techniker: Weiche Schaumgummi-Matten anstelle der alten harten Sandkästen ermöglichen neue Höchstleistungen im Hoch- und vor allem im Stabhochsprung, und griffige (selbst bei Regen!) Tartanbahnen anstelle des alten Asche-Geläufs ebensolche im Sprint. Nein, liebe Leser, nicht auf den Langstrecken - dafür sind sie eher hinderlich, wenn nicht sogar schädlich. Damals merkt man es noch nicht so, da man erst am Anfang einer unheilvollen Entwicklung steht und vorläufig nur die Vorteile sieht: Die Sprinter werden schneller, und denen gilt das Haupt-Augenmerk der Rekord-Jäger. Im Laufe der Jahre wird man den Untergrund immer härter zementieren und die Gummischicht darüber immer dünner werden lassen - für die Kurzstrecken ist das gut. Aber auf den langen Distanzen ruinieren sich die Läufer auf die Dauer Bänder und Gelenke. Scheiß drauf, die Statistiker laufen ja nicht mit... Viel gesünder wäre es gewesen, die Leistung etwa mit der genial einfachen, aber ebenso wirksamen Erfindung des "Bürstenschuhs" zu steigern, der statt einiger weniger "Spikes" eine Vielzahl dünner einsetzte - daher der Name. Aber deren Erfinder lief zwar Weltrekord, wollte jedoch die Patentrechte nicht für'n Appel und'n Ei an eine der einflußreichen Schuh-Firmen verkaufen, also bestachen die das IOC und die IAAF, der Weltrekord wurde getilgt und die großartige Erfindung, die so segensreich hätte sein können (und bis heute sein könnte!) wurde verboten und fiel der allgemeinen Vergessenheit anheim. Als Dikigoros anfing Leichtathletik zu betreiben hatten "Laufschuhe" noch 3-5 Spikes, heute haben sie 9-13; kann ihm mal einer erklären, warum diese Verdreifachung der Spikes (oder Spikes überhaupt) erlaubt wurde, und der Bürstenschuh nicht?

Und dann waren da die neuen Techniken. Ein spanischer Diskus-Werfer (durchaus mittelmäßiger Leistungsstärke) kam auf die geniale Idee, auch die Kugel und den Speer aus der Drehung zu stoßen bzw. zu werfen. Resultat: Weltrekord. Beim Kugelstoßen liefen ihm Russen und Amerikaner bald den Rang ab - da blieb die Drehtechnik erlaubt. Beim Speerwerfen nicht - da wurde sie verboten. Begründung: So weite Würfe seien zu gefährlich für die Zuschauer! Und dann war da noch der Hochsprung... Halt, liebe Leser, da muß Dikigoros zurück blenden ins Jahr 1912. Habt Ihr Euch den Namen Hansi Fleiter gemerkt? Der sprang damals Weltrekord mit einer Art Salto, d.h. er landete auf den Händen. Da er ein Deutscher war (weshalb sonst?), wurde das verboten und vorgeschrieben, daß man auf den Beinen landen mußte. So richtig daran gehalten hat sich freilich nie jemand - wenn man im Wälzer über die Latte sprang, landete man ja auch irgendwie auf einem Bein, zwar meist zeitgleich mit einer Schulter, aber immerhin. Das sagte sich auch Mildred Didrikson 1932, die diesen Sprungstil als erste Frau richtig beherrschte. Bis zur alten Weltrekordhöhe von 1,65 m stört das auch niemanden; aber dann im Stechen - gegen eine "echte" Amerikanerin - fällt es den Kampfrichtern plötzlich wieder ein: Man, d.h. frau muß doch auf beiden Beinen zuerst landen! Didrikson werden der neue Weltrekord (1,67 m) und die Goldmedaille aberkannt (die silberne darf sie gnädigerweise behalten, obwohl sie da genauso gesprungen ist) und beendet ihre Leichtathletik-Karriere - aber darüber hat Dikigoros ja schon berichtet. [Interessiert Euch übrigens, wie sie und die Erstplazierte Jean Shiley mit dieser Entscheidung umgegangen sind? Erinnert Ihr Euch noch, was die 5.000-m-Läufer getan hatten? Sie hatten ihre Medaillen in der Mitte durchgebrochen und jeder zwei Hälften behalten. Männer... Die Damen fanden eine geschmackvollere Lösung: sie ließen einen Juwelier die beiden Medaillen zusammen einschmelzen und anschließend zwei neue anfertigen.] Wie dem auch sei, 1936 springen die Damen wieder brav im Scherensprung - die Männer dagegen praktizieren weiter den Wälzer, den sie freilich anders nennen, nämlich "Straddle", vorgebend, daß er das Besteigen eines Pferdes simuliere. (Auch Dikigoros hat diesen Stil in seiner Jugend noch erlernt und es damit immerhin bis zur Kreismeisterschaft gebracht.)

Inzwischen springen die Cracks längst weit über 2 m, es wird höchste Zeit, daß die harten Sandgruben durch weiche Schaumstoffmatten ersetzt werden. Da sieht man es auch mit den Techniken nicht mehr so eng. Und als gar ein amerikanischer Nobody, Fosbury heißt er, rückwärts über die Latte springt und auf dem Nacken landet (früher hätte man sich mit dieser Technik bei diesen Sprunghöhen das Genick gebrochen), führt das nicht etwa zu einem Verbot, sondern zu allgemeiner Erheiterung - soll sich der Spaßvogel doch lächerlich machen, das Publikum wird es ihm danken. Bei den ersten Versuchen lachen die Leute denn auch herzlich und nennen diese neue Technik schon spöttisch "Flop" [Reinfall]; doch als Fosbury die Gold-Medaille gewonnen hat und Weltrekordhöhe auflegen läßt, ist es mucksmäuschenstill im weiten Rund des Azteken-Stadions. (Den Weltrekord wird er erst etwas später packen; aber Olympia-Geschichte hat er auch so geschrieben; und der Name "[Fosbury-]Flop" bleibt erhalten, obwohl es doch alles andere als ein "Flop" war. Hätte man das vorher geahnt, würden heute sicher - wie beim Brust- und Delfin-Schwimmen - zwei unterschiedliche Hochsprung-Wettbewerbe ausgetragen: vorwärts und rückwärts über die Latte. So aber gehen die Vorwärts-Techniken binnen weniger Jahre verloren; heute beherrschen nur noch einige Omas und Opas bei den Senioren den Scherensprung und den Wälzer. Eigentlich schade.) Natürlich hat ihn auch die dünne Höhenluft begünstigt, für die Mexico City berüchtigt ist, und nicht nur ihn. Wie die Tartanbahn hat sie ein paar Vor- und noch mehr Nachteile. Letztere erneut für die Langstreckenläufer (Ronny Clarke bricht beim 10.000-m-Lauf zusammen - und diesmal ist da nichts abgesprochen, denn er geht fast drauf) und für einige Schwimmer (Mark Spitz, der mehrfache Weltrekordler, gewinnt keine einzige Gold-Medaille, pardon keine einzelne - seine Mannschaftskameraden ziehen ihn mit zu zwei Staffelsiegen), erstere vor allem für die Weitspringer, besonders für einen weiteren amerikanischen Nobody - Bob Beamon heißt er. Tartanbahn, Höhenluft und dann eine kleine, gerade noch zulässige Rückenwindböe zur rechten Zeit, und er springt einen fast unglaublichen neuen Weltrekord: 8,90 m - einen guten halben Meter über seiner bisherigen persönlichen Bestleistung.

Und das mit den Langstreckenläufern kann man doch auch in den Griff bekommen, oder? Wie wäre es, wenn sie künftig vor Wettkämpfen ins "Höhentraining" gehen, damit sich der Körper langsam an die dünne Luft gewöhnt, indem er mehr rote Blutkörperchen aufbaut als er normalerweise hat. Das kann auch im Tiefland nur von Vorteil sein, denn die transportieren den Sauerstoff in die Muskeln, und das ist für Langstreckenläufer (und Radfahrer, wie man bald feststellen wird - aber das ist eine andere Geschichte) fast noch wichtiger als für Sprinter! Gesagt, getan: Wer es sich zeitlich und finanziell leisten kann (und das werden im Zeitalter der Profis und "Staats-Amateure" immer mehr), geht vor großen Wettkämpfen - egal wo die statt finden - ins Höhentraining. Und in den Hinterköpfen kluger Juristen und Farmazeuten beginnen bereits zwei Fragen zu rumoren: Müßten nicht Leute, die von klein auf in solchen Höhen leben - z.B. Mexikaner, Kenyaner und Äthiopier - mit etwas Training ständig bessere Laufleistungen erbringen als Leute, die aus dem Flachland stammen? Und könnte man die Zahl der roten Blutkörperchen nicht auch kurzfristig auf andere Art und Weise erhöhen, d.h. ohne dieses blöde Höhentraining, das so viel Zeit und Geld kostet? Eine dritte Frage stellt sich dagegen niemand, nämlich ob die Blutverdickung, die daraus resultiert, für Menschen, die das nicht gewohnt sind, gesund ist. Bestimmt nicht - aber das ist die, die aus "natürlichem" Höhentraining resultiert, ebenso wenig. Was soll's also - muß man halt früh genug anfangen, die Körper an solche Belastungen zu gewöhnen (auch solche mentaler Art, d.h. Wettkampfpraxis kann man gar nicht früh genug sammeln)! Und solche Überlegungen werden nicht nur für den Langlauf angestellt, sondern für alle Disziplinen. Aber wie gesagt, das sind erst Zukunftspläne. 1968 sind es noch Jugendliche und jung Gebliebene, die bei Olympia ihre Kräfte messen, keine Kinder. Die Turnerinnen zum Beispiel sind durchweg richtige, erwachsene Frauen, auch der Star der Spiele von Mexiko, die Tschechin Vera Časlavska; und wenn ein paar 16- und 17-jährige Schwimmer[inne]n aufhorchen lassen, dann sind das frühreife Früchtchen, die es fysisch in jeder Hinsicht mit Erwachsenen aufnehmen können. Nehmt das bitte nicht als eine überflüssige Abschweifung, liebe Leser, sondern als eine wichtige Zäsur - da geht eine Epoche zuende.

Nun muß Dikigoros noch auf ein anderes unerfreuliches Thema eingehen, das den Sport allmählich zur Nebensache zu machen droht (vielleicht muß der sich auch nicht zuletzt deshalb mit immer fragwürdigeren Mitteln in Szene zu setzen versuchen?) - die Politik. Nein, nicht was Ihr meint, liebe Ossis, daß Ihr endlich eine eigene Olympia-Mannschaft bekamt, und auch Ihr nicht, liebe Journalisten. Gewiß, man sieht in jenen Tagen viel schwer bewaffnetes Militär auf den Straßen von Mexico - es herrscht Friedhofsruhe. (Das war übrigens vier Jahre zuvor in Tōkyō nicht viel anders; die Japaner wußten es bloß gegenüber der ausländischen Journaille besser zu verbergen, weil sie rechtzeitig vor Beginn der Olympiade "aufräumten".) Aber geben die Ereignisse von München vier Jahre später den Mexikanern (und Japanern) nicht rückblickend Recht? [Nachtrag 2006: Das kommt offenbar darauf an, wie lang oder kurz das Gedächtnis der Menschen ist. 34 Jahre nach 1972 waren die Mordanschläge der PLO-Muslime in München - auf die wir gleich zurück kommen - offenbar vergessen und vergeben - schließlich waren sie von dem braven Friedensnobelpreisträger Arafat befohlen worden! Dagegen wurde die Niederschlagung der mexikanischen "Studenten"-Revolte von 1968 nach 38 Jahren zum "Völkermord" aufgebauscht (welches "Volk" soll das gewesen sein? das "Volk der Studenten von Mexico City"?) und der damalige Innenminister Echeverría als "Mörder" verfolgt - nur sein fortgeschrittenes Alter von 84 Jahren und sein labiler Gesundheitszustand ersparte ihm lebenslängliches Gefängnis - das ist der Dank des Vaterlandes. (Wohlgemerkt, liebe Leser, man kann Echeverría eine Menge vorwerfen - aber gerade das nicht!) Wenn man Mexicos Politikern etwas vorwerfen kann, dann daß sie versuchen, die Olympiade auf dem Rücken der einfachen Bevölkerung zu einem Geschäft zu machen. Sicher, als Dritte-Welt-Land (oder "Schwellenland", das bleibt sich gleich) kann es Devisen aus dem Fremdenverkehr gut gebrauchen, aber zugleich verdirbt das auch die Preise am Austragungsort, die man hinterher nur schwer wieder auf ein vernünftiges Maß herunter bekommt - schließlich sollen sich die hohen Investitionen in "Infrastruktur" wie Hotels, Restaurants, Flughäfen und andere Verkehrsmittel ja auch langfristig rentieren! Deshalb darf es nicht beim Einmal-Tourismus bleiben: der Strom der gut betuchten ausländischen Besucher soll nicht abreißen, sondern muß zur Dauereinrichtung werden. Und wenn schon der Individual-Tourismus nicht immer nur Erfreuliches mit sich bringt für ein armes Land und seinen sozialen Frieden, dann erst recht nicht der Massen-Tourismus, wie er nun in großem Maßstab einsetzt. Hier tickt eine Zeitbombe, und die Zeche werden - nicht nur in Mexico - Lieschen Müller und Otto Normalverbraucher zu zahlen haben.

Noch viel ärgerlicher ist jedoch die politische Entwicklung bei Mexicos nördlichem Nachbarn, und da muß Dikigoros wieder etwas weiter ausholen: In den USA hatten die Gerichte in den fünfziger Jahren endlich die politische Gleichberechtigung von Bürgern aller Hautfarben durchgesetzt, und das war gut so: Wer in der Lage war, ein Kreuzchen zu machen und einen Esel (Maskottchen der Demokraten) von einem Elefanten (Maskottchen der Republikaner) zu unterscheiden, sollte auch das Wahlrecht bekommen. Und überhaupt sollte niemand aufgrund seiner Hautfarbe diskriminiert werden, sondern jeder sollte Chancengleichheit haben, d.h. die gleichen Startchancen. Dikigoros wählt diesen Vergleich mit dem Sport nicht von ungefähr, denn er zeigt, daß "Chancengleichheit" wertlos ist, wenn die Ausgangsvoraussetzungen allzu verschieden sind. Nicht umsonst gibt es im Sport unterschiedliche Gewichts- und Altersklassen und getrennte Wettbewerbe für Männer und Frauen, damit nicht einige chancenlos auf der Strecke bleiben. Es ist nun mal so, daß Männer besser boxen als Frauen, Frauen besser Seilchen springen als Männer, Juden besser Schach spielen als Muslime, Muslime besser reiten als Juden, Schwarze besser laufen und springen als Weiße und Gelbe, Weiße besser Rad fahren und rudern, Gelbe besser Pingpong und Federball spielen. (Ein paar Ausnahmen bestätigen wie überall die Regel.) Deshalb sollten Junioren und Senioren, Männer und Frauen, Weiße und Schwarze, Juden und Muslime getrennt, nicht zusammen gegen einander antreten. So sahen das die Obersten US-Richter in den 50er Jahren auch, deshalb prägten sie den Satz "separate but equal [getrennt, aber gleichberechtigt]". Dieses "aber" ist zwar nicht ganz logisch - "Wasser schwimmt getrennt von Öl, aber zwei und zwei ist gleich vier" macht in etwa genau so viel [Un-]Sinn. Aber sie hatten sich schon etwas dabei gedacht: Da die meisten Menschen lieber mit ihres gleichen zusammen leben, lieben, spielen und Sport treiben wollen als mit Fremden, Andersartigen, von denen sie lieber getrennt sind, sollte die Gleichheit nicht dazu führen, daß nun auch privat jeder Neger gezwungen wurde, im Bus oder im Restaurant neben einem "Whitey" zu sitzen, den er gar nicht mochte, geschweige denn am Arbeitsplatz oder im Ehebett - und umgekehrt. So weit, so gut.

