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~Schmerz~
Erstarrt vom Frost
Fallen die Sterne
Vom Himmel
Mitten ins Herz
Und malen blutrote Eisblumen
An die Wände
Meiner Seele
N.B.
o-O-o-O-o
Zweitens:
Schmerz
~°~
„Willst du dich umbringen?"
Ich schwieg. Noch nie hatte ich Brad so wütend gesehen.
„Wenn ja, dann mach das wenigstens nicht auf einer Mission! Ist dir klar, dass du uns damit
alle gefährdet hast?"
Normalerweise hätte ich irgendetwas geantwortet, um ihn zu provozieren, irgendetwas, das
ihm zeigte, wie egal mir seine Vorwürfe waren. Aber in diesem Augenblick hatte ich einfach
keine Lust. Ich war todmüde, musste nachdenken...
„Ja. Entschuldigung, es... wird nicht mehr vorkommen. - Wenn du nichts dagegen hast, würde
ich jetzt gern auf mein Zimmer gehen."
Er sagte nichts, nur ein Nicken und eine knappe Geste mit der Hand zeigten mir, dass ich
gehen konnte. Sein nachdenklicher Blick folgte mir, bis ich sein Büro verlassen hatte.
~*~
Die Welt ist grau. Der Blick aus dem großen Fenster zeigt eine glänzend graue Stadt, die
langsam im Regen versinkt. Diffuses Licht, das mit dem Wasser vom Himmel zu fallen
scheint, verwäscht alle scharfen Konturen. Es lässt nirgendwo Schatten entstehen, hüllt alles
in dieses sanfte Grau.
Der Mann, der am Fenster des kleinen Cafés sitzt, lehnt seinen schmerzenden Kopf an die
kühle Fensterscheibe und sieht hinauf in die geschlossene Wolkendecke. Der Schemen eines
Flugzeugs hebt sich dunkel gegen das strahlende Hellgrau ab. Schnell wird er immer heller
und kleiner, bis er schließlich mit den Wolken verschmilzt.
~°~
Du hattest nicht versucht, mich umzubringen.
Sowenig ich auch verstand, was da auf der Mission geschehen war, setzte sich diese
Erkenntnis doch in meinem Geist fest. Es war nur ein Strohhalm, an den ich meine
Hoffnungen klammerte, aber es ließ mich wieder aus meiner Lethargie auftauchen. Mein
Verhalten normalisierte sich.
Ab und zu versuchte ich, noch einmal in deinen Geist einzudringen, aber die Barriere war
wieder da. Ich war mir auch nicht mehr sicher, ob es nicht besser so war.
Die Gedanken und Gefühle, die auf mich eingestürmt waren, hatten mich fast erstickt. Sie
waren noch schwärzer, trauriger und brodelnder gewesen als deine Träume. Ich fürchtete
mich vor dieser Dunkelheit. Wie schafftest du es, dich gegen sie zu wehren, nichts nach außen
dringen zu lassen? Woher nahmst du die Kraft?
Ich beschloss, dass ich dich treffen musste. Es war Wahnsinn. Das war mir klar, aber das war
nicht wichtig. Ich musste irgendwie verstehen. Du warst der einzige Mensch, den ich nicht
verstand und das machte mich verrückt. Ich musste wenigstens versuchen, mit dir zu reden.
~*~
Ein Mann betritt das Café. Er ist groß, trägt einen dunkelgrauen Designeranzug. Zielstrebig
geht er auf den Tisch des Fremden zu, der durch zerzauste Haarsträhnen hindurch
gedankenverloren in die inzwischen kalte Suppe starrt.
Er schiebt sich auf die Bank gegenüber und bleibt einen Moment sitzen ohne etwas zu sagen.
„Du bist wieder in Tokyo?" durchbricht er schließlich doch die Stille. Der Vorwurf schwingt
deutlich in seiner Stimme mit. Er erhält aber keine Antwort. Er hatte auch nicht damit
gerechnet.
Abschätzend mustert er die zerknitterte Kleidung und die verfilzten rötlichen Haare seines
Gegenübers. Den abwesenden Blick, das geronnene Blut. „Du siehst aus, als hättest du die
Nacht auf einer Parkbank verbracht." Der besorgte Blick aus den braunen Augen will nicht zu
dem kühlen Ton und dem distanzierten Gesichtsausdruck passen.
Nur langsam scheint dem Anderen seine Anwesenheit bewusst zu werden. Müde hebt er den
Blick, der sich nur widerstrebend klärt. Dann erscheint ein schwacher Schatten seines alten
Grinsens auf dem abgespannten Gesicht. „Bradley! Ich hätte nicht gedacht, dass ich dich noch
mal wiedersehe." Er schafft es nicht, seiner Stimme den gewohnten spöttischen Klang zu
geben. Er klingt einfach nur müde und traurig.
