EXKURS VI: Die Rückkehr des Puppentheaters
Trey Parker (*1969) & Matt Stone (*1971)
"Die Freiheit hängt an einem Faden"
DAS AMERIKANISCHE TEAM

[Trey Parker] [Matt Stone]

EIN KAPITEL AUS DIKIGOROS' WEBSEITE
DIE BRETTER, DIE DIE WELT [BE]DEUTEN

"The young New Mexican puppeteer
He saw the people all live in fear
He thought that maybe they'd listen to
A puppet telling them what to do..."
******************************
"Democracy is a puppet show,
set up to distract attention
from the real government."
(Der junge neu-mexikanische Puppenspieler
Er sah die Menschen alle in Angst leben
Er dachte, daß sie vielleicht hören würden auf
eine Puppe, die ihnen sagte was sie tun sollten)
**************************************
"Demokratie ist ein Puppenspiel,
das veranstaltet wird, um die Aufmerksamkeit
von der wahren Regierung abzulenken."

Das Theaterspiel mit Puppen (oder "Marionetten"), die an Fäden oder Drähten über der Bühne hängen, ist wahrscheinlich ebenso alt wie das Theater mit menschlichen Darstellern - vielleicht sogar älter, denn es stammt aus dem alten China, wo es schon vor 5.000 Jahren praktiziert wurde (während die ältesten Zeugnisse des Schauspieler-Theaters in Europa nur bis ins alte Hellas zurück reichen, also keine 3.000 Jahre alt sind). Die Rotchinesen mögen seine Tradition zerstört haben, aber seine Export-Versionen haben sich in Japan, Indonesien und Barmā bis heute erhalten. Im Westen mag es nur eine untergeordnete Rolle gespielt haben (aber eine Rolle gleichwohl, wie Dikigoros' Leser aus dem Kapitel über Heinrich v. Kleist wissen); und manche meinten, mit dem Einzug des Kinos - oder spätestens des Fernsehens - wäre sein endgültiges Aus gekommen; aber das war offenbar ein Irrtum. Wieso denn auch? Noch sind die Leinwand und der Bildschirm nur zwei-dimensional, die Puppen aber - wie die lebenden Schauspieler - dreidimensional; und wenn die letzteren den Übergang von der Bühne ins Kino und Fernsehen geschafft haben, warum hätten es dann nicht auch die ersteren schaffen sollen? Sie schafften es, und das ist wohlgemerkt nicht erst eine Erscheinung der jüngsten Zeit; vielmehr war das Puppen-Theater fast von Anfang an dabei, als das Fernsehen seinen Siegeszug antrat - jedenfalls in Europa. In den USA begann dieser Siegeszug zwar schon etwas früher, und die Puppen sprangen erst später auf den fahrenden Zug auf; dennoch ist das, was Dikigoros Euch hier vorstellen will, "global" gesehen keine Neuerung (dann hätte es in diesem Kapitel seiner "Reisen durch die Vergangenheit" nichts mehr verloren), sondern so etwas wie eine Rückkehr.

