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Jahresarbeit der 12. Klasse: Nachhaltige Energieversorgung

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4. Brief von Herrn Dr. H.-M. Prasser


Dresden, 10. April 2000

Sehr geehrter Herr Weidauer,
haben Sie herzlichen Dank für Ihre Ausführungen zum Leserbrief von Herrn Schwarz, die Sie mir zukommen lassen haben. Ich finde es gut, wie sehr Sie sich um die Zukunft der Menschheit sorgen, mehr noch - Sie setzen sich offensichtlich persönlich für Ihre Ideale ein. Wenn Sie mir nun Ihren Leserbrief in voller Länge zukommen lassen, so wollen Sie mich vermutlich von Ihren Argumenten zu überzeugen, indem Sie dafür sorgen, dass mir Ihre volle Argumentationskette zukommt, die Sie durch die Kürzungen der Redaktion beeinträchtigt fanden.

Sie werden es mir unter diesen Umständen nicht verübeln, wenn ich meinerseits auf Ihre Punkte im einzelnen eingehe. Sie beginnen mit einem engagierten Statement für die regenerativen Energiequellen. Ihrer Meinung nach muss die Energiewende kommen, die Feststellung von Herrn Schwarz, Sonne und Wind seien keine ernstzunehmenden Alternativen, greifen Sie an. Auch meiner Meinung nach ist eine Energiewende dringend erforderlich, dabei müssen die regenerativen Energien eine wichtige Rolle spielen.

Trotzdem sind sie, wie Herr Schwarz schreibt, keine Alternative für die Kernkraft. Der übers Jahr gemittelte Elektroenergiebedarf in Deutschland entspricht heute einer installierten Leistung von ca. 60 GW. Vielleicht zwei Drittel davon sind sogenannte Grundlast, die ständig verfügbar sein muss. Das ist der Knackpunkt. Nehmen wir einmal an, Deutschland würde durch Energiesparen im Jahre 2050 jährlich nur noch soviel Strom verbrauchen, wie 40 GW an installierter Kraftwerksleistung erzeugen. Nehmen wir weiter an, dass sich der Einsatz von fossilen Brennstoffen verbietet oder nicht mehr möglich ist, weil die Ressourcen zur Neige gehen. Man könnte sich vorstellen, dann 1500 Quadratkilometer Photovoltaik und 55000 Windgeneratoren der 1.5 MW-Klasse zu installieren, wie es Herr Scheer von der Bundestagsfraktion der SPD und Träger des alternativen Nobelpreises, den Sie sicher kennen, vorschlägt. Die Leistung, den diese Installation übers Jahr liefert, entspricht etwa der Energiemenge, die Kernkraftwerke mit 40 GW installierter Leistung liefern, die ja praktisch ständig verfügbar ist.

Das Problem ist: Bei maximalem Angebot liefern die Photozellen und Windgeneratoren etwa 230 GW, also weit mehr, als Sie verbrauchen, verkaufen oder speichern könnten. Nachts bei zufällig gleichzeitiger Windstille steht dem 0 GW gegenüber, die 40 GW (oder vielleicht nur 25 GW - nachts wird möglicherweise weniger verbraucht) müssen Sie irgendwie anders erzeugen. Sie werden sagen, da verbrennen wir Biomasse, aber Vorsicht, rechnen Sie erst einmal nach, ob die reicht! Ich kann das auf die Schnelle nicht überprüfen, aber umgerechnet auf Steinkohlekraftwerke müsste man für 40 GW sekündlich ca. 5 Tonnen Kohle (entspricht grob 10 Tonnen Kuhmist) verbrennen, die ja bekanntlich einen sehr guten Heizwert hat.

Sie werden auch behaupten, dass die Technologie des Energiespeicherns Fortschritte machen wird, Stichwort Wasserstoff. Sie dürfen aber nicht davon ausgehen, dass die Kilowattstunde gespeicherter Sonnenenergie billiger wird, als die direkt verbrauchte, die heute mehr als eine Mark kostet. Im übrigen stellen 1500 km2 Photozellen ein Investitionsvolumen von 3750 Milliarden DM (1 m2 kostet heute 2500 DM) dar - pro Kopf der Bevölkerung (80 Mio.) sind das ca. 40 - 50 tausend DM. Wenn die Photozellen ca. 20 Jahre halten, dann müssen jährlich pro Kopf (also Kinder und Rentner eingerechnet) für den dauerhaften Erhalt der Anlagen 2 - 3 TDM aufgebracht werden. Das wird sich mit der Massenproduktion der Zellen noch verringern, aber glauben Sie wirklich, dass der Quadratmeterpreis auf weniger als, sagen wir, 1000 DM absinken wird? In diesem Falle wären pro Kopf und Jahr in heutigem Geld 1000 DM für die Photozellen aufzubringen. Vergessen wurden bei der Rechnung noch die Kosten für die Infrastruktur, also Netzanbindung, eventuell Speicherung der Energie, die die genannte Summe noch weiter anwachsen lassen, und natürlich decken die Anlagen bestenfalls ein Drittel des Bedarfs.

