Exkurs: Warum manche Filme nicht gedreht werden dürfen
40 TAGE AM BERG MOSIS
von vielen Regisseuren geplant und [fast] nie verwirklicht
ohne Garabed Bagdassarian alias "Gabriel Bagradian"




EIN KAPITEL AUS DIKIGOROS' WEBSEITE
DIE [UN]SCHÖNE WELT DER ILLUSIONEN

Von Filmen, Schauspielern und ihren Vor-Bildern

Im Jahre 1933 erschien ein Werk auf dem deutschen Büchermarkt, das der Verlag vorsichtshalber einen "Roman" genannt hatte (was freilich sein Verbot in den meisten Ländern nicht verhindern konnte): "Die vierzig Tage des Musa Dagh". Sein Autor, der deutsch-böhmische Jude Franz Werfel, hatte darin den Kampf der christlichen Armenier gegen die muslimischen Türken anno 1915 auf dem Berge Mosis mitsamt Vorspiel und Nachspiel umfangreich geschildert - sehr zum Ärger der Türken. Aber über die historischen Hintergründe dieses Ereigenisses schreibt Dikigoros an anderer Stelle; hier geht es ihm nur um einen Exkurs über die Frage, warum dieses Werk nie richtig verfilmt wurde - und warum die einzige Verfilmung, die offiziell nicht verboten wurde, in Deutschland bis heute nicht auf den Markt gekommen ist (und aller Voraussicht nach auch nie kommen wird).

Beginnen wir mit dem Buch. Eigentlich ist schon der Titel ein Unding, der Zweifel an Kompetenz und Glaubwürdigkeit seines Autors erwecken könnte, ja selbst daran, ob er wirklich mit einem echten Armenier, einem Haikh, geschweige denn mit einem armenischen Zeugen jener Ereignisse Kontakt hatte. (Er selber berief sich auf armenische Exilanten in Syrien und Wien.) Wenn Werfel als Jude die christlichen Verballhornungen des Profetennamen Mosche zu "Moses" oder "Mosis" nicht gefielen und er statt dessen die türkische (und armenische) Form "Musa" vorzog, so ist das legitim. Aber über seine Bezeichnung des Berges kann man nur den Kopf schütteln. Abgesehen davon, daß es nun wirklich niemandem weh täte, wenn er das deutsche Wort gebraucht hätte, ist "Musa Dagh" eine Bezeichnung, die außer ihm (und seinen Lesern :-) niemand auf der Welt kennt. Auf Armenisch heißt Berg "Ler", der Mosisberg folglich "Musa Ler". Auf Türkisch heißt der Berg "Dağ" - da es den letzten Buchstaben im lateinischen Alfabet nicht gibt, hat sich, ausgehend von den angelsächsischen Ländern, die Unart eingebürgert, das mit "Dagh" zu transkribieren, wobei der Unterschied zwischen dem "ğ" (das sich wie ein weiches "j" spricht und manchmal sogar stumm ist) und dem genauso transkribierten "ģ" (das sich als mittelharter Reibelaut ähnlich dem neugriechischen Gamma spricht) verloren geht. Aber auch das mag noch angehen. Was allerdings mehr als peinlich ist, ist die völlige Ignorierung der bei der Wortzusammensetzung zwingend zu beachtenden Grammatik: Ebenso wenig wie man im Deutschen "Mosiberg" oder "Moseberg" sagen kann, kann man im Türkischen "Musa Dağ" (oder "Musa Dagh") sagen; vielmehr muß der Genitiv durch ein angehängtes "ı" ausgedrückt werden, also "Musa Dağı" oder - wenn Ihr denn so wollt oder nicht anders könnt, da Eure Tastatur nicht mitspielt - "Musa Daghı". (Und laßt doch bitte den notorischen i-Punkt weg - den könnt Ihr auf İstanbul setzen, wo er hin gehört und wo Ihr ihn meist vergeßt!) Und dann sind da die bösen türkischen Militärs, allen voran der "Bimbaschi" und der "Jüs-Baschi", die Werfel als "Oberst" bzw. "Major" bezeichnet. Nun muß man wirklich nur gedient haben (Werfel hatte - drei Jahre lang) und die Anfangsgründe des Türkischen beherrschen (was Werfel offenbar nicht tat, obwohl er die Wörter lautmalerisch richtig wiedergibt) um zu erkennen, daß der Binbaşı (wörtlich "1000-Haupt") kein Oberst (sondern nur ein Major) sein kann, und der Yüzbaşı (wörtlich "100-Haupt") kein Major (sondern nur ein Hauptmann, und zwar ein Hauptmann zweiter Klasse - der Kompanieführer hieß Kolağaşı, wie aufmerksame Leser von Dikigoros' Seite über Mustafa Kemal Atatürk wissen). Aber damit genug der Vorrede.

