"Wir kommen in friedlicher Absicht . . . !"
vom Mars nach Gutmenschistan/Terra

von kulturellen und anderen Mißverständnissen
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TIM BURTON: "MARS ATTACKS!" (1996)

[Filmposter] [DVD-Cover]

Ein Kapitel aus Dikigoros' Webseite
"AVEZ-VOUS BOURBON . . . ?"
Reisefilme des 20. Jahrhunderts

Vorbemerkung: Bitte begeht nicht den Fehler, liebe Leser, den Dikigoros begangen hätte, wenn er den Film, der er Euch hier vorstellen will, beim ersten Mal von Anfang an gesehen hätte. (Für gewöhnlich läßt er seine Frau "vor-sehen", und wenn sie meint, daß es sich lohnt, ihn anzuschauen, ruft sie ihn während der ersten Werbepause dazu und erzählt ihm in aller Kürze, was bis dahin geschehen ist :-) Wenn Ihr Dikigoros' "Reisen durch die Vergangenheit" kennt, dann wißt Ihr wahrscheinlich schon, was er vom Stierkampf hält und von all seinen perversen Abarten wie der, Rinder anzuzünden und sie so durch die Straßen zu treiben. Genau damit beginnt "Mars attacks"; und hätte Dikigoros diese Szene gesehen, dann hätte er sich den Film wohl nicht weiter angesehen - und etwas versäumt. Dagegen war es - jedenfalls auf den ersten Blick - kein Versäumnis, diesen Anfang auszulassen, denn scheinbar hat er mit der folgenden Handlung nicht das geringste zu tun, ist also völlig überflüssig; der Film gibt uns auf die Frage, was das soll, bis zum Schluß keine explizite Antwort - deshalb muß Dikigoros das tun. (Aber damit will er Euch nicht etwa auffordern, jetzt gleich zum Ende zu scrollen; versucht erstmal selber drauf zu kommen :-) Und damit genug der Vorwarnung.

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Im Jahre 1898 - die USA hatten gerade ihren Krieg um die spanischen Kolonien Kuba, Puerto Rico und Filipinen gewonnen (aber das ist eine andere Geschichte) - veröffentlichte H. G. Wells seinen berühmtesten Roman: "The War of the Worlds [Der Krieg der Welten]", in dem er eine Reise der - ganz und gar nicht friedlich gesonnenen - Marsmenschen zur Erde beschreibt, um sie zu erobern. Vierzig Jahre später machte Orson Welles daraus ein Hörspiel, mit dem er die Amerikaner in Angst und Schrecken versetzte: Sie waren derart Radio-gläubig (so wie ihre Nachkommen heute Fernseh-gläubig sind), daß sie die Invasion der bösen Marsianer, jener kleinen grünen Männchen, für echt hielten - aber die hielten ja auch die Bedrohung durch böse Fascisten, Nazis und kleine gelbe Männchen - japanische "Untermenschen" - für echt, vor deren Invasion sie ihr braver Präsident Franklin Delano Roosevelt im Vorjahr in seiner berühmten "Quarantäne-Rede" so eindringlich gewarnt hatte.

Noch einmal fünfzehn Jahre später, anno 1953, verfilmte Byron Haskin das ganze, und auch da hegte noch niemand in den USA oder sonst irgendwo die geringsten Zweifel, daß die Einreise von Fremden aus anderen "Welten" - seien sie nun von grüner, gelber, roter, schwarzer, brauner oder sonstiger nicht-weißer Hautfarbe - nur einen Zweck haben konnte: die kriegerische Eroberung unter Vernichtung der Alteingesessenen. So war es seit Beginn der Menschheit immer gewesen - und wer hätte das besser gewußt als gerade die Amerikaner, die "ihren" Kontinent ja auch einmal auf diese Weise "bereist" hatten; und nicht umsonst waren damals die Nürnberger Gesetze von 1935, pardon, in den USA waren das ja die Washingtoner Gesetze (der "Emergency Quota Act" von 1921 und der "Immigration Act" von 1924 sowie als dazu gehörende Durchführungsverordnung die "National Origin Formula") noch immer in Kraft. Aber nichts ist ewig, auch nicht die Einstellung zu Reisen und Reisenden aus fernen Welten - womit über die Richtigkeit oder Unrichtigkeit dieser Einstellung[en] ja noch nichts gesagt sein muß.

Im Jahre 1976 - die USA hatten gerade vier Jahre zuvor ihre Mond[f]lüge aufgegeben und feierten ausgiebig den 200. Jahrestag ihrer Staatsgründung - sang das heute zurecht vergessene schwedische Schlagersternchen Barbro Svensson alias "Lill Babs" ein Liedchen mit dem Titel "Willkommen auf Erden [Välkommen till världen]". 20 Jahre später kam der amerikanische Regisseur Tim Burton - bereits berühmt-berüchtigt durch Filme wie "Edward mit den Scherenhänden" und "Batman kommt zurück" - auf die Idee, ein Plakat mit dem Spruch "Welcome to Earth" zu bemalen und drumherum einen Plot aufzubauen, dem eine bösartige Satire von Jonathan Gems zugrunde lag: "Mars greift an". Der Titel ist - leider - schlecht gewählt, denn er verrät ja schon alles. [Im Gegensatz dazu verrät der Titel des im selben Jahr gedrehten Films "Independence Day" von Roland Emmerich, der das gleiche Thema hat, zwar nichts; aber er erfüllt Dikigoros' Definition eines "Reisefilms" nicht, weil er mit - typisch deutschem? - Bierernst gedreht ist; dem Regisseur ging es halt nicht um Humor, sondern um 100%ige political correctness: Am Ende wird die Menschheit von einem Neger und einem Juden gerettet - und einem Alkoholiker, der sein Flugzeug mit einem Kamikaze-Angriff ins Mutterschiff der Aliens lenkt.] Alles was? Nun, alles was gewisse Gutmenschen anfangs partout nicht wahr haben wollen: Der Besuch fremder Lebewesen, die ins eigene Land einreisen, muß entgegen weit verbreiteter professoraler Vorurteile - und boshafter Überschriften, die sich Dikigoros ausdenkt - durchaus nicht immer in friedlicher Absicht geschehen; es kann auch ein tödlicher Angriff sein. [Dikigoros legt Wert auf die Feststellung, daß er nicht alle Professoren in einen Topf werfen will - auch Samuel Huntington war einer von ihnen; aber leider sind dessen Erkenntnisse weniger weit verbreitet als die mancher politisch-korrekten Pfeife, pardon manches Pfeife rauchenden Gutmenschen.]

Aber lassen wir vorerst das Plakat, denn das steht im Wilden Westen, in der Wüste von Nevada; dagegen beginnt der Film am anderen Ende der Welt, pardon der USA, in Washington D.C., immerhin dem politischen Nabel der Welt, wo gerade ein Pfeife rauchender Professor für Politische Wissenschaften dem Präsidenten einen Vortrag hält über das aktuellste politische Ereignis: Marsmenschen sind im Anflug auf die Erde! Na, wenn das kein freudiges Ereignis ist, denn je intelligenter und zivilisationstechnisch fortgeschrittener Besucher aus einer fremden Kultur sind, desto friedlicher müssen sie "logischerweise" sein - davon ist der gute Professor jedenfalls felsenfest überzeugt, und als Amerikaner muß er es ja wissen, denn wie war das doch gleich mit den technisch überlegenen Europäern, die seit Ende des 15. Jahrhunderts die Einwohner Amerikas (und anderer Kontinente) mit ihren friedlichen Besuchen beglückten? Eben... Aber vielleicht hatten es die blöden Eingeborenen damals nur verabsäumt, ihren friedliebenden Besuchern einen würdigen Empfang zu bereiten? Da ist man 500 Jahre später Dank der inter- und multi-kulturellen "Wissenschaft" zum Glück viel weiter: Die Armee schickt Einheiten in die Wüste, der Manager eines Nobelhotels mit Spielcasino in Las Vegas bereitet schon alles für seine neuen Gäste vor - denn auch Marsmenschen müssen ja irgendwo übernachten -, der Fernsehsender GNN (nein, nicht CNN - die hätten auf Unterlassung geklagt :-) eine Talkshow über Marsmenschen mit dem Keksperten Professor Kessler und einer überkandidelten Show-mistress - oder sagt man Show-masterin? -, die sich bereits ineinander verknallt haben, Zeitungs- und Fernsehreporter ihre sicher sensationellen Interviews (irgendein Wissenschaftler hat sogar einen Übersetzungs-Computer konstruiert, der Marsianisch kann), und eine esoterisch angehauchte Alkoholikerin (und noch ein Grüppchen Gleichgesinnter, von denen nicht ganz klar wird, wonach die süchtig sind) erhofft sich gar eine "Erlösung der Menschheit" von all den Übeln, an denen sie auf Erden leidet.

