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Rokoko ca. 1715 - 1790

Kleidung der Dame

Oberteile
Das „Mieder“, auch „Schnürbrust“ oder „Schnürleib“ genannt, war mittels Eisen- und Stahlschienen gepanzert, um den Körper in eine schmale Form zu zwingen. Um den weiblichen Körper zart und zerbrechlich erscheinen zu lassen, wurde die Taille zum Teil auf einen Umfang von bis zu 30cm zusammengeschnürt. Die "Planchette" aus Eisen, Blei oder Holz drückte den Bauch nach innen und die eiserne Querstange ließ die Brust verschwinden.
Der "Caraco", eine bis in die 90er Jahre beliebte Schoßjacke, tauchte in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts auf. Der Caraco entwickelte sich aus einem losen Päckchen, das von Bürgerinnen getragen wurde. Die Schöße, meist hüftlang, waren mal mehr, mal weniger stark zurückgeschnitten. Sie waren entweder in Falten gelegt oder fielen glatt über dem Rock. Charakteristisch waren sein dreiviertel langen Ärmel, die mit einem Aufschlag versehen waren, sowie das tiefe Dekolleté, das die unterschiedlichsten Formen haben konnte. Ebenso typisch war ein Reverskragen mit einer Rüscheneinfassung. Der Caraco wurde vorn durch Haken oder durch eine Schnürung geschlossen. Die sichtbare Schnürung wurde mit einem Brusteinsatz, einem "Stecker", unterlegt. Die Schnürung konnte aber auch verdeckt sein. Knöpfe hingegen wurden eher als Dekoration getragen. Meist war er aus unterschiedlichem oder gleichem Stoff wie der Rock gefertigt.
Ähnlich dem Caraco ist der "Casaqiun" (frz. kurzer Überrock), eine kasackförmige Schoßjacke der Frau. Im Brustbereich wurde er mit einem Stecker ausgefüllt und im Rücken mit einer Watteaufalte versehen.

Röcke
Ein charakteristisches Merkmal für die anfängliche Zeit des Rokoko war der kuppelförmige Reifrock, "Panier" genannt. Er bestand aus 5 - 8 Rohrreifen, die mit Wachstuch verbunden waren. Der Reifrock verursachte daher beim Gehen ein typisches Knarren, weshalb er bald ugs. "Kreischerin" (frz. Criarde) genannt wurde. Das Aussehen des Reifrockes entwickelte sich bald zu einer ovalen Form, die vorn und hinten abgeflacht war, während die Seiten mit überdimensionalen Wülsten versehen waren.
Im Laufe der Zeit hob man die Seiten mittels Aufbinden von "Poches" so hoch, dass die Ellenbogen bequem darauf abgelegt werden konnten. Die oberen Reifen erreichten eine Größe von 4 Ellen und die unteren von 7 - 8 Ellen, was die Frauen dazu zwang nur noch seitlich durch die Türen zu gehen. Bürgerliche Frauen trugen weniger aufwendige Gestelle, so genannte „Demo-Paniers“, zwei in der Hüfte sitzende Reifen, die mit Reifengestellen verbunden waren. Diese Seitengestelle waren ohne Unterbau.
Die Form der Röcke wechselte ständig, wohingegen die Mode der doppelten Röcke beibehalten wurde. Während in den 40er Jahren der Rock des „Manteau“ noch glatt über den Reifrock fiel, wurde in den 60er Jahren der Rock in der vorderen Mitte geöffnet und mittels Bänder an den Seiten bauschig hochgerafft. Schließlich wurde der Saum des Kleides zum ersten Mal in der Geschichte der Mode kürzer und ließ den Blick frei auf einen Teil der Wade und zarte gold- und silberbestickte Seidenstrümpfe. Diese Mode hielt jedoch nur bis in die 70er Jahre und die Röcke erhielten wieder ihren bodenlangen Saum zurück und verlängerten sich zum Teil in einer Schleppe.
In den 80er Jahren verlagerten sich die seitlichen Paniers über das Gesäß. Der "Cul de Crin" oder "Cul de Paris" war geboren. Der sichtbare Unterrock wurde meist aus den gleichen Stoffen wie das Überkleid gefertigt, hatte jedoch eine andere Farbe. Über- und Unterrock waren häufig aufwendig dekoriert und geschmückt mit mehreren Stufen von Borten, Bändern, Schleifen, Rüschen, Stickereien, sowie mit Federn und Kunstblumen. Alles wurde kunstvoll gearbeitet und arrangiert.
Blumen, die in italienischen Nonnenklöstern gefertigt wurden, waren bei den Damen äußerst beleibt. Später bezog man diese Blumen jedoch aus deutscher und französischer Produktion.

