You are watching big brother! Ashok Kumar

You are watching big brother!

ASHOK  KUMĀR

[Kumudlāl Gāngulī]

(1911 - 2001)


Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

1911
13. Oktober: Kumudlāl Kunjilāl Gāngulī wird als Sohn eines Rechtsanwalts in Bhāgalpur (Bihār) geboren.*
Er hat zwei jüngere Brüder und eine jüngere Schwester.**

1924-30
Gāngulī besucht das Presidency College in Kalkattā.

1930-34
Gāngulī studiert Rechtswissenschaften in Allahābād.

1934
Juni: Der bengalische Anwalt Himānshu Rāy (anglisiert "Himansu Rai") gründet zusammen mit dem bayrischen Fotografen Franz Ostermayr (Künstlername "Franz Osten") und Gāngulīs Schwager (Ehemann seiner Schwester) Sashadhar Mukherjī unter dem Namen The Bombay Talkies eine Film-Studio-GmbH.
Sie sind - völlig zu Recht - der Auffassung, daß man ihre Produkte seit Einführung des Tonfilms nicht mehr "Movies (Bewegliche [Bilder])", sondern "Talkies" (Sprechende [Bilder]) nennen sollte.


Gāngulī folgt ihnen in die Hauptstadt Maharashtras (das damals noch nicht so heißt; man spricht auch noch nicht von "Bollywood" :-) mit dem erklärten Ziel, Regisseur zu werden; er beginnt als Filmlabor-Assistent.
Angeblich wollte Gāngulī nie und nimmer Schauspieler werden, weil er aus "guter" Familie stammte, während Schauspieler ein recht niedriges Sozial-Prestige hatten. Das kann man glauben, muß man aber nicht. Tatsache ist, daß er sein Jura-Studium nicht zum Abschluß brachte, daher die väterliche Praxis nicht übernehmen und in Sachen Beruf weniger "wählerisch" sein konnte. Richtig ist, daß Schauspieler damals noch relativ schlecht bezahlt wurden und auch deshalb kaum gesellschaftliches Ansehen genossen. Aber das sollte ja gerade er nachhaltig ändern.

1936
Gāngulī spielt unter dem Künstlernamen "Ashok Kumār"*** seine erste Rolle - gleich die männliche Hauptrolle****, den Ranjīt - in dem Film "Jīwan Naiyā".
Die weibliche Hauptrolle spielt die - ebenfalls aus "guter" bengalischer Familie stammende - Ehefrau des Produzenten, Dewi Rāy, geb. Chaudharī (Künstlername "Dewikā Rānī", anglisiert "Devika Rani"), die seine regelmäßige Filmpartnerin wird.
Noch im selben Jahr spielt Kumār seine zweite Hauptrolle, den Ajay, in dem Film "Janmabhūmi", und - unter der Regie von Franz Osten - seine dritte Hauptrolle, den Pratāp, in dem Sozialdrama "Achhūt Kanyā". Der dritte Film - die Geschichte einer "romantischen Liebe" zwischen einem Brahman und einer Kastenlosen, die an den "Vorurteilen" der sie umgebenden Gesellschaft scheitert - macht in den Medien Skandal, in den Kinos Kasse und Kumār über Nacht zum Star.*****


1937-38
Kumār spielt in "Sāwitrī", "Prem kahānī", "Izzat" und "Wachan" mit.


1938
Kumār spielt - wieder unter Ostens Regie - die Hauptrolle - den Rāmdas - in "Nirmalā".


1939
Kumār spielt die männliche Hauptrolle - den Kamal - in "Kãgan".


Noch vor Abschluß der Dreharbeiten erklärt Großbritannien dem Deutschen Reich den Krieg und steckt Osten - der als noch nicht ganz 63-jähriger volkssturmfähig ist und somit eine militärische Gefahr für das Empire darstellt - als "feindlichen Ausländer" in ein Concentration Camp.
Kurz bevor die Briten Indien in die Unabhängigkeit entlassen, schieben sie ihn - aus Angst, er könnte dort wieder anfangen Filme zu drehen - ins besetzte Trizonesien ab, wo er als "alter Nazi" - er hatte 1933 einen Film mit dem verfänglichen Titel "Der Judas von Tirol" gedreht, der zwar in keinster Weise anti-semitisch war und sogar in Roosevelts JewSA unbeanstandet lief, aber allein der Name "Judas" war halt VorwandGrund genug - lebenslängliches Berufsverbot erhält; er stirbt wenige Jahre später an den im KZCC erlittenen Mißhandlungen.