Auch von denen bekommen wir einige zu sehen. Da ist z.B. der alternde Boxmeister a.D., der in einer Las-Vegas-Show als Tut Ench-Amon verkleidet auftritt (wie sich die Amerikaner den so vorstellen: als Schwarzen halt, denn Ägypten liegt doch in Afrika; neuerdings wollen sie sogar "bewiesen" haben, daß Kleopátra eine Negerin war :-) und sich gerade bei seinem knickerigen Manager eine Abfuhr in Sachen Aufbesserung seines mageren Gehalts abgeholt hat: "Ich kann Michael Spinx haben fürs gleiche Geld, vielleicht sogar für weniger..." Oder seine getrennt lebende Ehefrau, eine Latina, die sich als Busfahrerin in Washington herum ärgert, vor allem mit ihren zwei ungezogenen halbwüchsigen Bälgern, die ständig die Schule schwänzen und statt dessen mit Spielzeug-Gewehren Krieg spielen - sich also politisch völlig unkorrekt verhalten. Und dann ist da noch eine Familie "white trash", Prolis, die in einem Wohnwagen hausen, den ältesten Sohn - der vor naïvem Patriotismus nur so sprüht - gerade zum Militärdienst verabschieden und anschließend die schon etwas tüddelige Oma ins Altersheim abschieben, wo sie von morgens bis abends klassische Musik in den höchsten Tönen hört (über Kopfhörer, versteht sich, um die anderen Insassen nicht akustisch zu belästigen), statt ordentlichen Rock, Pop und was sonst so "in" ist. Ihr meint, liebe Leser, das sei doch alles ein wenig überzeichnet? Na kaum - unter all diesen Figuren gibt es keine einzige, wie sie Dikigoros in den USA (und z.T. auch im alten Europa) nicht schon persönlich kennen gelernt hätte.

Als dann "der große Tag" kommt und die Marsianer tatsächlich pünktlich in der Wüste landen (am 10. Mai - dem Tag, an dem 1940 der Westfeldzug begann - Zufall?), hält ein politisch-korrekter Mulatten-General (hinter dem man unschwer eine Anspielung auf Colin Powell erkennt) ihnen eine schöne Begrüßungsrede, und der Anführer der kleinen grünen Männchen (die eigentlich gar nicht richtig grün sind, auch wenn das Filmplakat rechts oben etwas anderes suggeriert - aber darauf kommen wir gleich zurück) quakt irgend etwas daher, das der Sprachcomputer nach einigen Anlaufschwierigkeiten übersetzt mit: "Wir kommen in friedlicher Absicht." Der Jubel unter den menschlichen Zuschauern ist groß, Applaus brandet auf, einer der Esoterik-Hippies läßt sogar eine Friedenstaube flattern... da greift der Marsmensch doch glatt zur Laserpistole und brät den Vogel in der Luft bis aufs Skelett ab. Damit nicht genug: das gleiche Schicksal ereilt alle Menschen, die nicht rechtzeitig fliehen, zuallererst den Sohn der weißen Prolis, der glaubt, er könne sich fahneschwenkend ergeben und so natürlich ein besonders gutes Ziel abgibt. Wat nu, pardon: Schto djelatch? Denken wir pragmatisch: Der tote Proli bekommt ein Heldenbegräbnis, der Professor ist überzeugt, daß lediglich ein "kulturelles Mißverständnis" vorliege, und als ein anderer General - so ein weißer Scharfmacher - den Präsidenten drängt, einen Gegenschlag einzuleiten, wird er zusammen gestaucht und zurück gepfiffen: "Bloß keine Panik", sagt der Präsident zum Pressesprecher, "die Bevölkerung soll wissen, daß ich alles im Griff habe, daß die Schulen weiter geöffnet bleiben und der Müll weiter geleert wird." Dann hält er eine schöne Rede fürs Fernsehvolk, die an Lächerlichkeit kaum zu überbieten ist, d.h. wie wir sie von unseren Politikern tagtäglich vorgesetzt bekommen, wenn irgend etwas Unangenehmes zu geschehen droht oder schon geschehen ist, das vertuscht, verniedlicht oder sonstwie schön geredet werden soll: Vielleicht haben die Marsianer irgendetwas mißverstanden? Vielleicht mögen sie keine Tauben, und die gelten bei ihnen als Kriegsvögel? Also schickt man ihnen eine neuerliche Botschaft, daß man weiterhin zu guten Gesprächen, Verhandlungen und Friedlichkeiten bereit sei. So weit, so gut.

Aber, wie wir spätestens seit Schillers "Wilhelm Tell" wissen: Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt. Und der Nachbar sind nun mal die Marsianer, die sich in ihrem Raumschiff halb tot lachen, als sie das hören - für so dumm hätten sie die Menschen denn doch nicht gehalten! Was wollen die denn noch? Nun, diesmal wird es so deutlich, daß auch der dümmste Professor und der dümmste Politiker das nicht mehr mit einem "Mißverständnis" erklären kann: Die Marsianer erklären erneut ihre friedlichen Absichten, lassen sich zu einer Versöhnungsrede in den Congress einladen und erschießen alle Abgeordneten. (Die Oma der weißen Prolis, die das im Fernsehen verfolgt, klatscht dazu begeistert Beifall - was sie dem Zuschauer sofort sympathisch macht. Ach, liebe Esoteriker, wo bleiben bloß die Marsmenschen? Wir sollten sie nach Berlin einladen, in den Reichstag!) Der Präsident - auch er hat das ganze leider nur im Fernsehen verfolgt - greift zum Telefon, ruft seinen französischen Kollegen an und bekommt gerade noch mit, wie die Marsianer den Eiffelturm platt machen. Und morgen die ganze Welt (oder noch am selben Tag - das wird nicht ganz klar): Das Washington Monument, die Bumsköppe von Mount Rushmore (denen sie ihre eigenen Visagen einlasern - spätestens an dieser Stelle kommt Dikigoros der Verdacht, daß diese weltweite Zerstörungsorgie Trey Parker und Matt Stone inspirierte, als sie acht Jahre später "Team America" drehten - aber das ist eine andere Geschichte), den Tāj Mähäl, Big Ben, das "Golden Nugget" in Las Vegas und... Moment, hier müssen wir eine Kleinigkeit erwähnen, die später noch bedeutsam wird: Bevor die Marsianer Las Vegas zu Kleinholz verarbeiten genießen sie noch den letzten Auftritt von Tom Jones, der ungerührt seinen ersten Nr.-1-Hit von anno dunnemals sing: "It's not unusual..." Was ist denn auch schon ungewöhnlich an der Lage? Die Marsianer sind ganz begeistert von der Musik und tanzen sogar ein paar Takte auf der Bühne mit - aber dann ist Schluß mit lustig. Aus dem allgemeinen Chaos entkommen nur Tom Jones, der Hotelmanager, die Esoterikerin und der Boxer alias "Tut Ench-Amon", d.h. der letztere opfert sich, um die Marsianer, die gerade den Flugzeughangar stürmen wollen, aufzuhalten - mit bloßer Hand. (Wobei man der "Ellbogenarbeit" des bereits 60-jährigen Jim Brown anmerkt, daß er kein gelernter Boxer ist, wie es die Filmrolle eigentlich verlangt, sondern ein gelernter Football-Spieler, übrigens einer der besseren und der erste Schwarze, der - schon in den 1950er Jahren, als in den USA eigentlich noch Rassentrennung herrschte - zum Footballer des Jahres nominiert wurde :-)

Zurück in den Osten: Der Präsident hat sich im Weißen Haus verbarrikadiert und dem General, der über die "Liberalen, Intellektuellen, Friedensapostel und Idioten" flucht, endlich den Befehl erteilt, Atomraketen einzusetzen; aber nebenan läuft noch immer "business as usual", d.h. eine Museumstante führt eine Klasse Schüler durch die historischen Räumlichkeiten des White House, und wie es der Zufall will, sind auch die beiden nichtsnutzigen Bastarde dabei, die außer Gewehrschießen nichts gelernt haben. Einer von ihnen sieht plötzlich ein Raumschiff der Marsianer vor dem Fenster. "Was ist denn das?" fragt er. "Das ist ein Portrait von Monroe", sagt die Museumstante, ohne sich umzudrehen (sie weiß schließlich auswendig, was hinter ihr an der Wand hängt :-) - wundert Ihr Euch da noch, liebe Leser, daß die Kids keinen Bock auf Schule und "Bildung" haben, die darin besteht, irgendwelchen Blödsinn auswendig zu lernen, sondern lieber etwas "Praktisches" lernen wollen, z.B. mit einem Gewehr umzugehen? Oder mit einem Computer, der das Cockpit eines Kampffliegers simuliert? Und daß sie dieses schöne "Kriegsspielzeug" den blödsinnigen Friedensspielchen, die man sich ständig für sie auszudenken versucht, bei weitem vorziehen? Im Weißen Haus bricht unter den "Friedens-Politikern" Panik aus, als die Marsianer herein strömen. Die einzigen, die sich prompt Gewehre schnappen und sichtlich in ihrem Element sind, nämlich beim Kriegspielen, sind die beiden Negerbastarde, die den Angriff der Marsianer schließlich abschlagen. Umgekehrt sieht es aber nicht besser aus: Auch die Atomrakete, die der "Falke" von General abgeschossen hat, wird von den Marsianern problemlos abgefangen, die sich schon etwas Neues ausgedacht haben, um das White House in ihre Gewalt zu bekommen: Sie haben den dämlichen, pardon friedliebenden Professor Kessel und die überkandidelte Showmistress mitsamt ihrem Rehpinscher gefangen genommen, und an denen wird jetzt etwas herum seziert und experimentiert: Dem weiblichen Körper wird der Hundekopf aufgesetzt, der Professor darf als labernder Kopf ohne Unterleib in der Luft hängen, und den Frauenkopf bekommt erst der Hund, dann schnappt ihn sich einer der Marsianer; und in der nächsten Szene sehen wir eine merkwürdig steife, aber dafür umso stärker geschminkte Person mit den Zügen der Showmistress vor dem Weißen Haus stehen.

