SOUVENIRS  VOM  SCHWARZEN MEER
Apollώnios Rhóđios: ARĢONÁVTIKA
Valerius Flaccus: ARGONAUTICA

[Iáson klaut das goldene Vlies; Médeia lenkt die Schlange ab, die es bewachen sollte]

EIN KAPITEL AUS DIKIGOROS' WEBSEITE
REISEN, DIE GESCHICHTE[N] MACHTEN

von sagenhaften Reisen und märchenhaften Reiseberichten

Warum hat Dikigoros das erste Wort der Titelzeile in die Mehrzahl gesetzt? Ging es Iáson und seinen Mitreisenden nicht nur um ein ganz bestimmtes Souvenir, nämlich das Goldene Vlies? Aber, liebe Leser, wie kann man nur so fragen? Seid Ihr denn selber noch nie auf Reisen gegangen? Dann müßtet Ihr doch wissen, daß man fast immer mehr von ihnen mitbringt, als man eigentlich vorher wollte. Das meiste Zeug erweist sich dann im Nachhinein als bestenfalls überflüssig, in der Regel zumindest schädlich für den Geldbeutel und schlimmstenfalls - tödlich. A propos Geldbeutel: Was wollten unsere Helden eigentlich wirklich von dieser Reise mit zurück nach Griechenland bringen? Wirklich nur ein goldenes Schaffell? Oder mehrere? Und ging es ihnen mehr um das Fell oder um das Gold? Oder am Ende um etwas ganz anderes? Was wollten die alten Griechen mit Gold? Es war bei ihnen damals - als jene Fahrt stattgefunden haben soll - weder als Zahlungsmittel noch als Schmuck gebräuchlich. Und Schafe hatten sie selber genug. Oder doch nicht? Geld kann man bekanntlich nie genug haben; und Schafe waren im Altertum - wie noch heute die Kamele bei gewissen Wüstenstämmen - das Zahlungsmittel schlechthin. Ihr habt auf der Schule gelernt, daß das lateinische Wort für Geld, "pecunia", etwas mit Kühen zu tun gehabt habe? Unsinn - "pecus" hieß das Schaf, das auch bei den alten Römern als Zahlungsmittel oder jedenfalls als Wertmaßstab und Verrechnungseinheit diente, bevor die Metallmünzen eingeführt wurden und der geflügelte Spruch vom "Eulen tragen nach Athen" entstand. (Den übrigens erst die nicht mehr ganz so alten Römer erfanden. [Die alten Hellenen sagten: "Die Glávkä nach Athen tragen" - Glávkä ist die zweite Frau Iásons, derentwegen er Médeia verlassen wird; aber das gehörte ursprünglich wohl nicht zu unserer Sage.] Die Eule, die der Göttin Athene heilig war, zierte die alten griechischen Münzen - und die neuen heute wieder, jedenfalls den "Evrω"; für die Argώ, das "schnelle Schiff" der Argonávten, haben sie dagegen nur noch die schäbigste kleine Kupfermünze übrig - den "Lepto" im Wert von einem Cent.)


Mit goldenen Schaffellen waren die alten Griechen dagegen noch nicht gesegnet, es hätte also durchaus Sinn gemacht, ins Land Kolchís zu fahren und dort eines mitgehen zu lassen - oder vielleicht gleich ein ganzes Schaf, zu Zuchtzwecken? Aber irgendwie hat man im weiteren Verlauf der Geschichte den Eindruck, daß es auf dieses famose Vlies gar nicht mehr so sehr ankommt, daß es also jedenfalls nicht in erster Linie um Geld oder Gold, Schaffelle oder Schafzucht ging - das war ja ohnehin nur ein Vorwand des Herrschers von Iωlkós, um den lästigen Thronprätendenten Iáson los zu werden. Um was ging es dann? Aus heutiger Sicht ist man versucht zu fragen: Warum fahren denn alte, häßliche Männer aus dem Westen, schwarzhaarig, schmalbrüstig, schlappschwänzig, spitznasig und -bärtig, kurzum Prachtexemplare, wie Ihr ganz oben links eines abgebildet seht, ans Schwarze Meer oder sonstwo nach Osteuropa? Na, schaut doch mal, was gleich daneben für ein tolles Weib steht: jung, hochgewachsen, vollbusig, wahrscheinlich mit goldblondem Haar und strahlend blauen Augen (wie junge Russinnen und Ukraïnerinnen so sein können - aber das ist eine andere Geschichte); da überlegt man[n] schon mal, ob er sich nicht so ein braves blondes Schäfchen (für das er sie hält) mit nach Hause nehmen soll, denn das griechische Schöheitsideal bei Frauen war tatsächlich blond und blauäugig - seit Hómäros werden ihre Dichter nicht müde zu betonen, daß ihre Göttin Athäná so aussieht (die Ihr doch bitte auf der letzten Silbe betonen wollt, auch wenn Ihr sie wie die Ioner "Athänä" bzw. "Athene" aussprechen solltet; auf der zweiten Silbe betont ist es die Stadt!). Die Kolcherin ist Barbarin (die Ihr doch bitte nicht auf der zweiten Silbe betonen wollt, sondern auf der ersten, Ihr sagt doch auch "Bárbara", und nicht "Barbára", oder? Es ist dasselbe Wort!), d.h. (wörtlich) sie spricht kein Griechisch? Macht nichts, dann liegt sie einem wenigstens nicht ständig quengelnd in den Ohren, wie die einheimischen Weiber, diese emanzigen Zicken à la Xanthíppä. (Die war übrigens auch blond, wenn wir ihrem Namen trauen dürfen - das hätte den Argonávten eine Warnung sein können, wenn sie damals schon gelebt hätte; und auch "Glávkä" bedeutete wohl "blond und blauäugig"; das o.g. Sprichwort bedeutete also: "blonde, blauäugige Frauen nach Athen bringen" - so viele muß es dort mal gegeben haben! Warum Iáson dann Médeia gegen Glávkä eintauschte? Ganz einfach: die erstere hatte inzwischen Griechisch gelernt und quatschte ihm nun dauernd die Ohren voll; die letztere dagegen konnte das nicht, denn sie sprach ja Dorisch, während Iáson Aiolisch sprach - dachte jedenfalls der doofe Sagenschreiber, der nicht mehr wußte, daß Iáson vor der dorischen Wanderung lebte, als man sowohl in Iωlkós als auch in Korinth noch Achaisch sprach :-) Gesagt, getan.... Was, liebe Leser, Ihr glaubt das nicht? Jedenfalls nicht, daß es schon bei den alten Griechen so war? Ihr stellt Euch Iáson vielmehr so vor, wie ihn das 19. Jahrhundert gezeichnet hat, d.h. als baumlangen, blonden, blauäugigen Recken? Oder Ihr glaubt gar, daß die alten Griechen solche Supermänner à la Brad Pitt & Co. waren, wie sie Euch das 20. Jahrhundert in die Kinos und Fernseher gebracht hat, und daß sie erst später degenerierten und bastardisiert wurden? Ja ja, die Thesen des Herrn Professor Fallmerayer und seiner Epigonen wirken halt immer noch nach - aber Ihr könnt sie getrost vergessen, denn Ihr habt ja schon auf dem ersten Bild ganz oben gesehen, wie die alten Griechen Iáson - und wohl auch sich selber - sahen, und diese Darstellung ist kein Einzelfall, wie Ihr unten links seht (es scheint Einigkeit geherrscht zu haben, daß Iáson kleiner war als Médeia und auch sonst nicht sonderlich stark gebaut :-). Sie dürfte alsodurchaus realistisch gewesen sein, nicht wie die in den modernen Geschichts- und Märchen-Büchern, von denen Euch Dikigoros zwei daneben gestellt hat.

[Iason, wie ihn die alten Hellenen sahen] [Iason, wie ihn das 19. Jahrhundert sah]

links die mutmaßliche Realität in Hellás: schwule Waschlappen | rechts: die Fantasien des 19. Jahrhunderts in Mitteleuropa

Aber hier will Euch Dikigoros ja nicht von der Liebesgeschichte zwischen Iáson und Médeia und ihrem traurigen Ende berichten - das in der Argonavtika nicht vorkommt und über das er deshalb an anderer Stelle schreibt -, sondern von der Reise der Argonávten. Und obwohl diese wahrscheinlich lange vor der Eroberung Troias statt fand - wenn sie denn je statt fand -, hat er dieses Kapitel nach dem Kapitel über die Odyssee (in der Hómäros die Fahrt der Argonávten bereits kurz erwähnt) einsortiert, weil es ihm nicht um die historische Fahrt geht, sondern um die Sage - und die hat Apollώnios (der aus Alexándreia stammte, auch wenn man ihm später den Beinamen "Rhóđios [aus Rhodos]" gab) nun mal im 3. Jahrhundert v.C., also ca. 500 Jahre nach Hómärs Odysseia, geschrieben, und Valerius Flaccus im 1. Jahrhundert n.C., also noch einmal 300 Jahre später, überarbeitet. Und das führt uns gleich zu der Frage: Warum fühlt sich jemand nach so langer Zeit bemüßigt, eine solche Reisesage wieder ausgegraben und nieder zu schreiben? Und wieviel ist dabei von der alten Überlieferung erhalten geblieben und was wurde warum geändert? Darf Dikigoros gleich mit der Tür ins Haus fallen und seine Antwort vorweg nehmen: Er hält Apollώnios für einen geistigen Vorläufer des mittelalterlichen Dichters, der aus der Thidreksaga das Nibelungenlied machte und dabei die historischen Ereignisse und die geografischen Orte der Vorlage ungeniert seinen eigenen Zielen anpaßte. Wie war das gleich im Nibelungenlied mit dem Ort, an dem Donau und Rhein zusammen fließen? Der muß wohl ganz in der Nähe des Ortes gelegen haben, an dem in der Argonávtika der Po und die Rhône zusammen fließen; Apollώnios überträgt ungeniert alte Namen und Bezeichnungen auf neue Orte und Sachverhalte; denn die Donau hieß - und heißt - auf Griechisch noch immer Doúnabäs bzw. Doúnabis, woraus messerscharf folgt, daß mit "Ister" ursprünglich wohl ein anderer Fluß gemeint war. Erst Apollώnios hat diesen Namen auf die Donau übertragen, so wie der Dichter der Nibelungennot den Namen der Dhünn dem der Donau "angepaßt" hat.