Die erste Generation der Fernsehkinder in Deutschland - zu der auch Dikigoros' Schwester Helli zählte -, ist mit den Figuren der "Augsburger Puppenkiste" aufgewachsen, vor allem mit denen, die ein gewisser Michael Ende erfunden hat: 1960 kam "Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer" in die bundesdeutschen Wohnzimmer, die Geschichte vom Negerjungen, der sein Inselkönigreich "Lummerland" und seinen König "Alfons den Viertelvorzwölften" verläßt, um in einer zum Schiff umfunktionierten Lokomotive namens "Emma" um die Welt zu reisen und das Reich des Bösen zu bekämpfen, "das Land, das nicht sein darf", dessen Exponenten "Frau Mahlzahn", die Drächin, und "die wilde 13", ein Haufen sangeswütiger Seeräuber, sind. Die politisch-korrekte Botschaft, welche der Kommunist und frühe Gutmensch Michael Ende mit seinen Marionetten unters Volk und vor allem in die Kinderhirne bringen wollte, lautete: 1. Neger sind auch Menschen (eine Weisheit, die damals, vor Einsetzen des Civil-Rights-Movements in den USA, noch lange nicht selbstverständlich war - es sollte noch ein halbes Jahrhundert dauern, bis in Augsburg nicht nur die Puppenkisten, sondern auch die Fußballplätze von ihnen beherrscht wurden), 2. Lokomotivführer sind auch Bürger (dto), und 3. Rot-Chinesen sind auch gute Demokraten, so gut, daß sogar schon die Kinder und Kindeskinder voll-nützliche Mitglieder der Gesellschaft sind. (Damals gab es noch keine Kampagnen gegen Kinderehen - die Bücher einer Katherine Mayo kannte in Deutschland niemand -, geschweige denn gegen Kinderarbeit. In Rot-China wären sie auch müßig gewesen: wer nicht mit arbeitete, mußte verhungern, wie viele andere auch, obwohl sie mit arbeiteten. Und die Kinder Chinas entpuppten - verzeiht die Anspielung, liebe Leser - sich als wahre Bestien: Sie waren es, die so genannten "Roten Garden", die 1966 Maos "Kultur-Revolution" durchführten und in ihrem infantilen Schüler- und Studentenhaß die alte chinesische Kultur vernichteten, indem sie deren Träger - alles andere wäre zu ersetzen gewesen - ermordeten oder in "Umerziehungslagern" mittels Gehirnwäsche zu hirnlosen Idioten folterten. Aber die Schüler und Studenten im Westen, in Kalifornien, Frankreich und Deutschland, waren ja nicht viel besser; hätte man sie gelassen, hätten sie einen "großen Steuermann Mao" gehabt statt eines Gouverneurs Reagan, eines Präsidenten De Gaulle oder eines Kanzlers Kiesinger, dann hätten sie zwei Jahre später bei uns wohl eine ähnliche Barbarei veranstaltet. Heute sind Chinas "Roten Garden" heran gewachsen und an der Macht, und sie überschlagen sich in Freundschafts-Bezeugungen zu den 68ern, die früher Steine auf Polizisten geworfen haben und heute bei uns an der Macht sind - sie sind eben eines [Un-]Geistes Kinder.) Helli hat das freilich alles nicht nur nicht beeindruckt, sie hat es irgendwie gar nicht richtig verstanden; meist schlief sie irgendwann mittendrin ein und wachte erst bei dem netten Liedchen wieder auf, das am Ende jeder Sendefolge gespielt wurde: "Eine Insel mit zwei Bergen..."

[Jim Knopf, der Negerjunge, und Lukas, der Lokomotivführer, aus Michael Endes Puppenspiel] [Spieler des FC Augsburg 2011]

Die dritte Generation der Fernsehkinder in den USA - zu der auch Trey Parker und Matt Stone zählten - wußte davon nichts mehr, und als der alternde "Tiger" Tom Jones seinen letzten Hit, "The Young New Mexican Puppeteer" sang, aus dem das erste Eingangszitat stammt (das zweite ist 45 Jahre jünger; es stammt von seinem Namensvetter, dem texanischen Regime-Kritiker Alex Jones), waren sie mal gerade geboren. Und doch besang der eine alte Weisheit (was Ihr, liebe Leser, nicht wissen könnt, wenn Ihr nur die entschärfte deutsche Version des Alibi-Negers "Roberto Blanco" gehört habt, der seine letzte Schallplatte - "Jim KnopfClap Clap" und "Lukas der Lokomotivführer Ferdinand der Automarder" - in ebenso grauer Vorzeit besungen hatte), nämlich daß manche Wahrheiten, die als "politisch unkorrekt" gelten, nur in Form der Satire oder des Puppenspiels - beide traditionell den Hofnarren vorbehalten - ausgesprochen werden dürfen. Also machten sich die beiden jungen Leute zu Hofnarren, mit einigen lächerlichen Puppen-Filmchen, die im Zweifel niemand ernst nahm; und wer doch Zweifel hegte gelangte bald zu der Überzeugung, daß es sich wohl um linke "Liberale" handelte, wie sich das in der Hollywood-Filmindustrie auch noch zu Beginn des 21. Jahrhunderts gehörte: Man war gegen George W. Bush, so wie man früher gegen s Nixon gewesen war, gegen den Irak-Krieg, so wie man früher gegen den Vietnam-Krieg gewesen war (den zwar der edle John F. Kennedy, die Ikone der Link[sliberal]en, begonnen hatte, während der böse Nixon ihn beendete - aber das war in der Erinnerung längst verschwommen), gegen Samuel Huntington und seinen "Kampf der Kulturen", überhaupt gegen eine gewaltsame Bekämpfung des terroristischen Islām - mit dem sollte man doch tunlichst dialogisieren und auch sonst möglichst "tolerant" verfahren. (Daß die Mehrheit der Amerikaner Bush dennoch ein zweites Mal zum Präsidenten wählte, überraschte freilich nur die Kalifornier - und die Europäer, die ihr USA-Bild noch immer vorwiegend aus Hollywood-Filmen beziehen :-) Und Parker und Stone - wenn man sie denn trotz "Orgazmus", "Baseketball" und "Südpark" ernst nehmen wollte - schienen sich da bestens einzufügen: Spielten sie doch sogar für Michael Moore - den Verfasser einer bekannten Hetzsatire gegen Präsident Bush und die anderen "dummen weißen Menschen" - in "Bowling for Columbine" mit. Die beiden Burschen waren schon in Ordnung - oder?

