Demokratie: Der Gott, der keiner ist

eine Rezension von Martin Möller

(Monarchieliga, April 2005)

Vor wenigen Wochen erschien die deutsche Ausgabe des Buches „Democracy - The God that failed“, das vor drei Jahren bei Transatlantic Publishers in USA erschienen ist. Der Ruhm des Originals eilte der deutschen Übersetzung voraus und sorgte für eine ganze Reihe von Besprechungen in deutschen Journalen, so in der FAZ und in der „Jungen Freiheit“. Es ist zu vermuten, daß dieses Buch in Amerika weniger Aufsehen und verschreckt zitterndes Staunen erregte als in den deutschsprachigen Zonen, wo das Demokratie-Evangelium wertvoller gilt als alle Testamente der Heilsgeschichte und der „Religionen“ zusammen genommen. Der „Gott, der keiner ist“ ist laut Hoppe nämlich horrible dictu die edle Demokratie, die nach deutscher Staats- und Rechtsphilosophie das Himmelreich auf Erden und die freieste Ordnung aller Kontinente und Epochen repräsentiert, eine Ordnung, an der nur perverse Verbrecher und vollständige Idioten zweifeln und die so wertvoll ist, daß man sie - leider, leider - mit Lüge und mit Hetze, mit Spitzel- und Büttelheeren verteidigen muß.

Hoppe scheut sich also nicht, daß Kind bereits im Titel beim Namen zu nennen und den sich selbstvergötzenden Demokraten die Maske von ihrer häßlichen Fratze zu reißen, denn ein „Gott, der keiner ist“ kann ja wohl nur ein betrügerischer Dämon sein und Hoppe zeigt auf jeder Seite, was von der angeblichen Demokratenfreiheit zu halten ist, nichts nämlich. Im Gegenteil, die moderne Demokratie bedeutet den drohenden Eintritt in eine weltweite Sklaverei, wie Hoppe aufzeigt.

Der Titel des Buches (Democracy - The God That Failed) spielt auf ein Werk an, das 1950 unter dem Titel „The God That Failed” erschien. Es handelte sich um einen Sammelband mit Essays ehemaliger Kommunisten und Fellowtravellers: Arthur Koestler, Ignazio Silone, Richard Wright, André Gide, Louis Fischer und Stephen Spender. Sie hatten sich alle mehr oder weniger klar von dem Götzen los gesagt, dem sie zuvor gedient hatten - dem Sozialismus bzw. Kommunismus bzw. Stalinismus. Besonders Koestler beschrieb hier und in anderen auch heute noch höchst lesenswerten Büchern wie „Der Yogi und der Kommissar“ den psychologischen und geistigen Weg in den totalitären Fanatismus hinein und die erheblichen Schwierigkeiten, den Weg wieder hinaus zu finden.

Hans Hermann Hoppe stellt mit der überlegten Wahl des Titels die „Demokratie“ dorthin, wohin sie gehört: in eine Reihe mit den totalitären, menschenfeindlichen Wahngebilden des 19. Jahrhunderts, in eine Reihe mit Nationalismus, Sozialismus und Kommunismus. Mit der krassen Titel-Wahl möchte er unzweideutig klar machen, daß genau wie der Sozialismus die Demokratie das Übel ist, das sie zu bekämpfen vorgibt: „Der gegenwärtige Schlamassel ist das Resultat der überwältigenden Akzeptanz der Idee der Demokratie durch die öffentliche Meinung. Solange diese Akzeptanz vorherrscht, ist eine Katastrophe unvermeidbar, und selbst danach kann es dann keine Hoffnung auf Besserung geben. Andererseits kann, sobald die Idee der Demokratie als gefährlich und bösartig erkannt wurde, - und Ideen können im Prinzip von einem Moment auf den anderen geändert werden - , eine Katastrophe vermieden werden.“

Dies ist das Resultat der geistigen Arbeit nicht etwa eines katholischen Theologen, es ist das Arbeitsergebnis des Ökonomen und Wirtschaftswissenschaftlers. Der Österreicher Hans-Hermann Hoppe, Jahrgang 1949, wurde in Frankfurt am Main promoviert und habilitiert, er unterrichtet Wirtschaftswissenschaften an der Universität von Las Vegas (USA). Er revidiert die demokratische Fortschrittslüge, eine der unzähligen Lügereien und Betrügereien. Nach Hoppe ist der Übergang von der Monarchie zur Demokratie hingegen mit der Machtübernahme einer Verbrecherbande zu vergleichen (ein Befund, den der Historiker bestätigen muß).