Kleider/Kostüme
Als "Negligé" verstand man jedes Kleid, das nicht für den großen Auftritt bestimmt war und somit ein Haus-, Straßen- oder Reisekleid sein konnte. Taille und Rock des Negligés waren in eins geschnitten. Seine lange und weite Form umhüllte die Trägerin nur lose und gab ihr eine kegelförmige Silhouette. Eine weite Falte im Rücken gab dem Kleid von hinten ein mantelartiges Aussehen.
Diese angeschnittenen Falten wurden später als "Watteaufalten" beliebt. Durch die Schauspielerin Madame Dancourt, die dieses Kleid in der Komödie „Andira“ trug, erhielt es den Namen "Adrienne". Die Pagodenärmel der Adrienne waren unterhalb des Ellenbogens in Falten gelegt und besaßen einen Aufschlag.

Unterkleidung
Das Tragen von „Unterhosen“ galt als unschicklich und war nur älteren Damen oder Mägden, die Fenster putzten gestattet. Die Unterhosen der Holländerinnen waren aus grünem oder schwarzem Samt gefertigt. „Unterröcke“ hingegen waren unerlässlich. Der oberste, oft sichtbare Unterrock war aus Seide gefertigt, bestickt und mit Gold- und Silberborten versehen. Unter den leichten Musselinkleidern trug man Unterröcke aus dem gleichen Material.
Stoffe und Farben Auf zahlreichen zeitgenössischen Bildern lassen sich kostbare und farbenprächtige Stoffe erkennen. Man erdachte sich die ausgefallensten Namen für die beliebten Modefarben: Flohfarben, Straßenschmutz, Nymphenschenkel, vergifteter Affe, lustige Witwe, Stutzers Eingeweide sind nur einige Bezeichnungen für die verschiedenen Schattierungen von gelb und grün.
Gold- und Silberbrokate waren von außerordentlicher Qualität. Einfache Bürgerinnen trugen bedruckte Baumwollstoffe. Um 1750 lösten die feinen englischen Musselin-, Batist- und Linongewebe die Baumwollkattune ab. Die Feinheit des Fadens bestimmte von nun an die Eleganz der Stoffe, nicht mehr die Kostbarkeit oder exquisite Musterung des Stoffes. Eine beliebte Farbe dieser leichten Stoffe war weiß.

Kleidung, Mode, Rokoko

Frisuren und Kopfbedeckungen
Je breiter das Panier wurde, desto kleiner wurden die Frisuren. Um 1730 trug man das Haar in einer Fülle aus kleinen gepuderten Locken. Zu festlichen Anlässen wurde das Haar weiß gepudert und in langen Locken getragen. Spitzenbänder, Blumen und kostbare Haarnadeln zierten diese Lockenpracht. In den 40er Jahren kämmte man das Haar streng nach hinten und formte es am Hinterkopf zu einem Lockenkranz. Ab den 50er Jahren wurde die Frisurenmode aufwendiger und ausladender und die Nachfrage nach Perücken und Haarteilen stieg an. Die Frisuren nahmen in den 80er Jahren ungeahnte Ausmaße an und die Damenwelt versuchte mittels Aufbauten aus Draht oder mit Fischbein verstärkten Rosshaarkissen das Dreifache der Gesichtslänge zu erreichen. Bei diesen Frisuren wurde das Stirnhaar streng nach hinten gekämmt und am Hinterkopf in Lockenreihen gelegt. Gelegentlich ließ man einige Lockensträhnen herabhängen.
Federn, Bänder, Perlen, Spitzen, Blumen und Juwelen verzierten diese Haarpracht. Bei höfischen Festen trugen die Damen bisweilen äußerst kuriose Gebilde wie Schiffe, Musikinstrumente, Vögel, Gemüsegärten oder Straußenfedern auf dem Kopf. Diese Frisurenmode zog häufig das Verfilzen des Haares und Ungeziefer nach sich. Auf diesen monströsen Frisuren trugen die Damen breitkrempige, flache Strohhüte, die ebenfalls mit Blumen und Bändern geschmückt waren.