Da trifft es sich gut, daß der Pressesprecher ein Weiberheld ist, der sie prompt mit hinein nimmt auf ein Schäferstündchen - es wird sein letztes, und bei der Gelegenheit erwischt es auch gleich den Präsidenten nebst Gattin. Wer soll jetzt noch die Erde retten?

Kurze Denkpause. Was heißt eigentlich "die Erde" retten? Bei dem bereits erwähnten "Team America" geht es darum "die Freiheit" zu retten, und bei solchen Gelegenheiten kann sich Dikigoros ja nie die Frage verkneifen: "Freiheit wessen wovon wozu?" Und hier? Wovor und wozu soll die Erde gerettet werden? Und was heißt das eigentlich, "die Erde"? Die Menschheit (von der ihr doch spätestens seit den Atombomben mehr Gefahr droht als vor jedem bisher bekannten Außerirdischen)? Die Zivilisation? Womöglich gar die amerikanische Zivilisation, der American Way of Life? Die Regierungspaläste und Spielcasinos, die Eiffeltürme und sonstigen Touristen-Attraktionen? Die Wolkenkratzer im allgemeinen und die Twin Towers des World Trade Centers (die man im Film noch stehen sieht) im besonderen? Gewiß, das sind alles Dinge, auf die man gut und gerne verzichten zu können glaubt - erst wenn sie nicht mehr da sind, vermißt man sie plötzlich. Als Dikigoros mit 19 Jahren zum ersten Mal das gerade neu erbaute World Trade Center besichtigte, hat es ihn nicht sonderlich beeindruckt; aber als er mit 50 das Neujahrsfest 2001 dort feierte, in jener schönen, friedlichen und kultivierten Atmosfäre der Restaurationsfläche im Parterre-foyer, wo noch die Weihnachts-Dekoration stand, dachte er, daß er sich das künftig doch öfters mal gönnen sollte und ahnte nicht, daß es das letzte Mal sein sollte. Er hatte die Muslime bis dahin schon nicht sonderlich geliebt; aber seitdem weiß er genau, wovor die Menschheit gerettet werden muß... Wo waren wir gleich stehen geblieben? Bei dem, was 19-jährigen wichtig erscheint? Nein, nicht direkt, aber da kommen wir jetzt hin. Der jüngere Sohn der Wohnwagen-Prolis findet es nämlich plötzlich gar nicht mehr gut, angesichts der marsianischen Gefahr die alte Oma im Heim zu lassen - als ob das eher angegriffen würde als der Trailer Park! - und beschließt, sie zu retten, schnappt sich den alten Pickup und fährt los. Und tatsächlich, die Marsianer haben nichts besseres zu tun, als auch das Altersheim zu überfallen und die Insassen zu massakrieren. Gerade dringen sie in das Zimmer der Oma ein, als auch der Enkel zur Tür herein stürzt, um sie mit lautem Zuruf zu warnen. Die Oma dreht sich mit einem Ruck um, und dabei reißt sie versehentlich die Kopfhörer aus der Buchse. Folge: Die Musik dröhnt nun aus den Lautsprechern, wie gesagt in den höchsten Tönen, denn sie bevorzugt eine Mischung aus Country und Klassik mit Jodeleinlagen. (Im Film wird ständig eine Platte von Slim Whitman gespielt, von dem in Deutschland noch nie jemand gehört hat, und der seine große Zeit in den USA in den 1950er Jahren hatte. Er war, als "Mars Attacks!" gedreht wurde, schon so alt wie die Oma des Helden; aber er lebt heute noch :-)

Das Ergebnis ist verblüffend: Die Marsianer, die noch bei Tom Jones' Gesang begeistert mit getanzt haben, vertragen offenbar die Obertöne nicht und zerspringen wie billige Wassergläser - wobei dann wenigstens die Körperflüssigkeit, die anstelle von Blut aus ihnen heraus spritzt, grün ist. Der Enkel schaltet sofort, packt die altmodische Stereoanlage nebst Lautsprechern auf den Pickup und beginnt, die Straßen abzufahren und so von Marsianern zu säubern. Er schlägt sich bis zum Rundfunksender durch, der zum Glück noch unzerstört ist - und zum noch viel größeren Glück auch noch einen altmodischen Plattenspieler hat, auf dem man die Oma-Platte abspielen kann, und er geht damit auf Sendung. Sein Beispiel macht Schule, und bald darauf ist die Invasion der Marsianer abgeschlagen, die Invasoren allesamt tot, ihre Raumschiffe ins Wasser gestürzt. Die Erde ist freilich größtenteils verwüstet; und in der Abschlußszene, in der die Tochter des Präsidenten, die irgendwie überlebt hat, dem tapferen Oma- und Menschheitsretter im Namen ihres Vaters (dessen Job sie offenbar geerbt hat :-) einen Orden an die junge Heldenbrust heftet (und sich ihm bei der Gelegenheit gleich als Girl-friend anbietet :-) sagt der Bubi in seiner Dankesrede genau das, was Dikigoros' Mutter am Ende des Zweiten Weltkriegs sagte: "Jetzt haben wir endlich wieder etwas aufzubauen." Und zugleich stellt er in Frage, ob das wieder so eine "Zivilisation" sein muß wie die, welche die Marsianer zerstört haben: "Vielleicht wäre es doch gescheiter, in Wigwams zu leben statt in Hochhäusern." Das bleibt als Schlußsatz so stehen, deshalb sollten wir es zum Ausgangspunkt für die Frage nehmen, was uns die Macher von "Mars Attacks!" damit - und mit dem ganzen Film - eigentlich sagen wollen. Oberflächliche Kritiker (u.a. mal wieder in good old Germany :-) haben geschrieben, dieser Film sei "eine Satire über verlogenes Politiker-Geschwätz, Hurra-Patriotismus und falsche Heldenverehrung". Doch das greift viel zu kurz. Der Film ist keine bloße Satire, er ist eine Parabel - aber wofür?

Da sich Dikigoros oben mit der islamischen Gefahr so weit aus dem Fenster gelehnt hat, sollte er vielleicht damit beginnen, wofür nicht - eben für diese, denn die sah vor September 11, 2001, wohl noch niemand in den USA (außer wie gesagt Samuel Huntington - aber wer nahm den damals schon ernst?). Überhaupt: Die Gefahr einer groß angelegten islamischen Invasion besteht in den USA nicht, und sie hat wohl auch nie bestanden. [Oder? Dikigoros hat an anderer Stelle geschrieben, daß sich die Spanier eventuell vorzuwerfen hätten, Amerika nicht ein paar Jahrzehnte eher entdeckt zu haben, um den Untergang der "präkolumbianischen" Kulturen durch die Invasion der Inka und Azteken zu verhindern. Aber vielleicht hat es eine solche historische Konstellation, in der das möglich gewesen wäre, nie gegeben. Stellt Euch doch mal vor, der unternehmungslustige Genueser, der sich "Cristóbal Colón" nannte, hätte ein Vierteljahrhundert früher gelebt und wäre 25 Jahre früher auf die Idee gekommen, den Seeweg nach Indien jenseits des Atlantiks zu suchen: Nach seiner Abfuhr durch das Gräflein von Porto (das sich mit einer gewissen Überheblichkeit als "König" von Portugal bezeichnete :-) wäre er wohl schwerlich zum Königshaus von Spanien gegangen (denn das gab es damals noch gar nicht - die Königin von Kastilien, León und Asturien hatte den König von Aragón, Navarra und Katalonien noch nicht geheiratet), um seine diesbezüglichen Dienste anzubieten, sondern höchstwahrscheinlich... zum Sultan von Marokko! Und so wäre Amerika wohl nicht von fundamentalistischen Christen (inquisitionswütigen Katholiken im Süden und Puritanern u.a. fanatischen Protestanten im Norden) erobert worden, sondern... von fundamentalistischen Muslimen! Was das für den Gang der Weltgeschichte bedeutet hätte... Was immer man mit gutem Recht über die Eroberung Europas im 20. Jahrhundert durch die christlich-demokratischen USA und ihre Kreuzzügler sagen kann - gegen eine Eroberung Europas durch muslimische USA und ihre Jihādis war das ein Zuckerschlecken!]