[Freiheit hängt an einem Faden] [ohne Kommentar] [Am seidenen Faden]

Dann, im Jahre 2004, brachten die beiden einen Film in die Kinos, der endlich mal einen harmlosen Titel trug: "Team America". Was konnte sich dahinter wohl verbergen? Vielleicht ein Remake des in Deutschland gerade mit großem Erfolg gelaufenen "Wunder von Bern", in dem die Heldentaten eines Teams von ball- und knochentretenden Saufbrüdern verherrlicht wurden? Oder doch nicht? Egal, was kann da schon Böses geschehen? Als erste erfuhren es die Leser des Nachrichten-Magazins Der Spiegel: "Trey und Parker" (ja, so nannte sie Redakteur Daniel Haas in seinem Artikel "Bombenstimmung überall"!) entpuppten (schon wieder dieses ominöse Wort :-) sich als "Wölfe im Schafspelz, Reaktionäre, die hinter der Fassade satirischer Überdrehtheit einem stocksteifen Patriotismus frönen" wollten!

Paris. Finstere arabische Terroristen gehen mit einer Bombe ("Massenvernichtungswaffe") durch die friedliche Stadt spazieren, mit dem teuflischen Plan, sie vollständig zu zerstören. (Als ob die in der Hauptstadt Frankreichs - Dikigoros schreibt bewußt nicht "in der französischen Hauptstadt", denn die ist längst nicht mehr französisch - noch auffielen; dort leben doch, einschließlich der Vororte, inzwischen mehr Araber u.a. Muslime als in irgendeiner anderen Stadt West- oder Mittel-Europas; nicht mal die BRDDR kann da mithalten!) Aber keine Sorge - Rettung naht: Im National-Heiligtum, pardon -Monument von Mount Rushmore, genauer gesagt in einem der in den Fels gehauenen Bumsköppe, pardon Charakterköpfe ehemaliger US-Präsidenten, residiert ein Quintett aus Helden-Puppen (drei Männlein und zwei Weiblein), Mischungen aus James Bond und Superman, die erkannt haben, daß die Freiheit nur an einem (seidenen?) Marionetten-Faden hängt. (Dieser Satz - "freedom hangs by a thread", wobei sich der Gleichklang der englischen Wörter für "Faden" und "Bedrohung [threat]" nicht ins Deutsche übertragen läßt, ebenso wenig wie das Wortspiel "Freedom isn't free [Freiheit gibt es nicht umsonst]" in einem der Songs - wurde in einigen Versionen gestrichen, wie Ihr oben seht. Wer mag sich daran gestört haben und warum? Vielleicht weil es schon 1938 - also zur Zeit der bösen, bösen Nazis - einen deutschen Film mit dem Titel "Am seidenen Faden" gab. Oder weil dieser Untertitel allzu sehr an "Welt am Draht" erinnert, Rainer Werner Fassbinders Verfilmung des von Dürrenmatts "Die Physiker" inspirierten Romans "Simulacron 3" von Daniel Galouye, die wiederum das Vorbild für Filme wie "Das 13. Stockwerk" und "Matrix" abgab. Und eine solche Assoziation würde den Zuschauer möglicherweise in die Irre führen.) Wie dem auch sei, die Puppen (von boshaften Kritikern "Holzköpfe" genannt) haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Welt vom internationalen Terrorismus zu befreien - gegen den Widerstand all der liberalen Trottel ("LLL", was böse Konservative in den USA mit "left lunatic liberals" übersetzen, während Dikigoros meist höflicher "Liebe linke Leser" schreibt - aber das gleiche meint :-), die in den USA so herum laufen, von gewissen Politikern bis zu gewissen Schauspielern.

Dabei macht diese "Weltpolizei", die per Hubschrauber nach Paris einfliegt, keine halben Sachen, und "Kollateral-Schäden" nimmt sie billigend in Kauf: Von einer schlecht gezielten Panzerfaust, einem Irrläufer also (oder, wie das im Militär-Jargon heißt, "friendly fire" :-) wird ein Fuß des Eiffel-Turms getroffen, der allen fysikalischen Gesetzen zum Trotz zur anderen Seite umknickt als er eigentlich müßte und dabei auf den Arc de Triomphe stürzt (was ebenfalls unmöglich wäre, da er zu weit weg steht bzw. nicht lang genug ist - aber woher sollen US-Amerikaner das wissen :-) Einer der Weltpolizisten stirbt bei diesem Einsatz den Heldentod, wird aber prompt ersetzt durch Gary, einen professionellen Schauspieler (den einzigen "Guten" seines Standes :-), der sich prompt als Terrorist verkleidet und - nach einem kurzen Abstecher nach Nordkorea - nach Ägypten eingeschleust wird.

