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~Poesie des Lebens~
Wer möchte sich an Schattenbildern weiden,
Die mit erborgtem Schein das Wesen überkleiden,
Mit trügrischem Besitz die Hoffnung hintergehn?
Entblößt muß ich die Wahrheit sehn.
Soll gleich mit meinem Wahn mein ganzer Himmel schwinden...
[...]
Des Traumes rosafarbner Schleier
Fällt von des Lebens bleichem Antlitz ab,
Die Welt schient was sie ist, ein Grab.
[...]
Friedrich Schiller
o-O-o-O-o
Erstens:
Wahrheit
~°~
Ich hatte es bemerkt. Deine Träume waren verschwunden.
Sie waren traurig, unendlich traurig und dunkel. Immer wenn ich dort war, hatte ich Angst, du
könntest dich in ihnen verlieren. Um das zu verhindern hatte ich dich verspottet, gereizt, hatte
versucht, deine Vernunft wieder zu wecken, indem ich dir riet, sie aufzugeben.
In deinen Träumen hatte es keinen Hass gegeben. Du hattest mich nicht gehasst. Erkannt hast
du mich auch nicht, aber auch nicht gehasst.
Deine Träume waren einsam gewesen, traurig und verzweifelt. Aber auch lebendig –
irgendwie.
Und jetzt waren sie verschwunden.
Vielleicht war es nur mein Sadismus, der diesen Teil von dir vermisste. Dieses hilflose kleine
Geschöpf in dir, das jedes mal verzweifelt aufschrie, wenn du einen Menschen tötetest.
Ich hatte diesen Aufschrei oft gehört, hatte ihn genossen.
Irgendwann hatte ich begriffen, dass es Reue war. Aber keine gewöhnliche kleinmütige Reue,
wie ich sie bei unzähligen Menschen gesehen hatte. Kurz vor seinem Tod bereute jeder noch
irgend etwas. Meist banale Dinge, die man getan oder nicht getan hatte - es war mir egal.
Aber bei dir war es anders. Du bereutest es nicht, an dem Tod dieses Menschen schuld zu
sein, du bereutest... Ich wusste es nicht, hatte es nicht begriffen.
Ich drang in deine Träume ein, weil ich glaubte, dort einen Anhaltspunkt zu finden. Aber was
ich fand, war etwas anderes.
Du warst dort nicht du selbst. Oder vielleicht warst du es dort mehr als irgendwo sonst.
Dort warst du die Reue. Die Ursache konnte ich auch in deinen Träumen nicht finden. So sehr
ich auch suchte, dein Unterbewusstsein gab mir keine Hinweise. Es war dunkel und brodelnd,
wie deine Träume selbst, und unmöglich zu lesen. Einmal hatte ich es doch versucht. Aber ob
es nun an der Schwärze meiner Seele lag, die sich nach dieser Dunkelheit sehnte, oder ob es
selbst in meinem kalten Herzen Reue gab... Um ein Haar wäre ich von den amorphen
Schatten verschlungen worden.
Du hattest mich gerettet.
Ich weiß nicht mehr, wie. Meine Erinnerungen sind lückenhaft. Verstreute Bruchstücke eines
zerstörten Geistes.
Ich weiß, dass ich noch andere Dinge vergessen habe. Wichtige Dinge, die nicht so weit
zurückliegen, wie diese Erinnerung.
Ein Schuss in der Nacht...
Aber wenn ich versuche die Zusammenhänge zu ergründen, bekomme ich schreckliche
Kopfschmerzen. Kein Bild scheint mehr zum anderen zu passen, alles verschwimmt...
~*~
Klamme Kälte sickert durch seine Kleidung, ist schon längst bis in den Körper vorgedrungen.
Die Bank ist hart und nass. Der Regen fällt als feiner Nebel aus dem grauen Himmel, ist für
das Auge nur zu sehen, wenn der schneidende Wind ihn einem Schleier gleich vor sich her
treibt.
Der Heimatlose weiß nicht mehr, wie er hierher gekommen ist. Er weiß nicht, ob er
geschlafen hat, weiß nicht, warum er hier ist, wo dieses ‚hier' ist.
Irgend etwas ist passiert. Das ist das Einzige, was er absolut sicher weiß. Der einzige Fakt,
den er wirklich festhalten kann. Der einzige Satz, der wirklich einen Sinn ergibt, der ihm
keine Kopfschmerzen macht.