In den sechziger Jahren kamen dann die Präsidenten Kennedy und Johnson an die Macht. Und die gelangten zu der Auffassung, daß Dikigoros da eben völligen Unsinn geschrieben hat: Wenn einige Gruppen so lange benachteiligt wurden, dann muß man doch jetzt, gewissermaßen als Ausgleich, die anderen Gruppen benachteiligen, damit die bisher Benachteiligten den ungerechten Vorsprung aufholen können. [Das erinnert Dikigoros an seinen Besuch in einer verstaatlichten Teeplantage auf Ceylon, wo er einen Riesenhaufen noch nicht richtig fermentierter neben einem Riesenhaufen überfermentierter, d.h. bereits verdorbener Teeblätter liegen sah (es ist ein sehr arbeitsaufwendiger Prozeß, die Teeblätter so zu verteilen und regelmäßig umzuschichten, daß sie gleichmäßig von der Sonne beschienen werden - viel einfacher ist es, sie auf einen großen Haufen zu schaufeln und einfach so liegen zu lassen), die eifrige Beamte im Verhältnis 1:1 vermischten. Auf seine diesbezügliche Frage erklärte ihm der oberste Sesselpupser, pardon Manager: "So erreichen wir, daß der Fermentierungsgrad im Schnitt wieder 100%ig stimmt!" Es waren die Jahre, in denen der ceylonesische Tee vom einstmals besten zum schlechtesten auf dem Weltmarkt verkam - soviel zum "Erfolg" solcher "Ausgleichs"-Aktionen.] Also müssen künftig alle zusammen laufen, springen, werfen, reiten, radfahren, schwimmen, rudern und spielen, aber Weiße bekommen beim Laufen je einen, Gelbe zwei Meter Vorgabe auf 100 m, Juden müssen Muslimen beim Schachspiel einen Turm vorgeben und Christen einen Springer oder wenigstens zwei Bauern... Halt, da schreibt Dikigoros ja schon wieder Unsinn! Nein, man muß doch unterscheiden zwischen Sport und wirklichem Leben. Im Sport geht das nicht, im wirklichen Leben schon: Schwarze Analfabeten haben bisher einen unterdurchschnittlichen Anteil an Universitäts-Studenten und Professoren gestellt - sie sind künftig bei der Vergabe von Studienplätzen und Leerstühlen bevorzugt zu behandeln. (Notfalls müssen neue geschaffen werden, auch wenn sie eigentlich nicht gebraucht werden.) Übergewichtige Frauen stellen bisher einen unterdurchschnittlichen Anteil an Soldaten - sie sind künftig bevorzugt einzustellen. Schielende Asiatinnen mit O-Beinen stellen bisher einen unterdurchschnittlichen Anteil an Schönheits-Königinnen - sie sind bevorzugt zu wählen. Weiße Kinder, die nicht auf eine schwarze Schule gehen wollen, weil dort das Unterrichts-Niveau niedriger ist, werden von der Polizei zuhause abgeholt und mit Gewalt in Busse gesetzt, die sie zu schwarzen Schulen karren; schwarzen Kindern wird der Weg an weiße Schulen von schwer bewaffnetem Militär frei geschossen. (Im Ergebnis führt das nur dazu, daß die Weißen, die es sich leisten können, an andere Orte ziehen, unter Zurücklassung schwarzer Ghettos, die bald immer mehr verarmen, schließlich zu Slums werden und damit die Trennung erst vollkommen machen; denn dort kann sich - all den schönen neuen Gesetzen und Urteilen zum Trotz - bald kein Weißer mehr blicken lassen, selbst wenn er wollte, ohne Geld oder Leben zu riskieren. Aber so weit können die Strohköpfe Kennedy und Johnson und ihre Berater nicht denken.) Die Diskriminierung der Fähigen zugunsten der Unfähigen wird gesetzlich verankert ("equal opportunity" und "affirmative action" nennt man das); und wer sich daran nicht hält, bekommt ab sofort keine Staatsaufträge mehr. Das glaubt Ihr alles nicht, liebe nicht-amerikanische Leser? Es ist auch unglaublich - aber leider nur zu wahr; und erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts werden die Gesetze gelockert - und in einigen Bundesstaaten sogar aufgehoben.

Wen wundert es, daß radikale Schwarze angesichts derart schwachsinniger weißer Politiker, Gesetzemacher und Richter zu der Überzeugung gelangen, daß solche Leute sie eigentlich nicht mehr regieren dürften? Es ist ja oft so bei politischen Reformen, die zwar gut gemeint, aber nicht richtig durchdacht sind, daß die Begünstigten sie nicht als Entgegenkommen, sondern als Zeichen von Schwäche verstehen (nicht immer zu Unrecht) und statt des dargebotenen kleinen Fingers gleich die ganze Hand abhacken wollen. So auch hier: Charismatische Persönlichkeiten wie Malcolm X (der Führer der schwarzen Muslime) und Martin Luther King (der Führer der schwarzen Christen) predigen den gewaltsamen Umsturz; sie wollen die Macht, die schwarze Macht: "Black Power". (Nein, liebe Leser, auch wenn es in Euren Schulbüchern anders steht: Martin Luther King war ebenso wenig wie sein deutscher Namensvetter viereinhalb Jahrhunderte zuvor ein Apostel der Gewaltfreiheit - im Gegenteil. Heute bezeichnet man ihres gleichen als "Haßprediger". Daran ändert auch nichts, daß sich beide, als sie die Geister, die sie riefen, nicht mehr wieder los wurden, von ihnen verbal distanzierten.) Zeichen dieses Macht-Anspruchs ist die geballte, möglichst schwarz behandschuhte Faust am hoch gereckten Arm. Malcolm X und MLK werden von anderen Fanatikern umgebracht (letzterer im Jahre der XIX. Olympiade), und das ist gut so. Aber was hilft das? Wenn man der Hydra des schwarzen Rassenhasses einen Kopf abschlägt, wachsen gleich mehrere neue nach. Malcolm X und MLK waren durchaus keine daher gelaufenen Dummschwätzer, sondern Mulatten von messerscharfem Verstand und geradezu Goebbels'scher Demagogie, pardon Beredsamkeit (sie steckten ihre revolutionären weißen [Zeit-]Genossen von Rudi Dutschke bis Che Guevara - die etwa zur gleichen Zeit getötet wurden - allemal in die Tasche); und dieser Tod macht sie nur zu Martyrern und Vorbildern für andere, geistig weniger hoch stehende. Zum Beispiel für den Olympiasieger von 1960 im Boxen, Cassius Clay, der inzwischen Profi-Weltmeister geworden ist. Dieser dumme, großmäulige Halb-Neger trägt den Namen eines berühmten römischen Generals, aber er verwechselt das wohl mit Spartacus (obwohl der ja nicht minder berühmt war - aber das ist eine andere Geschichte), legt seinen vermeintlichen "Sklavennamen" ab, konvertiert zum Islam und nennt sich fortan "Muhammad Ali", nach einem arabischen Sklavenhändler, der vielen tausenden Schwarzen eine kostenlose Schiffs-Passage von Afrika nach Amerika (einigen auch ins Jenseits) verschaffte. Cassius-Muhammad verweigert den Wehrdienst, und seine Goldmedaille - dieses Zeichen kapitalistischer Ausbeutung der armen Schwarzen durch die bösen Weißen - wirft er demonstrativ weg.

[Black Power]

Warum erzählt Euch Dikigoros das alles? Weil er doch irgendwie erklären muß, weshalb Tom Smith und Juan Carlos, die Gold- bzw. Silbermedalisten im 400-m-Lauf, disqualifiziert und auf Lebenszeit gesperrt werden: Sie sind Black Muslims, und bei der Siegerehrung recken sie die Faust zum Black-Power-Gruß nach oben. Das läßt ihnen Avery Brundage, der alte Rassist, nicht durchgehen - und das ist gut so, weil Politik auf einer Olympiade selbstverständlich gar nichts zu suchen hat. Hm... wenn man denn konsequent wäre. Als ein Reporter Vera Časlavska fragt, wie sie sich auf die Olympiade vorbereitet habe, antwortet die Tschechin: "Ich konnte überhaupt nicht trainieren, weil meine Heimat von russischen Panzern besetzt ist." Sie hat ja Recht (und viel Mut), das anzusprechen - obwohl ihre Aussage sicher nicht der Wahrheit entspricht (oder standen die russischen Panzer etwa auch in den Turnhallen?) - aber wird hier nicht mit zweierlei Maß gemessen? Haben die Tschechen mehr Grund, sich über ihr Los zu beklagen als die US-Neger? Nach all den ungeheuren Verbrechen, die sie selber im 20. Jahrhundert begangen haben, vor allem ihrem Völkermord an den Deutschen in Böhmen und Mähren - von deren angeblicher Terror-Herrschaft sie die Sowjet-Russen doch bloß befreit haben? Sind die Tschechen nicht furchtbar undankbar gegenüber diesen ihren Befreiern? Dikigoros findet, daß ihnen das alles nur Recht geschieht, daß sie eigentlich noch viel mehr Strafe verdient hätten. Nur ein toter Tscheche... pardon, das ist eine andere Geschichte. Unabhängig davon zeugt es von schlechtem (freilich typisch tschechischem) Stil, wenn die aufgehetzte Bevölkerung von Prag die alten Pflastersteine der k.u.k. Zeit ausbuddelt und sie 18-jährigen Rekruten der Roten Armee an den Kopf wirft, sobald sie den aus ihren Panzern stecken. Die wissen gar nicht, wie ihnen geschieht - ihnen hat man nämlich erzählt, sie müßten die Tschecho-Slowakei erneut von deutschen Faschisten "befreien"! Hand auf's Herz, liebe Leser: Hättet Ihr Euch an deren Stelle nicht auch schleunigst in Eure Panzer zurück gezogen und die bösen Faschisten zusammen geschossen oder überrollt?

Exkurs. An dieser Stelle muß Dikigoros ein paar Zeilen einschieben zum Thema "Disqualifikation aus politischen Gründen". Wer bestimmt eigentlich, wer nachträglich disqualifiziert wird bzw. wer gar nicht erst starten darf? Ersteres entweder das NOC oder, wenn das mauert, das IOC. Letzteres, das haben wir ja schon gesehen, der Ausrichter: Wen er nicht einlädt, der kann nicht mitmachen. Aber diese Einladung richtet sich ja nicht an einzelne, sondern an ganze Nationen. Wer bestimmt innerhalb derer, wer mit fährt und wer nicht? Natürlich das NOC, sollte man doch vermuten - oder? Aber hat das überhaupt die notwendige Kompetenz, darüber zu entscheiden? Nun, dafür gibt es ja die Fachverbände; z.B. wird der DFB darüber entscheiden, wer für das Fußball-Turnier aufgestellt wird, und... Moment mal - hat denn der DFB die notwendige Kompetenz, neben der sportlichen auch die politische Eignung der Teilnehmer, sprich ihre einwandfreie Gesinnung zu überprüfen? Da müssen doch spätestens seit Oktober 2007 ernsthafte Zweifel angemeldet werden. Folgendes war geschehen: Ein junger Iraner - im Iran geboren von reinrassigen iranischen Eltern und iranischer Staatsbürger - sollte als "Fußball-Deutscher" (er spielte in der Bundesliga) für ein Europameisterschafts-Qualifikationsspiel der DFB-Auswahl in Israel antreten. Nun gibt es aber im Iran ein Gesetz, das schwere Strafen vorsieht für einen Staatsangehörigen, der das zionistische Israel betritt; und so weigerte sich denn der junge Mann, mitzureisen. Diese Weigerung weitete sich zum ersten großen Sportskandal der BRD im neuen Jahrtausend aus, denn sofort meldete sich eine Institution zu Wort... Nein, nicht der Verfassungsschutz, was verstehen denn die von Fußball? Nein, es war vielmehr der Zentralrat der Juden, der das Verhalten des jungen Iraners scharf rügte und erklärte, so ein "Anti-Semit" dürfe künftig nicht mehr "für Deutschland" spielen!

Jawohl, liebe Leser, Ihr habt ganz richtig gelesen: Künftig bestimmt der Zentralrat der Juden, wer vom DFB für Länderspiele nomiert werden darf und wer nicht. Da muß auch Dikigoros erstmal tief durchatmen und dann kurz nachdenken, bevor er weiter schreibt. Nein, er will hier nicht noch mal die Frage aufwärmen, wie falsch oder richtig es ist, Ausländer für "National"-Mannschaften von Nationen aufzustellen, denen sie nicht wirklich angehören - das hatten wir ja schon. Es wird uns auch nicht viel weiter bringen zu fragen, ob es falsch oder richtig ist, Israel bei einer "Europa"-Meisterschaft mitmachen zu lassen. (Was spricht dafür? Daß dort viele aus Europa eingewanderte Juden bzw. deren Nachkommen leben? Aber dann müßte man auch die amerikanischen Länder teilnehmen lassen! Daß der asiatische Fußballverband es aus politischen Gründen ausgeschlossen hat? Aber dann hätte man auch Süd- und Südwest-Afrika und Rhodesien, als dort noch die Weißen regierten, an der "Europa"-Meisterschaft teilnehmen lassen müssen! Daß auch die Türkei mitmachen darf? Das ist kein Grund - die hat nämlich in der UEFA ebenso wenig verloren!) Denn selbst wenn nicht, dann würde das gleiche Problem ja bei der nächsten Weltmeisterschaft wieder auftreten! Aber ist das überhaupt ein "nationales" Problem - oder nicht vielmehr eines des Einzelfalls? Der junge Mann kann doch selber frei entscheiden: Entweder er bricht mit seinem Heimatstaat und dessen Politik, d.h. er fährt mit nach Israel und kehrt nie wieder zurück nach Hause zu seinen Eltern und Verwandten, jedenfalls nicht bevor das verfluchte Mullah-Regime dort endlich gestürzt ist (zu Zeiten des Schah lebten der Iran und Israel immer in bestem Einvernehmen!); oder aber bekennt sich zu seinem Heimatstaat und verzichtet künftig darauf, nicht nur in Israel, sondern überhaupt noch für den DFB zu spielen. (Letzteres wäre Dikigoros' Empfehlung - die er freilich niemandem aufdrängen will. Er selber hat sich übrigens nie um eine Entscheidung gedrückt, wenn er auf Reisen ging: Er hat sich immer alle Visa in seinen Paß stempeln lassen, nicht auf ein Extrablatt, weil es mit Stempeln des Iran - damals noch unter dem Schah -, Taiwans, Israels oder des weißen Südafrikas im Paß bei der Einreise in gewisse andere Länder Probleme hätte geben können: Auf den Besuch solcher Länder hat er stets dankend verzichtet!) Dikigoros hätte auch gar nichts dagegen, wenn der Zentralrat der Juden in solchen Angelegenheiten ein Mitspracherecht erhielte, die ihn wirklich etwas angehen, z.B. bei der Einreise von angeblichen Juden aus der ehemaligen UdSSR - da sollte er mal eine lebenslange Einreisesperre aussprechen, wenn jemand sich unter falscher Flagge in der BRDDR einzuschmarotzen versucht und dabei die jüdischen Gemeinden in Berlin oder sonstwo überfremdet! Aber im Fußball? Denkt doch mal einen Schritt weiter: Was, wenn demnächst der Zentralrat der Muslime in Deutschland ein Veto einlegt gegen einen jüdischen Spieler, der nicht im Iran oder in irgendeinem anderen muslimischen Drecksstaat spielen will, wo ihm Ungemacht drohen könnte, und ihn darob lebenslang sperrt? Oder wenn der Zentralrat der Neger in Deutschland - der sicher bald gegründet werden wird (wenngleich vermutlich unter anderem Namen :-) - einen weißen Spieler auf Lebenszeit sperren kann, der sich weigert, an der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 teilzunehmen, die der Verbrecher Blatter an das schwarze Terrorregime von Südafrika vergeben hat, wo die Kriminalitätsrate höher ist als in allen anderen Ländern der Welt, von Afģānistān bis ZaïreKongo? Würde man ihm glauben, daß er Angst hat, dort überfallen, ausgeraubt oder ermordet zu werden, oder würde man nicht unwiderlegbar vermuten, daß er ein böser "Rassist" sei? Nun, auch das mag noch angehen, solange genügend Dumme übrig bleiben, die sowohl in Israel als auch im Iran als auch in Südafrika zu spielen bereit sind... Was aber, wenn eines Tages die Zentraljuden darauf bestehen, daß nur Zionisten mitspielen, die Zentralmuslime darauf, daß nur Anti-Zionisten mitspielen und die Zentralneger darauf, daß nur Farbige mitspielen? Dikigoros weiß es nicht. Er weiß nur, daß sich andere Länder da nicht so leicht reinreden lassen und auch mit dem Sperren von Sportlern aus politischen Gründen etwas zurückhaltender sind: Die Niederländer z.B. haben Johan Cruyff nicht gesperrt, als der sich bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1978 weigerte, gegen die "fascistoïden" Argentinier zu spielen und die Elftal so um den Gewinn der Weltmeisterschaft brachte. Exkurs Ende.

