wasserlösliche Vitamine

Wasserlösliche Vitamine

Thiamin = B1
Thiamin ist im Pflanzen- und Tierreich weit verbreitet. Es ist in den meisten Lebensmitteln enthalten, allerdings nur in kleinen Mengen. Die beste Thiamin-Quelle ist Bierhefe. Andere Quellen sind Schweine-, Rind- und Lammfleisch, Geflügel, Vollkornprodukte, Nüsse, frische und getrocknete Hülsenfrüchte. Beim Mahlen von Getreide zur Herstellung von Weibmehl und beim Polieren von braunem Reis werden die thiaminreichen Kleieschichten allerdings entfernt.
Vitamin B1 ist empfindlich gegen Hitze, Sauerstoff, Alkalien und UV-Strahlung. Da Thiamin wasserloslieh ist, gehen etwa 25 Prozent beim Kochen verloren. Beachtliche Mengen werden aus dem Tauwasser von tiefgefrorenem Fleisch oder dem Kochwasser von Fleisch und Gemüse ausgeschwemmt. Deshalb sollte man geschlossene Töpfe oder Pfannen und wenig Wasser verwenden sowie die Kochzeiten niedrig halten. Bratensaft oder Kochwasser kann in Eintöpfen oder Saucen wiederverwendet werden.
Eine Reihe von Lebensmitteln wie Kaffee, Tee, roher Fisch, Betelnüsse und einige Getreidearten können antagonistisch gegenüber Thiamin wirken. Medikamente, die Übelkeit und Appetitlosigkeit verursachen, die die Verdauung und die Ausscheidung erhöhen, können die Bioverfügbarkeit von Thiamin verringern. Bei Vergiftungen mit Arsen oder anderen Schwermetallen zeigen sich die neurologischen Symptome eines Thiaminmangels. Diese Metalle verhindern die Umwandlung von Thiamin in seine Wirkform.
Eine Reihe von Ernährungserhebungen haben gezeigt, daß eine suboptimale Thiaminversorgung relativ häufig anzutreffen ist. Deshalb zählt man Thiamin auch zu den kritischen Nährstoffen. Eine Thiamin-Unterversorqung äußert sich zunächst in unspezifischen Symptomen wie Müdigkeit, Reizbarkeit und Konzentrationsmangel.
Besonders häufig tritt eine Thiaminunterversorgung in folgenden Situationen auf:

  • Schwangerschaft und Stillzeit,
  • bei großer körperlicher Anstrengung,
  • bei chronischem Alkohlkonsum,
  • bei hoher Kohlenhydrataufnahme und
  • bei bestimmten Krankheiten (Dysenterie, Diarrhoe, Krebs, - Übelkeit/Erbrechen, Lebererkrankungen, Infektionen, - Schilddrüsenüberfunktion). Fällen ist eine Supplementierung unbedingt erforderlich.

Riboflavin = B2
Die offizielle Bezeichnung für die biologisch aktive Form des Vitamin B 2 ist Riboflavin. Als historisch sind heute u.a. Bezeichnungen wie Lactoflavin, Ovoflavin oder Uroflavin anzusehen. Die meisten dieser früheren Namen deuten auf das Ausgangsprodukt hin, aus dem das Vitamin ursprünglich isoliert wurde, zum Beispiel Milch, Eier oder Urin.
Riboflavin ist eines der am weitesten verbreiteten Vitamine. Es ist in allen pflanzlichen und tierischen Zellen enthalten, allerdings gibt es nur wenige sehr ergiebige Quellen. Hefe und Leber weisen die höchsten Konzentrationen auf, wobei für die normale Ernährung jedoch Nahrungsmittel wie Milch, Milchprodukte, Fleisch, Eier und grüne Blattgemüse die wichtigsten Riboflavinlieferanten sind.
Riboflavin wird aus Nahrungsmitteln tierischer Herkunft besser resorbiert als das aus pflanzlichen. In Kuhmilch, Schafs- und Ziegenmilch liegt Riboflavin zu über 90% in freier Form vor, in den meisten anderen B 2-Quellen ist es an Proteine gebunden.
Riboflavin ist hitzestabil; dementsprechend wird es durch den üblichen Kochprozeß nicht ohne weiteres zerstört - es sei denn, das Nahrungsmittel wird dem Licht ausgesetzt. Unter Lichteinwirkung können dann bis zu 50 % des Vitamins verlorengehen. Gewisse Verluste können sich auch durch Auslaugen ins Kochwasser ergeben. Aufgrund der Lichtempfindlichkeit des Riboflavins sinkt zum Beispiel sein Gehalt in der Milch in kurzer Zeit auf extrem niedrige Werte, wenn diese in Glasflaschen dem Sonnenlicht oder hellem Tageslicht ausgesetzt wird (85 % Verlust in 2 Stunden). Auch das Sterilisieren der Lebensmittel mittels Bestrahlen oder Behandeln mit Ethylenoxid kann zur Zerstörung des Riboflavins führen.
Ein Ribollavinmangel kommt selten isoliert vor, im allgemeinen tritt er in Kombination mit einem allgemeinen Mangel an wasserlöslichen Vitaminen auf.