~°~
Ich hatte gedacht, es würde schwierig werden, dich allein zu treffen. Aber ich musste mich
gar nicht anstrengen um etwas zu ‚arrangieren'. Du kamst mir zuvor.
Ich war in der Stadt, um irgendetwas zu kaufen. Ich weiß nicht, was es war. Nagi brauchte es
für seinen Computer. Er hatte mir den Namen genannt und auch ein paar Versuche
unternommen, mir zu erklären, was das war, aber zum Schluss hatte er mir einfach einen
Zettel in die Hand gedrückt und mir erklärt, wie ich zum Computergeschäft seines Vertrauens
komme. Ich bezweifelte ja ernsthaft, dass wer auch immer in diesem Geschäft arbeitete aus
diesem kryptischen Gekrakel schlau werden konnte, aber das war ja nicht mein Problem...
Es war ein klarer Wintertag: kalt, aber die Sonne schien an einem blassblauen Himmel und
ließ schon wieder eine Ahnung vom Frühling zu. Der Park, durch den mich mein Weg führte,
war voller Menschen.
Das neue Jahr war vor wenigen Tagen angebrochen und Alles atmete Zuversicht aus.
Ein Jahr, das mit einem so strahlend blauen Himmel begann, ließ die Probleme des
vergangenen Jahres unbedeutend wirken. Es versprach genauso strahlend und großartig zu
werden, wie der Himmel selbst.
Wenn schönes Wetter ist, sind die Gedanken der Menschen leichter. Es ist, als könnten die
Sonnenstrahlen verhindern, dass sie dunkel werden und sich zu den reißenden Strudeln
zusammenbrauen, die mich an manchen Tagen zu verschlingen drohen.
Durch eine überwiegend fröhliche Menschenmenge zu laufen ist berauschend. Die Gedanken
sprudeln dann wie klares Wasser durch den Geist...
Auch an diesem Tag strömten sie durch mich hindurch, spülten alles weg. Ich hielt mich an
keinem der Gedanken länger auf. Wenn man sich auf keinen von ihnen konzentrierte,
verschmolzen sie zu einer einzigen schillernden Fläche aus Blau und Zuversicht. Ich lehnte
mich gegen einen der kahlen Bäume und schloss die Augen. Es waren viele Leute unterwegs.
Mich durchströmte der Lebensmut hunderter Menschen.
Überwältigend!
Und dann entdeckte ich dich in einem der Gedanken und riss mich mühsam zurück in die
Wirklichkeit. Du standest direkt vor mir. Dein Gesicht war eine Maske aus feinem Porzellan,
deine Augen glänzende Amethyste. Aber so ausdruckslos, dass es mich erschreckte.
„Geht es dir nicht gut?" Keine erkennbare Besorgnis, höchstens vages Interesse.
„Doch, sehr gut..." Ich war misstrauisch. Ich konnte deine Gedanken nicht lesen und hatte
nicht einmal deine Präsenz bemerkt. „Was wird das hier? Smalltalk?"
Für einen Sekundenbruchteil schien Unsicherheit durch die glatte Oberfläche deiner Maske zu
schimmern, zu kurz um sich sicher zu sein. „Wir müssen reden."
~*~
„Schuldig." Crawfords Stimme reißt ihn aus seinen Gedanken.
„Hm?"
Der Amerikaner sitzt ihm ungerührt gegenüber. „Ich würde vorschlagen, dieses Etablissement
jetzt zu verlassen. Wenn wir bleiben, wird es hier in knapp fünf Minuten ungemütlich."
Schuldig nickt nur und steht dann auf. Möglich, dass Crawford den Auftrag hat, ihn
umzubringen... Der Gedanke blitzt kurz in seinem Kopf auf, wird aber ignoriert. Es ist ihm
egal. Er folgt seinem früheren Boss zu dem Wagen, der nicht weit entfernt in einer
Seitenstraße parkt.
Sie verlieren keine Zeit. Erst als sie auf einer der Hauptstraßen sind und in Richtung Stadtrand
fahren, entspannt sich Crawford wieder.
„Was ist eigentlich passiert?"
Die grünen Augen schließen sich kurz, richten sich dann aber wieder auf die graue Stadt, die
an den Fenstern des Autos vorbeirast. „Etwas Schlimmes..." murmelt Schuldig nachdenklich.
„Ich kann mich nur nicht genau erinnern..." Er schweigt und sieht weiter aus dem Fenster.
Ihm entgeht der besorgte Blick, den Crawford ihm zuwirft, bevor er sich wieder auf die Straße
konzentriert.
~°~
„Warum grinst du so?"
/Zum Schutz/ schoss es mir durch den Kopf. Aber das sagte ich natürlich nicht, ließ das
Grinsen nur noch breiter werden. „Es kann ja nicht jeder so mörderisch ernst durch die
Gegend laufen."
Dein kalter Blick ließ nichts erkennen. Ich wusste, dass es riskant war, dich zu provozieren,
aber mir wäre wesentlich wohler gewesen, wenn du irgendeine Regung gezeigt hättest.