Beginnen wir also mit dem Kern der Thidrek-, pardon der Argonávtensage, den einige auf das 14., andere sogar bis auf das 20. Jahrhundert v.C. zurück datieren. Dikigoros schätzt sie dagegen auf das 8. Jahrhundert v.C. - warum? Das liegt doch auf der Hand: Ursprünglich sollte die Sage nur den Besitzanspruch der Griechen auf die südliche Schwarzmeerküste rechtfertigen, wo sie damals zahlreiche Kolonien anlegten, deren Städte z.T. noch heute erhalten sind; zugleich mußten sie erklären, warum diese Landnahme nicht über die erreichten Orte hinaus ging, d.h. ganz konkret, warum sie an den Grenzen von Kolchís scheiterte. Vor einigen Jahren war es noch möglich, die (Hin-)Fahrt der Argonávten relativ leicht und preiswert (für 25.- D-Märker in der Billigklasse; für Erste Klasse incl. Vollpension durfte man eine Null dranhängen, für ein westliches Kreuzfahrtschiff zwei :-) nachzuvollziehen: Man bestieg in Stambul ein Schiff der Turkish Maritime Lines und fuhr mit ihm bis nach Ħopa. (Die letzten, die ihre Erlebnisse auf einer solchen Fahrt veröffentlicht haben, waren, soweit Dikigoros das überblickt, Margot Granitsas in der FAZ und Mary Lee Settle in der New York Times, beide anno 1990.) Nach wiederholten Anschlägen tschetschnischer Terroristen auf solche Schiffe in türkischen Schwarzmeerhäfen - über die man von den westlichen Médeias, pardon Medien kaum etwas erfahren hat - wurde die Verbindung in den 1990er Jahren eingestellt. Nun fahren nur noch russische Schiffe mit schwer bewaffneten Begleitmannschaften direkt, d.h. quer übers Meer, nach Sotschi. Wer heute etwas von der Küste sehen - und hier und da auch mal anlegen - will, muß sich also eine kleine Motoryacht mieten; das ist zwar teurer, aber man kann sich ja mit ein paar anderen Argonávten zusammen tun und ist dann auch flexibler mit dem Zeitplan. (Von dem Versuch, es mit einem Ruderboot zu versuchen, wie es einige Griechen aus Wolos dem Vernehmen nach planen, würde Dikigoros dagegen dringend abraten - nicht nur aus Zeitgründen :-) Und da man ja auch bei "Reisen durch die Vergangenheit" die Gegenwart nie ganz außer Acht lassen soll, will Dikigoros Euch an dieser Stelle eine kurze Wegbeschreibung - unter besonderer Berücksichtigung des propagandistischen Wertes für griechische Geopolitiker - an die Hand geben, denn diese Reise lohnt auch heute noch, weil man immer noch (!) Reste des echten, vor-türkischen Kleinasiens antrifft, von denen man sonst nichts erfährt - jedenfalls nicht offiziell: Für die Türken ist die Türkei türkisch (so steht es im Titelbalken ihrer größten Tageszeitung, Ħürriyet: "Türkiye Türklerindin [die Türkei den Türken]!") - und die Angehörigen der Minderheiten bezeichnen sich ebenfalls brav als solche, um nur ja nicht aufzufallen oder anzuecken, denn wer will schon enden wie die bekennenden Griechen und Armenier? Dagegen könnt Ihr den Süden Kleinasiens, der als "türkische Riviera" durch die Werbeprospekte der Pauschalreise-Veranstalter geistert, mitsamt seinem obligatorischen Touristen-Nepp getrost den germanischen Bierbäuchen überlassen.

[die südliche Schwarzmeerküste]

Mit Stambul brauchen wir uns nicht lange aufzuhalten, denn erstens schreibt Dikigoros darüber an anderer Stelle, und zweitens wurde Byzantion erst im 7. Jahrhundert v.C. gegründet, ging die Argonávten in den Augen des Sagenverfassers also nichts an. (Wohlgemerkt: Sowohl dort als auch an den andern Orten, die wir gleich besuchen, wird es schon vorher irgendwelche Siedlungen gegeben haben, aber halt keine griechischen - und nur um die geht es uns hier.) Machen wir darum gleich den Sprung nach Sinop[e]. Die Archäologen meinen, daß es die älteste griechische Schwarzmeer-Kolonie war. Hier wurde - lange nach Ankunft der Argonávten - Diogénäs geboren, der später nach Athen ging und dort in einem Píthos gelebt haben soll, was die Deutschen gerne - wenngleich nicht ganz korrekt - mit "Tonne" oder "Faß" übersetzen. (Damals ging das noch; inzwischen ist Griechenland bekanntlich ein Faß ohne Boden, denn die heutigen Griechen sind nicht mehr so genügsam wie der alte Sinoper; sie wollen kurze Arbeitszeiten, frühe Pensionierung und hohe Renten, alles auf Kosten der EU, d.h. im Zweifel der blöden Germanen :-) Und von hier aus - oder von Trapezunt, da sind sich die Historiker nicht ganz einig - soll dem Xenofώn ["Ausländertöter" - toller Name, was?] das erste Dünkirchen der Geschichte gelungen sein, nachdem er sich im persischen Bürgerkrieg auf die falsche Seite gestellt hatte und schwer geschlagen worden war. Samsun war mal das Zentrum der Tabakverarbeitung; zehn Jahre lang - 1935-45 - beherrschten die milden, aromatischen "Samsun"-Cigaretten aus der Türkei die europäischen Märkte, bevor die US-Amerikaner ihrem minderwertigen "Virginia"-Tabak - dem für harte "Marlboro"-Männer, denen es nichts ausmacht, wenn ihre Zigaretten nach Bullshit schmecken - ein de-facto-Monopol in West- und Mitteleuropa verschafften und den Türken dadurch ihre Exporte beschnitten; seitdem müssen sie ihren Tütün weitgehend selber rauchen oder in der Wasserpfeife "trinken", was sie auch ausgiebig tun, religiöse Verbote hin oder her - so weit geht ihre Liebe zu Allah, dem einzigen Gott, und Muħammet, seinem Profeten, denn doch nicht - nargile akbar! Dem großen Kemal Atatürk, der hier 1919 seine politische Karriere begann (und den Tabakanbau einführte - er war erklärter Atheïst, und was im Kur'an und anderen müsülmanischen Büchern steht, darauf gab er einen Dreck) hat man zum Dank schon zu Lebzeiten ein imposantes Denkmal errichtet, hoch zu Roß, das höchste in der ganzen Republik, pardon, im ganzen Freistaat ("cumħuriyet" - die Bezeichnung haben die Türken mit den Bayern gemeinsam :-).


[Nargile akbar - die Wasserpfeife ist größer...] [... als der Koran!]
[Das Atatürk-Denkmal in Samsun]

Aber davon ahnten Iáson & Co. natürlich noch nichts, zumal sie gar nicht hier gelandet waren, sondern ein paar Kilometer weiter in Kara Samsun, dem antiken Amisos. A propos "kara": Hier könnt Ihr sehen, weshalb sowohl die Griechen als auch die Türken das "Schwarze Meer" so nannten und bis heute nennen: Nicht etwa weil das Wasser schwarz aussähe, sondern... der Sand am Strand! (Woran das liegt, vermag Dikigoros nicht zu sagen; wer es weiß, kann ihm ja mal mailen.) In Ordu lebt bis heute eine der vielen "georgischen" Minderheiten. [Es gibt keine "Georgier", liebe Leser. Es gab zwar eine Sowjet-Republik "Georgien", und es gibt noch immer einen Räuberhauptmann, der sich "Präsident von Georgien" nennt; aber es gibt keine Georgier, geschweige denn, daß sie und ihr Land nach dem Heiligen Georg benannt worden wären, auch wenn das von der amtlichen Propaganda verlautet und von Unwissenden in aller Welt brav nachgebetet wird. (Aber es soll ja sogar Leute geben, die glauben, daß dies auch auf den Präsidenten ihres wichtigsten Verbündeten zuträfe - der mal wieder der bewährten Tradition seines Landes folgt, die falschen Schweine zu schlachten und dafür die schlimmsten Schweinehunde zu Verbündeten zu machen und dem sie dafür in Tiflis, pardon, in Tbilisi, sogar eine eigene Straße gewidmet haben :-) Die Bezeichnung geht ebenso auf ein griechisches Schimpfwort zurück wie die Bezeichnung "Boors (Boeren, Buren)" für die holländischen Afrikaaner am Kap der guten Hoffnung. Beides meint "Bauernlümmel" - Bauer heißt nun mal auf Griechisch "Georgios". Auf die Völker und Stämme "Georgiens" kommen wir gleich noch einmal zurück.]

[Schwarzer Sand am Schwarzen Meer] [Der Heilige Georg - der unheilige George]
[G.W.B. Street]

Im Reiseführer werdet Ihr lesen, daß dies das alte Kotyora sei, wo die Argonauten landeten; aber auch in diesem Fall stimmt das nicht. Kotyora ist heute ein Ruinenfeld etwas außerhalb der Stadt, das von den Türken bezeichnenderweise "Bozukkale [Schrottburg]" genannt wird. Ringsumher wachsen Haselnüsse. (Das sind die, die Ihr jetzt noch billig bei Aldi kaufen könnt; wenn die Türkei erst der EU beigetreten ist, wird die "Fındık" genauso teuer werden wie der spanische Südwein nach dem Eintritt in die EG oder der deutsche Spargel nach dem Beitritt Polens zur EU und dem damit verbundenen Wegfall billiger polnischer Erntehelfer.) In Giresun, dem alten Kerasos, gibt es bis heute - na was wohl - Kirschen, die danach ihren Namen haben (nicht nur im Deutschen, sondern auch im Türkischen, wo sie "kiraz" heißen). Der römische General Lucullus brachte sie von hier nach Europa mit - aber darüber schreibt Dikigoros an anderer Stelle.