Niacin
Der Begriff Niacin bezieht sich sowohl auf die Nicotinsaure selbst als auch auf ihr Aminderivat Nicotinamid (Niacinamid). Als veraltet und heute überholt gelten Nicotinsäure-Bezeichnungen wie Vitamin B 3 oder B 4 und PP-Faktor (pellagrapreventingfactor). Unter der "Niacin-Aktivität" eines Lebensmittels versteht man diejenige Nicotinsäure-Konzentration, die durch die Bildung von Niacin aus Tryptophan der Nahrung zustande kommt. Niacin gehört zum Vitamin B-Komplex.
Nicotinamid und Nicotinsäure sind in der Natur weit verbreitet. Nicotinsäure kommt häufiger in Pflanzen vor, während im tierischen Organismus das Nicotinamid vorherrscht. Den Hauptbeitrag zur Niacinversorqung leisten Nahrungsmittel wie Geflügelfleisch, anderes mageres Fleisch, Leber, Hefe, Nüsse und Hülsenfrüchte. Milch und grüne Blattgemüse sind weniger ergiebig.
Die essentielle Aminosäure Tryptophan kann eine wichtige Vorstufe für das Niacin sein; sie liefert je nach Niacin-Versorgungszustand bei durchschnittlicher Kost und ausreichender Zufuhr der Vitamine B 2 (Riboflavin), B 6 (Pyridoxin) und Folsäure bis zu zwei Drittel des Niacinbedarfs eines Erwachsenen. Wichtige Tryptophanquellen sind Fleisch, Milch und Eier.
Zu den uncharakteristischen Symptomen des Anfangsstadiums, die dann bis zum ausgeprägten Mangel führen können, gehören Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Gewichts- und Kräfteverlust, Mundtrockenheit, Verdauungsstörungen, Bauchschmerzen, brennendes Gefühl an unterschiedlichen Stellen des Körpers, Taubheitsgefühl, Schwindel, Kopfschmerzen, Nervosität, Ablenkbarkeit, Ängstlichkeit, Vergeßlichkeit und Verwirrungszustände.

