|
Briefwechsel |
|
Herzlich Willkommen Jahresarbeit der 12. Klasse: Nachhaltige Energieversorgung Briefwechsel zur Energiewende Grafikgalerie Energielinks Themen Leserbriefe Reiseberichte Gästebuch
Kontakt |
3. Leserbrief von Lukas Weidauer: "Nur mit Ausstieg aus der Kernenergie auf grünem Zweig"Aus den Dresdner Neusten Nachrichten vom 11. März 2000 Zum Beitrag "An der Kernenergie führt kein (grüner) Weg vorbei" Leserzuschrift von Dr. Ing. Karl Schwarz (Ausgabe DNN 4./5. März 2000) Sehr geehrter Herr Dr. Schwarz! Mich entsetzte an Ihrem Beitrag das alternativlose Denken und die Verharmlosung der Atomproblematik. Sie schreiben, dass Sonne und Wind keine ernst zu nehmenden Alternativen sind. Ich meine, regenerativen Energien gehört die Zukunft! Die Energiewende ist möglich, und sie muss kommen. Ist es die Lebensgrundlage künftiger Generationen, wenn wir ihnen einen Nachlas jahrtausendlang strahlender Müllberge hinterlassen? Wenn durch weitere Atomunfälle ganze Regionen unserer Erde unbewohnbar gemacht werden? Das heute in den Atomkraftwerken verwendete Plutonium 239 hat eine Halbwertszeit von 24 400 Jahren; d.h. nach etwa 240 000 Jahren ist es weitgehend zerfallen und ungefährlich. 240 000 Jahre! Wie viele Generationen sind das? (Vor 150 000 Jahren entwickelte sich in Afrika der "Homo sapiens" aus dem " Homo erectus".) Obwohl wir das wissen, wirtschaften wir so weiter, auch wenn gar nicht klar ist, wie und wo wir den todbringenden Atommüll auf so lange Zeit lagern. Das ist kein "hausgemachtes Entsorgungsproblem der Grünen", das ist das Problem der Kernenergie. Auch Frankreich, die USA und Japan haben für die sichere Entsorgung keine Lösung, vielleicht weil es gar keine gibt. Und noch etwas zeigt eine einfache Rechnung: Heute gibt es weltweit fast 500 AKW�s die etwa 5 % des gesamten Weltenergiebedarfs decken. Wenn die fossilen Brennstoffe wie Kohle und Öl in vielleicht 50 Jahren verbraucht sind, und wir, wie Sie Herr Dr. Schwarz sagen, den Energiebedarf nur noch aus Atomkraftwerken beziehen, bräuchten wir 20mal so viele AKW�s, also etwa 10 000 Atomkraftwerke. Wer kann und will das "atomare Restrisiko" dann verantworten. Das "World Watch Institute" hat errechnet, dass es heute bereits 190 000 Tonnen Atommüll gibt, ohne dass sichere Endlagerungsorte gefunden seien. Wenn wir heute schon nicht wissen wohin mit dem Atommüll, wohin dann mit dem 20fachen?! Kein Kernkraftwerk in Deutschland ist heute realistisch versichert. Welche Versicherung will dieses Risiko auch eingehen. Wenn jedes Atomkraftwerk richtig versichert wäre, würde der Preis für Atomstrom etwa das 10fache(!) betragen. Davon ist aber ein Atomkraftwerk noch nicht stillgelegt oder abgerissen. Die Stillegungs- und Abrisskosten sind etwa noch mal so hoch wie die Baukosten! Auch das ist noch nicht in dem heutigen Srompreis berechnet. Der Wirkungsgrad von Kernkraftwerken beträgt in Deutschland 30%; d.h. nur ein Drittel der entstehenden Energie kann genutzt werden. Auf den langen Wegen vom Kraftwerk zum Verbraucher geht noch mal sehr viel Energie verloren. Wie schon am Anfang erwähnt, glaube ich, dass es noch eine andere Möglichkeit, jenseits von Kohle und Atom gibt! In 20 Minuten trifft durch die Sonne so viel Energie auf die Erde, wie die gesamte Erdbevölkerung in einem Jahr verbraucht. Mit Solaranlagen auf jedem Hausdach können wir in unseren Breitengraden 50% der Energie, die wir zum Heizen und 80%, die wir zur Erzeugung von Warmwasser benötigen, gewinnen. In