[Haselnüsse] [Kirschen]

Trabzon, das alte Trapezunt, war einst die Hauptstadt des wisadionischen (oder, wie Ihr auf der Schule zu sagen gelernt habt, "byzantinischen") Reichs, nachdem die Kreuzfahrer zu Beginn des 13. Jahrhunderts Konstantinopel erobert hatten; im Kloster von Sumela, ca. 1 Stunde mit dem Bus entfernt, wurde damals der Wasileios gekrönt. Im Reiseführer werdet Ihr die Hagia Sofia als wichtigste Sehenswürdigkeit aufgeführt finden. Das mag schon sein; aber zu Iásons Zeiten war die ja noch nicht gebaut; und für unsere Zwecke ist eine andere Kirche viel wichtiger, nämlich die der Panagia Chrysokefalos, der allerheiligsten Jungfrau mit dem Goldkopf. Natürlich gab es auch die zur Zeit der Argonávten noch nicht; aber Ihr kennt doch die christliche Kirche, nicht wahr? Sie hat ihre Gotteshäuser immer bevorzugt über zerstörten Heiligtümern der alten, "heidnischen" Religionen errichtet, und deren Götter oft gleich mit übernommen, als "Heilige". Es dürfte hier also schon früher eine Jungfrau mit goldblondem Haar verehrt worden sein.
(...)
Den goldenen Mais (mısır), der ringsumher wächst, dürfen wir dagegen getrost vernachlässigen, denn der kam - wie der Tabak - erst im 16. Jahrhundert von Amerika nach Europa. In Rize (dem alten Rhizion) bzw. in den Bergen dahinter wird Tee (çay) angebaut, neben Salbei-Tee (adaçay) das Nationalgetränk der Türken. Doch auch wenn die Türken ihn gerne trinken - seine Herstellung überlassen sie lieber anderen, denn sie sind kein Bergvolk. Er ist dem "grusinischen" Tee sehr ähnlich; und daraus dürft Ihr wiederum schließen, daß der Anbau auf eine jener "georgischen" Minderheiten zurück geht, die es offiziell gar nicht [mehr] gibt, in diesem Falle die Lasen.
(...)
In Hopa endete die Reise früher im militärischen Sperrgebiet; heute kann man theoretisch mit dem Bus über die Grenze fahren; aber Dikigoros hat sich sagen lassen, daß man es besser bleiben läßt und an dieser Stelle umkehrt. Wie dem auch sei, wenn man mit dem Boot anreist, hat man dieses Problem ja ohnehin nicht - das bekommt man dann erst, wenn man den Hafen von Batumi anläuft.

[Lasistan und Mingrelien - das antike Kolchís]

"Georgien" ist, mit Verlaub, ein Sch...-Staat, ein "Land, das nicht sein darf", wie Michael Ende in "Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer", den Staat der Piraten von der "Wilden 13" genannt hat. Hier versucht eine Räuberbande, genauer gesagt ein Raubvolk - wie einst die Tschechen in der "Tschecho-Slowakei", die Serben in "Jugo-Slawien", die Russen in der "Sowjet-Union", die Engländer in "Groß-Britannien", die Kastilier in "Spanien", die Jawaner in "Indonesien", die Ħan in der "Volksrepublik China" (sind Dikigoros da etwa ein paar Raubstaaten in die Tastatur gerutscht, die es immer noch gibt? Pardon, aber er geht davon aus, daß auch die irgendwann auseinander fallen werden!), nämlich die Kartwelier, einen Haufen anderer Völker und Stämme, die mit ihnen nicht das geringste zu tun haben wollen, unter seiner Fuchtel zu halten: Die Ossen ("Osseten" oder "Ossetier" ist falsch, liebe Leser, Ihr sagt doch auch nicht "Deutschländer", wenn Ihr nicht gerade die Würstchen meint, oder?), die Swanen (nicht "Swanetier", s.o.), die Abchasen, die Adscharen, die Mingrelier und und und. (Deshalb nennen sie selber "ihren" Staat auch nicht "Georgien", wie die doofen Ausländer, sondern konsequenterweise "Sakartwelo", Land der Kartwelier.) Hier macht man auch als Nicht-Tourist tagtäglich Bekanntschaft mit Nepp, Korruption und der "kavkasischen Mafia", wie die Russen - nicht erst seit Putin - das Pack nennen, von dem sich jeder ehrbare sizilianische Mafioso distanzieren würde, das sich über die ganze einstige Sowjet-Union ausgebreitet hat, und das sie nun gerne wieder los würden. Batumi hat es fest im Griff. [Die Sängerin Ketewan ['Katie'] Melua - übrigens eine gebürtige Kolcherin aus Kutaïssi, einer weiteren Kandidatin für die antike Hauptstadt -, die uns in einem ihrer Lieder daran erinnert, daß es zu viele Chinesen (und zu wenige Weiße) auf der Welt gibt, ist in Batumi aufgewachsen. Als ihre Familie nach Nordirland auswanderte, empfand sie ihre neue Heimatstadt Belfast, die für andere die Hölle war, im Vergleich zu Batumi als Paradies!] Ach, daß wir nicht noch einmal die Argonávten vorbei schicken können! Erinnert Ihr Euch an den Beginn des zweiten Buches, als Iáson dem Amykos eigenhändig den Schädel einschlägt und seine Mitreisenden die anderen Wegelagerer erledigen, die sie so unfreundlich empfangen haben? Leider geht das heute nicht mehr so ohne weiteres; aber Dikigoros hat schon Reiseberichte gelesen, deren Verfasser die Raubritter, die sich "georgische Zöllner" nennen, vor die simple Alternative gestellt haben: "Entweder wir einigen uns jetzt auf einen vernünftigen Betrag, oder wir fahren direkt wieder ab, dann bekommt ihr gar nichts!" und damit Erfolg hatten. So sollte man es immer und überall halten - nicht nur in "Georgien" (auch in "Polen" soll es dem Vernehmen nach solche Piratennester geben, z.B. in Stettin; die Piraten nennen sich zwar "polnische Zöllner", können sich aber weder als solche ausweisen noch tragen sie Uniform, sondern - passenderweise - Räuberzivil, wenn sie deutsche Schiffe entern, um Zigaretten und Alkohol zu rauben), und nicht nur als Touristen, sondern auch als Politiker und Vertreter von Wirtschafts-Unternehmen, die es in jüngster Zeit in so großem Umfang nach Batumi zieht, weil sie glauben, daß sie dort langfristig dicke Geschäfte mit Erdöl machen können - wenn sie sich da mal nicht täuschen...!

Exkurs. Gegen Absätze wie den vorauf gegangenen regt sich naturgemäß Widerspruch von Seiten der sich betroffen fühlenden, auch wenn der Inhalt nur sinngemäß mündlich geäußert wird. "Was würden Sie sagen," fragte eine Kartwelierin - Schwiegertochter einer Bekannten von Frau Dikigoros -, "wenn ich von Ihrem Staat sagen würde: In Deutschland lebt ein Haufen Völker und Stämme, die mit den Preußen nicht das geringste zu tun haben wollen, wie die Sachsen, die Bayern und die Friesen, die allesamt andere Sprachen, andere Religionen, andere Eßgewohnheiten haben..." - "Pardon," unterbricht Dikigoros sie, "aber die Deutschen können sich allemal auf Hochdeutsch verständigen, und..." - "Pardon," unterbricht ihn seine Gesprächspartnerin, "die meisten Menschen im Westen können sich heute mehr oder weniger gut auf Englisch verständigen, und im Osten auf Russisch; aber Sie werden nicht behaupten wollen, daß sie deshalb zusammen gehören; meinen Sie nicht auch immer, daß die Friesen sich mit den Holländern besser verständigen können und die Bayern mit den Österreichern als mit den Preußen?" - "Ich habe nie bestritten, daß auch die Niederländer und die Österreicher Deutsche sind. Und die Preußen herrschen längst nicht mehr über Deutschland. Und was die Religion anbelangt, so sind wir alle Christen..." - "Aber haben die Katholiken und Protestanten nicht Jahrhunderte lang Krieg gegen einander geführt?" - "Mag sein, aber die Zeiten sind Gott sei Dank vorbei - was man vom Kaukasus nicht behaupten kann." - "Könnte es nicht auch dort einmal vorbei sein?" - "Das glauben Sie doch selber nicht. Bei Ihnen bekriegen sich nicht Katholiken und Protestanten, sondern Christen und Muslime." - "Auch in Deutschland leben 16 Millionen Migranten, davon sind fast die Hälfte Muslime..." - "Ja, da sprechen Sie ein ernstes Problem an, das wir irgendwann und -wie lösen müssen; aber daß ausgerechnet Sie das sagen..." - "Wieso? Ich bin auch Christin; wenn Sie keinen Unterschied machen wollen zwischen Katholiken und Protestanten, dann werden Sie mich, bloß weil ich der ältesten christlichen Konfession angehöre..." - "Das meine ich nicht; aber auch Sie sind Migrantin..." - "Halten Sie mich für schlecht integriert? Spreche ich nicht gut genug Deutsch?" - "Doch doch, aber das ist ja nicht der Punkt. Warum sind Sie denn aus dem wunderbaren Staat, den Sie 'Georgien' nennen und ich 'Sakartwelo', obwohl es umgekehrt sein müßte, weg gegangen und haben sich in der BRD nieder gelassen?" - "Aus Liebe." - "Aus Liebe wozu?" - "Aus Liebe zu meinem Mann." - "Viele Deutsche wandern heutzutage aus, weil sie die Nase voll haben von der BRDDR; warum ist Ihr Mann nicht mit Ihnen im schönen 'Georgien' geblieben, wo Sie sich offenbar kennen gelernt haben?" - "Wir haben uns in Deutschland kennen gelernt." - "Ach, dann sind Sie als Politisch-Verfolgte des Sowjet-Regimes in die BRD gekommen?" - "Nein, als Au-pair-Mädchen, nach der Unabhängigkeit Georgiens. Obwohl wir heute mehr denn je von den Russen verfolgt werden; die haben ja fast unser halbes Land besetzt." - "Ihr Land besetzt? Oder nicht vielmehr die Gebiete der von den Kartweliern unterdrückten Völker auf deren ausdrücklichen Wunsch befreit?" - "Die Russen behaupten ja auch, daß sie 1945 die Völker Osteuropas befreit haben, einschließlich der Ostdeutschen. Wenn Sie das glauben..." - "Das glaube ich ebenso wenig wie ich glaube, daß die Westalliierten 1945 die Westdeutschen befreit haben. Aber die hatte niemand gerufen..." - "Wir haben die Russen auch nicht gerufen..." - "So oder so, eben haben Sie noch gesagt, daß Sie aus Liebe nach Deutschland gekommnen sind. Sie wußten also schon vorher, daß Sie sich hier in einen deutschen Mann verlieben würden? Gab es in Sakartwelo keine Männer?" Dikigoros bricht die Wiedergabe des Gesprächs an dieser Stelle ab; wer sich für das Thema interessiert, in das es jetzt abgleitet, kann einen ähnlichen Dialog an anderer Stelle nachlesen. Exkurs Ende.