Auch dort werden die Terroristen nach allerlei Hin und Her heldenhaft besiegt, und auch dort gibt es "Kollateral-Schäden", allerdings entgegen den Behauptungen mancher Kritiker nicht durch die Weltpolizisten selber verursacht, sondern durch die Terroristen, die mit ihrem Wagen auf die, pardon den Sfinx prallen und mitsamt demselben explodieren. Während unsere Helden ihren vermeintlich endgültigen Triumf über den Terrorismus feiern - u.a. mit einer kleinen Sexorgie zwischen zwei Puppen mit allem, was nach heutiger Meinung so dazu gehört - schlagen die Terroristen zurück: Sie zerstören den nicht nur wirtschaftlich bedeutenden (darüber schreibt Dikigoros an anderer Stelle mehr), sondern auch symbol-trächtigen Panamá-Kanal und versetzen so dem Weltfrieden einen weiteren empfindlichen Schlag.

Unterdessen hat die UNO den Abrüstungs-Trottel Hans Blix nach Nordkorea geschickt, wo ihn Kim Yong-Il kurzerhand den Haien zum Fraß vorgeworfen hat.

(Zum Trost für zartfühlende Seelen: Dort gibt es mal keine "Kollateral-Schäden" - wie auch? Was gibt es da schon an imposanten Monumenten, die den Amerikanern bekannt wären, außer ein paar geschmacklosen Denkmälern auf besagten Kim Yong-Il und seinen Vater Kim Il-Sŏng :-) Aber weder über das eine noch über das andere regen sich die LLL auf, sondern vielmehr über die bösen Weltpolizisten, denen sie die Schuld an der "Eskalation" geben, ohne die längst der Weltfriede ausgebrochen wäre. In dieser schönen Überzeugung macht sich Michael Moore auf zum Mount Rushmore und sprengt die Zentrale der Weltpolizei in die Luft. Aber er macht es nicht viel besser als einst Stauffenberg am 20. Juli 1944: Der Einsatzleiter überlebt und bringt - nach einigen geschmacklosen Zwischenspielchen - den vorübergehend versackten Gary wieder auf Vordermann. (Nein, Dikigoros geht auf diese - und andere - Geschmacklosigkeiten, insbesondere die permanente Fäkalsprache, nicht näher ein, denn erstens ist dies nur ein Exkurs, und zweitens täten sie auch sonst nichts zur Sache!) Das ist auch dringend notwendig, denn inzwischen ist der Rest des Quintetts in die Hände des nordkoreanischen Westentaschen-Diktators gefallen und schmachtet in irgendwelchen Verliesen vor sich hin, während Kim selber mit Hilfe der US-Schauspieler-Gewerkschaft unter Führung von Alec Baldwin eine "Weltfriedens-Konferenz" einberufen hat, zu der alle Politnarren der Welt auch brav erschienen sind. Aber noch rechtzeitig bevor er die Welt mit seinen Massenzerstörungs-Waffen vernichten kann, befreit Gary die anderen Helden und tötet den bösen Kim, indem er ihn auf die Pickelhaube spießt, die der deutsche Konferenz-Teilnehmer (Kaiser Wilhelm II?) dankenswerterweise trägt. Und so gibt es denn ein Happy-end: alle terroristischen Bösewichter sind ausgerottet, die Welt ist wieder sicher, und Friede, Freude, Eierkuchen, pardon, der Weltfriede, die Pax Americana, ist gerettet, amen.