Bei der vermeintlich zu erwartenden Kostenreduktion wird meiner Meinung nach zu leichtfertig die Parallele zu den Mikrochips gezogen. Dort haben wir in der Tat z.B. bei den Speicherschaltkreisen einen Preisverfall bei gleicher Leistung von 50 % in ca. 2 Jahren. Das läuft aber durch Vergrößerung der Integrationsdichte - mehr Bauelemente pro Flächeneinheit. Für Solarzellen brauchen Sie immer die selbe Fläche, dass ist durch die Solarkonstante von 1 kW/M2 (bei voller Sonne) vorgegeben. Unter Berücksichtigung der Wirkungsgradgrenzen brauchen Sie deshalb 1 m2 für 100 -150 W installierter Leistung, die dann leider in unseren Breiten im Mittel nur zu 10 % verfügbar ist.

Nun zum Plutonium: Es ist nicht die Kerntechnik, die ursprünglich das Plutonium ins Endlager packen wollte. Ein Kilogramm Plutonium liefert im Reaktor soviel Energie, wie die Verbrennung von 3000 Tonnen Steinkohle. Die Kernenergie war von vorn herein für einen geschlossenen, Brennstoffkreislauf konzipiert, bei dem das Plutonium eben nicht ins Endlager gelangt, sondern immer wieder in die Reaktoren zurückgeführt wird. Alle technischen Voraussetzungen hierfür sind da, die entsprechenden Werke existieren und es wird in einem nicht unerheblichen Maße praktiziert.

Erst durch den von der Politik unter Beifall der Atomindustrie eingeführten zweiten Entsorgungsweg "Direktes Endlager" kommt das zustande, was Sie kritisieren. Warum applaudiert die Industrie? Die direkte Endlagerung ist preiswerter als die Aufbereitung. Ich meine, sie ist Entsorgung zweiter Wahl - und eine politische Kapitulation. Haben sich die Umweltverbände hier etwa übers Ohr hauen lassen? Selbst wenn aus der Kernenergie ausgestiegen würde, was ich bezweifle, dann wäre es besser, vorher noch allen Atommüll in La Hague oder Sellafield (oder in einem neuen und vielleicht besseren Werk, wenn die beiden genannten Anlagen Ihren Ansprüchen nicht genügen sollten) aufbereiten zu lassen und das anfallende Plutonium in den (dann auslaufenden) Reaktoren zu verbrennen, einfach um den Nachkommen so wenig wie möglich langlebige Nuklide zu hinterlassen. Solche Vorschläge hört man irgendwie überhaupt nicht.

Übrigens haben die USA in diesem Zusammenhang eine eigene interessante Strategie entwickelt: Sie wollen kein Endlager, sondern ein sogenanntes "Retrievable Storage", also ein Lager, aus dem der abgebrannte Brennstoff zum Zweck einer späteren Abtrennung des Plutoniums zurückgeholt werden kann. Grund: Man will zukünftigen Generationen gegebenenfalls den Zugriff zum später einmal dringend benötigten Plutonium ermöglichen. Was die bisher weltweit angefallenen Mengen an nuklearem Abfall und deren todbringenden Eigenschaften betrifft, kennen Sie ja meine Meinung, denn Sie werden meine Zuschrift in der DNN vom 25./26. März 2000 gelesen haben.

Wenn Sie im Weiteren davon sprechen, dass eine Erhöhung des Kernenergieanteils sich schon wegen dem unverantwortbaren Restrisiko verbietet, dann haben Sie sich nie ernsthaft mit der Sicherheitstechnik in den heute laufenden und noch weniger in den in Entwicklung befindlichen Kernkraftwerken auseinandergesetzt. Die Umweltbewegung ist bei der Bewertung der Risiken der Kernenergie auf den technischen Stand der 60iger und 70iger Jahre stehen geblieben, indem die Auswirkungen von Harrisburg und Tschernobyl verallgemeinert werden. Dabei wird vergessen, dass es schon zwischen den beiden Ereignissen deutliche Unterschiede gab: Beide Havarien, Harrisburg und Tschernobyl, hatten extreme Reaktorkernzerstörungen zur Folge. Doch im Falle von Harrisburg blieben die Auswirkungen des Störfalls fast völlig auf die Anlage beschränkt. Der dortige Leichtwasserreaktor verfügte mit seiner sicherheitstechnischen Ausstattung, insbesondere dem Containment, schon damals über einen gewaltigen Vorsprung gegenüber dem RBMK in Tschernobyl. Harrisburg hat gewissermaßen den Weg zur Begrenzung der Auswirkungen aller denkbaren Störfälle auf die Anlage vorgezeichnet.

