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Fanfiction  

Flugrouten ~ Gästebuch ~ Elsterhöhle  

 



Blackout




* Prolog:
Vergänglichkeit

* Erstens:
Wahrheit

* Zweitens:
Schmerz

* Drittens:
Liebe

* Viertens:
Flucht

* Epilog:
Tod


~Was es ist ~

Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist Unglück
sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst
Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist lächerlich
sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe


Erich Fried

o-O-o-O-o

Drittens:
Liebe


~°~
„Möchtest du irgendwas haben?"
„Wie bitte?" Dein Blick, der starr aus dem Fenster gerichtet war, hob sich. Für einen Augenblick wirktest du verwirrt, dann bemerktest du die Bedienung, die neben dem Tisch wartete. „Ja. Einen Tee, bitte."
„Ich nehm' einen Kaffee. Sehr stark, viel Zucker, keine Milch." Ich konnte nur mit Mühe ein Gähnen unterdrücken. Aber Kaffee würde helfen.
„Du siehst müde aus." Ich hätte schwören können, dass du das nur sagtest, um das Schweigen zu brechen, das eingetreten war, nachdem die Kellnerin gegangen war.
Ich antwortete trotzdem. „Ich hab' heut nacht noch nicht geschlafen."
„Und dann hast du nichts besseres zu tun als mir hinterher zu laufen?"
„Offensichtlich nicht." Ich zuckte mit den Schultern.
Du beugtest dich leicht vor und sahst mich mit einem sezierenden Blick an, als wolltest du meine Gedanken lesen. „Ich erinnere mich nicht gut an meine Träume, aber ich weiß noch, dass du oft da warst. Du hast mir nichts getan..." Du schwiegst einen Moment, als müsstest du selbst erst überlegen, was du damit sagen wolltest. „Und auf der Mission... erst dachte ich, du hättest auf mich geschossen und mich verfehlt. Aber... –
Hast du auf mich geschossen?"
Ich schüttelte den Kopf. Du sahst mich misstrauisch an, wandtest den Blick dann aber ab.
Die Kellnerin war wieder da. Schweigend warteten wir ab, bis sie die Tassen vor uns abgestellt hatte und zahlten. Sie ging.
„Dann hattet ihr auch den Auftrag, ihn zu töten?"
Wieder schüttelte ich den Kopf, zuckte dann aber die Schultern. „Vielleicht. Ich weiß es nicht."
„Du weißt es nicht?"
„Ich hab' nicht zugehört als Brad uns den Auftrag gesagt hat." Für einen Augenblick wirktest du einfach nur verblüfft. „Du erwartest doch nicht, dass ich dir das glaube?"
„Nein, eigentlich nicht." Mir war klar, wie seltsam das klingen musste. Ich hätte es an deiner Stelle auch nicht geglaubt.
Du schwiegst einen Moment. „Warum hast du ihn dann erschossen?"
Ich antwortete nicht sofort.
Es kann gefährlich sein, die Wahrheit zu sagen. Kaum etwas kann einem Menschen gefährlicher werden, als wenn jemand anderes weiß, was er denkt, fühlt... ich weiß, wovon ich rede.
Trotzdem antwortete ich.
„Für dich. Damit du es nicht tun musstest."
Während du mich wieder mit diesem misstrauischen, abschätzenden Blick ansahst, war ich mir nicht sicher, ob du wirklich verstanden hattest, was ich sagen wollte.
„Aber... du hast gesagt, du kannst meine Gedanken nicht lesen."
„Kann ich auch nicht. Es war anders, nicht wirklich ein Gedanke... eher so was wie ein Hilferuf."
Du sahst mich eine ganze Weile lang nachdenklich an und sagtest nichts. Ich tastete noch mal halbherzig nach deinem Geist, aber die Mauer war immer noch da und ich war zu müde, um mich wirklich anzustrengen.
Mir fiel ein, dass ich langsam gehen musste. Brad hatte irgendetwas wichtiges zu erzählen; er hatte mir gestern Abend gesagt, dass ich pünktlich wieder zurück sein sollte.
Ich wollte gerade aufstehen, stockte dann aber als ich ein unterdrücktes Seufzen von dir hörte.
„Was willst du eigentlich von mir?" Es klang nicht wütend oder genervt, nur ratlos.
Ich stand auf, blieb aber noch vorm Tisch stehen und überlegte. Wenn ich ehrlich war, wusste ich es nicht genau. Also grinste ich nur und sagte das, was der Wahrheit am nächsten kam, bevor ich das Café verließ und in das kalte Weiß des Morgens trat.
„Alles."

~*~
Er hat lange geschlafen und es fällt ihm schwer wieder in die Wirklichkeit zu finden. Eigentlich will er das auch gar nicht. Er ist schon eine Weile wach – mehr oder weniger. Er dämmert träge vor sich hin, Erinnerungen gehen nahtlos in Träume über, nichts hat feste Konturen.
Als er das letzte mal die Augen aufgemacht hat, schien die Sonne direkt in sein Fenster. Jetzt steht sie viel höher am Himmel und das Licht in seinem Zimmer ist nicht mehr ganz so hell.
Sein Zimmer... Ist es das überhaupt? Er weiß nicht, wo er ist. Nur dass etwas –jemand– fehlt; aber selbst das ist nur eine vage Ahnung.
Es sind nicht viele Menschen in der Nähe. Er schafft es, ihre Gedanken auszusperren. Bei wenigen Menschen ist das leicht, erzeugt nur einen störenden Druck an der Nasenwurzel. Besser als die Kopfschmerzen, die das ständige Murmeln heute verursachen würde. Heute ist kein guter Tag. Er sollte gar nicht erst aufstehen...
„Schu... wach auf."
Mit einem Schlag ist er wach, sieht sich verstört im Zimmer um. Aber da ist niemand. Die Stimme war auch nicht wirklich da, er hat sie sich nur eingebildet.
Aber der Kaffeeduft ist wirklich da. Zwar nur ganz schwach, aber keine Einbildung. Er macht ihm bewusst, dass er Hunger hat. Er fühlt sich, als hätte er seit Tagen nichts mehr gegessen. Wahrscheinlich stimmt das sogar.
Und er hat Durst. Der ist schlimmer als der Hunger und bringt ihn schließlich dazu, doch aufzustehen.
Für einen Moment wird ihm schwarz vor Augen und er muss sich noch mal aufs Bett setzen, um nicht umzufallen. Dann geht er zum Schrank rüber und zieht sich an. Er war schon immer schlank, vielleicht sogar mager, aber in den letzten Tagen ist er noch dünner geworden. Er hat es selbst nicht bemerkt, aber seine alten Sachen sind ein bisschen zu groß...
Er registriert es, aber es ist ihm egal. Warum soll er sich darüber auch Gedanken machen?
Als er das Bad betritt, bleibt sein Blick an der Wanne hängen und er starrt sie eine Weile an, als könne ihm das kalte Porzellanweiß eine Antwort geben; ihm sagen, wie es weiter gehen soll. Gestern hätte es das fast getan...
Er lauscht kurz in sich hinein. Die Taubheit ist wieder da, aber es ist nur noch ein Schatten gegen die von gestern. Er hofft, dass sie noch so lange wie möglich bleibt, um die wachsende Leere in ihm wenigstens notdürftig zu überdecken.
Bevor er das Bad wieder verlässt, nimmt er sich noch drei Schmerztabletten mit. Zu viele... oder nicht annähernd genug. Aber bis auf die drei ist die Packung leer.
Er ist sich nicht sicher, aber er glaubt, dass gestern noch mehr drin waren. Wahrscheinlich hat jemand sie rausgenommen. Derjenige, der hier auch aufgeräumt hat.
Sein Durst und der Kaffee fallen ihm wieder ein und er macht sich auf den Weg in die Küche.

