Leb wohl, Palermo!

Leb wohl, Palermo, und du mein Tràpani! 
Leb wohl, Marsala,* ja dich vergess' ich nie 
In Reggio haben wir gelegen
Jetzt geht es Nàpoli entgegen.
[Mòndragone 1943, das 'weiße Haus' in der Mitte]
In Mòndragone, da steht ein weißes Haus
Aus Fàlciano** warf uns der Tommy 'raus
Im Osten kämpft das graue Heer***
Und hier im Süden hält die Feuerwehr.


*Das meint wohl nicht nur die Stadt, sondern auch den nach ihr benannten, allseits beliebten Wein ;-)
**F. del Màssico, ein Nachbarort von Mòndragone.
***Mein Vater war zwar auch beim Heer; er gehörte jedoch einem der verlorenen Haufen an, die als "Marschbataillon Afrika" gen Süden geschickt worden waren, aber dann - wegen der Kapitulation der deutschen Truppen in Tunesien - auf Sizilien hängen blieben; und die trugen nicht feldgrau, sondern die khaki-farbene "Tropenuniform", die sie auch behielten, als sie mit den Resten anderer dort zerschlagener Verbände zusammengelegt und in "Festungsbataillon" umbenannt wurden. Das war im heißen italienischen Sommer recht angenehm; weniger angenehm wurde es freilich, als Ende Oktober 1943 die Regenzeit einsetzte, das Thermometer nachts gegen 0° fiel und sie immer noch in kurzärmeligen Hemden und nichtmal knielangen Shorts herumlaufen mußten.


Als mein Vater und seine Kameraden dieses Lied sangen, wußten sie noch nicht, daß es nicht nur für sie ein Abschied für immer von den besungenen Orten gewesen war. Die Alliierten zerstörten die italienischen Städte ebenso planmäßig wie die deutschen, auch und gerade, wenn sie keinerlei militärische Bedeutung hatten und nicht verteidigt wurden, sondern "nur" Kulturdenkmäler aufwiesen. Die alliierte Kriegs- und Nachkriegs-Propaganda nannte das "Befreiung"; tatsächlich machten sie die Orte weitgehend dem Erdboden gleich - nicht nur das berühmte Benediktinerkloster auf dem Monte Cassino, das heute gerne als Einzelfall abgetan wird, sondern auch Palermo, Marsala und Reggio. Und so sah Nàpoli nach der "Befreiung" aus:

Die alliierten Luftgangster waren auch noch stolz darauf - wohl wissend, daß sie nicht als "Befreier" kamen (ein diesbezügliches Merkblatt, sich nicht wie Befreier zu benehmen, sondern wie Besatzer, hatte jeder G.I. erhalten; und damit er auch gleich wußte, wie das zu verstehen war, ein weiteres mit der dringenden Empfehlung, bei Vergewaltigungen immer Präservative zu benutzen - die ihnen zu diesem Behuf kostenlos mitgegeben wurden -, um Geschlechtskrankheiten zu vermeiden*****), sondern als Mörder, denn sie trugen stolz auf ihren Bomber-jackets die Inschrift "Murder, Inc."!
[Die Fratze des Massenmörders Kenneth D. Williams aus Charlotte, N.C.]
(Mein Großvater hielt das für Fälschungen der Nazi-Propaganda, als er die ersten Photos gefangengenommenen Piloten in der deutschen Presse sah; aber mein Vater hat sie mit eigenen Augen gesehen. Er wunderte sich nur, daß diese Schwerverbrecher nicht von der Bevölkerung sofort hingerichtet - oder muß ich "gelyncht" schreiben? - wurden. Nun, vielleicht hatte sie Angst vor Bestrafung durch die dummen Deutschen - die sich ja als Einzige an die Haager Landkriegsordnung u.a. längst überholte Vereinbarungen hielten und ihre eigenen Piloten vors Kriegsgericht stellten, wenn sie auch nur versehentlich ["fahrlässig"] feindliche Wohnviertel bombardiert hatten.)
Erst am 8. Mai 1985 bog der Lügenbaron v. Weizsäcker das Alles in seiner berüchtigten Geschichtsverdrehungsrede in "Befreiung" um, in der Hoffnung, die wenigen noch lebenden Zeitzeugen mundtot machen und die Nachgeborenen narren zu können. Ich bin fast sicher, daß Bomber-Harris irgendwann posthum zum Ehrenbürger von Dresden erklärt werden wird! (Zum Vergleich: Curtis LeMay - gegen den Harris ein Waisenknabe war; er ließ**** mehrere Millionen japanischer Zivilisten, Frauen und Kinder ermorden - wurde bereits 1964 zum Ehrenbürger von Tokyo erklärt; wir hinken also mächtig hinterher!)

****Für Lernende der englischen Sprache: Nicht "he let...", sondern "he had several millions of Japanese civilians, women, and children murdered" (Nachstellung des "murdered" obligatorisch, denn er ermordete sie ja nicht eigenhändig, sondern gab "nur" eigenmäulig den Befehl dazu!) - wegen des fehlenden 2. Objekts. Wenn ein solches vorhanden wäre, müßte "made" statt "had" stehen: "He made his gangsters murder millions..." Deutsche Sprache, schwere Sprache? Gewiß: aber Englisch für Fortgeschrittene ist auch nicht ganz so einfach, wie Lizzy Miller sich das bisweilen vorstellt ;-)

*****Für Alle, die glauben sollten, diese Zeiten seien doch längst vorbei: Im April 2019 - nein, nicht am 1.! - machte weltweit (außer in BRDigen, wo die Lügenmedien brav schwiegen) die Meldung Schlagzeilen, daß die USA eine UN-Resolution verhindert hatten, wonach Vergewaltigungen im Krieg geächtet werden sollten. Na ja, sie hätte wohl eh nur auf dem Papier gestanden, wie so viele andere...

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