Frisur um 1750, Rokoko Frisur um 1758; Rokoko Frisur um 1780; Rokoko
um 1750 um 1758 um 1780

Accessoires/ Schmuck
Die „Schürze“ tauchte wieder auf, sie war breit geschnitten und mit zwei Seitentaschen versehen.
Das "Fichu", der englischen bürgerlichen Kleidung angelehnt, war ein großes, dreieckiges Brust- oder Schultertuch. Aus Batist oder Musselin gefertigt, wurde es anfangs in den Ausschnitt gesteckt, mit vorn herunterhängenden Zipfeln oder vorn gekreuzten Zipfeln, die im Rücken gebunden wurden getragen.
Ab 1790 wurde das Fichu durch ein Busenpolster aufgebauscht und bekam seinen Namen "Trompeuse" (Betrügerin).
Ein beliebtes Accessoire war der "Pompadour-Beutel", nach Madame Pompadour, die eine besondere Vorliebe für diese Beutel besaß und sie bei besonderen Anlässen trug. Dieses Beutelchen war reich mit Stickereien, Troddeln, Fransen und posamentierten Knöpfen verziert.
Um den Hals trugen die Damen meist ein Band aus Samt oder Spitze mit einem Medaillon als Anhänger. Mehrreihige Perlenbänder wurden an den Handgelenken getragen und zahlreiche große Ringe schmückten die Finger. Äußerst beleibt waren kostbare Fächer aus Seide oder Spitze, die reich verziert waren mit Malereien, Stickereien oder Federn.

Schuhwerk
In der Schuhmode verschwand die hohe Ristlasche und der Schuh erhielt eine kleinere Ristlasche oder war weit ausgeschnitten. Äußerst beliebt waren weiße Schuhe. Der Absatz verkürzte sich und erhielt eine leicht nach innen geschwungene Form, wobei sich die Farbe des Absatzes meist von der Farbe des Schuhs unterschied.
Die Lederschuhe waren einfarbig gestaltet, Stoffschuhe waren meist aus einfarbigen, kleingemusterten oder gestreiften Seiden gefertigt. Als Verzierung dienten sparsam angebrachte kleine Metallschnallen oder Stoffröschen.

Kosmetik
Parfum wurde großzügig auf Körper und Kleider verteilt. Das Gesicht wurde vornehm blass oder weiß geschminkt. Die meisten Schminkmittel enthielten jedoch schädliches Quecksilber oder Bleiweiß. Die Wangen und Lippen wurden mit einem kräftigen Rouge betont. Mittels feiner, bläulicher Linien versuchte man eine zarte, blasse Haut vorzutäuschen.
Schönheitspflästerchen, so genannte „Mouches“ aus gummierter Seide oder Papier, waren nach wie vor beliebt und hatten die Form von Monden, Sternen, Herzen und Blumen. Einfache Frauen schminkten sich nicht.