1940
Kumār spielt die Hauptrolle - den Nirmal - in "Bandhan".


Mai: Himānshu Rāy - der seit dem Verlust Ostens für zwei schuftet - erliegt, noch nicht 48-jährig, einem Herzinfarkt. Zwischen seiner Witwe Dewi - die seine Anteile erbt - und Mukherjī kommt es bald zu erheblichen Differenzen, die auch Konkurrenten auf den Plan rufen: In Madrās (heute "Chennaī") gründet S. S. Wāsan die Gemini Studios; dort werden, ebenso wie in Bombay, Filme auch auf Hindī gedreht - nicht nur auf Tamil.


Jene frühen Filme - egal welcher Provenienz - empfiehlt Dikigoros besonders Studierenden des Hindī in den Anfangssemestern. Da viele Schauspieler letzteres selber erst als Fremdsprache erlernt und überdies Anweisung haben, es auch einem Publikum verständlich zu machen, das nur über bescheidene Kenntnisse der künftigen Amtssprache verfügt, befleißigen sie sich in der Regel einer langsamen, klaren Aussprache; auch die Drehbücher sind meist so gehalten, daß man den Dialogen mit einem einfachen Grundwortschatz folgen kann. Und noch etwas für Nicht-Studierende des Hindī: Sagt doch bitte nicht immer "Maadras" oder neuerdings "Tschännäj" - das versteht in Indien niemand. Richtig heißt es "Madraas" bzw. "Tschena-ii", mit langem, geschlossenem "e" und langem, deutlich vom "a" abgesetzten "i"! (Ihr nennt doch auch den obersten Drogendealer von Kābul - hoffentlich - nicht "Kárzaj", sondern "Karsá-ii", mit stimmhaften "s" - oder?!?)

1940-41
Kumār spielt die männliche Hauptrolle in "Āzād"******, den Puran in "Nayā Sãsār", den Ramesh in "Jhūlā" und den Ajit in "Anjān".


1943
Kumār spielt die Hauptrolle - den Yusuf - in "Najmā" und die Hauptrolle - den Shekar, einen zu Unrecht eingekerkerten, aber schließlich vom Schicksal befreiten Verliebten - in "Kismät".
(Für Linguïsten; Dikigoros erlaubt sich, das so zu transkribieren. Auf Englisch schreibt es sich "Kismet", auf Indisch "Kismat"; der 2. Vokal klingt aber in beiden Sprachen wie ein deutsches "Schwa".)


"Kismät" wird zum erfolgreichsten indischen Film aller Zeiten; er läuft in einigen Teilen Indiens - u.a. in Bengalen - fast drei Jahre lang; die darin gesungenen Schlager werden zu Evergreens.*******

1944
Mukherjī und Kumār werfen Dewi Rāy den Krempel hin und gründen ihre eigene Filmstudio-Gesellschaft, Filmistān. Filme wie "Chal chal re naujawān", "Kiran", "Humāyūm", "Begam", "1946", "Shikārī", "Āth din" alias "Et dez (Eight Days :-)", "Chandrashekhar" und Sājan" können den Erfolg von "Kismät" jedoch nicht wiederholen.


Auf dem mittleren Filmplakat seht Ihr eine Besonderheit der Dewnagrī und zugleich eine Inkonsequenz in deren englischer Transkription, nämlich in der Unterscheidung von kurzem und langem "i": Normalerweise (d.h. mit Ausnahme von "u" und "ū") wird die Verlängerung eines Vokals durch einen zusätzlichen Strich rechts daneben angezeigt. So wird z.B. aus dem "ka" in der Mitte durch einen weiteren Strich ein "kā". Verbindet man die beiden durch einen zusätzlichen Bogen über der Shirorekā, so wird daraus ein "i" - was auch logisch ist, denn das "i" ist ja der höchste Vokal. Ebenso logisch ist es, das "u" durch einen Kringel unter dem Harf anzuzeigen - wie z.B. in Kumār, denn das "u" ist ja der tiefste Vokal. Daß dieser Kringel mal nach links, mal nach rechts gedreht ist, stört auch nicht weiter. Was aber für den Lernenden zumindest am Anfang äußerst schwierig, ja verwirrend ist (und manchmal fragt sich Dikigoros, ob solche Besonderheiten - es gibt ja noch andere - nicht eine gewisse Mitschuld an der hohen Analfabetenrate in Indien haben), ist die Darstellung auch des kurzen, vermeintlich einfachen "i" links neben dem Harf. (Man kann das durchaus ästhetisch ansprechend oder sogar "schön" finden - aber das ist ja kein Argument, wenn es um Erlernbarkeit bzw. Lesbarkeit geht.) Wie lösten die englischen Kolonialherren dieses Problem? Gar nicht! Sie schrieben, ganz ohne Rücksicht auf Kürzen und Längen, "Shikari", wie sie ja auch "Hindi" statt "Hindī" schrieben. Aber als die Inder selber das Heft - und den Griffel - in die Hand nahmen, versuchten sie zu differenzieren. Auf den Filmplakaten links und rechts seht Ihr bereits, daß das lange "ī" als "ee" transkribiert ist, also Līlā als "Leela" und Wīrā als "Veera" - freilich wenig konsequent, denn das lange ā wurde ja einfach als "a" wieder gegeben. Und ganz gelöst hat man auch das Problem mit dem kurzen "i" und dem langen "ī" bis heute nicht: Man schreibt auf Englisch noch immer "Hindi", nicht "Hindee", wie es konsequent wäre; und daran wird sich wohl auch zu Dikigoros' Lebzeiten nichts mehr ändern.