Dikigoros ist noch mit einer ganz anderen Generation von "anti-amerikanischen Bösewichtern" aufgewachsen: Fidel Castro, Muhammar al-Gaddafi, Ruhollah Khomeini und zuletzt Slobodan Milošević (die galten als "weltweit anerkannt", während Mao Tse-tung, Ho Chi-minh und Salvador Allende außerhalb der USA, vor allem im links-liberalen Europa, bald zu "anti-amerikanischen Helden" mutierten), um nur die wichtigsten zu nennen. (Idi Amin, Pol Pot, Bokassa und Mobutu waren zwar auch nicht nett; aber in ihren Ländern gab es weder Raketen noch Erdöl, deshalb störten sich die USA an ihnen weniger; sie wurden irgendwann eher beiläufig gestürzt.) Das "Reich des Bösen" war ein Begriff, den Präsident Reagan, der Ex-Hollywood-Schauspieler, für die Sowjet-Union geprägt hatte. Und nun, nachdem die letztere untergegangen war, sollte man plötzlich umlernen: Leute, welche die USA Jahre, z.T. sogar Jahrzehnte lang nach Kräften unterstützt hatten, wie Manuel Noriega, Saddam Hussein und Usāmā 'bn Lādin, dazu noch ein so unbedeutender Wicht wie Kim Yong Il, waren mit einem Mal die schlimmsten Polit-Verbrecher der Welt?! Nun, die Welt war nicht mehr die gleiche seit dem 11. September 2001, als arabische Islamisten ihren Kamikaze-Angriff auf das World Trade Center in New York City und das Pentagon in Washington D.C. geflogen und dabei tausende Zivilisten mit in den Tod gerissen hatten. Diesen Terrorismus galt es nun vornehmlich zu bekämpfen, und zwar möglichst an der Wurzel. Doch wo lag diese Wurzel? Wie heißt es so schön in dem Fahrtenlied "Wir wollen zu Land ausfahren": "Wer die blaue Blume finden will, der muß ein Wandervogel sein..." Nun ja, wer immer sich diesen Wanderschuh anziehen mag, wie er es dann anstellen soll, steht da nicht. Die Amerikaner bekamen zwar schnell eine Regierung komischer Vögel, pardon Wandervögel zusammen - einen Texaner als Präsidenten, einen Halbneger (der früher bei den Pfadfindern war und das Lied sicher auch kannte) als Außenminister und eine Halbnegerin als Sicherheitsberaterin -, aber auch sie wußten offenbar nicht so recht, wie es weiter gehen sollte, sondern ergänzten das mit: "... und in den Bergen von Afģānistān (oder, wie sie es schrieben, 'Afghanistan') danach suchen." Das taten sie denn auch; aber obwohl sie sich dort bestens hätten auskennen müssen, nachden sie ein Jahrzehnt lang die "Tālibän [Schüler]" der muslimischen "al-Qaida [Fundamentalisten]" in jeder nur erdenklichen Weise unterstützt hatten, fanden sie dort nichts; also suchten sie weiter "by the rivers of Babylon", an den Ufern von Evfrat und Tigris, im neuen "Reich des Bösen", das früher "Irāq" hieß, und deren Führer sie ebenfalls ein Jahrzehnt lang in jeder nur erdenklichen Weise unterstützt hatten, im Kampf gegen den Īrān der bösen Ayatollahs. Da sie auch dort nichts fanden, muß sich die blaue Blume wohl in Nordkorea befinden - wo sonst?

* * * * *

Wenn Ihr das so überlest und überdenkt, liebe Leser, würdet Ihr dann nicht auch glauben, daß Parker und Stone die Politik der USA mit ihrem Puppenspiel bloß auf die Schippe nehmen wollten? Wollten sie aber nicht. Zur Überraschung, ja zum Entsetzen aller braven Gutmenschen erklärten sie vielmehr, daß sie ihren Film "Team America" ganz ernsthaft als Aufforderung zum patriotischen Kampf gegen den Terrorismus verstanden wissen wollten. Und ausgerechnet Dikigoros will dagegen halten, den seine treuen Leser als Muslim-Fresser kennen, der am liebsten jedem Islamisten persönlich den Hals umdrehen würde? Ja, das will er - aber anders, als manche denken mögen; denn eigentlich will er nicht dagegen halten, sondern vielmehr noch eins drauf setzen.

Die Amerikaner hatten schon immer ein besonderes Geschick, den Teufel mit Belzebub auszutreiben und den Schlamassel damit nur noch schlimmer zu machen. Deshalb bekämpften sie Hitler mit Stalin, Batista mit Castro, Duvalier mit Aristide usw. und wunderten sich nachher immer wieder, daß sie "das falsche Schwein geschlachtet" hatten. Deshalb murksten sie in den Bergen Afģānistāns herum und bekämpften die Paschtunen, obwohl sich die arabischen Terroristen gleichzeitig (wie davor und danach) in Pākistān aufhielten, das man hätte zerschlagen müssen, um Ruhe zu haben - statt dessen machte man es zu seinem Verbündeten und somit den Bock zum Gärtner. Dann öffnete man den Deckel, den Saddam Hussein - der einer der ganz wenigen nicht-fundamentalistischen Herrscher der islamischen Welt war - wohlweislich über den brodelnden Topf der Shī'iten im Irāq gehalten hatte, statt ihre Basis, den Īrān, platt zu machen. Und bekämpfte dann die paar sunnitischen Extremisten in Baģdād, statt ihre Nester auszuräuchern, die sich in Riyād befinden - aber mit Sa'udi-Arabien ist man ja verbündet. (Es gibt halt viele Böcke und viele Gärten - nicht nur in Baģdād, der "Gartenstadt"; immerhin haben die Helden richtig bemerkt, daß die schlimmsten Haß-Prediger in Ägypten sitzen und auch dort zugeschlagen :-) Und Nordkorea? Ist doch bloß eine Marionette Rotchinas, in der ein kleiner Hosenscheißer, der seinen Pseudo-Thron von Pappi geerbt hat, über ein halb verhungertes Völkchen armer Schweine herrscht, das ohne den großen Bruder im Norden so zahm wie eine Blindschleiche wäre. Aber mit Peking hoffen die USA ja allen schlechten Erfahrungen zum Trotz immer noch gute Geschäfte machen zu können - wenn sie sich da mal bloß nicht verrechnen...

