Nána Moúschourä

Gialó, gialó (Wídeo)

|: Eis ton aphró* :| täs thálassas**
|: Ä agápä*** mou :| koimátai
|: Parakaló sas kýmata,
män mou tän exypnáte :|

(Rephrén:)
Gialó, gialó pägaíname,
ki ólo gia séna légame***
|: Gialó na pas, gialó na 'rtheís,
ta lógia mou na thymätheís :|

Instrumental

|: Na 'tan ä thá-:|lassa krasí,
|: kai ta wouná :| mezéδes
|: K' oi wárkes krasopótära
na pínoun oi glentzédes*** :|

Rephrén


*Die altgriechische Liebesgöttin Aphroδítä wird oft ungenau mit "die Schaumgeborene" übersetzt; gemeint ist aber speziell die aus dem Meeresschaum - also der Gischt der Wellen - geborene!
**Wer sich für dieses Wort interessiert - und es ist sehr interessant - sollte zunächst lesen, was ich hier darüber geschrieben habe, unter "To pélagos eínai wathý".
***N.M. spricht das "Gamma" - nicht nur in diesem Lied, sondern grundsätzlich - altgriechisch aus, also wie ein [hoch]deutsches "g". Das ist (schon längst) nicht (mehr) korrekt; korrekt wäre vielmehr, es wie ein Berliner "r" oder ein brasilianisches "rr" auszusprechen, also in Richtung auf ein deutsches "ch". Aber ihr Gamma ist so weich, daß es z.B. Dieter Romberg in seiner Textdatei als "gi" mißversteht und dementsprechend als "[a]y[api]" transkribiert, entsprechend bei "légame" und "glentzédes". (Er kann halt kein Griechisch; doch er hört sonst ziemlich gut heraus, wie es für deutsche Ohren klingt.)
Aber das ist noch das geringste Problem mit diesem Lied und diesem Text. Womit wollen wir anfangen, und wie weit muß ich ausholen? Beginnen wir damit, daß dieses Lied zwar heute mit N.M. assoziiert wird, was aber in fast jeder Hinsicht falsch ist, denn es haben schon Viele vor ihr gesungen, auch längst vor den ersten Plattenaufnahmen, deren älteste die von Elénä Tanágra & Manoläs Δiamandäs & Michaläs Thomákos aus 1949 sein dürfte, übrigens made in USA, und damit haben wir schon einen guten Aufhänger: Wie und wann kamen die meisten Griechen in die USA? Richtig, 1923 als Flüchtlinge aus... Kleinasien. Und nun müssen wir ganz weit zurückgehen, bis ins tiefe, pardon hohe Mittelalter, als das "Oströmische Reich" noch Großmachtpolitik in alle Himmelsrichtungen betrieb - und durchaus mit Erfolg: Im Westen eroberte es Italien "zurück", rottete die Ostgoten aus, eroberte den Balkan, rottete die Petschenegen und die Bulgaren aus (die echten Bulgaren, nicht das makedonisch-slawische Mischvolk, das ihnen folgte und später ihren Namen annahm); im Norden widerstand es erfolgreich den Rūs, im Osten den Parthern/Persern/Sassaniden; auch den Süden - den wir heute "Nahen Osten" nennen - hielt es noch lange, bis hin nach Ägypten; mit anderen Worten: die zivilisierte Welt - oder zumindest das, was man in Europa dafür hielt - war fest in griechischer Hand; so weit, so gut. Dann kam das 11. Jahrhundert, und plötzlich begann Alles schiefzulaufen: Die Normannen eroberten Westeuropa, von England bis Süditalien, das bis dahin eine reiche und wichtige Kolonie Ostroms war. Die Palastwache des Kaisers wurde für die nächste Generation von aus England geflohenen Angelsachsen gestellt, die im Oströmischen Reich Asyl fanden; sie erwiesen sich als zuverlässig, und ihr Beispiel machte Schule - warum selber Soldat spielen und das eigene teure Leben auf's Spiel setzen, wenn man Söldner billig mieten konnte?
[Der Satz: "Und setzet Ihr nicht Euer Leben ein..." war noch nicht geschrieben, und wenn, dann hätten ihn die Griechen sicher nicht gelesen - obwohl ihn der Dichter von einem Chor, der dem des klassischen griechischen Theaters nachempfunden ist, wiederholen läßt. Fragt mal heutige Griechen, ob sie den Satz kennen; ich wette, Ihr findet in ganz Griechenland nichtmal ein Dutzend, einschließlich professioneller Germanisten. Aber fragt lieber keine brdischen Germanisten; sonst könntet Ihr die peinliche Entdeckung machen, daß ihn im Heimatland des Dichters noch weniger kennen, denn das brdische Regime hat das Drama zwar noch nicht offiziell verboten, es ist jedoch politisch unerwünscht, weshalb es schon seit Jahren nicht mehr öffentlich aufgeführt wird - und welches Theater kommt schon noch ohne staatliche Subventionen aus? Eben, und die will man doch nicht auf's Spiel setzen! Auch nach älteren Aufführungen werdet Ihr z.B. in der Tube vergeblich suchen - der Zensor hat sie gelöscht. Aber tröstet Euch, liebe jüngere Musikfreunde, schon zu meiner Schulzeit - die immerhin ein halbes Jahrhundert zurückliegt - wurde es im Deutschunterricht nicht mehr behandelt. Warum? Weil damals noch "re-education" angesagt war. In Bonn versuchte man, Lügen mit anderen Lügen gegenzusteuern. Eine davon - jemand hat sie mal "die Existenzlüge der BRD" genannt - war die Legende vom guten Grafen S.v.S., und die Thematik ähnelte der des Herzogs von Friedland so stark, daß dessen Sterne bzw. die seines Dichters rapide zu sinken begannen. Er mußte weg, und selbst der Name seines Sterndeuters, pardon Astrologen - wir wollen doch bei griechischen Wörtern bleiben - Seni verschwand aus den Kreuzworträtseln, wo er früher nicht wegzudenken war. Das unterscheidet sie übrigens von dem Stern und der Mondsichel, die einst das Stadtwappen von Ostrom waren - sie zieren noch heute das Staatswappen seiner Eroberer!]