1947
Kumār kauft die inzwischen völlig überschuldeten Bombay Talkies auf.

1949
Kumār spielt den Hari Shankar in "Mähäl".


(Dikigoros erinnert sich noch, wie schockiert er war, als er auf seiner ersten Indien-Reise - er konnte noch kein Hindī - hörte, wie die Leute in Āgrā das Gebäude, das er zuhause "Tadsch Mahaal" zu nennen sich angewöhnt hatte - mit kurzem "a" im 1. Wort und langem "a" in der letzten Silbe des 2. Wortes - aussprachen, nämlich "Tājmähäl", in einem Wort, mit langem, betontem Anfangs-"a" und danach zwei kurzen, unbetonten Schwas. Im Rückblick ist er eher umgekehrt schockiert, daß die falsche Aussprache bei uns einreißen konnte. Wir sagen doch auch nicht "Krone Palást", sondern "Krónpalast", in einem Wort und mit Betonung auf der 1. Silbe!)

1950
Kumār spielt den Shekhar in "Samādhi", den Kunwar in "Sãgrām und die Titelrolle in "Khiladi".


Entgegen anderen Behauptungen lief dieser Film in England nicht als "The Player", sondern ausweislich des Plakats unter dem Originaltitel - der damals so transkribiert wurde. Heute neigt man dazu, "d" statt "r" zu schreiben, so auch Dikigoros, weil es nicht nur einen anderen Harf für "r" gibt, sondern einen weiteren speziell für "ri" (mit dem z.B. Sanskrit" geschrieben wird). Allerdings ist es auch kein eindeutiges "d" - dafür gibt es ebenfalls einen anderen Harf -, sondern ein Laut, der dem spanischen "r" ähnelt. Wer mal ein Interview mit dem indischen Ex-Schachweltmeister Ānand auf Spanisch gehört hat - er spricht es sehr gut, hat ja auch einige Zeit dort gelebt - weiß Bescheid. Aber Dikigoros bildet das Plakat noch aus einem anderen Grunde ab, nämlich damit Angehörige seiner Generation mal sehen, wie man den persisch-indischen Namen "Soraya" richtig ausspricht, nämlich nicht "So-ra-ja" - mit weichem "S" im Anlaut -, sondern "ßu-ra-i-ja" - mit scharfem "S" im Anlaut, einem [kurzen] "u" statt "o" und einem deutlich hörbaren "i" zwischen dem "a" und dem "j".

1951
Kumār spielt den Dr. Kishor in "Dīdār".


1952
Kumār spielt den Ashok in "Bewafā".


(Man beachte, daß der 2. Harf damals - 5 Jahre nach der Unabhängigkeit - nicht nur in Deutschland, sondern auch in Indien als "wa" transkribiert wurde, wie es richtig ist; erst später riß hüben wie drüben die irreführende englische Transkription als "va" ein. Das "fā" gibt es nur in Fremdwörtern; es wurde damals - und noch, als Dikigoros die Dewnagrī erlernte - als "ph" mit einem - auf dem Plakat gut sichtbaren - Unterpunkt geschrieben; heute läßt man es oft weg, was leicht zu Mißverständnissen führt.)

1953
Kumār spielt den Shektar Rai in "Parinītā".


Warum bildet Dikigoros hier zwei Plakate zum selben Film ab? Um zu zeigen, daß auch die Dewnagrī Schwächen hat. Einige Zeichen, die uns redundant erscheinen, sind es gar nicht, da sie unterschiedliche Laute bezeichnen, für die uns bloß das "Ohr" fehlt. Aber andere sind es halt doch: So wird z.B. noch immer das alte "Hänge-n" aus dem Sanskrit mit geschleppt, wie auf dem linken Plakat, obwohl das "Nasen-n", das auf dem rechten Plakat zu sehen ist, exakt den selben "n"-Laut bezeichnet.