Und selbst wenn die bösen Buben wirklich in Afģānistān, im Irāq und in Nordkorea zu suchen (und zu finden :-) wären, so lägen die jungen, politisch unerfahrenen Naïvlinge Parker und Stone noch aus einem anderen Grunde voll daneben: Sie glauben - wie die Wandervögel im Weißen Haus in Washington -, daß man nur die "Terroristen-Führer" zu erwischen und außer Gefecht zu setzen bräuchte, und schon wäre der Weltfrieden gewonnen. Aber wer so denkt, hat zweierlei nicht begriffen: 1. ist das ein Kampf gegen eine Hydra - für jeden Kopf, den man ihr abschlägt, wachsen zweie neue nach. 2. Solange diese Köpfe Gefolgsleute in Massen haben, die bereit sind, für ihren Kampf zu sterben, kommt man ihnen weder mit guten noch mit bösen Worten bei: Wer bereit ist, für seine Sache sein Leben nicht bloß zu riskieren, sondern es definitiv zu opfern, den schrecken weder Drohungen mit Gefängnis noch mit Tod. Wer an ein Leben nach dem Tode glaubt, dazu noch im Paradies - und das tun gute Muslime nun mal -, gegen den gibt es nur ein Mittel, und das haben viele noch nicht zu Ende gedacht. Wenn ein Kompromiß-Frieden nicht mehr möglich ist - und der Qur'an schließt einen solchen für brave Mujaheddin aus -, dann gibt es für die andere Seite nur zwei Alternativen: Entweder man kapituliert vor den Muslimen - aber das wäre Selbstmord -, oder man schreitet zur Notwehr. Die andere Seite, das sind wir, die Atheïsten, Buddhisten, Christen, Hindus, Juden und was immer Euch sonst noch in alfabetischer Reihenfolge einfallen mag, die wir längst mit dem Rücken zur Wand der Weltbühne stehen und deren Freiheit wirklich nur noch an einem Faden hängt. Die Größe und Furchtbarkeit dieser Aufgabe (furchtbar nicht wegen der Muslime, sondern wegen der vielen Nicht-Muslime, die dabei mit drauf gehen werden - und je länger wir damit warten, desto mehr werden es sein) haben bisher nur ganz wenige begriffen - zu denen Parker und Stone nicht zählen. Die Verharmlosung dieses Problems - also genau das Gegenteil dessen, was die meisten politisch korrekten Gutmenschen an "Team America" kritisieren - ist Parker und Stone vorzuwerfen.

Der große Irrtum, in dem zur Zeit noch alle westlichen Politiker befangen sind, zeigt sich schon an der Wortwahl: Es gibt keinen "internationalen Terrorismus", ja es gibt überhaupt keinen "Terrorismus", denn die Endung "-ismus" impliziert, daß es sich dabei um eine Art Ideologie handele, die man bekämpfen könne wie den National-Sozialismus, den Kommunismus oder irgend eine andere politische Richtung, sei es mit Geld und guten Worten (wie einige Naïvlinge aus dem Lager der "Dialogisierer" glauben), sei es mit Gewalt (wie einige andere Naïvlinge, u.a. die Macher von "Team America", glauben). Aber eine solche Ideologie gibt es nicht. In einem anderen Kapitel dieser "Reise durch die Vergangenheit" hat Dikigoros geschrieben, daß es "den Militarismus" als solchen nicht gibt, daß der Krieg den Politikern vielmehr nur Mittel zum Zweck ist; und das gilt auch hier: Der Terror als solcher ist nie das Ziel, sondern immer nur Mittel zum Zweck. "Terror" bedeutet "Schrecken", den man bei seinen Gegnern verbreitet, um seine eigenen Ziele zu verwirklichen. "Der Zweck heiligt die Mittel", lautet ein alter Spruch, den man heutzutage meist nur sarkastisch meint, dabei ist viel Wahres darin. Ein gutes Ziel rechtfertigt auch den Einsatz "schlechter" Mittel - ja, auch den von "Terror". Ein schlechtes Ziel wird dagegen nicht einmal durch "gute" Mittel gerechtfertigt, geschweige denn geheiligt, weder durch Geldspritzen noch durch Dialoge, geschweige denn durch "demokratische Wahlen" nach dem Mehrheitsprinzip - sonst hätten ja die Albaner ein "Recht" auf das Amselfeld, die Russen auf Estland, die Muslime auf Kashmīr, die Shi'iten auf den ganzen Irāq, die Hamas auf ganz Palästina (incl. "Israel") und überhaupt jeder auf jedes Gebiet, in dem er sich mit Gewalt, List oder Tücke eine Mehrheit verschafft hat. Nein, es ist ein Unterschied, wer "Terror" anwendet und wo, um seine Ziele zu erreichen, die Katholiken oder die Protestanten in Nordirland oder Eire, die Basken oder die Kastilier in der Viscaya oder in Madrid, die Kurden oder die Türken in Ankara oder in Diyarbakir, die Shi'iten oder die Sunniten in Baģdād oder in Basrā, die Tschetschnier oder Russen in Grosny oder in Moskau, die Sikhs oder die Hindus in Amritsar oder in Delhi. (Vorsicht, liebe Leser, die Ihr über den letzten Satz oberflächlich hinweg gegangen sein solltet, das hat Dikigoros bewußt nicht einseitig formuliert - lest es bitte noch einmal genau nach!)