Werfel hat seinen Helden "Gabriel Bagradian" genannt - und so hat er mit ziemlicher Sicherheit nicht geheißen, denn das ist kein armenischer Name (was Werfel freilich nicht gewußt haben dürfte). Aber Dikigoros will nicht ausschließen, daß sich ein Armenier, der für einige Jahre in Paris gelebt hat, dort so nannte und den Namen später auch gegenüber anderen Nicht-Armeniern beibehielt, so wie sich der armenische Chanson-Sänger Shahnur Aznavurian bekanntlich "Charles Aznavour" nannte. Warum nicht. [Der richtige Name des Helden - wenn er denn eine historische Person ist, woran Dikigoros nicht zweifelt (sonst würde er diesen Exkurs nicht schreiben) - lautete wahrscheinlich Garabed Bagdassarian, denn beides sind geläufige armenische Namen - wenn Ihr "Berliner Kreml", die Memoiren von Grigorij Klimow, lest, dann begegnet Ihr auch da einem Hauptmann Bagdassarian aus der Sowjet-Republik Armenien, und auf einen anderen Träger dieses Namens kommen wir gleich zurück - ebenso wie auf "Charles Aznavour". Dagegen glaubt Dikigoros nicht, daß man die "40 Tage" ganz wörtlich nehmen darf - die sind "symbolisch" gemeint, ähnlich wie die "6 Millionen" des Shoa-business. Ein altes orientalisches Sprichwort lautet: "Wer 40 Tage mit Leuten zusammen lebt, der wird einer von ihnen." Werfel will damit wohl sagen, daß die vielen unterschiedlichen Armenier während ihrer gemeinsamen Zeit auf dem Berg Mosis zu einer echten Gemeinschaft zusammen wachsen.] Nun, daran kann es schwerlich gelegen haben, daß über ihn und seine Leidensgenossen kein Film gedreht werden durfte - woran dann? Fragen wir einmal anders herum: Worum müßte, worum würde es in einem solchen Film gehen? Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten, wie man meinen sollte. Die Geschichte handelt von Mord. Na und? Jedes Jahr werden tausende Filme - nicht nur "Krimis" - gedreht, die von Mord handeln. Die Geschichte handelt von Völkermord. Na und? Jedes Jahr werden hunderte Filme gedreht, die von Völkermord handeln - zwar mit ziemlich penetranter Einseitigkeit meist über Vorgänge, die auch als "Holocaust" bekannt sind, aber was solls... Was ist eigentlich ein "Völkermord"? Wenn man es wörtlich nähme, der Mord an einem Volk. Aber wenn zwei - oder mehr - Völker gegen einander Krieg führen, dann nennt man es doch nicht "Mord", sondern eben "Krieg" - und der endet denn ja auch meist nicht mit der Ermordung gleich des ganzen Volkes, sondern mit einer Kapitulation, einer Unterwerfung o.ä., was manche als "Frieden" zum Selbstzweck erhoben haben. Ausnahmen sind selten, ja fast ausgeschlossen. Suchen wir einmal im 20. Jahrhundert: Was Henry Morgenthau jun. mit den Deutschen vorhatte (Gefangennahme und Kastration aller Männer, um ein Aussterben herbei zu führen), war zweifellos ein geplanter Völkermord; was einige Nazis mit den europäischen Juden vorhatten auch. Aber beides geschah im Krieg. (Obwohl es da einen kleinen, aber feinen Unterschied gab: Morgenthau plante die Auslöschung des deutschen Volkes nach der bedingungslosen Kapitulation, also nicht im Krieg; die Nazis dagegen hatten die Juden bis zum Ausbruch des Krieges nicht ermordet, sondern - gegen den Widerstand der Briten - ihre Auswanderung nach Palästina finanziert, und hätten dies sicher auch weiterhin getan, wenn sie den Sieg nicht 1940 in Dünkirchen verschenkt hätten.) Was schließen wir daraus? Daß das keine Völkermorde waren? Falsch, liebe Holocaust-Leugner; wir müssen daraus vielmehr schließen, daß die wörtliche Auslegung von "Völkermord" zu eng ist.