~°~
Was Brad zu sagen hatte war nicht weiter verwunderlich. Es kam nicht einmal besonders überraschend. Die Zeit als Bodyguard war um.
Unser neues Ziel war Weiß – oder genauer: die Eliminierung von Weiß.
Das kam nicht unerwartet. Ich hatte es gewusst, das wurde mir sofort klar.
Wäre es anders gewesen, hätte ich mich nie so gut vor dem Wissen schützen können. Ich hatte seit mehr als einer Woche nicht mehr versucht, Brads Gedanken zu lesen, war nicht einmal mehr in die Nähe seines Büros gegangen.
Ich muss es gewusst haben. Es war nur logisch. Und trotzdem war es ein Schock.
„Du wirst langsam zu gut darin, dich selbst zu belügen."
Überrascht sah ich Farfarello an, der in mein Zimmer gekommen war, ohne dass ich es bemerkt hatte. Er setzte sich neben mich auf mein Bett und sah mich nachdenklich an.
Ich verzichtete darauf, zu fragen, woher er das wusste oder warum er das sagte. Ich hätte keine Antwort erhalten – keine, die ich hören wollte.
„Du musst der Wahrheit ins Auge sehen."
Ich gab ein verächtliches Schnauben von mir. Ich kannte dieses Auge.
Honig, Gold und Bernstein. Und dahinter lag die Wahrheit. Und der Wahnsinn.
„Nein danke. Ich ziehe es vor, mich selbst zu belügen."
Farfarello nickte. „Vielleicht ist das gut..."
Er schwieg eine ganze Weile, dann trübte sich sein Blick für einen Sekundenbruchteil und er fing an, leise zu kichern.
„Was ist so komisch?"
„Nichts. Es ist eine unfassbare Tragödie, eine Nichtigkeit... eine Bagatelle von unfassbarer Tragik..." Wieder dieses irrsinnige Kichern.
Ich seufzte. „Wovon sprichst du?"
Das Kichern brach so plötzlich ab, wie das Gold des Auges sich trübte und wieder klar wurde.
„Ich spreche von Schach... nur von Schach. Ein Spiel, mehr nicht. Es gab nie ein Matt. Es waren nicht die Könige, nur die Läufer, die starben..."
„Was redest du da?"
„Du hast Recht, vielleicht ist es eine neue Partie..." Er schien diese Möglichkeit einen Moment lang ernsthaft zu prüfen. Dann schüttelte er den Kopf. „Nein, nein, es ist ganz sicher noch das gleiche Spiel. Ein Matt ist nicht so leicht, die Könige haben zu viele Köpfe. Nur die Läufer sind gefallen und jetzt werden die Bauern geschickt. Der Spieler lacht. Es gibt nur einen. Alles ist völlig umsonst. Der Sieger steht fest. Es gibt nur einen.
...Du sollst keine Spieler haben neben mir...
Aber der Sieger ist auch der Verlierer." Farfarello lachte. Ein triumphierendes, kurzes Auflachen. „Das ist Sein Schwachpunkt. Jeder Bauer, der fällt, ist Seine Figur. Und es werden noch Tausende fallen, ehe das Spiel vorbei ist. Und dann ist Er der Verlierer. Er wird leiden, mit jedem toten Bauern. Nicht weil Er sie liebt – Er kann sie nicht lieben, es sind ja nur Schachfiguren –, sondern weil jeder Einzelne Ihn Seiner Niederlage näher bringt..."
„Reden wir immer noch über Schach?"
Farfarello zuckte zusammen.
Dieses Auge... Gerade suchte es noch hektisch das Zimmer ab – nach Zeichen oder Geistern... weiß der Teufel, was –, dann trübte es sich, als hätte jemand auf blank poliertes Gold gehaucht, und wurde genauso schnell wieder klar.
Farfarello nickte bedächtig. „Ja, Schach, natürlich." Sein Auge blitzte mich spöttisch an. „Wir reden nur von Schach. Ein Spiel, mehr nicht. Mach' dir keine Gedanken, es hat nichts zu bedeuten..." Jetzt grinste er mich an.
Ich hasste es, wenn er sich so offensichtlich über mich lustig machte. „Erklär's mir!"
Farfarello sah mich wieder nachdenklich an, fuhr sich mit der Hand durchs Haar. „Schach... Es ist nur ein albernes Spiel. Schwarz gegen Weiß. Das hat nichts mit der Wirklichkeit zu tun. Die Wahrheit ist viel komplizierter."
„Was du nicht sagst!" Ich ließ meinen Kopf wieder nach hinten gegen die Wand sinken. Farfarello nickte wieder, stand dann auf und ging zur Tür.
„Und was soll ich jetzt tun?"
Ein Lachen wie dunkler Honig. „Das habe ich doch schon gesagt: Der Wahrheit ins Auge sehen." Er öffnete die Tür, drehte sich dann aber noch mal um und sah mich spöttisch an.
„Und niemals auf den Rat eines Verrückten hören."