[Exkurs. Dikigoros ist in einer Zeit aufgewachsen, als die "Baader-Meinhof-Bande" noch ganz allgemein "Baader-Meinhof-Gruppe" genannt wurde; heute gelten ihre Mitglieder allenthalben nur noch als "Terroristen". Tatsächlich waren sie fehl geleitete Idealisten, die für eine schlechte Sache kämpften - das, nicht die Wahl ihrer Mittel, machte sie zu Verbrechern. Aber viele andere kämpften damals für die selbe schlechte Sache - und einige von ihnen sind heute Minister, ohne ihre Ansichten groß geändert zu haben. Habt Ihr mal gelesen, was z.B. Ulrike Meinhof 1965 über die Bombardierung Dresdens 1945 geschrieben hat? Abgesehen von der naiven Annahme, die Allierten hätten den Krieg nicht gegen Deutschland, sondern gegen Hitler geführt, könnte Dikigoros fast jeden Satz unterschreiben. Wenn Ulrike Meinhof nicht 1976 er("selbst")mordet worden wäre, würde sie heute, ohne ihre Ansichten groß geändert zu haben, vielleicht als "Neo-Nazi" gelten, wie ihr alter Gesinnungs-Genosse Horst Mahler, oder zumindest als "reaktionärer Rechter", wie ihr Ex-Ehemann Klaus Rainer Röhl, der erst in der KPD, dann in der DKP, dann in der SPD und ein großer Brecht-Fan war und die linke Postille Konkret heraus gab, während er heute FDP-Mitglied ist und "deutschtümelnde" Volks- und Fahrtenlieder sammelt. Exkurs Ende.]

Kurzum, die Ziele sind es, für bzw. gegen die man kämpfen darf, in manchen Fällen sogar muß - aber dazu muß man sie erst einmal erkennen, und daran hapert es bei vielen noch. Dabei müßte es eigentlich für jeden, der keine ideologischen oder sonstigen Scheuklappen auf den Augen und kein Brett vor dem Kopf hat - das in diesem Fall "Sein oder Nichtsein" der Welt bedeuten könnte -, ganz leicht zu sehen sein, wer allein den Weltfrieden bedroht: Der Islām hat sich ganz offen zum Ziel gesetzt, die Welt zu erobern und alle anders Denkenden auszurotten. (Das unterscheidet ihn z.B. vom National-Sozialismus, der dies nie wollte, vom russischen Kommunismus, der dies spätestens seit Stalin Lenin beerbt und Trotski beseitigt hatte nicht mehr wollte, und erst recht vom nord-koreanischen Kommunismus, der nur sein eigenes Süppchen kochen will - ein mieses Süppchen, mag sein, aber trotzdem sein eigenes.) Es will dies nur noch niemand so recht wahr haben, aus Angst vor den Konsequenzen, die sich daraus für alle anders Denkenden ergeben, denn sie scheuen den nochmaligen Einsatz der Terror-Mittel, die sie schon zweimal im 20. Jahrhundert gegen die falschen Schweine (die den Weltfrieden gar nicht bedroht hatten) eingesetzt haben. Auch die Mittel, die heute notwendig wären, um sich der - diesmal sehr realen - Bedrohung des Weltfriedens durch den Islām zu erwehren, wären Mittel des "Terrors". Na und? Dieses "na und?" ist vielleicht die Botschaft, die - wenngleich eher ungewollt - zwischen den Zeilen des Puppentheaters von "Team America" steht: Wer Ohren hat höre, wer Augen hat sehe, wer lesen kann lese, und wer Wehr und Waffen hat, der wehre sich, mit allen Mitteln, und sei es, daß man jedem einzelnen Muslim eine Lunte an die Bombe legt, die er - mental oder real - unter seinem Tuban trägt! Also Bühne frei, Vorhang auf, möge das Drama seinen Lauf nehmen und hoffen wir, daß an seinem Ende keine Tragödie steht.