Ganz anders beim RBMK. Ein Containment hat er nicht. Und es ist die unheilvolle Kombination von Graphit als Moderator und Wasser als Kühlmittel, die dazu führt, dass sich eine zufällige Leistungserhöhung selbst weiter anheizen kann. Gerade was diese dynamischen Rückkopplungen betrifft, sind Leichtwasserreaktoren (aber auch der Kugelhaufenreaktor) schon seit eh und je inhärent sicher.

Die Sicherheit der Kernkraftanlagen ist seitdem jedoch nachhaltig erhöht worden. Zunächst sind durch konsequente Auswertung der beiden Störfälle echte Sicherheitsfortschritte erzielt worden. Die Lehren die gezogen werden mussten, sind- a) Kleine Leckstörfälle können zur Kernschmelze führen, auch wenn der Reaktor gegen ein großes Kühlmittelleck ausreichen gesichert ist, sie bedürfen daher zusätzlicher Sicherheitsmaßnahmen, b) die Sicherheit der nuklearen Kettenreaktion im Reaktor musste neu auf den Prüfstand, c) es müssen Maßnahmen zur gefahrlosen Vernichtung des bei der Kernschmelze auftretenden Wasserstoffs getroffen werden, um Gasexplosionen im Containment zu verhindern, d) moderne Leittechnik muss negative Auswirkungen durch menschliches Versagen verhindern. Auf diesen Gebieten sind nachfolgend an allen deutschen Anlagen die notwendigen Verbesserungen und Nachrüstungen durchgeführt worden - außer dort, wo Landesregierungen diese Nachbesserungen durch jahrelange Blockade der nötigen Genehmigungen verhindert haben, wie im Fall von Biblis BlocK A - ein absurdes Theater.

Sicherheit ist jedoch nicht Störfallfreiheit. Die "schlimmsten denkbaren Folgen" eines im Bereich des Restrisikos liegenden Störfalls sind zwar genauso wenig real, wie der Glaube an das perfekte Sicherheitssystem. Trotzdem wurde die Entwicklung weitergetrieben, um die Kernschmelze, auch wenn sie den Reaktorbehälter durchdringen sollte (was in Harrisburg nicht geschah) am Austritt in die Umwelt zu hindern. Durch spezielle Vorrichtungen (sogenannte "Core-Catcher"), kann sie im Containment zurückgehalten werden. Andererseits kann die Kernschmelze aber auch durch neue passive Notkühlsysteme verhindert werden. Für jede dieser beiden Strategien gibt es einen Prototyp- Den Europäischen Druckwasserreaktor EPR bzw. den Siedewasserreaktor SWR1000. Durch diese Entwicklungen wird das Restrisiko eines schweren Störfalls verantwortbar gemacht, weil die schlimmsten denkbaren Folgen auf ein vertretbares Niveau gesenkt wurden.

Auch bei der Frage nach der für Kernanlagen adäquaten Versicherung müssen Sie das reale Sicherheitsniveau berücksichtigen. Wegen der kleinen Eintrittswahrscheinlichkeit von Störfällen aus dem Bereich des Restrisikos wurde im Atomgesetz eine angepasste Form der Versicherung von Kernanlagen festgeschrieben - die nukleare Deckungsvorsorge. Dabei wird davon ausgegangen, dass nicht jedes einzelne Kraftwerk gegen derartige Ereignisse zu versichern ist, sondern dass man gewissermaßen zusammenlegt. Die Forderung nach Erhöhung der Versicherungssummen ist nichts als ein weiterer versuchter Nadelstich der Kernkraftgegner. Wenn Sie z.B. Ihr Haus gegen Meteoriteneinschlag versichern würden, dann würden Sie nichts anderes tun, als zeitlebens freiwillig Ihr Geld an andere abzugeben, nämlich zum Gewinn der Gesellschafter der jeweiligen Versicherung.