Auch die Angst vor den Jahrzehnte lang zur "gelben Gefahr" aufgebauschten Japanern und Chinesen war 1996 nicht mehr so stark ausgeprägt. Welche "Invasions"-Gefahr bleibt also, die nicht nur die USA bedroht, sondern die ganze "westliche", genauer gesagt die ganze nördliche" Welthälfte? Und zwar, weil unsere (nicht nur farben-)blinden Politiker, deren Gehirne vernebelt sind von "gutmenschlichen" Vorurteilen und Gleichheits-Theorien irgendwelcher "liberaler" Professoren und Möchtegern-"Wissenschaftler" (die gar kein Wissen schaffen, sondern vielmehr Unwissen), ihr mit der gleichen politisch-korrekten Hilflosigkeit gegenüber treten wie den Marsianern in "Mars Attacks!"? Schaut Euch bitte die Köpfe der letzteren nochmal genau an. Und dann schaltet mal das Radio ein, hört Euch an, was da mutmaßlich aus den Sendern quillt, und fragt Euch, wer einen Horror vor schöner, klassischer Musik - auch, aber nicht nur, in den höchsten Tönen - hat.

Einige Leute schimpfen Dikigoros einen "Rassisten", weil er nie einen Hehl daraus gemacht hat, daß er die Neger nicht liebt. Aber diese Beschimpfung stört ihn wenig; denn er weiß sich mit fast allen körperlich und geistig gesunden Menschen aller Orte und aller Zeiten einig: mit allen Angehörigen der gelben Rasse, mit fast allen der schwarzen Rasse und mit den meisten der weißen Rasse - die wenigen Ausnahmen in Mitteleuropa und Nordamerika, die erst durch intensive Gehirnwäsche, dann durch massive Medien-Manipulation seit ein paar Jahren entstanden sind, fallen demgegenüber kaum ins Gewicht und bestätigen im übrigen nur die Regel. Dikigoros könnte auch bösartig sein und schreiben, daß es den Weißen, solange sie noch "Rassisten" waren, gut ging, und daß ihr Abstieg erst begann - und zwar rapide -, als sie diese gesunde Einstellung über Bord warfen und das anhand irgend welcher Statistiken eingehend belegen. Aber statt dessen will er etwas darüber schreiben, wie er selber zu dieser Einstellung gelangt ist - obwohl er zu jener kleinen Zahl mitteleuropäischer Menschen gehört, die man zum "Anti-Rassismus" zu erziehen versucht hat. Was stört ihn an den Schwarzen? Ihre Hautfarbe? Unsinn - es gibt relativ hellhäutige "Schwarze" und relativ dunkelhäutige "Weiße". Ihr Geruch? Ach was - als Sportler macht ihm Schweiß nichts aus, und Alkoholfahnen und Zigarettenqualm bekommt man von Weißen mindestens ebenso oft zu riechen. Ihre Sprache? Auch nicht - als jemand, der auf der Schule britisches Englisch gelernt hatte, klang ihm das, was die weißen Amerikaner redeten, ebenso fremd wie das "Ebonics" (den Ausdruck gab es damals noch nicht) der Schwarzen, und er ist ja kein Grieche. Die alten Hellenen teilten die Menschheit bekanntlich in solche ein, die eines der griechischen Idiome sprachen, und solche - "Barbaren" - die das nicht taten. Tja, wonach soll man die Menschen einteilen? In Männlein und Weiblein, jung und alt, dick und dünn, Gläubige und Ungläubige, Schwimmer und Nichtschwimmer, Raucher und Nichtraucher, Vegetarier und Nichtvegetarier? Ja, aber was sagt das alles schon wirklich über einen Menschen aus? Und was hätte das mit diesem Film zu tun? Dikigoros will es Euch verraten: Er teilt die Menschen in "musikalische" und "unmusikalische" ein; er zählt gute Musik zu den wichtigsten Bestandteilen einer Kultur, die es wert sind, verteidigt zu werden, mit allen Mitteln, um jeden Preis und gegen jeden Gegner. (Dies ist auch der Grund, weshalb er den Islām - der die "westliche" Musik verbietet - als einen Todfeind der Kultur und somit als einen Verderber der Menschheit betrachtet, der unter allen Umständen ausgerottet werden muß - aber das ist eine andere Geschichte.)

Als Dikigoros zum ersten Mal in den USA lebte, als Soldat, verbrachte er - anders als die meisten seiner deutschen Kameraden - die Zeit nach Dienstschluß nicht bevorzugt in der "deutschen Soldatenstube" bei deutschem Schweinebraten und nach deutschem Reinheitsgebot gebrautem Bier, mit den letzten Ergebnissen der Fußball-Bundesliga an der Wand (die waren eh ziemlich langweilig, denn schon damals dauerte ein Spiel 90 Minuten, und am Ende gewann immer Bayern München und wurde Deutscher Meister), sondern in einer Freizeiteinrichtung der US-Army. Und obwohl er auch in den Offiziersclub gekommen wäre - denn die Amerikaner hielten seine Gefreiten-Balken (er trug auch nach Feierabend immer Uniform, sogar am Wochenende und im Urlaub - er fand sie chic und bequem) für die Rangabzeichen eines Oberleutnants, und er wußte gepflegt aufzutreten und zu sprechen - oder in den N.C.O.-Club - denn alle deutschen Mannschaftsdienstgrade vom Stammpersonal bekamen von Amts wegen falsche I.D.'s, damit sie sich im Falle einer Kontrolle als Unteroffiziere ausgeben konnten - machte er davon keinen Gebrauch, sondern suchte bewußt die Mannschaftseinrichtungen auf - wie viele amerikanische [Unter-]Offiziere übrigens auch, weil es dort zwangloser zuging. Eine der vielen Freizeitgestaltungen, denen man dort nachgehen konnte, war Musik - spielen oder einfach nur zuhören. Dabei merkte Dikigoros erstmals, daß Menschen ein völlig unterschiedliches Verständnis von "Musik" haben können. Nein, nicht einfach nur unterschiedliche Geschmäcker, wie er das eben beim Essen beschrieben hat, sondern eine völlig unterschiedliche Vorstellung davon, was "Musik" ist und was nicht. Um es kurz zu machen und Euch, liebe Leser, nicht mit Einzelheiten zu langweilen: Die Neger - und ein paar Weiße, deren Geschmack durch die ständige Berieselung mit "Affenmusik" schon völlig versaut war - waren um nichts in der Welt zu bewegen, sich "weiße" Musik anzuhören; und Dikigoros - und die meisten anderen Weißen - hielten es einfach nicht für Musik, wenn Neger auf Tischen und Bänken herum turnten und trommelten, dazu unartikulierte Laute von sich gaben (er könnte auch schreiben "wie die Affen kreischten") usw. [Ihr meint, es gäbe doch gerade unter Schwarzen viele mit schönen Stimmen, an die kaum ein Weißer heran reicht? Ja, das mag schon sein, aber eine schöne Stimme bedeutet noch nicht, daß jemand auch gut singen kann, denn dafür muß er oder sie musikalisch sein. Die meisten Schwarzen, an die Ihr jetzt vielleicht denkt, sind in Wahrheit Mulatten, die das (seltene) Glück hatten, von ihrem schwarzen Elternteil die schöne Stimme geerbt zu haben und von ihrem weißen Elternteil die Fähigkeit, erstere zu schulen und dann schön zu singen.] Kurzum, Dikigoros hat eigentlich gar nichts gegen Schwarze, sondern nur gegen unmusikalische Menschen - daß die ersteren meist auch zu den letzteren gehören, ist nicht seine Schuld.

[Exkurs. Woran machen andere Menschen ihren "Rassismus" fest? (Von den Idioten, die nur auf Äußerlichkeiten wie die Hautfarbe achten, mal abgesehen.) Dikigoros kann nicht für alle anderen Menschen sprechen, aber da er auf seine Erlebnisse in den USA abgestellt hat, will er Euch berichten, wie die "Segregation [Rassentrennung]" in der U.S. Army de facto aufrecht erhalten wurde, als sie de iure längst abgeschafft war - wohlgemerkt freiwillig (was ihn in der Auffassung bestärkt, daß die Angehörigen der verschiedenen Rassen nicht zusammen leben wollen, sondern vielmehr getrennt, unter Ihres gleichen): In der Truppenkantine gab es zwei getrennte Räume: in dem einen wurde ein "typisch amerikanisches" Essen serviert, nämlich "Hamburger" (auf Wunsch auch mit einer Scheibe Schmelzkäse zusätzlich, dann sagte man "Cheeseburger" - aber wem erzählt Dikigoros das? In der heutigen Zeit ist dieser Fraß ja auch im "Alten Europa" besser bekannt als so manches "altmodische" Essen aus Omas Rezeptbuch) mit Pommes - jawohl, tagein, tagaus, mittags und abends, sieben Tage die Woche, das gleiche! In dem anderen Raum gab es - täglich wechselnd - verschiedene Speisen zur Auswahl, mehr oder weniger gut, aber es war eigentlich immer für jeden etwas dabei. Dikigoros war genau einmal im "Hamburger"-Raum - als einziger Weißer. Noch Fragen? Nein, es störte Dikigoros nicht - oder jedenfalls nicht sonderlich -, daß einige Schwarze - es war ein Wochenende - dort mit Kämmen im Haar auf Tischen und Bänken ihre Negertänze aufführten. (Die Tischmanieren mancher Weißer waren nicht viel besser; bei Soldaten muß man da eine gewisse Nachsicht üben :-) Was dann? Das Essen natürlich! Ihr meint, das sei doch letztlich nur eine Frage des Geschmacks, und darüber könne man nicht streiten? Aber wie Dikigoros schon oben in Sachen Musik schrieb: Das geht viel weiter als bloßer Geschmack. Nicht wahr, man kann eine Beethoven-Sonate schön finden und eine andere Beethoven-Sonate weniger schön; man kann finden, daß ein Yalapeño-Omelett besser schmeckt als eines mit Käse und Zwiebeln, das sind alles graduelle Unterschiede; aber ebenso wenig wie man mit Menschen diskutieren kann, die das Gejaule eines Bob Marley für "schöner" (oder überhaupt für "Musik") halten als ein Klavierkonzert von Mozart, kann man mit Menschen diskutieren, die lieber eine Boulette aus Rindfleischabfällen mit labberigen Brötchen, angegammeltem Gemüsefetzen und chemisch gefärbter Pampe runter würgen als etwas Ordentliches zu essen, das in gleicher Menge und zum gleichen Preis (wenn sich Dikigoros richtig erinnert, kostete das Essen bei der U.S. Army damals anderthalb Dollar pro Mahlzeit, inclusive Nachschlag) zur Verfügung steht. "Der Mensch ißt, was er ißt" ist nicht einfach ein dummer Spruch, sondern eine Tatsache. Und wer Jahre - oder bei Berufssoldaten Jahrzehnte - lang in Raum 1 gegessen hat, d.h. jeden Mittag zwei Hamburger und jeden Abend nochmal zwei Hamburger, und im Urlaub bei MacDonalds, Burgerking & Co. das gleiche... nun ja, schaut Euch an, wie die meisten Amerikaner heute aussehen - auch die nicht-rassistischen Weißen, die sich dieser "Musik"- und Eß-"Kultur" angeschlossen haben. Warum meint Ihr, ist der Bruder des Hauptdarstellers im Film mit eben so einem Fettmops besetzt?