Ich fühlte mich ausgeliefert, weil ich dich nicht einschätzen konnte. Dass du mich nicht
umbringen würdest, erschien mir nicht mehr so sicher. Wir waren Gegner. Feinde. Oder
zumindest musstest du das so sehen...
Das Einzige, was meine lähmenden Zweifel eindämmte, war eine Überdosis Zuversicht, die
nicht mal meine eigene war.
Wir setzten uns auf eine der Bänke und es dauerte lange bis du anfingst zu sprechen.
„Du warst in meinen Träumen."
„Du hast mich erkannt?"
Du nicktest nur kurz und sahst mir dann direkt in die Augen. „Warum warst du da?"
Ich überlegte einen Moment. „Where do you go to, my lovely, when you're alone in your
bed?"
„Hör' auf mit dem Blödsinn! Das ist ernst. Warum warst du da?"
„Ich weiß nicht genau." Ich versuchte deinem Blick auszuweichen, konnte mich aber nicht
von diesem kalten Funkeln losreißen. „Es war... interessant. Es gefiel mir einfach."
„Dir gefielen meine Träume?"
„Nicht wirklich... sie waren so traurig. Aber es gefiel mir dort zu sein."
Deine Augen schlossen sich. Du schwiegst eine Weile. „Warum bist du verschwunden?"
„Verschwunden? Was...-"
Deine Maske brach. Du warst auf einmal über mir. Deine Hand an meinem Hals würgte mich,
drückte meinen Kopf nach hinten. Die Sonne schien mir gleißend in die Augen, die harte
Lehne der Bank drückte sich schmerzhaft in meinen Rücken. „Du bist nicht
wiedergekommen. Du hast mich verlassen!" Eine Welle aus Einsamkeit und verzweifelter
Wut brach über mir zusammen und nahm mir für einen Augenblick die Luft.
Dann war die Hand an meinem Hals auf einmal verschwunden und ich sprang auf, stolperte
keuchend einige Schritte zurück. Unschlüssig blieb ich vor dir stehen. Du saßest wieder auf
der Bank, hattest die Beine an den Körper gezogen und sahst mich nicht an.
Ich versuchte, ruhiger zu atmen, sah mich um. Menschen hasteten an uns vorbei. Sie
beachteten uns nicht. Natürlich nicht. Das war nicht ihre Aufgabe, nicht ihre Rolle. Alles nur
Statisten.
Ich betrachtete einen Moment lang dein Gesicht, jetzt wieder völlig ausdruckslos und leer.
Die Maske war wieder da. Nicht mehr so überzeugend, dünner als noch vor wenigen
Augenblicken, aber sie war wieder da. Die Kälte hatte sich wieder wie ein Schleier über deine
Augen gelegt und ließ nicht zu, dass ein Gefühl nach außen drang. Waren das wirklich deine
Gefühle gewesen? Langsam sickerten deine Worte in meinen Geist.
Vorsichtig näherte ich mich wieder der Bank, blieb einen Schritt vor dir stehen. Meine
Gedanken rasten. „Du... du hast mich... vermisst?"
Dein Blick hob sich nicht. Du sahst immer noch zur Seite, auf einen weit entfernten Punkt
irgendwo links von mir. „Vermisst..." Wie du das Wort aussprachst... misstrauisch, als könnte
es giftig sein. „... Ja vielleicht."
„Aber... du warst doch gar nicht mehr da. Alles war leer und dunkel. Da war nichts."
Du hobst den Kopf und sahst mich jetzt direkt an. „Doch. Du warst da."
„Ich war..." Ich sah dich verblüfft an, setzte mich wieder neben dich auf die Bank, schwieg
einen Moment. „Und du?"
„Ich weiß nicht... Nirgendwo. Ich... wusste nicht, wo ich hin sollte. Aber dann hab ich dich
gesehen..." Du stocktest. Deine Augen schlossen sich kurz. „ ...und dann warst du weg."
Mich verwirrte der Vorwurf, der im letzten Satz mitschwang. Was du sagtest, ergab einfach
keinen Sinn...
Eine Weile saßen wir nur schweigend da. Das helle Sonnenlicht schuf die Illusion von
Frühling, die sich aber angesichts der kahlen Äste nicht halten konnte.
Ich dachte über dich nach. Aber meine Gedanken drehten sich im Kreis, vermischten sich mit
den anderen bis ich sie kaum noch unterscheiden konnte. Es braucht viel Konzentration, selbst
nachzudenken. Es ist, als würde man versuchen, einer Melodie zu folgen, während ein ganzes
Orchester durcheinander spielt...
Aus den Augenwinkeln nahm ich wahr, dass du aufgestanden warst. Du entferntest dich
langsam.
„Ich habe dich auch vermisst." Wenigstens das wollte ich noch gesagt haben, bevor wir
wieder Gegner waren. Ich verstand sowieso nicht ganz, warum wir es jetzt nicht waren...