Schauen wir mal, wie andere den Begriff "Völkermord" definieren. Die UN-Charta z.B. Was lesen wir da in einem gutmenschlichen Buch just zu unserem Thema (Wolfgang Gust, Der Völkermord an den Armeniern): "Völkermord ist eine der folgenden Handlungen, die absichtlich oder teilweise [was soll denn das für eine Alternative sein?] eine ethnische, rassische oder religiöse Gruppe vernichten soll: Tötung von Mitgliedern einer Gruppe, Verursachung von schweren körperlichen oder seelischen Schäden an Mitgliedern der Gruppe, vorsätzliche Auferlegung von Lebensbedingungen für diese Gruppe, die geeignet sind, ihre körperliche Zerstörung ganz oder teilweise herbei zu führen." Dieses Zitat ist, so umfassend es klingt, unvollständig und daher falsch; der Zitierende hat es z.T. falsch übersetzt (statt "absichtlich oder" muß es heißen "in der Absicht"), teils willkürlich gekürzt - und zwar um Passagen, die für seine Zeit (Gust schrieb im Jahre 1993) sehr bezeichnend sind, nämlich um "die Anordnung von Maßnahmen zur Geburtenverhinderung" (nicht nur Morgenthau läßt da grüßen, sondern auch die Anhänger des "Abtreibung" genannten millionenfachen Mordes an ungeborenen Kindern!) und "die gewaltsame Verbringung von Kindern der Gruppe in eine andere Gruppe". "Verbringung"? Und nur, wenn man es mit Kindern tut? Behaltet diesen Satz bitte einen Augenblick im Hinterkopf, liebe Leser, wir werden gleich auf ihn zurück kommen. Zunächst aber müssen wir uns fragen, was denn mit dieser Definition gewonnen ist. Antwort: Alles und nichts, denn sie ist so weit gefaßt, daß man, selbst wenn man nur die letzten beiden Jahrhunderte (weiß Gott nicht die schlimmste Zeit!) in Europa (weiß Gott nicht der schlimmste Kontinent!) nimmt, kaum weiß, wo man anfangen und aufhören soll, so sehr wimmelt es da von "Völkermorden" in diesem Sinne: Was die Engländer mit den Iren gemacht haben, die Spanier mit den Basken und Katalanen, die Franzosen mit den Elsässern und Korsen, die Italiener mit den Südtirolern, die Russen mit den Ukrainern, Balten, Deutschen und Tataren, die Polen mit den Deutschen, Juden und Ukraïnern, die Tschechen mit den Slowaken und Sudetendeutschen, die Ungarn mit den Deutschen und Zigeunern, die Rumänen mit den Ungarn, Siebenbürger Sachsen und Zigeunern, die Serben mit den Slowenen, Kroaten, Makedoniern und Albanern (und umgekehrt), die Griechen mit den Türken (und umgekehrt), das fiele streng genommen alles unter diese Definition von "Völkermord", denn eine Volksgruppe ihrer Sprache und ihrer Kultur zu berauben, um sie zu "assimilieren" oder zu "integrieren", wie das heutzutage eufemistisch genannt wird, ist zweifellos geeignet, schwere seelische Schäden an ihren Mitgliedern zu verursachen.

Aber ist das wirklich gleichbedeutend mit Mord? Die Volks- und Völkerkundler in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts - aus der Zeit also, in der diese Definition verfaßt wurde - glaubten das noch. (Es ging den Definierern entgegen anderslautenden Behauptungen böser Zungen nicht um einen Vorwand, möglichst viele Deutsche in Nürnberg auf die Anklagebank setzen zu können - das hätten sie auch so gekonnt; und wiewohl dort eine ganze Reihe Justizmorde heraus gekommen sind, liebe rechte Leser, bedeutet das noch nicht, daß die Angeklagten nicht auch in einem ordentlichen Gerichtsverfahren verurteilt worden wären - die wenigsten waren Unschuldslämmer, und von den wenigen wurden ja auch einige frei gesprochen.) Dennoch ist diese Definition zu weit gefaßt, denn inzwischen haben uns die Psycho-Biologen gelehrt, daß es wohl doch mehr auf die angeborenen Gene ankommt als auf die angelernte "Kultur". (Deshalb ist es auch keine Lösung, ein wegen seiner hohen Abtreibungs- und niedrigen Geburtenrate auf dem Wege zur Auslöschung befindliches Volk durch Zuwanderer "ergänzen" zu wollen; aber das wollen die Politiker, die heute in Deutschland und anderswo in Europa an der Macht sind, nicht wahr haben, denn sie sind Todfeinde der Naturwissenschaften, besonders der Chemie, der Biologie und der Genetik - am liebsten würden sie diese Fächer ganz verbieten. Sie "verbringen", pardon [ver-]treiben die besten Fachleute auf diesen Gebieten ins Ausland, indem sie ihnen zuhause die Arbeits- und damit Lebensmöglichkeiten nehmen; dieses Verbrechen kommt im Ergebnis einem Völkermord sehr nahe.) Und der Fall Israel hat ja gezeigt, daß ein homogene Volksgruppe auch nach Jahrhunderten, ja Jahrtausenden, noch ihre alte Sprache und Kultur wieder beleben kann, wenn man ihnen eine neue - alte - Heimat gibt. Und damit sind wir wieder beim Thema, nämlich der richtigen Definition von "Völkermord": Die ersten drei in der UN-Charta genannten Punkte müssen mit den beiden letzten nicht durch ein "oder", sondern durch ein "und" verbunden werden, d.h. wer Angehörige einer Volksgruppe fysisch oder psychisch drangsaliert und sie aus ihrer angestammten Heimat "verbringt", wo sie keine Kinder mehr bekommen können oder wollen. (Die Psycho-Biologie hat uns auch in diesem Punkt weiter gebracht: Wer einem höheren Lebewesen sein angestammtes Revier nimmt, der zerstört damit auch dessen Fortpflanzungs- und Brutpflege-Instinkt - davon kann jeder Zoo-Direktor ein Lied singen, der versucht, Tiere zur Fortpflanzung außerhalb ihrer angestammten Umgebung zu bewegen.) Und wenn wir uns nach dieser neuen - und einzig richtigen - Definition noch einmal in der Geschichte nach Völkermorden (jetzt brauchen wir sie nicht mehr in Anführungszeichen zu setzen!) umsehen, dann bleiben - und das muß allen Gutmenschen ein Ärgernis sein - lauter Vorgänge, bei denen die Deutschen ein Opfervolk waren (die Deportation der Rußland-Deutschen aus den Westprovinzen des Zarenreichs 1914 und der Wolga-Republik 1941, die Deportation der Elsässer aus den Rheinprovinzen Frankreichs 1939 und die Vertreibung der Ostdeutschen aus Ost- und Westpreußen, Posen, Pommern, Schlesien, Siebenbürgen, dem Banat, dem Sudetenland usw. 1945. Demgegenüber bleibt - und das ist fast noch ärgerlicher - kein einziger Fall, in dem man die Deutschen zum "Tätervolk" stempeln könnte.

