*Eine Fußnote für drei Anmerkungen:
- Da K.I. in der RSFSR geboren ist verwendet Dikigoros die russische Namensform. Auf Russisch spricht sich das "Kīrßán Nīkolájäwītsch Īljumzhīnaf" (mit Betonung auf dem "zhī"). Im Kalmykischen entfallen die Namensendungen "-ow" bzw. "owa".
(Dikigoros kann kein Kalmykisch und kennt auch niemanden, der es kann, aber es schreibt sich mit der kyrillischen Asbuka - er kann es also lesen. Von der neumodischen Umschrift, wie sie in einigen Turk-Republiken der Ex-UdSSR nach der Unabhängigkeit eingerissen ist - "ü" statt "y", "j" statt "zh" usw. - hält er gar nichts. Die Kalmyken sind kein türkisches, sondern ein mongolisch-tibetisches Volk, das sich - anders als die im Mittelalter islamisierten Turkvölker - seinen buddhistischen Glauben bis heute bewahrt hat.)
- Das schreibt und spricht sich auf Russisch "Älīsta" und auf Kalmykisch "Älyst"; aber Dikigoros beugt sich ausnahmsweise der im Westen üblichen Transkription, nicht ohne anzumerken, daß das irreführend ist, denn wenn es sich "Elist[a]" schriebe, dann würde es "Jälist[a]" gesprochen.
- Bitte folgt doch nicht der brdischen Unsitte, das "Kalmückien" o.ä. zu schreiben - es hat mit Mücken nichts zu tun! Das Land schreibt sich auf Russisch "Kalmykija" und auf Kalmykisch "Khalmyg". (Auch hier entfällt die russische Namensendung "-ija".)
**Dikigoros hat an anderer Stelle wiederholt über "Joint-ventures" - die damals gerade groß in Mode kamen - im allgemeinen und über solche mit sowjetischer bzw. russischer Beteiligung im besonderen geschrieben, kann sich also hier kurz fassen: Die meisten dieser Unternehmungen scheiterten auf lange Sicht - aus unterschiedlichen Gründen - mit hohen Verlusten, vor allem bei den westlichen Vertragspartnern, die Geld in gemeinsame Produktionsstätten vor Ort steckten. Die Japaner waren klüger: Sie gründeten reine Vertriebsgesellschaften, die z.B. in Japan hergestellte Autos - die damals noch ebenso gut und billig waren wie sie heute schlecht und teuer sind - in den fast jungfräulichen russischen Markt drückten und damit in kürzester Zeit Milliardengewinne machten. (Dikigoros rechnet noch immer alles in DM um - in japanischen Yen oder russischen Rubln wären es Billionengewinne :-).
***Womit genau jene famose SAN ihr Geld macht, hat Iljumzhinow nie offen gelegt. Dikigoros enthält sich jeglicher Spekulationen.
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******Schuld sind bekanntlich immer die anderen. Dikigoros will mal versuchen, die letzlich unvereinbaren Standpunkte der Beteiligten aufzudröseln:
- Kasparow - der immer noch die höchste Elo-Punktzahl hat und somit Nr. 1 der Weltrangliste ist - will einen direkten WM-Kampf gegen den FIDE-Titelträger Ruslan Ponomarjow, den er leicht schlagen zu können glaubt.
- BrainGames - ohne dessen Sponsorengelder die Sache finanziell für alle Seiten uninteressant wäre - will, daß "sein" Weltmeister Kramnik den Titel verteidigt.
- Kramnik will nicht gleich wieder gegen Kasparow antreten, sondern statt dessen gegen den Ungarn Péter Lékó - der eine höhere Elo-Zahl als Ponomarjow und auch eine Art Herausforderungsturnier (ebenfalls von BrainGames gesponsert) gewonnen hat.
- Ein Kompromißvorschlag - zwei "Halbfinals" zwischen Kasparow und Ponomarjow sowie zwischen Kramnik und Lékó, danach ein Finale zwischen den beiden Siegern - stößt bei der FIDE auf wenig Gegenliebe, da sie (wohl zu Recht) befürchtet, daß "ihr" amtierender Weltmeister dann nichtmal zu einer offiziellen Titelverteidigung käme.
Am Ende verteidigt Kramnik seinen BrainGames-Titel durch ein Remis gegen Lékó, Ponomarjow bleibt FIDE-Weltmeister - und Kasparow außen vor.
Erst nach dessen Rücktritt kommt es 2006 zu einem "Vereinigungskampf" zwischen Kramnik und FIDE-Weltmeister Topalow, der freilich die hoch gesteckten Erwartungen nicht erfüllt und weniger durch Schach als durch unerfreuliche Begleitumstände von sich reden macht, die nicht mehr hierher gehören.
*******Vier Anmerkungen - die für den Haupttext etwas zu weit vom eigentlichen Thema, nämlich dem Lebenslauf Kasparows, wegführen - in einer Fußnote:
- Dikigoros weiß wohl, daß er, während er das schreibt, im Glashaus sitzt: Die Menschenrechtslage in Libyen war weder vor noch unter noch nach Gaddafi auch nur annähernd so schlecht wie sie es zwei Jahrzehnte später in der BRDDR werden sollte, vor allem für
"Bio-Deutsche".
