BERLIN OST: DIE DDR LEBT WEITER
von Kosmonauten, Fernsehnachrichten,
Sandmännchen und Spreewaldgurken

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WOLFGANG BECKER: GOOD BYE, LENIN!

[Good Bye Lenin] [Good Bye Lenin]

Anhang zu ONE, TWO, THREE

Ziemlich genau 40 Jahre, nachdem Billy Wilder sein Meisterwerk "One, two, three [Eins, zwei, drei]" gedreht hatte, drehte wieder jemand einen Film, der in Berlin und in dem Coca Cola eine wichtige Rolle spielte. Nein, es war kein Reisefilm, obwohl man trefflich streiten könnte, ob der kulturelle Unterschied zwischen der DDR und der BRD zuletzt nicht größer war als der zwischen USA und BRD. Doch die Reisen unternahmen damals ganz andere: Während die Dreharbeiten noch im Gange waren, reisten ein paar nette, harmlose muslimische "Schläfer" aus der BRD in die USA; und sie steuerten ihre, d.h. die von ihnen entführten Flugzeuge mit der gleichen Sicherheit in das New Yorker World Trade Center wie Kommissar Peripetschikow, nachdem man ihm Piffl entführt hat, sein Auto ins Brandenburger Tor - das eine nicht weniger Wahrzeichen als das andere. Was das bewirkte? Zunächst mal einen Schulterschluß aller "anständigen" Amerikaner - erstmals seit 140 Jahren gab es keine "Nordstaaten" und "Südstaaten" mehr, und George W. Bush hätte seinen Krieg gegen den Islam in Anlehnung an Wilhelm II mit den Worten kommentieren können: "Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Amerikaner!" Aber wir wissen ja alle, wie die Große Reise, die man später erst den "Großen Krieg" und dann den "Ersten Weltkrieg" nennen sollte, für Wilhelm den Letzten endete, also lassen wird das besser und drehen die Uhr zurück in die Zeit, als der Film Beckers spielen soll: November 1989. Da wollten auch viele (Ost-)Berliner gerne mal verreisen - es mußten ja nicht gleich die USA sein, sondern fürs erste würde ihnen schon Westberlin reichen. Mitten in einer Demonstration (die so gar nicht an die aus der Eingangsszene von "One, two, three" erinnert) erleidet eine brave DDR-Bürgerin einen Herzinfarkt und sinkt für einige Wochen ins Koma: Genossin Kerner, die Mutter des Ich-Erzählers Alex (der sinnigerweise von einem halben Wessi und einem halben Katalen - Daniel Brühl - gespielt wird, so wie Otto Ludwig Piffl von einem halben Wessi und einem halben Amerikaner - Henry Bookholt alias Horst Buchholz - gespielt wird). Als sie wieder aufwacht, gibt es die DDR nicht mehr, und damit sie das nicht merkt - sie soll ja jede Aufregung, die zu einem Rückfall führen könnte, vermeiden - holt sie der Sohnemann aus dem Krankenhaus nach Hause und isoliert sie erstmal im Schlafzimmer.

[Exkurs. Ein Leser hat Dikigoros gemailt, daß diese Story bei "Hibernatus" abgekupfert sei, einem Film aus dem Jahre 1969 mit Louis de Funès und Bernard Alane. (In der BRD lief er kurz und erfolglos unter den Titeln "Louis taut auf" und "Onkel Paul".) Da wacht ein einst am Nordpol Verschollener - Onkel Paul - nach 65 Jahren Tiefschlaf im Eis wieder auf und muß zurück in die Gegenwart finden, die ja für ihn Zukunft ist, mit allen Komplikationen, die daraus resultieren. Nun ja, der Grundgedanke mag daher stammen; aber auf die Idee, das auf Deutschland anno 1989/90 zu übertragen muß man erstmal kommen. Wobei ein Vergleich den - wohl ungewollten - Treppenwitz deutlich macht, daß sich in den 40 Jahren real existierende DDR mehr geändert hat als in 65 Jahren Frankreich - aber das mag auch an der erhöhten Schnellebigkeit unserer Zeit liegen. Exkurs Ende.]