Zurück ins Mittelalter. Billige Söldner kam auch aus dem Osten, Turkvölker, die sich nach einem sagenhaften Selçuk nannten. Ob sie auch willig waren? Diese Frage darf man Griechen nicht stellen, denn sie haben bekanntlich Probleme mit dem Auseinanderhalten von "b" und "w". [Das ist nicht bloß ein Wortspiel meinerseits; aber dazu werde ich anderswo schreiben. Es gab mal eine interessante Webseite zu der verrückten Geschichte des griechischen β und seiner Aussprache; leider ist sie verschwunden, und ich habe versäumt, sie rechtzeitig herunterzuladen; aber das Fazit ist, daß die Griechen selber nicht so recht wissen, wann und warum es zum "b" wurde und wann und warum zum "w" - deshalb bleibe ich z.B. lieber bei der Bezeichnung "Kaiser" für den Herrscher von Ostrom.] Wie dem auch sei, in Ostrom war man überzeugt, die billigen Söldner, sollten sie dereinst nicht mehr willig sein, problemlos gegeneinander ausspielen zu können. Mit einem ihrer Häuptlinge, einem gewissen Arslan - der sich aber nicht durch einen langen Arsch, sondern durch einen langen Schnurrbart ausgezeichnet haben soll - bekam man Streit, verlor 1071 auch irgendwo in der Nähe von Mantzikert eine Schlacht gegen ihn; aber das war sicher nur ein Betriebsunfall. Die Schlacht war ja nur verlorengegangen, weil die selçukischen Söldner zum Feind übergelaufen waren. (Die übrigen, einschließlich ihrer griechischen Kommandeure, waren rechtzeitig weggelaufen, also nicht verlorengegangen.) Und überhaupt, Mantzikert lag j.w.d., eigentlich schon in Armenien; und da bereits dessen Hauptstadt, die strategisch wichtige Festung Aní, vor Jahr und Tag verlorengegangen war, kam es auf Mantzikert auch nicht mehr an; und viel mehr verlangte der türkische Arsch Schnurrbart nicht, plus freie Hand in Syrien und Ägypten sowie Lösegeld und jährliche Tribute, die der Kaiser zu zahlen versprach - aber natürlich nicht zahlte, nachdem Arslan ihn voreilig aus der Kriegsgefangenschaft entlassen hatte. Seine Nachfolger (er wurde bald gestürzt) auch nicht; sie versuchten weiterhin, ihre Gegner gegeneinander auszuspielen und riefen die westeuropäischen Ritter zuhilfe, genauer gesagt bestachen sie den Papst, der damals nicht in Rom saß - dort saßen die Normannen -, sondern in Clermont, ein armer Schlucker, immer klamm; und gegen eine ordentliche Summe Golddukaten erließ der einen entsprechenden Aufruf zum "Kreuzzug ins heilige Land, um Jerusalem von den Ungläubigen zu befreien." Der König rief, pardon, der Papst rief, und Alle, Alle kamen?!? Denkste. Es kamen nur ein paar Krautjunker und nachgeborene Söhne, die zuhause nichts zu erben hatten, wie Gottfried von der Kraftbrühe, dessen Bruder Spaghettino Balduino Boulognese und Boamundus der Normanne - ein Sohn von Robbi dem Gewitzten, der schon eine Generation zuvor versucht hatte, Ostrom zu erobern -; der hatte sogar schon Griechisch gelernt - wozu wohl?! Da hätte sich selbst der dümmste Kaiser von Ostrom denken können, ja müssen, daß die, wenn sie etwas vom "heiligen Land" zurückeroberten, das nicht an ihn herausgeben, sondern für sich selber behalten würden! [Aléxios Komnänós gilt bei Geschichtsprofessoren u.a. Berufshistorikern als genialer Herrscher, 1. weil er sich fast 40 Jahre lang an der Macht hielt - aber das beweist nur, daß er ein genialer Intrigant war - und 2. weil die einzige überlieferte Primärquelle für ihn und sein Tun die Memoiren seiner Tochter Ánna sind - die natürlich den Eindruck vermeiden wollte, daß am Goldenen Horn ein Hornochse regierte; aber die Ergebnisse seiner Schaukelpolitik sprechen massiv dafür.] So kam es denn auch. Die Türken waren not amused, daß sie das gerade erst eroberte Syrien gleich wieder an die Kreuzritter verloren hatten, und wandten sich nun verstärkt dem Westen Kleinasiens zu. [Der berühmte Salah-ed-din alias "Saladin" war kein Türke, sondern Kurde; was der im "heiligen Land" trieb, gehört nicht hierher.] 1176, also nur gut 100 Jahre nach der Schlacht von Mantzikert, war es so weit. Mag sein, daß türkische Historiker die Bedeutung der letzteren in der Rückschau weit übertrieben haben, mag sogar sein, daß da nur ein eher unbedeutendes Scharmützel stattfand - man hat jedenfalls in der Gegend nie Knochen o.