[Das Land, das nicht sein darf - Jim Knopf und die Wilde 13] [wie vor - der Hafen von Poti in 'Georgien']

An der Mündung des Rioni (vormals Fásis) ins Schwarze Meer liegt Poti, angeblich das alte Kolchída, die [Haupt-]Stadt der Kolcher. [Ausgrabungen deuten darauf hin, daß Hauptstadt eher das heutige Vani war, etliche Kilometer Rioni-aufwärts, am Zusammenfluß mit dem Sulori; dort hat man goldene Armreifen gefunden, die wahrscheinlich den Widder mit dem Goldvlies darstellen; aber auch wenn dem so war, dann mußten die Argonávten, wenn sie per Boot dorthin gelangen wollten, über Poti fahren, genau wie der heutige Reisende.] Wenn Ihr dieses Dreckskaff seht, liebe Leser, dann fragt Ihr Euch unwillkürlich: Was in aller Welt hatten die alten Hellenen hier bloß verloren? Ach so, ja, das "Goldvlies [Chrysomallós]" - nehmen wir das also vorweg. Die Sage beginnt ja damit, daß der Königssohn Fríxos, von der bösen Stiefmutter zum Opfertod auserkoren, mit dem goldenen Widder nach Kolchís flieht, pardon fliegt; und nun ist er gestorben, aber seine Seele findet keine Ruh. Kein Wunder, denn wie wir noch in der Argonávtika lesen, hatten die Kolchen ganz merkwürdige Bräuche, mit ihren Toten zu verfahren: Arme, Kopf und Beine wurden abgehackt und vergraben (entsprechende Gräber, die nur Schädel, Arm- und Beinknochen enthalten, hat man inzwischen in Mingrelien gefunden; es ist also kein bloßes Märchen), der Rumpf in ein ungegerbtes Ochsenfell eingenäht und so an irgendwelchen heiligen Bäumen aufgehängt, bis sie getrocknet waren. Was dann damit geschah, wissen wir nicht genau - vielleicht entstanden auf diese Weise Schrumpfrümpfe, so wie bei den Indianern Nordamerikas Schrumpfköpfe entstanden; und vielleicht wollten die Griechen die Überreste des Fríxos zurück haben. Aber das kann allenfalls der Urkern der Sage sein, denn wie gesagt, im 8. Jahrhundert v.C. ging es nicht mehr um eine Leiche im Ochsen- oder Schaffell, sondern um Kolonien der Griechen. Was wollten die letzteren also ausgerechnet in Kolchís? Was gab es dort für sie zu holen? Pardon, liebe Leser, aber diese Frage ist falsch gestellt. Echte Kolonisten fahren nicht in fremde Länder, um dort goldene Schaffelle, Bodenschätze und/oder Menschen zu rauben und damit wieder nach Hause zu fahren - mag sein, daß gewisse Völker, vor allem die Engländer, auch das als "Kolonialismus" bezeichnen, aber das ist bloßer Raub -, sondern um ihnen etwas zu bringen, nämlich arbeitswillige Menschen und ihre Kultur, denn sowohl "Kolonie" als auch "Kultur" kommen von "colon", vom Bauer, der ein Land bebaut ("kultiviert") und langfristig dort bleibt. Nicht umsonst galt Athäná, die Göttin der Ioner - also des griechischen Stammes, der die Hauptlast der überseeischen Kolonisierung trug - , als Erfinderin des Pflugs, des Rechen, des Spinnrocken, des Webstuhls und des Olivenanbaus; und nicht umsonst verlangt Aietes von Iáson, als er in Kolchís vorstellig wird, als erstes, ihm das Arbeiten mit einem eisernen Pflug zu demonstrieren. Jawohl, das Arbeiten! Echte Kolonisten kommen nicht, um zu schmarotzen und andere - seien es "Eingeborene" oder importierte Sklaven - für sich schuften zu lassen, sondern um selber Hand anzulegen und mit gutem Beispiel voran zu gehen! Dann sind solche einwandernden Menschen wertvoll - aber nur dann. Es ist wichtig, liebe Leser, diese Unterscheidung zu treffen (Dikigoros muß sich dieses umständlichen Ausdrucks bedienen, denn das elegantere, aus dem Lateinischen stammende Wort "diskriminieren", gilt heute als verpönt - aber es bezeichnet nichts anderes als das, was er meint), denn die damit zusammenhängenden Probleme sind aktueller denn je: Jedes Jahr kehren ca. 150.000 junge, gut ausgebildete und arbeitswillige Menschen Mitteleuropa den Rücken und bereichern andere Gegenden der Welt, in die sie auswandern, mit ihrer Kultur und ihrem Know-how. (Und das sind nicht, wie im alten Hellás, die "Überzähligen" - die sind längst "abgetrieben", d.h. im Mutterleib ermordet!) Im Gegenzug nimmt Mitteleuropa jedes Jahr ca. 300.000 junge, arbeitsunwillige und -unfähige, aber dafür mehr oder weniger gewaltbereite Invasoren auf, die nur zum Schmarotzen kommen - das ist keine Bereicherung, weder [multi-]kulturell noch sonstwie, sondern eine schwere Belastung, die wir mit ein paar goldenen Schaffellen bald nicht mehr werden abwenden können, sondern nur noch mit Blut und Eisen - und je eher, desto besser. Lassen wir uns die Geschichte der Argonávten als warnendes Beispiel dienen, und holen wir uns keine Médeia & Co. ins Land!

Ihr meint, die Türken, die seit dem 13. Jahrhundert in Kleinasien einfielen - und seit dem 15. Jahrhundert auch in Europa, seit dem 20. Jahrhundert sogar in Deutschland - hätten doch auch Menschen und Kultur mit gebracht? Nun ja, Menschen schon, aber keine Kultur, weshalb es mit ihnen auch kein "Multikulti" geben kann. [Anders sieht das nur ihre Schattenregierung unter Alı Kızılkaya, dem groß[mäulig]en Vorsitzenden der "Islamischen Gemeinschaft Milli Görüş e.V." und des von dieser als Tarn-Organisation und Auffangbecken für andere kriminelle Vereinigungen gegründeten "Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland", den Ihr bitte nicht verwechseln wollt mit dem - ebenso kriminellen, aber nicht von türkischen, sondern von arabischen Muslimen betriebenen - Zentralrat der Muslime in Deutschland, der sich in Anlehnung an den Zentralrat der Juden in Deutschland so nennnt; beachtet bitte, daß in keinem dieser Namen von "deutschen" Islamisten, Muslimen und/oder Juden die Rede ist, sondern von Islamisten, Muslimen und/oder Juden, die dereinst die Macht in Deutschland übernehmen wollen, auch wenn sie das bisweilen dementieren - der Islām weist seine Angehörigen ausdrücklich an, Christenhunde und andere Ungläubige in solchen Dingen zu belügen.] Die Türken haben nie so etwas wie eine eigene Kultur in unserem Sinne gehabt, denn alles, was damit zusammen hängt - insbesondere Ackerbau - gilt ihnen als schändliche Arbeit, eines echten türkischen Mannes unwürdig, allenfalls für Weiber geeignet; für den türkischen Müsülman[n] besteht "Kültür" vor allem in einem: dem edlen Handwerk des Kriegers, genauer gesagt des Gazi, des Kämpfers für die Ausbreitung des Islâm, anderswo auch Jihādī genannt. Sie haben nicht die Eule mitgebracht, geschweige denn das Goldvlies, sondern nur den Grauwolf (aber darüber schreibt Dikigoros an anderer Stelle; alles andere haben sie geraubt - selbst ihre Moscheen sind bloß entweihte christliche Kirchen. Wenn Ihr wissen wollt, wie nach Auffassung von Kızılkaya & Co. der Dom von Köln - sie nennen ihre heimliche Hauptstadt passenderweise bereits "Kolonya" - aussehen soll, dann schaut Euch einfach mal an, was sie in Stambul, in Duisburg-Marxloh, in Mannheim-Jungbusch, in Berlin-Pankow-Heinersdorf, in Berlin-Kreuzberg, in Berlin-Neukölln oder in Köln-Mülheim aus der Hagia Sofia, aus der Liebfrauenkirche u.a. Kirchen gemacht haben oder gerade machen.

[Die Hagia Sophia in Konstantinopel] [Ali Kizilkaya, Vorsitzender von Milli Görüs und Islamrat]
[Die Ayasofia in Stambul] [Modell für den Neubau des Kölner Doms]

Nachtrag. Im November 2009 glaubten die Schweizer, dieser Entwicklung einen Riegel vorschieben zu können, indem sie per Volksentscheid den Neubau von Minaretten in ihrem Lande verboten - sehr zum Entsetzen ihrer politisch-korrekten Regierung, die jenes skandalöse Gesetzesvorhaben sogleich dem "Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte" vorlegte, jeder Verbrecherbande jenem erlauchten Gremium, das wenige Wochen zuvor das Aufhängen christlicher Kreuze an öffentlichen Schulen für einen Verstoß gegen die so genannten "Menschenrechte" verboten hatte. Aber wie jenes Verfahren auch ausgehen mag - Dikigoros wird Euch berichten - mit so einem Schildbürgerstreich bringt man doch nur unnötig die Muslime in aller Welt gegen sich auf, ohne im Gegenzug auch nur das Geringste damit zu erreichen! In islamischen Ländern steht auf die Ausübung des Christentums die Todesstrafe, und christliche Kirchen (und Gotteshäuser anderer nicht-islamischer Religionen) sind generell verboten - nicht bloß die Kirchtürme, und nicht nur deren Neubau. Das einzige "Menschenrecht", das ein Nicht-Muslim hat, der in solchen Ländern seine Religion predigen wollte, ist, als Martyrer zu sterben, wenn ihm nicht rechtzeitig die Flucht gelingt. Wenn man da Waffengleichheit herstellen wollte, müßte man also nicht nur den Neubau von Minaretten verbieten, sondern den Abriß aller bereits bestehenden Moscheen verfügen und allen Haßpredigern u.a. Muslimen, die ihrem Glauben nicht abschwören oder das Land verlassen wollen, zu einer sofortigen Reise ins Firdaus zu den vielen Huris verhelfen - aber dazu fehlt wohl selbst den Schweizern einstweilen noch der Mut. Nachtrag Ende.