Wohlgemerkt, Dikigoros hat im vorigen Absatz die Auffasung anderer referiert; und auch wenn das die Mehrheit sein mag, so hält er persönlich doch an der Auffassung fest, daß die Musik noch wichtiger ist als das Essen. Gewiß, schon ein ungeborenes Kind wird geschädigt, wenn die Mutter sich während der Schwangerschaft ungesund ernährt, raucht und Alkohol säuft; aber ebenso wie man - wenngleich nur mühsam - einen Fettsüchtigen abspecken, einen Alkoholiker "trocken" legen und einen Raucher entnikotisieren kann, kann auch das Kind diese pränatalen Einflüsse überwinden; dagegen behält ein Kind, das schon im Mutterleib schlechte "Musik" gehört hat, irreparable selische Schäden fürs ganze Leben zurück. Tiere - die ein gesünderes Gehirn haben als viele Mitteleuropäer, die man durch Erziehung zum "Anti-Rassismus" u.a. Unfug verblödet hat - wissen das instinktiv: Eine schwangere Katze wird sich, wenn sie klassische Musik hört, behaglich neben das Radio legen und schnurren; wenn dagegen Reggae o.a. Negermusik aus dem Lautsprecher kommt - was ja bei den heutigen, "politisch-korrekten" Programmgestaltern immer mal wieder passieren kann, auch wenn man noch so fleißig die Sender wechselt -, werden sich ihr schlagartig die Haare sträuben, und sie wird so schnell wie möglich das Weite suchen. Exkurs Ende.]

Ihr haltet das für ziemlich weit weit hergeholt, liebe politisch-korrekte Leser? Oder meint zumindest, daß es für eine solche Begründung aber auch gar keine Parallele in Mars Attacks gebe? Nun, Dikigoros hat Euch bisher eine Szene vorenthalten, über die Ihr, auch wenn Ihr den Film gesehen habt, wahrscheinlich mehr oder weniger achtlos hinweg gegangen seid, die aber Eure Aufmerksamkeit verdient, nämlich die erste Begegnung zwischen dem Boxer und dem Sänger in Las Vegas. Beide stellen sich mit Namen vor, wohl in der Erwartung, damit einen "Aha"-Effekt" beim anderen auszulösen, denn beide sind etwa gleich alt (am Generationen-gap kann es also nicht liegen) und waren zu ihrer besten Zeit weltberühmt. Aber es ist ganz offensichtlich, daß sie sich ebenso gut mit "Lieschen Müller" und "Otto Normalverbraucher" hätten vorstellen können, denn dem schwarzen Boxer sagt der Name des weißen Sängers ebenso wenig wie umgekehrt - sie arbeiten zwar im selben Etablissement, aber sie leben in verschiedenen Welten. (Was nicht ausschließt, daß Tom Jones "wie ein Neger" singt - was er selber immer wieder betont und worauf er sehr stolz ist - und daß er das auch im Film tut. Das reicht eben nicht, um die Gräben zu überbrücken!)

(...)

Muß die Gefahr, die einer Kultur droht, immer darauf beruhen, daß der, von dem sie ausgeht, schlecht und bösartig ist und sein Handeln moralisch verwerflich? Na kaum, zumal die Marsianer wahrscheinlich - wie der gute Professor Kessler zurecht bemerkt - ganz andere Kultur- und Moral-Vorstellungen haben als wir. Ein unsere Kultur bedrohendes Handeln muß nicht einmal vom Urheber vorsätzlich und mit Bedacht eingefädelt sein, wir können es vielmehr selber herauf beschworen haben - an der Bedrohung ändert das nichts.

(...)

Dikigoros hat nie einen Zweifel daran gelassen, daß er die Versklavung von Millionen Schwarzafrikanern und ihre Verschiffung nach Amerika zwecks Plantagenarbeit für eines der größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte hält; aber er hat auch nie einen Zweifel daran gelassen, warum: Er betrachtet es nicht als Verbrechen an den Negern (deren Schicksal sich dadurch in den meisten Fällen nicht verschlechterte, sondern verbesserte - in welchem schwarzafrikanischen Staat geht es den Schwarzen heute besser als in den USA? Eben!), sondern als Verbrechen an den Indios/Indianern, die dadurch beinahe ausgerottet wurden - denn wer brauchte sie noch? - und an den Weißen, die heute jene furchtbare Suppe auszulöffeln haben, die ihnen ihre Sklaven haltenden Vorfahren aus purer Faulheit und Bequemlichkeit eingebrockt haben. In fast allen Städten der USA haben sich in den letzten Jahrzehnten Entwicklungen vollzogen, welche die alten Europäer erst in jüngster Zeit zu begreifen begonnen haben, nachdem nicht nur Londoner und Pariser feststellen mußten, daß sie nicht mehr Herr im eigenen Haus, in der eigenen Straße, in der eigenen Stadt sind. Wer Chicago, Cleveland, Detroit, Philadelphia, Washington und so viele andere US-Städte vor einer Generation gekannt hat und sie heute wieder sieht - und hört -, der kommt nicht umhin einzuräumen, daß mit der Zunahme des schwarzen Bevölkerungsanteils ein ungeheurer Kulturverlust einher gegangen ist - ganz im Gegensatz zu dem "politisch-korrekten" Gewäsch irgendwelcher Professoren am Schreibtisch im Elfenbeinturm (vornehmlich in Europa), daß da eine "multi-kulturelle Bereicherung" statt gefunden habe. Wer das nicht wahrhaben will und diejenigen, die Augen im Kopf haben und einen Mund, um das offen auszusprechen, für "Rassisten" hält, braucht hier nicht weiter zu lesen; Dikigoros würde ihm allerdings empfehlen, bei Gelegenheit mal rüber zu fliegen und sich in einigen Schwarzenvierteln umzusehen - wenn er sich denn traut. (Er selber hatte nie Probleme, sich in italienischen, jüdischen, polnischen, russischen, spanischen u.a. Vierteln umzuschauen, als es die noch gab - aber die weißen Ethnien sind untergegangen im verfluchten "Melting pot"; deshalb hat der heutige Betrachter, der zum ersten Mal die USA besucht, kaum Vergleichsmöglichkeiten.)

Wohlgemerkt, es gibt Amerikaner, die das durchaus getan haben, sogar ganz "wissenschaftlich", nicht etwa nur am "Stammtisch", wo irgendwelche besoffenen weiße "Rassisten" unbegründete Ängste an die Wand malen, sondern renommierte Soziologie-Professoren, meist links-liberaler Provenienz, denen man nichts dergleichen nachsagen kann. In der BRD - die ja allmählich ähnliche Probleme bekommt wie die USA - sind ihre Forschungsergebnisse sorgfältig unterdrückt worden; aber in den USA erschien anno 1995 "Bowling alone" von Robert Pubnam, das die katastrofalen Folgen von "Multikulti" für eine Gesellschaft, nein, für alle Gesellschaften aufzeigt, und die eigentlich nur den Schluß zuläßt, daß es ein schweres Verbrechen war, die "segregation", die "apartheid" usw. abzuschaffen. Selbst in den USA durfte diese Studie zunächst nur führenden Politikern offenbart werden, zur Warnung, was ihre Herrschaft auf Dauer gefährden könnte; aber es gibt eben immer irgendwelche "Sicherheitslücken"; irgendwie gelangte die brisante Schrift auch in die Hände der Macher von "Mars attacks!"; und ein Jahr später kam der Film in die Kinos. (In der BRD gibt es bis heute keine Übersetzung von "Bowling alone", lediglich eine kurze, verharmlosende Inhaltsangabe durfte Ende 2006 erscheinen.)
(...)