Ich konnte nicht sagen, ob du mich überhaupt noch gehört hattest. Vielleicht bildete ich mir
das kurze Stocken in deinen Bewegungen nur ein. Du drehtest dich jedenfalls nicht noch
einmal um.
~*~
Ein leises Quietschen und ein leichter Ruck, der durch den Wagen geht, reißen ihn aus seinen
Gedanken. Sie sind angekommen. Das Haus ist nicht mehr das selbe, wie das, was sie früher
bewohnt haben. Warum sie wohl umgezogen sind?
Schuldig sieht sich beim Aussteigen kurz um, kann aber nichts entdecken, was ihm bekannt
wäre. Alles scheint ihm fremd.
Die Geräusche sind gedämpft. Das Rauschen von Straßen und der Gesang von Vögeln. Das
Haus liegt abgelegen. In der Nähe stehen Bäume und der Wind trägt den typischen Geruch
von Wäldern heran. Feuchte Erde und nasser Staub.
Es hat aufgehört zu regnen. Zumindest scheint es nicht mehr so, als würde die Welt jeden
Augenblick in den Wassermassen versinken. Nur noch einige feine Tropfen fallen ab und an
zu Boden. Während er sich dem Haus nähert, es betritt, hört er irgendwo das Wasser aus einer
kaputten Regenrinne tropfen. Ein eigenartig regelmäßiges, lautes Klacken in der Ruhe nach
dem Regen.
~°~
Weiß fiel das Sonnenlicht durch die Fenster des Korridors. Weiß wurde es zurückgeworfen.
Stille und Ruhe lastete mit der Schneedecke auf dem Gelände. Die Grünanlagen um das
Krankenhaus waren verschneit und selbst der Himmel wirkte heller als sonst. Beinahe weiß.
Ich war dir bis hierher gefolgt. Das Zimmer lag im vierten Stock. Die vorletzte Tür des Flurs.
Draußen war es eisig, aber hier drinnen kam es mir stickig und überheizt vor. Alles wirkte so
grauenhaft nüchtern und kühl. Neutral. Distanziert. Wie konntest du es nur stundenlang in
einer solchen Umgebung aushalten? Schon allein der Geruch nach antiseptischem Putzmittel
trieb mich in den Wahnsinn. Das Licht fiel in nahezu scharfkantig wirkenden Strahlen von
rechts oben nach links unten und malte perfekt symmetrische Muster auf das hellgemaserte
Linoleum. Sie erreichten kaum die Schwellen der wie aufgereiht wirkenden, identischen
Türen auf der linken Seite des Ganges.
Unvermittelt hatte ich die Tür erreicht. Nun stand ich ratlos davor. Was sollte ich tun? Einfach
eintreten? Das wäre schon sehr seltsam gewesen. Mal ganz davon abgesehen, dass du mich
höchstwahrscheinlich gekillt hättest. Oder doch nicht? Hier draußen zu stehen war allerdings
auch idiotisch. Es hätte Stunden dauern können, bis du wieder herausgekommen wärst. So
lange würde ich es hier nicht aushalten. Allein mit den mehrheitlich deprimierenden
Gedanken, nur abgelenkt durch das Quietschen von Schuhen auf dem Boden, wenn mal
jemand vorbeikam, und den Schatten der Fensterrahmen, die quälend langsam immer weiter
von den Türen wegkriechen würden.
Es war ziemlich früh am Morgen. Ich fragte mich flüchtig, wie man freiwillig so früh
aufstehen konnte. Ich war gerade auf dem Weg nach Hause gewesen, als ich dir zufällig über
den Weg gelaufen war. Gut, vielleicht nicht ganz so zufällig und ‚über den Weg gelaufen' war
vermutlich auch nicht ganz richtig, immerhin wusstest du ja nichts von meiner Anwesenheit...
„Komm rein oder verschwinde." Ich zuckte zusammen, als du mich aus den Gedanken rissest.
Durch die Tür klang deine Stimme dumpf und hohl. Zögernd betrat ich das Zimmer. Mir war
schleierhaft, wie du mich bemerkt hattest, aber es spielte wohl keine Rolle.
Du hattest dich auf einem Stuhl am Kopfende des Bettes niedergelassen. Die Arme auf die
Knie gestützt, den Rücken gebeugt, starrtest du auf irgendeinen Punkt in weiter Ferne.
Irgendwo außerhalb dieses Zimmers mit seinen piepsenden und schnaufenden Geräten.
Du blicktest nicht auf als ich eintrat. Es schien fast so, als hättest du mich gar nicht bemerkt,
und doch war ich mir sicher, dass du wusstest, wer da war.
„Warum verfolgst du mich?" Du starrtest immer noch geradeaus. Ich hatte nicht das Gefühl,
dass du eine Antwort erwartetest, also blieb ich schweigend in der Nähe der Tür stehen.