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Originalkostüme

Jahr Kleidungsstück Quelle
1720 Robe volante Kyoto Costume Institute
1735 Robe à la francaise Metropolitan Museum, N.Y.
1740 Korsett Manchester Art Gallery, Manchester
1740 Korsett Museum of Fine Arts, Boston
1740 Robe volante Museum of Fine Arts, Boston
1740 Rock Centraal Museum, Utrecht
1742 Brautkleid Manchester Art Gallery, Manchester
1745 Mieder V&A Museum, London
c1750 Robe à la francaise Metropolitan Museum, N.Y.
c1750 Rock Museum of Fine Arts, Boston
c1750 Panier Metropolitan Museum, N.Y.
1750 Robe à la francaise V&A Museum, London
1750 Reitjacke V&A Museum, London
1750 Reitjacke V&A Museum, London
1750 Reitjacke V&A Museum, London
1750 Robe à l'anglaise V&A Museum, London
1750 Korsett Museum of Costume, Bath
c1755 Miederoberteil Museo Piraino
1760 Miederoberteil Museo Piraino
c1760 Miederoberteil Museo Piraino
c1760 Korsett Kyoto Costume Institute
1760 Robe à la francaise V&A Museum, London
1760 Robe à la francaise Kyoto Costume Institute
c1760 Robe à la francaise Kyoto Costume Institute
1760 Robe à la francaise Centraal Museum, Utrecht
1760 Robe à la francaise Centraal Museum, Utrecht
1760 Mantua V&A Museum, London
1760 Robe à la francaise, Detail V&A Museum, London
c1760 Robe à la polonaise Kyoto Costume Institute
c1765 Miederoberteil Museo Piraino
c1765 Robe à la francaise Kyoto Costume Institute
1765 Robe à la francaise Centraal Museum, Utrecht
1770 Robe à la francaise Centraal Museum, Utrecht
1770 Korsett Metropolitan Museum, N.Y.
1770 Korsett Museum of Fine Arts, Boston
1770 Robe à l'anglaise Metropolitan Museum, N.Y.
c1770 Robe à l'anglaise Kyoto Costume Institute
1770 Robe à la francaise Deutsches Historisches Museum, Berlin
1770 Robe à la francaise V&A Museum, London
1770 Caraco und Rock V&A Museum, London
1770 Pudermantel Centraal Museum, Utrecht
1774 Robe à la francaise, Detail V&A Museum, London
1775 Robe à la francaise
1775 Robe à la polonaise V&A Museum, London
1775 Detail Robe à la polonaise V&A Museum, London
1775 Robe à la francaise Museo Piraino
1775 Robe à la francaise Metropolitan Museum, N.Y.
1775 Robe à la francaise Centraal Museum, Utrecht
1778 Korsett, Paniers V&A Museum, London
1780 Pet-en-l'air Jacke Manchester Art Gallery, Manchester
1780 Jacke Kyoto Costume Institute
c1780 Miederoberteil Museo Piraino
1780 Caraco, Rock Centraal Museum, Utrecht
1780 Robe à la polonaise Metropolitan Museum, N.Y.
1780 Robe à la polonaise Kyoto Costume Institute
1780 Korsett Museum of Costume, Bath
c1780 Korsett Metropolitan Museum, N.Y.
1780 Robe à l'anglaise V&A Museum, London
1780 Robe à l'anglaise V&A Museum, London
1780 Robe à l'anglaise Kyoto Costume Institute
1780 Robe à l'anglaise Centraal Museum, Utrecht
c1780 Robe à la francaise Centraal Museum, Utrecht
c1780 Robe à la francaise Kyoto Costume Institute
1783 Chemise à la reine Manchester Art Gallery, Manchester
1785 Robe à l'anglaise Manchester Art Gallery, Manchester
1785 Robe à l'anglaise V&A Museum, London
1785 Robe à la polonaise Museum of Fine Arts, Boston
c1790 Robe à l'anglaise Kyoto Costume Institute

Modische Accessoires

Jahr Accesoire Quelle
c1720 Pumps & Patten Manchester Art Gallery, Manchester
1720 Pumps V&A Museum, London
1720 Pumps V&A Museum, London
c1720 Mules Museum of Fine Arts, Boston
1725 Täschchen Museum of Fine Arts, Boston
1730 Stecker Museum of Fine Arts, Boston
1730 Pumps V&A Museum, London
1730 Pumps V&A Museum, London
1750 Hut V&A Museum, London
1750 Hut Museum of Fine Arts, Boston
1750 Strumpfband Museum of Fine Arts, Boston
1750 Strumpfband Museum of Fine Arts, Boston
c1760 Fächer Kyoto Costume Institute
1780 Pumps Museum of Fine Arts, Boston


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