Nachtrag zum Exkurs. Dikigoros hat Recht behalten in Sachen Zentralrat der Neger in Deutschland unter anderem Namen: Im Sommer 2009 trat erstmal die so genannte Initiative Schwarze Menschen in Deutschland ins Licht der Medien, eine ganz offen rassistische Vereinigung, deren Satzungzweck u.a. die "Förderung des schwarzen Bewußtseins" und "die Vernetzung schwarzer Menschen" ist. (Gleichwohl wurde sie ins Vereinsregister eingetragen und vom Finanzamt als "gemeinnützig" anerkannt; stellt Euch mal vor, jemand würde eine "Initiative Weiße Menschen in Deutschland" gründen, deren Satzungszweck die "Förderung des Weißen Bewußtseins" und "die Vernetzung weißer Menschen" wäre - der würde sofort in den Knast gesteckt, als Gründer einer "kriminellen Vereinigung", die selbstverständlich sofort enteignet und aufgelöst würde!) Zwar machte sie (noch) nicht durch Eingriffe in sportlicher und auch nicht in menschlicher Hinsicht Schlagzeilen, aber immerhin in tierischer. Nein, sie hatte ein Jahr zuvor nicht verhindern können, daß die bösen, rassistischen Deutschen einen weißen Eisbären zum liebsten Tier der Nation erkoren (während der arme Braunbär Bruno kaltblütig ermordet wurde); aber als es nun der Dresdner Zoo wagte, ein aus Kenya stammendes Affenbaby nach seinem Landsmann Barack Hussein Obama zu benennen - den die US-Amerikaner gerade in einem Anfall kollektiver geistiger Umnachtung zu ihrem Präsidenten gewählt hatten -, da hatten die Macher von ISD ihren großen Auftritt: Das sei doch eine rassistische Beleidigung! (Des Äffchens?) Und so erreichten sie tatsächlich, daß der Zoo das gute Tier kleinlaut umbenannte. (Wieso auch nicht - auch Obama hat sich ja umbenannt, von "Barry" in "Barack", um zu demonstrieren, daß er ein besonders guter Muslim ist :-) Wartet mal ab, liebe Leser, wie lange es dauert, bis der Bundestrainer keinen Fußballer mit dem Vornamen "Thomas" mehr aufstellen darf (und bis Ihr am Ende Eure eigenen Kinder nicht mehr "Thomas" nennen dürft), weil das irgendeinen Neger an "Onkel Toms Hütte" erinnern könnte! Nachtrag Ende.

Zurück ins Jahr 1968. Die Black Muslims waren damals nicht die einzigen, die disqualifiziert wurden; vielmehr gab es auch den ersten Fall einer Disqualifikation wegen Dopings. Nanu - fing das nicht erst in den 70er Jahren an? Wohl wahr, liebe Leser, wohl wahr. Aber nun muß Euch Dikigoros kurz etwas über die Geschichte des Biertrinkens in Skandinavien im allgemeinen und in Schweden im besonderen erzählen. Schon die alten Wikinger tranken mit Begeisterung ihr "Øl" (wahrscheinlich schmeckte es ebenso mies wie das englische "Ale" - aber über Geschmäcker soll man ja nicht streiten :-). Als jedoch die USA nach dem ersten Weltkrieg die Prohibition einführten, wollten auch die Schweden nachziehen. Zwar scheiterte der Gesetzentwurf, Alkoholika ganz zu verbieten, knapp im Parlament (woraufhin sich Außenminister Hederstierna vor Freude so besoff, daß er von seinem Amt zurück treten mußte - ein wohl einmaliger Fall in der Geschichte :-), aber dem Finanzminister fiel etwas viel besseres ein: Alkoholische Getränke wurden derart hoch besteuert, daß de facto der gleiche Effekt wie durch eine Prohibition erzielt wurde; und wer sie sich trotzdem leisten wollte und konnte, spülte ordentlich Geld in das stark defizitäre Staatssäckel. So weit, so gut - wen die Einzelheiten interessieren, kann sie hier nachlesen. Nun sollten ja Sportler eigentlich gar keinen Alkohol trinken, schon gar nicht Spitzensportler während einer Olympiade. Aber wie das so ist... in Mexiko ist es immer heiß, der Sport macht durstig, und das mexikanische Bier schmeckt ganz vorzüglich - das kann Euch Dikigoros aus eigener Erfahrung versichern. Und so begab es sich, daß der schwedische Fünfkämpfer Hans Gunnar Liljeavall - der zuhause so oft auf dem Trockenen sitzen mußte - während des Wettkampfes zwei Glas Bier zu sich nahm; und als er mit der schwedischen Mannschaft die Bronze-Medaille im Modernen Fünfkampf gewonnen hat, erinnert sich irgendein US-Amerikaner, was die Schweden 1912 mit Patton angestellt hatten, und legt Protest ein. Aber seit wann gilt Biertrinken denn als Doping? Seit 1968, denn erstens ist Doping überhaupt erst seit 1968 verboten, und zweitens soll Liljeavall es vor dem Pistolenschießen getrunken haben, damit ihm die Hand nicht so zitterte. [Das ist natürlich nur ein Vorwand, um ihn disqualifizieren zu können: Niemand wäre so blöd, vor dem Schießen Alkohol zu trinken, denn das macht die Hand gar nicht ruhiger, sondern im Gegenteil unruhiger; und 1972 werden 14 Fünfkämpfer vor dem Pistolenschießen Beruhigungsmittel (für alle, die des Deutschen nicht mehr mächtig sind: "Tranquilizer") einnehmen; als die deutschen Kampfrichter sie daraufhin wegen Dopings sperren wollen, wird das IOC diese Entscheidung wieder aufheben - voilà.] Mit Liljeavall verliert auch die schwedische Mannschaft ihre Medaille.

A propos Doping: Das Diskus-Werfen gewinnt ein alter Deutsch-Amerikaner: Al Oerter. Und nun kann wohl niemand mehr die Augen davor verschließen, daß da nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Dikigoros will es Euch verraten: Oerter war ganz einfach seiner Zeit voraus; er war der Pionier des Dopings mit anabolen Steroïden, lange bevor das überall - auch auf Anweisung und unter Aufsicht der Trainer und Ärzte - praktiziert wurde. Nein, er hat es Dikigoros nicht persönlich gebeichtet, aber einigen Sportfreunden, die Dikigoros sehr gut kennt, die auch selber dopen, und ihre Darstellung war so schlüssig und glaubhaft, daß Dikigoros keinen Grund hat, an ihrem Wahrheitsgehalt zu zweifeln. Wohlgemerkt, er war immer vorsichtig, hat sich nicht ununterbrochen voll gedröhnt, sondern nur alle vier Jahre 6-8 Wochen vor der Olympiade - das erklärt auch die langen Wettkampf-Pausen - und das noch bis ins hohe Alter fortgesetzt. (Fast hätte er sich 1996 noch einmal qualifiziert, für Atlanta - niemals hätte das NOC der USA zugelassen, daß etwa eine Doping-Probe von ihm genommen oder gar veröffentlicht würde!) Irgendwie kann man diesen komischen Kauz nicht mit anderen Dopern vergleichen. Aber Dikigoros wollte Euch diesen hübschen Kontrast nicht vorenthalten zwischen einem harmlosen Biertrinker, der wegen "Dopings" disqualifiziert wird, und einem notorischen Wiederholungstäter, der sein Leben lang dopen konnte, ohne darob jemals behelligt zu werden. Und noch ein Kontrast, den Sportlerinnen zum Gefallen: Im olympischen Diskuswerfen erfolgreicher als Al Oerter war - jedenfalls wenn man das Motto "Dabei sein ist alles" ernst nimmt - eine Frau: die Rumänin Lia Manoliu, die sage und schreibe an sechs Olympischen Spielen teilnahm und es jedes Mal unter die ersten 10 schaffte. 1952 war sie noch zu jung, 1956, 1960 und 1964 hatte sie mit ihren doch eher bescheidenen Weiten (die in etwa denen von Dikigoros entsprachen :-) keine Chance gegen die bulligen Tunten, und 1972 wird sie zu alt sein; aber diesmal, in Mexico, gewinnt sie Gold. (Zur Belohnung macht man sie später zum Präsidentin des rumänischen NOK.) Und da aller guter Dinge drei sind und um unter Beweis zu stellen, daß im Diskuswerfen offenbar die längsten Leichtathletik-Karrieren möglich sind: Die Dritte im Bunde ist eine Altersgenossin von Oerter, die man leicht übersieht, da sie im Leben viele verschiedene Namen getragen hat: In Melbourne hatte sie als Tschechin "Olga Fikotová" die Goldmedaille gewonnen, sich dann mit einem amerikanischen Hammerwerfer namens Connolly in die USA abgesetzt, für die sie in Rom, Tōkyō, Mexico und München startete, nachdem der Depp sie geheiratet hatte. (Später wird sie ihm mit einem Gewichtheber davonlaufen und ihre neue Wahlheimat mit kommunistischer Anti-US-Propaganda beglücken.) Und da wir wieder bei den "à propos", den Diskuswerferinnen und den Kommunisten sind, darf Dikigoros auch noch ganz kurz an die ganz lange olympische Karriere der Franka D. erinnern, die erst für die "DDR" und später für die "BRD" Erfolge mit der kleinen runden Scheibe feierte.

* * * * *

Aber zurück zur Chronologie. September 1970. Überall auf der Welt laufen die Vorbereitungen zur nächsten Olympiade - die in Deutschland statt finden soll - auf Hochtouren: Langfristige Programme zu dia-, pardon anabolischen Mastkuren für wandelnde Fleischberge... Überall auf der Welt? Nein, ein kleines Dorf, pardon Land, hat andere Sorgen. Dafür muß Dikigoros noch einmal drei Jahre zurück blenden. Da wollten die arabischen Staaten Israel von der Landkarte vertilgen. Die Juden wollten sich aber nicht "ins Meer werfen" lassen, sondern schlugen ihrerseits zu, besetzten u.a. Judäa (mit [Ost-]Jerusalem und Bethlehem) und Samaria (mit Nazareth) [diese Namen haben hoffentlich auch nicht-jüdische Leser schon mal gehört] und warfen die Palästinenser hinaus. Nein, das war nicht nett, aber Dikigoros kann es gut verstehen, ebenso wie er gut versteht, wenn die christlichen Serben ihr Stammland, das Amselfeld, nicht den albanischen Muslimen überlassen wollen. (Nein, liebe deutsche Leser, zieht bitte keine falschen Parallelen. Stammland der "Preußen" ist nicht das so genannte Land der Pruzzen, sondern das heutige Brandenburg!) Was die Palästinenser daraufhin taten, war aber auch nicht nett: Sie ließen sich als "arme Flüchtlinge" von Jordanien aufnehmen; zum Dank haben sie sich dann dort dem Terrorismus zugewandt und versuchen nun, den haschemitischen König Hussein (im Volksmund besser bekannt als "Pipifax"; er war zumindest körperlich arg klein geraten) zu stürzen. Das ist aber dem wiederum nicht recht, und nun schlägt er endlich zu und macht die PLO ["Palästinensische Befreiungs-Organisation"] in seinem Land fast platt. Fast, denn leider entwischt ihr Anführer, der Bandit 'Yāsir' 'Arafāt, und auch die meisten Mitglieder seiner Schutz-, pardon Terror-Staffel "Fatah", in deren Sprache der gescheiterte Putschversuch als "Schwarzer September" eingeht.