Die DDR gibt es also nicht mehr - was bedeutet das im einzelnen, liebe Wessis? Nun, unter anderem, daß es viele kleine Dinge des alltäglichen Lebens nicht mehr gibt, die den Ossis so ans Herz gewachsen waren: kein Spam, kein bulgarisches Yoghurt... Spaß beseite, dafür gibt es doch jetzt Bananen - oder? Wohl wahr, aber ausgerechnet danach steht Genossin Kerner nicht der Sinn, sondern... nach Spreewaldgurken! Sohnemann macht sich also auf den Weg zum Supermarkt und muß zu seinem Entsetzen feststellen, daß es nicht nur keine Spreewaldgurken, sondern auch sonst praktisch keine DDR-Waren mehr gibt: die Gurken kommen jetzt aus Holland! Was tun? Er kauft zähneknirschend die Westware und füllt sie mühsam in alte Ossi-Verpackungen um, und da auch das Auge mit ißt, merkt Mutter den Unterschied nicht. [Er ist auch schwer zu merken. Dikigoros kauft z.B. auch ab und zu Spreewaldgurken, obwohl die doppelt so teuer sind wie die Cornichons von Aldi und um nichts besser - aber Aldi spart an der Qualität des Essigs, in den sie eingelegt sind, und das schmeckt man; also füllt Dikigoros, wenn er die Spreewaldgurken aufgegessen hat, die Aldi-Gürkchen in die Gläser mit der besseren Flüssigkeit um, und das macht er so oft, bis sie aufgebraucht ist - 1 Dose Spreewaldgurkenessig reicht in der Regel für 4 Dosen Aldi-Cornichons. Geiz? Nein, Sparsamkeit, denn er spart ja nicht an den Gurken, sondern nur am Geld!] Das nächste Problem: Mutter will Fernsehen! Da könnte man ihr zwar MDR zeigen - aber spätestens bei den Nachrichten würde natürlich auffallen, daß es keine DDR mehr gibt. Alte Konserven vorspielen? Aber das würde sie auf die Dauer wohl auch merken. Alex findet einen Ausweg: Sein Kumpel Denis ist Hobby-Filmer, und mit dem zusammen inszeniert er eigene Nachrichten, bei denen Honi noch oberster Genosse ist, auf den Straßen noch Trabis fahren usw.

Was aber, wenn Mutter mal aus dem Fenster schaut und an der Hauswand gegenüber eine überdimensionale Coca-Cola-Reklame aufgezogen wird? No problem: Da wird eine Reportage gedreht, wonach der Westen - der das Coca-Cola-Rezept ja überhaupt von der DDR geklaut hat - jetzt endlich ein Kooperations-Abkommen mit der DDR geschlossen hat, in dessen Rahmen halt auch Werbung "rüber kommt". Aber es wird immer schwieriger: Eines Tages hat sich Mutter so weit erholt, daß sie wieder aufstehen kann, und prompt läuft sie auf die Straße. Schon vor der Haustür trifft sie auf ein paar junge Studenten, die neu einziehen, und die sie gleich als Nicht-Ossis erkennt: "Wir kommen aus Wuppertal," erklären die auf Befragen, als sei das die natürlichste Sache von der Welt. Allenthalben stehen oder fahren Westautos herum, und dann muß die Genossin auch noch mit ansehen, wie ein Hubschrauber eine ausrangierte Lenin-Büste abtransportiert - dies ist das von den Machern des Films zur Schlüsselszene erhobene Ereignis, das dem Film auch seinen Titel gegeben hat, wobei aber nicht ganz klar wird, was daran so einschneidend sein soll: Die Büste könnte doch zur Wartung abtransport worden sein oder um durch eine größere und schönere ersetzt zu werden - oder? Aber die anderen Dinge lassen sich nicht so einfach weg diskutieren, da ist es auch nicht mehr mit ein paar einzelnen Reportagen getan - nun muß ein Gesamtkonzept her, das die offensichtlichen Veränderungen in der DDR irgendwie schlüssig erklärt. Und die beste Erklärung sind... na klar - Reisen! In den nächsten Nachrichten erfährt Mutter Kerner, daß die DDR-Regierung in einer großen humanitären Geste tausenden BRD-Bürgern, die der Ellbogen-Gesellschaft, der Arbeitslosigkeit und des wachsenden Rechtsradikalismus im Westen müde waren und in die DDR-Vertretungen Ungarns, Polens und der CSSR geflüchtet waren, die Einreise gestattet haben - brave Zeitgenossen, die erkannt haben, daß es im Leben wichtigeres gibt als Westautos, Farbfernseher und Video-recorder. Das Schöne ist, daß Denis da gar nicht viel zu "türken" braucht, sondern Original-Aufnahmen verwenden kann - sie werden halt bloß ein wenig anders interpretiert. [Aber über die vielfältigen Möglichkeiten, mit wahren Bildern die Unwahrheit zu suggerieren, hat Dikigoros ja schon in anderen Kapiteln seiner Reisen durch die Vergangenheit ausgiebig berichtet.] Den Gipfel erreicht die Kunst der Manipulation, als Mutter Kerner - die trotz aller Bemühungen doch wieder einen Rückfall erlitten hat und zurück ins Krankenhaus muß - die "Wieder"-Vereinigung von BRD und DDR vermittelt werden muß: Zufällig hat Alex das Idol seiner Jugend, ja schon seiner Kinder- und Sandmännchentage, den Kosmonauten Sigmund Jähn (für Wessis: der war 1978 als erster Deutscher ins All geflogen) kennen, und inszeniert mit ihm - und Hilfe einer alten Generalsuniform und einiger alter Lenin-Büsten vom Flohmarkt - eine perfekte Machtübernahme für die privaten Fernsehnachrichten: Honi tritt ab, und Jähnig wird sein Nachfolger. Als solcher erklärt er sogleich die Öffnung der Mauer - das Fernsehen zeigt echte Aufnahmen, wie die Wessis sie von Westen nach Osten stürmen - so sehr sehnen sie sich alle nach einem Leben im Arbeiter- und Bauernparadies, was Mutter Kerner ganz glücklich macht. [Der Erfolg gibt Alex also Recht - oder? Machte es nicht auch Millionen Menschen glücklich, als sie anno 1969 die vermeintliche Mondlandung "live" im Fernsehen verfolgen durften?]