Na und? Fällt das irgend jemandem (der nicht gerade Dikigoros' "Reisen durch die Vergangenheit" gelesen hat :-) weiter auf? Natürlich nicht, es sei denn... da gäbe es noch so einen Fall, auf den unsere Definition von Völkermord paßt - und das ist just die Deportation der Armenier aus den südöstlichen Gebieten der heutigen Türkei im Ersten Weltkrieg. Stellt Euch vor, liebe Leser, man würde diesen Vorgang (der zahlenmäßig im Vergleich zu den Verlusten anderer Völker im und unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg geradezu läppisch ist, wie die Türken immer wieder betonen) mit dem vergleichen, was man den Deutschen im letzten Jahrhundert angetan hat - und dazu fordert das Geschehene geradezu heraus -, dann würde das ganze Lügengebäude von der "Einmaligkeit" des vom deutschen "Tätervolk" begangenen (versuchten?) "Völkermordes" wie ein Kartenhaus zusammen stürzen, und das darf bekanntlich nicht sein. Was tun? Es gab - und gibt - nur zwei Alternativen: Entweder man weitet die Verbrechen der Türken an den Armeniern so weit aus, daß sie neben dem "Holocaust" bestehen (und von den - ungleich größeren, aber immer wieder verharmlosten, ja verniedlichten Verbrechen der Alliierten ablenken) können, oder aber man schweigt sie tot. Das sind zwei einander diametral entgegen gesetzte Strategien, und doch hat man beide anzuwenden versucht, in einem bisweilen abenteuerlichen Zickzackkurs. Es begann im Jahre 1919: Die Deutschen hatten zwar kapituliert, aber die Alliierten betrachteten den Ersten Weltkrieg noch längst nicht als beendet. Sie hielten nicht nur die Blockade aufrecht (die mehr als eine Million deutscher Zivilisten dem Hungertod aussetzte - eine weitere Million starb an der spanischen Grippe, weil natürlich auch keine Medikamente ins Land gelassen wurden), sondern sie führten auch ihre verlogene Propaganda-Kampagne fort: Die Deutschen hatten bekanntlich belgische Babies am Spieß gebraten und verzehrt, 700.000 gefangene Serben vergast, den friedlichen Munitionstransporter "Lusitania" aus purer Mordlust versenkt und und und...

Über all diese scheußlichen Verbrechen der deutschen "Hunnen" hatten die Amerikaner hübsche Filmchen gedreht - meist waren es deutschstämmige Juden, die Lämmle & Co., die der seit 1917 in den U.S.A. herrschenden Pogrom-Stimmung gegen alles Deutsche dadurch zu entgehen suchten, daß sie sich als 150%ige "U.S.-Patrioten" gerierten. Einer von ihnen hieß Oskar Apfel (oder, anglisiert, Oscar Apple), und der drehte 1919 einen Stummfilm, dem er abwechselnd so nette Titel gab wie "Armenia Crucified", "Auction of Souls" oder "Ravished Armenia". Der Untertitel lautete jedoch jedes Mal: "The Frank Story of Aurora Mardiganian, who Survived While Four Millions Perished." Schau mal an: vier Millionen Armenier - hatte es im Osmanischen Reich wirklich so viele gegeben? Wenn ja, dann fragt man sich weiter, woher dann diejenigen gekommen sind, die 1919 (zur Hälfte auf türkischem Boden) vorübergehend einen unabhängigen Staat Armenien gründen konnten. Zufällig hat Dikigoros einen Zeitungsausschnitt gefunden, den Zeitungsausschnitt, in dem das "Armenier-Massaker" erstmals in der "Weltpresse" angeprangert wurde, nämlich in der New York Times vom 22.10.1915, die sich wiederum auf die in Tiflis erscheinende armenische Zeitung Mabak vom 19.10.1915 berief. Dort wurde die Befürchtung geäußert, daß von den insgesamt 1,2 Millionen im Osmanischen Reich lebenden Armeniern bis zu 1 Million getötet werden könnten, wenn die Türken so weiter machten. (Um das zu verhindern, rief ein edles U.S.-Komitee zu fleißigen Spenden auf.)