Friedliche Ko-Existenz? Oder "Die oder wir?" (Aber die Europäer haben einen Vergleich: Melilla - kann man es den Schwarzen verdenken?)

(Fortsetzungen folgen)

Kommen wir noch einmal zurück auf die Schlußszene zurück, genauer gesagt auf die Schlußrede des jungen Helden, denn da liegt noch ein ganz dicker Hund begraben. Glaubt der wirklich, daß es Sinn machen würde, zurück auf die Bäume, pardon, zurück in die Tipis und Wigwams zu kehren? Wohlgemerkt, liebe Leser, es geht hier nicht um die Frage, ob es sinnvoll wäre, eine neue Zivilisation aufzubauen ohne die zweifelhaften "Fortschritte" der letzten 100 Jahre - darüber schreibt Dikigoros an anderer Stelle. Nein, es geht um die Frage einer Rückkehr zum Nomadenleben, in die Steinzeit, genauer gesagt in die Zeit vor der Ankunft der Weißen in Amerika. Bevor wie sie beantworten, wollen wir uns kurz anschauen, wie die Menschen damals lebten. Eines vorweg: sie hatten sehr viel mehr Platz als wir. Auf dem Gebiet der USA - die heute ca. 300 Millionen Einwohner haben - lebten zu Beginn des 16. Jahrhunderts nach den höchsten realistischen Schätzungen knapp 30.000 Menschen. (Alle anderen Zahlen sind Fantasien, die von indianischen Lobbyisten in die Welt gesetzt werden, um Parallelen zum "Holocaust" an den Haaren herbei zu ziehen und damit von der US-Regierung ähnliche "Wiedergutmachungs"-Zahlungen zu erpressen wie die Shoa-businessmen von der BRD-Regierung. Dikigoros spricht hier bewußt von Nordamerika; in den städtischen Zivilisationen Mittel- und Südamerikas lebten sicher bedeutend mehr Menschen; allein Tenochtitlán dürfte mehr Einwohner gehabt haben - aber die lebten halt nicht in Tipis!) Mehr hätte selbst die damals noch reiche Natur nicht ernährt. Ackerbau gab es erst in Ansätzen, denn der setzte ja Seßhaftigkeit voraus, und in Tipis wird man für gewöhnlich nicht seßhaft. Also war Sammeln im Wald angesagt: Wurzeln, Beeren u.a. wenig nahrhaftes Zeug. Tiere züchten war auch nicht, jedenfalls nicht in größeren Herden, man mußte also auf die Jagd gehen - ein mühsames Unterfangen ohne Schußwaffen, nur mit Speeren, Pfeil und Bogen (ohne Metallspitzen, die Indianer lebten vor Ankunft der Weißen in der Steinzeit!) und - per pedes! Ja, auch die Pferde brachten erst die Europäer mit, einige von Ihnen rissen aus und eroberten die Prärie; die riesigen Mustangherden, die Ihr aus einigen Wildwestfilmen kennt, gab es zuvor nicht! Was meint Ihr, wie hoch unter diesen Umständen die Wahrscheinlichkeit für einen Jagderfolg auf Bisons, Bären u.a. große oder schnelle Fleischträger war? Eben, ganz gering - etwas Kleinvieh, ab und zu mal ein alter, behäbiger Truthahn, das war das höchste der Gefühle... Und in anderen Gegenden der Welt war es in der Steinzeit nicht viel anders; unter "natürlichen" Lebensumständen [er]trägt die Erde vielleicht 0,1 Promille der ca. 6 Milliarden Menschen, die sie 1996, als "Mars attacks" gedreht wurde, mit Ach und Krach (und einem eigentlich unverantwortlichen Raubbau ihrer natürlichen Ressourcen) ernährte. Wer wählt die 99,99% aus, die ins Gras beißen wegfallen müssen, wenn wir jene glorreiche Idee verwirklichen wollten (oder vielleicht verwirklichen müßten, wenn es tatsächlich zu einer Zerstörung unserer Zivilisationsgrundlagen käme, sei es durch außerirdische oder - was Dikigoros für sehr viel wahrscheinlicher hält - innere Angreifer)? Dumme Frage: die Natur - die Stärksten, die Fittesten werden überleben! Meint Ihr wirklich? Wer sind die Fittesten? Sicher nicht die stärksten Individuen - der Preisboxer wird in der Wildnis ebenso wenig überleben wie der beste Gewichtheber (denn beide sind auf ihre Anabolika angewiesen, und die gibt es ja dann nicht mehr :-). Wer dann? Wo wollen wir die Frage aufhängen? Bei der intaktesten Familie, der Sippe, dem Stamm, dem Volk, der Rasse? Fangen wir ruhig bei letzterer an, da Dikigoros das Thema oben nun schon mal angesprochen hat. Er kann alle Rassisten trösten: Kein Negerstamm, kein schwarzes Volk wäre heute noch in der Lage, unter Steinzeitbedingungen zu überleben, das hat die jüngste Geschichte Afrika in trauriger Deutlichkeit bewiesen; auch die "roten" Indianer könnten heute in Nordamerika nicht mehr existieren - selbst die Eskimos, pardon wollen ja jetzt "Innuit" heißen, kämen heute ohne benzingetriebene Motorschlitten und Flugzeuge nicht mehr über die Runden; wenn sie noch Jagen, dann nicht mit der Lanze oder Harpune, sondern mit dem Schie&slig;gewehr, und die Kleidung stellen sie nicht mehr selber aus Robben- oder Eisbärfell hergestellt, sondern bestellen sie im Kaufhaus aus regenabweisenden Kunststoffen.
(...)

Wie kommt Dikigoros zu dieser negativen Einschätzung? Nun, die Welt ist nicht mehr wie sie vor 500 Jahren war, d.h. die Natur ist nicht mehr in gleichem Maße intakt. Die Wälder sind großenteils abgeholzt, die Büffel so gut wie ausgerottet, die meisten Flüsse (und bald auch die Meere) tot - und es ist noch kein Neger und kein Indianer auf die Idee gekommen, einen Brunnen für Trinkwasser zu graben, geschweige denn eine Wasserleitung oder gar ein Klärwerk zu bauen.
(...)

Mit anderen Worten: Heute wäre eine Rückkehr in die Steinzeit nicht mal für so wenige Menschen möglich, wie in der real existierenden Steinzeit gelebt haben. Wäre das eigentlich so schlimm? Das Leben ist doch eigentlich nur eine Erscheinungsform verschiedenen Genpools, von denen der Mensch einer ist - warum muß es von ihm Milliarden Individuen geben, die zu allem überfluß dabei sind, die meisten anderen Genpools - die der Pflanzen und anderer Tiere - unwiderbringlich zu zerstören? Würden dafür nicht auch ein paar 100.000 Menschen ausreichen, halt die genetisch fittesten? Pardon, liebe Leser, aber was ist das? "Fit" bedeutet angepaßt an die Umwelt, an die Natur (die wir trotz allem noch immer nicht so beherrschen, wie wir uns das einbilden mögen), und die hat es wiederum an sich, sich ständig zu verändern. Und da der Mensch nicht die gleiche schnelle Generationsfolge aufzuweisen hat wie etwa Fruchtfliegen und andere Insekten, also auf solche Veränderungen nicht kurzfristig "reagieren" kann, braucht sein Genpool eine gewisse individuelle Bandbreite, damit er für alle Eventualitäten gerüstet ist, gewissermaßen auf Vorrat. Und da Mutationen wiederum sehr selten sind (sie spielen sich im Promille-Bereich ab, und die "positiven", d.h. überlebensfähigen, sind noch seltener), kämen wir damit wahrscheinlich nicht mehr hin. Ihr wollt ein paar Beispiele? Aber bitte, ganz aktuell: Von 10.000 Menschen, die vom HIV-Virus befallen sind, erkrankt einer nicht an AIDS, ist also irgendwie resistent. Das ist an sich schon ein Wunder, aber Wunder sind selten - statistisch ausgedrückt sind das genau die 0,01 Promille, auf welche die Menschheit unter Steinzeitbedingungen wahrscheinlich zusamnmen schrumpfen würde. Das würde verdammt knapp, denn wenn schon die moderne Farmazie kein Mittel findet, mit der dieser Virus wirksam bekämpft werden kann, dann erst recht kein steinzeitlicher Medizinmann. Und wenn andere Krankheiten auftreten (Bakterien und Viren mutieren 'zigtausende Male schneller als der Mensch!), bei denen die Resistenzquote noch geringer ist? Wenn sich unter den schätzungsweise 600.000 Erdenbewohnern dann kein einziger mehr findet, der immun ist? Dann ist Sense! Aber es gibt auch langfristige Mutationen, die ebenfalls eine große Bandbreite brauchen, bevor sie sich durchsetzen können. Was meint Ihr denn, liebe weiße Leser, wodurch Ihr Euch vor allem gegenüber anderen Rassen auszeichnet? Durch Eure Hautfarbe oder andere äußerlichkeiten? Nun ja, aber von denen könnt Ihr nicht abbeißen! Eure wertvollste "Rasseneigenschaft", wie man das früher nannte (und Dikigoros fällt leider kein besseres Wort dafür ein), die man Euch deshalb auch am meisten neidet, ist Eure Fähigkeit, auch als Erwachsene noch Milch verarbeiten zu können - und zwar sogar die Milch anderer Arten, d.h. von Kühen, Eselinnen, Ziegen und Schafen. (Ja, die Weißen haben auch die "Rasseneigenschaft", mehr Alkohol zu vertragen als andere Rassen, aber das ist nun nichts, worauf sie besonders stolz sein müßten - obwohl es gewiß seinen Wert hat, wenn man sich in der Fastenzeit von "flüssigem Brot" ernähren kann :-) Ja, was glaubt Ihr denn, wie Ihr als Nomaden auch im Winter, wenn kein frisches Grünzeug zur Verfügung steht (wie gesagt: es gibt noch keinen Ackerbau, geschweige denn Treibhäuser, die Euch unabhängig von der Jahreszeit frisches Gemüse liefern), Eure Vitamine zusammen bekommt? Oder Euren Eiweißbedarf, wenn es mal nichts zu jagen gibt? Ihr werdet Eure Herden mitführen müssen, und seien es nur ein paar Schafe (denn Ihr wollt ja auch etwas anzuziehen haben, nicht wahr? Wer von Euch kann noch Wolle herstellen? Und wer könnte daraus ohne fertig gekaufte Stricknadeln einen Pullover machen? Die meisten von Euch bekämen doch nicht mal ein ganzes Tierfell verarbeitungsreif getrocknet, ohne daß es vergammelt - von Gerben ganz zu schweigen, so weit war man in der Steinzeit noch nicht.) Aber was meint Ihr, wie viele Generationen es gedauert hat, bis einige Menschen auch als Erwachsene noch Milch trinken konnten? Schon mal von "Laktose-Unverträglichkeit" gehört? Früher durfte man das noch als Krankheit bezeichnen; heute ist das politisch nicht mehr korrekt, da "rassistisch". Korrekt ist es vielmehr zu sagen, daß es ganz normal ist, wenn ein erwachsener Mensch Milchzucker nicht mehr abbauen kann; es sind also die Milch trinkenden Weißen, die an einer Krankheit leiden!
(...)