(Gemäß UN-Definition gilt als "Menschenrecht" auch die Wahrung der ethnischen Identität, und deren Auslöschung - wie sie seit
Sarah Sauer
von allen BRDDR-Regimes ganz offen betrieben wurde und wird - ist Genozid [Völkermord].) Und er weiß auch, daß die UNO nicht erst seit 2003, sondern spätestens seit der Amtszeit des böhmischen Juden
"Kurt Waldheim"
eine kriminelle Vereinigung ist, deren wichtigstes Anliegen der anti-weiße Rassismus ist. Aber er schreibt das aus der damaligen Perspektive, als die UNO noch nicht Typen wie Evo Morales,
Julius Nyerere und
Fidel Castro zu
"Welthelden [World Heroes]" ernannt hatte.
- Der Godesberger SK war in Dikigoros' Jugendzeit ein erstklassiger Verein. (Das ist wörtlich zu nehmen: Seine 1. Mannschaft spielte in der 1. Bundesliga und war bis zum letzten Brett stärker besetzt als das ganze Feld, das in Libyen um die "FIDE-Weltmeisterschaft" patzte, einschließlich des besagten Usbeken.) Er denkt noch immer ungern an so manche Niederlage zurück, die er damals gegen sie einstecken mußte.
- Dikigoros schreibt das bewußt so apodiktisch und verallgemeinernd - nicht etwa: "Das professionelle Turnierschach..." o.ä. Auch das Interesse am Amateurschach bricht massiv ein. Schach wird wieder zur Randsportart - nicht nur in Deutschland. Folglich gibt es auch keinen guten Nachwuchs mehr; denn intelligente junge Menschen haben kein Interesse, eine solch brotlose Kunst zu ihrem Lebensinhalt zu machen, zumal ihnen immer der Makel anhaften würde, schlechter zu spielen als ein Computerprogramm. (Auch die einst mit Spannung erwarteten und von Millionen verfolgten Duelle "Mensch gegen Maschine" haben ihren Reiz - und ihre Sponsoren - verloren, seit feststeht, daß selbst der mutmaßlich beste Schachspieler aller Zeiten keine Chance mehr gegen letztere hat.)
- An der Person des Usbeken bzw. seiner Spiel
stärkeschwäche scheitern auch nochmals halbherzig geführte "Wiedervereinigungsgespräche"; denn kein Sponsor ist bereit, einen WM-Kampf mit einer solchen Flasche - dessen Ausgang von vornherein feststünde - zu finanzieren. Die FIDE führt zwar auch nach diesem Affentheater noch "Weltmeisterschaften" durch. (Über eine davon - der Dikigoros als Zuschauer live beigewohnt hat - schreibt er
an anderer Stelle
mehr und kann sich hier weitere diesbezügliche Ausführungen über die Zeit nach Kasparows Rücktritt sparen.) Aber mit der Popularität des Schachspiels und seiner Protagonisten ist es vorbei: In den 1970er Jahren kannte jedes Kind - und erst recht jeder Erwachsene, auch unter denen, die nie selber aktiv Figuren geschoben hatten - die Namen Fischer und Spasskij, dto in den 1980er Jahren die Namen Karpow und Kortschnoj, und in den 1990er Jahren die Namen Kasparow und Ānand. Aber seit Kramnik und Topalow haben alle Weltmeister mehr Schlagzeilen mit ihren wechselseitigen Betrugsvorwürfen gemacht als mit ihren Schachpartien. Und bei der Frage, wer heute amtierender Schachweltmeister ist, müßte selbst Dikigoros erstmal überlegen - wahrscheinlich irgendein Chinese, dessen Namen er nicht mal richtig aussprechen könnte und sich auch nicht die Mühe machen würde, es zu erlernen. Aber nicht nur die Weltmeisterschaft, sondern auch die "Schach-Olympiade" ist zur Lachnummer verkommen: Als sie anno 2022 nach der "Corona"-Pause wieder aufgenommen wurde, waren die beiden einzigen Staaten, die noch Schachspieler von einiger Spielstärke aufzuweisen hatten - Rußland und China - nicht dabei. Statt dessen ließ die FIDE Verbände von körperlich und geistig Behinderten teilnehmen, deren Mitglieder z.T. nicht mal die Schachregeln beherrschten. (Einige Schiedsrichter dem Vernehmen nach auch nicht :-) Das gesamte Feld hätte ein Kasparow wahrscheinlich immer noch in einer einzigen Simultanveranstaltung platt machen können - was aber niemanden mehr interessierte.
********Das sollte man nicht überbewerten. Die geradezu inflationäre Vermehrung der Elo-Punktzahlen und der Großmeister-Ernennungen ist kein Zeichen von besonderer Stärke der Schachwelt insgesamt, sondern ganz im Gegenteil von deren besonderer Schwäche, denn es sind ja nur relative Werte: Unter Blinden ist der einäugige König, und unter schwachen Schachspielern sind halt diejenigen, die wenigstens etwas Können aufs Brett bringen, Großmeister. Der vermeintlich "große" Norweger war ein Scheinriese, den Dikigoros, wenn er noch seine Spielstärke als 20-jähriger hätte - obwohl er wahrlich kein Schachgenie war, sondern nur ein überdurchschnittlich guter Amateur -, leicht und locker von der Platte geputzt hätte; und das gilt auch für tausende andere Spieler seiner Generation. In den 1970er, 1980er und frühen 1990er Jahren wäre ein Figurenschieber von der Spielschwäche eines C. nicht mal Kreismeister, ja nicht mal Bonner Stadtmeister geworden. (Dem steht nicht entgegen, daß C. in seinem Vater und später auch in seiner Ehefrau Manager von überragender Tüchtigkeit hatte, die ihn erst bekannt und dann - als wahrscheinlich letzten Schachprofi der Geschichte - wohlhabend gemacht haben, so daß er es sich leisten konnte, bereits in jungen Jahren - und auf dem Höhepunkt seines Elo-Rankings - zurück zu treten.)
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