ä. gefunden, die auf eine größere Schlacht deuten -, aber... Myrioképhalon lag nicht mehr j.w.d., sondern in Karien, urgriechischem Siedlungsgebiet. Und wieder hieß der Führer der Selçuken Arslan - mit dem anderen aber weder verwandt noch verschwägert. Als das Oströmische Reich diese Schlacht - und diesmal auch sein gesamtes Heer - verlor, brach es schlagartig zusammen; fortan war die Stadt am Wósporos (hier transkribiere ich das β mal - oder soll ich "Ochsenfurt" schreiben? - und entscheide mich für die heutige Aussprache) nur noch eine Insel im Sultanat der Selçuken. [Als sie 1453 fiel, war sie längst nur noch eine halbleere Hülle.] Seit dem 12. Jahrhundert lebten die Griechen in Kleinasien also unter türkischer Fremdherrschaft. Und nun machen wir einen großen Sprung nach vorn - ganz ohne Mao, aber mit einem gewissen Wenizélos. [Auch der schreibt sich vorne mit β - dennoch transkribieren ihn einige Wessis weder mit "B" noch mit "W", sondern mit "V" - das verstehe, wer will!] Er war ein Landsmann von N.M., also ein Kreter, und als solcher - wie so viele, die in der "Δiasporá" geboren sind - ein 150%iger "Patriot".
Zwischenbemerkung: Ich habe nichts gegen Patrioten oder Patriotismus, wirklich nicht. Aber man kann ihn, wie viele an sich gute Dinge, auch übertreiben; und dann schlägt er leicht um in einen dummen, engstirnigen Nationalismus und Fremdenhaß. Nicht umsonst hat das griechische Wort "Xenophowía" die Welt erobert; denn es gibt außerhalb Asiens (die Juden zählen zu Asien ;-) kein anderes Volk, das sich durch ein solches Übermaß an Fremdenhaß und Nationalismus auszeichnet wie die Griechen. Verglichen mit ihnen sind die Franzosen der napoleonischen Epoche, die Briten der Jingo-Ära und die Deutschen der Nazizeit die reinsten Waisenknaben; selbst die Polen - die den 2. Platz hinter ihnen einnahmen und einnehmen - sind im Vergleich dazu ein weltoffenes, gastfreundliches Volk. Und nein, die Griechen hatten keinen Grund zu diesem übersteigerten Nationalismus; denn so hart ihnen die Fremdherrschaft der Türken erschienen sein mag - sie war es nicht wirklich; verglichen mit anderen, insbesondere heutigen moslemischen Staaten war das Osmanische Reich ein gemäßigter, toleranter Staat, der seine Minderheiten nicht übermäßig schikanierte - jedenfalls nicht mehr als die Mehrheit seiner türkisch-moslemischen Untertanen auch. Ein gesunder Patriotismus der Griechen hätte vollkommen ausgereicht, um ihre völkische, pardon ethnische - wir wollen doch bei griechischen Wörtern bleiben - und religiöse Eigenart zu wahren. Nein, nicht ihre "Identität" - das ist kein griechisches Fremdwort, das ist nichtmal ein echtes lateinisches, sondern vielmehr ein küchen-lateinisches, das sich die doofen "Humanisten" des 16. Jahrhunderts ausgedacht haben; die Griechen sagen dafür "tavtótäta". Sie haben zwar auch ein Wort "iδiotia", pardon "iδiótäta" (seht Ihr, wegen solcher "faux amis" transkribiere ich das Griechische mit den Akzenten, und das η als "ä", nicht als "i" - obwohl es heute so gesprochen wird), das manche Wörterbücher mit "Eigenart" oder "Eigenschaft" übersetzen; aber damit ist etwas Anderes gemeint, z.B. wenn ein Politiker sagt: "In meiner Eigenschaft als vorsitzender Sesselpupser Vor-Pupser Prä-sident (was nichts Anderes ist als dessen küchen-lateinische Übersetzung ;-) meiner Partei erkläre ich: Die Partei, die Partei, die hat immer Recht," dann ist das seine "iδiótäta" (Eigenschaft im Sinne von Funktion); und wer dem Funktionär das glaubt, der ist - höflich, d.h. medizinisch ausgedrückt - ein "iδiótäs", und - weniger höflich, d.h. umgangssprachlich ausgedrückt - ein... aber lassen wir das; dies ist ja eine Musikseite, keine Seite zum Erlernen griechischer Schimpfwörter, und in Schlagertexten habe ich jenes Wort - das überhaupt keine Ähnlichkeit mit "iδiótäs" hat, so viel sei verraten - noch nie gehört; also ist es hier entbehrlich. Ende der Zwischenbemerkung.