[Medal] [Plakat] [Medal]

A propos schwarz: Haben da doch ein paar schwarze Hochstapler einen "Obersten Afrikanischen Sportrat" gegründet - wie einst Coubertin das IOC - und beschlossen, Rhodesien von der nächsten Olympiade auszubooten. Sie drohen dem IOC: "Wenn das böse rassistische Regime in Salisbury teilnehmen darf, dann boykottieren wir." Na wenn schon. Sportlich gesehen wäre das kein großer Verlust, denn die Afrikaner beherrschen die Leichtathletik noch längst nicht in dem Maße, wie wir das heute gewohnt sind - nein, auch nicht die Äthiopier, Kenyaner und Tanzanier die Lang- und Mittelstrecken-Läufe, wie wir gleich sehen werden. Und finanziell gesehen wäre ein Boykott dieser Pleitegeier sogar eine große Ersparnis, denn die afrikanischen Staaten haben, noch kein Jahrzehnt nachdem die meisten unabhängig geworden und damit unter die Herrschaft unfähiger und korrupter Neger-Häuptlinge (Nyerere, Kenyatta, Idi Amin, Mobutu usw.) geraten sind, bereits derart abgewirtschaftet, daß sie nicht mal die Reise nach München aus eigener Tasche bezahlen können bzw. wollen - sie erwarten selbstverständlich, daß die reichen Deutschen das tun und sie nicht nur einladen, sondern auch aushalten! Aber das IOC - an dessen Spitze noch immer der alte Rassist Avery Brundage steht - will sich nicht schon wieder erpressen lassen, wie ein paar Monate zuvor bei den "olympischen" Winterspielen (als ob die alten Griechen jemals eine der dort ausgetragenen Sportarten ausgeübt hätten!) in Sapporo: Da wollte Brundage 40 Teilnehmer als "Profis" ausschließen, weil sie Werbeverträge hatten; aber der Weltskiverband hat daraufhin gedroht, nicht nur die Olympischen Spiele zu boykottieren, sondern seinerseits eine Weltmeisterschaft zu veranstalten, zur selben Zeit und am selben Ort. Zähneknirschend hatte Brundage nachgegeben, mit einer Ausnahme: Der weltbeste Skiläufer, Karl Schranz aus Österreich, mußte demonstrativ ausgeschlossen werden, weil er es gewagt hatte, in einem Trikot, auf dem Werbung für einen Kaffee-Röster war, Fußball zu spielen! (Erinnert Ihr Euch noch an den Fall Thorpe, liebe Leser?) Das österreichische NOK will daraufhin die Spiele boykottieren - die damit zu einer Farce würden, denn die Ostmärker stellen (neben ein paar Bayern und ein paar Südtirolern) noch immer die weltbesten Wintersportler; aber Schranz selber bittet sie, da nicht zu tun: Er ist ein fairer Sportler, und er will anderen Sportlern nicht das Vergnügen zerstören, bloß wegen so eines korrupten Schweins wie Brundage, das eh bald abtreten wird. So kommt das letztere mit einem blauen Auge davon, und um sich nicht auch noch einen Schlag auf das andere einzufangen, beschließt es: Rhodesien darf mitmachen unter der Bedingung, daß es ein gemischt-rassiges Team schickt und unter britischer Kolonialflagge antritt. Jawohl, Großbritannien hat den weißen Rhodesiern - und Südafrikanern - die Unabhängigkeit verweigert, die es allen schwarzen Kolonien gewährt hat, und das aus guten Grund. Nein, nicht dem vorgeschobenen der Rassen-Diskriminierung. Vielmehr floriert die Wirtschaft dieser beiden "abtrünnigen Kolonien" im Süden Afrikas, die noch das Glück haben, von Weißen regiert zu werden, nicht von schwarzen Banditen wie Robert Mugabe oder Winnie Mandela und ihrem [Hampel-]Mann, trotz einsetzenden Boykotts der Gutmenschen in aller Welt prächtig; diese Steuereinnahmen will Großbritannien, das ebenfalls abgewirtschaftet hat (so weit, daß es nun doch der EWG beitreten will - aber das ist eine andere Geschichte) nicht so einfach aus der Hand geben. Die in die Unabhängigkeit entlassenen schwarzen Kolonien dagegen sind schon lange Zuschußgebiete, trotz der auch dort reichlich vorhandenen wertvollen Rohstoffe - aber es ist günstiger, die den neuen Neger-Staaten billig abzukaufen, ohne die gleichzeitige Verpflichtung einzugehen, als Kolonialmacht auch die Kosten für Verwaltung und vor allem für Sozialleistungen aufzubringen.

So weit, so gut. Aber die Deutschen als Ausrichter haben die Hosen gestrichen voll. Die neue Regierung der sozial-liberalen Weich-Eier, pardon "Koalition" nennt sich dieses Gelege ja, hat in noch kürzerer Zeit abgewirtschaftet als die Neger-Häuptlinge in Afrika, steht vor dem Sturz und braucht einen Propaganda-Erfolg zehnmal dringender als Hitler 1936 - und dessen Olympiade will man doch gerade übertrumfen! In Berlin waren damals Neger, Juden und Asiaten die Stars der Spiele gewesen, wo kämen wir hin, wenn die ausgerechnet diesmal ausblieben... Es ist schon peinlich genug, wenn man aus Rücksichtnahme auf die DDR die Spiele statt in Berlin - das auf dem Papier immer noch Hauptstadt der BRD ist, Bonn gilt offiziell nur als "Provisorium" - in der bayrischen Hauptstadt München durchführt, sehr zum Leidwesen der alten Preußen, die das den weiß-blauen Bazis gar nicht gönnen. Das deutsche NOK bekniet also das IOC, der Erpressung doch nachzugeben und erpressen es ihrerseits: Als Ausrichter kann die BRD Rhodesien auch selber ausladen, wenn das IOC nicht mit zieht... Und Brundage gibt dieser Erpressung - der Erpressung der Deutschen wohlgemerkt! - zähneknirschend nach. So bald wird man an Deutschland keine Olympiade mehr vergeben - das hat freilich auch noch andere Gründe, auf die wir gleich kommen werden.

[10 DM] [10 DM] [10 DM]
[10 DM] [10 DM] [10 DM]

Aber erst muß Euch Dikigoros noch berichten, wie die BRD die Einladung und Aushaltung der afrikanischen Mannschaften finanziert hat. (Die melden übrigens keinen einzigen Athleten ihrer weißen oder gelben Minderheiten - damals sind die asiatischen Gemeinden in Kenya, Tanzania und Uganda noch nicht von den Schwarzen ausgerottet worden - für München; aber darüber regt sich niemand auf.) Die sozial-liberale Regierung ändert das Gesetz über die Ausprägung von Münzen - das bis dahin nur Nominale von 1 Pf bis 5 DM zuläßt - und erlaubt nun auch die Herausgabe von 10-DM-Stücken, deren Materialwert einschließlich der Prägekosten bei ca. 1.- DM liegt. Der Münzgewinn ist also mit 900% beträchtlich, und die blöden Sammler werden es schon bezahlen, obwohl die Auflage in die 'zig Millionen geht, eine Wertsteigerung also frühestens für den Sankt-Nimmerleinstag zu erwarten ist. (Die Deutschen sind damals geradezu verrückt nach Münzen- und Briefmarken-Sammlungen. Sondermünzen zum Gedenken an irgendwelche Leute, die sie sonst kaum noch kennen, wie die Dichter Schiller und Eichendorff, den "Türkenlouis" Ludwig von Baden oder den Filosofen Fichte - Ihr, liebe jüngere Leser, dürftet sie überhaupt nicht mehr kennen, jedenfalls wenn Ihr gute Demokraten seid, denn die gelten heute allesamt als böse Nationalisten und Wegbereiter des Faschismus, die tunlichst der Vergessenheit anheim fallen sollten -, die noch einige Jahren zuvor am Bankschalter 5.- DM gekostet hatten, werden inzwischen mit mehr als dem Hundertfachen gehandelt. Die 10-DM-Olympia-Münzen werden dagegen bei der Abschaffung der DM im Jahre 2002 zum Nennwert zurück an den Staat gehen, dem die Sammler also 30 Jahre lang nicht nur ein zinsfreies Darlehen gewährt, sondern auch noch den Inflationsverlust - ca. 80% - geschenkt haben.)

Das sieht die Bundesregierung ganz richtig; aber sie hat die Rechnung ohne die DDR gemacht: Die legt schärfsten Protest ein, denn auf den Münzen steht: "Olympiade in Deutschland". Das stimmt doch gar nicht, die BRD ist nicht Deutschland. Da hat die DDR-Führung zweifellos Recht. Also zieht die Bundesregierung mit vielen Entschuldigungen den Schwanz ein (aber nicht die Münzen zurück) und freut sich insgeheim, daß sie den gleichen Mist noch einmal heraus geben kann, in gleicher Auflagenhöhe - wobei sie nur das Wort "Deutschland" durch "München" ersetzt. (Obwohl das ja ebenso wenig stimmt, denn die Segelwettbewerbe werden - wie schon 1936 - wieder in Kiel ausgetragen, und die Kanufahrten in Augsburg.) Und dann schiebt sie noch vier weitere Serien nach. (Hätte nun auch noch die schleswig-holsteinische Regierung Protest eingelegt, hätte man noch eine siebte Serie nachschieben können :-) Der Sammler schluckt und zahlt. [Wohlgemerkt, auch Finnland, Japan und Mexiko hatten 1952, 1964 bzw. 1968 je eine (!) Gedenk-Münze heraus gegeben, aber nur in relativ geringer Auflage, nicht in großem Maßstab, um die Olympischen Spiele zu finanzieren.] Wie gefällt Euch übrigens die neue Rückseite der Olympia-Medaille, liebe Leser? Nein, nicht die Kehrseite im übertragenen Sinne, sondern die ganz konkrete. Das ist nicht etwa der Sonderpreis für den 1. Platz im Bumerang-Werfen für schwule Paare außer Konkurrenz, sondern dieses Machwerk muß sich jede[r] Sieger[in] um den Hals hängen lassen, auch wenn er oder sie hetero ist. Wohlgemerkt, Dikigoros findet es durchaus begrüßenswert, daß man sich nach vier Jahrzehnten endlich mal etwas Neues einfallen läßt und nicht immer wieder - wie bei der Vorderseite - auf das Motiv von L.A. 1932 zurück greift. Aber auch das hat seine Vorgeschichte, und auch die hängt wieder mit dem ängstlichen deutschen Bestreben zusammen, nur ja keine Erinnerungen an 1936 aufkommen zu lassen. Entbietet der Sportler auf der bisherigen Rückseite nicht mit der Rechten den olympischen Gruß, den man auch für den deutschen Gruß halten könnte? Dann schon lieber zwei Schwule - die assoziiert wenigstens niemand mit dem Dritten Reich, und wenn, dann nur als arme Opfer der Konzentrations-Lager - liegt Dachau nicht ganz in der Nähe von München? Speziell für US-Touristen werden Bustouren dorthin angeboten, damit sie dort die von ihren Vätern zu "Museumszwecken" erbauten Gaskammern besichtigen können. Von denen fährt dann aber kaum jemand hin; die doofen Deutschen sind vielmehr so gut wie unter sich; d.h. diejenigen Deutschen, die das immer noch nicht wissen mit den amerikanischen Erbauern und den "Museumszwecken" - aber woher sollten sie auch? Niemand sagt es ihnen, denn sie sollen ja unwissend bleiben, und manche sind es noch heute.

Dikigoros ist im Rückblick schleierhaft, wie einige Witzfiguren, vor allem der vollfette Vorsitzende des NOK, Willi Daume, angesichts dieser Vorgeschichte noch von "heiteren Spielen" faseln können, als die Veranstaltung im August 1972 endlich offiziell eröffnet wird. Beim Einmarsch (jawohl, im Gleichschritt!) der teilnehmenden Mannschaften gibt es eine peinliche Szene - die schnell aus den Fernseh-Übertragungen gelöscht wird: Die Bolivianer (bei denen der gute, pardon böse, faschistoïde Hugo Banzer regiert) haben wohl beim Anschauen von Leni Riefenstahls Olympia-Filmen bemerkt, daß das deutsche Publikum anno 1936 den Mannschaften, die den "olympischen" Gruß entboten, besonders begeistert zugejubelt haben; also entbieten sie den nun auch, und sind ganz verblüfft, daß sie damit auf eisiges Schweigen stoßen. Die deutschen demokratischen Republikaner, pardon Gutmenschen vom NOK machen sich allesamt in die Hose ob dieses Grußes - obwohl der Stadionsprecher doch sofort erklärt, daß es sich dabei um den olympischen, und nicht etwa den römischen oder gar "deutschen" handele! Den olympischen Meineid, fair und ohne Betrug zu kämpfen, spricht eine junge, miniberockte Deutsche, der man deutlich ansieht, welche Mühe sie hatte, diesen Text auswendig zu lernen und wie schwer er ihr über die Lippen kommt. Hallo Heidi, wenn Du das hier liest, bekommst Du ihn noch zusammen?

Längerer Exkurs, dessen Lektüre Ihr, liebe Leser[innen], Euch nur antun solltet, wenn Ihr Euch ganz speziell für die deutsche Frauen-Leichtathletik der 1970er Jahre interessiert, und auch dann nur, wenn Ihr Euch nicht Euren Glauben an die "Sauberkeit" der bundesdeutschen Leichtathletik jener Zeit bewahren wollt. Sonst überspringt bitte die folgenden vier Absätze, die indirekt dadurch entstanden sind, daß die arme Heidi die letzte Frage lange Zeit nicht lesen konnte; denn kaum hatte Dikigoros sie ins Netz gesetzt, lieferte man ihre Adressatin in die KlapsmühleNervenheilanstalt ein. Dikigoros schickt vorweg, daß das, was er im folgenden berichtet, nicht auf seinem eigenen Wissen beruht, sondern auf Informationen aus 2. Hand; aber er zweifelt weder an der Glaubwürdigkeit seiner Informantin M. noch an der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen, denn sie hat sie nie an die große Glocke gehängt, sondern sie sind ihr erst nach Jahrzehnten spontan heraus gerutscht gegenüber jemanden, den sie zwar nicht zur Verschwiegenheit verpflichtet hat, von dem sie aber auch nicht wissen konnte, daß er sie im Internet breit treten würde. Nein, es ist nicht die M., die nicht an den Olympischen Spielen von 1948 teilnehmen durfte - die hat inzwischen das Zeitliche gesegnet -, sondern die M., die nicht an den Olympischen Spielen von 1972 und 1976 teilnehmen durfte. Sie ist nicht irgendwer, sondern die erfolgreichste deutsche Sprinterin aller Zeiten - auf nationaler Ebene; warum sie es nicht auch auf internationaler Ebene wurde, erfahrt Ihr gleich -, und zwar nicht nur für ein paar Jährchen über eine einzige Distanz - wie etwa Marlies Göhr, die 10 Jahre lang 100 m lief -, sondern sie hat in mehr als 40 Jahren mehr als 40 Meistertitel gewonnen, über 100, 200 und 400 m, mit und ohne Hürden, allein und in der Staffel, von der Jugend über die Hauptklasse durch alle Alterklassen, und das wird wohl so weiter gehen, denn es ist weit und breit keine Konkurrenz in Sicht, die sie daran hindern könnte, diese Erfolgsgeschichte bis in ihr 8. oder gar 9. Lebensjahrzehnt fortzuschreiben. Gebt Euch keine Mühe heraus zu bekommen, wer sie ist; Ihr würdet sie selbt dann nicht im Internet finden, wenn Dikigoros hier ihren vollen Namen nennen würde; denn sie ist die einzige Sprinterin, die in den 1970er Jahren - als die Leichtathletik in der BRD noch einen hohen Stellenwert hatte - Deutsche Meisterin war und dennoch keine Homepage, nicht mal einen Wikiblödia-Eintrag hat. Woher auch? Der Verein, für den sie ihre größten Erfolge erzielte, existiert längst nicht mehr; sie selber hat mit dem Internet nichts am Hut, und sonst weiß niemand von ihr. "Der einzige hier im Stadion außer Dir, der meinen Namen kennt, ist der Mann mit der Pistole, und auch nur, weil er auf der Startliste steht; spätestens heute abend hat er ihn wieder vergessen," sagte sie mal zu Dikigoros.