Ihr meint, liebe jüngere Leser, was Dikigoros, dieser alte Mann, sich da abwürgt, geht Euch nichts an - Ihr haltet es lieber mit dem Filmhelden, Ihr seid gesund und fit, weder kurzsichtig noch plattfüßig und felsenfest überzeugt, daß Ihr zu den 00,1 Promille Auserwählten zählen würdet, wenn es denn so weit käme? Schön für Euch, denn ein fester Glaube versetzt zwar - wie Nietzsche mal schrieb - keine Berge, aber er setzt welche dorthin, wo keine sind. Aber ob das auch für Zelte gilt? Wart Ihr mal zelten, vielleicht im Urlaub? Nein, nicht mit einem teuren Reiseveranstalter, bei dem Euch die Zelte von dienstbaren Geistern aufgebaut und die Rucksäcke hinterher getragen wurden; auch nicht für ein paar Tage oder Wochen am Strand, mit dem Supermarkt auf dem Campingplatz und dem nächsten Restaurant ein paar Straßen weiter, sondern als Selbstverpfleger. Vielleicht bei den Pfadfindern, bei der HJFDJ oder gar beim Barras? Dann seid Ihr in der Tat Angehörige einer kleinen, aber feinen Minderheit - obwohl... Wißt Ihr, auch Dikigoros zählte in jungen Jahren zu diesem erlauchten Kreis; aber wenn er ehrlich ist, dann hätten seine Fähigkeiten bei weitem nicht ausgereicht, um in der Steinzeit zu überleben. Darf er ein wenig in seinen Erinnerungen kramen? Als er beim Militär war (bei der Bundeswehr - er weiß, daß es in der NVA etwas unbequemer war, liebe Ossis, aber die Unterschiede in den Punkten, auf die er hinaus will, sind nur graduelle :-) hat er auch mal eine "Manöverwoche im Feld" mit gemacht, ein schönes Zweimannzelt aufgebaut und "abgekocht". Allerdings hatte er den Steinzeit-Indianern des 15. Jahrhunderts voraus, daß es für sein Wigwam (das er nicht selber zu nähen brauchte :-) Heringe aus Leichtmetall und Nylonschnüre gab, daß er im Inneren kein Feuer anzünden mußte (obwohl das mit einem Feuerzeug oder zumindest Streichhölzern sicher einfacher gewesen wäre als mit Feuerstein und trockenem Holz - zumal bei Regen :-), und daß er in Sachen Verpflegung auf vorgekochte Konserven zurück greifen konnte, die er bloß auf dem Esbitkocher aufzuwärmen brauchte. (Und auch das nur morgens und abends; mittags wurde man bekocht und abgefüttert, aus einem Ding, das zwar nicht mehr "Gulaschkanone" hieß, aber einem doch viel Arbeit abnahm :-) Wenn er statt dessen erst mit Pfeil und Bogen oder Holzspeeren auf Jagd hätte gehen müssen, die erlegten Tiere rupfen, häuten und dann mitsamt mühsam gesammelten Bucheckern, Eicheln und Wurzeln (an Pilze hätte er sich nicht ran getraut - sie könnten ja giftig sein) hätte am Lagerfeuer rösten müssen, dann wäre ihm das sicher viel weniger lustig vorgekommen. Auf seinen späteren Reisen, zumal in etwas abgelegenere Gebiete, nahm er auch schon mal Konserven und seinen Esbitkocher mit - bis ihn eine Fahrt nach Skandinavien im dauerverregneten Sommer von 1980 aller Illusionen beraubte, auch nur kurzfristig wie ein Pseudo-Steinzeitmensch (d.h. unter erleichterten Bedingungen :-) leben zu können: Sicher, am Nordkapp braucht man weder Hotel noch Restaurant, denn die Sommersonne scheint ja rund um die Uhr; man braucht also nur einen Schlafsack und eine Gitarre und... Pardon, liebe Leser, auch in der Steinzeit hat es mal gestürmt und geregnet, und so ein Zelt auf felsigem Untergrund steht dann nicht lange so, wie man es gerne hätte; und wenn man dann nicht mal das Wasser zum Kochen bringt, um sich einen Tee zu bereiten (die Konserven kann man ja zur Not auch kalt runter würgen :-), dann... Zum Glück waren ein paar nette Japaner auf die gleiche Idee gekommen, und die waren wesentlich besser ausgerüstet, mit einem Gaskocher, der Wind und Regen trotzte, und Klamotten, die wirklich wasserdicht waren (aus diesen wundersamen Kunststoffen, die in Europa erst Jahrzehnte später erschwinglich wurden). Aber auch denen hätte Dikigoros nicht zugetraut, 500 Jahre früher in Zelten zu [über]leben.
(...)