~*~
In der Küche sitzt jemand, aber Schuldig beachtet ihn nicht. Stattdessen durchsucht er die Schränke nach Alkohol.
„Falls du meinen Whiskey suchst: den guten Tropfen hat der große Häuptling vor einer halben Stunde in sein Büro überführt."
Schuldig dreht sich zu der leicht spöttischen Stimme hinter ihm um. „Balinese..." Falls es ihn überrascht, den Weiß am Küchentisch sitzen zu sehen, ist das seiner teilnahmslosen Stimme nicht anzumerken. Er nickt nur und setzt sich dann mit einem Glas Leitungswasser dazu.
„Yohji." bietet sein Gegenüber ihm an, während es skeptisch beobachtet, wie er die Tabletten eine nach der anderen schluckt.
Wieder nur ein Nicken, dann trinkt Schuldig das restliche Wasser aus und schiebt das leere Glas etwas weiter auf den Tisch. Er könnte jetzt fragen, was Yohji hier macht, aber eigentlich interessiert es ihn gar nicht. Vor allem will er die Antwort nicht hören. Er hat immer noch Kopfschmerzen. Immer noch oder schon wieder.
Die Kaffeemaschine brodelt laut, der Kaffee ist fast durchgelaufen.
Das Schweigen ist ihm unangenehm.
Nein, berichtigt er sich selbst in Gedanken, nicht das Schweigen ist ihm unangenehm, sondern die Anwesenheit des anderen. Reden würde daran auch nichts ändern, es könnte ihn höchstens davon ablenken.
Am liebsten wäre er allein. Nein, das stimmt auch nicht.
Am liebsten wäre er bei Ran. Er vermisst ihn schrecklich. In gewisser Weise hat er noch nicht akzeptiert, dass er ihn nie wieder sehen wird. Auch jetzt verdrängt er diese Tatsache noch ehe seine Gedanken sie klar erfassen können. Für diesen Abgrund reichen drei Schmerztabletten nicht.
„Was machst du hier?" Vielleicht ist Reden doch keine schlechte Idee. Vielleicht ist Ablenkung alles, was noch zwischen ihm und dem Abgrund steht.
Yohji antwortet nicht sofort, holt erst die volle Kanne aus der Kaffeemaschine und öffnet den Schrank mit den Tassen. „Kaffee kochen. Willst du auch?"
Schuldig nickt nur und wartet ab bis Kanne, Tassen, Milch und Zucker auf dem Tisch stehen und Yohji sich wieder gesetzt hat. Während er seinen Kaffee trinkt, wartet er darauf, dass Yohji die Frage ernsthaft beantwortet, aber der legt es wohl auf Smalltalk an.
„Und warum kochst du ihn hier?"
„Weil die Kaffeemaschine hier steht."
„Na schön." Eigentlich müsste er genervt sein, aber da ist nichts. Es war ihm sowieso egal. Die Unterhaltung wendet sich den Vorzügen und Nachteilen verschiedener Kaffee- und Teesorten zu, plätschert aber auf diesem Niveau weiter. Es ist genau die Sorte Unterhaltung, die Schuldig hasst. Leeres Gerede, das nichts mit Kommunikation zu tun hat, weil es keine Informationen enthält. Nur Krach.
Eine Zeitlang hat er gern die Gedanken von Leuten gelesen, die gerade solche Gespräche führten. Es war kaum zu glauben, was die Leute so alles dachten, während sie über das Wetter redeten. Viel erschreckender war allerdings die Erkenntnis, dass einige Leute gar nicht dachten – oder sich wirklich mit dem Wetter beschäftigten. Minutenlang. Mehrmals am Tag. Es ist, als wollten die Leute nicht über wichtige Dinge nachdenken, als würden sie ihre Gedanken absichtlich mit diesen Nichtigkeiten beschäftigen, dankbar für jede Ablenkung. Wäre es anders, würde Telepathie wahrscheinlich direkt zur Allwissenheit führen...
Schuldig lässt diesen Gedanken fallen und konzentriert sich wieder auf das Gespräch. Ohne dass er sagen könnte, wie, hat sich das Gesprächsthema dem Wetter zugewandt.
Es ist kalt draußen und am Nachmittag soll es regnen... Gestern hat es auch schon geregnet... Die Meteorologen sagen, dass es morgen besser werden soll, aber sicher sind sie sich nicht...
Es ist genau die Art Gespräch, die Schuldig eigentlich hasst, aber das ist egal. Auf schwer fassbare Art ist es tröstlich, über etwas so alltägliches wie das Wetter zu reden. Es wird nichts dabei herauskommen. Wenn alle Fakten genannt sind, wird niemand etwas davon haben.
Aber das war ja sowieso nie der Zweck dieses Gespräches.

~°~
Es war die übliche Kulisse: Nacht. Ein verlassenes Industriegelände. Leerstehende Lagerhäuser...
Hier hatte Weiß unseren Informationen zufolge ihren nächsten Hit. Irgend ein finsterer Geschäftemacher, irgendeine geheime Übergabe. Was für ein Klischee!
Es ist manchmal erschreckend, wie unrealistisch das Leben ist. Das Einzige, was es von einem schlechten Hollywoodfilm unterscheidet, ist die Unmöglichkeit von Happy Ends...
Schwarz wartete auf mein Zeichen. Alles war absolut ausgestorben und so hatte ich die Gedanken von Weiß und ihren Opfern auch schnell geortet.
Gesagt hatte ich allerdings noch nichts. Ich dachte nach. Über Freund und Feind, Schwarz und Weiß, Verrat und Loyalität. Nicht, dass ich in den letzten Tagen irgend etwas anderes getan hätte oder zu irgend einem Schluss gekommen wäre... Meine Gedanken drehten sich im Kreis und die Wahrheit, der ich angeblich so dringend ins Auge sehen musste, ließ auch auf sich warten. Und meine Zeit wurde knapp. Scheiße!
Die wirren Gedankenfetzen des Sterbenden rissen mich aus meinen Überlegungen. Ich musste jetzt handeln, mich jetzt entscheiden. Ich konnte Schwarz zu ihnen führen oder Weiß warnen. Nur eine einzige einfache Entscheidung.
Farfarello sah mich erstaunt an, als hätte ich irgendwas gesagt. Er saß neben mir und zeichnete die trüben Umrisse meines Schattens mit einem Messer nach. „Es ist gar nicht so schwer... du musst dich nur entscheiden, auf welcher Seite des Schachbrettes du fallen möchtest. Der Unterschied ist nicht so groß." Er sprach so leise, dass ich ihn gerade so verstehen konnte. Crawford, der etwas abseits stand und nachdenklich in den trüben Himmel starrte, hörte es nicht. Nagi war in einem der Lagerhäuser verschwunden.
Ich warf ihm nur einen genervten Blick zu. „In Wahrheit ist alles viel komplizierter."
Der Ire sah jetzt auf und lächelte. „Das habe ich nie gesagt..."
Ich stand seufzend auf und ging einige Schritte weg. Mir war jetzt nicht nach Farfs Spitzfindigkeiten zumute. Weiß war immer noch auf dem Gelände. Was wollten sie hier eigentlich noch?
„Sie sind da hinten!" Nagi kam aus dem Lagerhaus und deutete um die Ecke, wo das trübe Licht, das hier herrschte, in konturloses Schwarz überging.
Oracle und Prodigy gingen, Berserker folgte ihnen.
Ich blieb stehen. Ihnen zu folgen, hätte eine Entscheidung vorausgesetzt. Es machte keinen Unterschied, sie würden allein mit Weiß fertig werden.
Zu spät hörte ich deine Schritte, deinen Atem. Der blanke Stahl schimmerte trübe, ich zog instinktiv meine Waffe. Ein Aufprall warf mich unvorbereitet an die morsche Wellblechwand, das ganze Lagerhaus schien zu erzittern. Ein klagendes Dröhnen zerriss die Nacht.
Dann war alles ruhig. Nur vereinzelt drangen die Kampfgeräusche der anderen bis zu uns herüber. Wir standen da und starrten uns an. Ich, mit dem Rücken zur Wand, dein Katana an meinem Hals; du, direkt vor mir, meine Smith & Wesson vor deinem Bauch.
Patt.
„Dieser stillose Typ war nicht euer einziges Ziel heute. Oder?"
Du nicktest. „Stillos?"
Weil ich nicht wagte, mich zu bewegen ließ ich meinen Blick langsam von links nach rechts wandern. „Das Ambiente..."
Du zucktest die Schultern. „Ihr lauert uns auf?"
„Wir sollen euch töten." Ich lächelte.
Zu meinem maßlosen Erstaunen erwidertest du das Lächeln. Nur kurz, ein Sekundenbruchteil, aber ich war mir ganz sicher, es gesehen zu haben. „Wir euch auch."
Einen Moment lang war es still.
„Worauf wartest du?"
„Ich weiß nicht genau... auf einen Grund..."
„Ihr seid Weiß, wir sind die Bösen, der – wie war die Formulierung?... ach ja – der schwarze Schwarm."
„Ja. Schwarz gegen Weiß, wie beim Schach... Entwürdigend."
Ich musste grinsen. „Hör bloß damit auf. Ich kann diesen Schachmist nicht mehr hören."
„Es ging nur um die beiden Takatoris. Perser wollte sich rächen und Weiß war nur ein Werkzeug."
„Und jetzt?"
„Dich zu töten hätte nichts mit Perser zu tun. Das wäre dann meine eigene Rache."
„Meinst du?"
Das Katana entfernte sich von meinem Hals, wurde gesenkt. Du tratest einen Schritt zurück.
„Nein."
Wir schwiegen wieder.
„Warum schießt du nicht?"
Erst jetzt bemerkte ich, dass ich die Waffe immer noch erhoben hatte. Ich grinste entschuldigend, während ich sie sicherte und wieder in die Manteltasche gleiten ließ. „Du hast mir noch nicht gegeben, was ich haben will."
„‚Alles' ist eine ganze Menge..."
Ich lauschte auf dem Kampflärm, die Gedanken der anderen. „Willst du nicht deinem Team helfen?"
„Doch." Du machtest ein paar Schritte auf die Ecke zu, hinter der Schwarz verschwunden war. „Und du?"
„Ich geh' auch gleich. Macht keinen guten Eindruck, wenn wir da zusammen auftauchen..."
„Nein... Ach so, töte bitte keinen von ihnen."
Ich nickte. „Und du lässt Schwarz am Leben."
Dein Gesicht war in den Schatten kaum noch zu erkennen. „Ja."

