DIE LETZTE REISE
Von "Reiseunfällen" und anderen Morden
"Truth will come to light, murder cannot be hid long"*
(
William Shakespeare, The Merchant Of Venice)
*"Die Wahrheit will ans Tageslicht kommen,
Mord kann nicht lange verborgen bleiben"
(Willi Schüttelspeer, Der Kaufmann von Venedig)

[Denkmal auf Flugzeugabsturz]

EIN KAPITEL AUS DIKIGOROS' WEBSEITE
REISEN DURCH DIE VERGANGENHEIT
GESCHICHTEN AUS DER GESCHICHTE

Ja, so manche Reise endet tödlich, und gar mancher tödlich verunglückte Reisende wäre bedeutend genug gewesen - und hätte genügend Feinde gehabt - um ihn "verunfallen" zu lassen. Aber man soll den Bogen auch nicht zu weit spannen: Es kann wohl keinem vernünftigen Zweifel unterliegen, daß z.B. Kaiser Barbarossa nicht auf geheimnisvoller Reise, pardon auf geheimnisvolle Weise im Kyffhäuser verschwunden ist (diese Sage sollte erst viel später von seinem Enkel auf ihn übertragen werden), sondern auf dem 3. Kreuzzug verunglückt, ohne daß ein Mörder seine Hand im Spiel gehabt hätte. Und viele Attentate - z.B. auf russische Zaren - fanden zwar auf Reisen statt, aber niemand hat je versucht zu behaupten, daß es sich dabei um "Unfälle" gehandelt habe - Mord bleibt Mord, auch dann, wenn man ihn irgendwelchen Strohmännern in die Schuhe schiebt, wie z.B. den an John F. Kennedy, den seine letzte Reise nach Dallas/Texas führte. Aber ist es tatsächlich immer so? Manche Leute sind so populär im wahrsten Sinne des Wortes - nämlich vom ganzen Volk so geliebt -, daß niemand glauben würde, daß die jemand umbringen will; wenn es dann doch jemanden gibt und es sich nicht bloß um einen armen Irren handelt, sondern um jemand Einflußreichen - womöglich gar die gutmenschliche Regierung demokratischer Politiker in einem wunderbaren Rechtsstaat, der die Todesstrafe längst abgeschafft hat - dann bleibt nur ein Ausweg: der inszenierte Unfalltod. Und was eignet sich dafür besser als eine Reise, womöglich ins Ausland. Aber das Opfer darf dabei nicht etwa den Heldentod sterben, denn denjenigen, die es beseitigen wollen, ist verständlicher Weise mit einem Martyrer nicht gedient; also muß selbst im Krieg ein "Unfall" herhalten. Noch besser eignet sich ein als "Selbstmord" getarnter Mord, wie bei Ludwig II von Bayern, Marilyn Monroe, den RAF-Terroristen oder Rudolf Hess - aber die starben nicht auf Reisen, sondern zuhause bzw. im Gefängnis, deshalb schreibt Dikigoros über sie an dieser Stelle nicht.

Dikigoros legt Wert auf die Feststellung, daß er hier auch nicht über das schreibt, was gewisse Medien als "Verschwörungstheorien" bezeichnen. Solche Theorien betreffen nicht die Fakten, sondern die dahinter stehenden Motive. Das Vorhandensein solcher Motive mag zwar den Verdacht erhärten, daß ein vermeintlicher "Reiseunfall" in Wahrheit ein Mord war, aber das alleine reicht eben noch nicht aus. Um ein paar Beispiele zu nennen: Dikigoros glaubt zwar ohne weiteres, daß Roosevelt skrupellos genug war, um die ihm feindlich gesonnenen Senatoren Bronson Cutting und Ernest Lundeen tödlich "verunfallen" zu lassen (er glaubt auch, daß Roosevelt hinter dem Mord an Senator Huey Long, dem "Unfall"-Tod von Senator Thomas Schall, dem Tod von Gouverneur Allan und dem "plötzlichen Tod durch Herversagen" von Ex-Gouverneur Albert Ritchie stand; aber das alles fand nicht auf Reisen statt, weshalb Dikigoros darüber an anderer Stelle schreibt); aber die Indizienkette scheint ihm bei diesen beiden ("Un-")Fällen nicht ausreichend. Dikigoros glaubt auch gerne, daß die Mafia ein Motiv hatte, die Kennedy-Brüder zu töten - die sie so lange unterstützt hatte, nur um dann von ihnen verraten zu werden -, dennoch glaubt er nicht, daß die Mafia tatsächlich hinter jenen Attentaten steckt - das hält er für eine bloße Verschwörungstheorie, die in die Welt gesetzt wurde, um von den wahren Tätern abzulenken - die er bei der C.I.A. vermutet. Dagegen glaubt er nicht, daß die letztere Aldo Moro und/oder Olof Palme auf dem Gewissen hat - wiewohl sie bestimmt gute Gründe gehabt hätte, diesen beiden krummen Hunden Kommunistenfreunden das Handwerk zu legen - aber das dürften andere getan haben, und aus anderen Motiven. Aber auch das sind Spekulationen (ein Wort, das viel besser paßt als "Verschwörungstheorien"), an denen sich Dikigoros nicht beteiligen möchte. Es geht ihm in erster Linie um die Fakten, und jegliches Motiv ist ihm bloß ein Hilfsargument für deren Nachweis.

Ohnehin würde die "Motivforschung" wohl in vielen Fällen zu der banalen Erkenntis führen, daß die Täter offenbar nicht das erreicht haben, was sie beabsichtigten - bisweilen sogar das Gegenteil: Nie wären Bosh und Diana so berühmt und beliebt geworden, wären sie eines natürlichen Todes gestorben bzw. noch am Leben. (Was hätte Bosh nicht alles falsch machen können - vielleicht noch mehr als Nehrū, dem heute in Indien niemand mehr eine Träne nachweint.) An Sikorsky und Hammarskjöld würde sich niemand mehr auch nur dem Namen nach erinnern, wenn sie nicht "verunfallt" worden wären. (Welch guten Ruf genösse Kurt Waldheim noch heute, wenn er ähnliches Glück gehabt hätte wie sein Vorvorgänger?! Wer weiß, was man dem noch alles angehängt hätte, wenn er überlebt hätte? War er womöglich ein Leser des Nazi-Freundes Sven Hedin? Hatte er gar vom "Holocaust" gewußt oder hätte er davon wissen müssen?) Bei anderen Opfern scheint es dagegen recht gut gelungen, ihren Ruf zu zerstören oder sie in Vergessenheit geraten zu lassen (Dikigoros hat die Auswahl aus diesen beiden Gruppen bewußt "50:50" getroffen); aber gerade das letztere ist ein Grund mehr, ihre Fälle den Lesern wieder in Erinnerung zu rufen - oder sie erstmals mit ihnen bekannt zu machen und sie vielleicht sogar zu eigenen Recherchen anzuregen; denn in den meisten Fällen ist bei weitem nicht alles geklärt, weshalb auch Dikigoros' derzeitiger Wissensstand noch lange nicht der Weisheit letzter Schluß sein muß.

MOURIR POUR KATYN?
Wladislaw Sikorski (+1943)
von Gibraltar nach London

Die Polen sind ein patriotisches Volk. Als sie 1939 von Hitler und Stalin in die Zange genommen und überrollt wurden, glaubten einige von ihnen weiter daran, daß Polen noch nicht verloren sei - wie es so schön in ihrer Nationalhymne heißt -, sondern daß sie nur eine Schlacht verloren hätten, nicht auch den Krieg. Hatten sie nicht noch ihre tapferen Verbündeten, im Vertrauen auf deren Garantien sie den Krieg gegen die beiden übermächtigen Nachbarn geradezu provoziert hatten, die Franzosen und vor allem die Engländer? Die ersteren, die sich bald fragten, ob sie für Danzig sterben sollten (die retorische Frage "mourir pour Dantzig?" wurde zum Schlagwort all jener Franzosen, die es gar nicht gut fanden, daß ihre Regierung Deutschland den Krieg erklärt hatte, bloß weil Danzig "heim ins Reich" wollte) wurden weniger als zwei Jahre später ebenfalls vom "Blitzkrieg" überrollt; aber auch dort gab es Leute, die noch nicht aufgeben wollten, ebenso wie in Holland, Norwegen und noch ein paar Pisselstaaten; sie alle sammelten sich im schönen London, beförderten sich selber zu Generälen - wenn sie es nicht schon waren - und bildeten Exil-"Regierungen". Im Rückblick glaubt man, daß der bedeutendste unter all diesen Exil-Generälen Charly der Gallier war - zumal er später Staatspräsident von Frankreich werden sollte -, aber das war zumindest bis 1944 bei weitem nicht abzusehen.

Dagegen hatten die polnischen Exilanten einen unumstrittenen Führer: General Wladislaw Sikorski. Um eines vorweg zu schicken: Dikigoros empfindet für jenen Mann nicht die geringste Sympathie, auch nicht im Sinne von Mitleid. (Das gilt auch für viele andere der hier vorgestellten "Opfer"; Dikigoros hat sich bei seiner Auswahl nicht von persönlichen Gefühlen leiten lassen.) Er war ein größenwahnsinniger Nationalist - also ein typischer Pole -, und Dikigoros hat Verständnis sowohl für Stalin, der von Polen Weißrußland und die Westukraïne zurück haben wollte, als auch für Churchill, der es sich nicht mit Stalin verderben wollte, solange der Krieg noch nicht endgültig entschieden war - und beiden war Sikorski im Wege. Wohlgemerkt, Polen - eine der Mißgeburten von Versailles - war ein Raubstaat, der alle seine Nachbarn - Deutschland, Litauen, die Sowjet-Union und die Tschecho-Slowakei - überfallen und ihnen mehr oder weniger große Gebiete entrissen hatte, auf welche die Polen keinen moralischen oder wie sonst immer gearteten Anspruch hatten, und deren Volksangehörige sie brutal unterdrückten und zwangspolonisierten. (Am schlimmsten hatten sie es gegenüber den Russen getrieben; schlappe 250 km über ihre eigene Volkstumsgrenze hinaus schoben sie ihre Staatsgrenze im Frieden von Riga 1921, nachdem sie mit französischer Hilfe - ein gewisser De Gaulle kämpfte auch auf ihrer Seite mit - den polnisch-russischen Krieg gewonnen hatten, einen der beiden furchtbaren Kriege nach dem Ersten Weltkrieg, den die Historiker heutzutage weitgehend verdrängt haben [der andere war der griechisch-türkische, der erst zwei Jahre später enden sollte]. Was immer man gegen die weltfremden Grenzziehungen eines Lord Curzon in Indien sagen kann, die in Ostmitteleuropa waren nachvollziehbar und sogar vernünftig - nicht umsonst war Stalin in den Ergänzungen zum Ribbentrop-Molotow-Pakt mit seinen Gebietsansprüchen nicht über diese "Curzon-Linie" hinaus gegangen, und nicht umsonst hatte England den Bestand Polens nie über diese hinaus garantiert und folglich der Sowjet-Union 1939 auch nicht den Krieg erklärt, als sie sich die 1921geraubten Gebiete zurück holte.) Wenn dieser Staat von der Landkarte verschwand, dann konnte das - da hatten Hitler und Stalin durchaus Recht - nur gut sein für den Frieden in Europa und in der Welt. Und macht Euch bitte nichts vor, liebe deutsche Leser: Wenn Churchill und Roosevelt statt auf Stalin auf Sikorski gesetzt hätten und 1945 ihre Panzer weiter nach Osten hätten rollen lassen (wie einige deutsche Militärs bis zuletzt hofften, in Verkennung der Tatsache, daß sie dabei nur als Kanonenfutter verheizt worden wären, um den Angelsachsen die Kastanien aus dem Feuer zu holen), dann hätte das im Ergebnis lediglich bedeutet, daß die Polen zu den deutschen Ostgebieten bis zur Oder-Neisse-Grenze auch noch den Rest Litauens, Weißrußlands und der Ukraïne mindestens bis zum Dnepr bekommen hätten - also das Iagellonische Reich in den Grenzen von 1569 -; die Ostdeutschen wären ebenso brutal ermordet oder vertrieben worden wie es unter Stalins Marionetten geschah, denn Polen werden immer Polen sein, und nur ein toter Pole... pardon, da ist Dikigoros doch eine Zeile aus einer anderen "Reise durch die Vergangenheit" in die Feder gerutscht. Was er sagen will ist: Die Russen empfanden und empfinden noch immer so etwas wie eine Haßliebe gegenüber den Deutschen - die Polen dagegen nur Haß, und auch Sikorski haßte nichts und niemanden auf der Welt so sehr wie die Deutschen.

Deshalb war er sicher ursprünglich auch überzeugt, daß die Ermordung der polnischen Offiziere bei Katyn nur auf das Konto der bösen Nazi-Deutschen gehen konnte - schließlich glaubt man in der Regel nur das, was man glauben will; und selber hinfahren und nachsehen konnte er ja schlecht. Wenn die Deutschen nun erklärten, daß dieses Verbrechen vielmehr von den Sowjet-Russen begangen worden sei, konnte es sich dabei doch nur um eine Schutzbehauptung handeln, oder? Aber nach und nach kam die Wahrheit heraus, und während das den Angelsachsen eigentlich sch... egal war, machten die Exil-Polen um Sikorski ein großes Buhei darum, so groß, daß Stalin und Roosevelt die Briten ganz offiziell aufforderten, Sikorski endlich fallen zu lassen oder sonstwie zu beseitigen. Im Juli 1943 - kurz vor der alliierten Invasion auf Sizilien - flog Sikorski nach Ägypten, um polnische Truppen zu inspizieren, die als Kanonenfutter für die Kämpfe in Italien vorgesehen waren. Auf dem Rückweg machte er in Gibraltar Station. Auf dem Weiterflug nach London stürzte sein Flugzeug kurz nach dem Start ab, fiel ins Meer, und alle Insassen außer dem Piloten ertranken. Einen Tag später stand bereits in der deutschen Presse, daß die Briten den unbequemen Sikorski im Einvernehmen mit den Sowjets ermordet hätten.