1956
Kumār spielt den Prakash Mehtā in "Ek hī rāstā" und den Ashok in "Bhāi - Bhāi".


(Wer meint, daß die beiden Filmbrüder einander nicht sehr ähnlich sehen sei versichert, daß sie es sogar "in real life" sind: Den jüngeren Bruder Rāj spielt Kumars Bruder Kishur. Im übrigen hat der - ziemlich weit her geholte - Plot jedoch keinen biografischen Bezug zur Realität :-)

1958
Kumār spielt den Brijmohan Sharma in "Chaltī kā nām gādī", den Rajesh in "Sitārõ se āge" und den Rakesh in "Hāwrā brij" (engl. "Howrah Bridge").
(Die spricht sich "Haav[d]raa" - nicht "Haura" o.ä. - und führt über den Hūgli, denn Kålkattā liegt nicht am Ganges; aber das wissen Dikigoros' Leser ja schon von einer anderen seiner "Reisen durch die Vergangenheit" :-)


1959
Kumār spielt den Inspektor Dās in der Neuverfilmung von "Kãgan" und den Verteidiger in "Dhūl kā phūl".


1961
Kumār spielt den Nawab Badruddin in "Dharm putr".


Dikigoros würde das in einem Wort zusammen schreiben, also "Dharmputr"; aber da die indische und die englische Beschriftung des Filmplakats in diesem Punkt (ausnahmsweise :-) mal übereinstimmen, beugt er sich dem und schreibt den Titel getrennt. Nicht überein stimmen sie dagegen in der Schreibweise des letzten Harf. In der Regel wird das kurze, unbetonte Endungs-"a" im heutigen Hindī nicht mehr mitgesprochen; aber es gibt Ausnahmen; und in den meisten Fällen könnte man argumentieren, daß es ja theoretisch zumindest mitgeschrieben wird. Aber gerade das wird es hier nicht; vielmehr endet das Wort mit einem "r", das keinerlei Unklarheiten aufkommen läßt. Die Dewnagrī kennt mehrere unterschiedliche Formen des "r": Zunächst den selbständigen Harf "r" (wie in Kumār), der theoretisch silbentragend ist; und der Vokal dieser Silbe ist, wenn nichts weiter dabei steht, ein "a" - wie bei jedem anderen Harf auch. Praktisch wird dieses "a" am Wortende aber meist verschluckt; man sagt also z.B. "Kumaar", nicht Kumaara". Dann gibt es das nicht-silbentragende, zwingend vokallose Häkchen-"r", das einem anderen Harf beigefügt wird, wobei die Stellung unterschiedlich ist: Wenn es vor der Silbe gesprochen wird, setzt man es über den Harf, wie hier in "dharm" (das also nie "dharam" gesprochen werden kann!); wenn es nach der Silbe gesprochen wird, gibt es zwei Möglichkeiten: Normalerweise steht es unter dem Harf; die einzige Ausnahme ist das "tr", wie hier in "putr", wo es mittig steht; und um klar zu stellen, daß auch das "t" in diesem Fall vokallos ist, wird dessen Bogen zur Hälfte abgeschnitten. Es kann also weder "putra" noch "putara" noch sonstwie heißen, sondern nur "putr"! (Dagegen könnte es theoretisch "Dharma" heißen; aber da das nicht mal in der englischen Fassung behauptet wird, kann Dikigoros seinen Lesern und sich weitere Ausführungen dazu ersparen :-)

1962
Kumār spielt den Rāju in "Rākhī" und den Dr. Prakash in "Ārtī".
Ihm wird der Filmfare Award verliehen.

     

Es herrscht Uneinigkeit/Unklarheit, für welchen Film er ihn erhielt; der Streit ist jedoch müßig, da er als bester Schauspieler ausgezeichnet wurde - das war auch für mehrere Filme möglich.
(Klar ist dagegen, daß der Gestalter des linken Filmplakats keinen Preis gewinnen konnte: "kh" schreibt sich nicht "r+w", sondern mit schön durchgezogenem Strich; so wie es da geschrieben steht, würde es "raarawii" gesprochen und überhaupt keinen Sinn ergeben :-)

1963
Kumār spielt - erstmals für Wāsanas Gemini Studios - den Harishchandr Khannā in dem (Zwischen-)Zwei-Familien-Drama "Grahasthī".
Der Film hat riesigen Erfolg und zieht eine Flut ähnlicher Streifen nach sich. Damit hat das indische Kino sein zweites Lieblings-Thema gefunden.