Am Ende des 1. Weltkriegs wurde das Osmanische Reich zerschlagen, und nun kam Herr Wenizélos daher und sah die vermeintlich[e] einmalige Chance, das Rad der Geschichte 800 Jahre zurückzudrehen. Gewiß, die Griechen waren irgendwann im 19. Jahrhundert wieder "unabhängig" geworden; aber diese Unabhängigkeit stand in und auf Gäsenfüßchen, denn sie hatten bloß einen Mini-Staat bekommen, der abhängig war von Englands Gnaden, Frankreichs Finanzspritzen und Bayerns Königshaus. Erst 1912/13 konnten sie ihn um ein paar Landstriche und Inselchen erweitern - na ja. 1920 hatten sie überdies einen schönen Happen vom Osmanischen Reich abbekommen: Ostthrakien, mehrere Ägäis-Inseln und vor allem Smýrnä plus Hinterland. (Die Neugriechen zählen übrigens zu den Wenigen, die dieses deutsche [Fremd-]Wort nicht übernommen haben; sie sagen weiter "enδochóra".) Aber war das genug? Nein, sagte Wenizélos, denn ihm war inzwischen die "megalí iδéa" gekommen, die große Idee, ganz Kleinasien zurückzuerobern und vor allem Konstantinoúpolis! [Bitte sagt doch nicht immer "Konstantinópolis" - es war die Stadt des Konstantin, und der männliche Genitiv endet auf "-u", geschrieben "-ou"! Jeder Popel fährt 'n Opel; aber im Neugriechischen gibt es kein geschlossenes "o"!] Ein preußischer General des 19. Jahrhunderts behauptete mal, der Krieg sei die Fortsetzung der Diplomatie mit anderen Mitteln. Er irrte: Der Krieg ist die Bankrotterklärung der Diplomatie, egal ob Angriffs- oder Verteidigungskrieg! Wenn man außenpolitisch gute Arbeit geleistet, d.h. ein starkes Bündnissystem aufgebaut hat, dann wird niemand wagen, einen anzugreifen; und umgekehrt braucht man selber niemanden anzugreifen, den man ebensogut erpressen kann. [Es gibt nur deshalb so viele Kriege, weil es so wenige gute Diplomaten gibt - die Soldaten müssen sie nur ausbaden und sich dann zu allem Überfluß auch noch von dahergelaufenen Jammeraffen, pardon -äffinnen wie Buffy Sainte-Marie die Schuld dafür in die Schuhe schieben lassen - darüber schreibe ich hier etwas ausführlicher, unter "The universal soldier".] War Griechenland diplomatisch auf einen Krieg gegen die Türkei vorbereitet? Hatte es genügend Verbündete? Na kaum: Frankreich hatte sich das heutige Syrien und den heutigen Libanon unter den Nagel gerissen und war damit zufrieden, dto England, das Palästina, Transjordanien, den Irak und Kuwait besetzt hatte. Italien hatte Adalia [von den Griechen ebenso gesprochen, aber "Antalya" geschrieben - siehe Einleitung - und daher von den Türken und Germanen später fälschlich wie letzteres in ihren Sprachen gesprochen] plus Hinterland bekommen; es hätte sich zwar gerne noch ein Stück mehr geholt, war aber wie immer ein unsicherer Kantonist. Blieb die Frage: Was machte die neue Sowjetunion? Die führte Krieg gegen die neue Türkei. Die Griechen glaubten, das würde ausreichen und schlugen los. Ihr Vormarsch ging bis fast vor die Tore der neuen türkischen Hauptstadt Ankara. Dann... schlossen die Sowjets Frieden mit den Türken - sie hatten sich über die Aufteilung des vorübergehend unabhängigen Armenien geeinigt. Daraufhin zogen die Italiener ab;**** die Franzosen drehten den Geldhahn zu; und als die Briten sahen, daß die Griechen nicht mehr bezahlen konnten, stellten sie ihre Waffen- und Munitionslieferungen ein. Was kommen mußte, kam: Die "megalí idéa" geriet zur "megalí katastrophä"; die griechischen Truppen wurden vollständig vernichtet; alle noch in Kleinasien lebenden Griechen - eine 7-stellige Zahl - wurden ermordet oder vertrieben. Das griechische Mutterland konnte die Überlebenden - mindestens anderhalb Millionen, so genau hat sie niemand gezählt - nicht alle ernähren; wer sehr viel Glück hatte - ein paar tausend - bekam ein Einwanderungsvisum für die USA; wer etwas weniger Glück hatte - ein paar zehntausend - bekam entweder eine Bauernklitsche auf Kreta zugewiesen, von der man im Gegenzug die Türken vertrieben hatte, oder ein Grundstück in der einst überwiegend jüdischen Stadt Saloníkä, das die französischen Besatzer 1917 vollständig niedergebrannt hatten ["holokávtomai", falls sich jemand für den Ursprung des Wortes "holocaust" interessiert] - mitsamt den Einwohnern.***** Der Rest verhungerte in den Flüchtlingslagern.
