Der vermeintliche Erdrutschsieg der Labourpartei bei der britischen Unterhauswahl scheint gegen den allgemeinen Rechts-Trend in Europa zu laufen. Der zweite Blick fördert allerdings Bemerkenswertes zu Tage.
Auf den ersten Blick gab es einen
kräftigen Linksruck:
Die Labourparty verdoppelte die Anzahl ihrer Sitze, von 202 auf 412, auch die linksliberalen Liberalen Demokraten verbesserten sich phänomenal von elf auf 71 Sitze und ebenso legten die Grünen zu, von einem auf 4 Sitze. Dagegen gab es ein Massaker bei der Konservativen Partei, die 248 Sitze verlor und nur noch 119 behalten hat. Auch Gewinne der neuen, rechtspopulistischen Partei Reform UK, die auf 4 Sitze kam, konnten das nicht ansatzweise kompensieren.
Andere, vor allem regionale Parteien, mischten auch mit: Die Schottische Nationalpartei (SNP), politisch stramm links, verlor sehr deutlich, nämlich 38 Sitze, und hat nur noch 9. Die konservative Repräsentantin der irischen Protestanten, die Demokratische Unionistenpartei, verlor 3 Sitze auf nun 5, wohingegen die linke Sinn Fein, die wiederum die Katholiken Nordirlands repräsentiert und für Anschluss an die Republik Irland ist, 7 Sitze gewann (vorher keinen). Auch die walisischen Nationalisten der Plaid Cymru schnitten mit 4 Sitzen besser ab, zuvor waren es 2. Unabhängige Kandidaten (meistens Personen, die selbst Labour zu links waren) und einige Kleinparteien aus Nordirland teilen sich die restlichen 11 Sitze.
Wenn man auf die Karte der Wahlkreise schaut, hat Labour seine traditionellen Hochburgen zurückerobert oder gehalten, die da wären: Zentralschottland rund um Glasgow und Edinburgh; Nordengland (York, Newcastle); das (ehemalige) mittelenglische Industriegebiet um Liverpool, Manchester, Leeds und Birmingham; den Süden von Wales; die Hauptstadt London. Sogar im Herzland der Konservativen, Südengland, konnte Labour einige Eroberungen machen. Allerdings verloren die Konservativen hier vor allem an die Liberalen Demokraten. Die SNP, die einmal fast ganz Schottland beherrschte, wurde wieder zurückgeworfen auf ein paar ländliche Wahlkreise im Norden.
Aufschlussreicher als die Anzahl der Sitze, die nach dem "first past the post" System vergeben werden, also an den Wahlkreisgewinner fallen, selbst wenn er, bei entsprechend vielen Kandidaten, beispielsweise nur 20% bekommen hat, ist die absolute Anzahl der Stimmen, die prozentuale Verteilung und die Gewinne und Verluste.
Absolute Zahlen zeigen die wahren Tendenzen
Zuerst fällt auf, dass die Wahlbeteiligung diesmal mit 60% beträchtlich geringer war als bei der letzten
Unterhauswahl 2019
mit 67,6%. Auch sonst lohnt ein Vergleich absoluter Zahlen mit 2019: Labour bekam diesmal 9,6 Millionen Stimmen und 34% (Anm. Dikigoros: der niedrigste Prozentsatz, mit dem je eine britische Regierung ins Amt gewählt wurde) gegenüber 10,3 Millionen Stimmen und 32% 2019, also prozentual nur ein geringer Zuwachs und in Stimmen sogar ein Rückgang. Da allerdings die Konservativen massiv verloren haben, nämlich von fast 14 Millionen Stimmen und 44% 2019 auf 6,8 Millionen Stimmen und 24% jetzt, wurde Labour in etlichen Wahlkreisen, die die Konservativen gerade in den mittelenglischen Arbeitergegenden 2019 wegen des populären
Boris Johnson hinzugewannen, wieder die Nummer eins.