Irgend etwas ist passiert. Das weiß er, er hat es verstanden, will wissen, was es ist. Er muss
dabei gewesen sein. Natürlich war er dabei, sonst wüsste er doch nicht, dass etwas geschehen
ist. Aber er kann nicht darüber nachdenken. Sein Verstand scheint jede Erinnerung mit
Übelkeit erregenden Kopfschmerzen abblocken zu wollen.
Um sich abzulenken, sieht er sich um. Ein Park. Er ist allein. Natürlich ist er allein. Bei
diesem Wetter geht niemand in einen Park. Hier sind keine Menschen, keine Gedanken. Alles
ist still. Er hat Ruhe. Das ist selten...
Etwas Schlimmes. Es ist etwas Schlimmes passiert. Das Bild von Blut auf blasser, weißer
Haut blitzt in ihm auf, verschwindet aber fast augenblicklich wieder zwischen den sich
windenden Gedanken.
Er muss sich erinnern. Aber wie macht man das? Wie erinnert man sich, wenn man sein
Leben lang nur verdrängt hat? Wie ruft man sich etwas ins Gedächtnis zurück, wenn es erst
einmal tief unter Würmern begraben ist?
Vielleicht muss man sie ordnen, sich jeden einzeln ansehen und die toten aussortieren.
Vielleicht muss man nur die richtige Reihenfolge finden oder den Blickwinkel so lange
verändern, bis das Gesuchte sich von allein zeigt. Vielleicht muss man von vorn anfangen.
Natürlich. Von vorn. Man kann mit der Suche nach Erinnerungen ja nicht mitten in der Zeit
anfangen. Sondern vorn, dort wo alles begann. Wenn er nur wüsste, wo das war!
Wo war der Anfang?
~°~
Deine Träume. Sie waren verschwunden und ich hatte es bemerkt.
Ich weiß nicht mehr genau, wann. Es muss gewesen sein, kurz nachdem ihr Takatori Reiji
umgebracht hattet. Diesen albernen alten Mann, dessen Leben wir beschützen sollten. Ihr
hattet Glück. Unser Auftrag hatte sich geändert und das Schicksal dieses machtgierigen
Verrückten war uns von dem Zeitpunkt an egal.
Aber ich hatte dich gesehen, wie du zusammen mit den anderen in das Haus gestürmt warst.
In völliger Missachtung der Übermacht, die gegen euch stand, hattet ihr angegriffen. Und ihr
hattet gewütet, getötet, wart wie ein Sturm über alle hinweggezogen, die es wagten, sich euch
in den Weg zu stellen.
Und du warst die Rache. In dir hatte sie eine menschliche Gestalt bekommen, hatte dir die
Kräfte eines Dämons verliehen. Die Rache selbst war durch dich auf die Erde gekommen, um
die Menschen zu richten. Aya war die Rache und die Rache war Aya.
Aber ich kannte deine Träume, kannte die Reue. Wie konnte das sein? Rache und Reue, sie
konnten nicht zusammen existieren. Sie kannten einander nicht. Wer rächen wollte, konnte
doch nicht bereuen. Wer bereute, konnte unmöglich Rache nehmen.
Es war ein einziger Widerspruch. Ich konnte es nicht begreifen. Ich konnte nicht verstehen,
wie beides so stark in dir existieren konnte, ohne dich zu zerstören. Das war unmöglich.
Irgendetwas musste ich übersehen haben. Also ging ich in der nächsten Nacht wieder in
deinen Traum. Ich wollte gründlicher suchen, mich nicht mehr von dir ablenken lassen, bis
ich herausgefunden hätte, was dich am Leben hielt.
Aber dein Traum war weg. Da war nichts als blanke Dunkelheit. Nicht die verzehrende
Schwärze deines Unterbewusstseins, nichts, das selbst Substanz hatte. Nur Dunkelheit. Wie
die Abwesenheit von Licht...
Es ist schwer, Worte zu finden, um Träume zu beschreiben. Dort gibt es keine Physik, die
wirkliche Welt ist dort nichts als eine verschwommene Erinnerung. Ein Bild auf dem Grund
eines trüben Sees, durch die Wellen verzerrt.
Aber ich befand mich nicht in einem Traum. Du schliefst, daran bestand kein Zweifel. Aber
du träumtest nichts. Ich befand mich im Nichts. Nichts. Das einzige Wort, das ich zur
Beschreibung finden konnte. Nur Leere. Kein Licht, keine Materie, kein Raum, keine Zeit.