Warum schreibt Dikigoros den Titel anders als er auf dem Filmplakat steht? Und warum bildet er wieder zweie ab? Weil es auch in Indien Rechtschreib-Reformen gegeben hat - und ähnlich wie in der BRDDR nicht immer zum besseren. 1963 schrieb man auf Hindī noch "Grahasthī", mit aspiriertem "t" - aber das hätte man in lateinischen Buchstaben nicht so dargestellt, weil es nicht wie englisches "th" gesprochen wird, sondern vielmehr wie stark - stärker als im Deutschen - aspiriertes "t". Rechts ist die Hülle einer modernen DVD zu sehen; und da wird es mit nicht-aspiriertem "t" geschrieben.
Kumār spielt den Buland Akhtar in "Mere Mähäbūb".


Man kann das zweite "ä" auch verschlucken, wie es der englische Titel "Mere Mehboob" andeutet - und Dikigoros selber würde das auch tun -; aber ausweislich des Titelsongs ist es hier eindeutig mitzusprechen.
Der Film erhält 7 Filmfare-Nominierungen (darunter drei für den Titelsong: Musik, Text und Gesang) und einen National Film Award für den zweitbesten Hindī-Film des Jahres; offenbar sind Kinogänger, Kritiker und Kulturpolitiker der ewig gleichen Leierdes ewig jungen Themas "Liebes- oder Geld-Heirat" noch immer nicht müde, obwohl es allmählich auch cineastisch nicht mehr originelll, sondern ziemlich ausgelutscht ist.
Noch im selben Jahr spielt Kumār den Sāyā in der Gauner-Komödie "Ustādõ ke ustād", den Ashok in "Gumrāh" und den Bikash Ghosh in "Bandinī".


1964
Kumār spielt den Yogi Kumargiri in "Chitralekha".

1965
Kumār spielt die männliche Hauptrolle in "Ādhī rāt ke bād".


1966
Kumār spielt den Pratap in "Dādī mā" und den Gopal in "Afsānā".


1967
Kumār spielt den Arjun Singh in "Jewel Thief", den Nawab Sikandar Mirzā in "Bahū begam" und den Shanti Swarup in "Meharbān".


1968
Kumār spielt den Shiwnath in "Āshirwād".


Hatte Dikigoros oben bei "Dharm putr" geschrieben, daß das nicht-silbentragende Häkchen-"r", das vor dem Harf gesprochen wird, darüber geschrieben wird? Ja, und das wollt Ihr bitte wörtlich nehmen, denn die Dewnagrī ist keine Buchstaben-, sondern eine Silbenschrift. (Manche KorinthenkackerLinguïsten bestreiten das und behaupten, es sei ein Konstrukt sui generis; aber das ist Wortklauberei, denn "reine" Silbenschriften gibt es überhaupt nicht, sie operieren allesamt mit mehr oder weniger vielen Sonderzeichen und Zusätzen; Dikigoros würde im Zweifel von einer "erweiterten Silbenschrift" sprechen.) Das Häkchen steht also nicht über dem Konsonanten der Silbe, sondern über der Silbe insgesamt, und das kann man hier besonders schön sehen - anders als in Fällen, wo es vor einem einfachen, kurzen Harf gesprochen wird, der praktisch nur aus dem Konsonanten besteht, wie "Dharm[a]" oder "Dew[a]nagrī; dann käme es nicht drauf an bzw. würde nicht weiter auffallen. Aber hier wird es vor einem "wā" gesprochen, d.h. einem "w[a]" mit Verlängerungsstrich; und da steht das Häkchen-"r" nicht über dem "w[a]", sondern zwingend über dem Verlängerungsstrich! (Wenn die Dewnagrī keine Silbenschrift wäre, müßte man das "...warad" lesen, und das ist schlicht falsch :-)

1969
Kumār spielt den Richter in "Do bhāi".


1970
Kumār spielt den Jagatram in "Sharāfat" und den Uma Shankar in "Jawāb".


(Dikigoros' Hindī-Lektor - Vetter eines Regisseurs, der mit Kumār zwei seiner erfolgreichsten Filme drehte - pflegte zu sagen: "Vergessen Sie alles, was Sie im Arabisch-, Persisch-, Chinesisch- oder Japanisch-Unterricht über asiatische Schriftsysteme gelernt haben; die Dewnagrī eignet sich nicht für kalligrafische Experimente!" Aber wenn er das rechte Plakat so betrachtet... Vom völlig überkandidelten "Ja" am Anfang ganz abgesehen, gibt es hier keinerlei Rechtfertigung, die Shirorekā zu unterbrechen, geschweige denn gleich dreimal :-)

1971
Kumār spielt den Rajaji in der 2. Neuverfilmung von "Kãgan" und den Anwalt Shukla in "Adhikār".
(Beide Filme werden auch nach England exportiert, als "The Bangle" bzw. "Justice".)