Zur StillIegung: Es war jahrelang das Argument der Kernkraftgegner, dass der Rückbau eines Kernkraftwerks technisch ungelöst sei. Mittlerweile sind mehrere Altanlagen ohne Probleme abgerissen worden. Jetzt benutzen die Atomgegner die Erfolge beim Rückbau als Argument für die Machbarkeit des Atomausstiegs. Dies jedoch nur nebenbei.

Warum schocken Sie die Stillegungs- und Abrisskosten? In der Tat kann man bei Greenpeace erfahren, dass der Rückbau etwa genau soviel kostet, wie die Errichtung eines Kernkraftwerks. Damit liegt Greenpeace nicht einmal sehr falsch, wenngleich internationale Vergleichsdaten zeigen, dass die Summen etwas geringer sind. In Frankreich geht man von 15 % der Errichtungskosten aus, in den USA wird für ein KKW mit 1100 MW ein Betrag von 500 Millionen Dollar genannt. Beunruhigen müssen Sie diese Kosten nicht, denn nach deutschem Atomgesetz ist der Betreiber für die Stilllegung verantwortlich. Genau hierfür und für die Endlagerung des Atommülls hat die Industrie die vielzitierten Rückstellungen von größenordnungsmäßig 50 Milliarden DM angelegt. Interessant wird es erst, wenn der Staat von seinen ursprünglichen Gesetzen abweichend diese Rückstellungen kassiert- Dann dürfte auch die Entsorgung in seine Verantwortung übergehen, und da würde der Steuerzahler das finanzielle (Rest-) Risiko tragen müssen.

Weiter: Sie kritisieren den Wirkungsgrad der Kernkraftwerke. Bei der Ungeheuern Energiedichte, die im Kernmaterial steckt, ist dies kein wirkliches Problem. Natürlich kann man durch eine Wirkungsgradsteigerung die Stoffströme, also die eingesetzte Brennstoffmenge und den anfallenden Nuklearmüll reduzieren. Voraussetzung ist, dass man dabei die Wirtschaftlichkeit nicht durch zu teuere Anlagen beeinträchtigt und dass das Sicherheitsniveau nicht absinkt. Heute ist der Leichtwasserreaktor mit ca. 33 % Wirkungsgrad wegen der ausgereiften technischen Lösung und dem Effekt der Serienproduktion das Zugpferd der Kernenergie.

Man sollte aber nicht vergessen, dass es andere Reaktortypen gibt, die schon als Prototypanlagen ihre Funktionsfähigkeit gezeigt haben. Schnelle Brutreaktoren, die mit flüssigem Natrium gekühlt werden, können leicht Wirkungsgrade von über 40 % erzielen. Beim in Deutschland entwickelten heliumgekühlten Kugelhaufenreaktor ist sogar ein GuD-Prozess realisierbar, mit Wirkungsgraden über 60 %, denn das heiße Gas velässt den Reaktor mit über 800� C. Nebenbei bemerkt ist der Kugelhaufenreaktor durch die spezielle Konstruktion der Brennelemente (der Brennstoff befindet sich innerhalb der kugelförmigen Brennelemente (0 4 cm) in kleinen Kügelchen, sog. Coated Particles, die mit SiC umhüllt sind) inhärent kernschmelzesicher. Im Übrigen kann man mit Kernkraftwerken auch Kraft-Wärme-Kopplung betreiben, das wurde in Greifswald praktiziert und das läuft in Stade noch heute. Deshalb ging ein Aufschrei durch die Reihen der Kernkraftgegner, als die Bundesregierung die Förderung der KWK beschloss, denn ohne eine entsprechende Zusatzklausel hätte man mit der KWK in Stade auch Kernenergie mitfördern müssen. Ich bin nicht genau informiert, aber ich denke, die Rot-Grüne Bundesregierung hat das rechtzeitig "korrigiert". Auch verstehe ich Ihren Einwand gegen die "30 %" Wirkungsgrad auch von einem anderen Standpunkt aus nicht: Die Photovoltaik kommt gerade mal auf ca. 15%.

Ich glaube, alles in allem wird es möglich sein, langfristig etwa 50 % unseres Energiebedarfs aus regenerativen Quellen zu decken. Der Rest wird aus Kernkraftwerken der ein oder anderen Art kommen - vielleicht sind auch Fusionsreaktoren dabei, sicher jedoch Brüter, denn auf die Umwandlung des nichtspaltbaren, aber im Natururan zu 99,3 % vorkommenden U-238 wird man nicht verzichten können. Das ist konform mit der Vision der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages zum "Schutz der Erdatmosphäre", die in ihrem Abschlussbericht 1994 prognostiziert, dass Kernenergie und importierte erneuerbare Energien zusammen 2050 für die Hälfte unseres Energiebedarfs aufkommen müssen. Die Betonung liegt bei den regenerativen Energien auf "importiert", d.h. die einheimischen Quellen werden eine geringere Bedeutung behalten.