* * * * *

Zurück zur Sage. Ja, liebe mythologisch beschlagene Leser; Dikigoros weiß sehr wohl, daß es nicht ganz so einfach war; aber er referiert hier die Argonávtensage, wie sie uns aus dem 8. und 3. vor- und dem 1. nachchristlichen Jahrhundert überliefert ist. Er kann und will nicht von einem Fragment des Evripídäs bis aufs 14. oder 15. vorchristliche Jahrhundert zurück schließen, sonst würde er vor allem der interessanten - und seines Wissens noch nirgends untersuchten - Frage nachgehen, ob nicht Athäná und Médeia im Grunde genommen ein- und dieselbe Gottheit waren. Athänás Schild, die "Aigís", galt zwar später als mit "Ziegenfell" bespannt; aber ursprünglich handelte es sich ebenso wenig um ein Tierfell wie beim "Goldvlies", sondern um Menschenhaut - in einer früheren Version hatte sie dem "Giganten" Pallás das Fell über die Ohren gezogen und auf ihren Schild gehangen (daher ihr Beiname). Ihren Schild? Ja, so hat man das später interpretiert, als einen Schild aus Eichenholz; aber eigentlich war es die Eiche selber, an der das "Fell" des gehäuteten Pallás also ebenso hing wie das Fell des gehäuteten Fríxos, pardon, das "Goldvlies", am Baum von Kolchís. Auf ihrem Schild trug die Athäná bekanntlich das "Gorgonenhaupt" der Médusa - bisweilen trug sie allerdings auch beides um den Hals, wie eine Art Stola. (Wahrscheinlich wurde sie so auch auf dem "Palladium" dargestellt, jenem Vorläufer der Heiligenbilder, das durch die Geschichts- und Märchen-Bücher der alten Griechen geisterte; auch ein gewisser Đioméđes - wir erinnern uns, das war der "echte" Name des "Iáson" - klaute eines im Troianischen Krieg, denn vorher konnte die Stadt nicht fallen!) Wie dem auch sei, die Darstellungen der Athäná und der Médeia sind oft kaum zu unterscheiden, wie Ihr am ersten Bild ganz oben und dem nächsten unten seht. Und noch etwas: Als Médeia von Korinth in die Stadt des Aigeios kommt, wird sie - die Stadt - plötzlich "Athen" genannt - warum wohl? (Daß sie auch von dort alsbald wieder vertrieben worden sei, ist ein Märchen des 1. Jahrhunderts n.C. - erfunden von Plutarch.) Aber das kann letztlich dahin stehen, da ohnehin allgemeine Einigkeit herrscht, daß Athäná eine importierte Göttin ist - schließlich behauptet nicht einmal der Mythos, daß sie von einer griechischen Mutter geboren wurde -; woher genau sie kam, ist für unsere Fragestellung nicht so wichtig.

Nun glaubt Dikigoros, daß Apollώnios diese für ihn ein halbes Jahrtausend alte Überlieferung im 3. Jahrhundert v.C. bewußt umgeschrieben bzw. ausgeweitet hat, besonders was die Rückreise anbelangt, und daß man aus seiner Argonávtika noch auf das alte Original zurück schließen kann - ähnlich wie Heinz Ritter-Schaumburg vom Nibelungenlied auf die Urform der Thidreksaga (die er irreführender Weise "Svava" nannte) zurück geschlossen hat. Er glaubt sogar, daß es schon jemandem gelungen ist, die historischen Wurzeln der Argonávtensage auszugraben, ein rundes halbes Jahrhundert vor Ritter-Schaumburg, nämlich einer jungen Britin namens Janet Ruth Bacon, die sich freilich nicht auf eine von drei Alternativen festlegen will. Sie stellt zunächst richtig fest, daß es in Kolchís gar kein Gold gab; was es aber gab - und was von den Griechen ob seiner Seltenheit noch viel mehr geschätzt wurde - war Bernstein, Älektron (oder Élektron). [Daher kommt übrigens auch der Name "Eléktra", den die Tochter des Agamémnon und der Klytaimnestra trug - neben ihrer Trauer, versteht sich -, und Ihr dürft Euch nun aussuchen, woher sie den hatte: weil sie goldblondes Haar hatte oder weil sie ständig mit Schmuck aus Weißgold herum lief - auch das letzte hieß nämlich "Älektron" - oder beides. Übrigens stammte Agamémnon ursprünglich nicht aus Mykenä, sondern aus Árgos - ein weiterer Hinweis darauf, wo die große Bernstein-Suchaktion der Argonávten ihren Ausgang nahm.] Natürlich kam der Bernstein nicht aus dem Schwarzen Meer, sondern... von der Ostsee. Und die Griechen wußten auch ganz genau, wie er entstand, nämlich aus versteinertem Harz, denn die Göttinnen, als deren Tränen sie ihn bezeichnen, waren ursprünglich Baum-Gottheiten, und das Goldene Vlies hängt nicht umsonst auf einem Baum (was sonst wenig Sinn macht, denn dort verdirbt ein Schaffell am ehesten). Von der späteren Geschichtsschreibung über "die" Bernsteinstraße wird uns leicht der Blick verstellt auf die mutmaßliche Route, der dieser Handelsweg folgte, bevor es Überland-Straßen und Fuhrwerke gab. Die Vorfahren der Waräger legten die Strecke in kanuartigen Booten zurück, denen die "Argώ" wohl einigermaßen ähnelte. Sie durften keinen allzu großen Tiefgang haben und nicht allzu schwer sein, damit man sie auch in flacheren Gewässern noch rudern und zur Not auch mal ein Stück über Land ziehen konnte. Ziehen? Konnte dabei der Schiffsboden nicht beschädigt werden? Nun, Dikigoros meint ja nicht schleifen, sondern... rollen! Ja, was glaubt Ihr denn, wozu Athäná der Argώ den Stamm einer Đωđώnä-Eiche mitgegeben hat? Als Mast? Ha ha. Um ihn zu zersägen und daraus den Schiffsboden zu zimmern? Ha ha. Nur ein Teil der Reiseausrüstung mußte so hart sein, daß er es rechtfertigte, eine der heiligen Eichen zu fällen, und das waren die Rollen, auf denen das Schiffchen über Land gezogen wurde auf den Teilstrecken, für die kein Wasserweg zur Verfügung stand.

[Jawohl, von den heiligen Eichen Đωđώnäs, wo das älteste Orakel von Hellás stand - was uns zugleich darauf hinweist, daß die Urfassung der Sage schon auf die Zeit vor dem Einfall der Achaier, Ioner und Đorier zurück gehen könnte, denn Đωđώnä war ein Heiligtum der Pelasger, das sich von denen der anderen Griechen deutlich unterschied: Es gab eben keine steinernen Tempel, sondern nur den heiligen Hain, und der Orakelspruch wurde aus dem Rauschen der Bäume heraus gehört und aus dem Zwitschern der Vögel - wie bei Jung-Siegfried -, nicht aus irgendwelchem Klimbim. Das kam erst später, als man steinerne Tempel baute und das Orakel dem Klang kupferner Kessel entnahm - wahrscheinlich, indem man sie schüttelte, um zu hören, wie viele Münzen darin klimperten, die man anschließend ebenfalls entnahm, als "fromme Gabe". Der Urkern der Sage dürfte auch nicht in Iωlkós gespielt haben, sondern in Árgos, der mutmaßlich ältesten Stadt Griechenlands, und entgegen der herrschenden Meinung dürften die Argonávten auch nicht nach ihrem "schnellen Schiff" - "Argώ" bedeutet "die Schnelle" - so genannt worden sein, sondern weil sie eben aus Árgos stammten. ("Argos" bedeutete auch gar nicht "schnell" in dem Sinne, wie man es heute von Schiffen, Autos u.a. Fahrzeugen sagt, sondern in etwa das, was auf Mittelhochdeutsch "rasch" hieß und auf English noch heute "rash" heißt und auf Türkisch "türk", d.h. es bezeichnete einen stolzen Krieger, der schnell zum Schwert griff, jähzornig und tollkühn war und sich noch etwas darauf einbildete.) Darauf deuten auch noch einige andere Anhaltspunkte hin, z.B. daß Árgos als Sitz des Đioméđes galt - Iáson hieß nach der Sage ursprünglich Đioméđes -; außerdem ist denkbar, daß hier noch ein dritter Sagenstrang eingeflossen ist; es gibt nämlich nicht nur ein Árgos auf dem Peloponnes, nach dem die Argolís benannt ist, sondern auch ein Árgos in Thessalien, das damals noch "Árgos Pelasgikón" hieß - Árgos der Pelasger.]

Wenn Ihr mal einen Blick auf die Karte oben werft, liebe Leser, dann drängt sich eine Wasser-Straße zwischen Ostsee und Schwarzem Meer geradezu auf - und Dikigoros fragt sich nur, warum Bacon noch zwei andere diskutiert hat und sich nicht zwischen ihnen entscheiden konnte: den Dnjestr (Ister) hinauf bis zu seiner Quelle am Fuße der Karpathen, von dort sind es knapp 5 km bis zum San (der dort dankenswerterweise einen kleinen Schlenker nach Osten macht), der in der Nähe des heutigen Sandomir in die Weichsel fließt, die wiederum in die Ostsee mündet - evreká! Und nun kommt auch Sinn in den Satz in den "Historien" des Häródotos, daß der Bernstein vom Ufer des Meeres kam, in das der Äridanós floß. Lange Zeit hielt man das, wie so vieles bei "Herodot", für frei erfunden - der Äridanós war doch der dritte und kleinste Fluß (neben dem Ilissós und dem Käfissós), an dem Athen lag. Aber inzwischen hat sich fast alles, was in den "Historien" steht, entweder als wahr erwiesen oder als nachvollziehbares, auf Tatsachen beruhendes Mißveständnis. An welchem Fluß lag gleich die alte Hansestadt Danzig, liebe deutsche Leser, wenn Euch dieser Name noch etwas sagt? Ihr meint, an der Weichsel? Falsch, dort mögen einige der heute eingemeindeten Vororte von "Gdansk" liegen, aber die alte Stadt lag ebenso wenig an der Weichsel wie Kålkattā am Ganges liegt - aber das ist eine andere Geschichte -, sondern nur im Ganges-, pardon, im Weichsel-Delta, und zwar am Zusammenfluß von Radaune (von den Polen "Radunia" genannt) und Mottlau. Die Radaune aber verballhornten die alten Griechen - eben nach dem Flüßchen in Athen - zu "Äridanós", und die Römer später zu "Eridanum" - das wollen wir schon mal vorweg nehmen, und da es ein Nebenfluß der Weichsel war, machten sie zwischen diesen beiden keinen Unterschied. Offenbar gab es dort damals schon einen Ort, an dem Handel getrieben wurde - u.a. mit Bernstein.