1972
Kumār spielt den Shahabuddin in "Pākīzā" und den Koch in "Garam masālā".
Dikigoros erwähnt diese beiden an sich unwichtigen Rollen vor allem wegen zweier Vokabeln:
1. Der muslimische Westen von British Indien erhielt 1947 auf Betreiben Jinnahs den Namen "Pākistān", was sich zwar theoretisch - mit einigen willkürlichen Verrenkungen - als Abkürzung seiner Provinzen [miß]verstehen ließe, aber tatsächlich "Land der Reinen" bedeutet; der Film lief denn auch in England unter dem Titel "Pure One [Der Reine]".
2. Das Wort "Mahārāj[a]" wird im Ausland immer noch als "Großfürst" o.ä. Herrschertitel [miß]verstanden. Das ist lange her; heute ist es die (scherzhafte :-) Anrede für einen Koch. Das liegt daran, daß Familien, die sich einen eigenen Koch leisten konnten, dafür natürlich nur jemanden aus der höchsten Kaste nahmen - ein niederkastiger Koch hätte das Essen ja verunreinigt. Verarmte Mahārājen konnten daher jederzeit als Köche arbeiten; im Laufe der Zeit ging die Bezeichnung auf den ganzen Berufsstand über.



Fortsetzung in Sachen kalligrafische - oder sollte Dikigoros besser "kakografische" schreiben? - Experimente: Das rechte Kinoplakat ist nicht nur schlecht beschriftet, sondern in einem Punkt sogar falsch: Schlecht ist die - freilich auch auf dem linken Plakat angedeutete - allgemeine Tendenz, alle Bestandteile der Harfen gleich hoch zu schreiben, d.h. sie bis auf den Boden durch zu ziehen. Das macht sie zwar nicht wirklich verwechslungsfähig, wenn man genau hin schaut; aber es erschwert - ähnlich wie die oben beklagte Unterbrechung der Shirorekā - die Ganzworterfassung, auf die man doch im "modernen" Schulunterricht so großen Wert legt! (Dikigoros stellt das immer wieder fest, wenn er seine alten Aufzeichnungen nachliest, denn auch er selber neigt[e] zu dieser Unart :-) Das "ma" ist, korrekt geschrieben, eben nicht genau so hoch wie das "ga", das "sa" und das "la". Und wenn man dann noch die linke Hälfte vom "ga" vollständig einrollt, sieht es bei flüchtigem Lesen tatsächlich fast wie ein schlecht, d.h. zu lang geschriebenes "ma" aus. Aber der Gipfel - im wahrsten Sinne des Wortes - ist das "r" über dem "ma". Dikigoros hat alle möglichen indischen Wörterbücher gewälzt, nicht nur das, nach dem er selber Hindī gelernt hat, sondern auch ältere und jüngere Auflagen, um fest zu stellen, ob "garam" jemals "garm" geschrieben wurde; aber außer in der jüngsten Online-Ausgabe von Collins Dictionary hat er nichts dergleichen gefunden. (Und die ist völlig unzuverlässig, denn dort wird behauptet, daß man es auch "garma", "grma" oder "grm" schreiben bzw. transkribieren könne - bloß "garam" kennen die nicht :-) Nein, heiß [für Temperaturen] bzw. scharf [für Gewürze - wie in diesem Film] (übrigens eine Parallele zum Englischen, wo beides "hot" heißt) schrieb und schreibt sich korrekt "garam", d.h. zwingend mit dem Harf "ra". Man kann letzteres nicht einfach durch ein Oberhäkchen ersetzen, denn dann hieße es "garm", und das ist falsch.

1975
Kumār spielt Mr. Khanna, den Vater der Titelheldin, in "Milī".


1977
Kumār spielt Mr. Werma in "Drīm garl".


"Dream girl" schreibt sich auf Dewnagrī "drī+ma ga+rla", spricht sich aber - s.o. bei "Tājmähäl" - "Driimgärl", in einem Wort, mit langem, betontem "i" und kurzem, unbetontem "ä". Wenn Ihr, liebe Leser, mal in die Verlegenheit kommt, Euch in Indien mit Englisch behelfen zu müssen, dann tut es bitte richtig, d.h. sprecht indisches Englisch; denn wenn Ihr es so vernuschelt, wie es die Engländer und vor allem die Amerikaner heute tun, dann wird man Euch nicht verstehen. Es ist eigentlich ganz einfach: Die Inder haben das Englische so bewahrt, wie es ihnen die Briten im 17. Jahrhundert mitgebracht haben, d.h. beinahe so gesprochen wie geschrieben und weitgehend unvernuschelt. Sie sagen also nicht "göal", sondern "garl" oder "gärl", mit deutlich zu hörendem "r". Und das gilt auch für Begriffe, die es im 17. Jahrhundert noch gar nich gab. Die Deutschen und die Engländer sagen z.B. "Intanät", wobei sie das "a" zum "schwa" vernuscheln und das "r" halb - oder ganz - verschlucken; die Amerikaner vernuscheln auch noch das "t" und sagen "Innanät". Die Inder sagen dagegen "Intarnet", mit langem, geschlossenem "e" und deutlich hörbarem "t" und "r"; und sie schreiben "ĭtarnet" (mit einem Anuswār [Nasalierungs-Punkt] über dem Harf "i" statt eines folgenden Harf "n[a]" - der theoretisch auch möglich wäre), damit niemand etwa auf die Idee kommt, "inatarnet" zu sagen! (Ihr Gott des Internets ist übrigens Ganesh - wer sonst -; aber darüber schreibt Dikigoros an anderer Stelle.)