Aber für alle ungläubigen Thomasse, Zweifler und Massaker-Leugner brachte Oskar Apfel den Kronzeugen gleich persönlich mit und ließ ihn sogar eine der Hauptrollen spielen: Es war der ehemalige amerikanische Botschafter in der Türkei. Sein Name: Henry Morgenthau jr.! Wir können es kurz machen: Der U.S.-Regierung war dieses Lügenmärchen (das nebenbei noch den mit der Türkei verbündeten Deutschen eine erkleckliche Mitschuld in die Schuhe zu schieben versuchte), schon bald so peinlich (und das will etwas heißen!), daß der Film nicht nur aus den Kinos zurück gezogen, sondern in allen vorhandenen Exemplaren vernichtet wurde, noch bevor er in Europa gelaufen war. So weit so gut - aber wieso behauptet Dikigoros dann in der Überschrift, daß dieser Film nie gedreht wurde? Nun, er hat ja nicht behauptet, daß dieser Film nicht gedreht wurde, sondern es geht ihm vielmehr um den Helden der Geschichte, jenen "Gabriel Bagradian", und den gab es noch nicht. Der begegnet uns erst in Werfels "Die 40 Tage des Musa Dagh", das eigentlich gar nicht so sehr den Völkermord der Türken (und Kurden - die heute so gerne die Rolle des "Opfervolks" spielen und damit ihren eigenen Terror rechtfertigen wollen) an den Armeniern in den Vordergrund stellt, als vielmehr den einzigen bekannten Fall, in dem es den Armeniern gelang, erfolgreich Widerstand zu leisten, nämlich auf dem Mosesberg im Sandschak von Alexandrette.

Was immer die Literatur-Kritiker über dieses Werk geschrieben haben: Es mag etwas langatmig sein; aber Werfel wollte ja keinen kurzen, nüchternen Tatsachenbericht schreiben, sondern ein Helden-Epos. (Jawohl, Werfel war ein Freund der Helden, ein Befürworter des Primats der Politik, den man heute in der BRD als "Militaristen" beschimpfen würde, wenn er nicht als Jude gegen Vorwürfe tabu wäre. Von ihm stammt der Satz - der ihn Dikigoros' Vater so sympathisch machte: "Der Primat der Politik vernichtet den Geist, indem er den Herrn zum Sklaven macht." Vielleicht ist da sogar was dran, denkt mal darüber nach!) Und ein solches Epos darf man schon mal etwas breiter anlegen. Außerdem gibt es ja auch Filme mit Überlänge, und verständig gekürzt, ließ sich daraus sicher ein ebenso gutes oder schlechtes Drehbuch machen wie etwa aus den "Sieben Säulen der Weisheit" von T. E. Lawrence. So sah das auch Metro-Goldwyn-Mayer, die größte Filmfabrik Hollywoods, die es noch im Erscheinungsjahr verfilmen wollte. Die türkische Regierung lief Sturm dagegen, schickte ihren Botschafter zur U.S.-Regierung und zu den Filmstudios mit der Drohung, in der Türkei alle amerikanischen Filme zu verbieten, wenn so etwas irgendwo auf die Leinwand käme. Man sollte es nicht für möglich halten - zumal nicht nur der Autor, sondern auch die Filmgesellschaft und seit kurzer Zeit sogar die Regierung der U.S.A. [unter Präsident Roosevelt] fest in jüdischer Hand waren - aber die Türkei setzte sich durch; das Filmprojekt wurde verschrottet.

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Ein knappes halbes Jahrhundert verging. Armenische Exilanten um den wenig bekannten Regisseur Sarky Mouradian, die es ins schöne Kalifornien verschlagen hatte - und denen die türkische Regierung keine große Beachtung schenkte - wagten es 1982, heimlich, still und leise Werfels Buch zu verfilmen, besser gesagt das, was ein gewisser Alex Hakobian daraus gemacht hatte. Eigentlich hatte es außer dem Titel "40 Days of Musa Dagh" und dem Namen der Hauptgestalt (der unbekannte Kabir Bedi spielte den Gabriel Bagradian) nicht mehr viel mit der Vorlage gemeinsam; vielmehr versuchten seine Macher mit penetranter Unverschämtheit, auf der "Holocaust"-Welle (die damals gerade so richtig in Schwung kam) mit zu reiten: Hitler habe sich die Armenier-Massaker zum Vorbild genommen, als er 1939 den Zweiten Weltkrieg begann, und die heldenhaften Verteidiger des Warschauer Ghettos seien 1944 mit Werfels Roman im Tornister in den Heldentod gezogen. Das war nun wirklich mehr als peinlich - fast noch peinlicher als Oskar Apfels Machwerk von 1919. Schon das Hitler von amerikanischen Armeniern in den Mund gelegte Zitat vom 22. August 1939 dürfte sich irgend jemand aus den Fingern gesogen haben: "Ich habe meinen Todesschwadronen den Befehl gegeben, erbarmungslos Männer, Frauen und Kinder der polnischen Rasse auszurotten. Nur auf diese Weise können wir das lebensnotwendige Territorium erwerben, das wir brauchen. Wer denkt denn heute noch an die Ausrottung der Armenier?" Dikigoros bezweifelt, daß Hitler von den "Armenien-Massakern" des Ersten Weltkriegs überhaupt wußte, geschweige denn anno 1939 an sie dachte - da dürfte er eher an die Massaker der Polen an den Volksdeutschen gedacht haben. Noch dreister aber ist die Sache mit dem Warschauer Aufstand vom 1. August 1944, wenn man mit dessen Geschichte halbwegs vertraut ist (aber wer ist das schon): Zunächst einmal war das kein jüdischer Aufstand - die einst zahlreiche jüdische Einwohnerschaft der polnischen Hauptstadt war von polnischen und deutschen Antisemiten in einem Maße dezimiert worden, daß ihr ein Aufstand gar nicht mehr möglich gewesen wäre. Es handelte sich vielmehr um eine kleine Gruppe gewissenloser Verbrecher - nicht ganz so klein wie die, die der deutsche Graf Stauffenberg zehn Tage zuvor um sich geschart hatte; die "Armia Krajowa" des polnischen Grafen Komorowski zählte immerhin an die 25.000 Kämpfer[innen] -, die einen von vornherein aussichtslosen Versuch unternahmen, sich "aus eigener Kraft zu befreien", während die Sowjet-Truppen ein paar Kilometer weiter genüßlich zusahen, wie der Aufstand von deutschen Truppen - die dadurch an der Ostfront fehlten - nieder gekämpft wurde.