Betrachtete unsicher dein unbewegtes Gesicht und deine Schwester, die genauso reglos und
bleich in dem Bett lag.
„Weißt du... irgendwie hatte ich immer gehofft... dass sie wieder aufwachen würde... wenn
ich mein Ziel erreicht hätte. Sie gerächt... – Das ist so naiv. Albern."
Jetzt sahst du doch auf. Ein zynischer, bitterer Ausdruck schlich sich auf dein Gesicht als du
mit einer knappen Geste das Krankenhauszimmer, die gefrorene Stadt, vielleicht die ganze
Welt zusammenfasstest. „Das ist mein Leben.", sagtest du verächtlich.
Du verbargst dein Gesicht kurz in den Händen, fuhrst dir mit den Fingern durch das rote Haar.
Die ruhige Maske war ebenso schnell wieder da, wie du sie fallengelassen hattest. Deine
Stimme klang leise und irgendwie müde, als du weitersprachst. „Das ist erbärmlich. Sie
braucht so jemanden wie mich nicht. Selbst wenn sie jemals wieder aufwacht."
Ich sah dich an und wusste nicht, was ich sagen sollte. Jemanden trösten... Gott! Das war doch
wirklich nicht meine Sache. Gerade ich konnte doch dazu nichts sagen. Egal, was... alles
würde wie purer Hohn klingen. Schließlich war das nicht zuletzt meine Schuld. Von allem,
was ich in meinem Leben falsch gemacht hatte – und das war nicht wenig gewesen – tat mir
das wohl am meisten leid.
Was war schon ein Menschenleben wert? So berechenbar und langweilig. Irgendwie waren
sie alle gleich. Sie lebten nicht wirklich, sie existierten nur und es änderte nichts, wenn sie
verschwanden.
Aber dein Leben war echt und ich hatte es zerstört.
„Es tut mir leid..." Ich weiß nicht, ob ich so etwas überhaupt schon einmal gesagt hatte.
Wenn, dann hatte ich es bestimmt nicht ernst gemeint.
Aber jetzt fühlte ich mich schrecklich. Ich konnte nicht verstehen, wie du so ruhig dasitzen
konntest. „Warum erzählst du mir das? Warum willst du mich nicht mehr töten?"
Du sahst zu mir auf. Irgendetwas lag in deinem Blick. Überraschung? Verstehen? „Du kannst
meine Gedanken nicht lesen, nicht wahr?"
Ich schüttelte nur stumm den Kopf. Diese resignierte Ruhe machte mich ganz krank. Sie war
genauso unerträglich, wie das kränkliche Weiß, das hier alles einhüllte, wie der sterile Tod,
der hier zu lauern schien...
„Ah... Weißt du... ein Teil von mir würde dich unheimlich gern töten. Ehrlich gesagt kann ich
es kaum ertragen, dass du hier neben mir stehst, völlig unbehelligt, gesund – und sie liegt da
und wird wahrscheinlich nie mehr aufwachen...
Aber dich zu töten... es würde nichts bringen." Du zucktest scheinbar gelassen mit den
Schultern. „Befriedigung, für wenige Augenblicke... vielleicht. Aber danach wäre es nur ein
weiterer Mord..."
Ich war verblüfft. Niemand, der mich kannte, hatte je versucht, ein ernsthaftes Gespräch mit
mir zu führen. Ich nahm nichts und niemanden ernst und mich nahm niemand ernst. So war es
einfacher.
Ich reagierte, auf die einzige Art, die ich kannte. Ich grinste. „Ach so... eine neue
Lebenseinstellung. Ich sag's dir ja nur ungern, aber das dürfte Interessenkonflikte geben. Von
wegen Auftragskiller und so. Du wirst ja wohl kaum erwarten, dass ich das jetzt für dich
mache... Ich mein', einmal: Okay. Aber Bombay hätte mich fast abgeschossen und da hab' ich
keinen Bock dr-"
„Mach dich nicht über mich lustig!" Deine Stimme war scharf, aber leise, du warst nicht
aufgesprungen, obwohl ich sehen konnte, wie sich dein ganzer Körper vor Wut verspannte.
Als ob du das Mädchen, das da so zerbrechlich und blass in seinem Bett lag, nicht wecken
wolltest. Absurd. Ich hasse Krankenhäuser. Zum Verrücktwerden.
„Was weißt du schon? Du bekommst den Auftrag, meine Familie zu töten. Einfach so, weil
sie im Weg ist, weil man einen Sündenbock braucht. Ein lächerlich einfacher Auftrag. Alles
läuft wie geplant – gut, den Sohn habt ihr nicht gekriegt, aber das ist letztendlich auch egal –
und dann ist es vorbei und wird vergessen.
Und ich stehe zwischen den Trümmern und weiß nicht weiter. Verlust, Einsamkeit, Mordlust,
Wahnsinn, ein Haufen falscher Entscheidungen – und man wacht eines Tages auf, und
bemerkt, dass es kein Alptraum war. Dass man das alles wirklich getan hat, dass man jeden
Tag selbst so einen lächerlich einfachen Auftrag bekommen könnte. Und wer weiß? Vielleicht
würde man ihn auch ausführen, einfach aus Gewohnheit...