Nun ist das Vorhandensein eines Motivs allein zwar eine notwendige, aber keine ausreichende Voraussetzung, so etwas anzunehmen. Ein wenig mehr muß schon zusammen kommen. Nehmen wir zunächst die Tatsache, daß Sikorski schon im Jahre 1942 zwei weiteren Flugzeug-"Unfällen" nur knapp entgangen war": Einmal hatte ein polnischer Offizier in seiner Begleitung die im Flugzeug versteckte Bombe rechtzeitig entdeckt und unschädlich gemacht (die Briten setzten ihn unter Rauschgift, zwangen ihn zu der Aussage, er habe die Bombe selber ins Flugzeug gebracht, und ermordeten ihn anschließend mit Gift in einem schottischen "Sanatorium"), das andere Mal hatten über Montreal plötzlich beide Triebwerke ausgesetzt; aber der Pilot war geistesgegenwärtig genug, die Maschine noch zu wenden und eine saubere Bruchlandung aufs Rollfeld hinzulegen. Beide Vorkommnisse wurden aus der britischen Kriegschronik gestrichen, und das spricht für sich, ist aber natürlich auch noch kein hinreichende Indiz. (Obwohl sich Dikigoros den Hinweis erlaubt, daß auch die tödlichen "Unfälle" von Uwe Barschel und Jürgen W. Möllemann nicht die ersten Versuche ihrer Art waren.) Fest stehen dürfte heute, daß der Chefpilot von Sikorskis "Unglücks"-Maschine, der tschechische Hauptmann Eduard Prchal, den "Unfall" absichtlich herbei führte: Zwei glaubwürdige Zeugen - ein Funkoffizier und ein Artillerist, die beide vom offiziellen Untersuchungs-Ausschuß nicht vernommen wurden - haben unabhängig voneinander ausgesagt, daß die Maschine nicht etwa abstürzte, sondern in glattem Sinkflut wasserte, sauber aufsetzte, woraufhin ein Pilot in Schwimmweste aus dem Maschine kletterte, ins Meer sprang und die Kiste unter sich seelenruhig mit Mann und Maus absaufen ließ. Das Detail mit der Schwimmweste ist wichtig, da Prchal als einer der besten Piloten der RAF galt, sich auch selber dafür hielt, entsprechend leichtsinnig war und deshalb sonst nie eine Schwimmweste anlegte. Da aber auch die vom Untersuchungsausschuß gehörten Zeugen übereinstimmend aussagten, daß sie Prchal mit Schwimmweste aus dem Wasser fischten, muß er ausgerechnet bei jenem Flug eine angehabt haben; und was die Sache noch verdächtiger macht: er bestritt genau das vor dem Ausschuß, obwohl jedermann klar sein mußte, daß er ohne jene Weste ebenso wenig überlebt hätte wie alle anderen an Bord.

Die entscheidende Frage aber lautet: Warum ermordete Prchal Sikorski und seine Begleiter? Aus eigenem Antrieb? Hatte er als Tscheche vielleicht einen Grund, die Polen zu hassen? Gewiß - aber hatte er auch einen Grund, die Sikorski-Fraktion mehr zu hassen als die nach seinem Tode unweigerlich an die Macht kommenden kommunistischen Marionetten Stalins? Das ist eine gute Frage, die man nicht einfach aus der Rückschau und dem Wissen, daß es den Tschechen unter den Russen auch nicht gerade gut erging, mit "nein" beantworten darf. Prchal kehrte 1945 nach Prag zurück, ließ 1948 seinen Tod fingieren (einer seiner Kollegen stürzte "für ihn" ab), floh aber ein Jahr später, als die stalinistischen Säuberungsprozesse auch in der CSSR einsetzten, außer Landes. Interessanter Weise gewährten ihm ausgerechnet die USA Asyl - und das taten die für gewöhnlich nur, wenn es sich um verdiente Kollaborateure handelte. Wir dürfen also annehmen, daß Prchal zu seiner Tat angestiftet wurde und dürfen uns aussuchen, von wem: Von den Briten (in deren Dienst er offiziell als RAF-Pilot stand), von den Sowjets (die ihn nach 1945 zurück holten und in eine relativ hohe Position hievten) oder von den Amerikanern (die ihm schließlich Asyl gewährten)? Oder von allen zusammen? Nein, das hält Dikigoros für unwahrscheinlich, denn so grün waren sich Amerikaner und Briten damals nicht, daß sie einander in derartige Dinge eingeweiht hätten; und die Sowjets hätten die Sache nach 1945 auf sich beruhen lassen und nicht noch Prozesse gegen die vermeintlichen tschechischen (!) Attentäter geführt, wenn sie selber die Finger im Spiel gehabt hätten. Der deutsche Schriftsteller und Theater-Autor Rolf Hochhuth behauptete in den 60er Jahren, Informationen vom Britischen Secrete Service zu haben, die eine Schuld Churchills bewiesen, und machte daraus ein Theaterstück mit dem Titel "Soldaten", das einen großen Skandal verursachte (Churchill lebte noch!) und darob einen ebenso großen Erfolg hatte. David Irving - damals noch kein Deutschen-Freund, sondern ein braver Patriot - wischte nach umfangreichen Untersuchungen alle Verdächtigungen vom Tisch und veröffentlichte ein ziemlich harmloses Buch unter dem Titel "Accident - the Death of General Sikorski [Unfall - der Tod General Sikorskis]" - lediglich der deutsche Verleger gab ihm den reißerischen Titel "Mord aus Staatsräson" (ohne Fragezeichen!). Vier Jahre nach Churchills Tod schrieb Carlos Thompson, ein zwielichtiger Argentinier (der mit einer bekannten deutschen Schauspielerin verheiratet war) ein Buch zu dessen Verteidigung, das er "Die Ermordung des Winston Churchill" nannte (gemeint war natürlich "Rufmord"); es ist ebenso nichtssagend wie langweilig geschrieben, weder beweist noch widerlegt es irgend etwas schlüssig. Eigentlich ist es nur eine Ansammlung von Persilscheinen, in denen jeder jedem bestätigt, daß er ein ehrenwerter Mann sei, dem ein Mord, eine Anstiftung dazu oder irgendeine andere wie immer geartete Beteiligung daran nie und nimmer zuzutrauen sei. Das einzig interessante sind die Passagen über die Begegnungen des Autors mit David Irving, die erklären, warum der letztere sein Buch so "zahm" enden läßt, ohne die nahe liegende Schlußfolgerung, daß Sikorski ermordet wurde, auszusprechen: Er hatte Angst, von Churchills Verbrecherbande (der Diktator selber war inzwischen verstorben) mit Verleumdungsklagen überzogen zu werden.

DER VERSCHWUNDENE FÜHRER
Subhash Chandr Bosh (+1945)
von Bengalen nach Taiwan

Politisch und geschichtlich interessierten Ausländern würden, wenn sie nach den großen geistigen und politischen Führern Indiens im 20. Jahrhundert gefragt würden, sicher einige Namen einfallen: Die meisten dürften Gandhi und Nehru kennen (was man so "kennen" nennt - jedenfalls ihre Namen schon mal gehört haben), viele auch Tagore und Tilak, ein paar vielleicht sogar Ambedkar und Patel. Aber "Bosh"? Wer soll das bitte sein? Nun, liebe Leser, wenn Euch Dikigoros nach "Takhur" gefragt hätte, würden die meisten von Euch - so sie nicht bereits seine Seiten über Indien und den Film "Gandhi" gelesen haben - damit wohl auch nicht viel anfangen können. Das liegt daran, daß Takhur und Bosh Bengalen waren, und daß sich für ihre Namen nicht nur im Ausland, sondern auch im übrigen Indien eine völlig falsche Schreibweise durchgesetzt hat, nämlich "Tagore" und "Bose". Warum waren so viele Hindus aus Bengalen gesamt-indische Patrioten? Ganz einfach: In einem unabhängigen Bengalen (das ethnisch, kulturell, wirtschaftlich und politisch durchaus eine Existenzberechtigung gehabt hätte) wären sie eine religiöse Minderheit unter einer muslimischen Mehrheit gewesen; und wer nur ein wenig Ahnung von indischer Geschichte hatte, mußte dem eine gesamt-indische Regierung unter Hindu-Mehrheit vorziehen. So auch Subhash Chandr Bosh, der Mann, den die Inder "Netaji" nannten (und nennen) - "lieber Führer". Da werden, zumal bei deutschen Lesern, sogleich unschöne Reminiszenzen wach: War das nicht der böse Bose, der mit dem national-sozialistischen deutschen Diktator Hitler paktierte, gegen die edlen, demokratischen Briten, die doch für Indien nur das Beste wollten, nämlich die britische Kolonialherrschaft? Ja, das war er - übrigens schon lange bevor Hitler in Deutschland an die Macht kam. Bosh hatte - wie so viele andere der zuvor genannten auch - in England studiert und war dann mit der Idee nach Hause zurück gekehrt, daß Indien endlich unabhängig werden müsse. Er wurde Mitglied - und später Vorsitzender - der "Swarāj-[Selbstregierungs-]Partei" und Bürgermeister von Kalkutta. Die Briten warfen ihn ein ums andere Mal ins Gefängnis, aber Aufstände in Bengalen erzwangen immer wieder seine Freilassung. 1931 rief er einseitig die Unabhängigkeit Indiens aus - diesmal steckten ihn die Briten nicht ins Gefängnis, sondern verwiesen ihn des Landes. Bosh reiste in aller Welt - vor allem in Europa - herum und machte Propaganda für die indische Unabhängigkeit. 1938 kehrte er nach Indien zurück und wurde prompt zum Vorsitzenden des "All India Congress" gewählt. Ein Jahr später erklärten die Briten dem Deutschen Reich den Krieg, zwangen Bosh zum Rücktritt und stellten ihn unter Hausarrest. Bosh entkam und floh in einem japanischem U-Boot nach Deutschland. Dort gab es reichlich indische Kriegsgefangene, denn die Briten führten ihren Krieg einmal mehr bis zum letzten Inder; und aus denen rekrutierte Bosh eine "Indische National-Armee", mit der er ins - inzwischen von den Japanern besetzte - Assam ging, um Indien frei zu kämpfen. Im Oktober 1943 erklärte er erneut die Unabhängigkeit Indiens - aber es ging schief. Als Japan im August 1945 kapitulierte, versuchte Bosh, per Flugzeug zu fliehen. Kurz vor Taiwan - das damals noch zu Japan gehörte - stürzte das Flugzeug ab, Bosh war verschwunden und tauchte nie wieder auf, Amen.

Was wäre nun so schlimm daran, wenn die Briten - oder wer auch immer - Bosh "verunfallt" hätten? War er nicht ein erklärter Kriegsgegner, der es nicht besser verdiente? Das ist eben die Frage, liebe Leser. Unter zivilisierten Völkern ist es allgemein üblich, die Kampf- und Tötungshandlungen nach Kriegsende einzustellen. Allerdings sahen das die Alliierten des Zweiten Weltkrieg etwas anders: Zunächst einmal beendete nach ihrer Auffassung die Kapitulation der Deutschen und Japaner den Kriegszustand nicht (den sollten sie erst zehn Jahre später für beendet erklären, übrigens ohne "Frieden" zu schließen); außerdem hörten sie nicht mit dem Töten auf - ganz im Gegenteil: Nun, da die besiegten sich nicht mehr militärisch verteidigen konnten, setzten die Mordorgien an den wehrlosen Kriegsgefangenen und Zivilisten erst richtig ein: etwa 30 Millionen Deutsche, Inder und Japaner wurden in den Jahren 1945-47 ermordet oder vertrieben; und einigen wurde sogar hochoffiziell der "Prozeß" als "Kriegsverbrecher" gemacht. Zweifellos wäre auch Bosh darunter gewesen, wenn er denn überlebt hätte? Warum sollten sich die Briten also jenes schöne Schauspiel entgehen lassen und statt dessen einen Unfall vortäuschen? Nun, sie hatten ja schon in den 30er Jahren gesehen, wohin es führte, Bosh zu verurteilen und ins Gefängnis zu werfen: zu Aufständen. Was wäre wohl erst geschehen, wenn sie Bosh offen hingerichtet hätten? Das ist keine müßige Spekulation, denn wir haben die Antwort darauf. Die Briten versuchten nämlich, die nicht geflohenen, sondern in Gefangenschaft geratenen Angehörigen der "Indischen National-Armee" vor Gericht zu stellen und sie - ähnlich wie die Angehörigen der Waffen-SS in Deutschland - pauschal als Angehörige einer "kriminellen Vereinigung" abzuurteilen. Das Resultat war ein Generalstreik, der alle britischen Einrichtungen in Indien - vor allem die Häfen - lahm legte. Er wird von den heutigen "Historikern" gerne in eine Fußnote verbannt und bisweilen sogar als "kommunistischer" Streik bezeichnet; aber das ist falsch - ganz Indien beteiligte sich wie ein Mann, unabhängig von der politischen Einstellung und erzwang die Niederschlagung des Prozesses gegen die "Freiheitskämpfer", wie sie nun einhellig genannt wurden. Die Briten hatten also richtig damit gelegen, Bosh heimlich zu ermorden - aber es half ihnen nichts. Zwei Jahre später mußten sie Indien doch in die Unabhängigkeit entlassen; Boshe wurde als "Netaji" zur Ikone und ist es bis heute geblieben.

(...)

Im Jahre 2001 fühlten sich die Briten bemüßigt, eine offizielle Erklärung heraus zu geben, wie Bosh gestorben sei: Er sei nach dem Absturz in ein japanisches Militärhospital in Taihoku eingeliefert worden (wenn also jemand "schuld" war an seinem Tode, dann die Japaner!), man habe ihn aber dort nicht mehr retten können. Da es aus irgendwelchen Gründen nicht möglich gewesen wäre, seine Leiche irgendwohin zu überführen, habe man seine Leiche verbrannt. Das alles habe ein japanischer Stabsarzt 1945 bei der Vernehmung durch den britischen Geheimdienst ausgesagt, voilàa. Warum man mit dieser Vernehmung den Geheimdienst beauftragt hatte und mit der Veröffentlichung dieser Aussage schlappe 56 Jahre gewartet hatte? Dikigoros weiß es auch nicht. Aber die Geschichte geht noch weiter: Am nächsten Morgen sollte Boshes Asche per Flugzeug nach Japan weiter transportiert werden; doch kurz nach dem Start - wie bei Sikorski - explodierte das Flugzeug und stürzte ab. Was sollte das? Hätten sich die Briten die Mühe gemacht, ein Flugzeug mit Boshes Asche zu sabotieren? Bestimmt nicht. Für viel wahrscheinlicher hält Dikigoros doch eine andere Version: Bosh war nicht etwa vor Taiwan abgestürzt, sondern sicher gelandet und wollte am nächsten Tag - durchaus nicht in Aschenform, sondern quicklebendig - nach Japan weiter fliegen; aber just dieses Flugzeug wurde abgestürzt. Dafür spricht auch, daß die Asche des lieben Verunfallten nicht etwa beim "zweiten" Absturz verloren ging, sondern dem Vernehmen nach in den Renkoji-Tempel von Tōkyō verbracht wurde.