Die deutschen Truppen waren nicht irgendwelche schnell zusammen gekratzten Haufen, sondern Elite-Einheiten der Waffen-SS unter General von dem Bach-Zelewski. Dikigoros erinnert sich noch an das Foto in seinem alten Schulbuch, das die Kapitulation der polnischen Aufständischen nach zwei Monaten erbitterter Kämpfe zeigt, in die auch die britische Luftwaffe eingegriffen hatte, und die 150.000 polnische Zivilisten das Leben gekostet hatten: Der deutsche General nimmt die Kapitulation in Habacht-Stellung entgegen und gewährt den polnischen Verbrechern in Uniform alle militärische Ehren; die Kerle werden nicht an die Wand gestellt, sondern wie reguläre Kriegsgefangene behandelt, mit Ia-Verpflegung und voller Besoldung (die einige dieser Banditen noch in den 1950er Jahren die Stirn hatten, weiter einzuklagen, weil sie nach dem Krieg arbeitslos wurden - einer dieser Fälle ist sogar in einer der frühen Entscheidungs-Sammlungen des Bundesgerichtshofs abgedruckt). Dikigoros hat das schon als Schulkind nicht begriffen und tut es heute noch viel weniger, zumal er inzwischen weiß, wie die deutschen Soldaten nach der Kapitulation von den Alliierten behandelt wurden - wenn Ihr es nicht wissen solltet, liebe Leser, lest mal die Memoiren der Überlebenden. (Interessiert es Euch, was aus Bach-Zelewski geworden ist? Die Alliierten verurteilten ihn wegen der Niederschlagung des Warschauer Aufstands von 1944 zu zehn Jahren Hausarrest. Als er die abgesessen hatte, verurteilen ihn die Deutschen zu viereinhalb Jahren Gefängnis wegen seiner Teilnahme an der Niederschlagung des "Röhm-Putsches" von 1934. Und danach verurteilen sie ihn - wegen Teilnahme an irgendwelchen Straßenschlachten zwischen Nazis und Kommunisten vor 1933, bei denen sechs Kommunisten umgekommen sein sollen... zu lebenslänglichem Zuchthaus! Daraus mögt Ihr getrost schließen, wie sich der "Rechtsstaat" BRD entwickelt hat, denn das war kein Einzelfall; so oder ähnlich erging es vielen - von den Alliierten längst begnadigten - deutschen Offizieren noch Jahrzehnte nach dem Krieg.) Wie dem auch sei, immerhin einen kleinen Erfolg hatte Mouradians Filmchen (das in Deutschland nie gezeigt wurde): Das Europaparlament brachte einen Resolutionsentwurf ein, wonach der "Völkermord" der Türken an den Armeniern zum Dogma erhoben werden sollte wie der "Holocaust". Der Regierung der Türkei gelang es jedoch, aus dem "türkischen" einen "osmanischen" Völkermord zu machen und wusch sich danach die Hände in Unschuld: Schließlich war das Osmanische Reich ein Vielvölkerstaat, und die offizielle türkische Lesart lautet, daß die armenischen Opfer während der Deportation durch Überfälle kurdischer und arabischer Räuberbanden zustande kamen.