Zu den Wenigen, die sehr viel Glück hatten, zählten die Eltern von E.T., M.Δ. und M.Th. Als sie "Gialó, gialó" aufnahmen, hatte es freilich noch einen anderen Text; für Alle, die kein Griechisch und deshalb auch nicht verstehen, wann und warum er weichgespült, nein amputiert wurde - nämlich um die erste und die letzte Strophe - übersetze ich unten die Zeile, auf die es mir sprachlich ankommt; wer es schon wieder vergessen haben sollte, möge nochmal den Link in der 2. Fußnote anklicken; es geht um die Frage, warum das Wort "pélagos" so gut wie vollständig durch "thálassa" verdrängt wurde. Die Antwort lautet: Durch zwei Lieder, vor allem durch dieses! Bis dahin hatte das Ionische Meer auf Griechisch "Iónio pélagos" geheißen; aber nun hieß es auf einmal:

"Mögen die Gebirge versinken, damit ich Bournówas [das ist ein Vorort von Smýrnä] sehen kann, meine Liebe - was will ich meer mehr?"
Sie wollen also über's Meer - das Ionische Meer - nach Kleinasien blicken; und dieses Meer - das Wort ist ja auch im verstümmelten Text von N.M. stehengeblieben, wenngleich aus dem Zusammenhang gerissen - wird "thálassa" genannt. Das war sozusagen das Todesurteil für "pélagos", denn Schlager wirken sprachprägend - jedenfalls wenn sie so populär sind, wie es dieser einmal war.
Soviel zum Sprachlichen, und nun zum Inhaltlichen: Aus dieser Zeile wird deutlich, daß da nicht irgendein Freund oder Geliebter besungen wird, sondern das geliebte, verlorene Smýrnä - das die Türken abgefackelt,***** unter dem Namen "İzmir" wiederaufgebaut und mit eigenen Landsleuten neu besiedelt hatten. Alle bedeutenden griechischen Lieder haben einen politisch-patriotischen Hintergrund ("aitótäta" - wenn Ihr das nicht sauber aussprecht, dann klingt es fast wie... s.o., also Vorsicht!) Die beiden wichtigsten im 20. Jahrhundert waren "O mávros aätós" - bitte anklicken, und sei es nur, um Euch zu vergewissern, daß das Meer auch dort "thálassa" genannt wird -, das Lied der Äpeiros-Griechen (das sind die, die sich weigern, die ehemalige jugoslavische Teilrepublik Mazedonien "Makeδonía" zu nennen, weil sie der Meinung sind, daß man sie mitsamt den Nachbarregionen "heim ins [griechische] Reich holen" müsse) und "Gialó, gialó", das Lied der "ionischen" Griechen, genauer gesagt der [vertriebenen] Griechen Kleinasiens. Und nun kommen wir zurück auf die Frage, wann und warum es verkürzt wurde, und da muß ich wieder etwas zurückgehen - keine Angst, diesmal nicht bis ins Mittelalter, sondern "nur" bis ins Jahr 1949. Der furchtbare Bürgerkrieg - über den ich hier nicht auch noch schreiben will, ich habe es schon an anderer Stelle und in anderem Zusammenhang getan - war gerade zuendegegangen; nun war der Blick zurück wieder frei auf die "megalí katastrophä". Aber 1952 - also nur drei Jahre später, der "Kalte Krieg" stand in voller Blüte - zwangen die Westmächte Griechenland und die Türkei, der NATO beizutreten; sie waren also fortan Verbündete, und Feindschaft zwischen Verbündeten war unerwünscht. Doch es kam noch schlimmer: 1954 sprachen sich die Griechen bei einer Volksabstimmung mit überwältigender Mehrheit für den Anschluß, pardon die Wiedervereinigung ("énosis" - bitte sucht das so nicht im Wörterbuch; seit der Rechtschreibreform von 1973 schriebt es sich "énosä" ;-) mit Zypern aus; und das paßte den Briten - deren Kolonie es war - garnicht in den Kram. Sie reagierten mit verschärfter Unterdrückung der "Eingeborenen" - und die Griechen schlugen zurück, mit einer von einem abgehalfterten abgemusterten Obristen organisierten Untergrundarmee, die keinen Unterschied machte zwischen britischen Besatzern und der türkischen Minderheit auf der Insel. Viele der Letzteren flohen vor den Terroranschlägen ins Heimatland, vor allem nach İstanbul. Hier muß ich etwas nachtragen, das ich oben nicht erwähnt hatte, weil jene Stadt ja nicht in Kleinasien