Sehen Sie sich Ihr Beispiel der Jugendherberge einmal genauer an: Sie können den Hausbedarf vollständig aus regenerativen Energien decken. Was ist aber mit der Energie, die für die Bewohner andernorts für die Herstellung von Speise, Kleidung, den Transport und anderer Waren benötigt wird? Die Anlagen, die Sie für die Gewinnung regenerativer Energie brauchen, werden mit anderer Energie irgendwo produziert, Sie kaufen sie für Geld, gewissermaßen "im Baumarkt". Extrem ist es bei der Photovoltaik - die Zellen müssen erst einmal einige Jahre laufen, bis sie den Energiebedarf den sie bei ihrer Herstellung verursacht haben, wieder hereingewirtschaftet haben (Beim Kernkraftwerk dauert dieser Vorgang genau ein halbes Jahr), mal abgesehen von Emissionen in diesen Bereichen oder den Gefahrstoffen, mit denen z.B. bei der Reinstsilizium-Herstellung umgegangen werden muss (Stichwort Reinstsiliziumwerk Dresden-Gittersee). Und was in der ländlichen Jugendherberge funktioniert, kann wohl kaum auf Ballungsgebiete mit viel Industrie (z.B. Ruhrgebiet) oder Großstädte übertragen werden. Ihr Bilanzkreis ist halt nicht vollständig, deshalb kommen Sie zu voreiligen Schlüssen.

Für die Kernenergie spricht ihre große Leistungsfähigkeit bei kleinsten eingesetzten Brennstoffmengen und entsprechend kleinen Abfallströmen, die Grundlastfähigkeit, die langfristige Verfügbarkeit von Brennstoff über viele Jahrtausende und das erreichte hohe technische Niveau. Sie ist da und kann genutzt werden. Bei der Energiewende muss sie die Lücken schließen, die die regenerativen Quellen nicht schließen können oder umgekehrt, jedenfalls heißt die grüne Energieformel der Zukunft Kernenergie + regenerative Energiequellen + rationelle Energieanwendung, alles ohne C02 und ohne fossile Brennstoffe, die es irgendwann einmal nicht mehr geben wird. Erdgas kann nicht mit in diese Formel aufgenommen werden, wie es die Grünen und die Umweltverbände tun, denn das ist die Ressource mit der kürzesten Restlaufzeit.

Wer die Kernenergie abschaffen will, sollte erst zeigen, dass es einen gleichermaßen umweltfreundlichen Ersatz gibt. Erst aussteigen und dann suchen, da gehen Sie meiner Meinung nach das eigentlich unvertretbare Risiko ein, nämlich das des Scheiterns Ihrer Visionen. In diesem Fall würde die gesamte Menschheit ins Unglück gestürzt, durch die drohenden Klimaveränderungen oder / und den Verlust der Sozialverträglichkeit der Energieversorgung.

Ich hoffe, dass meine Einwürfe Sie überzeugen konnten, oder doch zumindest zur Fortsetzung der Diskussion anregen. In diesem Zusammenhang würde ich Sie auch gern gelegentlich persönlich kennen lernen. Vielleicht kommen Sie mal auf meinen Arbeitsplatz, da könnten wir etwas intensiver diskutieren. Auch könnte ich Ihren Freundeskreis einmal mit einem Pro-Kernkraftvortrag "beglücken", nach dem Sie versuchen könnten, meine Ansichten ad absurdum zu führen.
Mit freundlichen Grüßen H.-M. Prasser
(Veröffentlicht mit freundlicher Erlaubnis des Autors)

Briefwechsel Inhalt:

1. Einleitung
1.1 Vorgeschichte
1.2 Intention


2. Leserbrief von Dr. Ing. Schwarz: "An der Kernenergie führt kein (grüner) Weg vorbei"

3. Leserbrief von Lukas Weidauer: "Nur mit Ausstieg aus der Kernenergie auf grünem Zweig"

4. Brief von Dr. Ing. H.-M. Prasser

5. Brief von Lukas und Friedemann Weidauer
5.1 Anhang

6. Atwort von Herrn Dr. Ing. H.-M. Prasser


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