Anbau mit einem Dochtsystem
Ich baue seit 1990 an, im Keller unter Quecksilberdampflampen (normale Leuchtstoffröhren wären besser gewesen), auf dem Balkon, in freier Wildbahn und schliesslich im Wandschrank zuhause (allerdings nicht in Deutschland wo das ohne spezielle Erlaubnis illegal wäre). Meine Ergebnisse waren immer ermutigender als ich allmählich aus meinen Fehlern lernte. Ich bin mit dieser Anlage hier sehr zufrieden, nach dem ich endlich eine Lösung für ein altes Problem fand. Ich bin oft für ein paar Tage unterwegs und da gab es immer Problem mit der Trockenheit. Meine Lieblingspflanzen mögen viel Licht und dementsprechend haben sie auch viel Durst und gehen ein wenn es ihnen zu trocken wird. Ich musste meist jeden zweiten Tag giessen und suchte nach einer Alternative. Ich wollte aber andererseits nur ungern die Wohnung unter Wasser setzen. Es musste zuverlässig sein und gleichzeitig einfach selbst zu bauen denn ich bin kein Profi-Handwerker.
High mit Seilen
Zum ersten mal sah ich eine Beschreibung eines Dochtsystems in Ed Rosenthals "Marijuana Growers Handbook, Indoor/Greenhouse Edition" (ISBN: 0-932551-00-9, US$19.95), siehe obige Abbildung, und irgendwann dachte ich mir, das probierst du einfach mal aus. Ein Dochtsystem schafft auf die gleiche Art Wasser an die Topferde wie ein Kerzendocht geschmolzenes Wachs in die Kerzenflamme zieht. Das Prinzip ist, ein Wasserreservoir zu schaffen ohne die Wurzeln im Wasser zu ersäufen. Wenn die Pflanzen Wasser aufnehmen saugt die trocknende Erde mehr Wasser aus dem Docht der seinerseits Wasser aus dem Reservoir zieht. Zuerst verwendete ich einen Topf mit 30 cm Durchmesser und einen ähnlich grossen 5 cm hohen Untersetzer den ich immer nachfüllte. Im Buch war nicht verrottendes Nylon empfohlen worden aber ich fand zuerst nur andere Plastikseile und dachte dass diese vielleicht wasserabstossend seien. Deshalb kaufte ich ein 5mm starkes Juteseil das ganz brauchbar war, auch wenn es nur eine Saison lang hielt weil es bis zur Ernte schon ziemlich verfault war. Ich schnitt ein Dutzend je etwa 60 cm lange Stücke her und fädelte sie durch die Entwässerungslöcher im Topfboden so dass beide Enden weit genug hervorstehen würden. Den Topf stellte ich auf kurze Lattenstücke so dass der Docht ins Wasser hing aber rundherum immer noch Luft an die Topfunterseite und die Wurzeln kommt. Die unteren 5 cm des Topfes füllte ich mit Vermikulit weil dieses das Wasser gut vom Docht aus aufnehmen kann. Darüber verwendete ich eine Mischung aus Vermikulit und Pflanzerde aus der Giesswasser recht leicht ablaufen kann.
Mein Dochtsystem
Nachdem das Experiment mit den Untersetzern zeigte dass die Pflanzen genügend Wasser aus dem Reservoir über die ins Wasser hängenden Seilstücke aufnahmen wechselte ich zu einem massiveren Plastikbehälter den ich in einem Baumarkt als Mörtelmischwanne erstand. Er war 90 cm x 45 cm x 20 cm gross und die Töpfe standen auf je einem Paar 5 cm starker Bohlen so dass nur die Seildochte ins Wasser hingen, ansonsten aber durch die Abflusslöcher in den Töpfen Luft an die Wurzeln gelangen konnte. Weil ein passives Hydrosystem die Wurzeln nicht mit soviel Sauerstoff versorgt wie ein aktives (z.B. Ebbe- und Flutsystem, Tropfemittersystem) kaufte ich eine Aquariumsluftpumpe mit Blubberstein (ca. DM 25) den ich im Becken versenke um das Wasser ständig mit Sauerstoff zu sättigen. Dadurch kann ich auch mal den Wasserspiegel so weit anheben dass die Töpfe ein paar Tage im Wasser stehen wenn ich mal wirklich länger weg bin. Einmal im Monat giesse ich von Hand von oben damit überschüssige Nährsalze herausgespült werden. Dann entferne ich das komplette Wasser aus dem Reservoir. Normalerweise mische ich eine Filmdose voll 14-14-14 (NPK) Dünger auf 18 Liter Gieswasser. Während der Blüte sollte ein Dünger mit relativ mehr P als N eingesetzt werden. Zwei grosse Pflanzen wachsen in Töpfen mit 30 cm Durchmesser und 25 cm Höhe. Die Spitzen wurden beschnitten so dass sich mehr Seitenzweige bildeten weil in dem Garten nicht viel Höhe zur Verfügung stand. Die Zweige wurden waagrecht mit Draht oder Schnüren heruntergebunden. So kann ich eine Pflanze mit einem 90 cm langen Stengel in einem Garten wachsen lassen in dem abzüglich Lampe und Sicherheitsabstand nur 45 cm Höhe zur Verfügung stehen. Kurze Drahtstücke sind zum Herunterbinden am besten. Die horizontalen Zweige füllen die gesamte Grundfläche des Gartens, auch über das Reservoir hinaus. Die Pflanzen verbrauchen 2,8 L pro Tag so dass der Wasserspiegel um 1 cm pro Tag fällt wenn nichts nachgeschüttet wird. Ich kann alle 5 Tage mit 14 Liter Wasser den Wasserstand wieder um 5 cm anheben, oder mit 7,5 cm eine ganze Woche überbrücken. Aber noch besser geht es wenn ich PET-Flaschen zu 2 L mit Wasser fülle und umgekehrt ins Reservoir stelle. Den Flaschenhals stelle ich auf ein Holzstück um ein Verrutschen zu verhindern. Wenn der Wasserstand im Reservoir bis zum Flaschenhals fällt dringt Luft in die Flasche ein und die entsprechende Wassermenge fliesst ins Reservoir. So bleiben konstant ein paar cm Wasser im Becken, bis alle Wasserflaschen leer sind. Damit habe ich problemlos 2 Wochen Urlaub überbrückt. Das Reservoir ist hoch genug dass es auch im schlimmsten Fall keine Überschwemmung gibt.
![]() Oder aus dem verholzten Stengel eine Pfeife bauen:
![]() Später will ich mal ein Ebbe- und Flutsystem bauen aber das Dochtsystem ist von einer Einfachheit die es sogar draussen einsetzbar macht wo man keinen Strom hat. Fröhlichen Anbau! :-)
Gärten unter Kunstlicht:
Gärten unter Sonnenlicht:
| ||||