Pyridoxin = B6
Der Begriff Vitamin B 6 oder Pyridoxin steht für eine Gruppe metabolisch untereinander austauschbarer Substanzen, nämlich: Pyridoxol (der Alkohol), Pyridoxal (der Aldehyd) und Pyridoxamin (das Amin).
In der Nahrung tritt Vitamin B 6 häufig am Eiweiß gebunden auf. Pyridoxol kommt vorwiegend in Pflanzen vor, während Pyridoxal und Pyridoxamin hauptsächlich in tierischen Geweben zu finden sind. Hervorragende Lieferanten von Pyridoxin sind Hühnerfleisch sowie Rinds-, Schweine und Kalbsleber; gute Quellen sind ferner Schinken und Fische (Sardinen, Thunfisch, Forelle, Heilbutt, Hering, Lachs), Nüsse (Erd- und Walnüsse), Brot, Weizen und Vollkorngetreide. Im allgemeinen enthalten Obst und Gemüse nur wenig Vitamin B 6; eine Ausnahme bilden Bohnen (auch Sojabohnen), Blumenkohl, Kartoffeln, Weizenkeime sowie Bananen und Rosinen, die relativ große Mengen an Pyridoxin aufweisen.
Der Mensch und andere Primaten sind zur Deckung ihres Vitamin-B6Bedarfs auf externe Quellen angewiesen. Bestimmte Darmbakterien können das Vitamin zwar synthetisieren, doch sind die Mengen sehr gering.
Vitamin B 6 ist relativ hitzebeständig, wird jedoch durch Oxidation und UV-Licht sowie in basischem Milieu zersetzt. Durch das Tiefgefrieren von Gemüse kommt es zu Verlusten von bis zu 25%, das Mahlen von Getreide zerstört bis zu 90% des Vitamins, und beim Kochen verarbeiteter Nahrungsmittel können bis zu 40% verlorengehen.
Es gibt mehr als 40 Medikamente, die in den Vitamin-B6-Stoffwechsel eingreifen, wodurch Verfügbarkeit und Status des Vitamins verschlechtert werden können.
Einige Vitamine des B-Komplexes (Niacin, Riboflavin, Biotin) können mit Pyridoxin synergistisch wirken. Niacin und Riboflavin sind für die Umwandlung der verschiedenen Formen von Vitamin B6 untereinander erforderlich.
Als hauptsächliche Stoffwechselfunktion des Vitamin B 6 ist seine Rolle als Coenzym verschiedener Enzymsysteme zu nennen. In dieser Eigenschaft übt es wichtige Funktionen sowohl im Protein- als auch im Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel aus. Für bestimmte Stoffwechselvorgänge ist es von wesentlicher Bedeutung: Produktion von Adrenalin, Serotonin und anderen Neurotransmittern, Bildung des Vitamins Nikotinsäure, Abbau von Glykogen, Bildung des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin.
Biochemische Hinweise für eine Vitamin-B6-Unterversorqung sind relativ häufig und äußern sich in einem veränderten Gewebestoffwechsel.
Zu den Personen, die der Gefahr einer unzureichenden Pyridoxinzufuhr und eines entsprechend mangelhaften Status in besonderem Maße aus gesetzt sind, gehören:
Schwangere und stillende Frauen. Dies rührt vom zusätzlichen Bedarf des Foetus beziehungsweise des Kindes her.
Personen mit hohem Eiweißkonsum, da der Proteinstoffwechsel von der Verfügbarkeit des Pyridoxin abhängt.
Der Vitamin B 6-Bedarf steigt bei eiweißreicher Ernährung, da der Proteinmetabolismus nur in Gegenwart von Pyridoxin richtig ablaufen kann. Schwangere und stillende Frauen brauchen zusätzlich 1,0 bzw. 0,6 mg, um den Bedarf des Foetus oder Säuglings zu decken.

Pantothensäure
Pantothensäure gehört zur Gruppe der B-Vitamine. Der Name leitet sich vom griechischen pantothen, das überall bedeutet, ab. Da ein Fehlen von Pantothensäure bei Küken Dermatitis und bei jungen Ratten Wachstumsstörungen verursacht, bezeichnete man das Vitamin früher auch als "Küken-Antidermatitis-Faktor", "Wachstumsfaktor", "Filtratfaktor" oder auch als Vitamin B 3. In der Natur kommt nur die rechtsdrehende Form, die D(+)-Panlothensäure vor.
Besonders reich an Pantothensäure sind Innereien (Leber, Nieren, Herz, Hirn) und Hefe. Die Hauptnahrungsquellen sind allerdings Eier, Milch, Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte.
Bei gesunden jungen Männern, die neun Wochen lang einer Pantothensäure-freien Diät unterzogen wurden, kam es lediglich zum:Auftreten von Müdigkeit und Lustlosigkeit. Ein ernährungsbedingter Pantothensäuremangel bei Tieren kann zu Wachstums- und Fortpflanzungsstörungen, gastrointestinalen Läsionen, neuromuskulären Störungen, Dermatitis, Atrophie der Nebennierenrinde und zum plötzlichen Herz-Tod führen.
Pantothensäure gilt als sicheres Vitamin; eine Hypervitaminose wurde bisher nicht beschrieben. Selbst in hohen Dosierungen von 10 g/Tag treten lediglich leichte Darmstörungen auf.

Biotin
Biotin gehört zu den Wasserlöslichen Vitaminen der B-Gruppe und wurde ursprünglich auch als Vitamin H oder Koenzym R bezeichnet. Nur eines der 8 verschiedenen Stereoisomere des Biotins, das D-Biotin, kommt in der Natur vor und ist als Vitamin voll aktiv.
Biotin kommt in den meisten Nahrungsmitteln, wenn auch in kleineren Mengen, vor. Gute Biotinquellen für die menschliche Ernährung sind Hefe, Leber und Nieren, aber auch Eigelb, Sojabohnen, Nüsse, Getreide und Milch.