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Anderthalb Jahrzehnte lang hielt die Front. In dieser Zeit war es besonders ein westlicher "Wissenschaftler", "Professor" Erich Feigl, der sich in zahlreichen Publikationen gegen Werfels Darstellung der Ereignisse wandte und - nicht ganz zu Unrecht - darauf hinwies, daß auch die Armenier keine Unschuldlämmer waren: Sie hatten sich im Ersten Weltkrieg tatsächlich offen auf die Seite der Russen gestellt und damit fast den Zusammenbruch der osmanischen Nordostfront gleich zu Kriegsbeginn bewirkt; und sie haben nicht nur nach dem Ersten Weltkrieg diejenigen türkischen Politiker-Generäle umgelegt, die sie für die Verantwortlichen hielten, sondern auch noch Jahrzehnte später, noch lange nach dem Zweiten Weltkrieg, türkische Diplomaten und Geschäftsleute, die nun wirklich nichts mehr dafür konnten. (Einer dieser Terroristen hieß Bagdassarian und berief sich zur "Rechtfertigung" darauf, daß sein Vater auf dem Mosisberg mitgekämpft hatte.) Und natürlich hat Feigl Recht, wenn er die Zahlen nicht nur in Frage stellt und den leichtfertigen Umgang mit der einen oder anderen Null rügt, sondern die "vier Millionen" schlicht als "Mythos" bezeichnet. Aber ähnlich wie die deutschen Holocaust-Leugner (die es ja schwerer haben, da bei ihnen die geheiligte Zahl "sechs Millionen" nicht in Frage gestellt werden darf) leugnen die Türken nunmehr das Geschehene ganz oder tun es als "bedauerliche Begleiterscheinungen" einer "notwendigen Umsiedelung" ab, schlimmstenfalls als einen bedauerlichen "Irrtum". (Die englischen und französischen Herausgeber von Feigls Buch spielen gerne mit der Übersetzung des Titels, machen bisweilen aus dem "Terror" einen "Error [Irrtum]" bzw. aus der "Terreur" eine "Erreur".) Die Frage, was bei den Verbrechen, die Türken und Armenier einander in den beiden letzten Jahrhunderten angetan haben, Ursache und was Wirkung ist, diskutiert Dikigoros an anderer Stelle; hier kommt es ihm nur auf das Ergebnis an: Die Türkei verhinderte weiterhin erfolgreich eine filmische Darstellung der historischen Ereignisse von 1915 auf dem Berg Mosis.

Dann begann die Front derer, welche die "Armenier-Massaker" nicht als "größten Völkermord des 20. Jahrhunderts vor dem Holocaust" anerkennen wollten, allmählich zu bröckeln - zunächst kaum merklich, allzu lächerlich waren die Kleinigkeiten, in denen sich das äußerte. So flog im Juni 1997 der jüdische "Professor" Gunnar Heinsohn nach Kanada und entschuldigte sich dort "im Namen des deutschen Volkes" für den "Völkermord an den Armeniern" - aber ebenso gut hätte sich ein Neger aus Liberia im Namen des amerikanischen Volkes bei den Eskimos für das "Massaker von My Lai" in Vietnam entschuldigen können - über eine solche Entschuldigung konnten die Türken nur herzlich lachen. Am 18. Juni 2000 schalteten 26 so genannte "Holocaust-Wissenschaftler" (welch eine Bezeichnung, nun wird das Shoa-Business schon zur "Wissenschaft" erhoben - aber in gewisser Weise ist es das ja tatsächlich :-) unter Federführung von Elie Wiesel und Stephen Feinstein ein ganzseitiges Inserat in der New York Times, in dem sie erneut forderten, den "Völkermord" der "ottomanischen Türken" an 4 Millionen Armeniern ebenso zur "unbestreitbaren Tatsache" (d.h. zu einem Dogma, das zu hinterfragen unter Strafe gestellt werden soll) zu erklären wie den Holocaust an 6 Millionen Juden. Um der Behauptung vorzubeugen, daß sie mal wieder um eine Null zu hoch gegriffen hatten, nahmen sie statt dessen eine Eins zu Hilfe und behaupteten kackfrech, sie seien nicht 26, sondern 126 "Wissenschaftler" - Nachzählen der (mit abgedruckten) Unterschriften verboten. (Irgendwie scheint niemand begreifen zu wollen, daß es gerade die abenteuerlich überzogenen Lügenmärchen - und natürlich der abschreckende Präzedenzfall des "Holocaust", mit dem sich die Deutschen von den Shoa-Businessmen Jahrzehnte lang ausnehmen lassen wie die Weihnachtsgänse - sind, die es jeder türkischen Regierung vor ihren Wählern unmöglich machen, die tatsächlich begangenen Verbrechen an den Armeniern endlich einzugestehen.)

