Rokoko ca. 1715 - 1790
Kleidung des Mannes
Jacken und Mäntel
Das „Justeaucorps“ wurde unkomplizierter gestaltet, da es nun
überall getragen wurde. Seine steifen Schöße verschwanden und
die Ärmel wurden lang und schmal und mit kleinen Stulpen
versehen, so dass ein wenig der zarten Hemdsspitze zur Geltung
kam. Um 1760 wurden die Rockschöße vorn zurückgeschnitten
und der Justeaucorps wurde nur noch oberhalb der Brust
geschlossen.
In der höfischen Kleidung ward er Justeaucorps aufwendig
verziert und bestickt und aus feinster Seide gearbeitet. Zusammen
mit Weste, Culotten und Strümpfen gehörte er zur höfischen
Kleidung bei offiziellen Anlässen.
Als Regenschutz und Reisekleidung dienten Mäntel und
Umhänge. Das Bürgertum trug bevorzugt bequeme und weite
Mäntel in Capeform.
Der lange "Roquelaure" wurde durchgeknöpft und von
vornehmen Herren getragen.
Der "Surtout" war weniger strapazierfähig, dafür ein langer,
eleganter und bequemer Mantel. Vom Schnitt her war der Surtout
dem Justeaucorps ähnlich und besaß einen doppelten Kragen.
Die „Redingote“, ein englischer Reitmantel, wurde nach 1750
immer beliebter. Die Redingote war tailliert, zweireihig zu
knöpfen und mit einem doppelten Kragen versehen. Um beim
Reiten mehr Beinfreiheit zu haben, schnitt man die Schöße später
wie beim Justeaucorps zurück.
Oberkleidung
Zum ersten Mal gab es eindeutige Unterschiede zwischen einem
Ober- und einem Unterhemd festzustellen.
Das gröbere Leinenhemd wurde als Unterhemd auf der Haut
getragen wohingegen das feinere Leinen- oder Baumwollhemd
darüber getragen wurde.
Um mit den kostbaren Spitzen kokettieren zu können, wurden
möglichst viele Knöpfe an Rock und weste geöffnet. Halstuch
und Jabot wurden aufwendig aus Spitze und Stickereien gestaltet.
Die unter dem Justeaucorps getragene "Weste" wurde um Laufe
des 18 Jahrhunderts immer kürzer und bedeckte um 1780 nur
noch knapp die Hüfte. Das nicht sichtbare Rückenteil wurde aus
Sparsamkeit aus einem einfachen Stoff gefertigt, meist aus derben
Leinen, wohingegen der sichtbare Teil der weste aufwendig
gestaltet wurde. Sie wurde bunt oder dunkelfarbig bestickt z.T.
sehr aufwendig mit Szenen aus beliebten Theaterstücken.
Hosen
Die "Culotten", die Beinkleidung des Mannes, waren weniger
Veränderungen unterworfen. Bis ca. 1750 wurden sie mittels
eines Hosenlatzes geschlossen. Ketten mit echten oder falschen
Uhren und zahlreiche Schmuckanhänger hingen über den
Seitenschlitzen des Hosenlatzes. Ab 1780 wurden die Culotten
immer neger, was das Sitzen kaum mehr möglich machte. Um das
Anziehen zu erleichtern, wurden sie an den knien mit einem
Knopf – oder Schnallenverschluss versehen. Der Papst verbot
diese hautengen – als schamlos geltenden- Hosen vergeblich. Ein
vordere Schlitz zum Knöpfen und ein Taillenbund ersetzten die
zuvor üblichen Schnallriemen.
Anzüge
Der seidene "Schlafrock" war kaftanartig geschnitten und wurde
nach dem Aufstehen und zum Empfang von Gästen getragen.
Der einfache Alltagsanzug, der nicht bei Hofe oder
Gesellschaften getragen wurde, wurde als „Negligé“ bezeichnet.
Der Schnitt des Rockes war bequem und aus dunklem Tuch statt
aus heller Seide oder Samt gefertigt. Zu diesen Tuchröcken
wurden lederne Beinkleider und hohe Stiefel getragen.
Stoffe und Farben
Frisuren und Kopfbedeckungen
Die Haarmode des 18. Jahrhunderts wurde von der so genannten
"Haarbeutelfrisur" (frz. Coiffure en bourse) bestimmt. Das lange
Nackenhaar wurde in einen kleinen Haarbeutel aus gummierten
Seidenstoff gelegt und mittels einer großen, breiten Schleife
geschlossen. Das Seitenhaar wurde entweder in offenen Löckchen
getragen oder zu festen Rollen gewickelt, die ein-, zwei- oder
mehrfach an der Schläfe angeordnet waren.