liegt, sondern in Europa. Deshalb wurde sie auch 1923 von der Vertreibung vom "Bevölkerungsaustausch" ausgenommen, d.h. es lebten noch immer ca. eine halbe Million Griechen in ihrer einstigen Hauptstadt. Wie die aus Zypern geflohenen Türken über die dachten und redeten, kann man sich leicht ausmalen. Nun fehlte nur noch ein Funke, um das Pulverfaß zur Explosion zu bringen. Der kam anno 1955, als das Geburtshaus Atatürks in Saloníkä unter nie geklärten Umständen abbrannte. Der türkische Mob schlug los; die Griechen İstanbuls wurden - bis auf einen kleinen Rest, knapp 3.000, die irgendwie und -wo untertauchen konnten - ermordet oder vertrieben. Ein Krieg zwischen den "Verbündeten" konnte nur durch lautes Säbelrasseln der USA und Großbritanniens verhindert werden, und das Lied hatte Hochkonjunktur. Die Alliierten überlegten fieberhaft: Wie konnten sie es "unschädlich" machen? Verbieten? Nein, die Griechen waren hartnäckig, das hatte Zypern doch gerade erst wieder gezeigt, da würden sie es erst recht singen. Den Text völlig umkrempeln? Das würden sie einfach ignorieren und weiter den alten, anti-türkischen Text singen. Nein, man mußte ihren Haß irgendwie umlenken. Auf wen? Na klar: auf die bösen Nazi-Deutschen! Aber das war garnicht so leicht wie es sich heute anhört, denn es lebten noch zuviele ältere Griechen, welche die Wahrheit kannten: Nicht die Deutschen hatten Hellas 1941 überfallen, sondern die Briten; die Ersteren hatten es bloß von den Letzteren befreit, und sie hatten Griechenland so schonend behandelt wie das sprichwörtliche rohe Ei - die einzigen Schäden, die während ihrer Anwesenheit entstanden, wurden entweder durch die britischen Besatzer - die bei ihrem Abzug nach dem Prinzip "scorched earth" [verbrannte Erde] vorgingen - oder durch kommunistische Partisanen verursacht. Diese beiden - Briten und Kommunisten - waren es auch, die den vierjährigen Bürgerkrieg anzettelten, der Griechenland mehr zerstörte als alle anderen Kriege des 20. Jahrhunderts zusammen, so daß es dort am Ende nicht viel besser aussah als 1945 in der Trümmerlandschaft, welche die alliierten Terrorbomber in Mittel- und Südeuropa hinterlassen hatten. Wie konnte man das vergessen machen? Nun, jene Generation würde ja bald aussterben, war also nicht das eigentliche Problem. Und ihre Kinder und Enkel? Die gingen doch lieber ins Kino, als den Alten zuzuhören! Also verfiel man auf die Lösung, einen schönen Film mit schöner Musik zu drehen. Es wurde das perfideste Lügenwerk, das die antideutsche Hetz- und Greuelpropaganda der Alliierten nach dem 2. Weltkrieg in die Kinos brachte - und das will etwas heißen! Sein Titel? "The guns of Navarone", und das wurde nicht etwa als Romanverfilmung beworben (was es war), sondern als Dokumentation wahrer Ereignisse, als "das größte jemals verfilmte Abenteuer":
Ich bilde das Poster mit ab, auf daß Ihr Euch die Romika-Fressen ("reintreten und sich wohlfühlen") der drei Dreckskerle, die sich für die Hauptrollen in dem miesen Streifen hergaben, einprägen könnt (v.l.n.r. - entgegen der falschen Benennung auf dem Poster): David Niven, Gregory Peck und Anthony Quinn. Zum Lied jenes Schundwerks machte man - Ihr ahnt es schon - "Gialó, gialó" in der verstümmelten Fassung, die man 1960/61 gleich ein halbes Dutzend Interpreten aufnehmen ließ. (N.M. noch nicht - sie nahm es erst 1968 - nach anderen Quellen sogar erst 1984 - auf, jedenfalls ohne Zusammenhang mit dem Film.) Der Coup gelang, und zwar gleich doppelt: Der Film wurde ein riesiger Kassenerfolg. (Er spielte 29 Mio US-$ ein, bei "nur" 6 Mio US-$ Produktionskosten, und die Kaufkraft war damals noch ca. 20x so hoch wie heute, d.h. der Gewinn betrug umgerechnet fast eine halbe Milliarde - oder, wie die Amis sagen, Billion - US-$; das war bis dahin Rekord!) Und die neue Kurzfassung des Liedes setzte sich auf Dauer durch - voilà!