Hoppe zeigt mit wirtschaftswissenschaftlichem Instrumentarium, daß ein Monarch, den man sich analog einem Privateigentümer eines gegebenen Landes vorzustellen hat, als rationaler homo oeconomicus gar nicht anders kann, als für die langfristige Wertsteigerung seines Gebietes Sorge zu tragen. Dagegen sei mit der Demokratie der Weg zum Umverteilungs- und Enteignungsstaat beschritten, der sich im Laufe der Zeit verfestigt: Wo die Sachwalter des Gemeinwesens kein Privatinteresse mehr an diesem haben (es etwa ihren leiblichen Erben zu hinterlassen), wachse die Bedeutung kurzfristiger Überlegungen, um begehrliche Schichten der Bevölkerung zufrieden zu stellen. Das „allgemeine pp. Wahlrecht“ rückt jedermanns Eigentum in den Zugriffsbereich aller anderen. Hoppe zeigt, daß die Tendenz zur Demokratie bereits im 19. Jh. überall zugenommen hat und daß mit der Zulassung immer breiterer Bevölkerungsschichten zur Wahlurne sich eine Tendenz zur Verantwortungslosigkeit, zu sozialistischen Umverteilungsdenken und zu Neidideologien durchsetzte: „Der Anreiz Produzent oder Eigentümer zu sein wird reduziert, der entgegen gesetzte Anreiz wird reduziert. Subventionierung von Arbeitslosigkeit und Armut führt zu mehr Arbeitslosigkeit und Armut...“

Hoppe weist die Überlegenheit der Monarchie gerade in ökonomischer Hinsicht höchst überzeugend nach und zeigt den ungeheuer hohen Stand der wirtschaftlichen Integration gerade in Mittel- und Osteuropa im 19. Jahrhundert im Reich der Habsburger auf. „Vor dem Hintergrund der … tatsächlichen Ereignisfolge erscheint das amerikanische System und die Pax americana … als eine uneingeschränkte Katastrophe.“ Ich darf hinzufügen, daß selbige Aussage mutatis mutandis für das Zarenreich gilt. Bereits drei bis vier Generationen lügender demokratischer „Historiker“ haben versucht uns allen weis zu machen, daß die Bolschewisten Rußland vor der absoluten Verelendung bewahrt haben. Auch dies nicht nur notorische Lügerei, sondern reines geisteswissenschaftliches Verbrechertum. Fast in die gleiche Kategorie gehört der Rezensent der FAZ, der heuchlerisch behauptet „daß die demokratische Interventionspolitik der Vereinigten Staaten im Ersten Weltkrieg nicht nur positive Wirkungen hatte …“ Es gibt keinen Zweifel daran, daß diese „demokratische Interventionspolitik der Vereinigten Staaten“ für ganz Europa die absolute Katastrophe, die Ur-Katastrophe darstellte, hinter der alles weitere verblaßt. Seither werden wir von der Blüte der Gosse regiert, und Hoppe vergleicht mit feiner Ironie das monarchische und das demokratische Ausleseprinzip:

„Selbst wenn der Zufall seiner Geburt und seiner Erziehung es nicht ausschließen, daß ein Fürst schlecht oder gefährlich sein kann, so schließen der Zufall seiner Geburt und seine Erziehung es doch nicht aus, daß er statt dessen ein harmloser Dilettant oder sogar ein guter und moralischer Mensch sein kann. Die Auswahl der Regierungsoberhäupter durch allgemeine Wahlen macht es im Gegensatz dazu praktisch unmöglich, daß gute oder harmlose Menschen jemals an die Spitze aufsteigen können. Premierminister und Präsidenten werden für ihre bewiesene Effizienz als moralisch ungehemmte Demagogen ausgewählt. Somit sorgt die Demokratie-Effektiv dafür, daß nur schlechte und gefährliche Menschen jemals an die Spitze der Regierung aufsteigen, mehr noch, als Resultat freien politischen Wettbewerbs und freier Wahl werden diejenigen Personen, die es an die Spitze schaffen, sogar zunehmend schlechte und gefährliche Individuen sein und dennoch als vorübergehende und austauschbar Verwalter nur selten ermordet werden.

Dem haben wir nichts hinzuzufügen. Letztlich könnte man aus fast jeder Seite dieses Buches zitieren und wir werden gewiß auf dieses herausragende Werk noch oft zurückkommen. Jeder Besucher dieser Seite sollte dieses Buch nicht nur erwerben, sondern sorgfältigst studieren und die Ergebnisse Hoppes in seine eigene Arbeit integrieren. Das antidemokratische Denken muß so perfektioniert werden, daß niemand mehr sich öffentlich zur Demokratie bekennen mag. Dann wird der Götze Demokratie stürzen, so wie der Götze Sozialismus gestürzt ist.


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