DAS LAND DER FREIEN
König Rama VIII (+1946)
von London nach Bangkok

Nein, nicht "the land of the free" aus der amerikanischen Nationalhymne - darüber schreibt Dikigoros an anderer Stelle -, sondern das Land in "Hinter-Indien", das die Inder "Syām" [gesprochen "ßjaam", also einsilbig] nannten, was die Deutschen zu "Siam" [gesprochen "Sie-am", zweisilbig und mit weichem s] verballhornten, und das seit 1939 offiziell "Thailand" genannt wird - halt "Land der Freien". (Und da wir gerade dabei sind: Das aus dem Sanskrit stammende "Rama" spricht sich richtig "Raam" aus, mit langem Stamm-a und stummer Silbenendung am Wortende.) Freiheit wessen wovon wozu? pflegt Dikigoros zu fragen, und ein Freistaat ist Thailand ja auch nach den großzügigsten staatsrechtlichen Definitionen nicht, sondern vielmehr eine Monarchie. Aber, liebe Leser, laßt Euch doch nicht einreden, daß das Volk in einer Monarchie notwendigerweise weniger "frei" sein müßte als etwa in einer Republik - für die Staatsform, wie sie in Form einer Verfassung auf geduldigem Papier geschrieben steht, kann man sich oft verdammt wenig - oder gleich gar nichts - kaufen, zumal in einem Land, wo die Mehrheit der Menschen bis heute nicht richtig lesen und schreiben kann. (Obwohl ja zumindest theoretisch alle männlichen Bürger mal ihren Dienst im buddhistischen Tempel abgeleistet und das dabei gelernt haben sollten; aber da wird halt auch mehr herum gealbert als ernsthaft studiert, und so ist das in der Praxis ebenso wenig die "Schule der Nation" wie das Militär anderswo - aber das ist eine andere Geschichte.) Thailand war (und ist :-) eine merkwürdige Monarchie: Theoretisch ist der Monarch ein absoluter - und das Volk findet das gut so. Dennoch ist es im syám'schen Königshaus schon seit einigen Generationen üblich, seinen Kindern eine "westliche" Ausbildung angedeihen zu lassen. Fleißige Leser der "Reisen durch die Vergangenheit" haben über die Anfänge dieser schönen Tradition bereits an anderer Stelle mehr erfahren. Auch die Prinzen Anand Mahidol und Adulyaday Bhumipol wurden ins Ausland geschickt, um dort zu studieren.

Vielleicht nicht nur wegen der Studien, denn es war eine böse Zeit, die dreißiger und vor allem die vierziger Jahre. Die Thais hatten es zwar durch geschicktes Lavieren immer wieder verstanden, sich dem Zugriff des großen Bruders China (im Norden) und der Kolonialmächte Frankreich (im Osten) und England (im Westen und Süden) zu entziehen und auch im Ersten Weltkrieg neutral zu bleiben, aber als der Zweite Weltkrieg ausbrach, hatten sie keine Wahl: Die Japaner besetzten Südostasien und verlangten von Thailand freien Durchmarsch ihrer Truppen zum Angriff auf Malaya und Barmá, das zu Britisch-Indien gehörte. Nein, es war keine reine Erpressung, das muß man zur Ehrenrettung der Japaner sagen, denn sie boten den Thais durchaus eine Gegenleistung: Sie durften sich aus Französisch-Indochina ein schönes Stück heraus schneiden, genauer gesagt die Grenzgebiete von Laos und Kambodja, in denen ohnehin ihre Stammverwandten lebten. (Vor allem Ihr, liebe Sextouristen, kennt sie nur zu gut: Manche Thais behaupten zwar, die Leute aus dem "Isaan" seien eigentlich gar keine Thais, sondern vielmehr Laoten; aber tatsächlich sind dies die echten Thais, die nicht weiter nach Südwesten gewandert sind und sich nicht mit anderen Stämmen vermischt haben, im Gegensatz zu dem Volk, das heute in West-Thailand sitzt. Wenn Ihr also heutzutage einer Prostituierten aus dem Isaan begegnet - über 90% der Valuta-Nutten in Bangkok und Pattaya kommen von dort her; andere geben sich nicht mit ausländischen, zumal fremdrassigen "Falangs" ab, sondern treiben es auch im Puff nur mit Landsmännern -, dann seid versichert, daß Ihr die eigentlich "echtesten" Thailänderinnen im Bett habt :-) Das alles geschah im Namen Anandas Mahidol, der gerade mal neun Jahre alt war, als sein Onkel Rama VII anno 1935 abdankte und er selber als Rama VIII König wurde. [Die tatsächliche Regierungsgewalt lag allerdings bei den Militärs, die 1932 geputscht hatten, 1938 in Person des Generals Songkhram Phibun auch formell die Macht ergriffen und sie bis vor kurzem (böse Zungen sagen sogar: bis heute) behauptet haben.] Das ging so lange gut, wie die Achsenmächte auf der Siegerstraße waren, so gut, daß die Thais sogar unvorsichtig genug waren, Groß-Britannien und den USA den Krieg zu erklären.

(...)

BLAUE BOHNEN STATT OSTEREIER
Don Alfonso de Borbón (+1956)
von Madrid nach Estoril

Erinnert Ihr Euch noch, liebe ältere Leser, an die Zeit, da das Schuljahr nicht im Herbst, sondern zu Ostern begann, genauer gesagt nach den Osterferien? Das war nicht nur in Deutschland so, sondern auch anderswo auf der Welt. Und wenn Ihr schon so alt seid, dann wißt Ihr vielleicht auch noch, daß das portugiesische Seebad Estoril damals noch nicht diese herunter gekommene Verlängerung von Cascais war, als die es sich dem Auge des enttäuschten Besuchers heute darbietet, sondern eine ganz mondäne Sommerfrische mit teuren Hotels, einem großen Casino (dessen Gebäude heute noch steht, freilich nur als bessere Ruine), einem berühmten Autorennen und exklusiven Privatstränden. Gar mancher abgehalfterte, pardon abgedankte Monarch brachte hier nach dem Zweiten Weltkrieg sein Vermögen durch; und wenn man aus der Nähe kam und glaubte, bald wieder auf seinen Thron zurück kehren zu können, dann drängte sich das ja auch auf. Zum Beispiel für den spanischen Ex-König Don Juan de Borbón - der seinem Namen übrigens alle Ehre machte: Ein Weiberheld, der von Politik nichts verstand und schon von den kommunistischen "Republikanern" verjagt worden war. Auch die Falangisten rissen sich, nachdem sie den Spanischen Bürgerkrieg gewonnen hatten, nicht gerade um den Nachfahren jener degenerierten Seitenlinie der Bourbonen, die seit dem Spanischen Erbfolgekrieg gut zwei Jahrhunderte zuvor auf den spanischen Thron gelangt waren und sich seither mehr mit Rum als mit Ruhm bekleckert hatten. Aber der "Caudillo" Francisco Franco hatte aus unerfindlichen Gründen (etwa aus Bosheit?) beschlossen, Spanien nach seinem Ableben wieder zur Monarchie zu machen und einen der beiden Söhne Don Juans auf den Thron zu hieven: den kurz vor Ende des Bürgerkriegs geborenen Juan Carlos oder seinen vier Jahre jüngeren Bruder Alfonso. Aber sie sollten bessere Politiker werden als ihr Vater, und da sie einer französischen Adelsfamilie entstammten (genauer gesagt einer baskischen, aber das ist eine andere Geschichte), schickte man sie einstweilen auf die französische Schule von Madrid. In den Ferien durften sie zu ihren Eltern nach Portugal reisen - so auch in den Osterferien 1956. Für Alfonso sollte es die letzte Reise werden; als Juan Carlos allein zurück kehrte, war er der unangefochtene Thronerbe.

Was sich auf der Reise ereignet hatte, wurde tot geschwiegen - in einer Diktatur ist das einfacher als in Ländern, wo die Papparazzi frei herum laufen und schreiben dürfen, was sie wollen. Offiziell war Alfonso verunfallt: Er war in einen Revolver-Schuß gestolpert, der sich versehentlich gelöst hatte - ein sauberer Kopfschuß aus kürzester Entfernung mitten durch die Stirn. Der Schütze war sein Bruder Juan Carlos gewesen; sein eigener Vater ließ die Tatwaffe verschwinden; und General Franco hieß das ganze gut.

Exkurs. Franco wäre auch der letzte gewesen, der ob solcher "Unfälle" unangenehme Fragen hätte stellen dürfen. Er verdankte seine ganze Karriere ebensolchen. Kurz vor Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs, am 20. Juli (ja, liebe deutsche Leser, auch in anderen Ländern ist das ein ominöses Datum!) 1936, verunglückte der Anführer der aufständischen Nationalen, General Sanjurjo, im portugiesischen Exil, als er gerade nach Spanien fliegen wollte, um den Oberbefehl zu übernehmen. Sein Pilot - einziger Zeuge des Vorfalls -, der das Flugzeug beim Start vor eine Mauer gesetzt hatte, selber unverletzt blieb, aber leider nicht in der Lage war, Sanjurjo aus den Trümmern zu befreien, faselte etwas von einem "kommunistischen Anschlag" - die Propeller hätten plötzlich ausgesetzt -, aber die Kommunisten wären nun die letzten gewesen, die Sanjurjo hätten beseitigen wollen, denn der war zwar ein persönlich tapferer Haudegen, aber strategisch eine ziemliche Null. Das wußten auch seine "Kollegen", die sich daraufhin in den Oberbefehl der Nationalen teilten - Mola, Queipo de Llano und Franco. Nun wollte es der Zufall, daß ein Jahr später - im Juni 1937 - auch General Mola eine Flugreise antrat, in die kastilische Hauptstadt Burgos, wo er den Oberbefehl übernehmen sollte. Unter ungeklärten Umständen landete auch sein Flugzeug an einem Berg, er war sofort tot; angeblich hatte der Pilot im dichten Nebel die Orientierung verloren. So so... Franco machte nie einen Hehl daraus, daß er Mola für einen "Dummkopf" hielt und über seinen Tod froh war. (Ob es wirklich nur "Dummheit" war, die ihn störte, oder vielmehr die Tatsache, daß sowhl Sanjurjo als auch Mola Anhänger der navarrischen "Carlisten" waren, die ihm etwas gehustet hätten, wenn er Anstalten gemacht hätte, den "falschen Prätendenten" Juan Carlos auf den spanischen Thron zu setzen, will Dikigoros mal dahin stehen lassen.)

(...)

NOBELPREIS FÜR EINE LEICHE
Dag H.A.C. Hammarskjöld (+1961)
von Schweden nach Katanga

Da die Ermordung Alfonsos Jahrzehnte lang vertuscht wurde, war der 1961 "verunfallte" General-Sekretär der UNO das erste "Unfall"-Opfer dieser "Reise durch die Vergangenheit", das zu Dikigoros' Lebzeiten bekannt wurde. Aber er war damals noch zu jung, um das richtig zu verstehen; und wenn er ehrlich ist, versteht er es jetzt, da er alt genug wäre, immer noch nicht ganz. Hammarskjöld war (wie fast alle UN-General-Sekretäre vor und nach ihm auch :-) eine komische Figur. Niemand konnte und kann sagen, wem er alles im Wege war - böse Zungen behaupten gar, daß niemand sagen konnte und kann, wem er damals nicht im Wege gewesen wäre. Worum ging es? Um ein Land, das bis heute nicht zur Ruhe gekommen ist, das einstmals reichste Schwarzafrikas, das Herzland am großen Fluß, am Kongo. Viel Böses ist gesagt und geschrieben worden über die belgische Kolonialherrschaft im allgemeinen und über das persönliche Regime des belgischen Königs Leopold im besonderen. Heute wissen wir, daß alles relativ ist und daß jene Kolonial-Epoche, verglichen mit den Verhältnissen davor und danach, für den Kongo und seine Bewohner die segensreichste Zeit seiner Geschichte war. Ethno-Linke (die Vorläufer der heutigen "Gutmenschen") und andere verbrecherische Elemente begannen Anfang der 60er Jahre, zum Schaden aller Afrikaner - der weißen, der braunen und der Schwarzen - die so genannte "Dekolonisierung" des Kontinents zu propagieren, und federführend waren die Narren bei der UNO, die sich nicht entblödeten, auf ihrer 15. Generalversammlung die "Magna Charta der Entkolonialisierung" zu verkünden. Welch ein Wort, liebe Leser, welch ein Wort: "kolonisieren" bedeutet ja im wohl verstandenen Sinne der lateinischen Vokabel ein Land urbar machen, es be- und aufbauen, es mit produktiven Menschen zu besiedeln, also etwas durch und durch Positives. Das Gegenteil davon kann nur bedeuten, all das zu zerstören und das Land öd und wüst zurück zu lassen - und genau so sollte es letzten Endes kommen. Der Abzug der Kolonialverwaltungen ließ untereinander verfeindete Eingeborenenstämme und -völker zurück, die mit ihrer neu gewonnenen "Freiheit" nichts besseres anzufangen wußten, als sich sogleich in Machtkämpfe und Bürgerkriege zu stürzen, welche die gesamte Infrastruktur, welche die weißen Kolonisten in Jahrzehnten mühsam aufgebaut hatten, in wenigen Monaten zerstören sollten. (Ja, sie wurden auch aufgehetzt, von Kommunisten und Kapitalisten gleichermaßen; aber dessen hätte es gar nicht bedurft, wie wir nach dem Untergang des Kommunismus schmerzlich erfahren haben!)