Und da hilft einem das Wissen sich gerächt zu haben auch nicht. Die Takatoris sind tot, die
Fujimiyas auch. Ran ist noch vor seiner Schwester gestorben."
„Und du willst jetzt aufgeben? Nur weil dein Leben nicht so läuft, wie du das gerne hättest?"
Mit zwei schnellen Schritten standest du direkt vor mir. Deine Augen waren nicht mehr die
kalten Amethyste, in ihnen loderte vernichtender Zorn. Ich spürte, dass die Barriere, die ihn
von mir fern hielt, jeden Augenblick brechen konnte.
„Nicht so, wie ich es gerne hätte?! Bist du wahnsinnig? Ich bin einundzwanzig. Ich sollte
meine Familie noch haben. Ich sollte Freunde haben, die keine Mörder sind. Ich sollte selbst
kein Mörder sein. Ich bin weit davon entfernt, überhaupt ein Leben zu haben!"
Ich war müde, erschöpft. Der Gestank des Desinfektionsmittels schien immer schlimmer zu
werden. „Na und? Du hast eben nicht so ein Glück. Es ist nicht so, wie du's gerne hättest.
Willst du jetzt in Selbstmitleid versinken?"
Ich musste da raus. Kopfschmerzen. Die Barriere würde wieder brechen. Dein Zorn... Ich
würde ohnmächtig werden, oder Schlimmeres.
Ich stolperte auf den Gang hinaus, auf den Ausgang zu. Es war heiß. Mir war schlecht.
Du standest in der Tür. Schwarzer Zorn verschluckte das Weiß des Flures, bohrte sich in
meinen Kopf. Die Mauer war schon wieder weg. /Du Bastard! Wie kannst du-/
/-dir die Wahrheit sagen?/ Ich war am Ausgang, fiel in die beruhigende Kälte. /Wozu sind
denn Feinde da?/
~*~
„Das ist dein Zimmer."
Die Tür schwingt auf, Crawford tritt zur Seite.
„Ein bisschen zu ordentlich... aber die Farben gefallen mir."
„Ich weiß."
Schuldigs Stiefel hinterlassen dunkle Spuren auf dem hellgrünen Teppich, als er zum Fenster
geht. „Schöne Aussicht. Du hattest irgendwie schon immer 'ne Schwäche für Anwesen mit
Park..."
Für einen Moment schweigen beide. Schuldig starrt gebannt in den Park – oder ins Nichts. Er
fragt nicht, warum er in diesem Haus, das er nicht kannte, ein eigenes Zimmer hat.
„Wie auch immer... Das Bad ist links gegenüber. Sachen sind im Schrank."
„Was für Sachen?"
„Die, die du da gelassen hast."
„Aha... warum habt ihr sie behalten? Ich habe doch gesagt, dass ich nicht wieder zurück
komme."
Brad zuckt nur mit den Schultern. „Nur für alle Fälle..."
„... für alle Fälle..." Schuldigs verächtlicher Tonfall lässt klar erkennen, wie absurd er diese
Ausrede findet. Aber er sagt nichts weiter, sieht nur aus dem Fenster und beobachtet in der
blassen Spiegelung, wie das Orakel aus dem Zimmer verschwindet.
~°~
Ich bin mir nicht sicher, wie lange ich damals ich Schnee lag. Der Himmel war blau wie
Gletschereis, fast durchsichtig. Die Kälte tat gut. Meine Kopfschmerzen lösten sich nur
langsam auf, zusammen mit der tobenden, traurigen Schwärze.
Ich fragte mich, ob sie tatsächlich verschwand, oder nur zurückkehrte, hinter diesen Wall aus
Amethyst und Porzellan. Und wie es hinter dieser Barriere aussah.
Wie lange warst du noch bei deiner Schwester? Es kann nicht sehr lang gewesen sein, denn
als du mir die Hand entgegenstrecktest, mir aufhalfst, fing der Schnee unter mir gerade erst an
zu schmelzen.
Dein Gesicht war wieder undurchdringlich. „Komm mit."
Wir gingen zu einem kleinen Café, nicht weit vom Krankenhaus und setzten uns nach hinten,
an eines der Fenster. Stickige Wärme, nach der klaren Kälte draußen. Leise Radiomusik.
Kaum Gäste so früh am Morgen.
Eigentlich war es genau wie das Café heute. Die Welt hat sich nicht verändert. Die Cafés, die
Menschen... Nur das Wetter war besser. Damals schien die Sonne.
~*~
Mit einem Seufzen löst er sich vom Anblick des Parks. Er ist müde. Körperlich genauso wie
psychisch. Trotzdem streift sein Blick das Bett nur kurz, als er sich zur Tür dreht und in
Richtung Bad schlurft. Er will nicht schlafen.