P.S.: Hatte der Film auch insoweit "Erfolg", als er "die" Deutschen "den" Griechen auf Dauer verhaßt gemacht hat? Ich weiß nicht - es gab ja schon immer dumme Griechen, welche "die" Deutschen haßten, obwohl - oder weil - sie noch nie in Deutschland waren, so wie es schon immer dumme Deutsche gab, welche "die" Griechen liebten, obwohl - oder weil - sie noch nie in Griechenland waren. Das beruhte auf wechselseitiger Unkenntnis vor allem der "höher gebildeten" Schichten, die man besser "verbildete" oder "in höherem Maße verblödete" Schichten nennen sollte, denn vermittelt wurde diese Unkenntnis vor allem an "höheren" Schulen und Universitäten. (Und dort wollte man sich diese auf Unkenntnis basierenden Vorurteile auch auf keinen Fall nehmen lassen. Ich erinnere mich noch gut an die Abstimmung, wohin wir in Oberprima unsere gemeinsame Klassenstufenfahrt machen sollten. Wir waren ein gemischtes Gymnasium, d.h. natürlich nicht Jungen und Mädchen gemischt, sondern Sprachen: Wir hatten einen altsprachlichen, einen "romanischen" und einen neusprachlichen Zweig - das war damals ganz neu, geradezu revolutionär. Zur Auswahl standen Athen, Rom, Paris und London. Für Athen stimmte fast niemand; und so gewann Rom mit weitem Abstand, da sich die Neusprachler zu etwa gleichen Teilen zwischen London und Paris zersplitterten. Dabei wäre Athen wahrscheinlich am lehrreichsten gewesen, vor allem für die Eierköpfe, die glaubten, dort mit "klassischem" Griechisch auch nur einen Oúzo bestellen zu können ;-) Wie dem auch sei, jene altdummen Griechen fühlten sich durch solche Filme wohl bestätigt - aber das dürfte verjährt sein. Ein paar hunderttausend neudumme Deutschenhasser mag der Film gezogen haben; aber ich hege erhebliche Zweifel, ob die Kausalkette, die diese scheinbar mit den heutigen Griechen verbindet - welche "die" Deutschen fast ausnahmslos hassen - nicht längst gerissen ist. Die heutigen "Deutschen", d.h. das Verbrecherregime, das sie heute regiert, würde ich - aus ganz anderen, neuen, guten Gründen, über die ich hier mehr schreibe, bei "Weiße Rosen aus Athen" - als Grieche ebenso hassen, wie ich es als Deutscher hasse, denn das sind für mich keine Deutschen, sondern BRDiger; und wann immer ich auf Griechen treffe, dann versuche ich, ihnen das möglichst behutsam klarzumachen - meist mit Erfolg. Also, liebe Landsleute, gebt "den" Griechen nicht die Alleinschuld an Dingen, die Ihr selber mitverschuldet habt, indem Ihr bei Wahlen Euer Kreuzchen an der falschen Stelle gemacht habt, sondern bemüht Euch gegen die verbohrten Politiker beider Seiten um ein wenig Völkerverständigung auf privater Basis! Und wenn Ihr genügend Griechisch könnt, dann lehrt sie ihre alten Lieder wieder singen, und zwar vollständig - das ist das beste Mittel. (Aber drängt sie ihnen nicht auf. Wartet, bis jemand kommt, der dieses Lied in der verstümmelten Fassung vorträgt; und wenn er fertig ist, dann nehmt ihm die Klampfe aus der Hand und spielt und singt es einmal richtig - doch macht Euch darauf gefaßt, daß es nicht bei einmal bleibt; es wird einige Male dauern, bis auch der Letzte im Hörerkreis die "neuen" alten Strophen auswendig gelernt hat; und vorher werden sie Euch nicht gehen lassen ;-)


****Ich habe lange geschwankt, ob diese Fußnote wirklich sein muß; aber dann konnte ich sie mir doch nicht verkneifen. Frage: War es nicht vernünftig von der italienischen Regierung, die Truppen abzuziehen? Hatte es nicht schon genug Tote gegeben im Weltkrieg, und stand nicht zu befürchten, daß es hier noch erheblich mehr geben würde? Die italienischen Soldaten sind doch bekanntlich die schlechtesten der Welt - oder? Um hinten anzufangen: Ich kenne Italiener, die das ganz energisch bestreiten. (In der Tube gibt es einen italienischen Videoclip zum Thema "Die 10 schlechtesten Armeen der Welt"; der Macher bringt es fertig, die italienische nicht dazuzuzählen; er erwähnt lediglich kurz im Abspann, daß sie entgegen weitverbreiteter Ansicht ganz vorzüglich sei und sich auch im Weltkrieg prächtig geschlagen habe ;-) Aber mit denen brauche ich nie lange zu diskutieren; wir einigen uns meist sehr schnell darauf, daß es mindestens ein Land gibt, das noch schlechtere Soldaten hat, nämlich Griechenland. Wart Ihr mal dort am Nationalfeiertag, dem "ochí"-Tag, an dem die Griechen ihrem nationalistischen Haß gegen die Italiener Ausdruck verleihen, die sie fast noch mehr hassen als die Deutschen, die Türken, die Makedonier und die Bulgaren (wobei die zwei letzteren für sie ein- und dasselbe Volk sind)? "Ochí" bedeutet "nein". ("Nai" - gesprochen wie deutsches "Nee" - bedeutet "ja" ;-) Und was immer Euch Griechen an Märchen über den Ursprung dieses Feiertages erzählen mögen, das hat Metaxás nie gesagt, jedenfalls nicht in dem Zusammenhang, in dem es ständig zitiert wird; vielmehr steht ihr "Ochí" heute für das "Nein" zur Aussöhnung mit den Italienern - so sind die Griechen halt. Aber ich wollte auf etwas Anderes hinaus, als ich fragte, ob Ihr an diesem glorreichen Tag mal dort wart. Der wird nämlich mit zünftigen Militärparaden gefeiert - so wie der 8. Mai in England und Frankreich und der 9. Mai in Rußland. Wenn Ihr dabei die Soldaten gesehen habt in ihren kurzen, weißen Kinderkleidchen, den langen, weißen Mädchenstrümpfen mit sexy schwarzem Strumpfband und den flachen Ballettschühchen mit Bommeln an der Spitze, wie sie einst das Schwarzwaldmädel in der Margarinewerbung auf dem Kopf trug, dann hieltet Ihr das vielleicht für bloße Folklore, wie im rheinischen Karneval, an dessen höchsten Feiertagen die Funken-Mariechen ja auch in irgendwelchen Phantasie-Uniformen mit kurzen Spitzenröckchen herumhüpfen, vorzugsweise in den griechischen Nationalfarben weiß und blau? Weit gefehlt: In dieser Montur wurden die griechischen Soldaten tatsächlich 1919 in den Krieg gegen die Türkei geschickt! (Nur die Kleidchen hatte man etwas dunkler gefärbt, zur Tarnung ;-) Sie kamen nur deshalb fast bis Ankara, weil sie anfangs keinem ernsthaften militärischen Widerstand begegneten - die Türken kämpften ja noch im Kávkasos gegen die Sowjets.