* * * * *

Nachtrag. Zu "Team America" wurde trotz des großen Kassenerfolgs keine Fortsetzung gedreht; wohl aber zu "Südpark", das sich bald zum Fernsehprogramm-Renner entwickelte und immer mehr die Rolle eben jener fehlenden Fortsetzung übernahm. Im Jahre 2010, anläßlich der 201. Folge, war es dann so weit: Ähnlich wie die muslimische Welt mit Mord-Drohungen auf die Karikatur eines Dänen reagierte, die Dikigoros Euch oben abgebildet hat, so reagierte sie nun auch mit Mord-Drohungen gegen Parker und Stone, wegen Verunglimpfung der braven muslimischen Terroristen, unter deutlichem Hinweis darauf, wie es dem niederländischen Islam-Kritiker Theo van Gogh ergangen war. (Brave muslimische Immigranten, wie sie die Niederlande zu Millionen ins Land gelassen hatten, ermordeten ihn auf offener Straße.) Parker und Stone reagierten mit Humor: Sie riefen für den 20. Mai 2010 zu einem weltweiten "Jeder-zeichnet-Muhammad-Tag" auf; und Dikigoros will nicht versäumen, Euch das seiner Meinung nach gelungenste Produkt jenes Wettbewerbs vorzustellen - wobei er Wert auf den Hinweis legt, daß da durchaus nicht nur die Türkei rot eingezeichnet ist: Gemeint sind vielmehr die Angehörigen aller muslimischer Länder östlich (und südlich) Europas, deren Ausreise (mitsamt ihrer Lieblings-Lektüre :-) man so schnell wie möglich in Angriff nehmen sollte.

Und noch ein Nachtrag. Im Januar 2015 - noch immer hatte niemand aus dem Vorstehenden gelernt - mußte Dikigoros wieder an die erste Szene dieses Films denken, die ja in Paris spielt. Inzwischen war es fast schon normal, daß muslimische Terroristen dort wild um sich schossen - aber als sie die Redaktion des Satire-Magazins "Charlie Hebdo" stürmten und alle dort anwesenden Christenhunde ermordeten, konnte man das nicht mehr einfach totschweigen - nicht mal in den staatlich gelenkten Monopolmedien. Allerdings befleißigten sich sofort alle Politbonzenpolitisch-korrekten Gutmenschen Europas, vom kommunistischen Präsidenten Frankreichs bis zur "christlichen" Kanzlerin der BRDDR, unisono zu behaupten, daß all das überhaupt nichts mit dem Islam zu tun habe, daß es vielmehr eine Folge der ständigen Provokationen durch die bösen Islamophoben sei, die es wagten, sich gegen die weitere Islamisierung des Abendlandes auszusprechen; und das Bundesverfassungsgericht erlaubte wenig später demonstrativ das Tragen von Kopftüchern durch Islamistinnen in allen öffentlichen Einrichtungen.

Aber... was war denn mit den glorreichen USA? Wo blieb das "Team America"? Nun, die USA wurden inzwischen von einem schwarzen Krypto-Muslim aus Kenya und seiner Verbrecher-Clique beherrscht, die gar nicht daran dachten, muslimische Terroristen zu bekämpfen, sondern sie im Gegenteil überall auf der Welt finanzierten und mit Waffen und Know-how ausstatteten, um zivile oder gemäßigte Regierungen zu stürzen und an ihre Stelle islamische Fundamentalisten an die Macht zu bringen.

[Obamas Credo: Wir verhandeln nicht mit Terroristen - wir finanzieren und bewaffnen sie!] [Obama, Vorkämpfer des Islam in aller Welt] [Obama liefert Kampfbomber an die Muslim-Brüder in Ägypten, während er das Grundrecht auf Waffenbesitz in den USA aufhebt]

Wo bleibt das Team, das diesem Spuk ein Ende bereitet? Wo sind die tapferen Freiheitskämpfer, die den einen, großen, schrecklichen Fehler korrigieren, den Amerika - nicht zum ersten Mal - an den Wahlurnen begangen hat, und gegen den Tyrannen aufstehen? (Und damit meint Dikigoros nicht, daß sie auf der Straße herum krakelen und Plakate mit schöngeistigen Sprüchen schwenken sollen.)

[Obama = One Big Awful Mistake America - Ein großer schrecklicher Fehler, Amerika!] [Stop supporting terror!]

Oder sollte es die wirklich nur im Puppentheater geben?


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