Weil er sich erinnern würde.
Er weiß längst, dass er sich mit diesen alten Erinnerungen, so verschüttet sie auch sein mögen,
nur abzulenken versucht. Vom Wesentlichen. Von dem, was letzte Nacht passiert ist.
Selbst das Vergessen, die Verwirrung, nachdem er jemanden telepathisch getötet hat, hält
nicht ewig an. Schuldig wünschte, es wäre so, aber das ist es nicht. Hinter der lauten,
überfüllten Bar und dem Gefühl, keine Erinnerungen zu haben, liegt ein Abgrund, schwarz
wie geronnenes Blut. Und Kopfschmerzen.
Es gelingt ihm minutenlang gar nicht zu denken. Es ist sehr ruhig. Außer dem Amerikaner ist
niemand im Haus und der hält seine Gedanken verschlossen. Schuldig könnte trotzdem
eindringen, aber er tut es nicht, ist dankbar für die Ruhe.
Er lässt Wasser in die Badewanne und zieht sich die klammen Sachen aus, lässt sie achtlos auf
den hellen Fliesen liegen. Irgendjemand wird sie schon wegräumen und waschen... oder
wegwerfen.
Die Wanne ist groß und noch lange nicht voll. Sein Blick streift den Spiegel. Das Gesicht, das
ihm so teilnahmslos entgegenblickt sieht traurig aus. Es ist schmutzig, wirkt viel älter als es
sollte und unendlich müde. Sein Blick wandert nach unten, zu einer dünnen Kette und
schreckt vor dem Anblick des schmalen, goldenen Anhängers zurück. Hastig dreht er sich
vom Spiegel weg.
Einen Moment steht er einfach nur da, starrt die Fliesen vor ihm an der Wand an. Nur
dastehen und nichts denken. Das ist gut. Die Kälte, die einfach nicht aus seinem Körper
weichen will, der Hunger, die Erschöpfung – wenn man nicht darüber nachdenkt, spürt man
sie kaum.
Die Gefahr besteht darin, dass diese Taubheit verschwindet. Sie hüllt ihn ein wie Watte.
Bleischwer, kalt und sanft. Dahinter liegt eine blasse Ahnung von Trauer und Verlust, Wut,
Schmerz und Verzweiflung – aber solange er nicht darüber nachdenkt, kann er sie ignorieren.
Als sein Blick sich wieder von der Wand löst, ist die Wanne voll. Viel zu voll.
Er dreht den Hahn zu und lässt sich in das klare Wasser sinken. Es ist viel zu heiß für seinen
unterkühlten Körper, scheint sich in die kalte Haut zu brennen. Aber der Schmerz
verschwindet fast ebenso schnell wie er gekommen ist.
Ein Schwall Wasser ist über den Wannenrand gelaufen, hat einen Teil des Bodens unter
Wasser gesetzt. Seine Hose liegt neben der Wanne, mitten in der Pfütze. Feine rote Schlieren
ziehen sich, von dem schwarzen Stoff ausgehend durchs Wasser.
Er wendet den Blick ab, konzentriert sich nur darauf, wie die Wärme langsam in seinen
Körper fließt. Seine vom Zittern verkrampften Muskeln entspannen sich.
Er lässt sich tiefer ins Wasser sinken. Es ist heiß auf seinem Gesicht, als er den Kopf
untertaucht und durch die leicht bewegte Wasseroberfläche an die weiße Decke starrt. Er hat
das Gefühl zu schweben. Das erste mal seit er in der Bar zu sich gekommen ist, fühlt er sich...
wohl?
Nein, eigentlich nicht. Das warme Wasser brennt in den Schnitten, die viele Stellen seines
Körpers bedecken und von denen er nicht weiß, woher sie stammen. Sein Kopf, sein Magen,
sein Herz, sein ganzer Körper schmerzt.
Aber er fühlt es nicht. Er ist losgelöst von seinem Körper und schwebt in der schützenden
Wärme. Er spürt auch nicht den Schmerz in seinen Lungen, wie sie verzweifelt nach Luft
verlangen. In diesem Moment wünscht er sich nichts mehr, als sich ewig so treiben zu lassen.
Keine Gedanken. Ruhe, Stille, Wärme.
Nur das Laute Klopfen seines Herzens stört diese Ruhe, weil es immer hektischer wird,
immer panischer versucht, den Körper mit Sauerstoff zu versorgen. Aber es wird aufhören.
Und dann wird er seine Ruhe haben...
Vielleicht wird er vorher auch atmen. Aus Reflex, ohne es zu wollen. Dann würde das warme
Wasser in seine Lungen strömen und ihn ertrinken lassen. Wahrscheinlich würde es weh tun,
wenn das Wasser in ihn eindringt, um auch das letzte bisschen Luft und Leben aus seinen
Lungen zu pressen. Er hat mal davon gehört, dass es schmerzhaft sein soll zu ertrinken.