Auch Reform UK hat den Konservativen entscheidende Stimmen abgenommen und sie, ohne selbst den Sitz zu gewinnen, in vielen Wahlkreisen den möglichen Sieg gekostet. Reform UK hat beindruckend zugelegt ,was Stimmen und Prozente betrifft von 2019 bis heute, nämlich von 644.000 auf 4 Millionen Stimmen und von 2 auf 14%, was sie nach prozentualer Zustimmung zur drittgrößten Partei Großbritanniens macht. Die 4 gewonnenen Sitze geben also keinesfalls den wirklichen Triumph von Reform UK wieder. Nigel Farage, der Chef von Reform UK, sieht sich schon auf dem Weg zum Anführer der Opposition, wenn sich diese Tendenz verstärkt. Die Konservativen hätten die Leute belogen und verkauft, und daher habe er sich diesmal nicht vornehm zurückgehalten und die Konservativen nicht geschont, um Labour zu verhindern, sagte Farage.
Anders als bei Reform UK war der beeindruckende Zuwachs der Sitze bei den liberalen Demokraten in Stimmen gemessen sogar ein Verlust und in Prozenten ein sehr bescheidener Zuwachs: Von 3,7 Millionen 2019 auf 3,5 Millionen jetzt und von 11,6% 2019 auf 12,2% jetzt.
Die SNP verlor etwa die Hälfte ihrer Wähler: von 1,2 Millionen und 4% 2019 auf 685.400 und 2,4% jetzt.
Fazit: Nicht Starmer und Labour haben die Wahl gewonnen, die Konservativen und
Sunak
haben sie krachend verloren. Nicht, weil die Leute plötzlich begeistert sind von linker Politik, sondern weil die Konservativen die hochgesteckten Erwartungen nicht erfüllt haben und weil die Leute damals einen Boris Johnson gewählt haben und nun mit einem Rishi Sunak endeten, den sie gar nicht wollten.
Nicht einmal die Mitglieder der konservativen Partei wollten Sunak, er wurde ihnen à la Kramp-Karrenbauer oder Laschet aufgenötigt, weil es keine Alternativen mehr gab. Johnson versprach Begrenzung der Migration, niedrige Steuern, weltweite Handelsabkommen und Stärkung der nationalen Souveränität und versank dann im Sumpf von Corona.
Seine Nachfolger
Truss
und Sunak verhedderten sich in Flügelkämpfen und konnten die Leute nicht mitreißen. Und auch wenn es niemand wagen würde zu sagen, es kann angenommen werden, dass viele traditionelle, ländliche Wähler der Konservativen sich mit Sunak und den vielen anderen Kabinettsmitgliedern mit Migrationshintergrund einfach nicht recht identifizieren konnten, dagegen sehr mit Nigel Farage, der sein Engländertum zum Markenzeichen gemacht hat.
Nachbemerkung Dikigoros: Und - was erst recht niemand wagen würde zu sagen, auch S.B. nicht: In England gibt es viel zu wenige Hindus - und selbst diese wenigen wollen nichts von Sunak wissen (aus Gründen, über die Dikigoros
an anderer Stelle schreibt, Stichwort "Khālistān") - und viel zu viele Muslime, die fast geschlossen für Labour gestimmt haben. Nicht umsonst hat London - wo die Muslime inzwischen die absolute Bevölkerungsmehrheit stellen - schon seit Jahren einen radikal-islamischen Bürgermeister. Von den Wählerstimmen, die Labour erhalten hat, stammt - und stammte auch anno 2019 schon - rund die Hälfte von Muslimen. Da deren Zahl jedoch in den letzten 5 Jahren beträchtlich zugenommen hat (ihre Geburtenrate ist mehr als dreimal so hoch wie die der "Whiteys", und eine knappe Million der bereits auf der Insel geborenen und daher "britischen" Neubürger hat seither das wahlrechtsfähige Alter erreicht) ist der Verlust von Labour an absoluten Stimmen von Nicht-Muslimen noch viel krasser als es anhand der o.g. Zahlen scheinen mag. Von "Linksruck" kann also tatsächlich nicht die Rede sein. Daß der tatsächliche Rechtsruck unter echten Briten zu Gunsten von N.F. sich nicht in Parlamentssitzen ausgedrückt hat, liegt schlicht und ergreifend am relativen Mehrheitswahlrecht, d.h. einem ohne Stichwahl bei Nicht-Erreichen der absoluten Mehrheit im ersten und einzigen Wahlgang.
