Knossos
Knossos ist die Topsehenswürdigkeit Kretas und liegt ein 1 km hinter Stadtgrenze Iraklios (südlich). Es ist der größte minoische Palast und war Sitz des Königs Minos. Zu Beginn des 20. Jh. wurde mit Beton und Farbe versucht ein Bild des Palastlebens und Wohnkultur der damaligen Zeit zu vermitteln. Wichtig! Erst dem Archäologischen Museum in Iraklio einen Besuch abstatten, damit man alles noch besser versteht.
1878 wurde Knossos von dem reichen Kaufmann und Juristen Minos Kalokairinos, der auch Hobby-Archäologe war, entdeckt. Zwei Magazinräume grub er aus und holte dabei Vorratsgefäße und verschiedene Kultgefäße heraus. Der Troja-Entdecker Heinrich Schliemann und der Bauforscher und Archäologe Wilhelm Dörpfeld besuchten 1886 das Terrain. Eine Ausgrabung unter der Führung des Deutschen Archäologischen Instituts fand jedoch nicht statt, da die türkischen Behörden Geld dafür verlangten, welches die Deutschen nicht bezahlen wollten.
Erst 1894 kam der 43-jährige Arthur Evans (Museumsdirektor, Zeitungskorrespondent, Ethnologe) nach Kreta. Er suchte lediglich vorgriechische Schriftzeugnisse und war später begeistert von der Entdeckung Knossos. Erst 1898 konnte er mit den Ausgrabungen beginnen, nachdem Kreta selbständig geworden war. Evans hatte genug Geld und war Hauptfinancier der Ausgrabungen. Zunächst begann man mit 30 Mitarbeitern die Ausgrabungen, später waren es 200. In nur drei Jahren wurden 20000 qm freigelegt. Dabei wurden mykenische Schichten einfach abgetragen, um schnellstmöglich zu den minoischen Funden vorzudringen. Es wurden auch nicht Schritt für Schritt die Ausgrabungen dokumentiert. Aber nicht nur das, auch wurden sehr schnell die Räume bezeichnet, wie z. B. „Badezimmer der Königin“ oder „Karawanserei“. Deshalb kommen heute so manche Zweifel an der Rekonstruktion Knossos auf. Die Betonkonstruktionen sind ein Greuel! Kein Archäologe käme heute auf diese Idee Teile der Ruinen wieder mit Stahlbeton aufzubauen. Ein Holzmodell, wie Knossos mal ausgesehen haben könnte, befindet sich im Archäologischen Museum Iraklio (Bild).
Auf dem Kefala-Hügel lag der Palast unbefestigt. Der Kairatos floss in einem Tal daran vorbei zum Meer. Knossos besaß zwei Seehäfen (bei Amnisos und an Stelle des Iraklio), so dass man vermutet, das der Kairatos mal schiffbar war. Bis heute ist nicht geklärt, in welchem Verhältnis Knossos zu den anderen Palästen stand, ob es unabhängig war oder die Oberherrschaft hatte.
Antike Schriftsteller überlieferten den Mythos des Minotaurus: er soll in einem Labyrinth gelebt haben. Dieses Labyrinth soll Knossos selbst gewesen sein. Das Wort Labyrinth kommt von dem vorgriechischen Wort labrys, was so viel heißt wie Doppelaxt. Knossos hatte eine verwirrende und unregelmäßige Architektur, welche der späteren griechischen Architektur überhaupt nicht entspricht. Deshalb ist aus Labyrinth ein Synonym für „Irrgarten“ geworden.
Auf hölzernen Stegen, Treppen und Überführungen gehen die Besucher durch die Palastanlage. Ab und zu gibt es Hinweistafeln zur Orientierung. Knossos hatte einen Westflügel, Ostflügel und Theaterbezirk.
Im Westflügel liegt der Westhof. Hier gibt es runde Gruben, welches die ältesten Gebäudereste sind. Sie stammen aus dem Neolithikum. Die Gruben dienten für Opfergaben und Tierknochen, später wurden sie zugeschüttet. Von den Gruben aus sieht man auch Brandspuren an der Fassade. Sind das Hinweise des Untergangs Knossos um 1450 v. Chr.? An der linken Wand des Westeingangs war das Prozessionsfresko, welches den gesamten Prozessionskorridor schmückte. Dieser Korridor führte nach links abknickend zur monumentalen Toranlage des Südpropylen. Hier sieht man die Rekonstruktion einiger Gabenträger des Freskos. Als Lager wurde dieser Teil in der Nachpalastzeit genutzt, daher die herumstehenden Pithoi. Zum „Piano Nobile“ führt ein rekonstruierte Brücke. Von dem 1. Stockwerk hat man einen guten Blick in das Erdgeschoss des Westflügels, wo die Magazine waren. Es gibt schmale Räume mit eingelassenen Kammern in den Boden zur Lagerung von Produkten. Auch hier sind Pithoi zu finden. Ein Sockel für ein Doppelaxtmonument steht im Längsgang. Über den Korridor gelangt man zur Großen Halle und zwei Säulenhallen, dahinter befindet sich der Raum der Fresken. Von der Veranda gibt es einen schönen Blick zum Zentralhof. Geht man über den Zentralhof kommt man in den Thronsaal, welcher aus der Älteren Palastzeit stammt. Im Vorraum findet man ein Holzkopie des Thrones auf einem originalen Podest. Südlich des Thronsaals steht das Dreiteilige Heiligtum, dahinter die Pfeilerkrypta und rechts die Gruben, wie im Westhof.
Der Ostflügel: Ein Treppenhaus des Wohntrakts im Ostflügel liegt gegenüber dem Dreiteiligen Heiligtum. Das Treppenhaus hatte keine Verbindung zum Zentralhof. Man gelangt nur vom Südkorridor in den Zentralhof. Die Halle der Doppeläxte ist nur von außen einsehbar. Einst soll es der Ratssaal des Königs gewesen sein. Das Megaron der Königin ist eine Dekorationskonstruktion aus Jüngerer Palastzeit. Hier sieht man einen Delfinfresko, eine Tänzerin, aber auch die Badewanne der Königin. Der Dressing Room war vermutlich der Toilettenraum der Königin. Nördlich schlossen sich Ställe, Magazine und Werkstätten an den Wohntrakt an. Darunter befindet sich das Magazin der Medaillon-Pithoi. Gigantische, vielhenklige Vorratsgefäße gibt es im Magazin der Riesen-Pithoi zu sehen.
Theaterbezirk: Geht man Richtung Ausgang, kommt man durch den Nordkorridor. Zur Pfeilerhalle führt ein Rampe. Auf dem Weg zum Theaterbezirk gelangt man durch einen rechteckigen Hof mit einem freistehenden Bau des Lustralbades. Im Theater sollen kultische Zeremonien mit großer Menschenmasse stattgefunden haben. Es ist eine L-förmige, offene Freitreppe. Zu ihr führen gepflasterte Wege.
Länger als zwei Stunden hält man sich in Knossos nicht auf. Es werden Führungen angeboten die 10 EUR pro Person kosten, was sehr sehr teuer ist. Der Eintritt kostet 7 EUR (2006), Schüler und Studenten haben freien Eintritt. Öffnungszeiten: täglich 8 – 19 Uhr. In Knossos gibt es wenig Schatten. Sonnencreme und Getränke nicht vergessen!