Noch etwas zum Schriftbild: Dikigoros hatte das letzte Häkchen-"r" - das nach dem Harf gesprochene und demzufolge unter dem Harf geschriebene - noch nicht vorgestellt, weil noch kein Filmplakat dazu Anlaß gab. Hier kann er das nun endlich nachholen und dabei zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Diese Kombination ist nämlich zugleich sein Hauptargument dafür, den Harf am Wortanfang nicht als "r" zu transkribieren - s.o. bei "Khiladi" -, sondern als "d". Wie sollte man diese Kombination sonst transkribieren - etwa als "rr"?!?

1980
Kumār spielt den Dwarka Prasad Gupta in "Khūbsūrat".


1985
Kumār spielt den Nigam in "Tawāyf".


1986
Kumār spielt den Abdul Rahman in "Pyar kiya hai pyar karenge".

1991
Kumār spielt den Pandit Satyadew in "Maut ki sazā".

1996
Kumār spielt erneut den Arjun Singh in "Return of Jewel Thief".
Das ist freilich nicht mehr die Hauptrolle, da der Film kein Remake, sondern eine Fortsetzung ist; neuer Held ist der Sohn des alten Juwelendiebs; der Vater wirkt nur noch im Hintergrund.


Man beachte die schlampige Schreib- und Ausdrucksweise in beiden Sprachen auf dem Kino-Plakat: Richtig müßte es auf Englisch "The return of the jewel thief" heißen; und die Hindī-Schreibweise "ritarn āph jwail thīph" (beide Male ohne Punkt unter dem "ph") ist mehr als fragwürdig.
Damit beendet Kumār seine Film-Karriere und tritt in den Ruhestand.

2001
10. Dezember: Kumudlāl Gāngulī alias "Ashok Kumār" stirbt in Bombay.


*Ein scheinbar ganz simpler, eindeutiger Satz, der indes gleich mehrere Anmerkungen erfordert:

**Auch seine Brüder wurden Schauspieler und drehten z.T. mit ihm zusammen; möglicherweise geht darauf sein Spitzname "Dādāmunī [Großer Bruder]" - im Ausland fälschlich auch "Dadamoni" oder "Dada Moni" geschrieben, auf Bengalisch "Dādāmuni", mit kurzem "i" - zurück, unter dem er in Indien bekannt ist.

***Irgendwo las Dikigoros mal, daß "nur die Griechen" die Namen ihrer alten Götter und Halbgötter bis heute als Vornamen verwenden. Das mag für Europa zutreffen; in Asien tun das jedoch auch die Inder. Der Nachname schreibt sich auf Bengalisch "Kūmār" - mit langem "ū". Beides zusammen bildet das indische Pendant zu "Max Mustermann"; viele "Celebrities" nennen sich so, nicht nur Schauspieler, sondern auch - und vor allem - Sportler und sogar Politiker. Dikigoros ist nicht sicher, ob diese Praxis älter ist als Kumudlāl Gāngulī; möglicherweise wurde dieser Name erst durch ihn bekannt, und es wurde Mode, ihn zu imitieren. (Auch bei uns wurde ja der Name "Otto Normalverbraucher" durch einen Schauspieler - Gert Fröbe - populär, allerdings nicht als dessen Pseudonym, sondern durch die Rolle, die er 1948 in dem Film "Berliner Ballade" spielte :-)

****Über das Zustandekommen dieses Engagements kursiert eine abenteuerliche Geschichte: Der eigentliche Hauptdarsteller soll mit Dewikā Rānī, der Hauptdarstellerin und Ehefrau des Produzenten Himānshu Rāy, "durchgebrannt" sein. Der habe die Rolle daraufhin kurzerhand mit seinem Labor-Assistenten Kumār besetzt. Sehr glaubhaft ist das nicht, denn Dewikā Rānī drehte den Film offenbar zuende und spielte auch später noch häufig mit Kumār zusammen in den Filmen ihres Mannes. Ausschlaggebend dürfte vielmehr gewesen sein, daß sein Schwager Mukherjī sich für ihn aussprach.