Der Schlimmste dieser Bürgerkriege war der im Kongo - und alle mischten mit: Belgien, Frankreich, die USA - und nicht zuletzt die Kongolesen selber. "Die" Kongolesen? Ach, liebe Leser, wenn es die denn gegeben hätte! Es gab, wie überall in Afrika, viele Völker, auf die bei der Ziehung der Kolonialgrenzen niemand Rücksicht genommen hatte - und die wollten jetzt womöglich ihren eigenen Staat, keinen Multi-Kulti-Mischmasch! Und viele von ihnen wären dazu wirtschaftlich, kulturell und auch sonst ohne weiteres in der Lage gewesen - wenn sie nicht die bösen Nachbarn daran gehindert hätten. Sie wären es vielleicht selbst dann noch gewesen, wenn ihnen nicht die weißen Großmächte - die gerade gegangenen Kolonialherren a.D. - in den Rücken gefallen wären. Die stellten ganz andere Überlegungen an: Diese Neger sehen doch alle gleich aus, warum sollen die da alle einen extra Staat bekommen? Je weniger, desto besser, mit desto weniger Häuptlingen müssen wir verhandeln, wenn wir Wirtschaftsverträge zu unserem Vorteil abschließen wollen, desto weniger Schmiergeld, desto weniger Reibereien... Und überhaupt: Wenn sich all die tüchtigen kleinen Völker und Stämme unabhängig machen, wer alimentiert dann die großen, dumpfen Massen drum herum? Etwa weiter die Weißen? So hatte man nicht gewettet, um das zu verhindern, hatte man im Zeitalter des heraufziehenden Sozialstaats, in dem Regieren der Untertanen nicht mehr bedeutete, sie ordentlich auszubeuten, sondern vielmehr, sie mit kostspieligen sozialen Wohltaten zu überschütten, die Kolonien doch gerade in die Unabhängigkeit entlassen! Weg mit Schaden, aber bitte ohne Folgeschäden und Folgekosten! Nun waren sich die weißen Großmächte zwar insoweit einig, aber untereinander durchaus nicht grün; jede versuchte vielmehr, ihr eigenes Süppchen zu kochen. Die meisten Dumpfbacken im Westen sahen dahinter nur einen Kampf um irgendwelche Ismen: War Lumumba nicht Kommunist, und war Kasavubu nicht Kapitalist? Und war Tschombé nicht Separatist? Und war Mobuto nicht ein guter Demokrat? Das glaubt Ihr doch wohl selber nicht, liebe Leser, oder? Die "echten" Kongolesen - oder jedenfalls diejenigen, die man am ehesten so nennen darf -, waren die Bakongo ["Ba" heißt Volk oder Stamm, aber auch die Volkssprache oder der Stammesdialekt], die am Unterlauf des gleichnamigen Flusses um die Stadt Boma herum saßen. Ihr Führer war schon seit einem Jahrzehnt Joe Kasavubu - wenn Ihr ihm also unbedingt ein ideologisches Mäntelchen umhängen wollt, dann war er ein Nationalist. Dann gab es die Mongo-Tetela - die saßen in der Ecke um Sankuru herum. Ihr Führer war ein gewisser Pat Lumumba. Dann waren da die Lunda, die bildeten die relative Mehrheit in der reichen Südprovinz Katanga; ihr Führer war ein gewisser Mo Tshombé. (Das waren die wichtigsten "Staatsmänner"; Dikigoros will Euch nicht mit noch mehr Namen verwirren, zumal die ja eh alle gleich klingen, nicht wahr, liebe Weiße?) Dann waren da noch die Lulua und die Luba; beide saßen in der Provinz Kasai, wobei die Lulua zuerst da waren - die Luba waren meist Asylanten und entlaufene Sklaven aus den Nachbarländern, die sich aber inzwischen wie die Kanickel vermehrt hatten und die zahlenmäßige Mehrheit in der Provinz stellten. (Ja, liebe deutsche Leser, das Schicksal der Lulua steht Euch auch noch bevor, zumal wenn Ihr jüngere Semester seid!) Das gibt zwangsläufig Knatsch und blutige Köpfe, denn Lumumbas Tetela-Leute - von je her Feinde der Luba - schließen sich den Lulula an; die Luba-Asylanten werden vertrieben, pardon ausgesiedelt bzw. ausgewiesen. Die anschließenden Wahlen im ganzen Kongo bringen dennoch keine klaren Mehrheiten - nicht einmal innerhalb der Provinzen. Was machen die Politiker? Das dümmste, was man tun kann: Sie einigen sich auf Beibehaltung einer Zentralregierung in den alten Kolonialgrenzen und raufen sich zu einer großen Koalition zusammen: Kasavubu wird Präsident, Lumumba Premierminister, Sergeant a.D. Mobuto Generalstabschef, die Weißen werden aus dem Land gejagt, und Tshombé - beleidigt, daß er als einziger keinen dicken Posten abbekommen hat - erklärt die Unabhängigkeit von Katanga; bald machen es ihm die vertriebenen Luba nach und gründen im südlichen Kasai ebenfalls einen unabhängigen Staat. Der Bürgerkrieg kann beginnen, und er wird fürchterlich.

Stop, liebe Leser, machen wir hier eine kurze Pause. Was würdet Ihr angesichts dieser Sachlage jetzt tun, wenn Ihr verantwortliche weiße Politiker wäret? Was, Euch heraus halten? Die Nigger in ihrem eigenen Saft schmoren lassen? Vergeßt nicht, es geht um Euer Erdöl und viele andere schöne Rohstoffe! Wollt Ihr Auto fahren oder lieber wieder zu Fuß gehen? Na also, dann tut mal was für Euer Benzin! Das Erdöl liegt übrigens hauptsächlich in Katanga begraben; dorthin schicken die Belgier - die doch den Kongo gerade erst in die Unabhängigkeit entlassen haben - ihre Fallschirmjäger, die in Katanga praktisch wieder die Verwaltung - und die Verteidigung - übernehmen. Süd-Kasai hat weniger Glück: Die Horden von Mobutos Bakongo-Armee überrollen es und massakrieren die Bevölkerung - die Luba werden praktisch ausgerottet. (Die selbsternannten Weltordnungshüter von der UNO stehen hilflos daneben in ihren lächerlichen blauen Plastikhelmen und schauen zu oder weg.) Danach will kein anständiger Afrikaner mehr etwas mit den Bakongo zu tun haben, geschweige denn sie unterstützen, zumal ihr Zentralstaat so gut wie pleite ist, denn staatliche Einnahmen lassen sich praktisch nur aus den Bodenschätzen in Katanga erzielen, und das ist ja jetzt selbständig. Die Oberdeppen der Zentralregierung geben einander wechselseitig die Schuld; Kasavubu setzt Lumumba ab und umgekehrt; Lumumba wendet sich in höchster Not nach Moskau, und die Sowjet-Russen springen hilfreich in die Bresche - ihre erste Chance, in Afrika Fuß zu fassen! Die US-Amerikaner, nicht faul, unterstützen dagegen Mobuto. Der unternimmt einen Militärputsch; Lumumba wird umgebracht; sein Nachfolger, der Lulua-Häuptling Gizenga, ernennt sich zum Ministerpräsidenten, wird aber ebenfalls von Mobuto abgesetzt, der den Amerikanern die alleinige Ausbeutung der reichen Rohstoffvorkommen in der Südprovinz Katanga verspricht, wenn sie ihm helfen, auch noch Tshombé zu stürzen. Die USA, Hauptfinancier der UNO, lassen also deren - inzwischen bewaffenete - Truppen gegen Katanga marschieren. Dort hat Tshombé gerade den unverzeihlichen Fehler begangen, die belgischen Fallschirmjäger hinaus zu werfen - er glaubt, das könnten seine tapferen Soldaten auch ohne die paar Weißen (es ist eine verstärkte Kompanie von nicht einmal 200 Mann!) erledigen. Er täuscht sich gewaltig: Eine Kompanie gut ausgebildeter belgischer Fallschirmjäger ist militärisch mehr wert als eine Armee undisziplinierter Neger. Tshombés Sarotti-Mohren, pardon Praliné-Soldaten sind schon bis an die Grenze zu Zambia zurück gedrängt, da schreit er plötzlich laut um Hilfe - um Hilfe aus New York, aber nicht von den USA, sondern - von der UNO, in Person Hammarskjölds.

Dikigoros hat sich oft gefragt, was wohl im Gehirn des UN-General-Sekretärs vorgegangen sein muß, als er sich zu einem Treffen mit Tshombé in Katanga bereit erklärte und das Flugzeug bestieg. Was wollte er eigentlich erreichen? Den Frieden bewahren bzw. wieder herstellen, na klar. Aber welchen Frieden? Wie sollte diese Friedensordnung aussehen, auf die er hin arbeitete? Und vor allem: Was konnte er gegen den Widerstand der USA erreichen? Deren Interessen waren ganz klar: Sie wollten die Bodenschätze, möglichst für sich alleine. Tshombé war nicht bereit, sie ihnen zu geben, Mobuto schon - also sollte der auch den ganzen Kongo haben, von Amerikas Gnaden. Inzwischen ist viel Wasser (und viel Blut) den gleichnamigen Fluß hinunter geflossen, und die Archive haben sich geöffnet - vor allem die russischen. Zu Dikigoros' Verblüffung ergaben sie, daß Hammarskjöld tatsächlich Tshombé und die Unabhängigkeit Katangas unterstützen wollte - sehr zur Freude Moskaus, wo man es gar nicht gerne sah, daß die US-Marionette Mobuto den Amerikanern all die schönen Rohstoffe in den Rachen schieben wollte. Aber mußte Hammarkjöld nicht umgekehrt erkennen, wie wichtig den Amerikanern eben diese Rohstoffe waren, und daß sie dafür über mehr als eine Leiche gehen würden? War der Mann lebensmüde?

(...)

Hammarskjölds Tod wurde zu einem "bedauerlichen Unfall" erklärt - Flugzeugabsturz aus ungeklärter Ursache; vielleicht hatte auch irgend jemand blind in die Luft geschossen und dabei versehentlich sein Flugzeug getroffen. Wer weiß...

(...)

Der Rest der Geschichte ist schnell erzählt: Die kongolesische Zentralregierung machte mit Unterstützung der nun ganz auf US-Kurs eingeschwenkten UNO Katanga, "die abtrünnige Provinz", platt, und Mobuto errichtete ein Terror-Regime, das selbst für afrikanische Verhältnisse seines gleichen sucht. Die Weltöffentlichkeit sah weg und bekrittelte statt dessen Länder wie Südafrika (das sich 1961 für unabhängig erklärte), wo es den Schwarzen besser ging als irgendwo sonst in Afrika.

PS: Glaubt Ihr etwa, liebe Leser, die westlichen - oder östlichen - Staaten hätten etwas aus dem Katanga-Abenteuer gelernt? Dann lest mal bei Gelegenheit etwas über den Krieg, der ein knappes Jahrzehnt später in Nigeria ausbrechen wird, als die Ibo versuchen, sich in der an Rohstoffen reichen Ost-Provinz Biafra selbständig zu machen. Es ist müßig, nach Parallelen in den Fehlern der weißen Politiker zu suchen: Die Politiker werden zwar nicht mehr ganz dieselben sein, aber die Fehler ganz genau die gleichen: Wieder wird der Westen die Zentralregierung unterstützen, die Ibos in Biafra vor die Hunde gehen lassen und sich hinterher wundern, daß das Land auf Jahrzehnte hinaus - praktisch bis heute - in Chaos und Bürgerkrieg versinkt. Aber diesmal ist niemand so dumm, sich dafür abschießen zu lassen - schon gar nicht U Thant, der fette, korrupte Buddh aus Barmā, der Hammarskjölds Nachfolger als oberster Sesselpupser bei der UNO geworden ist.

MITGEFANGEN - MITGELANDET
Francisco de Sá Carneiro (+1980)
von Lissabon nach Camarate

(...)

NICHTS FÜR SEGELFLIEGER
Jaime Roldós Aguilera (+1981)
von Quito zum Huairapungo

(...)

NICHT OHNE MEINEN KANAL
Omar Torrijos Herrera (+1981)
von Coclesito nach Panamá

(...)

OPERATION HANNIBAL
Uwe Barschel (+1987)
von Kiel nach Genf

Dikigoros ist sich nicht ganz sicher, ob das Verb "[er]barscheln" schon allgemeinen Eingang in den deutschen Wortschatz gefunden hat; er selber hat es jedenfalls seit jener unglücklichen letzten Reise seines Kollegen Uwe B. in die Schweiz immer in dem Sinne gebraucht: einen lästigen Konkurrenten mittels eines als Selbstmord getarnten Mordes aus dem Wege räumen - und damit hat er eigentlich schon verraten, daß er selber keiner der vielen Theorien, die noch immer im Umlauf sind, glaubt, ebenso wenig wie dessen Witwe Freya. Offen gestanden glaubt Dikigoros gar nichts mehr, was im STERN steht, seit jener unseligen Affäre um die "Hitler-Tagebücher" anno 1983, und just dieses Blatt berichtete ja auch als erstes in großer Aufmachung über den Tod des deutschen Ministerpräsidenten in der französischen Schweiz und stellte so in den Augen einiger unkritischer Zeitgenossen seinen Ruf als "seriöse Illustrierte" wenigstens teilweise wieder her. Wer die Verfilmung der ersteren Affäre unter dem Titel "Schtonk" gesehen hat, muß hier schon über die Namensgleichheit stolpern. (Nein, liebe Leser, die Ihr nur Dikigoros' "Schtonk"-Aufsatz kennt, Ihr nicht, denn er hat ja die "Frauengeschichten" bewußt außen vor gelassen.) Den heute so selten gewordenen Namen Freya trug nämlich im Film auch die Geliebte von "Hermann Willié", die eine Nichte [richtig Tochter] Görings darstellte, die in Wahrheit ganz anders hieß. Es war wohl pure Bosheit des Regisseurs, statt dessen den Namen der Barschel-Witwe zu verwenden und sie damit noch zusätzlich zu verhöhnen. Aber lassen wir das und wenden uns Barschels Reise nach Genf zu. Was wollte er dort, privat und anonym? Da gibt es nun viele schlaue Leute, die das alles ganz genau wissen - freilich weiß ein jeder etwas ganz anderes ganz genau, und zu allem Überfluß schließen diese Genauigkeiten einander auch noch aus.