Tröstet Euch, liebe Leser, auch unsere Großeltern und Urgroßeltern hätten ähnliche Probleme gehabt. Die spielten zwar gerne die "Wandervögel", aber auch nur, wenn sie bequeme Jugendherbergen auf ihren Wegen wußten - die größte Belastung, über die sie auf solchen Reisen jammerten, war, daß sie selber ihre Betten machen (sie schliefen also nicht im Zelt!) und beim Abwasch (sie aßen also bequem mit Geschirr und Besteck!) helfen mußten. Aber die Pioniere Nordamerikas - an die unser junger Filmheld wahrscheinlich denkt -, haben die nicht im 19. Jahrhundert den "Wilden Westen" mit steinzeitlichen Methoden besiedelt? Nein, das haben sie nicht; sie verfügten über Pferd und Wagen (oder zumindest einen Zugochsen und einen Karren; die Indianer - selbst die "Hochkulturen" in Mittel- und Südamerika - kannten nichtmal das Rad!), über Waffen und vor allem Ackergerät aus Metall - das war keine Steinzeit! Wohlgemerkt, Dikigoros hat großen Respekt vor den Leistungen jener Pioniere, vor ihrem Kampf gegen die feindliche Natur - aber mit den Mitteln der Steinzeit hätten sie ihn schwerlich gewonnen. Wie stellt Ihr Euch das Leben der alten Indianer Nordamerikas denn vor? Nun, bestimmt war es ganz anders als unser junger Filmheld glaubt, der wahrscheinlich von einer friedlichen Idylle träumt. Aber Dikigoros hat eben nicht umsonst vom "Kampf gegen die feindliche Natur" geschrieben - zu der nicht nur undurchdringliche Wälder und wilde Tiere zählten, sondern auch... andere Menschen! Stellt Euch das bitte mal ganz konkret vor: Die eßbaren Pflanzen, trinkbaren Gewässer und jagbaren Tiere, kurz das, was die Nazis "Lebensraum" nannten, war begrenzt, und die Menschen waren zwar insgesamt viel weniger als heute, aber - aus anderen Gründen als Ihr glaubt. Es war ja nicht so, daß etwa soviel weniger Menschen geboren worden wären in der Steinzeit, ganz im Gegenteil: Mangels Fernsehers und anderer Zerstreuungsmöglichkeiten war der wichtigste Zeitvertreib der Erwachsenen... richtig; und da es weder Verhütungsmittel noch Abtreibungskliniken gab, waren Frauen zwischen dem 14. und dem 40. Lebensjahr meistenteils schwanger. Nein, das bedeutet nicht gleich, daß jede Frau 26 Kinder bekommen hätte, denn viele starben schon vor Erreichung des 40. Lebensjahres (meist an Kindbettfiber), also lassen wir uns die gebärfähigen Jahre im Schnitt auf 20 reduzieren. Außerdem säugten die Mütter ihre Kinder 1-2 Jahre - was neuerliche Schwangerschaften verhinderte -, denn Alete war noch nicht erfunden, und Kühe mit dicken Eutern, die so viel Milch gaben, daß es auch für die Menschen reichte, waren noch nicht gezüchtet (das setzte lange Jahrhunderte der Seßhaftigkeit voraus). Die durchschnittliche Steinzeitfrau mag also etwa zehn Kinder zur Welt gebracht haben, von denen etwa die Hälfte (drei Jungen - die besser versorgt wurden - und zwei Mädchen) ins fortpflanzungsfähige Alter kam (der Rest starb vorher, meist an Hunger oder Krankheiten); dann würde das immer noch bedeuten, daß sich die Bevölkerung alle 20 Jahre verdoppelte. Ihr könnt Euch also leicht ausrechnen, wie lange es gedauert hätte, bis aus den 600.000 Menschen, die wir oben angenommen haben, wieder 6 Milliarden werden - das geht ruckzuck! Aber halt nur in der Theorie. Denn was geschieht in der Praxis? Wenn es nach 20 Jahren für die verdoppelte Bevölkerung eines Gebietes nicht mehr genügend [Über-]Lebensmittel gibt, teilt sich der Stamm (den wir uns relativ klein vorstellen müssen - höchstens dreistellig), und ein Teil sucht sich andere Jagdgründe (das ist wörtlich zu nehmen!) Früher oder später trifft er dort auf den Teil eines anderen Stammes, dem es genauso ging. Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder sie einigen sich darauf, jeder nur die Hälfte der Erträge jenes Gebiets zu beanspruchen - also brüderlich zu teilen und gemeinsam zu verhungern -, dann ist das Problem für eine Generation gelöst; oder aber - sie kämpfen es aus. Ihr meint, damit wäre das Problem doch auch gelöst, denn dann halbiert sich die Bevölkerung doch mutmaßlich wieder? Nein, durchaus nicht, denn die Sieger töten ja nur die feindlichen Männer und nehmen sich deren Frauen als Beute. Da es aber für die Bevölkerungsentwicklung nicht auf die Zahl der zeugungsfähigen Männer ankommt, sondern auf die der gebärfähigen Frauen, ist das Problem bereits in der nächsten Generation wieder das gleiche. Fazit: In der Steinzeit herrschte permanent Krieg - so auch in Nordamerika vor Ankunft der Weißen; die Indianerstämme bekriegten einander unablässig; deshalb könnt Ihr das dumme Geschwätz, wonach erst die bösen weißen Einwanderer den Krieg ins friedfertige rote Amerika gebracht hätten, getrost vergessen. (In Mittel- und Südamerika war es übrigens genauso - aber das ist eine andere Geschichte.) Meint Ihr wirklich, daß Ihr in jener Zeit der Wigwams hättet leben wollen? Gewiß, Ihr wäret nicht in die Verlegenheit gekommen, an Fettsucht, Schlaganfall oder Herzinfarkt zu sterben; aber das Leben war gefährlich - und unbequem.
(...)
(Fortsetzungen folgen)

* * * * *

Dikigoros ist Euch noch die versprochene Auflösung der Eingangsszene schuldig. Viele haben sich über sie aufgeregt (zum Trost: es war bloß eine Computer-Simulation, kein echtes Rind wurde gequält), aber nur wenige haben versucht, ihren Sinn zu ergründen, und wenn, dann mit völlig abwegigen Theorien. Am lächerlichsten ist vielleicht die von Urs Jenny im grünenroten Nachrichtenmagazin Der Spiegel vertretene (im Rahmen einer auch sonst völlig unbrauchbaren Besprechung mit dem Titel "Weltuntergang, so eine schöne Sache!"), daß die brennenden Rinder an die brennenden Giraffen von Dalí erinnern sollen.

Aber dieser Film handelt von Ängsten, ganz konkret von Ängsten vor einer Invasion. Und was Dikigoros oben über dieses Thema geschrieben hat, mag zwar Lesern aus Europa einleuchten (oder auch nicht), denn er hat es vornehmlich aus europäischer Perspektive gesehen; aber dieser Film wurde nun mal in erster Linie für den amerikanischen Markt gedreht; und obwohl die USA im Grunde genommen vor den gleichen Problemen, hätte man ihnen damit nicht gleich ins Haus fallen dürfen, denn sie sind tabuisiert, d.h. es gilt als politisch unkorrekt, sie anzusprechen; und die US-Bürger nehmen die "political correctness" ganz ernst: Nur 12 Jahre, nachdem dieser Film in die Kinos kam, wählten sie gar einen schwarzen Krypto-Muslim zum Präsidenten, also einen Angehörigen der Bevölkerungsschicht, von der ihnen nach Dikigoros' Auffassung der Untergang droht. Also mußte für die Eingangsszene etwas anderes her halten, nämlich die - neuerdings bis zur Hysterie gesteigerte - Angst vor einer Eroberung der USA durch mexikanische "Invasoren", denn das sind schließlich Weiße und Christen, mit denen kann man es ja machen, ohne damit politisch unkorrekt zu sein! [Das ist zwar ziemlich lächerlich, denn die Mexikaner zerstören nichts, sondern sind ganz im Gegenteil notwendiger Bestandteil der (nicht nur Schwarz-)Arbeitsprozesse in weiten Teilen des Südwestens der USA, insbesondere Kaliforniens, das nicht zuletzt durch ihre Ausbeutung vorübergehend zum reichsten Bundesstaat der USA aufstieg; außerdem sind sie die Nachfahren der Indianer und der spanischen Entdecker, haben also ein "historisches" Recht, dort zu leben, das man ihnen lediglich eine Zeit lang mit Gewalt vorenthalten hat. Aber mit dieser Meinung steht Dikigoros zunehmend alleine da; vor US-Amerikanern traut er sich kaum noch, sie auszusprechen.] Ihr fragt, was die Mexikaner mit den brennenden Stieren zu tun haben sollen? Ach so, Ihr wißt vielleicht nicht, daß der Stierkampf in seiner modernen Form - sowohl die "Corrida" als auch der "Toro de fuego" - nicht in Spanien erfunden wurde, sondern (von spanischen Einwanderern) in Mexiko, nämlich im 17. Jahrhundert, als der vermeintliche Erfinder in Spanien, ein gewisser Francisco Romero, noch gar nicht geboren war. Und während die Spanier dem Druck der Tierschützer-Lobby inzwischen weitgehend nachgegeben haben - mit Recht - und die brennenden Stiere in den meisten Orten durch brennende Holzgestelle in Stierform ersetzt haben, die von menschlichen Aficionados durch die Straßen getragen werden, wurde dieses grausame Spielchen in Mexiko anno 1996 noch ausgiebig und mit großer Begeisterung praktiziert - was keinem US-Amerikaner, der mal in Mexiko war, entgangen sein kann.

(Als Dikigoros als junger Soldat in Texas lebte, direkt an der Grenze zu Mexiko, kam er, immer wenn er nach Ciudad Juárez fuhr, an der großen Stierkampf-Arena vorbei - die heute überwiegend für Freiluft-Konzerte genutzt wird -, und auch die großen, farbenprächtigen Plakate überall in der Stadt, auf denen die "Fiestas" angekündet wurden, waren kaum zu übersehen.) Der Stierkampf hat also die Kultur Mexikos ebenso stark geprägt wie die Spaniens - wenn nicht sogar noch stärker; und Angst vor "kultureller" Überfremdung war und ist ja nicht tabu, zumal das tatsächlich ein abstoßender Brauch ist, den man nicht unbedingt ins Land lassen muß. Der Regisseur schlägt also zwei Fligen mit einer Klappe: Er stimmt das Publikum schon mal auf die Angst vor kulturfremden Invasoren ein, und er macht Kennern der Szene von vornherein klar, daß sie es mit einer Verwechslungs-Komödie à la Gustaf und Gasthof zu tun haben, denn er wirft (wohl absichtlich) zweierlei in einen Topf: Die Hochburg des "Toro de fuego" in Mexiko ist Amatlán de Cañas; die Hochburg der Immigranten mit Ziel USA - nicht nur für Mexikaner, sondern auch als Durchgangs-Station für deren südliche Nachbarn aus Mittelamerika - ist dagegen Amatlán de los Reyes; beide liegen hunderte Kilometer auseinander und haben außer dem ersten Bestandteil ihres Namens nichts mit einander zu tun.

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