So etwas hatte ich noch nie gesehen. Aber du lebtest, da war ich mir sicher.
Nur... irgendwie war alles verschwunden. Die Reue, der Schmerz, die Verzweiflung - und das
Leben. Hatte vielleicht auch die Rache dich verlassen? Oder hatte sie gesiegt, letztendlich
gewonnen?
Ich verließ die Leere. Dort gab es nichts, was mich interessierte. Dort gab es nichts.
Du warst auch nicht da, in keiner Form. Es hatte keinen Zweck, länger dort zu bleiben.
~*~
Der Heimatlose hat sich aufgesetzt. Er zittert. Die Kälte hält ihn in eisernem Griff. Er spürt
seine Beine kaum. Immer noch fällt der Regen als feiner Dunst vom Himmel.
Die Kleidung klebt ihm nass am Körper, saugt sich immer mehr mit den winzigen Tropfen
voll. Aber das klare Wasser hat keine Kraft, vermag es nicht, das Blut aus seiner Kleidung zu
waschen.
Das Blut... Er weiß nicht mehr, wessen Blut es ist.
Wieder hält ihn plötzlich aufflutender Kopfschmerz vom Nachdenken ab. Stöhnend stützt er
den Kopf in die Hände. Sie sind eiskalt.
Er steht auf, verlässt den Park. Blicklos läuft er durch die Stadt, nimmt nichts, was um ihn
herum geschieht wahr.
Es sind nur wenige Leute auf der Straße. Die meisten haben einen Regenschirm. Sie gehen
ihm aus dem Weg. Wenn ihre Blicke ihn streifen, fängt er für einen Augenblick mitleidige,
ärgerliche oder feindselige Gedankenfetzen auf. Dann denken sie wieder an etwas anderes.
Sie beachten ihn genauso wenig, wie er sie.
Sie sind ihm egal. Sie sind keine wirklichen Menschen, leben nicht wirklich, fühlen keinen
wirklichen Schmerz. Sie sind nur Statisten in seinem Leben, existieren nur für den kurzen
Moment in dem er sie sieht und verschwinden spurlos, sobald er wegsieht.
Ihre Gedanken in seinem Kopf sind nicht real, er bildet sie sich nur ein, genauso, wie er sich
die Welt einbildet. Das graue Licht, den Regen, die Kälte. Alles ist seltsam unwirklich.
Und doch ist er der Einzige, der wirklich lebt. Nur er. Die anderen sind nur Stimmen in
seinem Kopf. Weil er verrückt ist. Wer Stimmen hört, ist verrückt...
~°~
Jedenfalls vermisste ich dich. Den schwachen Teil von dir, den ich aus deinen Träumen
kannte - den ich wahrscheinlich als Einziger kannte - und der jetzt vielleicht für immer
verschwunden war.
Ich glaube, ich hatte noch nie etwas so vermisst. Ich wusste nicht, wie das passiert war.
Wie kam es, dass ich dich brauchte, dass ich fast verzweifelte bei dem Gedanken, dich nie
wieder zu sehen?
Wenn du wach warst, konnte ich dich nicht erreichen. Ich hatte jedes Mal das Gefühl, gegen
eine Mauer zu laufen.
Ich versuchte es natürlich trotzdem, versuchte es Dutzende Male, hörte erst auf, wenn die
Kopfschmerzen unerträglich wurden und mich in eine stundenlange Ohnmacht trieben.
Ich brauchte Antworten. Ich glaubte, dass du sie mir geben könntest. Vielleicht wollte ich
auch Vergebung. Ich wusste es selbst nicht genau, weiß es bis heute nicht.
Vergebung... Nur ein Narr wie ich konnte sich von der Rache selbst Vergebung erhoffen.
Das war der Grund, warum ich dich fürchtete. Warum ich nur in deinen Träumen zu dir kam.
Dort war kein Hass. Aber ich war mir sicher, dass du mich hasstest. Ich wusste es, es konnte
nicht anders sein. Ich hasste mich ja selbst.
~*~
Er weiß nicht, wie lange er jetzt schon durch die Stadt läuft. Die Sonne ist durch die grauen
Wolken nicht zu sehen, die Zeit scheint stehen geblieben zu sein. Genau wie seine
Armbanduhr.
Sein Magen knurrt und das Zittern will einfach nicht aufhören. Sein Körper verlangt nach
Essen. Er hat keinen Appetit, aber sein Wille ist zu schwach, um ernsthaft Widerstand zu
leisten, und so betritt er wenig später ein Café.