~*~
Schuldig schreckt aus seinen Gedanken hoch, nimmt die Welt um sich herum – die Küche, den Kaffeegeruch und Yohji – wieder wahr. Er weiß nicht genau, was ihn in die Gegenwart zurückgerissen hat. Vielleicht eine zuschlagende Tür irgendwo im Haus...
Die Stille in der Küche wird ihm bewusst. Yohji sitzt immer noch ihm gegenüber am Küchentisch und starrt in seine halb leere Kaffeetasse.
„Also, warum bist du hier?"
Es dauert einen Moment bis Yohji aufsieht. Er seufzt. „Du weißt doch, die Kaffeemaschine..." „Hör' auf mit dem Blödsinn. Du weißt, dass ich das nicht meine."
Der Playboy nickt nur. „Ja, schon klar. Du meinst unseren Pakt mit dem Teufel, wie es Omi einmal so treffend formulierte..."
„Na endlich! Ich dachte schon, ich müsste dir jede Information einzeln aus dem Hirn pulen."
Er erhält nur ein unbeeindrucktes Schulternzucken. „Ich wundere mich sowieso, dass du's nicht schon längst versucht hast. Hast du etwa deinen Respekt vor Privatsphäre entdeckt?"
„Quatsch! Ich hab' nur Kopfschmerzen und außerdem –...vergiss es, das geht dich nichts an."
„Na, wenn du meinst...
Also, nach deinem unvergesslichen Besuch im Koneko hat Weiß noch eine Weile zu dritt weitergemacht.
Aber nach Persers Tod lief das alles nicht mehr so rund und der Laden ist langsam still und leise in sich zusammengebrochen. Ich mein, nach unseren Infos existiert Kritiker noch, aber sie spielen keine größere Rolle mehr. Vor allem seit SZ stärker geworden ist...
Vor drei Monaten hat Brad Kontakt zu uns aufgenommen und uns angeworben. Seitdem hören wir kaum noch was von Kritiker."
„Du nennst ihn Brad?"
Yohji zuckte nur mit den Schultern. „Gelegentlich."
„Seid ihr zu uns übergelaufen?"
„Spinnst du? Wir sind vielleicht moralisch fragwürdig, aber nicht korrupt. So gesehen ist Schwarz eher zu uns übergelaufen."
„Soll ich weiter raten oder sagst du mir freiwillig was los ist?"
„Der Yuppie hat sich mit SZ überworfen. Frag mich nicht wieso, das war noch vor meiner Zeit hier. Jetzt versuchen wir, sie zu zerschlagen und sie versuchen, uns zu killen. Also eigentlich wie bei Weiß. Nur, dass Schwarz jetzt mitmacht und Kritiker nicht mehr."
„Aha."
Schweigen.
„Wo sind die anderen?"
„Büro, Schule, Keller, Park. Als er meinen Whiskey entführt hat, gab mir unser großer Führer übrigens den Auftrag, dich aufzumuntern." Yohjis Stimme klingt mehr als skeptisch.
„Verschon mich damit. Dein Whiskey wär' mir lieber."
„Mir auch. Brad ist ungefähr so feinfühlig wie ein Rechenschieber..."
Schuldig steht auf und verlässt die Küche ohne ein weiteres Wort. Das Gespräch ist für seinen Geschmack viel zu sehr auf den eigentlichen Grund für die trübe Stimmung zugeschlittert. Es hätte nicht viel gefehlt und einer von ihnen hätte zugegeben, dass etwas nicht stimmt. Oder genauer, dass praktisch nichts stimmt.
Und das ist ein Thema, über das er auf keinen Fall mit Yohji reden möchte. Mit niemandem.
Es schmerzt zu sehr. Es ist etwas, das er nicht mit schwarzem Humor, Sarkasmus und einem Grinsen abtun kann. Dafür geht es ihm zu nah. Er möchte ja noch nicht einmal darüber nachdenken.
Es gibt nur einen Menschen auf der Welt, mit dem er darüber reden könnte, wie er sich jetzt fühlt. Wie taub und schmerzhaft alles ist, wie sinnlos alles erscheint, wie sehr er hofft, das alles wäre nur einer dieser schrecklichen Alpträume, die er ab und zu hat.
-gab- durchzuckt es ihn. Die Endgültigkeit dieses Gedankens nimmt ihm den Atem, lässt sein Herz für einen Schlag aussetzen. Gerade lang genug, dass er enttäuscht ist, als es dann doch wieder schlägt.
Es gab diesen Menschen.