Aber werfen wir zuerst einen Blick auf die Mitte der 80er Jahre. Es war erneut eine böse Zeit, besonders für Reisende und die von ihnen heimgesuchten Gastländer: Amerikanische Touristen flogen nach Libyen und hinterließen bombige Erinnerungen; syrische Touristen waren in den Nordlibanon gefahren, israelische in den Südlibanon - schließlich hatte man diese Urlaubsregion mal als "die Schweiz des Nahen Ostens" bezeichnet -; und quer über den persischen Golf reisten iranische und irakische Touristen ins jeweilige Nachbarland, seit einigen Jahren besonders intensiv, zu Millionen. Am Ende reisten schon Halbwüchsige und Kinder über die Minenfelder, zu Fuß, genauer gesagt barfuß, denn Kinder gab es genug, aber Stiefel waren zu schade, um sie einfach so zu verheizen... Und in Europa? So genannte "Grüne" aus ganz Deutschland reisten in das damalige Bundeshauptdorf Bonn, um zu demonstrieren, gegen das Reisen im allgemeinen und gegen das Reisen der Deutschen im besonderen. Deren obersten Reiseveranstalter verunglimpften sie zu "NATOD"; sie sprühten es an jede Wand, und das Herdenvieh blökte es nach. Hunderttausende dumme, verhetzte Schäfchen glaubten, etwas "für den Frieden" zu tun, als sie den Führern jener grünen Verbrecher-Organisation folgten, die das alles angezettelt hatten - es waren dieselben Leute, die weniger als zwei Jahrzehnte später, nach ihrer eigenen Machtergreifung, zu olivgrünen Verfechtern von Reisen der Deutschen in alle Welt mutieren sollten, nach Bosnien und Kosovo, nach Afganistan und in den Kongo. Aber um selber an die Macht zu gelangen, mußten sie erst einmal die Konkurrenten aus dem Weg räumen, die Vertreter anderer Verbrecher-Organisationen. (Dikigoros darf doch hier mit dem großen britischen Historiker Ronald Syme sprechen, der einmal jede politische Partei als eine Verschwörung gegen den Staat bezeichnet hat, also als eine Ansammlung von Hochverrätern.) Dafür brauchte man Hilfe von außen, z.B. aus der DDR, die mit dem Ministerium für Staatssicherheit über eine schlagkräftige Einrichtung verfügte, zu der die Grünen besten Kontakt hielten. (Dikigoros erinnert sich noch genau, wie die spätere Vizepräsidentin des Bundestages Antje V. 1989 mit Tränen der Wut auf den Untergang ihres geistigen Heimatstaates reagierte.) Gegen jene Stasi-Leute richtete sich denn auch der erste Verdacht, als die Nachricht vom gewaltsamen Tode des Ex-Ministerpräsidenten von Schleswig Holstein im schönen Genf bekannt wurde, denn die hatten nichts unversucht gelassen, um ihn in ein schlechtes Licht zu setzen: Waffengeschäfte, Drogen, Prostitution - was man halt einem Politiker anhängt, um ihn zu diskreditieren.

Aber, liebe Leser, da sind wir auf dem Holzweg, wie wir seit Öffnung der DDR-Archive wissen - die Stasi hat Barschel nicht umgebracht. Also klappte auch der Staatsanwalt die Akte zu, und wie das so ist, wenn man keinen Mörder gefunden hat, erklärt man das ganze halt zum Selbstmord. Aber Selbstmord warum und wozu? Wenn jemand Waffengeschäfte macht, braucht er sich doch nicht gleich umzubringen, und für alle anderen Punkte gilt das gleiche. Gewiß, er hatte gerade eine Wahl und sein Amt verloren, gegen bzw. an das neue Reit-, pardon Zugpferd der SPD, einen gewissen Björn Engholm, den er seinerseits verleumdet haben sollte, was just vor dem Wahlsonntag heraus kam und ihn die entscheidenden Stimmen gekostet hatte. Aber die Sache war nicht ganz klar - derjenige, den er beauftragt haben sollte, Engholm zu verleumden, war nämlich in Wirklichkeit von Engholm selber beauftragt worden, und das ganze war ein abgekartetes Spiel, wie er ein paar Tage nach seinem Tode vor dem Untersuchungsausschuß aussagen wollte und wie es sich später tatsächlich bestätigen sollte. Engholm kostete das seine politische Karriere - allerdings nicht sein Leben, und deshalb muß wohl doch noch etwas mehr dahinter gesteckt haben.

Das Rätselraten ging weiter, bis ein kanadischer Jude namens Victor Ostrovsky, der mal für den israelischen Geheimdienst Mossad gearbeitet hatte, von diesem geschaßt wurde und auspackte, in insgesamt drei Büchern, die allesamt das Wort "Täuschung" im Titel führten. Das zweite hieß "Die andere Seite der Täuschung" (es erschien in Deutschland 1994 unter dem Titel "Geheimakte Mossad"), und da alle Bemühungen des Staates Israel, sein Erscheinen vor Gericht zu verhindern, fehl schlugen, darf man wohl davon ausgehen, daß es die Wahrheit enthält, zumal es nicht reißerisch, sondern ganz nüchtern und sachlich geschrieben ist. Wir müssen noch einmal auf die Reisen zwischen Iran und Irak zurück kommen, die damals in vollem Gange waren, und die ein anderes Volk von Reisenden - das Volk der Reisen schlechthin - aus nahe liegenden Gründen mit besonderer Sympathie verfolgte: die Israelis. Damit diese Reisen über den persischen Golf nicht einschliefen, befleißigte sich der Mossad, beide Seiten - vor allem den Iran, zu dem Israel noch aus der Zeit des Shah-in-Shah traditionell gute Beziehungen unterhielt, allen gegenteiligen Beteuerungen der Ayatollahs zum Trotz - mit den dafür notwendigen Utensilien zu beliefern, und da der Weg dieser Lieferungen von Italien über die Alpen nach Deutschland erfolgte, nannte man das ganze "Operation Hannibal". (Die jüdischen Historiker haben es im Laufe der Jahre fertig gebracht, die Phoinikier, Punier, Karthager oder wie immer man sie nennen will, als ihre Vorfahren auszugeben; der Name "Hannibal" hat daher in Israel einen guten Klang.) Am Ende wurde der Krempel, den man irgendwo in Schleswig-Holstein zwischen lagerte, dann auf dänische Schiffe verladen und an den Golf geschippert.

Nun fällt es Dikigoros schwer zu verstehen, weshalb sich darüber in Deutschland irgend jemand aufregen sollte, denn die Bundeswehr tat durchaus vergleichbares - wie ihm ein Ex-Kamerad seines Vaters einmal stirnrunzelnd berichtete: Sie bildete zugleich iranische und irakische Reiseleiter für die Tätigkeit in höheren Stäben aus, und das ganze geschah ganz offiziell mit Wissen und Wollen der Regierung, des MAD, des BND und des Verfassungsschutzes. Nun hatte der Mossad bei der "Operation Hannibal" aus unerfindlichen Gründen deren Spitzen nicht eingeweiht, sondern nur mittlere Chargen, und so fiel der biedere Uwe Barschel - der mit Waffengeschäften gleich gar nichts am Hut hatte - aus allen Wolken, als er zufällig davon erfuhr, regte sich furchtbar auf und wollte den Lieferungen prompt ein Ende machen. Ja, war denn der Kerl noch ganz bei Trost? Wie dem auch sei, entschied der Mossad, der mußte weg, und zwar schleunigst. Da traf es sich gut, daß demnächst Wahlen anstanden. Die Israelis kontaktierten seinen Gegenkandidaten, besagten Björn Engholm, und verabredeten mit ihm die schmutzige Affäre Pfeifer - den sie in exakter englischer Übersetzung "Whistler" nannten. Dieser Mitarbeiter Barschels hatte noch ein paar Leichen im Keller, von denen der Mossad wußte; er ließ sich also erpressen, eine Schmutzkampagne seines Chefs gegen Engholm zu fingieren und kurz vor der Wahl auffliegen zu lassen. Engholm wurde Ministerpräsident, und als Barschel drohte, das ganze auffliegen zu lassen, hielt der Mossad - in dem es eben doch auch ein paar Ehrenmänner gab - sein Engholm gegebenes Versprechen, verleitete den naiven Barschel zu einer Reise nach Genf unter dem Vorwand, ihm dort Beweise für seine "Unschuld" übergeben zu wollen, und ermordete ihn in der Hotelbadewanne.

[Exkurs. Wie glaubwürdig ist Ostrovsky? Warum "verriet" er den Mossad? Aus Rache? Das wäre ein schlechtes Motiv - obwohl es ihn nicht per se unglaubwürdig machen würde. Er selber hat sich widersprüchlich zu seinen Beweggründen geäußert: Erst behauptete er, er habe die kriminelle Vereinigung Mossad bloß stellen wollen, um den Israelis die Augen zu öffnen. Na ja - aber später schrieb er, daß in seinen Augen der ganze Staat Israel keine Existenzberechtigung habe (hört hört - aus dem Munde eines Juden, nicht etwa eines Arabers!); vielmehr sei es die Bestimmung der Juden, sich ohne eigenen Staat, zerstreut über die ganze Erde, in ihren jeweiligen Gastländern breit zu machen. Das sieht Dikigoros anders; er findet, daß jedes Volk das Anrecht auf einen eigenen Staat hat (ja, auch die Palästinenser - er liegt östlich von Judäa und Samaria und nennt sich "Jordanien"!); aber wer als kanadischer Staatsbürger jederzeit dorthin zurück kehren kann, hat natürlich leicht reden. Andererseits muß man sehen, daß Ostrovsky nicht einfach ein daher gelaufener IM des Mossad war, sondern den größten Teil seines Lebens in Israel zugebracht hatte, meistenteils als Berufsoffizier in Armee und Marine - und eben als hauptamtlicher Mitarbeiter des Mossad, zuletzt im Range eines Obristen; er ist halt einer jener gefährlichen Zeitgenossen, die an ihren Idealen irre geworden sind und diejenigen, denen sie die Schuld daran geben, mit besonderem Haß verfolgen. Dennoch ist Dikigoros geneigt, ihm zu glauben - die schlimmste Rache ist bisweilen nicht, Lügen zu verbreiten als vielmehr die Wahrheit, eben weil letztere nicht so leicht zu widerlegen ist wie erstere. Exkurs Ende.]

Die Tarnung als "Selbstmord Barschels" war zwar etwas stümperhaft, aber darauf kam es nicht an: Der zuständige Staatsanwalt in Kiel erhielt nach der Veröffentlichung von "Geheimakte Mossad" von der - zwar nicht mehr von Engholm, aber immer noch von seinen SPD-Genossen (die ihn natürlich keiner strafrechtlichen Verfolgung als Anstifter oder auch nur Mitwisser eines Mordes aussetzen wollten) geführten - Landesregierung die Anweisung, die Akte geschlossen zu halten und offiziell weiter an der lächerlichen Selbstmordtheorie festzuhalten, trotz aller Versuche der Witwe Barschel, den Fall noch einmal aufzurollen. Der Krieg zwischen dem Iran und dem Irak am Golf war ohnehin längst beendet, und mit ihm die "Operation Hannibal" - warum sollte man noch daran rühren? Wegen der Wahrheit? Ach, liebe Leser, mit der Wahrheit ist das so eine Sache. Man muß immer fragen: Wozu soll die gut sein? Was wäre geschehen, wenn sie in diesem Fall ans Tageslicht gekommen wäre? Die mühsam - und mit vielen Milliarden deutscher Steuergelder - hergestellte Freundschaft zwischen Deutschen und Juden wäre zweifellos erheblich belastet worden, wenn heraus gekommen wäre, daß der Geheimdienst des Staates Israel deutsche Wahlen manipulierte und mißliebige deutsche Politiker ermordete - und zwar nicht nur im übertragenen Sinne von "Rufmord" durch schmutzige Pressekampagnen, wie im Falle des Ex-UN-Generalsekretärs Kurt Waldheim (auch über diese "Operation" packte Ostrovsky aus), sondern auch im ganz realen Sinne. Das hätte zwar den deutschen Steuerzahler eine Menge Geld sparen können, aber diejenigen Politiker, die von dieser "Freundschaft" profitiert hatten, ebenso viel Geld gekostet. Und das sollte man der peinlichen Wahrheit opfern? Nein, das sah die herrschende Politikerkaste aller Parteien anders - und die mußten es wissen, schließlich regierten sie das Land schon seit Jahrzehnten nur durch Wahl- und andere Lügen und wußten daher um die objektive Wertlosigkeit der Wahrheit. Und so lautet denn bis heute die offizielle Lesart der Politiker wider besseres Wissen: Barschel ging freiwillig auf die letzte Reise und in den Freitod.

EIN DICKER FISCH GEHT BADEN
"Ian Robert Maxwell" (+1991)
von London nach Teneriffa

Meint da etwa jemand, Dikigoros habe sich auf Fälle kapriziert, in denen die Opfer immer die Guten und ihre Mörder immer die Bösen sind? Weit gefehlt, liebe Leser, in diesem und in den folgenden Kapiteln werdet Ihr vielmehr erfahren, daß es nicht immer ganz so einfach ist mit dem moralischen [ver]urteilen. Es war einmal ein tschechischer Jude mit dem schönen Namen Jan Ludwik Hoch. Als die Tschechoslowakei 1939 zerfiel, floh er nach England, wo er einen anderen jüdischen Exilanten mit dem schönen Namen Yitzhak Shamir kennen lernte. Die beiden wurden gute Freunde, beschlossen, Politiker zu werden und nach dem Motto des alten Moltke vorzugehen: getrennt marschieren, vereint schlagen. Shamir machte als Politiker im neu gegründeten Staat Israel Karriere, Jan - der sich bald "Ian Robert Maxwell" nannte - in seiner neuen Wahlheimat Großbritannien. Als die deutschen "Wiedergutmachungs"-Gelder nach Israel zu fließen begannen, beschloß dessen Regierung, einen Teil davon zu investieren, um die öffentliche Meinung in aller Welt zu kaufen. Ihr wichtigster Mann in diesem Geschäft wurde Robert Maxwell, der inzwischen für die "Arbeiter-Partei" im Londoner Unterhaus saß. Jüdische Banken kündigten Zeitungen und Verlagen, die Maxwell übernehmen wollte, die Kredite, hetzten über die von Labour beherrschten Gewerkschaften (wer vor Thatcher in England eine Arbeit haben wollte, mußte Mitglied in der Gewerkschaft und in der Labour Party werden - das war damals noch Gesetz!) die Belegschaften zu Streiks auf und streckten ihm schließlich das Kapital vor, um sie aufzukaufen. Da lediglich politische, keine wirtschaftlichen Motive hinter diesen Aufkäufen steckten - Geld spielte keine Rolle - schuf Maxwell bald das bis dahin größte und marodeste Medien-Imperium aller Zeiten. (Für jüngere deutsche Leser: Er war so etwas wie der britische Leo Kirch - von dem vielleicht eines Tages heraus kommen wird, daß er sein ebenso großes und ebenso marodes Medien-Imperium auf ähnliche Art und Weise schuf.) Wenn es um die Rückzahlung der israelischen Kredite ging, griff Maxwell in die Pensionskassen seiner Mitarbeiter, die er skrupellos ausplünderte. So weit so schlecht.