Das erste (Sand-)Männchen auf dem Mond

Exkurs. In diesem Glück der Mutter Kerner ob des vermeintlichen Erfolgsmodells "DDR" hat Beckers Film einen gewaltigen Knick in der Optik. Wenn man den Handlungsverlauf logisch zuende gedacht hätte, dann müßte die harmlose Ostalgie-Komödie hier die Wende zu einer Tragödie geradezu griechisch-antiken Ausmaßes nehmen: Mutter Kerner, die sich 20 Jahre lang als linientreue Kommunistin ausgegeben hatte, die von ihrem bösen, republikflüchtigen Mann wegen einer Wessifrau verlassen wurde, gesteht ihren Kindern - die es ebenfalls nicht besser wußten (denn in der DDR lief, wer den Mund nicht hielt, immer Gefahr, auch von letzteren bei der Stasi verpetzt zu werden) - in einem lichten Augenblick, daß eigentlich alles ganz anders war: Sie und Vater hatten die Republikflucht gemeinsam geplant, er war vorgefahren, aber sie hatte es nicht geschafft, mit den Kindern nachzukommen und sich - unter entsprechendem Verdacht stehend und überwacht - in betonte Linientreue geflüchtet, nach dem Motto: "Unsre Heimat, das sind nicht nur die Städte und Dörfer..." (Becker verschweigt den Wessi-Zuschauern, die das Lied von Herbert Keller nicht kennen, den stets ausgeblendeten Schluß: "Und wir lieben die Heimat, die schöne, und wir schützen sie, weil sie den Volke gehört, weil sie unserem Volke gehört!" - eigentlich ein sehr hübscher Text; wer sich für das Lied interessiert, google mal unter "Thomas Brussig" und "Heimat".) Die vielen Briefe ihres Mannes an sie und ihre Kinder hat sie hinter der Rückwand des Küchenschranks "gebunkert" und mit dieser Lebenslüge weiter gelebt. (Symbolisch dafür - wenngleich von Becker sicher nicht so gemeint - steht der wiederholte Rückgriff auf Szenen aus "Das Sandmännchen", eine der Kultsendungen des DDR-Fernsehens, mit der das Regime seinen Bürgern Sand in die Augen streute - und das sehr gekonnt. Auch Dikigoros pflegte sie als Kind bei seiner Oma zu sehen, wenn er in den Ferien bei ihr an der Ostsee war. Sie war so populär, daß der NDR sich krampfhaft bemühte, eine Konkurrenz-Sendung ins Leben zu rufen; aber das Sandmännchen West mit seinem langweiligen Rundumbart kam einfach nicht so gut an wie sein Kollege Ost mit seinem Ulbricht-Spitzbart.) War es nicht das, was ihr Leben letztlich zerstört hat, und hätte man ihr die Aufregung - und den tödlichen Rückfall - nicht vielleicht ersparen können, wenn man ihr die Wahrheit gesagt hätte, nämlich daß das DDR-Regime untergegangen war und sie nun wieder ihren in Berlin-West lebenden Ex hätte treffen können? Hat Alex nicht letztlich alles falsch gemacht? Obwohl er - wie Ödipus - bester Absicht war und nur alles richtig machen wollte? Und hat Iokaste, pardon die Genossin Kerner, nicht letztlich alles selber verschuldet durch ihre Lügen? Aber darauf will Dikigoros hier nicht hinaus, er will es nur kurz am Rande erwähnt haben - wer fragt schon im Kino nach Logik? [Einen weiteren peinlichen Schnitzer aus politischer Korrektheit hat Becker gerade noch vermieden: Ursprünglich wollte er die Rolle des Denis mit einem Türken besetzen - aber das hätte ihm auch die dümmste DDR-Bürgerin nicht abgenommen: In der DDR gab es keine Türken (schon gar nicht als Nachrichtensprecher :-)! So blieb es denn bei der Tatarin Tschulpan Chamatowa - die eine russische Krankenschwester spielt, mit der Alex sich anfreundet - als ausländisches Feigenblatt für die Gutmenschen.] Exkurs Ende.