Aber da Apollώnios von jener merkwürdigen Zweiteilung der Donau berichtet, die es dort, wo all die "Wissenschaftler" krampfhaft nach ihr suchen, gar nicht gibt, will Dikigoros eine weitere Route nicht ausschließen: Der Dnjestr ist an seinem Unterlauf ein stark gewundener Strom mit ziemlich heftiger Strömung, gegen die anzurudern von Süden nach Norden kein Vergnügen ist - in umgekehrte Richtung mag man sie gerne genutzt haben, aber auf dem Weg nach Norden wird man nach Alternativen gesucht haben: Warum nicht tatsächlich die Donau hinauf rudern bis zum Pruth? Der ist schmaler, nicht so reißend, aber immer noch gut schiffbar, zumindest bis zum heutigen Kolomea. Und dort (genauer gesagt schon beim heutigen Cernowitz) trifft er - welch ein Zufall - auf die spätere Bernstein[land]straße, die nach Lemberg führt. So weit braucht man das Boot aber gar nicht zu tragen, denn kurz hinter Stanislau trifft sie... auf den Dnjestr (und bei Jaroslawl übrigens auch auf den San)! Kurz und gut, eine von beiden wird diejenige Route welche gewesen sein, vielleicht sogar beide, die eine hin, und die andere zurück. (Auch die Argonávten des Apollώnios sind ja hin und zurück auf unterschiedlichen Routen gereist.) Den wesentlich längeren und schwierigeren Wasserweg über Düna und Dnepr dagegen, den die Waräger im Mittelalter nehmen sollten, um von der Ostsee ins Schwarze Meer zu gelangen, traut Dikigoros ihren Vorfahren zweieinhalb Jahrtausende zuvor noch nicht zu; denn die rund 100 km über Land von Witebsk (das sicher nicht umsonst die älteste und wichtigste Stadt von Belorūs war - als Haupt-Umschlagplatz jener Handelsroute) bis Orscha sind doch ziemlich viel Holz.

Exkurs. Da Dikigoros nun schon eine Route erwähnt hat, die er ausschließt, will er höchstvorsorglich auch gleich die zweite ausschließen, wenngleich diese noch viel faszinierender sein mag als alle zuvor genannten zusammen. Würdet Ihr ihn fragen, wann und wohin er in die Vergangenheit reisen würde, wenn es denn eine Zeitmaschine gäbe, dann wäre eines seiner Ziele - vielleicht sogar sein erstes - das frühmittelalterliche Bulgar. Nie gehört? Dann nehmt mal an, daß die Waräger, wenn sie die Düna hinauf ruderten, sie irgendwann mal gesagt haben: Nein, wir steigen jetzt nicht in Witebsk - oder wie dessen Vorgängerort geheißen haben mag - aus, sondern rudern mal weiter bis zum Flußanfang. Dort angekommen waren es nur ca. 10 km Luftlinie bis zum Oberlauf der Wolga. Die konnte man sich nun theoretisch bis zum Kaspischen Meer hinunter treiben lassen und passierte dabei viele Orte, die später klingende Namen erhalten sollten: Twer, Jaroslawl, Nischnij-Nowgorod, Kasan... halt, das gab es noch nicht; aber ganz in der Nähe muß ein Ort gelegen haben, der in den alten Chroniken "Bulgar" hieß. (Und geht mal getrost davon aus liebe Leser, daß das nicht am Ort des heutigen Kuhdorfs "Bolgar" lag, auch wenn Euch die Fremdenführer vor Ort etwas anderes erzählen wollen; das historische Bulgar bzw. dessen Ruinen dürften in dem riesigen Stausee abgesoffen sein, den die Sowjets dort im 20. Jahrhundert anlegten.) Dies muß viele Jahrhunderte lang einer der interessantesten Plätze der Welt gewesen sein, Treffpunkt und Drehscheibe für viele grundverschiedene Völker, auch solche, die wir heute kaum noch dem Namen nach kennen - aber bereits die bekannten reichen aus für einen bunten Reigen. Ihr glaubt, dort hätten sich doch allenfalls die Slawen und die Mongolen "treffen" können? Weit gefehlt: Dort, am Zusammenfluß von Wolga und Kama, gab es Völker aus allen Himmelsrichtungen: Von Norden kamen diejenigen, die wir heute meist umständlich "finno-Ugrier" nennen (die Samen und die Magyaren hatten sich noch nicht getrennt); von Nordwesten kamen die Waräger; von Westen kamen die [Ost-]Slawen (erinnert Euch das an "Asterix bei den Goten", als Obelix fragt, wieso denn die "West"-Goten im Osten von Gallien säßen? Vergeßt es, das taten sie nur in der Fantasie von Uderzo und Goscinny!); von Osten kamen die Tataren; von Südosten die Bewohner von Buchara und Samarkand; und von Süden kamen erst die Perser und später, als Persien von den Arabern überrannt worden war, deren Händler. (Aus dem Gemisch entstand übrigens ein neues Volk, das später an den Unterlauf der Donau zog, in den Norde des alten Thrakien, und sich nach seinem Herkunftsort "Bulgaren" nannte.) Warum glaubt Dikigoros nun nicht, daß auf dieser Route ein dem "Bernsteinweg" vergleichbarer Handel statt fand? Nähert sich die Wolga nicht an einer Stelle, wo später eine Stadt entstand, die erst nach einem Tsaren, dann nach einem "georgischen" Politiker, und schließlich einfach nach jenem Fluß benannt wurde, dem Don auf eine Entfernung, die auch nicht größer ist als die zwischen Witebsk und Orscha, und kommt man nicht auf dem Don ebenfalls problemlos bis ins Schwarze Meer - und sogar näher an "Kolchis" heran als via Dnjepr, Dnjestr oder Donau? Wohl wahr; aber erstens sind rund 100 km in der Realität mehr als mit dem Finger auf der Landkarte, und zweitens fuhr man die Wolga mit dem Ruderboot wohl nur einmal bis zur Mündung - oder auch nur bis Staligrad (wie immer das damals geheißen haben mag) - und nie wieder. Warum? Nun, wenn es schon anstrengend war, den Dnjepr nördlich hinauf zu rudern - bei der Wolga war und ist es ein Ding der Unmöglichkeit, jedenfalls südlich von Bulgar/Kasan, wo sie ein breiter, reißender Strom wird, gegen dessen Strömung ein Ruderboot kaum von der Stelle kommt. (Vergeßt nicht, die Boote der Waräger waren durch die Länge des Kiels begrenzt, der jeweils aus einem massiven Baumstamm bestand; das längste, das man je gefunden hat, maß gerade mal 28 m - wie viele Ruderer wollt Ihr auf so einem relativ kleinen Boot unterbringen? Die Schätzungen schwanken zwischen 16 und maximal 32 Mann; und die konnten sich ja auch nicht rund um die Uhr in die Riemen legen!) So schlug man die eigenen Waren in Bulgar um und ruderte mit dem dafür Eingetauschten zurück in die Heimat; den Rest des Wegs überließ man getrost denen, die das besser konnten. (Die Perser z.B. kamen nicht in Booten, sondern auf Pferden, die entlang des Flusses ritten; das versuchten die Waräger nie.) Also, vergeßt auch diese theoretische Alternative; für die alten Griechen gab es nur einen Weg, den über Dnjestr und Weichsel. Exkurs Ende.

Kechrimbari,
Chrysomallos
Exkurs Ende.

Nun will Apollώnios in seiner Argonávtika aber offensichtlich nicht eine Fahrt über den Dnjestr oder den Pruth und die Weichsel hinauf zur Ostsee beschreiben, sondern die Donau hinauf Richtung Alpen. Und da Dikigoros im Kapitel über die Odyssee geschrieben hat, daß diese den Anspruch der griechischen Kolonisten des 8. Jahrhunderts v.C. auf all die von Odysseus besuchten Orte untermauern sollte, muß er sich jetzt wohl der Frage stellen: Was wollten die Ägypter des 3. Jahrhunderts v.C. denn im Donauraum "untermauern"? Hatten die dort irgendwelche Ambitionen? Natürlich nicht, liebe Leser; aber die Ptolemaier, die damals in Alexandria herrschten, waren gar keine Ägypter, sondern - Griechen. Noch genauer gesagt Makedonen, also ein Stamm der Griechen, der von den "echten" Hellenen - den Achaiern, den Doriern und Ionern - nie als solche anerkannt worden war, bis seine Truppen unter dem Pferdefreund Filipp im 4. Jahrhundert v.C. ganz Griechenland eroberten. Sie selber betrachteten sich jedoch als Griechen (was sie damals auch waren - anders als die heutigen "Makedonen", ein slawischer Stamm, der einen bulgarischen Dialekt spricht, weshalb es auch die "echten" Hellenen von heute als Affront betrachten, daß die ihr Staatswesen "Makedonien" nennen), und inzwischen hatten sich wohl auch die Thessalier und Thráker einigermaßen "hellenisiert". Was stand folgerichtig als nächstes auf dem Speiseplan? Kleinasien? Oder gar die Gebiete noch weiter östlich? Ach was, die Pläne hatte man mit dem großen Aléxander - über den Dikigoros in einem anderen Kapitel dieser "Reise durch die Vergangenheit" schreibt - zu Grabe getragen, wenigstens fürs erste und, was die alten Griechen anbelangt, auch fürs letzte. Zur "moralischen" Rechtfertigung der "historischen" Ansprüche im Süden und Westen hatte man ja schon die Odyssee; es fehlte also nur noch der Norden - just die Ecke, in welche Apollonios die Argonávten fahren ließ. Direkt im Norden der Makedonen saß damals ein Volk, das wir heute in Gedanken ganz woanders ansiedeln (eigentlich saßen dort sogar zwei Völker, aber eines von ihnen - das illyrische - ist inzwischen ausgerottet, so daß wir es auch in Gedanken nirgendwo mehr ansiedeln; nur ein paar verrückte Albaner bilden sich ein, sie seien dessen Nachfahren :-), nämlich - an der Rhône. Jawohl, die Kelten (oder - auf Lateinisch - Gallier, nach denen die alten Römer die heutige Po-Ebene "Gallia cisalpina" und das heutige Frankreich "Gallia transalpina" nannten). Die Grenze zwischen Hellenen und Kelten verlief damals ziemlich genau an der Nordgrenze des heutigen Zwergstaates Makedonien-Skopje. [Um ein Fußball-Länderspiel auszutragen hätten deren Nationalmannschaften also nicht bis nach Lissabon im fernen Lusitanien reisen müssen (wenn es das damals überhaupt schon gab), wie gut zwei Jahrtausende später. Die Hellenen hätten auch keinen germanischen Trainer gebraucht (aber wer weiß, ob nicht irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft die Sage entstehen wird, daß "Rehakles" gar kein Germane war, sondern eine Reïnkarnation des Argonávten Herakles :-), und die Kelten keinen korsischen. (Und wenn sie doch einen gehabt hätten, dann hätten sie ihn vermutlich nicht einfach nach Britannien entlassen, wenn seine Balltreter als Titelverteidiger das Viertelfinale einer Europameisterschaft 0:1 gegen so einen krassen Außenseiter verdaddelt hätten, sondern ihn am nächsten Mistelbaum aufgeknüpft, mit einer Sichel - golden oder nicht-golden - erst lebendig gehäutet und dann scheibchenweise auseinander geschnitten und mit seinem Schädel eine neue Mannschaft trainieren lassen. Und die alten Briten hätten mit einem gewissen Bekhames wohl das gleiche gemacht :-).]