Aber er würde den Schmerz nicht spüren, sondern einfach weiter in dieser Wärme schweben
und nichts denken...
Vielleicht wird das auch gar nicht passieren. Vielleicht hört sein Herz einfach auf zu schlagen.
Es ist egal. Das Ergebnis wäre das gleiche.
Schwarze und rote Flecken flackern an der weißen Zimmerdecke auf. Irgendetwas stimmt
nicht mit seinen Augen.
...weiß wie Schnee, schwarz wie Ebenholz, rot wie Blut... Eine Erinnerung aus seiner
Kindheit, völlig zusammenhangslos, treibt träge vorüber.
Haut, weiß wie Schnee, Haare, rot wie Blut... aber was war dann schwarz?
Die Überlegung verliert sich im Nichts. Es ist auch nicht wichtig. Das hastige Dröhnen, das
ihn so gestört hat, ist schon viel langsamer geworden. Und leiser.
Aber da sind plötzlich andere Geräusche. Laut und störend.
/Schuldig! Tauch' sofort auf!/ Der Gedanke hallt schmerzhaft laut in seinem Kopf nach.
Besorgt, fast schon panisch, und doch so selbstsicher befehlend, so absolut zwingend, dass
Schuldig sofort gehorchen würde, wenn er nur noch die Kraft dazu hätte. Aber er kann sich
nicht bewegen. Sein Körper ist bleischwer und schwebt im Nichts.
Eine große Gestalt schiebt sich in sein Blickfeld, die Hände greifen nach seinen Schultern,
ziehen ihn brutal nach oben.
Die Luft ist so kalt auf seiner Haut und so heiß in seinen Lungen. Wie Feuer rast sie durch
seine Luftröhre, seine Bronchien bis in die Alveolen. Seine Lunge scheint zu bersten. Das
Atmen tut so furchtbar weh. Mit einem Schlag ist die Taubheit weg. Sein ganzer Körper
schreit vor Schmerz. Sein Herz rast. Es fühlt sich an, als könne es jeden Augenblick in Stücke
brechen, und es dröhnt so entsetzlich laut. Das Licht scheint mit einem Mal so gleißend hell
zu sein, dass es in den Augen brennt. Mit den Kopfschmerzen bricht gleichzeitig eine Welle
von Übelkeit über ihn herein, verursacht aber nichts als ein trockenes Würgen.
Aber nichts davon kann ihn von der Trauer ablenken, die auf einmal die dumpfe Leere in ihm
ersetzt. Alles was er bis jetzt nur erahnt hat, ist auf einmal da. Verzweiflung, Wut, Verlust –
und Schmerz. Vor allem Schmerz. Genauso allgegenwärtig wie in seinem Körper. Aber so
unfassbar viel schlimmer.
Zeit vergeht. Er sitzt auf dem Wannenrand, die Füße immer noch im Wasser, und klammert
sich an Brad fest, der neben ihm sitzt, dessen Hände ihm beruhigend über den Rücken
streichen. Er zittert am ganzen Körper; warmes Wasser rinnt über sein Gesicht und versickert
im dunkelgrauen Anzug des Amerikaners.
Aus irgendeinem Grund ernüchtert der Anblick Schuldig. „Entschuldigung... dein Anzug wird
ganz nass." Seine Stimme klingt seltsam. Dünn und schwach. Er richtet sich auf, lässt den
anderen los.
Crawford nickt nur. Falls ihn irgendetwas des Geschehenen aus dem Konzept gebracht hat,
zeigt er es nicht. Als er aufsteht verrät nur sein Anzug, den das Wasser an Ärmeln und
Schultern schwarz gefärbt hat, dass etwas Ungewöhnliches passiert ist.
Er holt ein großes weißes Badetuch aus dem Schrank und legt es Schuldig um die Schultern.
„Geh schlafen."
„Hm." Schuldig zieht sich das Handtuch enger um die Schultern und steigt aus der Wanne. Er
macht noch einmal Halt beim Medizinschrank, um sich eine Schmerz- und eine Schlaftablette
zu nehmen, dann verlässt er das Bad.
Crawford folgt ihm auf den Flur. Vor Schuldigs Zimmer bleiben sie stehen. Schuldig hat die
Hand schon auf der Klinke. Er dreht sich nicht um, als er es sagt. Er weiß nicht, warum er es
überhaupt sagt, will es eigentlich gar nicht aussprechen. Weil es dadurch Realität wird.
Unabänderlich. Unleugbar.
„Er ist tot."
Wieder besteht Crawfords einzige sichtbare Reaktion aus einem resignierten Nicken. Schuldig
sieht es nicht mehr. Er ist schon in seinem Zimmer verschwunden.
Brad wendet sich ab und macht sich auf den Weg zu seinem Büro. Es gibt viel zu tun. Und es
fängt gerade erst an.
Drittens: Liebe

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