Folsäure
Folsäure (chemische Bezeichnung: Pteroylplutaminsäure) gehört zur Gruppe der B-Vitamine. Veraltete Bezeichnungen für dieses Vitamin sind: Folacin, Vitamin M, Vitamin Bc und Lactobacillus casei-Faktor. Der Begriff "Folate" wird verwendet, um alle Mitglieder der gleichen Gruppe von Verbindungen bezeichnen, in denen Pteroinsäure an ein oder mehr Moleküle äure gebunden ist.
Folate sind in einer Vielzahl von Nahrungsmitteln enthalten. Die ergiebigsten Quellen sind Leber, dunkelgrüne Blattgemüse,.Bohnen, Weizenkeime und Hefe. Andere Quellen sind Eigelb, Rüben, Orangensaft und Vollweizenbrot. Die meisten Folate in der Nahrung liegen in der Polyglutamatform vor und werden in der Dünndarmwand in die Monoglutamafform umgewandelt, bevor sie in den Blutkreislauf resorbiert werden. Nur etwa die Hälfte der mit der Nahrung aufgenommenen Folate wird tatsächlich resorbiert. Unter normalen Bedingungen tragen Folate, die durch Intestinalbakterien synthetisiert werden, nicht wesentlich zur Folatversorgung des Menschen bei, da die bakterielle Folatsynthese gewöhnlich auf den Dickdarm (Colon) beschränkt ist, während die Resorption hauptsächlich im oberen Teil des Dünndarms (Jejunum) erfolgt.
Die meisten Folafformenin der Nahrung sind instabil. Frisches, bei Zimmertemperatur gelagertes Blattgemüse kann innerhalb von 3 Tagen bis zu 70% seiner Folalaktivität verlieren. Beträchtliche Verluste entstehen auch durch Übergang ins Kochwasser (bis zu 95%) sowie durch Erhitzen.
Tetrahydrofolsäure, die aktive Form der Folate im Körper, wirkt als Kofaktor in zahlreichen essentiellen Stoffwechselreaktionen. Sie spielt eine bedeutende Rolle im Metabolismus der Aminosäuren, den Bausteinen der Proteine. Ebenso ist sie an der Synthese von Nukleinsäuren, den Trägern der genetischen Information in der Zelle, wie auch an der Blutzellbildung und einiger Bestandteile des Nervengewebes beteiligt. Folsäure ist daher essentiell für ein normales Wachstum und die optimale Funktion des Knochenmarks und des Nervensystems. Folatmangel ist mit der am meisten verbreitete Vitaminmangel. Er kann durch ungenügende Aufnahme, gestörte Resorption, Stoffwechselstörungen, sowie durch erhöhten Bedarf hervorgerufen werden. Die Diagnose eines subklinischen Mangels hängt von der Nachweisbarkelt reduzierter Mengen im Gewebe oder von anderen biochemischen Nachweisen ab, da hämatologische Veränderungen in der Regel fehlen und Blutplasmaspiegel keine verläßlichen Indikatoren sind. Der Zustand eines Folatmangels kann sich innerhalb von 1 bis 4 Wochen einstellen Abhängig von Ernährungsgewohnheiten und Körperreserven des Vitamins. Frühe Symptome eines Folatmangels sind unspezifisch, sie schließen Müdigkeit, Reizbarkeit und Appetitlosigkeit ein.
Schwerer Folatmangel führt in fast allen Fällen in kurzer Zeit zu megaloblastischer Anämie, einem Zustand, in dem das Knochenmark vergrößerte, unreife Blutkörperchen bildet. Die klinischen Symptome sind variabel und hängen von der Schwere der Anämie und der Stärke des Ausbruchs ab. Eine unbehandelte megaloblastische Anämie kann fatale Folgen haben. Akuter Mangel (z. B. nach Gabe von Folatantaponisten) kann sich durch Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen, Übelkeit und Durchfall äußern. Schmerzhafte Geschwüre in Mund und Rachen, sowie Hautveränderungen und Haarausfall können außerdem auftreten.
Allgemeine Symptome eines chronischen Folatmangels sind Müdigkeit, sowie Energie- und Antriebslosigkeit. Ebenso können sich Entzündungen im Mund und auf der Zunge entwickeln. Ein Mangel während der Schwangerschaft kann zur Frühgeburt und/oder Mißbildungen beim Neugeborenen führen. Bei Kindern kann das Wachstum verzögert und die Pubertät verspätet sein. Folatmangel wurde außerdem mit neurologischen Störungen, wie Depressionen und geistiger Verwirrung (Demenz) in Verbindung gebracht.
Eine verminderte Folataufnahme findet man häufig auch bei Personen, die eine bestimmte Diät (z. B. gewichtsreduzierende Diät) einhalten. Erkrankungen des Magens (z. B. atrophische Gastritis) und des Dünndarms (z. B. Zöliakie, Sprue, Morbus Crohn) können in Folge einer verminderten Resorption zu Folatmangel führen. Bei Erkrankungen, die einen hohen Zellumsatz bedingen (z. B. Krebs, gewisse Anämien und Hautstörungen), erhöht sich der Folatbedarf. Dies ist während der Schwangerschaft aufgrund schnellen Gewebewachstums und während der Stillzeit aufgrund von Verlusten durch die Muttermilch ebenso der Fall. Personen unter medikamentöser Behandlung, z. B. bei Epilepsie, Krebs oder Infektionen, weisen ein hohes Risiko auf, einen Folatmangel zu entwickeln.
Oral aufgenommene Folsäure ist für den Menschen nicht toxisch. Selbst für tägliche Dosen von 15 mg gibt es keine stichhaltigen Berichte einer toxischen Wirkung. Ebenso wurde eine Menge von täglich 10 mg über 5 Jahre hinweg ohne nachteilige Effekte eingenommen. Andererseits wurde beobachtet.daß hohe Folsäuredosen einer antiepileptischen Medikation entgegenwirken können und so die Häufigkeit von epileptischen Anfällen bei betroffenen Patienten erhöhen. Ferner wurde berichtet, daß hohe Folsäuredosen die Zinkresorption beeinträchtigen können. Die Aufnahme hoher Folsäuremengen kann einen Vitamin B 12-Mangel verdecken.