Doch irgendwann reichte auch das nicht mehr: Maxwell war pleite. Da traf es sich gut, daß er über viele Dinge Bescheid wußte, die anderen Leuten rätselhaft waren. Zum Beispiel über den Putsch der Alt-Kommunisten in Moskau, die 1991 "Perestrojka" und "Glasnost" beenden wollten, mit ihrem Scheitern jedoch nur das Ende der Sowjetunion herbei führten: Maxwells Jugendfreund Shamir - inzwischen Premierminister Israels - hatte Probleme mit Gorbatschow, der sich hartnäckig geweigert hatte, alle Juden aus der SU ausreisen zu lassen. Shamir hatte mit den Putschisten verabredet, daß der Mossad (der gute Kontakte mit dem KGB hatte) ihnen helfen würde, Gorbatschow zu stürzen; im Gegenzug würden sie den Juden erlauben das Land zu verlassen. Ob die Putschisten ihr Versprechen gehalten hätten? Müßige Frage, da Gorbatschow zwar gestürzt wurde, der Putsch aber im übrigen fehl schlug und Boris Jeltsin an die Macht kam, der ebenso wenig wie sein Vorgänger daran dachte, die jüdischen Ärzte, Fysiker und sonstigen Wissenschaftler ausreisen zu lassen - die wurden ja in Rußland noch gebraucht! Nun versuchte Maxwell ein ziemlich schmutziges Spiel mit seinem Freund Shamir: Er verlangte Milliarden von ihm und drohte, im Weigerungsfall mittels seines Medien-Imperiums in alle Welt hinaus zu posaunen, daß Israel den Putsch der Alt-Sowjets unterstütze hatte, was wahrscheinlich dazu geführt hätte, daß die USA erstmal sämtliche Hilfszahlungen an Israel eingestellt hätten - und ganz allein von deutschen Zahlungen konnte Israel denn doch nicht leben. Das war pure Erpressung; und gegen Erpresser hilft eigentlich nur eines: sie auf die letzte Reise zu schicken. Und wer sonst könnte wieder einmal darüber berichtet haben als Victor Ostrovsky, der Shamir für sein Verlangen, die Juden aus der Sowjetunion nach Israel zu holen, unehrenhafte Motive unterstellt: Er habe sie als Kanonenfutter gegen die Araber und zur Besiedlung des Westjordanlandes gebraucht. (Ob das fair ist? Dikigoros wäre liebe Siedler im Westjordanland als Jude in der Ex-Sowjetunion, denn er hat die Memoiren einiger jüdischer Dissidenten über ihr Leben in der SU gelesen.) Aber wie dem auch sei: Der Mossad lockte Maxwell mit seiner Yacht nach Teneriffa unter der Vorspiegelung, ihm dort Geld übergeben zu wollen, und als er ankam, fiel er zufällig über Bord, schwamm noch ein paar Stunden herum und erlag dann einer Herzattacke. Die Israelis ließen sich seine Leiche von den - vermutlich über alles informierten - Briten ausliefern, obduzierten sie "ohne Befund" und spendierte ihm ein Staatsbegräbnis für besonders verdiente Zionisten auf dem Jerusalemer Ölberg. Friede seiner Asche.

WAS BLIEB VOM FRÜHLING?
Alexander Dubcek (+1992)
von Prag nach Preßburg

Schießt Dikigoros da nicht doch weit übers Ziel hinaus? Wer hätte ein knappes Vierteljahrhundert nach dem Ende des "Prager Frühlings" noch ein Motiv haben sollen, dessen glücklose Leitfigur Alexander Dubcek "verunfallen" zu lassen? Das ist eine gute Frage, liebe westliche Leser, deren Medien die Nachricht von Dubceks "Unfalltod" kaum noch einen Dreizeiler wert war; und Dikigoros ist überzeugt, daß es dafür eine gute Antwort gibt. Aber wollen wir zunächst einen Blick über die Grenzen werfen, in ein Fast-Nachbarland der Tschecho-Slowakei, nach Jugo-Slawien oder - wie es früher auch einmal hieß - Serbo-Kroatien. Der Vergleich hinkt? Nein, tut er nicht. Beide waren nach dem Ersten Weltkrieg als künstliche Staaten aus der untergegangenen Habsburger Doppelmonarchie heraus geschnitten worden, wobei auf Anraten eines versponnenen Professors namens Masaryk, der Asylant in den USA war, zusammen gepackt wurde, was nicht zusammen gehörte und deshalb auch nicht zusammen wachsen wollte. Ende der 30er bzw. Anfang der 40er Jahre wieder aufgelöst, wurden sie am Ende des Zweiten Weltkriegs erneut mit Gewalt zusammen gefügt, um nicht zu sagen gepreßt, vor allem unter sowjet-russischem Druck. Dabei wurden zwei Männer zu Symbol-Figuren: Josif Brosz alias 'Tito' in Jugo-Slawien und - rund ein Vierteljahrhundert später - Alexander Dubcek in der Tschecho-Slowakei. Gewiß, die beiden unterschieden sich ganz erheblich voneinander, nicht nur zeitlich; aber eines hatten sie gemeinsam: Tito war kein Serbe, sondern Kroate, und Dubcek war kein Tscheche (oder muß man inzwischen "Tschechier" oder "Tschechiener" sagen?), sondern Slowake. Nur deshalb konnten beide auch von den Minderheits-Völkern ihrer Staaten anerkannt werden und zu Symbolen nicht nur der (relativen) Unabhängigkeit vom großen sowjetischen Bruder werden, sondern auch dem der Einheit ihrer jeweiligen Staaten. Als Tito starb, starb Jugo-Slawien - zwar nicht gleich, doch sein Tod setzte die Lunte an einer Sprengladung in Brand, die ein paar Jahre später mit tödlicher Sicherheit losgehen sollte (aber das ist eine andere Geschichte). Als Dubcek von den Sowjets gestürzt wurde, starb nur die Hoffnung, die Hoffnung auf Freiheit von Rußland, aber auch die Hoffnung auf ein friedliches Zusammenleben der Tschechen und Slowaken (die anderen Minderheitsvölker, vor allem die Deutschen, hatte man glücklich ausgerottet) unter einem staatlichen Dach. Aber war sie wirklich gestorben? Oder schlief sie etwa nur, wie Kaiser Rotbart im Kyffhäuser? Hätten nicht beide Träume nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion anno 1991 noch einmal geträumt werden können?

Wohlgemerkt, liebe Leser, Dikigoros hat für jene staatliche Zwangsehe zweier Nachbarvölker ebenso wenig Sympathien wie etwa für General Sikorski; aber darum geht es hier nicht. Die Frage ist vielmehr: Hätten die Tschechen in Erinnerung an die Ereignisse von 1968 Alexander Dubcek 1992 zum gemeinsamen Präsidenten gewählt und sich unter seiner Regierung von der Idee einer Trennung der CSR in zwei Staaten abgewendet? Und hätte das nicht einigen Leuten ganz kräftig die Suppe versalzen? Zur Erinnerung: Im Dezember 1989 war Dubcek zum Präsidenten des tschecho-slowakischen Bundesparlaments gewählt worden; Im September 1990 hatten sich bei einer repräsentativen Umfrage nur 12% der Tschechen und nur 16% der Slowaken für eine Teilung ausgesprochen. Als Vladimir Mečiar im März 1991 seine "Unabhängigkeits-Bewegung für eine demokratische Slowakei" gründete (und damit die gemeinsame Reformpartei VNP den Tschechen übeließ), hatte er schwerlich die Mehrheit der Bevölkerung hinter sich; und als er im Januar 1992 mit seinem tschechischen Gegenspieler Vačlav Klaus die Trennung zum 1.1.1993 aushandelte, wurde das Volk, pardon, wurden die Völker nicht gefragt; zwei Monate später wurde Dubcek Vorsitzender der neuen "sozialdemokratischen Partei der Slowakei", die keine Trennung von, sondern eine Art Bundesstaat mit der Tschechei anstrebte. Im Juni fanden in der ganzen Tschecho-Slowakei Parlamentswahlen statt - selbstverständlich wurde auch Dubcek wieder gewählt. Im September 2002 "verunglückte" er auf einer Reise nach Mähren; wenige Tage später veröffentlichte das neue Parlament die Trennungspläne; im November erlag Dubcek seinen Verletzungen.
(...)
(Fortsetzung folgt)

AUF DEM GRUNDE DER OSTSEE
Die ESTONIA (gesunken 1994)
von Tallin nach Stockholm

(Text folgt)

DIE KÖNIGIN DER HERZEN
Lady Diana Spencer (+1997)
von London nach Paris

Es gibt noch immer Ignoranten, die meinen, Paris sei die Reisehauptstadt Europas, in der jeder mal gewesen sein müsse. Das mag ja noch angehen, wenn man etwa aus Washington, Berlin, Rom, Tōkyō, Moskau, Warschau (die Amerikaner, Deutschen, Italiener, Japaner, Russen und besonders die Polen sind große Paris-Fans) oder aus irgendeinem anderen Dreckskaff kommt. Aber als Londoner? Den Kirchen, Museen, Hotels und selbst den Restaurants von London können die von Paris doch nicht das Wasser reichen! (Ja, daran hält Dikigoros fest, obwohl er kein Freund der englischen Küche ist - aber in London gibt es wenigstens ein paar gute China-Restaurants, in Paris nicht einmal das!) Und die Kaufhäuser erst recht nicht. Wenn das einer wissen mußte, dann war das Dodi al Fayid, denn dessen Vater hatte Londons feinstes Kaufhaus, "Harrods", höchstpersönlich gekauft. Was wollte man da noch in Paris? "Veder' Napoli e poi morire", heißt so ein dummer Spruch, den jeder Italien-Reisende kennt. Aber "Voir Paris et puis mourir" hatte Dikigoros noch nicht gehört - bis zum Jahre 1997. Aber gehen wir 16 Jahre zurück, an den Anfang dieses merkwürdigen Kapitels im Jahre 1981, aus dem das Foto stammt, das Ihr oben seht. Der schon etwas zerknitterte "Prinz von Wales" (so nennt sich in England seit dem Mittelalter der Thronerbe in spe, aber das ist eine andere Geschichte) hatte beschlossen, endlich zu heiraten. Seine Jugendbekanntschaften waren alle längst vergeben, und so fiel die Wahl denn auf ein junges dummes Gänschen, eine gewisse Diana Spencer, ihres Zeichens Kindergärtnerin, die nicht mal die mittlere Reife geschafft hatte. Aber genau so etwas hatte man gesucht: Adelig und jungfräulich, lieb und dumm, brav und gehorsam - schließlich sollte sie nur der Nation Thronerben und den Fernsehkameras ab und zu ein nettes Lächeln schenken. Beide Aufgaben erfüllte sie mit Bravour - tatsächlich sah das Publikum sie bald lieber lächeln als ihren Ehemann sein verkniffenes Gesicht zu einer Fratze verziehen, die zwar auch gut gemeint war, aber immer so wirkte, als hätte er gerade auf eine saure Zitrone gebissen - ein Familienerbe der Windsors.

Wie es hinter den Kulissen aussah, erfuhr zunächst kaum jemand - es interessierte eigentlich auch niemanden sonderlich: Prinz Charles betrog seine Frau mit einer alten Kuh namens Camilla, die aussah wie ein Pferd, mit der er früher mal auf die Fuchsjagd geritten war? Na wenn schon - das kommt in den besten Familien vor, und zumal in der englischen Königsfamilie hatte es eine lange Tradition. (Böse Zungen behaupteten gar, daß Camillas natürlicher Großvater König Edward VII war - jedenfalls hatte der ein Verhältnis mit ihrer Großmutter gehabt.) Diana revanchierte sich mit ihren Stallmeistern und anderen jungen Männern? Dto. Ihre Kinder sahen zwar ihr, nicht aber ihrem Ehemann ähnlich? Gott sei Dank - dann konnte man die wenigstens vorzeigen! Sie hatte die Freß-Kotzsucht? Umso besser, dann nahm sie wenigstens nicht zu, blieb schön schlank und konnte weiter eine gute Figur für die Medien machen. Und das tat sie - in aller Welt, die sie ausgiebig bereiste, besonders natürlich das Commonwealth. Eigentlich war das genau die Galionsfigur, die das - längst nicht mehr sonderlich populäre - englische Königshaus brauchte, um wieder zu etwas Sympathien zu gelangen. Dieses Spielchen wäre sicher auch noch eine Zeit lang gut gegangen, wenn nicht Diana sich eines Tages nicht mehr an die Spielregeln gehalten hätte: Sie ließ sich von Charles scheiden - das war unerhört und in der britischen Geschichte bisher nicht vorgekommen. Aber selbst das hätte man ihr noch durchgehen lassen - immerhin war sie die Mutter eines künftigen Königs, und Königsmutter ist in England noch immer eine angesehene Position. Auch daß sie es weiter mit anderen Männern trieb, hätte man ihr vielleicht noch nachgesehen - auch wenn es viele im noch immer rassenbewußten, pardon rassistischen England als Miscegenation (Rassenschande) ansahen, daß sie sich dafür ausgerechnet einen fast dunkelhäutigen Ägypter ausgesucht hatte. Auch in Dodis Familie war man skeptisch: eine Christenhündin, ob das wirklich der richtige Umgang für einen gläubigen Muslim war? Andererseits waren die al Fayids kluge Geschäftsleute, die durchaus abzuwägen und zu schätzen wußten, was es prestigemäßig bedeutete, eine ehemalige Prinzessin von Wales und künftige Königsmutter von England in den eigenen Reihen zu wissen.