Stickige Wärme schlägt ihm entgegen. Im Hintergrund dudelt leise ein Radio. Das Café ist
fast leer. Er geht zu einem Tisch ganz hinten, neben dem Fenster. Die Kellnerin weiß in dem
Augenblick, in dem der Fremde durch die Tür tritt, was dieser haben will. Einige Minuten
später steht es dampfend vor ihm und sie ist sich sicher, dass er gezahlt hat.
Lustlos stochert er im Essen herum, ignoriert das fordernde Knurren seines Magens. Ihm wird
schlecht bei dem Gedanken an Nahrung.
Obwohl er Hunger hat, sich nicht erinnern kann, wann er das letzte Mal etwas gegessen hat.
~°~
„Schu... wach auf."
Sanft und leise wie der Kaffeeduft durchdrang deine Stimme meine Träume. Langsam tauchte
ich aus ihnen auf, befand mich irgendwo zwischen Schlaf und Wachen. Ich genoss das Gefühl
von Frieden.
Ruhe. Keine fremden Gedanken. Nur meine und deine.
Die Matratze bewegte sich unter mir, als du dich neben mich aufs Bett setztest.
„Ich weiß, dass du wach bist." In deiner Stimme schwang liebevoller Spott mit. Deine Hand
strich mir zärtlich einige Haarstränen aus dem Gesicht, berührte dabei leicht meine Wange.
Ein glückliches Lächeln legte sich auf mein Gesicht. Träge öffnete ich die Augen und sah
dich an. Du trugst den dunkelblauen Yukata, lehntest am Kopfende des Bettes. Deine linke
Hand stützte das Tablett, das auf deinen Beinen balancierte, während deine Rechte anfing,
durch meine Haare zu kraulen.
„Du hast Frühstück gemacht..."
„Hmm..." Du beantwortetest meinen Blick mit einem dieser seltenen Lächeln, die meist nicht
länger dauern als ein Wimpernschlag. Aber diesmal blieb es lange auf deinem Gesicht liegen,
sodass ich mir wünschte, die Zeit bliebe in diesem Moment stehen...
~*~
Nein, das ist nicht die richtige Reihenfolge. Das war erst später, liegt nicht so weit zurück...
und doch scheint es zu einem anderen Leben zu gehören.
Er darf sich nicht ablenken lassen. Der Reihe nach. Ein Wurm nach dem anderen...
Er muss versuchen, sich an die Reihenfolge zu erinnern. Er kennt sie bestimmt. Er muss sich
nur Mühe geben, sich konzentrieren, dann würde er es schon herausfinden...
~°~
Schwarz hatte eine Mission. Eine Mission... irgend eine. Ich weiß nicht mehr, wie der Auftrag
lautete, wusste es wahrscheinlich auch damals nicht.
Ich nahm kaum noch etwas wahr, was außerhalb meines überspannten Geistes passierte.
Gelegentlich drangen die besorgten Blicke Crawfords zu mir durch, oder Nagis verzweifelte
Wut auf mich, wenn er schon wieder mit mir geredet hatte, ohne eine Antwort zu erhalten. Es
tat mir leid, dass ich mich so von ihnen isolierte, aber ich konnte nicht anders.
Nur mit Farfarello sprach ich von Zeit zu Zeit. Es war leicht, weil er nicht versuchte, hinter
den Grund meines Verhaltens zu kommen. Vielleicht war es ihm einfach egal, ich habe ihn
nie danach gefragt...
Die Mission. Du warst da. Zusammen mit Weiß. Oracle gab den Befehl abzuwarten, eine
Konfrontation zu vermeiden. Also beobachteten wir.
Äußerlich hatte sich nichts verändert. Du wirktest kühl und entschlossen, als du auf die
Zielperson zustürmtest.
Aber ich konnte den Schrei hören. Fast wunderte es mich, dass er von den anderen unbemerkt
blieb. So viel Machtlosigkeit und Verzweiflung.
Du wolltest nicht mehr töten.
Die Klarheit dieser Erkenntnis verblüffte mich. Ohne darüber nachzudenken, was ich da tat,
richtete ich meine Waffe auf den Menschen, den du nicht töten wolltest, und drückte ab.
In solchen Momenten erscheint die Wahrnehmung verstärkt. Es ist, als würde die Zeit kurz
innehalten...