*****Auch über diese Besetzung wird eine Episode verbreitet, wonach der deutsche Regisseur Kumār als Schauspieler im Allgemeinen und als Hauptdarsteller dieses Films im Besonderen für völlig ungeeignet hielt und erst von Himanshu Rai mit sanftem Druck "überredet" werden mußte, ihn zu akzeptieren. Dabei hatte Osten völlig Recht: Kumār sah nicht aus wie ein Brahman, Dewikā Rānī nicht wie eine Kastenlose, und überhaupt waren die Rollen völlig unglaubwürdig: Für gewöhnlich ist der Sohn eines Lebensmittelhändlers kein Brahman, und die Tochter eines Bahnwärters keine Kastenlose; sie hätten also von der Kaste her ohne weiteres heiraten können, ohne darob der sozialen Ächtung zu verfallen. Wäre Indien damals schon unabhängig gewesen, wäre der Film wahrscheinlich verboten worden; den britischen Kolonialherren jedoch kam der Film gerade recht, um Ressentiments gegen das Kastenwesen - das sie am liebsten zerstört hätten - zu schüren; und sie sorgten dafür, daß er überall ungehindert gezeigt werden konnte. Kumār selber identifizierte sich mit der Filmgestalt in keinster Weise; seine eigene Ehe - die er im selben Jahr schloß - war innerhalb seiner Kaste "arrangiert"; nach eigenem Bekunden hatte er die Frau, die seine Mutter sich als Schwiegertochter ausgesucht hatte, vor der Hochzeit nie gesehen. Dennoch (oder gerade deshalb :-) war die Ehe dem Vernehmen nach sehr glücklich und hielt, bis daß der Tod seiner Frau sie zwei Tage vor ihrer Goldenen Hochzeit schied.

******"Freiheit" - kein indisches, sondern ein persisch-arabisches Fremdwort (das "z" als "j" mit Unterpunkt geschrieben und wie weiches/stimmhaftes deutsches "s" gesprochen) und ein gewagter Titel in jenen Tagen, denn das Motto "Āzād Hind" hatte sich auch die indische Unabhängigkeits-Bewegung unter Subhās Chandr Bōs auf die Fahnen geschrieben, die gegen die britische Kolonialherrschaft kämpfte.

*******Weder die cineastiche noch die musikalische Qualität können den Erfolg jenes Films erklären, wohl aber der Text des wichtigsten Schlagers: "Haut ab, ausländische Besatzer, Indien ist unser!" Um durch die britische Zensur zu kommen, wurde in einer der Strophen ausdrücklich betont, daß damit die "deutschen und japanischen Besatzer" gemeint waren; und die Zensur-Behörde war dumm genug, darauf herein zu fallen; da aber jeder Inder wußte, daß es in Indien keine deutschen oder japanischen, sondern nur britische (und einige wenige portugiesische und französische) Besatzer gab, wurde die Botschaft trotzdem richtig verstanden. Mit der Unabhängigkeit Indiens 1947 wurde der Film obsolet und - nachdem er die Rekordzeit von 187 Wochen gelaufen war - aus den Kino-Programmen genommen. Einigen Kinogängern dürfte auch die [Vor-]Freude auf jene Unabhängigkeit im Nachhinein vergangen sein - gerade in Bengalen, wo der Film am besten besucht war. Es ist der wohl traurigte Treppenwitz der indischen Geschichte im 20. Jahrhundert, daß diese einstmals reichste Region Südasiens zur ärmsten herab sank: Die mit der Unabhängigkeit verbundene Teilung führte zu bürgerkriegsähnlichen Unruhen zwischen Hindus und Muslimen mit Mord und Vertreibung, denen - zusammen mit den gleichzeitigen, gleich gelagerten Ereignissen im Panjāb - ca. 10 Millionen Inder zum Opfer fielen, also kaum weniger als die deutschen Mord- und Vertreibungsopfer bei Kriegsende in Europa. Es folgte ein ungeahnter Niedergang in Ost- und West-Bengalen, ein Sezessionskrieg Ost-Bengalens von West-Pākistān und schließlich die Errichtung eines unabhängigen Staates Bangla Desh, der den sozialen, politischen und wirtschaftlichen Abstieg unvermindert fortsetzte und seinen Tiefpunkt wahrscheinlich noch immer nicht erreicht hat, obwohl seine Bevölkerung heute schon die ärmste Südasiens ist. "Bollywood" hat es bisher peinlichst vermieden, sich dieses Themas ernsthaft anzunehmen.


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