[Parade am griechischen Nationalfeiertag, 21. Jahrhundert] [Funkenmariechen im Kölschen Karneval] [griechische Truppen in voller Kriegsmontur, Smýrnä 1919]
Zurück zu Italien. Tja, wenn eine Regierung ausnahmsweise mal vernünftig handelt, dann endet das leider oft mit einem Treppenwitz, nämlich der Ablehnung durch "das Volk". Die italienischen Untertanen waren auf Krawall gebürstet: 1915 hatte man sie in den Krieg gejagt mit der Begründung, das Vaterland brauche Gebietszuwachs, damit die vielen Bambini - im Durchschnitt 12 pro Frau -, die zuhause nicht ernährt werden konnten, nicht weiterhin jedes Jahr zu Hunderttausenden in die USA auswandern mußten, wo sie von den WASP (weißen angelsächsischen Protestanten) behandelt wurden wie der vorletzte Dreck, kaum besser als die Neger. Nun war der Krieg gewonnen (nicht gerade durch italienisches Verdienst, aber das wollte kein Italiener hören ;-) - und wo blieb der Lohn? Das jämmerlich kleine Südtirol war doch nicht genug; und das Städtchen Fiume - in das irgendein Dichter oder Klempner namens d'Annunzio mit seiner Pfadfindergruppe gereist war, um es "für Italien zu gewinnen" - gleich garnicht! Nein, man wollte das "mare nostrum", "unser [Mittel-]Meer", zurück haben, zumindest die östliche Hälfte, jedenfalls das, was Venedig einst besessen hatte, d.h. die ostadriatische Küste von Dalmatien bis einschließlich Albanien, die Inseln Kreta und Zypern; und da auch das nicht ausreichte, um die rasant wachsende Bevölkerung unterzubringen - warum nicht Südwest-Anadolia? Die klimatischen Bedingungen waren viel besser als etwa in Afrika - die türkische Riviera ähnelte der italienischen -; und man brauchte sich nicht mit aufständischen Beduinen, Arabern und Negern herumzuschlagen wie in Libia, Eritrea und Somalia. Und nun zog diese gottverdammte Regierung sang- und klanglos die Truppen ab und gab somit das einzige nennenswerte Stück Kriegsbeute kampflos preis?! Das war ihr Ende. Andere kamen, u.a. ein ehemaliger Sozialist, der den alten venezianischen Herrschertitel "Doge" (von lateinisch "Dux/Ducus", d.h. Herzog, Führer) wieder ausgrub und italienisierte zu "Duce" - und der ohne dieses "vernünftige" Handeln der italienischen Regierung nie an die Macht gelangt wäre, und ohne dessen Vorbild auch nördlich der Alpen... Aber lassen wir das, dies soll ja keine Fußnote über Deutschland sein, sondern über Italien, und da genügt das bereits Gesagte Geschriebene. Oder kennt Ihr noch einen besseren Treppenwitz im Italien des 20. Jahrhunderts? Dann mailt mir bitte - ich kenne keinen!
*****Ja, ich weiß, Franzosen und Türken behaupten etwas Anderes, danach waren das jeweils nur "zufällig" entstandene Feuer, die ebenso "zufällig" nicht unter Kontrolle gebracht werden konnten. Aber Ihr dürft nicht Alles glauben, was in der amtlich zensierten Wikiblödia steht bzw. was dort "zufällig" nicht steht, weil es "zufällig" vergessen oder vom Zensor "zufällig" gestrichen wurde: In Smýrnä entstanden "zufällig" zwei Brandherde gleichzeitig, und zwar "zufällig" einer im Armenier- und der andere im Griechen-[Drei-]Viertel. Gleichzeitig lag die Stadt "zufällig" unter türkischem Artilleriefeuer (übrigens von Bournówas aus, wo Kemal Pascha - später "Atatürk" - sein Hauptquartier aufgeschlagen hatte). In Saloníkä verwehrten die französischen Besatzer den griechischen Feuerwehrleuten "zufällig" den Zugang zum Löschwasser; und "zufällig" hatten die französischen Truppen kurz vor Ausbruch des Feuers bereits mit der Plünderung begonnen - Saloníkä war wie gesagt eine überwiegend jüdische, relativ reiche Stadt. (Einige Mannschaftsdienstgrade wurden später sogar "zufällig" an die Wand gestellt, weil sie es gewagt hatten, ihren Offizieren beim Plündern zuvorzukommen.) Sind Euch das "Zufälle" genug?

Hansis Schlagerseiten