Dann wurde Diana auch noch von Dodi schwanger, und da sie kein uneheliches Kind zur Welt bringen wollte, stand nun die Heirat zur Debatte. Die Heirat mit einer Christin wäre jedoch nach muslimischem Recht ungültig, wenn diese nicht zuvor zum Islam konvertierte, und das stand folglich als nächstes an. Nun schrillten im Buckingham Palast alle Alarmglocken: Man konnte unmöglich zulassen, daß der künftige König von England eine muslimische Mutter und muslimische Halbgeschwister hätte - andernfalls hätte das englische Königshaus zumindest seine Rolle als Oberhaupt der anglikanischen Kirche vergessen können, und wahrscheinlich hätte das Wahlvolk der Abschaffung der Monarchie - wie sie linke Kreise der Labour-Partei schon lange forderten - kaum noch Widerstand entgegen gesetzt. Ohnehin hatte der Islam bereits begonnen, das Land der Kelten und Angelsachsen zu spalten - in den Slums vieler Großstädte bildeten Muslime (vor allem aus Pakistan, weshalb sie verschämt auch als "Asiaten" bezeichnet wurden) bereits die relative Mehrheit der Bevölkerung, und es kam immer öfter zu bürgerkriegsähnlichen Straßenschlachten zwischen Muslimen und Christen. Ein Kind von Diana und Dodi, das in die Politik gegangen wäre, hätte sich der Wählerstimmen der ersteren sicher sein können. Am 31. August 1997 war es dann so weit: Über die Nachrichtenticker der Welt lief die Meldung, daß Diana und Dodi bei einem bedauerlichen Verkehrsunfall in einem Pariser Tunnel ums Leben gekommen seien. Der Fahrer sei wohl in besoffenem Zustand auf der Flucht vor irgendwelchen Paparazzi zu schnell gefahren, von der Fahrbahn abgekommen und gegen einen Betonpfeiler geknallt, und Diana sei trotz intensiver Bemühungen der Ärzte ihren schweren Verletzungen erlegen - so ein Pech aber auch. Der Fall war so eindeutig ein Unfall, daß die Pariser Polizei auf eine Spurensicherung verzichtete, d.h. vorhandene Spuren sofort beseitigt wurden. Auch die Überwachungskameras im Tunnel waren just in jener Nacht ausgestellt bzw. die Filme entfernt worden. Rein zufällig waren auch die Lichter im Tunnel gerade ausgeschaltet, so dasß kein Zeuge etwas sehen konnte - und wenn doch jemand auftauchte und behauptete, irgendetwas gesehen zu haben, verschwand er bald auf Nimmerwiedersehen. Das Internet ist inzwischen voll von Ungereimtheiten, die einen "Unfall" Dianas so gut wie ausschlie&szlgi;en; es gibt wohl kaum ein anderes Ereignis der 90er Jahre, das dermaßen von allen Seiten durchgehechelt worden ist: Die manipulierte Blutprobe, die den Fahrer - einen Anti-Alkoholiker - zum "Säufer" machen wollte, der nicht-gefundene Fiat UNO, der mit Dianas Fahrzeug kollidiert war, die verspätete Verbringung Dianas in ein weit entferntes Krankenhaus usw. usw. - alles deutet darauf hin, daß der britische Geheimdienst Diana und ihren Verlobten ermordet hat, und wenn nicht im Auftrag des Königshauses, dann doch sicher mit dessen Wissen und Billigung. Das ist alles viel ausführlicher belegt als Dikigoros es an dieser Stelle tun könnte, deshalb läßt er es einfach mal so stehen und fragt nach den eigentlichen Ursachen.

Manchmal ist es schlecht, wenn die Gesetze - besonders die Strafgesetze - allzu abgemildert werden. Seit Ehebruch in christlich-westlichen Demokratien kein Straftatbestand ist, kann man ihn nicht mehr offiziell ahnden. Seit die Todesstrafe abgeschafft ist, kann man sie nicht mehr offiziell verhängen. Was soll man also tun, jemand einen Nicht-mehr-Straftatbestand verwirklicht, und wenn die Staatsraison eigentlich einen Prozeß und die Todesstraf erfordert? Man muß zu anderen Mitteln greifen. Kann man das offziell zugeben? Das kommt drauf an: Daß der britische Geheimdienst (wie alle anderen Geheimdienste der Welt :-) oftmals mit "illegalen" Methoden operiert, wissen wir spätestens seit den James-Bond-Filmen; aber spätestens seit denen wissen wir auch, daß sich die Öffentlichkeit daran nicht im mindesten stört, wenn es denn der "guten" Sache dient. Das Problem ist halt nur: Kann man etwas in der veröffentlichten Meinung zur "guten" Sache machen? Und wenn nicht, was dann? Die letztere Frage ist leicht zu beantworten: Dann muß es eben vertuscht werden. Hätte man der Öffentlichkeit anno 1997 klar machen können, daß es angesichts der Umstände gerechtfertigt war, Diana aus dem Wege zu räumen? Kaum, liebe Leser - da war die britische Regierung Opfer ihrer eigenen, Jahrzehnte langen Propaganda geworden, nach der auch Muslime gute britische Mitbürger seien (die Anschläge auf das World Trade Center und die Londoner Metro hatten noch nicht statt gefunden), weshalb es überhaupt keinen Grund gab, Dianas Verhältnis mit Dodi anders zu bewerten als das mit ihrem britischen "Reitlehrer". Und wenn Prinz Charles seine Frau betrog, warum sollte dann nicht auch seine Frau das Recht haben, ihn zu betrügen? Und was heißt überhaupt Betrug? Waren die beiden nicht rechtskräftig geschieden? Tja, liebe Leser, das fragt sich alles so leicht, und scheinbar beantwortet es sich ebenso leicht. Aber das erinnert Dikigoros immer an die vorurteilsfreien, toleranten und "liberalen" US-Amerikaner, die wirklich, ganz bestimmt, überhaupt nichts gegen Schwarze haben - bis die eigene Tochter mit einem ankommt und ihn heiraten will. Und Ihr dürft ihm glauben, daß es ihm persönlich völlig schnuppe ist, welcher Konfession der Präsident oder der Regierungschef der BRD angehört, ob er Katholik, Protestant, Orthodoxer oder Mormone ist; ja, es würde ihn nicht einmal stören, wenn er Buddhist, Jude, Hindu oder sonst etwas wäre - mit einer Ausnahme: Es würde ihn ganz gewaltig stören, wenn er Muslim wäre, und erst recht, wenn er konvertierter - also besonders überzeugter - Muslim wäre. Warum? Nun, ganz einfach: Alle anderen Religionen üben heute Toleranz gegenüber ihren Untertanen, d.h. Dikigoros könnte weiterhin glauben, was er wollte - oder auch nicht, denn nicht einmal Atheïsten hätten irgendwelche Nachteile zu befürchten. Anders beim Islam, der Unterwerfung gegenüber Alllah, seinem Profeten und seinen Muftis verlangt - und gegenüber einer solchen Intoleranz wäre auch mit seiner eigenen Toleranz Sense. Es gibt gute Gründe, weshalb z.B. Helmut Kohl nicht an die große Glocke hängt, daß sein Sohn zum Islam konvertiert ist, um eine Muslimin zu heiraten; und Dikigoros ist überzeugt, daß er nie zum Kanzler gewählt worden wäre - unabhängig davon, ob seine Partei sich "christlich" nennt oder nicht -, wenn er selber diesen Schritt ebenfalls vollzogen hätte und das heraus gekommen wäre.

Und nun versetzt Euch mal in die Lage der Briten, bei denen das alles noch viel enger gesehen wird: Wer im "Vereinigten Königreich" nicht der anglikanischen Kirche angehört, kann weder Herrscher noch Regierungschef sein, das ist ungeschriebenes, aber gleichwohl unumstößliches Gesetz der englischen Verfassung. Im 17. Jahrhundert wurden noch Monarchen gestürzt oder sogar einen Kopf kürzer gemacht, weil sie den Katholizismus tolerieren wollten oder gar im Verdacht standen, auch persönliche Sympathien für ihn zu empfinden. Im 19. Jahrhundert mußte der Jude Benjamin D'Israeli nicht nur zur anglikanischen Kirche konvertieren, sondern sogar seinen Namen ändern (erst in "Disraeli", dann in "Beaconfield"), bevor er Premierminister werden konnte; und noch im 21. Jahrhundert durfte der heimliche Katholik Tony Blair erst offiziell zum papistischen Glauben konvertieren, nachdem er seinen Rücktritt als Premierminister erklärt hatte - und da erwartet Ihr, daß die Briten es akzeptiert hätten, wenn die Mutter des künftigen Königs von England zum Islam konvertiert wäre, um mit einem Ägypter "Bastarde" in die Welt zu setzen? Dikigoros will Euch etwas verraten: So sehr die Öffentlichkeit heute Sympathien, Mitleid und Trauer für die tote Diana empfindet, ebenso - oder noch mehr - würde sie Haß, Abscheu und Verachtung für sie empfinden, wenn sie heute an er Seite Dodis leben würde. Erinnert Ihr Euch noch, wie die Journaille über Jacqueline Bouvier, die Witwe John F. Kennedy's herfiel, als die ihr Land und ihre Religion "verriet", um in zweiter Ehe einen orthodoxen Griechen zu heiraten? (Und der Mann hatte - im Gegensatz zu seinem ehelichen Vorgänger - nun wirklich niemandem etwas getan.) Dabei war Kennedy schon tot - dem konnte das also nicht mehr zum Nachteil gereichen. Aber die Windsors waren noch am Leben - und auf sie wären die Eskapaden einer Diana negativ zurück gefallen. Wenn es also in England noch länger christliche Könige geben sollten und die Windsors sie stellen sollten... Es war eine hoffnungslose Zwickmühle: Ließ man Diana am Leben, konnte das den Sturz der Monarchie bedeuten; ebenso wenn man sie tötete und das heraus kam. Es gab nur eine Lösung: einen versehentlichen "Unfall" - und diese Lösung wurde dann halt zwangsläufig gewählt.

DER NIPPEL UND DIE LASCHE
Jürgen W. Möllemann (+2003)
von Münster nach Marl

Es gab einmal einen Schlager von Mike Krüger - es war sein erfolgreichster -, dessen vorletzte Strofe lautete: "Ich flog mal so im Flugzeug, da fiel der Motor aus. Zum Glück trug ich nen Fallschirm und kam auch ganz gut raus. Ich wollt ihn grade öffnen, hatt die Schnur schon in der Hand, voll Entsetzen las ich was darauf stand: 'Sie müssen erst den Nippel durch die Lasche ziehn, und mit der kleinen Kurbel ganz nach oben drehn; da erscheint sofort ein Pfeil, und da drücken Sie dann drauf'; ich wollt es grade tun, da schlug ich auf." Der Lacherfolg beim Publikum war ihm gewiß. Und es gab einmal eine Lachnummer von Politiker namens Jürgen W. Möllemann, der versuchte aus der F.D.P. - der einstigen Hochburg des politischen Judentums in Deutschland - eine Hochburg des politischen Islamismus in Deutschland zu machen. Er war Präsident der Deutsch-Arabischen Gesellschaft und wie Ostrovsky ein Feind des Zionismus und seiner politischen Exponenten in Israel und in Deutschland. Da unterdrückte doch der böse israelische Ministerpräsident Sharon die tapferen palästinensischen Freiheitskämpfer, ließ sie sogar umbringen, wenn sie es mit ihren Mordanschlägen wieder mal etwas zu weit trieben; und der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland Friedman - ein halbseidener Talkmaster, dessen Fernsehshows sich kaum jemand freiwillig antat (Dikigoros hat sich immer gewundert, wie dieser Kokser noch Gäste fand, die sich von seiner widerwärtigen Art nicht abgestoßen fühlten, und weshalb diese Sendung - sie hatte die mit weitem Abstand niedrigste Einschaltquote für Talkshows überhaupt - nicht schon viel früher abgesetzt wurde) - wagte es auch noch, diese Politik offen zu verteidigen und gut zu heißen. Nein, so konnte das nicht weiter gehen: Möllemann - der beschlossen hatte, die Wählerquote seiner Partei mal eben von 9% auf 18% zu verdoppeln - glaubte das mit einer dezidierten Stellungnahme gegen diese beiden Bösewichte zu erreichen. Wohlgemerkt: Möllemann war kein "Rechter"; vielmehr war er - schon als Wasserträger von Hans-Dietrich Genscher alias IM Tulpe - einer der Hauptverantwortlichen für den rückgratlosen Schlingerkurs der F.D.P., die sich immer wieder auch der SPD angebiedert und eigentlich nur ihre Ministerpöstchen im Sinn hatten; in seinem umstrittenen Faltblättchen zum Bundestagswahlkampf 2002 wiederholte er seinen Vorwurf, daß der aus Polen stammende und in Paris geborene Jude Friedman mit seiner antideutschen Hetze und seiner Propagierung der multikulturenen Gesellschaft - ganz im Sinne Morgenthaus - dem Antisemitismus in Deutschland Vorschub leiste, nicht; er beschränkte sich vielmehr allein auf die Nahostpolitik Israels.

Dennoch packten die Juden in der F.D.P. nach der Wahlschlappe die Antifa-Keule aus und prügelten damit auf Möllemann ein, weil er der Partei geschadet habe. (Dabei war Friedman nie in der F.D.P., sondern vielmehr CDU-Bonze gewesen, bis ihn ein Streit mit dem hessischen Ministerpräsidenten Koch seinen Vorstandsposten gekostet hatte und er von der CDU Hessen zur CDU Saarland wechseln mußte.) Zunächst schien Friedman in Sachen Möllemann ebenso wenig Glück zu haben wie in Sachen Koch: Der Versuch seiner Glaubensbrüder, Möllemann aus der F.D.P. zu drängen, schlug vorerst fehl. Aber der Mann lebte ja gefährlich, denn er hatte ein ausgefallenes Hobby: Fallschirmspringen, eine Sportart, die er auch als politischen Gag im Wahlkampf regelmäßig einsetzte, um zu zeigen, was er doch für ein mutiger, toller Hecht sei. Bereits im August 2002 war eine Meldung durch die Medien gegangen, die freilich bald wieder vergessen war: Bei einem Absprung war Möllemanns Fallschirm gerissen - angeblich ein Materialfehler. Aber die "Fehlermacher" hatten nicht mit der Güte seiner Ausrüstung gerechnet: Möllemann hatte eine Automatik am Ersatzfallschirm, so daß er gar nicht darauf angewiesen war, eigenhändig den Nippel durch die Lasche zu ziehen, und mit ein paar blauen Flecken davon kam - vorläufig jedenfalls. Doch nun nahm der innerparteiliche Krieg zwischen Juden und Muslimen in der F.D.P. immer schärfere Formen an, nachdem Möllemann ganz offen versucht hatte, Islamisten in die F.D.P. zu holen und mit ihnen auch Abgeordnetenmandate zu besetzen. Diese Machtprobe verlor Möllemann; er wurde aus der Partei hinaus gedrängt, und eine Schmutzkampagne großen Ausmaßes wurde gegen ihn in Gang gesetzt, Einleitung eines Strafverfahrens wegen Steuerhinterziehung (nichts, was nicht andere Parteipolitiker auch getan hätten, aber immerhin :-) und Aufhebung seiner Abgeordneten-Immunität eingeschlossen. Eine Zeitlang flüchtete Möllemann sich in eine angebliche Krankheit, dann trat er - ganz seinem Spitznamen "Stehaufmännchen" getreu - wieder an die Öffentlichkeit und erklärte ganz cool: "Ich werde eine eigene politische Partei gründen."