Im Jahre 2002 drehte der in Kanada lebende Regisseur Atom Egoyan einen Film mit dem Titel "Ararat", in dem sich ein junger armenischer Reisender über die Geschichte der "Armenier-Massaker" (die man inzwischen auch als "Holocaust" bezeichnet) Gedanken macht. Nein, der Mosisberg kommt nicht vor, und in Kanada und den USA flopte der Film denn auch erbärmlich. (Ebenso zwei Jahre später in Deutschland. Nur in Cannes gewann er eine goldene Ananas - wohl weil der bekannte Charles Aznavour in einer Nebenrolle mit spielte.) "Historisch" war der Streifen nicht viel mehr wert als Apfels Machwerk von 1919, denn Egoyan drehte ungeniert nach dem - freimütig bekannten - Motto: "Geschichte ist ein wandelbares Ding". So so. Es mag ja sein, daß jede Generation ihre Geschichtsbücher neu schreiben muß; doch das sollte allenfalls an sich wandelnden Fragestellungen liegen, nicht aber daran, daß man die Fakten "wandelt" - sonst ist es keine Geschichte, sondern ein Märchen. Und wie das so ist: Wenn es allzu offensichtlich ein Märchen ist, stört das die Betroffenen viel weniger, als wenn die Wahrheit auf den Tisch kommt. Aus der Geschichte, die Egoyan da seinen Filmhelden Revue passieren läßt, kann man den Türken objektiv betrachtet fast weniger Vorwürfe machen als den Armeniern - das nahmen die ersteren mit einem lachenden und einem weinenden Auge hin. Als aber im Jahre 2003 kein geringerer als Steven Spielberg, Hollywoods Star-Regisseur und Shoa-Businessman Nr. 1, sich anschickte, Werfels "40 Tage" erneut zu verfilmen, diesmal näher an der Vorlage und mit dem gerade durch eine neue "Zorro"-Verfilmung sehr bekannt gewordenen Antonio Banderas in der Hauptrolle des Gabriel Bagradian, da intervenierten die türkischen Diplomaten wieder massiv: Der Irak-Krieg stand auf der Tagesordnung, und zwar an erster Stelle der außenpolitischen Prioritäten der U.S.-Regierung. Gewährte die Türkei Auf- und Durchmarsch- oder wenigstens Überflugrechte oder nicht? Da wollte man in Washington lieber nichts anbrennen lassen und pfiff Spielberg zurück. (Soviel zur "Freiheit des künstlerischen Schaffens", das von amerikanischen Politikern immer dann bemüht wird, wenn wieder mal jemand - meist ein deutscher Jemand - in einem pseudo-"historischen" Film mit Hilfe offensichtlicher Lügen verunglimpft wird und man eine Ausrede sucht, warum man dagegen nicht eingreifen könne, schon gar nicht mit rechtlichen Mitteln.)

Anno 2004 schrieb eine gewisse Antonia Arslan einen Roman mit dem Titel "La masseria delle allodole". Der Verlag bewarb es mit der Behauptung, daß es Werfels "Die 40 Tage des Musa Dagh" - dessen Thematik es teilte - ebenbürtig sei; aber außer den tumpen Teutonen - die alsbald eine Übersetzung unter dem Titel "Das Haus der Lerchen" auf den Mark brachten - wollte es niemand lesen. Dann wurde es dennoch verfilmt, von den abgehalfterten Brüdern Taviani (die schon auf die 80 zugingen, sich aber ein Vierteljahrhundert zuvor durch einen Hetzfilm gegen "Nazi-Deutschland" empfohlen hatten :-). Sie drehten ihren Film auf Englisch mit deutschen Untertiteln; im Februar 2007 hatte er Premiere, in Berlin, und niemand ging hin, nicht mal die zahlreichen Türken dort, denen das schlicht am Arslan vorbei ging: Die männliche Hauptrolle spielte der drittklassige Paß-BRDler Moritz Bleibtreu, den seine häßlichen Segelohren eindeutig als Juden auswiesen - niemand nahm ihm den Türken ab. Also war es wieder einmal nichts mit einer cineastischen Aufarbeitung des Geschehens - geschweige denn mit einer prägenden Rolle für ein armenisches Opfer.

Im Oktober 2007 geisterte kurzzeitig eine Schlagzeile durch die Medien: "US-Kongreß erkennt 'Völkermord' an den Armeniern an. Türkische Regierung zieht ihren Botschafter aus Washington ab." Selbst wenn das so gewesen wäre, dann wäre das etwa so, als ob der Ältestenrat der Eskimo-Republik Nunavut den weltweiten 'Walmord' der Japaner im 20. Jahrhundert "anerkannt" und die japanische Regierung darob ihren Botschafter aus Ottawa abgezogen hätte. (Dikigoros hat sich an dieser Stelle den boshaften Satz verkniffen, "als ob der US-Kongreß dem Dalai Lama von Tibet die goldene Anerkennungs-Medaille verliehen und die chinesische Regierung darob ihren Botschafter aus Washington abgezogen hätte" - genau das geschah nämlich wenige Tage später tatsächlich :-) Was war aber wirklich geschehen? Der auswärtige Ausschuß des US-Repräsentantenhauses hatte mit knapper Mehrheit den Beschluß gefaßt, die strittigen Ereignisse als "genocide" zu bezeichnen. Wen scherte das? Nun, die US-Regierung, die sich beeilte, sich nachdrücklich von jenem Beschluß zu distanzieren, unter ausdrücklichem Hinweis darauf, daß die Türken wertvolle Verbündete beim eigenen Völkermord Friedenseinsatz im Irāq seien, die nicht durch solche Lappalien verärgert werden dürfen. Es bleibt also alles beim alten...


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