~°~
Die Mission endete, als Farfarello ernsthaft verletzt wurde und Crawford den Rückzug befahl. Wahrscheinlich hätten wir Weiß immer noch besiegen können, aber wenn es nicht sein muss, kämpft Crawford nicht weiter, sobald einer aus dem Team verletzt ist.
Weiß verfolgte uns nicht.
Sofort nach unserer Rückkehr schloss Brad sich in seinem Büro ein und überließ es Nagi und mir, Farf zusammenzuflicken. Nagi verschwand in seinem Zimmer und überließ es mir.
Es waren vier lange, tiefe Wunden, die vom Unterarm auf die Rippen sprangen und sich von dort bis zur Hüfte zogen. Parallel. Mehr gerissen als geschnitten. Bugnuk-Wunden.
Man konnte sie nicht nähen, weil sie so dicht nebeneinander lagen. Also sparten wir uns den Arztbesuch und unangenehme Fragen. Ich desinfizierte nur und legte einen festen Verband an. Farf hatte schon ganz anderes überlebt.
Er wirkte auch nicht im mindesten beunruhigt, sondern betrachtete scheinbar fasziniert, wie das Blut aus den Wunden quoll, herabtropfte und sich entlang der Fugen im Bad ausbreitete. Dann lächelte er plötzlich versonnen. „Im allerersten Moment... als die Klingen durch das Fleisch rissen... in der Sekunde – nein, eigentlich nicht wirklich eine Sekunde... da tat es weh."
Ich sah nur kurz von den halb verbundenen Wunden auf – in dieses glänzend goldene Auge. „Und das ist gut?"
Farf nickte, ohne den Blick von den roten Mustern am Boden zu lösen. „Ja. Manchmal ist das gut."
„Du weißt nicht zufällig, was Brad jetzt in seinem Büro macht?"
„Doch natürlich. Er sieht der Wahrheit ins Auge. Aber sie gefällt ihm nicht." Farfarello kicherte leise. „Er sagt zwar, dass er das Chaos will, meint aber eigentlich nur eine andere Ordnung. Er braucht das... – Ordnung. Und die Wahrheit ist zurzeit sehr chaotisch."
„Weiß er es?"
Das Auge trübte sich für einen Sekundenbruchteil, glitzerte spöttisch. „Was soll er wissen? Ich weiß es ja nicht einmal."
Ich funkelte ihn wütend an und hoffte, dass diese Persönlichkeit schnell wieder verschwand. „Du hast wohl auf alles eine Antwort."
Farf kicherte, schüttelte dabei langsam den Kopf. „Nein, für gewöhnlich sind es mehrere." Er stockte, das Kichern brach abrupt ab, der Blick blieb abgewandt. „Aber du musst dir keine Sorgen machen. Er ist nur ein Orakel. Nichts, was er sieht, ist sicher und wenn es sicher ist, kann er es nicht ändern. Außerdem bist du viel zu sehr Chaos, als dass er irgendetwas ausrichten könnte."
„Was soll das denn heißen?" Ich war mit dem Verband fertig und sah auf. Farfarello grinste. Meist eine furcherregende Mimik, aber wenn er es ehrlich meinte, wirkte er wie ein Kind, das Pirat spielt.
„Ich weiß nicht. Ich hab viel Blut verloren. Bring mich zu meinem Zimmer."
Warum fragte ich eigentlich nach?
Ich stand seufzend auf und stützte den Iren auf dem Weg in den Keller. Farf hielt sich nicht gerne oberhalb des Erdgeschosses auf, in keinem Haus. Weiß der Geier, warum.
Versuchsweise streifte ich kurz seine Gedanken. Wie immer. Noch verwirrender, als mit ihm zu reden: so ähnlich wie fernsehen – auf circa dreiundzwanzig Kanälen gleichzeitig...

Erst am übernächsten Tag kam Crawford wieder aus seinem Büro und Farf aus dem Keller. Wir aßen zusammen. Das war ungewöhnlich und geschah auch nur, weil Nagi für alle Pizza bestellt hatte.
Ganz nebenbei, zwischen einem Schluck Wasser und dem nächsten Bissen Pizza, erwähnte Crawford, dass wir Weiß doch nicht töten würden.
Nagi fiel fast seine Pizza aus der Hand und mir ging es auch nicht viel besser. Das war eindeutig ein Befehl. Und zwar einer, der wahrscheinlich denen von SZ widersprach. Abgesehen davon, dass Crawford solche Dinge normalerweise ausschließlich in seinem Büro bekannt gab.
Ich starrte den Amerikaner noch einen Augenblick lang ungläubig an, dann zuckte ich möglichst desinteressiert die Schultern und aß weiter. Irgendwie schien die Pizza plötzlich wesentlich besser zu schmecken.

~*~
Schuldig ist wieder in seinem Zimmer. Er liegt auf dem Bett und starrt an die Decke. Wie lange schon, das weiß er nicht. Stimmen geistern durch seinen Kopf, er ist zu erschöpft, um sie auszusperren. Aber das ist nur eine Ausrede, eine von diesen dummen Lügen, die er sich erzählt, nur um sich selbst dann vorzulügen, er würde sie nicht durchschauen. Selbstbetrug. Er ist nicht mehr sehr gut darin. Er sucht. Das weiß er längst mit schneidender Klarheit. Nach einer bestimmten Stimme. Seiner Stimme.
Das hat keinen Sinn. Er hätte sie sofort gehört, hätte sie so wenig übersehen können, wie ein Licht in Finsternis. Aber da ist nichts. Alles ist dunkel. Alles ist leer.
So war es auch vorhin, als er aufgewacht war, aus diesem bleischweren, traumlosen Schlaf, den er eigentlich nie mehr verlassen wollte. Alles war leer. Sein Kopf, sein Herz, der Platz neben ihm. Vor Minuten oder Stunden war er aufgestanden, hatte die Uhr, die an der Wand neben der Tür hing, angehalten.
Die Batterien liegen neben ihm auf dem Nachttisch und er ist froh, dass er das Ticken nicht mehr hören muss. Er hofft, wieder einschlafen zu können, aber er schafft es nicht. Vor ein paar Minuten hat es wieder angefangen zu regnen.
Jetzt nimmt er jemanden wahr, der sich in seine Richtung bewegt. Er hört bald darauf leichte Schritte, die vor seiner Tür verstummen, spürt ein Zögern.
„Bleib draußen!" Es klingt nicht unbedingt unfreundlich, eher völlig ausdruckslos. Er hat keine Lust, mit jemandem zu sprechen. Er will nicht einmal jemanden sehen. Das einzige, was er will, ist weiterschlafen, nichts spüren, über nichts nachdenken, wenn möglich für immer.
Und tatsächlich. Für dieses Mal geben die anderen nach, lassen ihn allein und gehen wieder.