Als der ihr nun eine Freude machen wollte, indem er ihr erzählte, daß ihre alte Sportkameradin Heidi entlassen war, reagierte sie völlig unerwartet mit einem Wutausbruch: "Diese Irre hätte man schon viel früher einsperren und nie wieder raus lassen sollen. Derentwegen durfte ich 1972 nicht an den Olympischen Spielen teilnehmen!" - "Meine Güte, was hatte sie denn davon, das Du nicht hast?" - "Alles! Die durfte ihre schwachsinnen Ansichten alle paar Wochen zur besten Sendezeit im Fernsehen verbreiten, die Verlage haben alles gedruckt, was sie daher geschmiert hat, sie ist berühmt und reich geworden - und ich?" - "Nun ja, wenn sie schneller war als Du..." - "War sie ja gar nicht. Die Leistungsbreite an der Spitze der deutschen Leichtathletik war Anfang der 1970er Jahre so dicht, daß das NOK für jede Disziplin mindestens ein halbes Dutzend Kandidaten zur Auswahl hatte, da konnten die ganz willkürlich entscheiden. Überleg doch mal, den F. haben sie damals nicht mit nach München genommen, obwohl er gerade einen neuen Weltrekord aufgestellt hatte, mit der Begründung, daß er bei der DM nicht unter die ersten 3 gekommen war; dafür haben sie diese Lusche von Vizemeister nominiert, die dann völlig versagt hat." F. winkt vom anderen Ende des Stadions herüber - zu Dikigoros (dem er vor Jahren mal versucht hat, eine bessere Diskuswurf-Technik beizubringen, leider ohne größeren Erfolg), nicht etwa zu M., die auch er nicht kennt. F. ist auf seine alten Tage ebenfalls wieder aktiv geworden - nach vielen Jahren Pause, in denen er an den Spätfolgen intensiven Dopings zu laborieren hatte; aber jetzt ist er clean und wieder halbwegs gesund, und immer noch ein Bär von einem Mann, amtierender deutscher Seniorenmeister und -rekordler seiner Altersklasse. "Und nach welchen Kriterien haben sie 1972 die Heidi nominiert und nicht Dich, wenn Du schneller warst als sie? Wenigstens für die Staffel?" - "Ach, was weißt Du denn? Wer damals als Frau nominiert werden wollte, mußte ein hübsches Gesicht und schöne Beine haben und bereit sein, die vor den richtigen Funktionären breit zu machen, wie die... [Dikigoros erlaubt sich, die Namen weg zu lassen; jeder, den es interessiert, kann nachschlagen, wer gemeint ist, denn die - durchaus erfolgreichen - Teilnehmerinnen sind ja namentlich bekannt.] Aber selbst wenn ich dazu bereit gewesen wäre - mich hätte von den geilen alten Böcken niemand haben wollen. Schau mich doch an!"

Aber Dikigoros braucht M. nicht anzuschauen; er weiß ja, wie sie aussieht: M. hat ein Froschgesicht; wenn sie zu lächeln versucht sieht das aus, als hätte sie gerade auf eine besonders saure Zitrone gebissen; und auf ihren kurzen, stämmigen Beinen läuft sie zwar immer noch ganz ausgezeichnet, aber man[n] könnte sie beim besten Willen nicht als attraktiv bezeichnen. Sie hat denn auch nie einen Mann zum Heiraten gefunden. (Ihre Unbekanntheit rührt also nicht etwa daher, daß sie heute einen anderen Namen trüge!) Das mag nicht nur an ihrem Äußeren liegen, denn sie hat auch eine etwas bärbeißige, emanzipierte Art - nicht die abstoßende Art heutiger Emanzen, aber immerhinque -, und das kam bei der damaligen Männergeneration halt nicht so gut an. Aber wie soll eine Frau, die von den Männern ein Leben lang links liegen gelassen wurde, nicht bärbeißig werden und das Lächeln verlernen, und wie nicht emanzipiert, wenn sie sich alleine durchs Leben schlagen muß? Zu Dikigoros ist sie wohlgemerkt (fast :-) immer nett, wohl weil sie spürt, daß er sie insgeheim ein wenig bewundert, und das tut Frauen wie ihr halt gut. "Aber Mitte der 1970er Jahre war die Leistungsdichte an der Spitze doch nicht mehr so hoch, da warst Du Deutschlands schnellste Sprinterin - warum haben sie Dich da nicht für die Olympischen Spiele 1976 nominiert?" - "Hätten sie ja; ich war auch bei den vorolympischen Spielen 1975 in Montréal dabei." (Nie gehört, liebe Leser? Weil darüber in den Medien nicht berichtet wurde? Aber die wurden seit 1952 regelmäßig durchgeführt, unter wechselnden Namen; die Briefmarken-Sammler unter Euch kennen sie vielleicht als "vorolympische Festtage" o.ä.)

"Aber dort trafen wir dann auf die DDR-Mädchen," fährt M. fort, "und dabei stellte sich zweierlei heraus: erstens, daß die 1A gedopt waren, und zweitens, daß wir ungedopt keine Chance gegen die hatten. Daraufhin beschlossen das NOK und der DLV, ab sofort auch systematisch zu dopen, um die Lücke zu schließen. Aber das hätte unser Vereinstrainer nie zugelassen, der hätte eher die Uhren manipuliert, um bessere Zeiten zu bekommen. Daraufhin gab es intern einen großen Krach - der nach außen hin vertuscht wurde -, und am Ende sind diejenigen, die bereit waren, mit zu dopen, zu B.L. gewechselt - dort wurde das Zeug ja gleich hergestellt - und die anderen haben ihre Karriere beendet; ich hab dann mit 30 wieder als Seniorin angefangen, die anderen haben ganz aufgehört." - "Deshalb war, als ich 1976 zurück nach Bonn kam, die florierende Leichtathletik-Szene plötzlich mausetot?" fragt Dikigoros entgeistert, "und deshalb hat H. damals den Kram hingeworfen? Das hat er mir nie erzählt." - "Frag ihn doch, wenn Du noch Kontakt zu ihm hast; er lebt ja noch." - "Mir würde er das nie erzählen; er hält nicht gar so viel von mir; er hat mich als trainingsfaule Lusche in Erinnerung - das hat er mir auch noch ins Gesicht gesagt, als ich immerhin Deutscher Vizemeister meiner AK war." - "Na, so ganz Unrecht hatte er da ja nicht. Wir haben uns doch alle gefragt, ob Du den Guido nicht schon 20 Jahre früher hättest schlagen können, als er noch kein verfetteter alter Sack war, wenn Du damals nicht mit dieser zeitraubenden Schachspielerei angefangen hättest." - "Ach was, ich hab ihn doch nie wirklich geschlagen; das eine Mal hat er sich selber geschlagen. Und wenn, was hätte ich davon gehabt? Ist der Guido reich oder berühmt geworden?" - "Wie auch immer, Du darfst mir das, was ich erzählt habe, ruhig glauben, auch ohne Bestätigung von H." - "Tu ich ja." - "Tja, und geholfen hat es dann doch nichts; die DDR-Mädchen haben 1976 trotzdem alle Laufwettbewerbe gegen unsere gewonnen; sie waren halt besser gedopt." [M. zählt Annegret Richter nicht mit; wenn sie "unsere" sagt, meint sie die aus Bonn bzw. Leverkusen, Anm. Dikigoros] - "Und wenn Du mit gedopt hättest?" - "Ich glaube, das hätte nicht viel gebracht. Ich war doch ungedopt immer noch schneller als die anderen von uns gedopt; ich wurde ja nicht wegen mangelnder Leistungen aussortiert, sondern aus diziplinarischen Gründen, weil ich nicht bereit war, mich den Anweisungen unserer Funktionäre zu beugen. Die drüben waren halt besser oder rücksichtsloser oder was auch immer; aber das wäre es mir denn doch nicht wert gewesen, meine Gesundheit aufs Spiel zu setzen. Ruhm hin, Reichtum her; ich bin ja auch als Sportlehrerin nicht verhungert; und ungedopt war und bin ich besser als alle anderen, auch wenn es niemand weiß." Sie sagt das ganz unverbittert, in ihrer trockenen, humorlosen Art; und da beschloß Dikigoros, diesen längeren Exkurs zu schreiben, der hiermit beendet ist.

Zurück ins Jahr 1972. Damals hat Dikigoros nicht groß über all das nachgedacht. Er selber hat seine sportliche Karriere gerade vor einem Jahr beendet und fährt nicht nur nicht nach München, sondern schaut sich das ganze auch kaum im Fernseher an, zumal der Wert der "sportlichen" Leistungen ihm nicht allzu hoch erscheint: Die westlichen Athleten, insbesondere die westdeutschen (die er inzwischen fast alle persönlich kennt), hinken in der alles entscheidenden Disziplin "Doping" so weit hinterher, daß sie es nur auf eine Handvoll Medaillen bringen, während die auf diesem Gebiet ungleich fortschrittlichere DDR sie zu Dutzenden einsackt. Auf die Afrikaner hätte man gut verzichten können - die holen so gut wie gar nichts, nicht mal im Laufen: Die Kurzstrecken gewinnt ein perfekt anabolisierter Sowjet-Mensch namens Borsow, die Mittel- und Langstrecken die Finnen, Marathon und Gehen die Deutschen (Frank Schorter startet zwar unter dem Namen "Shorter" für die USA, ist aber gebürtiger Münchner). Überhaupt bekleckern sich die Schwarzen nicht mit Ruhm, auch nicht die US-Neger: Die Kurzsprinter verpennen die Zwischenläufe (nein, sie sitzen vor dem Fernseher und vergessen darüber die Zeit, aber das kommt im Ergebnis aufs gleiche 'raus), die 400-m-Läufer machen wieder einen auf "Black Power" und werden erneut disqualifiziert (übrigens nicht vom IOC, sondern vom NOC der USA!), womit auch die 4x400-m-Staffel der USA ins Wasser fällt, denn weiße Ersatzläufer sind - anders als 1932 - nicht zur Hand. Richtig beeindruckt ist Dikigoros damals nur von einem Teilnehmer: dem Finnen Lasse Virén, der die 5.000 und 10.000 m gewinnt; aber auf den kommt er in vier Jahren noch einmal zurück. Es gibt also keinen neuen Jesse Owens, dem das deutsche Publikum zujubeln könnte - sehr zum Leidwesen des NOK, das wohl schon ahnt, wie unvorteilhaft sich diese Olympiade von der Hitlers 1936 abheben wird -, aber wenigstens einen Juden: Mark Spitz ist endlich mal in Form und gewinnt seine lang ersehnten Gold-Medaillen im Einzel. (Er wird nicht auf Doping getestet, ebenso wenig andere Spitzbuben, die ebenso offensichtlich geschluckt haben - die Veranstalter der "heiteren Spiele" wollen Skandale um jeden Preis vermeiden, insbesondere wenn sie Juden, Kommunisten oder Schwarze betreffen könnten. Vergleicht doch bitte mal die Bilder des Mark Spitz von 1968 mit denen von 1972 und erzählt Dikigoros dann, daß der Muskelzuwachs allein vom Schwimmen gekommen sei!) Allerdings startet Spitz, trotz seiner Lippenbekenntnisse zum Zionismus, für die USA, nicht für Israel, wohin ihn keine zehn Nilpferde brächten, denn dort müßte er seinen Worten ja womöglich Taten folgen lassen, zum Beispiel Wehrdienst leisten, und das nicht irgendwo in einer gemütlichen Kaserne weit vom Schuß, sondern an der Front!

Ja, liebe Leser, es herrscht noch immer Krieg im "Heiligen Land", das auf deutsch "Naher Osten" und in allen anderen Sprachen der Welt "Mittlerer Osten" heißt. Halt, bis auf zwei Ausnahmen: Auf Hebräisch heißt es "Erez Israel", und auf Arabisch "Palästina". Da war doch mal was? Richtig, ziemlich genau zwei Jahre ist es nun her, daß die Jordanier den Palästinensern, genauer gesagt ihrer Terror-Organisation PLO, einen "schwarzen September" bereitet haben. Nun schlagen sie zurück, dringen in das - praktisch ungeschützte - Olympische Dorf ein, nehmen ein Dutzend Sportler aus Israel als Geiseln und drohen sie umzubringen, wenn Tel Aviv ihren politischen Forderungen (Freiheit für Palästina und für alle in Israel inhaftierten palästinensischen Terroristen) nicht nachgibt. Wohlgemerkt, liebe Leser, es gibt mancherlei Gründe, zum Terroristen zu werden, viele gute und noch mehr schlechte, und Dikigoros ist der letzte, der sie alle über einen Kamm scheren würde - darüber schreibt er an anderer Stelle mehr. Aber man muß sich doch fragen, wo und gegen wen man zu diesem letzten Mittel des Widerstands greift. In einem besetzten Land gegen die Besatzer? Einverstanden. Aber in einem unbeteiligten Drittland, gegen harmlose Sportler? Nicht jeder ist ein fundamentalistischer Jude wie der Gold-Anabolist Mark Spitz - aber ausgerechnet den erwischen sie nicht; der reist sofort ab, mitsamt seiner Medaillen. (Natürlich nicht nach Israel, sondern in die USA, wo er letztere zu Geld macht.)

Unterdessen verhandelt die Bundesregierung in Bonn fieberhaft mit Tel Aviv: Nein, Israel bleibt hart; seine Regierung vertraut darauf, daß die Deutschen die Geiseln raushauen, notfalls mit Gewalt. (Das wird den Israelis nicht noch einmal passieren; beim nächsten Mal - in Entebbe - erledigen sie das selber, und zwar richtig.) Dafür zuständig ist das Innenministerium, das einem von der DDR eingeschleusten Top-Agenten untersteht, dem Vorsitzenden der FDP. (Ob Ihr es glaubt oder nicht, liebe Leser, die Ihr heutzutage gleich an Jürgen W. Mullahmann denkt, das war damals die bevorzugte Partei der deutschen Juden: Baum und Hirsch waren sogar Bundes-Minister!) Dikigoros erinnert sich noch als sei es gestern gewesen: Am Morgen nach dem Einsatz liest er erleichtert die Schlagzeilen der Zeitungen: "Großartiger Einsatz des deutschen Sonderkommandos. Alle israelischen Geiseln gerettet und unverletzt. Das Verdienst gebührt Bundesinnenminister Hans-Dietrich G." Welch ein Verdienst... Dann sickert die Wahrheit durch: Das fette Schwein hat den Einsatz völlig verbockt - und zwar absichtlich: Statt der bereits unter anderem Namen bestehenden (und einsatzbereiten!) Spezialtruppe GSG9 schickt er ein paar Verkehrs-Polizisten ins Gefecht, die kaum mit der Pistole umgehen können. Am Ende sind alle israelischen Geiseln tot. G. tritt als Innenminister zurück, wird statt dessen Außenminister (der schlimmste, den die BRD bekommen konnte) und erst zwei Jahrzehnte später als DDR-Agent und Stasi-Mitarbeiter enttarnt und stillschweigend in Pension geschickt (darüber schreibt Dikigoros - der daran nicht ganz unbeteiligt war - an anderer Stelle mehr). Alle denken insgeheim das gleiche - aber offen auszusprechen wagen dürfen es nur Juden, wie Dikigoros' alter Schachfreund Mosche Eimermann: "1936 in Berlin, bei Adolf, da wäre so etwas nicht möglich gewesen. Scheiß auf diesen Brandt - aber der war ja selber auch nicht besser..." [Herbert Frahm alias "Willy Brandt", 1933-45 Terrorist, pardon, antifaschistischer Widerstandskämpfer, danach alliierter Besatzungs-, pardon Befreiungs-Offizier und Oberbürgermeister von West-Berlin, 1969-1974 Bundeskanzler, nach Enttarnung seines persönlichen Referenten G. als DDR-Agent und Stasi-Mitarbeiter zurück getreten, bis heute eine Ikone des Sozialdemokratismus, Anm. Dikigoros]

Und nun? Der BRD-Präsident labert etwas von "Terroristen-Staaten", die man ernsthaft bekämpfen müsse... Wer ist "man"? Etwa die Deutschen? Nicht doch! Die palästinensischen Terroristen haben - das weiß jeder, denn sie haben keinen Hehl daraus gemacht - im Auftrag des Banditen Yassir Arafat gehandelt; sie gehören der "Fatah", dem bewaffneten Arm seiner Terror-Organisation PLO an und haben nur für diesen Einsatz den Decknamen "Schwarzer September" angenommen. Aber die braven Deutschen sind nicht nachtragend: Bald darauf erkennen sie Arafat als "Präsidenten" der Palästinenser an, dem sie die Milliarden zur Finanzierung seiner Terror-Anschläge großzügigst in den Arsch schieben, und die PLO als Regierung eines nicht-existenten Staates, dessen Haushalt sie ganz alleine finanzieren (z.T. indirekt über die EWG, EG und EU). 22 Jahre später wird Arafat sogar der "Friedens"-Nobelpreis verliehen - so ist's recht!