Das Stirnhaar wurde toupiert und ebenfalls zu einer Rolle, der "Vergette",
geformt. Die
Haarbeutelfrisur wurde meist grau- oder weißgepudert getragen.
Seit Aufkommen der Perücke wurde der Hut nicht mehr
aufgesetzt, sondern unter dem Arm getragen.
Eine ballonartige "Schlafmütze" oder eine gestrickte
"Zipfelkappe" bedeckte die unfrisierten Haare.
Accessoires
Halstuch und Manschetten dienten der Vervollständigung der
Kleidung. Das Halstuch wurde jedoch später durch das gefältelte
"Jabot", eine zwei- bis mehrstufige Spitzen- oder Leinenrüsche,
die den Vorderverschluss des Hemdes verdeckte.
Die weiten und
langen Manschetten, "Pleureuses" genannt, fielen über die Hände
und waren größtenteils aus luxuriöser Spitze gearbeitet.
Schuhwerk Die Schuhe wurden oft mit einer kostbar verzierten Schnalle
geschmückt. Die Schnalle verbreiterte sich im Laufe der Zeit
soweit, dass sie fast den ganzen Rist bedeckte. Das Volk, das sich
die kostbaren Schnallen nicht leisten konnte, schmückte seine
Schuhe mit Bändern. Gamaschen, die aus Leinen oder Filz
gearbeitet und um die Wade geknöpft wurden, kamen wieder in
Mode.
Kosmetik
Wie in der Damenmode puderten und schminkten sich auch die
Herren.
Originalkostüme
| Jahr |
Kleidungsstück |
Quelle |
| 1720 |
Banyan |
V&A Museum, London |
| 1720 |
Zeremonie-Anzug |
Hermitage Museum, St. Petersburg |
| 1720 |
Weste |
Museum of Fine Arts, Boston |
| 1730 |
Anzug |
Manchester Art Gallery, Manchester |
| 1730 |
Justeaucorps |
Manchester Art Gallery, Manchester |
| 1730 |
Justteaucorps |
Hermitage Museum, St. Petersburg |
| 1730 |
Weste |
Manchester Art Gallery, Manchester |
| c1730 |
Anzug |
V&A Museum, London |
| 1734 |
Weste |
V&A Museum, London |
| 1740 |
Anzug |
V&A Museum, London |
| 1740 |
Weste |
Manchester Art Gallery, Manchester |
| 1750 |
Banyan |
Manchester Art Gallery, Manchester |
| 1750 |
Weste |
Museum of Fine Arts, Boston |
| 1755 |
Weste |
Manchester Art Gallery, Manchester |
| 1760 |
Habit à la francaise |
Centraal Museum, Utrecht |
| 1760 |
Weste |
Centraal Museum, Utrecht |
| 1760 |
Hemd, Hose |
V&A Museum, London |
| 1760 |
Weste |
V&A Museum, London |
| 1760 |
Anzug |
V&A Museum, London |
| 1760 |
Justeaucorps, Weste |
Manchester Art Gallery, Manchester |
| 1760 |
Justeaucorps, Weste |
Manchester Art Gallery, Manchester |
| c1765 |
Habit, Culottes |
Kyoto Costume Institute |
| 1765 |
Anzug, Detail |
V&A Museum, London |
| 1765 |
Anzug |
V&A Museum, London |
| 1770 |
Anzug |
Museum of Fine Arts, Boston |
| 1770 |
Habit à la francaise |
Kyoto Costume Institute |
| 1770 |
Justeaucorps, Weste |
Manchester Art Gallery, Manchester |
| 1774 |
Anzug |
Metropolitan Museum, N.Y. |
| 1775 |
Anzug |
Museum of Fine Arts, Boston |
| 1775 |
Anzug |
Museum of Fine Arts, Boston |
| 1775 |
Anzug, Detail |
V&A Museum, London |
| 1775 |
Anzug, Detail |
Museum of Fine Arts, Boston |
| 1775 |
Anzug, Detail |
Museo Piraino |
| 1775-80 |
Anzug, Detail |
Museo Piraino |
| 1780 |
Neglige |
V&A Museum, London |
| c1780 |
Habit à la francaise, Detail |
Museo Piraino |
| 1784 |
Anzug |
Hermitage Museum, St. Petersburg |
| 1785 |
Anzug |
Museum of Fine Arts, Boston |
| c1785 |
Banyan |
Kyoto Costume Institute |
| c1790 |
Habit à la francaise |
Kyoto Costume Institute |
Modische Accessoires
| Jahr |
Accessoire |
Quelle |
| 1750 |
Hauskappe |
Museum of Fine Arts, Boston |
| c1780 |
Zweispitz |
Museum of Fine Arts, Boston |
|