[Tschulpan Chamatowa]

Wir sind noch nicht ganz fertig mit der Anpassung der medialen Wirklichkeit an die Wahrheit: Am 3. Oktober (für jüngere Leser, die im Politikunde-Unterricht nicht aufgepaßt haben: 1990) steht der "Tag der deutschen Einheit" an, am 7. Oktober der (41.) Jahrestag der DDR-Gründung an. Da der Krach und das Feuerwerk jener Feierlichkeiten im Krankenhaus - anders als zuhause - schlecht vertuscht werden kann, reißt Alex einfach vier Blätter mehr vom Wandkalender ab und macht so den 3. Oktober zum 7. Wozu eigentlich? Soll die Mutter glauben, es würde weiter die DDR gefeiert? Nein, das macht keinen Sinn (aber auch das hat Becker offenbar nicht bemerkt), denn gleichzeitig läßt er ja im - eigens ins Krankenhaus geschafften - Fernseher (zum Glück hat die Mutter ein Einzelzimmer, so daß sich niemand sonst wundern muß :-) den neuen Staatsratsvorsitzenden Sigmund Jähn erklären, daß er der Wiedervereinigung der BRD mit der DDR zugestimmt habe; damit sind nicht nur Friede, Freude und Eierkuchen wieder eingekehrt, sondern auch die Angleichung der Wirklichkeit und der Wahrheit ist vollzogen. (Die Mutter stirbt einige Tage später; ihre Asche wird mit einer von den Jubelfeiern übrig gebliebenen Feuerwerksrakete ins All geschossen.) Ende der Lehrstunde in Spiegelfechterei und Tatsachenverdrehung.

Aber stimmt das eigentlich? Was haben wir denn gelernt? Eine Verdrehung der Tatsachen? Nein, liebe Leser, die Tatsachen stimmen doch: Die Mauer ist gefallen, BRD und DDR sind zu einem Staat geworden, zahlreiche Wessis sind in die Ex-DDR gefahren (auch die Coca-Cola-Wagen :-), die Leninbüsten sind weg (obwohl man sie inzwischen wieder aufstellen will) usw. Nur die Interpretationen sind verschieden - und man kann trefflich streiten, welche die richtige ist: Hat die BRD wirklich die DDR "geschluckt", wie seine Politiker ihren Bürgern das lange Zeit weis zu machen versuchten (und z.T. heute noch versuchen)? Oder war es nicht vielmehr umgekehrt? Es gibt inzwischen Leute, die das ernsthaft behaupten, nicht nur den in die USA emigrierten Professor Hoppe - der freilich nicht nur der westdeutschen Demokratie im besonderen, sondern der Parteien-Demokratie im allgemeinen vorwirft, versagt zu haben [bitte unbedingt anklicken, liebe Leser; es gibt diese sehr lesenswerte Rezension nur noch bei Dikigoros, der sie überdies mit einer Reihe interessanter Links versehen hat] -, sondern z.B. auch den FDP-Vorsitzenden Westerwelle, der von einer "DDR, nur ohne Mauer" spricht, oder sein Generalsekretär Nebel, der die "Große Koalition" als Neuauflage der "Nationalen Front der DDR" bezeichnet und deren Anführerin vorgeworfen hat, ihre Neujahrs-Ansprache klinge wie einst "ein Rechenschaftsbericht aus dem Zentral-Komitee über die Erfolge seit dem letzten Plenum". Haben wir es hier also mit einem ungeheuren Treppenwitz der Geschichte zu tun - dem größten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts -, bei dem einem das Lachen über "Good Bye, Lenin" förmlich im Halse stecken bleibt? Schaun wir mal: Fast alle DDR-Bonzen sind in Amt und Würden geblieben - wenn nicht, dann sind sie mit voller Pension, zuzüglich Sonderzahlungen für besonders verdiente Genossen, etwa Stasi-Mitarbeiter, unbehelligt in den Ruhestand getreten. (Auf Wunsch wurde ihnen die Knete sogar bis nach Chile nachgeschickt.) Die SED besteht - unter anderem Namen - weiter, ihre Abgeordneten sitzen im Bundestag und in mehreren Landesregierungen; eine Ex-DDR-Bürgerin ist CDU-Vorsitzende und Bundeskanzlerin und schlägt als solche alle Negativ-Rekorde, einschließlich die von ihrem Protektor Helmut Kohl aufgestellten - sie hat das Reich das Imperium die Republik also tatsächlich übernommen.