Der Schuss ließ dich mitten in der Bewegung stoppen. Fassungslos wanderte dein Blick über
den Sterbenden und richtete sich dann auf mich. Ich stand keine zehn Meter entfernt auf
einem flachen Dach, hatte mich aufgerichtet, jede Deckung verlassen.
Unsere Blicke trafen sich. Deine Augen waren dunkel. Das dämmrige gelbe Licht der
Straßenlaternen ließ das Violett zu einem fahlen Braun verblassen. Der Ausdruck, der in
ihnen lag, erschreckte mich.
Und dann war die Mauer um deinen Geist plötzlich weg, als wäre sie nie da gewesen.
Ich wurde überschwemmt von deiner Verwirrung, deiner Trauer, deiner Verzweiflung.
Dutzende Stimmen brachen gleichzeitig über mich herein, obwohl ich mir sicher war, dass ich
nur deine Gedanken durchließ.
Es war ein Summen wie in einem Hornissenschwarm. „Du! Du warst es! Die ganze Zeit..."
stellte eine Stimme bestürzt fest, wurde aber von anderen übertönt. „Danke... dass ich es nicht
tun musste.", flüsterte eine fast tonlos, während gleichzeitig eine Andere „Mörder!", schrie
und eine Dritte „Sie wird nicht sterben!" wie ein Mantra vor sich her sagte. „Ich habe meinen
Weg verloren.", schluchzte die Hoffnungsloseste verzagt. Die restlichen Stimmen waren da,
aber es drangen nur unzusammenhängende Wortfetzen zu mir durch, die ich nicht verstand.
Entsetzt keuchte ich auf, versuchte deine Gedanken abzublocken, die so brutal auf mich
einstürmten.
Dann war plötzlich Ruhe.
Mir entfuhr ein erleichtertes Seufzen und ich stellte fest, dass ich auf die Knie gesunken war.
Nur langsam löste sich mein Blick vom grauschwarzen Beton und suchte deine Augen. Ich
konnte ihren Ausdruck nicht einordnen. Dein Blick richtete sich starr und konzentriert in
meine Richtung, aber ich war mir nicht sicher, ob du mich wirklich sahst.
Langsam richtete ich mich wieder auf, ohne den Blickkontakt lösen zu können. Was hätte ich
dafür gegeben, deine Gedanken zu kennen! Nie hatte mich ein Mensch so heillos verwirrt wie
du.
Die anderen Menschen waren einfach zu durchschauen. Statisten, die ihre kleine Aufgabe
hatten, ihren kleinen Auftritt in meinem Leben, und dann wieder spurlos verschwanden. Da
gab es keine Rätsel. Keinen Gedanken, den ich nicht gekannt, kein Gefühl, das ich nicht
entdeckt hätte. Sie waren mir unterlegen, wussten weniger über sich selbst als ich.
Und dann kamst du. Mit Gedanken, die ich nicht lesen, Gefühlen, die ich nicht ertragen
konnte. Ich verstand dich nicht. Du warst nicht wie sie. Du warst echt. Ein wirklicher Mensch,
der auch außerhalb meiner Wahrnehmung existierte.
Dann wurde ich plötzlich aus meinen Gedanken gerissen. Die Zeit raste wieder wie gewohnt
an mir vorbei. Ich spürte, wie mich etwas an der Seite traf, den Luftzug des kleinen Pfeils, der
haarscharf an meinem Kopf vorbeisauste. Dann wurde ich von den Füßen gerissen und schlug
hart auf das Betondach auf.
„Mastermind! Komm zu dir!" Schnell rappelte Crawford sich auf und feuerte ein paar
ungezielte Schüsse auf euch ab. Undeutlich wurde mir bewusst, dass ich mich in
unmittelbarer Gefahr befand. Verdammt, ich war immer noch auf Mission!
Ich setzte mich benommen auf und versuchte zu verstehen, was da gerade passiert war. Weiß
griff an. Wir hatten schon vermutet, dass ihr jetzt den Auftrag hättet, uns auszuschalten.
Crawford kam wieder zu mir, zerrte mich auf die Füße und hinter sich her. „Rückzug."
knurrte er mit einem Blick über die Schulter. Ich nahm es kaum wahr, ließ mich einfach
mitziehen.
Aber aus den Augenwinkeln sah ich, dass du dich nicht von der Stelle gerührt hattest.
Zweitens: Schmerz

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Fanfiction |
© 2004 by Elster |
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