~°~
„Gedanken zu lesen... wie ist das?"
„Es hat seine Vor- und Nachteile.", antwortete ich vage.
Du fragtest nicht weiter.
Wir waren auf dem Weg zum Krankenhaus, gingen gerade durch den Park, in dem wir uns zum ersten mal getroffen hatten – na ja... zum ersten mal außerhalb von Missionen.
Seit den ungewöhnlich kalten Januarwochen waren fast zwei Monate vergangen. Es war noch kalt, aber der Schnee war geschmolzen und die ersten grünen Knospen waren schon an den Bäumen und Sträuchern zu sehen. Es war vormittags, ein Wochentag und es waren kaum Menschen da.
Wir hatten uns zufällig getroffen. Das geschah öfters, mehrmals pro Woche – besonders seit ich die Besuchszeiten des Krankenhauses herausbekommen hatte.
Verabredet hatten wir uns nie. Wir sprachen überhaupt nie darüber, dass wir uns trafen. Es gehörte zu den Themen, die wir in stillem Einverständnis mieden.
Es gab Unmengen von diesen Themen; und Fragen, die keiner von uns zu stellen wagte. Es war manchmal paradox. Wir sprachen über unsere Teammitglieder, unser Leben, aber nie über Schwarz und Weiß. Wir sprachen über Gerechtigkeit, Mord und Schuld, aber nie darüber, was wir taten. Verletzungen, die man nach einer Mission am Anderen bemerkte, wurden nicht angesprochen, oder – wenn der Andere den Blick bemerkt hatte – als ein kleiner Unfall abgetan. Vieles war Lüge, aber eine, die wir uns gemeinsam aufbauten. Es war ein Balanceakt. Überall lauerte die Realität.
Trotzdem war ich zufrieden, so wie es war – oder redete mir das zumindest ein. Ich genoss dein Vertrauen. Ich meine das wörtlich, nicht nur als Redewendung. Ich genoss es tatsächlich. Du hattest keinen Grund, mir zu vertrauen, trotzdem hattest du mir so viel von dir erzählt, hattest mich so nah an dich heran gelassen. Die Mauer war noch da, würde vielleicht nie ganz verschwinden. Aber mit der Zeit hatte ich Lücken gefunden und Tore, die du mir geöffnet hattest.
Und ich hatte das Geheimnis gelüftet. Oder besser gesagt, hatte ich herausgefunden, dass es kein Geheimnis gab. Du warst nicht die Rache, kein wütender Dämon, nicht unbesiegbar. Es gab keine geheimnisvolle Kraft, die dich am Leben hielt. Höchstens die Verantwortung deiner Schwester gegenüber.
Du warst nur ein Mensch. Ach, was heißt ‚nur'? Du warst ein Mensch. Zerbrechlich, voller Kraft, hoffnungslos, lebensfroh, schwach, traurig und haltlos, wie alle Menschen. Aber es gab einen Unterschied: Du lebtest wirklich. Du warst echt. Vielleicht nur für mich, vielleicht hätten dich all die anderen auch nur für einen Statisten gehalten, aber was bedeutete das schon?
Ich sah zu dir herüber und mir wurde bewusst, wie lange wir beide geschwiegen hatten. Das machte nichts. Wir schwiegen oft. Dann fiel mir deine Frage wieder ein.
„An manchen Tagen ist es... ich weiß nicht... es gibt einem unheimliche Macht. Es kann einen berauschen und manchmal ist es sogar interessant...
Aber manchmal ist es auch einfach nur widerlich. Das liegt an den Menschen. Unter dieser dünnen Schicht Zivilisation sind sie wie Tiere. Die ‚Kultivierten' sind am schlimmsten... na ja, am verlogensten. Man hat das Gefühl, keinen einzigen eigenen Gedanken mehr im Hirn zu haben, weil es pausenlos schnattert und brüllt."
Du sahst mich mit einem seltsam eindringlichen Blick an. „Aber es sind doch nicht alle so!"
„Die meisten..." Ich machte eine wegwerfende Handbewegung, wollte mich nicht mit dir darüber streiten. Wir hatten verschiedene Ansichten darüber, wie viel das Leben eines Menschen wert war. Du hattest mich deswegen schon oft arrogant genannt und vielleicht war ich das auch, aber ich konnte nichts gegen die Verachtung tun. Ich hatte sie mir schon als Kind aufgebaut, sie hatte mich vor den Anderen geschützt und war mit den Jahren nur gewachsen.
Wenn ich versuchte, die ‚gewöhnlichen Menschen' mit deinen Augen zu sehen, dann waren sie gerade wegen ihrer Schwäche wertvoll. Das ließ nicht nur mich in einem schlechteren Licht erscheinen, sondern war auch unvereinbar mit der Arbeit, die ich jahrelang getan hatte, immer noch tat.
„Wissen Schwarz eigentlich von uns?"
Deine Stimme riss mich zurück in die Realität, ich sah dich verständnislos an. Diese Frage verstieß gegen die Regeln. Regeln, die wir nie aufgestellt hatten, aber ich war mir sicher, dass du es wusstest.
Ich zuckte die Schultern. „Keine Ahnung. Ich hab' sie nie gefragt, ob sie wissen, dass ich mich mit dem Anführer von Weiß treffe."
„Sei nicht albern! Du bist Telepath."
„Nagi weiß nichts, bei Crawford komme ich nur an das langweilige Zeug, ohne dass er was bemerkt und aus Farf werde ich sowieso nicht schlau. Warum fragst du so was? Hast du's Weiß gesagt?"
Du bliebst stehen. Deine Hände gruben sich tiefer in die Manteltaschen, dein Blick war starr auf die Pflastersteine vor deinen Füßen gerichtet. „Nein... ich wüsste gar nicht wie. Ich weiß nicht ob sie... Wo ich es doch selbst nicht verstehe..."
„Schon gut... Komm weiter." Wieder einmal war ich über den Klang meiner eigenen Stimme überrascht. Ich kannte sie nicht so sanft, voller Sorge, voller...
Ich führte den Gedanken nicht weiter aus. Wie auch schon so viele dieser Art zuvor verdrängte ich ihn, schob ihn weit von mir. Ich legte dir die Hand auf die Schulter, zog dich mit sanfter Gewalt vorwärts, bis wir wieder nebeneinander her gingen.
„... Ich glaube, sie ahnen was. Omi hat mich vor kurzem gefragt, warum ich mich so seltsam verhalte."
„Du verhältst dich seltsam? Wegen mir?"
Ich grinste dich an, aber dein Gesicht blieb unbewegt. Ich merkte trotzdem, dass du ein Lächeln unterdrücktest. „Idiot! Bilde dir bloß nichts ein!"
„Tu ich nicht."
Wir waren vor dem Krankenhaus angekommen. Ich blieb stehen.
„Willst du nicht mit reinkommen?"
„Nein. Ich... hab noch was zu erledigen."
Du sahst mich eindringlich an. „Das sagst du immer. Und dann stehst du schon hier, wenn ich wieder rauskomme und die Schwestern fragen mich, wer der Typ ist, der immer hier vorm Eingang rumlungert, wenn ich Aya besuche."
Ich grinste. „Gutaussehend. Sie fragen dich sicher nach dem gutaussehenden Typen, der hier rumlungert und ob du sie ihm vorstellen würdest."
„Oh ja, natürlich. Wie konnte ich das vergessen? Eine von ihnen will übrigens unbedingt ein Kind von dir. Sie kann rothaarigen Männern nicht widerstehen. Ich hatte schon echt Mühe, sie mir vom Hals zu halten." In deinem Gesicht verzog sich kein Muskel, deine Stimme war tief und ruhig wie immer und ich grinste über diesen knochentrockenen Humor.
„Nein, im Ernst. Du musst nicht die ganze Zeit hier draußen rumstehen."
„Aber als ich das letzte Mal... lass nur, ich will nicht stören..." Ich wandte mich ab und wollte gehen, aber deine Hand an meinem Arm hielt mich zurück.
„Es ist in Ordnung. Du störst nicht mehr." Dein Blick senkte sich auf den gepflasterten Weg. „Ich möchte, dass du mitkommst... bitte."
Ich sagte nichts mehr, nickte einfach nur, als du wieder aufsahst und folgte dir.
Das Weiß war noch genauso schlimm wie beim letzten Mal. Es fing das klare Sonnenlicht auf und warf es farblos und beißend zurück. So beißend und leblos, wie der Geruch nach Desinfektionsmitteln. Krankenhausweiß... Krankenhausluft... Die Panik kam diesmal schneller, war deutlicher zu spüren. Ich sah mich nervös um.
„Du magst keine Krankenhäuser." Mein Blick blieb an deiner Gestalt hängen. In dieser Umgebung wirktest du noch blasser und viel jünger als sonst, so hilflos, wie ich mich jetzt fühlte. Aber deine Stimme war wie immer. Ruhig, beruhigend.
Ich atmete durch und grinste ein falsches Grinsen. „Nein... es ist nur..." Ich zuckte die Schultern, schwieg.
„Was?" Deine Stimme war leise, dunkel, stand im krassen Gegensatz zu dem grellen Weiß. Ich beruhigte mich, lächelte unsicher, ging etwas schneller weiter. „Nichts. Nur schlechte Erinnerungen."