[Die Übernahme des Reichs]

Die westdeutschen Sozialkassen sind für die DDR bis zum letzten ausgeplündert worden (die Renten der Ossis - die nie einen Pfennig eingezahlt haben - sind im Schnitt höher als die der Wessis). Die westdeutsche Wirtschaft ist ruiniert; die Westdeutschen sind vom reichsten zum ärmsten Land der alten EU geworden. Während in der Ex-DDR Billionen (!) westdeutscher Steuergelder (die Schraube der Steuer- und Sozialabgaben wurde angezogen wie noch nie in der Geschichte - nicht einmal im Krieg!) in die "Infrastruktur" gesteckt worden sind, verfallen in Westdeutschland die öffentlichen Straßen und Gebäude zusehens. Westdeutschland ist ruiniert, wie es nicht schlimmer ruiniert sein könnte, wenn die NVA in der BDR einmarschiert wäre und die DDR sie annektiert hätte. Und was das Schönste ist - und da hat Nebel fast Recht (fast, denn er hat nur die Spitze vom Eisberg angesprochen): Seit dem Zusammenschluß von BRD und DDR hat sich die Berichterstattung in den - mehr denn je, selbst mehr als jemals in der DDR - vom Staat kontrollierten Medien von über-kritisch in über-staatskonform und zweck-optimistisch gewandelt, und zwar so eklatant, daß es selbst dem letzten Fernseh-Konsumenten aufgefallen sein müßte: Alles ist wunderbar, von A wie Arbeitslosigkeit bis Z wie Zuwanderung (und natürlich F wie Fußball, S wie Sicherheit und sogar W wie WetterWachstum), so wunderbar wie es sich nicht mal Wolfgang Becker und seine Helden für ihre Mama-TV-Sendungen hätten ausdenken können. Ist die Interpretation, die Alex seiner Mutter vorgespielt hat, also wirklich so falsch? Dikigoros hat seine Antwort schon in der Überschrift gegeben - und wenn einige darüber hinweg gelesen haben sollten, wiederholt er sich gerne noch einmal: Die alte BRD ist tot; aber die DDR lebt weiter; und wer Kommunist, Marxist, Sozialist o.ä. ist, hat allen Grund, mit Zuversicht und Freude in die Zukunft zu blicken!


P.S.: Nein, liebe rechte Leser, Dikigoros weiß ja, daß Ihr auch der alten BRD nicht sonderlich nachtrauert und lieber fragt, ob nicht Deutschland noch - und seit der "Wiedervereinigung" erst recht wieder - lebe? Dikigoros persönlich würde diese Frage nicht so stellen, denn für ihn ist "Land" - vom Boden mal abgesehen, der allerdings auch zunehmend vor die Hunde geht - bloß ein Abstractum, das nicht "leben" kann; aber er weiß ja, daß Ihr damit eigentlich etwas anderes meint, deshalb dürft Ihr selbstverständlich so fragen; er fürchtet indes, daß die Antwort noch vernichtender ausfallen würde; er will sie Euch deshalb an dieser Stelle tunlichst ersparen.


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