LESERPOST
Karl Emagne (05.07.2024)
Starmer statt Sunak, Raider heißt jetzt Twix, sonst ändert sich nix. Nur etwa 20% der Wähler haben kapiert, dass es egal ist, welche der etablieren Parteien gegen sie regiert. Eigentlich wie bei uns.
(Anm. Dikigoros: Und nichtmal 10% der ungebildeten Dummdeutschen dürften kapieren, worauf das originelle Pseudonym des Leserbriefschreibers anspielt - eigentlich schade.)
Richard Loewe (05.07.2024)
Die wollten die Clown-Shit-Show Partei abwatschen und sind einer brutalen anti-Reform-Kampagne aufgesessen und haben die anderen beiden CSS-Parteien gewählt, die alles so weitermachen wird wie Boris, Sunak und Co. Und wenn der kleine grüne Mann im Osten dann in eine seiner vielen Villen im Ausland gezogen ist, steht die nächste Götterdämmerung bevor [...]
(Anm. Dikigoros: Das täte doch nur dann etwas zur Sache, wenn sich der Grünling bei den Insulanern in der Nordsee einnisten wollte. Das wird aber nicht geschehen, weil er erst dann aufgeben wird, wenn der gute
Wladimir Wladimirowitsch
denen eine Poseidon-Unterwasser-Rakete spendiert hat; und dann wird es dort in absehbarer Zeit keine Villen mehr geben :-)

Joerg Gerhard (05.07.2024)
[...] Erschreckend ist auch, dass so viele prominente Wet Tories, inkl. Sunak, Hunt, wiedergewaehlt wurden und so viele Brexiters nicht. Das [...] laesst mich daran zweifeln, dass diese Tories sich Richtung Conservative erneuern werden, oder dass eine solche rechte Partei tatsaechlich mal hier regieren wird. Und zum Sterben sind die Tories immer noch zu stark- dass sie doch weit mehr Stimmen als Reform bekommen haben ist in Anbetracht einiger Kopf-an-Kopf-Umfragen ebenfalls schlecht fuer die Richtung und Leadership bei Erneuerung/Ersatz. Das einzig Positive, das ich sehe, ist, dass Conservatie und Reformer zusammen mehr Stimmen bekommen haben als Labour. Wenn man allerdings dann die anderen linken Parteien zu Labours Stimmen hinzuzaehlt ist klar, dass GB derzeit tatsaechlich stramm links tickt. Dass der Brexit rueckabgewickelt wird kann ich mir trotz allem ebenfalls nicht vorstellen. Es laeuft tatsaechlich auch nicht so schlecht, wie es in der deutschen Presse immer dargestellt wird, und war kaum ein Thema bei der Wahl [...] Und die schon ersparten 100 Mrd Schulden dank Nichtteilnahme am 800-Mrd-Covidhilfen-an-Italien-&-Co-Fond bleiben da noch aussen vor. Dummerweise stellen das auch die Brexiters nie heraus. Aber jedes Volk bekommt halt die Politiker, Regierung, Politik und Ergebnisse, die es verdient. Deutschland und GB werden sich ergo immer aehnlicher.
Maria José Blumen (05.07.2024)
Seit Monaten war jedem Beobachter in GB klar, dass es genauso kommen wird. Illegale Einwanderung wurde nicht angegangen. Alles, was mit dem Brexit versprochen wurde, kam überhaupt nicht auf die Agenda der konservativen Regierung.