~*~
Ein Klopfen reißt ihn aus seinen Gedanken. Er hat seit ein paar Tagen sein Zimmer kaum verlassen. Die Zeit hat jegliche Bedeutung verloren. Stunden rasen vorbei, während man mit den Augen die Bahn eines Staubkorns verfolgt, der Himmel hinterm Fenster ist grau, weiß oder schwarz – die Welt dreht sich weiter, aber es bedeutet nichts mehr.
Der Dämmerzustand, der nur ab und zu von klareren Phasen durchbrochen wird, verwischt die Grenze zwischen Realität und Alpträumen. Aber auch das ist bedeutungslos, denn es gibt keinen Unterschied.
Es klopft immer noch. Schuldig reagiert nicht. Es hätte ihn gewundert, wenn sie nicht früher oder später versucht hätten, ihn zum Essen zu überreden. Sie sind besorgt, er weiß es doch, spürt es die ganze Zeit. Beinah tut es ihm leid für sie.
Er macht keine Anstalten, die Tür zu öffnen oder sich überhaupt vom Fleck zu bewegen. Sollen sie doch reinkommen, wenn sie unbedingt wollen.
Mit einem leisen Scharren wird die Klinke heruntergedrückt. Die Tür öffnet sich und Farfarello erscheint. Er tritt einen Schritt näher, bleibt aber auf der Schwelle zum Raum stehen und lehnt sich an den Türrahmen. Schuldig reagiert nicht, starrt nur weiterhin Löcher in die Luft.
„Es ist so weit." Die Stimme des Iren hängt wie eine düstere Prophezeiung in der stickigen Luft. „Der Turm wird fallen."
Leere grüne Augen blicken weiter in unerreichbare Ferne, aber immerhin sieht Schuldig jetzt vage in Farfarellos Richtung, starrt nicht mehr an die Decke.
„Crawford lässt fragen, ob du dich an der Mission beteiligen willst."
Die Spur eines bitteren Lächelns zeigt sich kurz, verschwindet aber fast augenblicklich wieder vom Gesicht des Telepathen. Warum fragt Crawford so etwas dummes? Kann er sich die Antwort nicht denken? „Ich habe keinen Grund dazu." Seine Stimme klingt ungewohnt. Rau und schwach, ein leichtes Zittern schwingt darin mit, das er mit aller Kraft nicht unterdrücken kann. Wenn es nach ihm geht, wird er diesen Raum nicht mehr verlassen.
Farfarello bleibt davon unbeeindruckt. Wenn es ihm etwas ausmacht, Schuldig so zu sehen, lässt er es sich zumindest nicht anmerken. „Wir werden SZ eliminieren. Du weißt, dass sie es waren, die..."
Er bricht ab, beendet den Satz nicht. Schweigen breitet sich aus, liegt wie erstickender Nebel im Zimmer. Schuldig ist es egal. Alles. Natürlich hat er es gewusst. Aber das macht keinen Unterschied. Das einzige was ihn erstaunt, ist, dass Farfarello so taktvoll ist.
Plötzlich erfüllt irres Kichern den Raum. Prallt von den hellen Wänden zurück. „Die Rache ist gestorben." Farfarello bricht in lautes Lachen aus, kommt auf Schuldig zu, der bei diesen Worten sein Gesicht schmerzhaft verzogen hat, zerrt ihn vom Bett und schleift ihn heraus in den Flur. „Ob du es willst oder nicht, der Turm fällt. Heute Nacht. Alles ist bereit."
Der Rothaarige wehrt sich schwach, wird endlich aus seiner Lethargie gerissen. „Wovon redest du eigentlich?" Er will es nicht wissen. Weder was Farf meint, noch was heute geschieht, aber jetzt hat er die Frage gestellt.
Das goldene Auge blitzt auf, Schuldig wird plötzlich losgelassen, droht, das Gleichgewicht zu verlieren. Er stolpert ein Stück zurück und sinkt gegen die Wand. Farfarello sieht ihn düster an, seine Stimme ist wieder tief und ruhig, als er spricht. „Vom Untergang." Es klingt, als würde er einem dummen Kind das simpelste auf der Welt erklären. „Crawford weiß es.", setzt er erklärend hinzu. Dann dreht er sich abrupt um und geht. Wenige Schritte weiter dreht er sich noch einmal um. „Jetzt komm schon!"
Schuldig lehnt immer noch an der Wand, stößt sich jetzt ab und geht ebenfalls schwankend den Flur hinunter. Warum er dem Iren folgt, ist ihm nicht ganz klar. Aber vielleicht sollte er wirklich an dieser Mission teilnehmen...