Nun schrillten alle Alarmglocken: Eine muslimische Partei würde in der BRD - die gerade begonnen hatte, großzügig "Doppelpässe" an alle Türken und andere Ausländer, die einen haben wollten, zu verteilen - leicht über die 5%-Hürde springen bei sechs Millionen Muslimen im Land. Zusammen mit seinen - immer noch vorhandenen - alten Kameraden aus der F.D.P. würde er dieser aber zugleich das Wasser abgraben und sie dauerhaft unter die besagte 5%-Hürde drücken. Das wäre das Ende des politischen Judentums in Deutschland gewesen und vielleicht der Beginn einer Islamischen Republik Deutschland, wie ihn einige Muslime bereits ganz offen auf ihre Fahnen geschrieben hatten. Endlich, im Juni 2003, zog jemand die Reißleine - aber diesmal so, daß kein Nippel mehr rechtzeitig durch die Lasche gezogen und keine Kurbel mehr nach oben gedreht werden konnte. Und dieser jemand stellte sich auch weniger ungeschickt an als die Täter im Fall Barschel: Die Aufhebung der Immunität, das Zuschlagen der Steuerfahndung und der Absturz wurden perfekt getimed, so daß erstmal das Motiv für einen "spontanen Selbstmord" gegeben schien. Dann wurde nicht nur der Hauptfallschirm wieder mit einem "Materialfehler" versehen, sondern auch die Automatik für den Ersatzfallschirm entfernt. Und schließlich wurde ein falscher Zeuge in Möllemanns Sprungteam gekauft, der aussagte, er habe gesehen, wie Möllemann den Fallschirm "eigenhändig gelöst und abgeworfen" habe. So so.

All das hätte vielleicht auch Dikigoros getäuscht, dessen Frau den Vorgang nach den ersten Nachrichten mit den Worten kommentierte: "Alle Achtung, so einen Abgang hätte ich dem gar nicht zugetraut; so hat er sich nochmal in die Schlagzeilen gebracht." Aber dann gab es etwas, das Dikigoros stutzig machte: Wie bei Barschel wurde plötzlich das offenbar haltlose Gerücht verbreitet (zu allem Überfluß auch noch ausgerechnet vom Stern!), Möllemann habe "illegale Waffengeschäfte" gemacht. Nanu - sollte das ein Motiv für den angeblichen "Selbstmord" abgeben? Wohl kaum, denn diese "Waffengeschäfte" entpuppten sich bei näherem Hinsehen als olle Kamellen aus den 90er Jahren, als die Saudis Möllemann für seine Hilfe beim Kauf deutscher Kampfpanzer ein paar Millionen Schmiergelder, pardon Beraterhonorare gezahlt hatten (etwas, das völlig legal war und ist - leider! - und ohnehin längst verjährt gewesen wäre.) Und dann gab es einen Staatsanwalt, der allen Ernstes den Satz aussprach: "Der Fall Möllemann weist deutliche Parallelen zum Fall Barschel auf, äh... klarer Fall von Selbstmord." Ob das nun im Tran nur einfach so dahin gesagt war oder mit Absicht - denn inzwischen wußte längst jeder, der nicht von Dummsdorf war, daß Barschel vom Mossad ermordet worden war -, es war heraus; und so sehr die veröffentlichte Meinung auch diesmal wieder die offizielle Version vom Selbstmord vertrat, so wenig glaubte es irgend jemand - mit Ausnahme von Möllemanns naiver (oder vorsichtiger?) Witwe Carola, die überall hinaus posaunte, die FDP habe ihren einstmaligen Vorkämpfer "in den [Frei]Tod getrieben". Nun, vielleicht glaubt sie es wirklich, und vielleicht schläft sie in diesem Glauben ruhiger als Freya Barschel - die man nicht schlafen ließ. Wenige Tage nach Möllemanns Tod ließ sie sich von Sandra Maischberger - der nach ihrem Glaubensgenossen Friedman vielleicht hinterhältigsten und widerwärtigsten Talkmasterin in Deutschland - zu einem Interview im Fernsehsender n-tv überreden, in dem die Parallelen zum Tode ihres Mannes aufgearbeitet werden sollten. Es war eine beschämende Spiegelfechterei, denn obwohl inzwischen jeder wußte, daß der Mossad hinter der Sache steckte, wurde der mit keinem Wort erwähnt.

Während Dikigoros noch grübelte, ob es auch diesmal der Mossad gewesen sein könnte - gute Gründe hätte er wie gesagt gehabt - platzte die Bombe: Infolge einer Indiskretion sickerte durch, daß die Staatsanwaltschaft einer russisch-ukrainisch-polnisch-jüdischen Mafia-Organisation auf der Spur war, die in großem Stil Prostituierte, Drogen und Waffen nach Deutschland schmuggelte, und deren Chef in Deutschland Friedman alias Paolo Pinkas (oder Paolo Pinkel) offenbar war. (Die Bundesregierung, die ob der anhaltenden Wirtschaftskrise nach und nach allen anderen "gemeinnützigen" Vereinen und Vereinigungen die Subventionen strich, hatte die an den Zentralrat der Juden gerade großzügig in Millionenhöhe verdreifacht - mit dem Geld ließ sich schon einiges auf die Beine stellen, und es wurde nicht einmal zweckentfremdet, denn es war ausdrücklich "zur besseren Integration der russischen Juden in Deutschland" bestimmt :-) Nun scheint Möllemann kurz davor gestanden zu haben, diese schmutzige Verbindung aufzudecken - denn auch er hatte natürlich über die Deutsch-Arabische Gesellschaft Kontakte zu ähnlichen "Konkurrenz-Unternehmen". (Erst an dieser Stelle beschloß Dikigoros, Möllemanns letzter Reise - die er ursprünglich in einen kurzen Anhang zum Fall Barschel abhandeln wollte - ein eigenes Kapitel zu widmen.) Als nächstes tauchte ein Film auf, den so ein blöder Privatmann von Möllemanns "Unfall" gedreht hatte, und auf dem nichts davon zu sehen war, daß der den Fallschirm selber gelöst und abgeworfen hätte, wie es der falsche "Zeuge" behauptet hatte. Die Staatsanwaltschaft, nicht faul, beschlagnahmte den Film und ließ ihn verschwinden, mit der Begründung, daß darauf ja eh nichts zu sehen sei. So so. Wer hatte da wieder ein Interesse daran, den Fall unter den Teppich zu kehren? Etwa erneut die Israelis und alle, welche die deutsch-israelische Freundschaft nicht gefährden wollten? War es nicht wieder wie im Fall Barschel, daß die Juden deutsche Wahlen manipulierten (der F.D.P. hatte der Streit zwischen Möllemann und dem Zentralrat der Juden sowie die damit verbundenen inneren Querelen wie gesagt eine böse Wahlschlappe eingetragen) und deutsche Politiker ermordeten, die ihnen nicht genehm war?

Aber diesmal war es nicht ganz so einfach: Die so genannten Rußland-Juden, die Deutschland ungeprüft ins Land ließ, waren nämlich in der Mehrzahl gar keine "echte" Juden. Nach Schätzungen seriöser jüdischer Organisationen waren inzwischen über 90% von dem Pack, das unter diesem Etikett nach Deutschland einreiste, ganz gewöhnliche Kriminelle, die weder abstammungs- noch glaubensmäßig etwas mit dem Judentum zu tun hatten, sondern nur die Schlafmützigkeit der BRD-Regierung ausnutzten, um "legal" ins Land zu kommen und dort ihren krummen Geschäften nachzugehen. Kriminelle Vereinigungen wie der Zentralrat der Juden (dessen Präsident Spiegel - Nachfolger des Wirtschaftsverbrechers Galinsky - sich sogleich demonstrativ hinter seinen Vize Friedman stellte) standen von Anfang an auf ihrer Seite; andere Organisationen wurden nach und nach unterwandert, und die verdrängten "echten" Juden sahen mit ohnmächtiger Wut zu. Der Mossad müßte also eigentlich ein Interesse daran haben, die wahren Hintergründe des Mordes an Möllemann aufzuklären; und das läßt Dikigoros gespannt darauf warten, ob nicht doch noch etwas heraus kommt.

(...)

Fortsetzung folgt

NIE WIEDER PHAETON!
JÖRG HAIDER (+2008)

von Klagenfurt nach Lambichl

(Text folgt)

* * * * *

Nachbemerkung: Dikigoros' treue Leser wissen, daß er, wie sein großes Vorbild Joachim Fernau, das "Rondo" liebt, d.h. die abschließende Rückkehr zum Anfang einer Reise; und so hat es denn im April 2010, nach dem Absturz einer polnischen Tupolew bei Smolensk, auch nicht an E-mails gefehlt, die ihn auf jene geradezu unheimlich wirkenden Parallelen zum Flugzeug-Absturz von 1943 bei Gibraltar hinwiesen: Wieder ein polnischer "Spitzen-Politiker", der dabei zu Tode kam, wieder einer, der die Russen aus tiefstem Herzen haßte, und wieder ging es um Katyn - lag da nicht der Verdacht nahe, daß irgendjemand beim Absturz "nachgeholfen" hatte? Ja, gewiß; aber wiewohl Dikigoros immer bereit ist, solche Theorien, so sie denn nur ein klein wenig Wahrscheinlichkeit für sich haben, ernst zu nehmen und die Parallelen notfalls auch an den Haaren herbei zu ziehen - wenn denn wenigstens ein paar Haare dafür zur Verfügung stehen... in diesem Falle sieht er beim besten Willen nur eine große Glatze. Er hat ein wenig zugewartet, bevor er seine Meinung über den polnischen Präsidenten Lech Kaczynski und die Umstände seines Todes hier zum besten gibt, weil er sich nicht von einer Augenblickslaune leiten lassen wollte, wie seine Frau, die das Geschehen - in Anlehnung an einen ähnlichen Satz aus dem Film Wer zweimal lügt - mit der cynischen Bemerkung kommentierte: "Man muß nur ein bißchen kriminell sein, schon bekommt man ein Staatsbegräbnis!" Ja, es ist leicht, Kaczynski als "Kriminellen" zu bezeichnen, zumal wenn man Deutscher oder Russe ist, denn er war auf seine Art nicht weniger haßerfüllt und provozierend als seine Politiker-Kollegen anno 1939, die Hitler und Stalin zum Krieg reizten. (Bezeichnenderweise hatte er auch nur einen persönlichen Freund unter den "Spitzen-Politikern" Europas, nämlich den sakartwelischen Gangster Sakaschwili, der 2006 den Krieg "Georgiens" gegen Rußland um Ossetien vom Zaun gebrochen hatte.) Und bei den meisten Politikern in Brüssel war er besonders unbeliebt, da er sich als einziger "Saboteur" gegen die Bevormundung Polens (und anderer Mitgliedsstaaten) durch die EU stemmte - pfui, so ein Bösewicht! War er nicht einer der übelsten Staats- und/oder Regierungs-Chefs seiner Zeit in Europa? (Dikigoros überläßt die Beantwortung dieser Frage seinen Lesern; er darf nur daran erinnern, daß zu diesen Zeitgenoss[inn]en - in alfabetischer Reihenfolge - Albert II in Belgien, Brian Cowen in Éire, Angela Merkel in der BRDDR, der bereits erwähnte Sakaschwili in "Georgien", Nicolas Sarkozy in Frankreich und José Zapatero in Spanien zählen; manche würden an dieser Stelle auch noch Silvio Berlusconi in Italien und Lukaschenko in Weißrußland nennen; so weit würde Dikigoros nicht gehen - wir sind hier ja nicht bei "Neues aus der Anstalt" -, will sie jedoch nicht ganz unerwähnt lassen :-) Aber das tut letztlich alles nichts zur Sache, nämlich zu der Frage, wer die Schuld an dem Absturz trägt. Dikigoros kann da bei den Russen nichts Strafbares entdecken. (Mal abgesehen davon, daß einige Angehörige des Bergungsteams sich als Leichenfledderer betätigt haben sollen - wenn das stimmt, mag das zwar schäbig sein, aber man kann es doch schwerlich der Staatsführung anlasten :-) Wieso auch? Sie hätten die Trauerfeier bei Katyn doch gar nicht zu gestatten brauchen - die Kaczynski & Co. doch eh bloß zur Hetze gegen "die" Russen (und "die" Deutschen) mißbrauchen wollten! Nein, alles deutet darauf hin, daß der polnische Präsident seinen Tod ganz allein verschuldet hat - und so ganz nebenbei auch noch den von 95 weiteren Insassen (zumeist ebenfalls Polit-Bonzen nebst Anhang). Das Wetter war schlecht, die technischen Einrichtungen des Flughafens waren veraltet, und die russische Flugüberwachung hatte dringend von einer Landung abgeraten. Aber Kaczynski zwang den Piloten offenbar zur Landung, aus purer Eitelkeit, weil er als erster an der Gedenkstätte aufkreuzen wollte, mit der Drohung, daß es ihm im Falle einer "Befehlsverweigerung" genauso ergehen würde wie seinem Kollegen, der sich vor Jahr und Tag geweigert hatte, in einer ähnlichen Situation zu landen, und der zur Strafe nicht nur gefeuert, sondern auch vor Gericht gestellt und ins Gefängnis geworfen wurde. Tja, und so ereilte Kaczynski, den frommen Katholiken, die verdiente Strafe Gottes, und er bezahlte seinen Frevel mit dem Leben. Die Polen vergossen erst reichlich Krokodilstränen, aber wenige Wochen später wählten sie zum neuen Präsidenten denn doch nicht Kaczynskis Zwillingsbruder, sondern dessen größten politischen und persönlichen Feind. Dem hat Dikigoros nichts hinzuzufügen, keine Trauer, keine Schadenfreude, aber auch keine Vorwürfe gegenüber irgendwelchen Dritten.


Anhang I: Nachricht vom tragischen Unfalltod des Senators Bronstein (a.k.a. "Wellstone") im Oktober 2002

Anhang II: Nachricht vom tragischen Unfalltod des indonesischen Oppositionellen Munir Said Thalib im September 2004

weiter zu The Greatest Love of All

zurück zu Reisen zum anderen Ufer

heim zu Reisen durch die Vergangenheit