Nachtrag. Im Juni 2008 stellte ein so genannter "Sport-Wissenschaftler" der Universität Göttingen die abstruse These auf, die Mitglieder der israelischen Olympia-Mannschaft hätten sich "freiwillig" von den Arabern ermorden lassen, obwohl sie zuvor von dem Anschlag wußten und rechtzeitig hätten fliehen können, wenn sie denn gewollt hätten. Ihr Motiv? Sie wollten weltweit Sympathien für Israel sammeln und Stimmung gegen die Araber machen. [Wenn das so wäre, dann hätten sie sich jedenfalls gründlich getäuscht, wie wir eben gesehen haben, Anm. Dikigoros.] Der "Beweis"? Israelis hätten eine ganz andere Einstellung zum Leben als Nicht-Juden, wie sich auch an ihrer hohen Abtreibungsrate bei erbkrankenbehinderten Kindern zeige. Nun, letzteres mag stimmen - und das spräche ja nur für sie; aber ärgerlicherweise hatten die Nazis in diesem Punkt (wie auch in vielen anderen - kein anderes Volk der Welt legt so großen Wert auf EuthanasieEugenik und ist so rassistisch und nationalistisch eingestellt wie das jüdische :-) eine ganz ähnliche Haltung, deshalb stellt es nach Meinung gewisser Gutmenschen (vor allem solcher, die selber auf den Lehrstuhl scharf sind :-) eine "Verhöhung der Holocaust-Opfer" dar, so etwas offen auszusprechen, und der Zentralrat der Juden und die Botschaft Israels (wer sonst?!?) erwirkten denn auch gleich die Einleitung eines Amtsenthebungsverfahrens. Bereits Anfang Juli später trat der Professor im Büßerhemd vor das rote Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" und schwor seinen Thesen hoch und heilig ab; und Ende Juli wurde er vom Inquisitions-Tribunalvon der Ombudskommission der Universität Göttingen überraschend frei gesprochen. Die jüdischen Medien der BRDDR versuchten, daraus eine Staatsaffäre zu machen, sprachen von einem "Skandalurteil" und einer "moralischen Bankrotterklärung der Universität Göttingen". Aber oh Wunder - die Hetze verfing nicht; vielleicht weil das ganze denn doch zu lächerlich war. Denn im Ernst, liebe Leser, was ist das bloß für eine saudämliche, pardon un-logische und un-wissenschaftliche Argumentation? Die Israelis sollen ausgerechnet ihre Spitzensportler, also "rassisch" gesehen die Elite, "geopfert" haben, um die Araber als Buhmänner hinzustellen? Und ausgerechnet der einzige ErbkrankeBehinderte - ein extrem kurzsichtiger Geher - durfte entkommen? Man fragt sich wirklich, was heutzutage in Deutschland Professor werden und bleiben darf... Nachtrag Ende.

Zurück nach München. Soll man die "heiteren Spiele" angesichts dieser Vorfälle eigentlich noch einmal aufnehmen (man hat sie erstmal abgebrochen)? Dikigoros meint nein - und auch das ist ein Grund, weshalb er sich nicht mehr so genau an die sportlichen Ereignisse erinnert. Aber der IOC-Präsident Brundage sieht das ganz anders (wir erinnern uns: er ist Antisemit, und als solchem ist ihm das alles scheiß-egal): "The show must go on," die Spiele müssen weiter gehen, denn Schnaps ist Schnaps, und Sport ist Sport. Bitte nehmt es Dikigoros nicht allzu übel, wenn er gleichwohl nur noch einen Wettkampf anspricht, und auch den nur, weil er wahrscheinlich zu den übelsten Skandalen der olympischen Geschichte gezählt würde - zumal er einen US-Amerikaner trifft -, wenn er nicht verblaßte angesichts all dessen, was sonst noch vor, während und nach dieser Skandal-Olympiade geschehen ist. Die afrikanischen Erpresser haben nämlich noch etwas erreicht: daß der Stabhochsprung verschoben wurde. Wie, was? Wann hat Afrika auch nur einen guten Stabhochspringer hervor gebracht? Nein, es ist mal wieder eine der leidigen Material-Fragen. In Afrika springt man noch mit Bambus-Rohren; in den USA hat man dagegen einen neuen, besonders elastischen Glasfaser-Stab entwickelt, mit dem man höher hinaus kommt. (Die Dinger gibt es schon seit über zehn Jahren; aber bisher waren sie nur eine Alternative zu anderen Stäben; erst jetzt werden sie so verbessert, daß sie einen deutlichen Vorteil bieten.) Bob Seagren beherrscht das neue Gerät perfekt und ist ein sicherer Anwärter auf die Gold-Medaille. Die USA melden den Stab auch rechtzeitig genug an, so daß jeder andere Athlet auf der Welt ihn ebenso benutzen kann, und das IOC läßt ihn zu. Diese Stäbe sind allerdings nicht ganz billig, und die afrikanischen Staaten haben wie gesagt ziemlich abgewirtschaftet. Sie stellen ein neues Ultimatum: Entweder das reiche Deutschland - nein, nicht die USA, die würden gar nicht daran denken; aber die doofen Deutschen sind doch "Gastgeber"! - schenkt jedem von ihnen ein paar Dutzend dieser neuen, teuren Geräte, oder sie widersprechen ihrem Einsatz in München. Aber irgendwo ist auch bei den deutschen Deppen Schluß; sie lehnen ab, und das IOC läßt den Protest der ewigen Stänkerer aus Schwarz-Afrika Protest sein und die Glasfaser-Stäbe zu. So what? Tja, liebe Leser, da ist ja noch der Leichtathletik-Weltverband IAAF, und da finden die Afrikaner tatsächlich einen korrupten Funktionär - Adrian Poulen aus Holland - der durchsetzt, daß der Stab in allerletzter Minute doch verboten wird. Bravo! Seagren legt Poulen seinen alten Stab nur in stummem Protest auf den Kampfrichter-Tisch, nachdem er ohne Medaille ausgeschieden ist - Dikigoros hätte ihn dem fetten Schwein mitten in die Schnauze gestoßen (ganz aus Versehen, versteht sich).

Und noch etwas will Dikigoros kurz erwähnen - nicht aus sportlichen Gründen, sondern in Sachen "Profis und Amateure". Daß der Ostblock grundsätzlich nur noch gut besoldete "Staats-Amateure" ins Rennen schickt - na schön, das wissen wir ja inzwischen, und auch daß im Westen vielfach geheuchelt wird mit "Sportsoldaten" u.ä. Aber daß auch derart eklatant mit zweierlei Maß gemessen wird, das fällt erst jetzt richtig auf, beim Fußballturnier. Wir erinnern uns: Ein Skiläufer, der zum (privaten!) Fußballspielen ein Tschibo-(oder war's Eduscho?)-Hemd trägt, wird als "Profi" disqualifiziert, ebenso ein Leichtathlet, der etwa ein paar Hunderter StartgeldAufwandsentschädigung nimmt (und sei es auch in einer anderen Disziplin). Aber zum Fußballturnier präsentiert der DFB eine Auswahl von "Amateuren", über die man nur mit den Ohren Schlackern kann: Na schön, Manni Kaltz steht zwar schon beim Hamburger SV unter Vertrag, dient aber noch für wenig Wehrsold beim Luftwaffen-Ausbildungs-Regiment I in Pinneberg, das kann man durchgehen lassen; Ottmar Hitzfeld dagegen spielt als SöldnerStürmer für den FC Basel, mit dem er gerade Schweizer Meister geworden ist, und der ihm dafür schon einige Fränkli an Profigehalt überweist. Und gar ein gewisser Uli Hoeneß, vom Deutschen Meister FC Bayern München, ist der nicht gerade erst vor ein paar Wochen Europameister geworden, mit der nach Expertenmeinung stärksten deutschen (damals kann man sie noch so nennen - es standen 11 echte Deutsche auf dem Platz!) Nationalmannschaft aller Zeiten? Der scheffelt zwar noch keine Millionen, wie seine Epigonen heute, aber vierstellig verdient der auch schon; davon können andere Profis - und auch die "Staats-Amateure" - nur träumen, von den echten Amateuren ganz zu schweigen. Ist das nicht eine himmelschreiende Wettbewerbsverzerrung? "Ach was," sagt jemand, der damals gerade seine aktive Fußballer-Laufbahn beendet und beschlossen hat, PolitikerTrainer zu werden, "Geld schießt keine Tore!" Und er soll Recht behalten: Im Viertelfinale unterliegt das Star-Ensemble des DFB der DDR-Auswahl sang- und klanglos mit 2:3. (Zwei Jahre später sollen Hoeneß & Co. mehr Glück haben und diese Niederlage schon in der Vorrunde wiederholen; danach räumen ihnen andere Mannschaften die Ossis aus dem Weg, so daß sie Weltmeister werden können :-)

[Die Turnerin Olga Korbut als 17-jährige bei den Olympischen Spielen 1972 in München]

Und dann war da noch das Frauen-Turnen. Nein, Dikigoros will auch darüber nicht in sportlicher Hinsicht schreiben, da gibt es gar nichts zu deuteln: Die besten Turnerinnen sind Ludmila Turischtschewa aus der SU und Karin Janz aus der DDR, und sie sind auch die erfolgreichsten, was die gewonnenen Medaillen anbelangt. So weit, so gut. Aber das Publikum hat eine andere Turnerin ins Herz geschossen, pardon geschlossen: die kleine [Weiß-]Russin Olga Skorbut, pardon, so sieht sie nur aus, richtig heißt sie Korbut. Ist sie nicht süß mit ihren 1,53 m und 36 kg Gewicht? Sie ist fast 18 Jahre alt, sieht aber aus wie 11, höchstens 12. Beifallsstürme brausen auf, wenn sie (z.T. unverdient) hohe Punktwertungen bekommt, Pfeifkonzerte, wenn sie niedriger bewertet wird; ihre so erzwungenen, pardon errungenen Medaillen werden frenetisch bejubelt. Ja, merken diese Narren denn gar nicht, was da los ist? Daß man ein junges Mädchen Jahre lang bestialisch gefoltert und wie ein Zirkus-Äffchen dressiert hat? (Das ist ganz wörtlich zu nehmen, denn die Übungen haben längst nichts mehr mit Turnen zu tun, sondern sind eine Mischung aus Zirkus-Akrobatik, Ballett und Nachtclub-Tanz. Was kleine Mädchen zum Beispiel am so genannten "Stufen-Barren" leisten müssen, das hätten sich noch wenige Jahre zuvor nicht mal erwachsene Männer am Reck getraut - obwohl da die Verletzungsgefahr mangels eines zweiten Holms wesentlich geringer ist.) Olga Korbut hat Wachstumshemmer schlucken müssen, damit sie kindlich klein und leicht bleibt; ihre Knochen und Gelenke sind ruiniert - sie wird als Krüppel im Rollstuhl enden. Und alles, damit ein paar verblödete Zuschauer ein paar Stunden ihren Spaß und die Sowjets ihre Medaillen haben. Und am schlimmsten ist, daß dieses Beispiel ob seines unbestreitbaren "Erfolgs" bald Schule machen wird: Heute gibt es nur noch solche Kindfrauen im Turnsport. Und damit - dies ist das bittere Fazit der Olympiade von München 1972 - haben die deutschen Zuschauer von damals weit mehr Menschenleben auf dem Gewissen als die palästinensischen Terroristen: Hätten sie diese Kindesmißhandlung mit dem gebührenden Pfeifkonzert und Buhrufen quittiert, womöglich gar die sowjetischen Menschenschinder gezwungen, diese arme kleine Sklavin mit dem krampfhaft einstudierten Lächeln von der Bühne zu nehmen, statt sie und ihre Verrenkungen zu begaffen wie Voyeure in einer Kinder-Porno-Schau, dann gäbe es vielleicht heute noch Frauen-Turnen.

Olympische Spiele brauchen nicht nur eine schöne Eröffnungs-, sondern auch eine schöne Schlußfeier. Die Eröffnungs-Feier hatten den Deutschen, wie bereits gesehen, die Bolivianer versaut - na ja, nicht ganz, man hatte die peinliche Szene ja überall raus geschnitten; und die 70.000 Idioten im Stadion zählten ja nicht. Nein, sie zählten wirklich nicht, und das wurde bei der Schlußfeier noch viel deutlicher, d.h. es wäre deutlicher geworden - und zwar so deutlich, daß man es auch nicht hätte "heraus schneiden" können -, wenn nicht... Nein, fangen wir anders an: Sagt Euch das Datum "11. September" etwas, liebe Leser? Na klar, 2001, da war doch was, New York City, rund 3.000 Tote usw. Aber es hätte leicht sein können, daß dieses Datum bereits 29 Jahre früher traurige Berühmtheit erlangt hätte - und zwar mit 70.000 Toten, denn an diesem Tag des Jahres 1972 fand die Abschlußfeier der Olympischen Spiele in München statt. Viel zu feiern gab es angesichts des zuvor Geschehenen ja ohnehin nicht; aber es hätte noch weit schlimmer kommen können. Gegen 20 Uhr nähert sich eine nicht identifizierte DC 8 im Tiefflug dem Olympia-Stadion; auf Ansprache reagiert sie nicht. Nun könnte die Luftwaffe das Ding ja ohne weiteres rechtzeitig abschießen; aber der so genannte "Verteidigungs-Minister" dachte offenbar anders. [Es handelte sich um Georg Leber, den krummen Hund, der zuvor "Verkehrs-Minister" war und in dieser Eigenschaft dafür gesorgt hatte, daß statt des Schienennetzes das Straßennetz ausgebaut wurde; denn Benzin war bis zum Yom-Kippur-Krieg von 1973 noch billig - warum sollten also 100 Leute zusammen in einem Eisenbahnzug fahren, wenn sie ebenso gut mit 100 eigenen Wagen über die Autobahn brausen und die Luft verpesten konnten? Dem "Leberplan" verdanken wir einen Großteil unserer Umweltverschmutzung, unsere Abhängigkeit von den Öl-Scheichs und den Beinah-Zusammenbruch unserer größtenteils auf die Produktion von Automobilen ausgerichteten Wirtschaft. Und das Schönste daran ist, daß heute allenthalben das Gegenteil verbreitet wird, nämlich daß der "Leberplan" die Schiene gegenüber der Straße fördern wollte - bloß die Frage, warum es dann genau umgekehrt gekommen ist, können Wikiblödia & Co nicht beantworten!] Wenn ich das Flugzeug der Terroristen - denn um ein solches handelte es sich mutmaßlich - abschießen lasse, bevor es das Olympia-Stadion bombardiert, sind mir die Palästinenser womöglich böse und bringen mich anschließend um - und das Leben eines Politikers ist doch mehr wert als das von 70.000 blöden Untertanen! Also verbot er den Abschuß. (Ja, liebe Leser, Dikigoros weiß wohl, daß das Bundesverfassungsgericht das heute genauso sieht - und das noch nach dem Anschlag vom 11. September 2001!) Der Stadionsprecher - ein Schauspieler namens Joachim Fuchsberger - bekam den Schwarzen Petereinen Zettel zugeschoben, der ihn über die Lage informierte mit dem Hinweis: "Entscheiden Sie selber, was Sie sagen!" Er entschied sich, den Mund zu halten, denn vielleicht war es ja nur blinder Alarm, und wenn er etwas (an)gesagt hätte, wäre womöglich eine Panik ausgebrochen mit ein paar hundert Toten und Verletzten; und wenn es kein blinder Alarm war, dann wäre es für eine Rettung der 70.000 wahrscheinlich eh zu spät gewesen. Leber, Fuchsberger und wie sie alle hießen, hatten Glück: Bei dem Flugzeug handelte es sich um eine ganz harmlose finnische Verkehrsmaschine mit einem technischen Defekt, die in München notlanden wollte; hätte man sie abgeschossen, hätte es wohl geheißen: "Die bösen Nazi-Deutschen ermorden 100 unschuldige finnische Flugpassagiere." Das hätte gerade noch gefehlt bei dieser verkorksten Veranstaltung...