Ländern um den Äquator (Afrika, Südamerika, Australien...) sogar die gesamte. Durch die Massenproduktion werden die Anlagen billiger und es entstehen Arbeitsplätze. Mit gutem Beispiel geht die neugebaute Jugendherberge in Mirow (Mecklenburg Vorp.) voran. Sie deckt ihren gesamten Energiebedarf für Heizung und Warmwasser und einen Großteil ihres Stromverbrauchs aus regenerativen Energien. Eine Solaranlage, eine vollautomatische Holzhackschnitzel- Heizung, die Holzeinschlagabfälle der mecklengurgischen Forstwirtschaft verbrennt, und ein Pflanzen- Blockheizkraftwerk (es verbrennt Rapsöl aus der Region) decken, die für die kalkulierten 32 000 Übernachtungen im Jahr benötigten, 250- 300 MW. Ein geplantes kleines Windrad soll den Rest der benötigten Energie liefern. Auch die Gemeinde Schönau im Schwarzwald zeigt uns einen Weg: Sie haben das Stromnetz gekauft und erzeugen ihren benötigten Bedarf an Energie durch Blockheizkraftwerke und erneuerbare Energien. Wenn die Regierungen nur einen Bruchteil der Millionen und Milliarden, die sie für Atom, Kohle und Rüstung ausgeben in erneuerbare Energien und deren Weiterentwicklung stecken würden, würde die Energiewende nicht aufzuhalten sein! Und noch ein großes, erst wenig genutztes Potential zur Energiegewinnung haben wir: die Biomasse. Sie erwähnten sie gar nicht, Herr Dr. Schwarz. Eine Kuh liefert jeden Tag so viel Energie durch ihren Mist, wie in einem halben Liter Erdöl steckt. Auf der Erde wachsen jedes Jahr 780 Milliarden Tonnen Biomasse, z.B. das China- Schilf, die sogenannten C4 Pflanzen. Im Gegensatz zu den in unserer Gegend bekannten C3 Pflanzen, hat es einen festeren Halm und dadurch mehr Biomasse. Aber es verbraucht weniger Wasser als diese, da es auch Nachts CO2 aufnimmt. Es wächst 10mal so schnell wie der Wald und wird in Europa bis zu 4 m hoch. Auf Brachland oder auf nicht mehr genutzten Ackerflächen, davon gibt es in Deutschland genug, können wir das Schilfgras anbauen. Es entstehen auch hier neue Arbeitsplätze und die Landwirtschaft erhält eine neue Perspektive. Durch die Verbrennung in Blockheizkraftwerken, die einen Wirkungsgrad von 90% haben, weil sie auch die Abwärme nutzen, erhalten wir Wärme und Strom. Wichtig ist, dass bei der Verbrennung von Pflanzen, nur soviel CO2 entsteht, wie sie bei der Fotosynthese während ihres Wachstums verbraucht haben. Das heißt: kein Treibhauseffekt! Was wir brauchen sind viele solcher Anlagen, regionale Stromversorgung, - keine Großkraftwerke, die einen geringen Wirkungsgrad haben und durch lange Leitungen viel Energie verlieren. Die folgenden Generationen werden sehr wohl beurteilen, wie wir gelebt, und wie wir ihnen die (Um)Welt hinterlassen haben! Wir sorgen nicht für sie vor, indem wir mit unserer heutigen Konsumgesellschaft unsere Erde weiter zerstören und ohne Rücksicht verbrauchen. Heute müssen wir umkehren, solange noch Zeit ist, und ihnen eine gesunde, wenn auch schon zum Teil zerstörte, Umwelt hinterlassen. Und wir müssen für eine zukunftsweisende Energieversorgung vorsorgen. Lukas Weidauer, Schüler |
Briefwechsel Inhalt:1. Einleitung1.1 Vorgeschichte 1.2 Intention 2. Leserbrief von Dr. Ing. Schwarz: "An der Kernenergie führt kein (grüner) Weg vorbei" 3. Leserbrief von Lukas Weidauer: "Nur mit Ausstieg aus der Kernenergie auf grünem Zweig" 4. Brief von Dr. Ing. H.-M. Prasser 5. Brief von Lukas und Friedemann Weidauer 5.1 Anhang 6. Atwort von Herrn Dr. Ing. H.-M. Prasser Druckansicht des gesamten Briefwechsels |