Spaß beiseite. Die Auseinandersetzung mit den Galliern war nicht nur für die frühen Römer, sondern auch für die alten Griechen existentiell. Ihr, liebe Kinder des 20. Jahrhunderts, kennt doch den Spruch "Vae Victis", vor allem wenn Ihr Deutsche seid, nicht wahr? Der Gallier-Häuptling "Brennus" oder "Brennos" soll ihn geprägt haben, als er Rom eroberte und nieder brannte. Und ein anderer Gallier-Häuptling, der zufällig genauso hieß (oder auch nicht - vielleicht war es eine Art Dienstgrad oder Herrschertitel, den die Griechen und Römer als Namen mißverstanden, wie später den des "Vercingetorix" ["Wer-kinget-o-rixs", Oberbefehlshaber und König]) eroberte in der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts v.C. Thrakien, Makedonien, Thessalien und am Ende auch Griechenland. Erst Antigonos von Makedonien und seinem Schwager Antiochos gelingt es, die Kelten entscheidend zu schlagen, und von da an kann man zur Gegenoffensive übergehen - auch propagandistisch, und dazu gehört wohl die Argonávtika des Apollώnios. Im folgenden kommt sogar so etwas wie Einigkeit unter den Griechen zustande (die einander bisher mit unschöner Regelmäßigkeit bekriegt hatten), sogar Athen und Sparta verbünden sich vorübergehend, unter Federführung der "ägyptischen" Ptolemaier, um den Balkan und Illyrien zu erobern. (Mit den Kelten wird das bald nichts mehr zu tun haben - im Gegenteil: am Ende kämpfen keltische Söldner für die "Griechen" gegen griechische Söldner der "Makedonier".)


Zurück zur Argonávtika. Wie Ihr den vorstehenden Karten entnehmen könnt, gibt es hier, je weiter die "Wissenschaft" "fortschreitet", eine wundersame Vermehrung der gefressenen Kilometer - nicht anders als auch bei der Odyssee und der Aeneis: Erst tut es noch eine Fahrt durchs Schwarze Meer mit Rückkehr über Donau und Adria, dann muß es schon durchs Tyrrhenische Meer zurück gehen mit einem Abstecher nach Libyen, dann dehnt sich der Abstecher über halb Nordafrika aus, und schließlich geht die Reise - immer noch im Ruderboot - quer durchs Mittelmeer in den Atlantik hinaus, nach Mittel- und Südamerika, und endet im Hochland von Peru bei den Inka, nein, pardon, am Titicaca-See bei den Colchicourous von Bolivien, pardon, "Kolchís"... (Dazwischen gab es noch die These des Journalisten und Hobby-Archäologen Rudolf Pörtner, der in den 1960er Jahren mit Büchern wie "Mit dem Fahrstuhl in die Römerzeit", "Bevor die Römer kamen" und "Die Erben Roms" ein Millionen-Publikum erreichte; er glaubte, daß die Argonauten die Elbe hinunter bis in die Nordsee und von dort durch den Ärmelkanal und die Straße von Gibraltar zurück ins Mittelmeer gerudert seien, so ähnlich, wie Ihr das unten auf der Karte der - viel jüngeren - Bernsteinrouten sehen könnt.) Wenn Dikigoros dem nicht folgt, muß er eines voraus schicken: Die Autoren dieser Sage - das gilt für Apollώnios ebenso wie für Valerius - hatten ein anderes Bild von der Reiseroute als die Leute ein halbes Jahrtausend oder zwei Jahrhunderte nach ihnen und suchten die Orte, die auch in der Odyssee vorkamen, anderswo als Hómäros. Deshalb wird auch Dikigoros sie anderswo suchen - haltet Ihm also bitte nicht vor, daß er sie hier nicht an denselben Stellen lokalisiert wie in dem Kapitel über die Odyssee. Die "kleine Lösung" (Karte links oben) beruht darauf, daß einige Interpreten sich weigern, eine Möglichkeit zu sehen, wie die Argώ von der Donau in die Rhône gelangt sein soll. Da haben sie faktisch durchaus Recht, und die Lösung, die andere gefunden zu haben glauben - nämlich eine Fahrt den Po hinauf - ist ebenso unbrauchbar, denn auch der Weg von dessen Oberlauf ins Tal der Rhône wird von den Alpen versperrt. Dennoch hat Apollώnios die Argonávten dort sehen wollen - schließlich hatten die Griechen doch im Rhône-Delta, ja an der ganzen heutigen "Côte d'Azur", reichlich Kolonien angelegt: Nizza, Antibes, Marseille und Agde gehen auf griechische "Pflanzstädte" zurück. Und noch wichtiger: Die Masse des Bernsteins kam schon zu Apollώnios' Zeiten gar nicht mehr über das schwarze Meer nach Hellás - wie wohl noch zu der Zeit, als die historischen Argonávten dem "Goldenen Vlies" nachjagten, also schätzungsweise im 13. Jahrhundert v.C. - sondern... von der Ligurischen Küste! Nein, es lag dort nicht an den Stränden herum wie an denen der Ostsee, sondern es wurde von keltischen Zwischenhändlern dorthin gebracht - über die Rhône! - und an die Griechen verhökert. Natürlich kamen jene Zwischenhändler nicht über die Donau, sondern von Norden, also vermutlich über den Rhein; aber die genaue Verbindung kannten die Griechen nicht (wie nicht zuletzt die Argonávtika zeigt), denn solche Routen wurden verständlicherweise als Geschäftsgeheimnis gehütet. (Wie sang der Schwanenritter Lohengrin - den die Sage nicht umsonst nach Brabant verweist, durch das die neue Bernsteinstraße verlief: "Nie sollst Du mich befragen [woher ich komme]!") Aber irgendwie mußte Apollώnios seinen Lesern ja eine Brücke schlagen zwischen der (alten) Expedition nach Kolchís und der (neuen) nach Gallien; also ließ er die Argonávten die Donau entlang schippern, verpaßte ihr den früheren Namen des Dnjestr, und dem Po - Ihr ahnt es schon, liebe Leser - den alten Namen der Weichsel/Radaune in seiner lateinisierten Form: "Eridanum", und diese Namen trugen beide seither auf allen römischen Landkarten, voilà!

Und der Rückweg durchs Tyrrhenische Meer? Nun, der drängte sich ja zwingend auf, wenn man von der Ligurischen Küste zurück nach Hellás gelangen wollte. Einzelheiten hat Apollώnios wohl bei Hómäros abgeschrieben (wobei er die Kírkä zur "Tante" der Médeia macht :-), was uns freilich für die Lokalisierung der Odyssee wenig bringt, denn das zeigt nur, wo Apollώnios die sah, und nach Dikigoros' Überzeugung sah bereits er sie falsch, insbesondere was "Skýlla und Chárybdis" anbelangt, die man, wenn man sie in die Straße von Messina verlegen will, auch gleich in die Karibik versetzen kann... Aber darauf kommt es nicht an: Apollώnios macht diesen Teil der Reise offenbar mit dem Finger auf der Landkarte, und da er "Skýlla und Chárybdis" halt dort sehen will, stört es ihn wenig (ja, er merkt es wahrscheinlich gar nicht), daß die Beschreibung des Hómäros, wie wir im Kapitel über die Odyssee gesehen haben, gar nicht darauf paßt. Weiter geht es nach "Libýä [Afrika - nicht bloß das heutige Libyen]" (na klar - schließlich stammt Apollώnios von dort!), und von dort wieder nach Hause, das Apollώnios mit der herrschenden Meinung in Iωlkós vermutet, während Dikigoros wie gesagt glaubt, daß es ursprünglich Árgos war. Aber darüber, und wie die Geschichte dann weiter gegangen ist, schreibt er an anderer Stelle mehr.