[5 Dollars]
[10 Dollars]
[Plakat] [Medal]
[Medal]

1976 finden die XXI. Olympischen Spiele im kanadischen Montreal statt. Das soll - auch innerhalb des Landes - ein Zeichen setzen, denn Montréal ist zwar nicht die offizielle Haupt- aber die größte Stadt der französisch-sprachigen Provinz Québec, die sich schon lange vom englisch-sprachigen Kanada trennen will (sie tut es nur aus finanziellen Gründen nicht) und es als Affront empfunden hätte, wenn die Olympiade etwa nach Ottawa oder Toronto vergeben worden wäre. Im Vorfeld gibt es das gleiche Gerangel wie vier Jahre zuvor: Der "Oberste Afrikanische Sportrat" droht erneut mit Boykott, wenn... Nein, liebe Leser, nicht wenn Rhodesien teilnehmen darf, das hat man vorsorglich gar nicht erst eingeladen, ebenso wenig Südafrika, denn dort weigern sich die Regierenden weiterhin hartnäckig, ihre Länder den schwarzen Terroristen von ZANU, SWAPO usw. auszuliefern! Es geht vielmehr um Neuseeland, aber als Aufhänger muß tatsächlich wieder das südliche Afrika her halten: Eine Rugby-Mannschaft aus Neuseeland - nein, nicht das National-Team, sondern ein Profi-Verein - ist zu einem Freundschaftsspiel gegen einen anderen Profi-Verein nach Südafrika gefahren. Na und? Ist das ein Grund, Neuseeland von den Olympischen Spielen auszuschließen? Schwerlich: Rugby ist keine olympische Disziplin mehr, kein Mitglied des bösen Vereins gehört der neuseeländischen Olympia-Auswahl an, denn Profis sind noch immer nicht zugelassen... Egal, die Afrikaner bleiben hart: Endweder die oder wir - schließlich haben sie sich damit schon einmal durchgesetzt, in München, selbst gegen den Hardliner Brundage.

Aber zur allgemeinen Überraschung ist der neue IOC-Präsident, Lord Killanin, nicht das Weichei, für das ihn manche hielten. Etwas kauzig mag der in England geborene und im Freistaat Irland lebende Nordire schottischer Abstammung ("groß-britannischer" geht's nicht!) schon sein, aber er hat die Welt gesehen, als Zeitungs-Reporter, als Kriegsbericht-Erstatter, als Reisebuch-Autor und als Film-Produzent. Und er kann rechnen und spricht das aus, was 1972 zwar jeder dachte, aber niemand laut zu sagen wagte: Die Teilnahme der schwarz-afrikanischen Staaten wäre finanziell bloß eine Belastung, da die größenwahnsinnigen Neger-Häuptlinge inzwischen noch mehr abgewirtschaftet haben - und ihre Ansprüche sind noch gewachsen: Sie verlangen nicht nur freie Passage, Unterkunft und Verpflegung vor Ort für ihre Athleten, sondern auch noch ein üppiges "Taschengeld" und großzügige "Geschenke" für die und ihre zahlreichen Funktionäre. Und sportlich wäre sie keine Bereicherung, die das alles aufwiegen würde - das hat München ja gezeigt. (Die paar Medaillen, die schwarze Langstreckenläufer aus dem ostafrikanischen Hochland 1968 in Mexiko gewonnen hatten, bewiesen nichts Gegenteiliges: Die damals weltbesten Läufer - allesamt Weiße - waren einfach nicht mit der dünnen Luft im mexikanischen Hochland zurecht gekommen.) Überhaupt haben die westlichen Länder inzwischen genug "eigene" Neger aus Afrika importiert, die für sie laufen, springen und werfen können - man ernennt sie kackfrech zu "Amerikanern", "Kanadiern", "Engländern" und "Franzosen". (Nein, in Italien und Deutschland ist es noch nicht so weit, im Gegenteil: Wenn ein Ost-Deutscher aus der Sowjet-Zone abhaut, pardon, wenn ein DDR-Bürger Republik-Flucht begeht - ein schwer wiegendes Kapital-Delikt -, dann darf dieser Verbrecher künftig nie wieder an irgend einer internationalen Sportveranstaltung teilnehmen, geschweige denn für die BRD!) Jawohl, das ist jetzt erlaubt, man braucht sie bloß einzubürgern - das ist Formsache. Und welches arme Schwein aus einem schwarz-afrikanischen Staat würde ein solches Angebot nicht annehmen? Die Neuseeländer sind übrigens eine echte Bereicherung; und Dikigoros hat ihnen die Goldmedaille im Hockey von Herzen gegönnt, obwohl die deutschen Titelverteidiger dafür in die Röhre geguckt haben.

Ansonsten war Dikigoros von den Olympischen Spielen 1976 wenig beeindruckt, ebenso wenig von Kanada im allgemeinen und von Quebec oder Montreal im besonderen. Er hatte nicht das Gefühl, daß dort ein Fest der Völkerverständigung statt fand. Dazu hat nicht zuletzt der kanadische Premier Pierre Trudeau beigetragen, einer der miesesten Charaktere, die sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf dem politischen Parkett herum getrieben haben. Die meisten Franko-Kanadier betrachten ihn als "Quisling" - zu Unrecht, denn der Norweger, der diesem Typus seinen Namen gegeben hat, handelte in den 1940er Jahren aus ehrlicher Überzeugung, daß es für sein kleines Land angesichts der britischen und sowjetischen Bedrohung das beste sei, sich unter deutschen Schutz zu stellen. (Das mag eine falsche Überzeugung gewesen sein, aber eine Überzeugung war es jedenfalls.) Dagegen hat Trudeau seine Landsleute nicht aus Überzeugung verraten, sondern aus Berechnung: Die meisten Franko-Kanadier wären durchaus bereit, gewisse finanzielle Einbußen hinzunehmen, wenn sie dafür von Britisch-Kanada unabhängig würden. (A propos: Auch Kanada finanziert die Olympiade teilweise durch die Prägung riesiger Mengen von Gedenk-Münzen im Nennwert von 5 und 10 Dollar; künftig werden das alle Ausrichter-Staaten tun - oder wenigstens versuchen, mit mehr oder weniger Erfolg. Bald werden das auch Teilnehmer-Staaten tun, um ihre Reisekosten aufzubringen, und noch später sogar solche Staaten, die sich nur als Fernseh-Zuschauer beteiligen - auch die Übertragungsrechte kosten schließlich Geld. Alles noch verständlich und irgendwie nachvollziehbar; aber am Ende werden sogar solche muslimische Wüsten-Scheichtümer sich an dieser Art von Geldsch[r]öpfung beteiligen, die ihre Bevölkerung nicht mal am Fernseher bei diesen unmoralischen Spielen halbnackter Männer und vor allem Frauen zuschauen lassen.) Wenn Québec sich von Kanada unabhängig machte, würde Trudeau sein schönes, fettes Gehalt als Premier-Minister verlieren, deshalb macht er seinen Landsleuten wahre Schauerrechnungen auf - bis hin zum Hungertod -, so daß er bei einem widerwillig eingeräumten Volksentscheid tatsächlich eine knappe Mehrheit für den Verbleib bei Kanada zusammen bekommt.

Aber das ist es nicht allein, und darob hätte der Name Trudeau auch keinen Platz - und sei es ein noch so schändlicher - in der Geschichte der Olympiaden verdient. Nein, er setzt sich nicht nur für den kanadischen Einheitsstaat ein, sondern auch für den - chinesischen! Ja, liebe Leser, Ihr habt ganz richtig gelesen. Das IOC hat Taiwan eingeladen? Na so was. Die sind sogar schon angereist? Na so was. Ist das nicht bloß eine abtrünnige Provinz der Volksrepublik China? Also schickt Trudeau (wir erinnern uns: der Ausrichter bestimmt, wer eingeladen wird und wer nicht!) die Taiwanesen einfach wieder nach Hause. Wenn man das noch mit dem Hinweis abtun könnte, daß Trudeau eben ein feiges Schwein ist und dem politischen Druck Rot-Chinas nachgibt (einen sportlichen kann es nicht gegeben haben, denn die Rot-Chinesen - die damals noch nicht ihren formidablen Doping-Apparat aufgebaut haben - sind in der Leichtathletik völlige Nieten) - aber das ist es ja nicht! Es ist wiederum kalte Berechnung, und daran ändert auch die Tatsache nichts, daß es sich als kostspielige Fehl-Berechnung erweisen wird. Dikigoros muß hier etwas weiter ausholen: Vier Jahre zuvor hatte der - inzwischen über eine läppische Abhör-Affaire, die mit dem Namen "Watergate" verbunden ist, gestürzte - US-Präsident Nixon beschlossen, Taiwan zugunsten Rotchinas fallen zu lassen und war nach Peking gereist, um mit den kommunistischen Machthabern vor der Kamera Ping Pong zu spielen (oder wenigstens so zu tun, als ob; böse Zungen behaupten, daß Nixon zu dumm war, um auch nur einen Schläger richtig zu halten, geschweige denn den Ball zu treffen oder gar die Regeln zu verstehen.) Insgeheim hoffte er, der US-Industrie den vermeintlichen Milliarden-[Absatz-]Markt China zu erschließen - das war ihm jeden Verrat wert (auch den an Süd-Vietnam und an den amerikanischen Soldaten in nordvietnamesischer Kriegsgefangenschaft, die er kalt lächelnd opferte - aber das ist eine andere Geschichte). Heute, da von jener Hoffnung nichts weiter geblieben ist als ein Milliarden-Grab (obwohl einige unwissende Narren noch immer weiter träumen - aber auch das ist eine andere Geschichte), wissen wir, daß das ein schwerer Fehler war - vielleicht der schwerste geopolitische Fehler der USA in der zweiten Häfte des 20. Jahrhunderts. Aber damals, 1976, kann Trudeau das noch nicht ahnen. Politische Moral? Forget it...

Und die sportliche? Die hoch gedopten, pardon gelobten Mastochsen (jawohl, Ochsen, denn allzu viele männliche Hormone machen impotent - wußtet Ihr das nicht, liebe Leser? Dann wißt Ihr es jetzt!) der Wurf- und Stoß-Disziplinen räumen ganz offen ein, daß das ganze zu einem Wettbewerb ausgeartet ist, wer seine Anabolika zur rechten Zeit und in der richtigen Menge geschluckt oder nicht geschluckt hat. Die gedopten Mannweiber (jawohl, es sind richtige Weiber, halt bloß mit etwas Testosteron aufgepäppelt und daher etwas bärtig und brummbassig!), die in den leichtathletischen und Schwimm-Disziplinen die Medaillen abräumen (besonders die aus der DDR und aus der SU) könnten jeden Transvestiten und jeden Zwitter unseligen Angedenkens leicht an die Wand klatschen. Erstmals kommen auch Wachstums-Hormone zum Tragen (sie haben eine etwas längere Vorlaufzeit, man muß ja schon bei den Jugendlichen anfangen, sie zu verabreichen): Die Japaner schicken eine Volleyball-Frauschaft aufs Feld, die aus lauter 2-Meter-Riesinnen besteht (die durchschnittliche Japanerin ist damals ca. 1,55 m groß, und auch heute werden die wenigsten viel größer als 1,65 m) - natürlich gewinnen sie Gold. Noch größer sind nur die sowjetischen Basketballerinnen, von denen einige mit Leichtigkeit den Korbleger (im Gegensatz zum Korbwurf - der noch zu Dikigoros' aktiver Zeit ebenfalls so genannt wurde) beherrschen, den bis dahin nur Männer hin bekamen, und die im Schnitt über 100 Punkte pro Spiel erzielen (zu einer Zeit, als Fernwürfe noch nicht als "Dreier" zählten!) - natürlich gewinnen auch sie Gold.

Auch Olga Korbut ist wieder dabei, allerdings mit über 21 Jahren schon zu verbraucht, um im Einzel noch eine Medaille zu gewinnen. (Anstandshalber ziehen die Sowjets sie mit durch zu einer Mannschafts-Medaille.) Aber sie hat eine würdige Nachfolgerin als Kindfrau-Turnerin gefunden: die Rumänin Nadja Comaneci (das spricht sich "Komanätsch", liebe Leser). Das einfältige kanadische Publikum ist von ihr genauso begeistert wie einst das deutsche von der kleinen Weißrussin. Leider ist sie nicht so gut dressiert wie ihre Vorgängerin, pardon Vorturnerin. Nach der Olympiade bricht sie aus ihrem Käfig aus, schlägt über die Stränge, geht in Kneipen und Diskotheken, fängt an zu saufen und zu rauchen und setzt sich schließlich aus Rumänien ab. (Heute lebt sie als Hausfrau in Kanada.) Und da wir gerade dabei sind: Olga Korbut wird, nachdem sie selber nicht mehr turnen kann, pro forma als Trainerin der Sowjet-Union eingestellt, nach deren Zusammenbruch als Trainerin von Weiß-Rußland; als solche wird sie sich 1996 während der Olympischen Spiele von Atlanta absetzen und dortselbst Trainerin in einem Fitness-Studio werden - wieder pro forma, de facto wohl eher schlecht bezahlte Grüß-Gott-Augustine. Eine Kollegin von Dikigoros war mal da, hat sie aber nicht angetroffen - vielleicht war sie gerade einklaufen. Die letzte Schlagzeile, die Dikigoros über sie gelesen hat, war jedenfalls, daß man sie als Kaufhaus-Diebin verhaftet habe. Ja, liebe Münchner, Ihr könnt stolz auf Euch sein!