Cobalamin = B12
Vitamin B 12 ist die Bezeichnung für verschiedene chemische Verbindungen, die eine Co-Enzym Funktion ausüben und Cobalamine heißen. Cobalamine enthalten Kobalt und gehören zu den Corrinoiden, welche eine bestimmte Molekülstruktur, Corrin genannt, aufweisen. Frühere Bezeichnungen für Vitamin B 12 waren Antiperniziosafaktor, Castle's Extrinsic facior oder Animal protein factor. Die wichtigsten Cobalamine im Menschen und in Tieren sind Hydroxocobalamin, Adenosylcobalamin und Methylcobalamin, wobei die beiden letzten aktiv als Coenzyme wirken. Cyanocobalamin, eine synthetische Form des Vitamins B 12, die aufgrund ihrer Verfügbarkeit und Stabilität breite klinische Anwendung findet, wird im Körper zu aktiven Formen umgewandelt.
In der menschlichen Ernährung wird Vitamin B 12 vorwiegend mit tierischen Nahrungsmitteln, insbesondere Innereien (Leber, Niere, Herz, Hirn) aufgenommen. Andere ergiebige Quellen sind Fisch, Eier und Milchprodukte. In Lebensmitteln pflanzlichen Ursprungs fehlt Vitamin B 12 weitgehend.
Wenn Vitamin B 12 Licht, Sauerstoff sowie sauren oder alkalischen Bedingungen ausgesetzt wird, verliert es langsam seine Aktivität. Es ist jedoch hitzestabil. Im Blutplasma behält Vitamin B 12über mindestens 14 Tage seine volle Wirkung.
Vitamin B 12 ist für die Bildung von Erythrozyten, Nervenscheiden und zahlreichen Proteinen erforderlich. Es ist ferner am Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel beteiligt und für das Wachstum essentiell.
Adenosylcobalamin ist das Coenzym für die Isomerisierung (Umwandlung) von 1-Methylmalonyl-Coenzym A zu Succinyl-CoA (eine wichtige Reaktion im Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel) und für die Reduktion von Ribonukleotiden, wobei die Bausteine für die DNA-Synthese entstehen. Reaktionen, an denen Methylcobalamin beteiligt ist, sind u.a. die Biosynthese von Methionin, einer essentiellen Aminosäure, von Methan und Acetat. Zudem gibt es Hinweise, daß Vitamin B12 für die Synthese von Folatpolyglutamaten, den aktiven Coenzymen bei der Entwicklung des Nervengewebes, und für die Regeneration von Folsäure während der Bildung roter Blutkörperchen notwendig ist.
Die Symptome des Vitamin B 12-Mangels ähneln denen des Folsäuremangels, wobei der wichtigste Unterschied darin liegt, daß nur bei Vitamin B 12-Mangel eine Degeneration des Rückenmarks auftritt. Wenn irrtümlicherweise Folsäuremangel als Grund der Anämie bzw. der Nervenstörung angesehen und daher Folsäure anstatt B 12 zur Behandlung eingesetzt wird, kann zwar die Anämie gelindert werden, das Risiko einer Schädigung des Nervensystems bleibt jedoch bestehen. Daher muß der Mangel vor der entsprechenden Therapie eindeutig diagnostiziert werden.
Cyanocobalamin hat bei Tieren in Mengen, die das Mehrtausendfache ihres nutritiven Bedarfs darstellen, keine toxischen Wirkungen gezeigt.