~°~
Das Fenster stand weit offen und ließ klare Luft in das Zimmer, die den Krankenhausgeruch auflöste. Leider war es noch zu kalt draußen, um es einfach offen zu lassen, ich würde es in einigen Minuten wieder schließen müssen.
„Erzähl mir von den Erinnerungen." Du saßest auf dem Stuhl direkt vor dem Bett deiner Schwester und sahst mich fragend an.
Ich rutschte unruhig etwas weiter aufs Fensterbrett, lehnte meinen Rücken gegen den Rahmen. „Es ist schon lange her, nicht mehr wichtig.", behauptete ich ausweichend. Wir schwiegen eine Weile. Ich wusste, du würdest kein zweites Mal fragen, würdest mir nicht widersprechen, sondern einfach abwarten, ob ich nicht doch reden würde. Es war kein unangenehmes Schweigen, trotzdem brach ich es nach kurzer Zeit.
„Weißt du, in vielen Dingen macht es keinen Unterschied, wo man ist. Ich meine, ob nun Japan, Deutschland, England... im Wesentlichen ist es egal. Den größten Unterschied machen die Gerüche. Warst du schon mal in einem anderen Land?"
Du schütteltest den Kopf, hörtest mir aufmerksam zu.
„Die Gerüche sind verschieden, zumindest die angenehmen. Das Essen, die Pflanzen... es ist einfach anders. Und du kannst suchen, wo du willst, einige Gerüche gibt es hier einfach nicht. Ich meine, ich war in einem deutschen Restaurant, im botanischen Garten, aber es ist nicht das selbe. Aber der Geruch in Krankenhäusern ist überall gleich, genau derselbe wie Zuhause." Ich zögerte einen Moment. Was redete ich da? „Hab ich gerade ‚Zuhause' gesagt? Streich das... Jedenfalls ähneln sich die unangenehmen Gerüche überall. Die wird man nicht los."
Du wartetest einen Augenblick, ob ich weitersprechen würde, aber ich schwieg.
„Hast du Heimweh?"
Ich drehte mich dir wieder zu, sah dich spöttisch an. „Braucht man dazu nicht ein Heim?"
„Nicht unbedingt."
Ich sah nach draußen. Unter dem Fenster schob eine der Schwestern eine alte Frau im Rollstuhl spazieren.
„Weißt du... meine Mutter war mir sehr ähnlich. Die Haare, die Augen... aber nicht nur äußerlich. Sie... Ich nehme an, sie konnte auch... jedenfalls kam sie nicht so gut damit klar. Mein Vater und ich besuchten sie immer an den Wochenenden. Es war nicht wirklich ein Krankenhaus, nicht so wie das hier – nicht für körperliche Leiden. Aber es roch genauso. Sie war meistens auf ihrem Zimmer. Sie konnte es nicht ertragen, wenn zu viele Leute in ihrer Nähe waren.
Ich hasste es, dorthin zu gehen. Lauter Verrückte mit schrecklichen Gedanken. Es war doch kein Wunder, dass sich ihr Zustand nur verschlechterte. Und ich konnte ihr nicht helfen. Meine Schilde waren damals so schwach, dass ich mich kaum selbst schützen konnte.
Und mein Vater... Er konnte mich nicht verstehen und ich war ein so schwieriges Kind. Heute denke ich, dass er mich geliebt hat, aber damals war ich mir nicht sicher. Er hatte Angst, ich wäre so wie sie, dass ich auch... Er hat jedenfalls versucht, mir zu helfen. Ein Haufen Psychologen, Psychiater. So ein Blödsinn! Ich war erstaunlich normal für einen Achtjährigen, der Alles gesehen hatte. Ich kannte die Menschen schon damals...
Sie starb vier Jahre später. Ich weiß nicht mal, woran. Sie haben es nie gesagt, aber wahrscheinlich hat sie selbst...
In den letzten Monaten hatte ich mich geweigert, sie zu besuchen. Vielleicht hätte ich ihr helfen können... ich weiß nicht. Vielleicht hätte ich irgendwie... Ich hätte es versuchen müssen."
Deine Hand legte sich auf meine Schulter. Sachte, unsicher, aber tröstend. Ich hatte gar nicht bemerkt, wie du zu mir herüber gekommen warst.
Ich sah dich nicht an, beobachtete ein paar kleine Vögel, die draußen durch den Park flatterten. Immer noch stand das Fenster offen und die Luft strömte kalt ins Zimmer. Aber der Geruch war wieder da, konnte gar nicht verschwinden. „Ich hätte... wenn ich sie weiter besucht hätte, nicht so egoistisch gewesen wäre...
Ich bin kurz nach der Beerdigung gegangen. Ich konnte meinem Vater einfach nicht mehr in die Augen sehen. Weißt du, er hat es nie laut gesagt, es nie direkt gedacht, wenn ich in der Nähe war, aber er wusste genau wie ich, dass es meine Schuld war. Ich..."
„Schuldig..." Deine Stimme war so eindringlich und so ruhig. Ich sah auf in deine besorgten Augen und ein trauriges Lächeln schlich sich auf meine Züge.
„Ja, das bin ich."
Du sahst mich einen Augenblick verwirrt an. Damals kanntest du die Bedeutung meines Namens noch nicht. Dann kamst du noch einen Schritt näher. „Es war bestimmt nicht dein Fehler."
Deine Umarmung war so sanft und ruhig wie deine Stimme und für einen Augenblick wünschte ich mir nichts sehnlicher, als dir glauben zu können.
Ich zog dich näher, spürte deine vertraute Wärme, meinte, deinen Herzschlag hören zu können. Und dann sagte ich es einfach. Ich hatte es dir nicht sagen wollen. Ich wusste, dass es alles zerstören konnte, was wir hatten – was auch immer es war, was wir hatten.
„Ran, ich liebe dich."
Du löstest dich von mir. Ich hatte es gewusst. Ich hätte es dir nicht sagen sollen.
„Ich..." Du sahst zu Boden. „Danke, aber ich... das geht nicht, ich kann sie nicht verraten." Dein Blick huschte zu der blassen Gestalt, die drüben im Bett schlief, nie wieder aufwachen würde. „Ich brauche dich. Ich will nicht, dass du wieder verschwindest und mich allein lässt." Dein Kopf hob sich, du sahst mir direkt in die Augen. „Aber ich liebe dich nicht."
Ich konnte nur nicken, starrte zu Boden. Ich hätte nie gedacht, dass es so weh tun würde. Du hättest es nicht sagen müssen, ich hätte es auch so gewusst.
Ich verstand es. Du hattest mir verziehen. Irgendwie, auch wenn ich es nicht verdient hatte. Aber dieses Mädchen, das da leblos im Krankenhausbett lag, würde mir nie verzeihen. Sie konnte gar nicht, denn dazu müsste sie aufwachen. Und ich wusste, dass das nie passieren würde.
„Es tut mir leid, aber ich kann einfach nicht..."
„Ist schon gut." Meine Stimme verriet mich, strafte meine Worte Lügen. Ich sah in dein Gesicht. Du wusstest es. Aber ich wollte nicht, dass du dir Vorwürfe machst. Ich zog dich wieder in meine Umarmung, hielt dich fest an mich gepresst. „Nein wirklich, es macht mir nichts." Meine Stimme klang diesmal fester. Bloß gut, dass du mein Gesicht nicht sehen konntest. „Du musst mich nicht lieben. Ich bleibe bei dir, solange ich dich lieben darf."
„Du Idiot!" Ein Schluchzen.
Ich spürte die Tränen, die an meinem Hals herunterliefen und in meinem T-Shirt versickerten.
Ich hatte dich noch nie weinen gesehen, wollte es auch gar nicht.
„Du solltest einfach –"
Ich unterbrach dich, verschloss deinen Mund mit meinem. Ich ließ nicht zu, dass du mich wegschicktest. Wen sollte dieser Kuss trösten? Dich oder mich? Ich wusste es nicht. Du erwidertest ihn. Hungrig, verzweifelt. Du klammertest dich an mir fest, als hättest du Angst, ich könnte einfach verschwinden.
Ich hatte auch Angst. Mir wurde zum ersten Mal bewusst, dass das alles nur eine Seifenblase war. Und wie lange kann man die Realität aussperren?






Viertens: Flucht



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© 2004 by Elster

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