Nachtrag. Dikigoros ist nicht der einzige, der sich über diesen Punkt Gedanken gemacht hat; auch das IOC hat über der Frage gebrütet, wie man dieser unheilvollen Entwicklung entgegen treten kann und sich dabei ein Ei ins Nest gelegt, das man nur als Selbsttor bezeichnen kann - obwohl man durchaus von richtigen Überlegungen ausgegangen ist: Junge Menschen sollen nicht vor Abschluß ihrer körperlichen Entwicklung dem Wettkampfstreß ausgesetzt werden. (Ja ja, mit dem Training müssen sie schon lange vorher beginnen, wenn sie es mal bis an die Weltspitze bringen wollen, meist mit 3-4 Jahren; aber wenn das vernünftig dosiert wird, ist das doch noch etwas anderes als ein Wettkampf auf Profi-Niveau!) Wann aber ist die abgeschlossen? Wenn man eine bestimmte Mindestkörpergröße festsetzt, werden sich kleinere Menschen mit Recht beschweren, vor allem die Asiaten; außerdem würden skrupellose Trainer und Funktionäre dann nur verstärkt Wachstumshormone verabreichen, damit die Kinder schon in jungen Jahren groß genug sind. Also auf's Alter abstellen? Aber auch da gibt es natürliche Unterschiede: Dikigoros z.B. war mit 13 Jahren ausgewachsen und maß 1,90 m - aber hätte es damals schon Altersbeschränkungen gegeben, hätte er nicht an Sportwettkämpfen teilnehmen dürfen, denn er war ja noch zu jung! Gleichwohl entschied man sich für diese Lösung, setzte das Mindestalter auf 16 Jahre fest - und erreichte damit gar nichts, weil daraufhin einfach die Geburtsurkunden gefälscht wurden. Ein paar Jährchen auf dem Papier älter - schwuppdiwupp ist der Formalität Genüge getan. Und im Ernst, liebe Leser, ist das nicht für die Betroffenen weniger schädlich als die Verabreichung irgendwelcher Hormone, sei es zum schnelleren, sei es zum langsameren Wachstum? Gleichwohl war die Aufregung groß, als bei den Olympischen Spielen von Peking 2008 die Rotchinesen mit einer Riege von 10-14-jährigen Mädchen Gold im Turnen holten, vor allem bei den "erwachsenen" US-Amerikanerinnen (deren älteste Turnerin immerhin schon 20 Jahre zählte und die entscheidenden Übungen verpatzte, weil sie zuviel nachdachte und das Nervenflattern bekam :-) "Den kleinen Mädchen fallen ja gerade erst die Milchzähne aus," giftete ihre Trainerin, "und wenn die zehnmal Startpässe haben, nach denen sie schon 16 sein sollen, ich kann genau erkennen, wie alt jemand wirklich ist." Ja, das durfte man ihr glauben; denn es handelte sich um niemand anderen als Martha Karolyi - die einstige Trainerin von Nadja Comaneci.

Dagegen regte sich niemand auf, als bei der Leichtathletik-WM 2009 eine Riege wie aus dem Gruselkabinett zum Hochsprung der "Frauen" antrat: Arme Wesen, denen man erstmal während der Pubertät reichlich Wachstumshormone verabreicht hatte, damit sie mindestens 1,90 m hoch wuchsen; dann wurden sie auf Hungerdiät gesetzt, damit sich nicht viel mehr als 50 kg wogen. (Das unterschied sie von den Volley- und Basketballerinnen von Montreal, bei denen wenigstens noch die Proportionen einigermaßen stimmten.) Damit diese Skelette aus Haut und Knochen überhaupt springen konnten, ließ man sie in der Muckibude mit Hilfe von anabolen Steroïden gezielt ein wenig Oberschenkel-Muskulatur aufbauen - aber sonst nichts; bereits die Unterschenkel sind so schwach, daß sie Stützstrümpfe tragen müssen wie Dikigoros' Mutter - eine alte Frau Ende 80 -, und bei einigen ist es so schlimm, daß sie die nicht mal während des Wettkampfs ablegen können. Und dann ist man (oder frau :-) auch noch stolz darauf, wenn diese Monster um die 2 m hoch springen. Dabei ist das überhaupt keine Leistung: Das ist ca. 5% über ihrer Körpergröße, so als ob eine normal gewachsene Frau um die 1,70 m hoch springt, und das kann jede junge Freizeitsportlerin, die im Sportunterricht gut aufgepaßt hat... Aber weiß denn Dikigoros etwas Besseres als die Funktionäre, um diesem Mißbrauch einen Riegel vorzuschieben? Na klar: Die Turn-Übungen dürften nicht mehr so lebensgefährlich sein, daß das Unterbewußtsein erwachsener Menschen sich gegen ihre Ausführung sträubt, während Kinder da noch unbekümmert, da unwissend sind. Also muß man die einzelnen Disziplinen weniger gefährlich machen, und das geht durchaus. Wenn man schon den Schwerpunkt der Speere verändert, damit sie nicht so weit fliegen, warum dann nicht auch den Anlauf beim Sprung verkürzen und das Sprungbrett weg nehmen, oder die Mattenfläche beim Bodenturnen verkleinern? Ein paar Zentimeter mehr Breite beim Schwebebalken täten auch niemandem weh; und Geräte wie den Stufenbarren sollte man ganz abschaffen - früher gab es den ja auch nicht, und bei Männern gibt es ihn bis heute nicht. Im übrigen sind die Skispringer auf eine gute Idee gekommen, um der Überhandnahme magersüchtiger Hungerhaken, die besser "fliegen", einen Riegel vorzuschieben, nämlich ein bestimmtes Mindestgewicht vorzuschreiben. Das könnte man auch in der Leichtathletik einführen, und zwar für einige Disziplinen auch mit einer Obergrenze beim Höchstgewicht. Und damit kleinere bzw. größere Menschen nicht benachteiligt werden, könnte man sich nach dem "Bodymaß-Index" richten: Wer z.B. weniger als BMI 18 hat, sollte nicht turnen oder hoch springen dürfen, und wer über BMI 28 hat, nicht Gewicht heben oder Kugel stoßen. Nachtrag Ende.

Und was ist aus Lasse Virén geworden, den Dikigoros eben noch so lobend erwähnt hat? Er gewinnt wieder die 5.000 und 10.000 m. Kunststück, ohne die Afrikaner, sagen böse Zungen, aber der Finne hätte die Neger wohl auch so geschlagen; er hat nämlich etwas Neues zur Leistungs-Steigerung erfunden: das Eigenblut-Doping. Das ist wohlgemerkt (noch) nicht verboten, weil es sich ja nicht um körperfremde Substanzen handelt, sondern um zuvor abgezapftes und eingefrorenes eigenes Blut, das vor dem Wettkampf aufgetaut und dem Körper wieder zugeführt wird und so seine Sauerstoff-Versorgung entscheidend verbessert. An dieser Methode scheiden sich die Geister: Gewiß ist es weniger schädlich als andere Mittel, die das gleiche Ziel verfolgen, wie Höhentraining oder EPO; aber wo soll die Grenze sein? Wenn das alle machen, wieviel Blut werden sie sich abzapfen und wieder einspritzen? Einen Liter, zwei, drei, vier? Konkurrenz schaukelt sich hoch, das haben auch die anderen Methoden zur Leistungs-Steigerung gezeigt, und irgendwann wird es halt doch wieder gesundheitsschädigend. Also wird auch das verboten, und das ist gut so; denn nachweisen kann man es nur, wenn es in unvernünftig hohen Dosen betrieben wird; kleinere Blutgaben, die auch der Gesundheit nicht weiter schaden, gehen unbeanstandet durch. Weiterhin erlaubt bleibt dagegen das "umgekehrte Doping", die Einnahme von Beruhigungs- statt Aufputschmitteln beim Schießen, auf daß die Hand nicht zittere. Damit das Zeug nicht die Leistungsfähigkeit in den übrigen Disziplinen beeinträchtigt (wäre doch peinlich, wenn jemand etwa beim Schwimmen einschlafen und ertrinken würde), wird sogar die Reihenfolge der Disziplinen im modernen Fünfkampf geändert!

Nachtrag 2009: Nachdem Dikigoros' boshafte Bemerkungen lange genug im Netz gestanden haben und reichlich gelesen worden sind - offenbar auch von Leuten, die beim Modernen Fünfkampf etwas zu sagen haben -, hat man nun endlich die Konsequenzen gezogen und die Disziplinen "Laufen" und "Schießen" zusammen gelegt, offiziell nach dem Vorbild des Biathlon bei den Wintersportarten: Immer schön abwechselnd, da kommt niemand mehr auf die Idee, Aufputsch- oder Beruhigungs-Mittel zu nehmen, denn was bei der einen Disziplin hilft, würde bei der anderen schaden. Und obwohl das bei der Masse der Athleten zunächst zu großem Murren führte, hat sich inzwischen doch heraus gestellt, daß die Leistungen der "sauberen" Fünfkämpfer unter dieser Regeländerung nicht gelitten haben. Wenn doch andere Verbände diesem löblichen Trend auch endlich folgen würden! Und zugleich hat man sich auch durchgerungen, endlich zu definieren, was "unvernünftig hohe" Dosen beim Eigenblut-Doping sind - denn nachweisen kann man es inzwischen ohne weiteres, weil man die Athleten zwingt, "Blutpässe" anlegen zu lassen, aus denen sich Abweichungen vom "Normalzustand" ergeben. Und da eine deutsche Eisläuferin das Pech hatte - nomen atque omen, liebe Claudia -, als erste wegen angeblichen Verstoßes gegen diese Normen auf Lebenszeit (d.h. für zwei Jahre, aber sie war bereits 37, in dem Alter ist das gleichbedeutend) gesperrt zu werden und im Zusammenhang damit eine für den Laien ziemlich verwirrende Berichterstattung durch die Medien schwirrt, will Dikigoros auch dazu etwas nachtragen. Also: "Normal" ist ein Hämoglobinwert von 10 Gramm pro Deziliter Blut plus/minus 10% - bei Männern eher mehr, bei Frauen eher weniger, das ist individuell verschieden. (Dikigoros z.B. hat nur knapp 9 gr, weshalb er nur ein mittelprächtiger Langstreckenläufer ist und auch auf der Mittelstrecke nie ein Spitzenläufer geworden wäre, selbst wenn er es in jungen Jahren ernsthaft versucht hätte.) Nun haben manche Künstler[innen] das aber bis auf 20 gr gesteigert, und da haben die Verbände endlich mal Höchstgrenzen festgelegt, ab denen ein Athlet gesperrt wird - nicht ganz einheitlich und auch nicht ganz konsequent, aber immerhinque: bei Männern auf 17 gr und bei Frauen je nach Sportart auf 16 bis 16,5 gr. Eine so hohe Konzentration ist schon schlimm genug, und es sollte uns zu denken geben, daß seitdem praktisch alle Spitzenathleten der Welt just auf einen Hämoglobinwert kommen, der haarscharf darunter liegt. Warum schreibt man dann nicht einheitlich niedrigere Werte vor? Wäre das nicht für alle gesünder? Klar wäre es das, aber das Publikum will schließlich regelmäßig neue Rekorde sehen, deshalb ist es eher wahrscheinlich, daß die Grenze mit der Zeit nach oben gelockert wird. Aber nun ist unsere Pech-MarieClaudia doch beim Hämoglobin gar nicht aufgefallen - jedenfalls nicht in unzulässiger Weise: Solange die Grenze bei 16,5 gr lag, hatte sie maximal 16,4 gr, und als sie auf 16,0 gesenkt wurde, hatte sie ein einziges Mal (!) 16,1 gr, sonst immer darunter. Was machte man übrigens bisher mit solchen Kurzzeitsünder[inne]n? Ganz einfach: Man sperrte sie für 5 Tage, danach hatten sich die Werte meist wieder so weit "normalisiert", daß sie ins Raster paßten. Warum nun also eine lebenslange Sperre? Auch am Hämatokritwert war nichts auszusetzen. Aber seit Jahresbeginn ist es auch möglich, jemanden zu sperren, dessen Retikulozyten "verdächtig" sind, und die wichen bei der guten Claudia um sage und schreibe 1,1% vom "Normalwert" ab. Ach Du liebe Einfalt... Wenn diese Sperre Bestand hat (und Dikigoros wird Euch darüber berichten), dann kann man auf eine Sportgerichtsbarkeit gleich ganz verzichten und die Sperren oder Nichtsperren ganz willkürlich festsetzen, denn mit Recht und Gesetz (oder auch nur Richtlinien) hat das dann nichts mehr zu tun, sondern allenfalls mit dem Geschäft: Fürs letztere ist es nicht gut, wenn eine "alte Frau", die schon fünf olympische Gold-Medaillen gewonnen hat, ihren Platz nicht für den Nachwuchs räumen will. (Man hatte ihr großzügig angeboten, von einer Sperre abzusehen, wenn sie ihre Karriere "freiwillig" beendete; juristisch gesehen war das eine glatte Erpressung, denn man drohte ihr ja im Weigerungsfall nicht etwa mit einer regulären Rechtsverfolgung, sondern mangels Dopingbefunds mit einer krassen Rechtsbeugung.) Aber auf diese Art Motivation bei der Verfolgung oder Nicht-Verfolgung von angeblichen oder echten "Doping-Sündern" kommt Dikigoros weiter unten - beim "Fall Baumann" - noch einmal ausführlicher zurück. Nachtrag Ende.

Was ist eigentlich aus dem Profiverbot geworden? Das ist anno 1976 immer noch in Kraft, obwohl inzwischen wie gesagt nicht nur der Ostblock "Staats-Amateure" hat, sondern auch der Westen, der seine "Sportsoldaten" oder sonstigen Beschäftigten im Öffentlichen Dienst genauso zum Training frei stellt. Aber mit dem miesen Gehalt eines kleinen Unteroffiziers oder einer kleinen Stenotypistin beim Sozialamt (wie Annegret Richter, die deutsche Goldmedalistin über 100 m) würden sich US-amerikanische Spitzenathleten schon lange nicht mehr abspeisen lassen. Erinnert Ihr Euch noch an den Fall Thorpe, liebe Leser? Dessen nachträgliche Disqualifikation als "Profi" ist immer noch in Kraft (sie wird erst 1982 aufgehoben werden) - schließlich hat er ja ein paar Dollars als Footballspieler genommen, bevor er Zehnkämpfer wurde. Auch William Jenner war mal Footballer; was er dafür bekommen hat, fragt niemand mehr - zu Recht. Aber bei den Olympischen Spielen von München war er nur 10. geworden, und das können die USA doch nicht auf sich sitzen lassen. Die US-Industrie springt ein und "fördert" das Training der "Decathleten" mit Millionenbeträgen. Wieviel genau davon auf Jenner entfallen sind, wird nie genau bekannt - offiziell gar nichts. Schließlich hat er eine hübsche Frau, die dafür bezahlt wird, daß sie sich auf Fotos mit ihm beim Training ablichten läßt, außerdem einen sehr hübschen Hund, der dafür bezahlt wird, daß er vor der Kamea das Dosenfutter einer bestimmten Marke frißt. Der Rest - ca. 250.000 US-$ (nach heutiger Kaufkraft ca. 2 Mio US-$) wird als "Darlehen" gewährt, das nach den Spielen eigentlich zurück zu zahlen wäre. (Warum nicht? Nach den Spielen darf man ja Profi werden und gut dotierte Werbeverträge abschließen!) Aber nachdem Jenner die Goldmedaille gewonnen hat - mit deutlichem Vorsprung vor dem späteren Weltrekordler Guido Kratschmer - "vergißt" man das großzügig. Wie gesagt, nachträglich...

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