Ascorbinsäure = Vitamin C
L-Ascorbinsäure, antiskorbutisches Vitamin.
Obst: Schwarze Johannisbeeren, Erdbeeren, Kiwi, Sanddornbeeren, Hagebutten, Zitrusfrüchte. Je nach Jahreszeit liefert zum Beispiel ein mittelgroßes Glas frischgepreßter Orangensaft (etwa 100 ml) 15 bis 35 mg Vitamin C. Gemüse: Paprikaschoten, Petersilie, Blumenkohl, Rosenkohl, Brokkoli, Kartoffeln, Süßkartoffeln.
Alle Primaten, auch der Mensch, sowie das Meerschweinchen sind äußeren Quellen abhängig, um ihren Vitamin C-Bedarf decken zu können; andere Tiere synthetisieren Ascorbinsäure selbst.
Vitamin C ist wasserlöslich und empfindlich gegen Hitze, Licht und Sauerstoff. In der Nahrung kann es durch lange Lagerung oder Kochen teilweise oder völlig zerstört werden. So verlieren zum Beispiel Kartoffeln, wenn sie bei Raumtemperatur gelagert werden, monatlich etwa 15 Prozent ihres Gehalts, und das Kochen geschälter Kartoffeln zerstört 30 - 50 Prozent.
Eine ganze Reihe chemischer Substanzen, denen der Mensch ausgesetzt ist, wie Luftverunreinigungen, industrielle Schadstoffe, Schwermetalle und Tabakrauch sowie verschiedene Arzneimittel, darunter Aspirin, einige Antidepressiva, Diuretika, Indomethacin, Prednison und Östrogene können zu einem erhöhten Vitamin C-Bedarf führen. Dies trim auch für gewisse Eß- und Trinkgewohnheiten wie regelmäßiger Alkoholkonsum zu.
Das Vorhandensein anderer Antioxidantien wie Vitamin E und Beta-Carotin unterstützt diese Schutzfunktion des Vitamin C. Andere Vitamine, wie diejenigen des Vitamin B-Komplexes (insbesondere B 6, B 12, Folsäure und Pantothensäure), und einige pharmakologisch aktive Substanzen wie Testosteron und Somatotropin sowie die als Bioflavonoide bekannten pflanzlichen Stoffe üben einen Vitamin-C-sparenden Effekt aus.
Vitamin C ist für die Produktion der interzellulären Bindegewebesubstanz Kollagen erforderlich, welche den Muskeln, den Gefäßen, den Knochen und dem Knorpel ihre Struktur verleiht. Vitamin C trägt auch zur Gesundheit der Zähne und des Zahnfleisches bei und unterstützt die Resorption von Eisen aus der Nahrung. Zusätzlich weisen Forschungsergebnisse auf folgende mögliche Funktionen von Vitamin C im Organismus hin, nämlich die Beteiligung - am Stoffwechsel der Folsäure - an den Stoffwechselreaktionen verschiedener Aminosäuren, insbesondere indem es die Bildung potentiell karzinogener Mitrosamine im Magen (infolge des Konsums nitrat- oder nitrithaltiger Nahrung wie geräuchertes Fleisch oder Eingepökeltes) verhindert; - am zuverlässigen Funktionieren der Leukozyten (weiße Blutkörperchen), womit der Widerstand gegen Infektionskrankheiten erhöht wird. Nach einer Operation oder einfach während des Abheilens einer äußeren Wunde trägt zusätzliches Vitamin C (etwa 1000 mg pro Tag) zur Vorbeugung gegen Infektionen bei und fördert den Heilungsprozeß der Haut.
Die frühen Symptome eines beginnenden Vitamin C-Mangels sind Müdigkeit, Mattigkeit, Appetitlosigkeit, Schläfrigkeit und Schlafstörungen, Abgespanntheit, Reizbarkeit, herabgesetzte Widerstandskraft gegen Infektionen sowie Petechien (kleinste Hautblutungen). Diese Symptome können allerdings auch Hinweise auf andere Erkrankungen sein.

Ascorbinsäure kann Blutanalysen verfälschen.

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