* * * * *

Und warum hat Valerius Flaccus in der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts n.C. die Sage noch einmal neu aufgelegt? Gab es dafür auch einen aktuellen Bezug? Na, und ob! Damals, unter Caesar Titus Flavius, genannt Vespasian, geschah nämlich einiges, was das Thema der Argonávtensage betraf. Ihr kennt ihn wahrscheinlich nur von dem Spruch "Pecunia non olet [Geld stinkt nicht]", den er abgelassen haben soll, als sein Sohn ihm vorhielt, er könne doch nicht die stinkenden Pissoirs besteuern. Aber das tat er auch gar nicht (weshalb jenes Zitat bestenfalls eine gute Erfindung, aber schwerlich historisch ist), sondern er legte vielmehr den Gerbereien (Leder wurde damals mit Urin gegerbt - das wußtet Ihr nicht? Aber so war es noch bis in die Neuzeit hinein!) eine Abgabe dafür auf, daß sie Urin aus den öffentlichen Bedürfnisanstalten bezogen. Und überhaupt baute er ein umfangreiches neues Steuersystem auf. (So führte er auch als erster den "Judenpfennig" ein; und als die Juden den nicht bezahlen wollten, ließ er seinen Sohn Titus Flavius, genannt Titus, Jerusalem platt machen; dem folgenden Aufstand verdanken die Juden ihr erstes wirkliches Heldenepos, die Geschichte von der Verteidigung Masadas durch Eleazar.) Der römische Staat war nämlich nach 14 Jahren verschwenderischen Maecenatentums Neros und einem fast einjährigen Bürgerkrieg zwischen Galba, Otho, Vitellius und Vespasian so gut wie pleite, und so blieb dem letzteren gar nichts anderes übrig. War das verwerflich? Aber aber, liebe Leser, so pauschal kann man doch nicht fragen. Eine Steuer ist dann berechtigt, wenn diejenigen, welche die Gelder einziehen und wieder ausgeben, sie also umverteilen, damit etwas besseres anzufangen wissen als diejenigen, sie sie erarbeitet oder sonstwie erwirtschaftet haben. (Das bedeutet, daß heute fast keine Steuer mehr berechtigt ist, denn die staatlichen Verteilungs-Mechanismen funktionieren offenbar nicht mehr richtig - aber das ist eine andere Geschichte.)

[Bernsteinrouten]

Vespasian jedoch zählte zu jener heute so selten gewordenen Species von Politikern, die etwas Vernünftiges mit Steuergeldern anzufangen wußten. Dazu gehörte, daß er die Handelsströme - auch die, auf denen der Bernstein ins Land kam - auf neue Bahnen lenkte und in die richtigen Kanäle steuerte, was ganz wörlich zu nehmen ist, denn er ließ neue Straßen und Wasserwege anlegen, u.a. zur Verbindung der Ostsee mit dem Mittelmeerraum. Wie Ihr auf der Karte oben seht, verlief die Bernsteinstraße, genauer gesagt verliefen die beiden alten Bernsteinstraßen fortan nicht mehr über die Rhône ins Ligurische Meer bzw. über die Weichsel ins Schwarze Meer, sondern quer durch das heutige Mitteleuropa und endeten beide in Aquileia. (Der Name sagt Euch nichts, liebe Leser? Es lag an der Mündung des Isonzo in die Adria, wenn Euch das mehr sagt, und hatte als Hafenstadt in etwa die Bedeutung, die später Venedig erlangen sollte - übrigens auch als die Stadt, in der das Fest des Carro navale gefeiert wurde und bis heute bevorzugt gefeiert wird :-) Das war eine großartige verkehrs- und wirtschaftspolitische Leistung - und das sollte kein Anlaß gewesen sein, die Argonautica neu zu schreiben?

* * * * *

Im späten 13. Jahrhundert verarbeitete Konrad von Würzburg die Argonautensage noch einmal in seinem "Troianerkrieg" - aber das ist eine andere Geschichte. Doch da wir gerade beim Mittelalter sind, will Dikigoros die Gelegenheit noch zu einem kurzen Exkurs nutzen. Habt Ihr schon mal vom "Orden vom Goldenen Vlies" gehört, liebe Leser? Wahrscheinlich nicht, und wenn doch, dann nur dummes Zeug, z.B. daß derselbe anno 1430 anläßlich der Hochzeit zwischen dem Herzog von Burgund und der Prinzessin von Portugal gestiftet wurde. Das mag ja sein, aber in der Geschichte decken sich Grund und Anlaß nur in den seltensten Fällen - und hier wie so oft nicht, oder glaubt Ihr, die Ihr wißt, wie die Geschichte von Iáson und Médeia endet, im Ernst, daß das so eine Art Hochzeitsorden gewesen sei? Im späten 14. Jahrhundert war Burgund der mächtigste Staat des christlichen Abendlandes (es umfaßte die heutigen BeNeLux-Staaten, ca. ein Drittel des heutigen Frankreich, die Schweiz und Teile des heutigen Italien); deshalb stand es ihm wohl an, den Kampf gegen dessen größte Bedrohung aufzunehmen, die musulmanischen Türken, die inzwischen fast ganz Kleinasien besetzt hatten. Anno 1396 beschlossen die europäischen Staaten einen Feldzug unter Führung von Johann Ohnefurcht (leider auch ohne militärischen Verstand), dem Herzog von Burgund, über den Ihr in Euren heutigen Geschichts- und Märchen-Büchern nichts mehr finden dürftet, der aber früher als "der letzte Kreuzzug" galt. Er endete durch Verrat und/oder Versagen der ungarischen und rumänischen Hilfstruppen vor Nikopolis, Wolgarien (denn seine Einwohner waren einst von der Wolga gekommen - heute sagt man "Bulgarien") in der größten militärischen Katastrofe des Abendlandes für die nächsten fünfeinhalb Jahrhunderte (dann sollte es wieder zu einer ähnlichen Schlacht kommen, diesmal direkt an der Wolga, und auch die ging in erster Linie durch Verrat und/oder Versagen der ungarischen und rumänischen Hilfstruppen verloren; einige Burgunder bezeichneten sie früher ebenfalls als "Kreuzzug"). 90.000 Christen fielen - z.T. direkt auf dem Schlachtfeld, z.T. wurden sie als Gefangene von den Türken massakriert. (Das erwähnt Dikigoros nur, damit Ihr, liebe nicht-muslimische Leser, Euch keine falschen Vorstellungen macht von dem, was Euch erwartet, wenn die Türken hier dereinst die Macht ergreifen sollten.)

[Türken mißhandeln und ermorden christliche Gefangene nach der Schlacht von Nikopolis 1396, zeitgenössische Darstellung] [La grande croisade contre le bolchevisme (der große Kreuzzug gegen den Bolschewismus), Plakat von 1942]

Seht Ihr, und um die Erinnerung daran aufrecht zu erhalten - und daran, daß man irgendwann wieder mal einen Kreuzzug gegen die Türken unternehmen müßte - stiftete Johanns Nachfolger den Orden vom Goldenen Vlies, den er sicher nicht so genannt hätte, wenn das Ziel dieses Kreuzzugs sich nicht bis in den Kaukasus erstreckt hätte.

[Orden vom Goldenen Vlies]

* * * * *

Im 20. Jahrhundert versuchten sich diverse Regisseure an einer Verfilmung des Stoffes - keiner dieser Versuche ist als besonders erfolgreich in die Kino-Geschichte eingegangen - wie auch? Es gab ja keinen Bezug mehr zu aktuellen Ereignissen: Die Europäer kolonisierten nicht mehr, sondern wurden selber kolonisiert; die Touristenströme haben die südliche Schwarzmeerküste nie erreicht; auch der Muttermord an den eigenen Kindern ist längst nichts besonderes mehr, sondern vielmehr millionenfache Realität geworden - sogar auf Krankenschein, d.h. auf Kosten der Allgemeinheit -; und die höchste Abtreibungsrate (und niedrigste Geburtenrate) Europas hat inzwischen... na wer wohl? Richtig geraten: Griechenland, die Heimat der Argonávten! Und niemand trägt darob noch Trauer - geschweige denn Bernsteinschmuck, der völlig "out" ist. Nur Schwulitäten sind noch immer - oder wieder - voll "in". Kein Wunder, daß die mordende, pardon moderne Electra es mit einem Esel treibt - Sinnbild für den Weg, den unsere Gesellschaft genommen hat?

Nachtrag. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts befleißigten sich einige Mitarbeiter des Instituts für Journalistik der Universität Dortmund - allen voran eine gewisse Gisela Graichen und ein gewisser Peter Prestel -, die Thesen von Bacon (und damit auch die von Dikigoros :-) ad absurdum zu führen. Sie schickten Mineralogen und "Bergbau-Archäologen" (was es alles gibt :-) von der Ruhr-Universität Bochum in alle Welt hinaus, die nach sagenhaften Goldschätzen suchen sollten (und die selbstverständlich überall fündig wurden - sonst hätten sie ihre Stories ja nicht ans Fernsehen verkaufen können :-): denen der Wikinger, der Kelten, der Tuva und - der "Argonauten". Dabei entdeckten sie in "Kolchis", genauer gesagt bei Sakdrisse "das älteste Goldbergwerk der Welt" (und alternativ dazu auch noch eines in der "Nähe", auf dem Kaçkar Dağı in der Türkei), hilfsweise Vorkommen von "Katzengold". Und als krönenden Beweis konnten sie mit Hilfe chemischer Untersuchungen zeigen, daß das Gold aus Sakdrisse sogar bis nach Mesopotamien gelangt war! Folglich mußte es sich um das Gold der Argonávten handeln - oder? Seht Ihr, liebe Leser, das ist mal wieder ein schlagender Beweis für den Satz, daß falsche Fragestellungen nur zu falschen Antworten führen können, denn da liegt schon der erste Denkfehler. Wir suchen hier nicht nach dem Weg irgendwelchen Goldes ins Zweistromland, sondern nach dem Stoff, aus dem die Träume der Argonávten waren. Daß die Fachidioten aus Bochum die Arģonávtika nicht kannten, darf man ihnen nicht verübeln - wohl aber ihren Auftraggebern aus Dortmund. Hätten die ihre Nase mal etwas tiefer ins Sagenbuch gesteckt, hätte ihnen zumindest eines auffallen müssen: Da ist nirgends davon die Rede, daß das Gold aus den Bergen kam, geschweige denn aus Bergwerken - die so spektakulär gewesen sein müssen, daß sie sicher Eingang in die Sage gefunden hätten -, sondern aus Flüssen. Hinzu kommt, daß der Goldbergbau bei Sakdrisse ca. 5.000 Jahre alt ist, die Argonávten aber frühestens vor 3.500 Jahren (wahrscheinlich eher später) unterwegs waren - da waren die Vorkommen dort längst erschöpft. Und "Katzengold"? Das hieß schon im Altgriechischen - ebenso wie im Neugriechischen und im Fachjargon der Mineralogen - "Pyrít[äs]", und davon steht in der ganzen Sage kein Wort. Es bleibt also dabei: Die Argonávten suchten nicht nach schnödem Gold, sondern nach Bernstein!


weiter zu Der lange Weg nach Alba Longa

zurück zu Fahrten voller List und Tücke

heim zu Reisen, die Geschichte[n] machten

heim zu Reisen durch die Vergangenheit