(Anm. Dikigoros: So ist es. Hauptversprechen war die Abkoppelung von der irrsinnigen EU-"Flüchtlings"-Politik. Tatsächlich erhöhte sich die Zahl der dunkelhäugigen illegalen Zuwanderer/Dauerschmarotzer aus Afrika und Asien jedoch beträchtlich - noch weit über den EU-Durchschnitt hinaus. Lediglich die Zahl der hellhäutigen legalen Zuwanderer/Gastarbeiter aus EU-Ländern, vor allem aus Osteuropa, sank dramatisch, so daß es bald an Krankenschwestern, Bus- und Lkw-Fahrern mangelte und das ohnehin marode britische Gesundheits- und Transportwesen beinahe kollabierten. Und vor welchen anderen Eseleien der EU hätte der BREXIT Großbritannien nicht noch bewahren können: Corona-Panhysterie, Klimawahn, Krieg gegen Rußland... In der verengten Wahrnehmung der Untertanen von
Scholzland glaubte man ja, erstere sei vornehmlich von BRDDR-Würstchen wie
Drosten, Lauterbach, Spahn oder Wieler gelenkt.

Tatsächlich saß die oberste Strippenzieherin aber in Brüssel: Rose ['Röschen'] Ladson, verheiratet mit Chaim Echter - durch dessen Ahnenreihe vor vielen Generationen angeblich mal ein gewisser Herr Leyen gehopst ist, nach dem er sich "von der L." nennt -, dem Boss von Orgenesis Inc., dem weltweit größten Produzenten von "gentherapeutischen" Mitteln, der damit Pfizer & Co beliefert, damit sie ihre tödlichen mRNA-"Impf"-Stoffe unters Volk bringen können - angekauft für 'zig Milliarden Steuerzahlergelder von Röschen in ihrer Eigenschaft als EU-Kommissionspräsidentin, die dafür 'zig Millionen Kommission - man verzeihe Dikigoros das Wortspiel - erhalten haben soll. Auch die Vorgaben zur "Klima-Rettung" kommen allesamt in Form von EU-Verordnungen aus Brüssel; sie werden in der BRDDRD -
deren Wirtschaft sie am nachhaltigsten schädigen
- bloß besonders beflissen umgesetzt; aber Großbritannien kommt dicht dahinter - aus eigener Kraft. Und was den - ebenso ruinösen -
Finanz- und Wirtschaftskrieg gegen Rußland
anbelangt - da ist die EU zwar federführend; aber auch ohne Mitgliedschaft in derselben steht Großbritannien mit an vorderster Front - dto mit der Lieferung von Waffen an das Juden-Regime in Kijiw sowie mit der Abstellung von - aus den britischen Streitkräften beurlaubten - Söldnern Freiwilligen zu deren Bedienung. Siegheil Victory hail!)
Die Tories verhielten sich nicht wie Wirtschaftsexperten und Erhalter der Inneren Sicherheit, sondern wie furchtsame Eliteschulen-Abgänger, die in die Politik gestolpert sind und sich dort wie Krähen in einem Stoppelfeld niedergelassen haben, bis sie erwartungsgemäß verscheucht wurden.

finn waidjuk (06.07.2024)
[...] Niemand hat mehr Migranten ins Land geholt als die Tories [...]
(Anm. Dikigoros: Dieses Fänomen ist doch nicht auf die britischen "Konservativen" beschränkt: In den USA kamen während der vierjährigen Präsidentschaft des "konservativen" Donald Duck Trump - einer Marionette des Kushner-clans - doppelt so viele illegale Migranten ins Land wie unter der achtjährigen des gebürtigen Kenyaners
Barack Hussein Obama - und abgeschoben wurden nichtmal halb so viele. [Wer hatte gleich im Wahlkampf versprochen, den "Wall" an der Südgrenze zu bauen und war nicht zuletzt deshalb gewählt worden?]
Und die "konservative" BRDDR-Regierung der
Sarah Sauer, geb. Kasner, gesch. Merkel holte zehnmal mehr Rapefugees "Flüchtlinge" ins Land als ihr sozialistischer Vorgänger...
Preisfrage: Was haben jene drei Regimes gemeinsam? Antwort: Sie wurden allesamt von Juden gelenkt, auch wenn Sauer, Trump und Piffel das immer sorgfältig zu verbergen suchten. Glaubt da jemand im Ernst, daß sich unter dem bekennenden Juden Starmer etwas ändern wird?!?)
Talman Rahmenschneider (05.07.2024)
[...] Ich schätze, dass Labour die Spaltung erben wird, unter der die Tories gelitten haben.
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